Einzelbild herunterladen

licher Weise von verwirrender Mannigfaltigkeit fern und macht bei aller Reichhaltigkeit einen ruhigen und vornehmen Eindruck.

Verbandstag des Verbandes der Polizeibeamten Hessens.

Pb. Buh b ach, 11. Sept.

Der Verband der hessischen Po11 -- zeibeamten hatte sich als Tagungsort für dieses Jahr unsere Stadt gewählt. 127 Ver­treter waren aus den drei Provinzen unseres Hessenlandes hierher gekommen, um über Be­rufs- und Standesfragen zu beraten.

Dem Verbandstag ging am gestrigen Sams­tag eine Tagung der einzelnen Lan­desfachgruppen voraus. Abends fand im großen Saal desHessischen Hofes" eine Be­grüßungsfeier statt, an der u. a. auch Bürgermeister Dr. Jansen, die Abgeordneten Leuschner, Reiber und H e i n st a d t, sowie Reg.-Rat Fuchs vom Ministerium des Innern teilnahmen.

Am heutigen Sonntagvormittag fand dann im gleichen Saale der Verbandstag statt. Kurz nach 10 Uhr eröffnete der Landesverbands- vorsitzende Stürmer die Tagung und be­grüßte nach einleitenden Worten die Vertreter der Behörden, insbesondere den Minister des Innern Kirnberger, Ministerialrat Dr.S ie- gert, Reg.-Rat Fuchs, Ober-Reg.-Rat Dr. Heß, die Reg.-Räte Wolf, Jordan, U s i n- ger, Großholz, L a u te n s ch l ä g e r und Schad, die Landtagsabgeordneten Leuschner, Reiber, Prof. Dr. Werner, den Polizei- Major Löb decke, sowie die Vertreter der Polizeiverbände von Baden und Württemberg und andere. Er gab ein Schreiben des Staats­präsidenten bekannt, worin dieser bedauert, an der Tagung nicht teilnehmen zu können, und dieser einen guten Verlauf wünscht.

Minister des Innern Kirnberger sprach seinerseits, sowie auch namens des Finanzmini­sters und der eingeladenen Kreis- und Polizei­direktoren Dank für die Einladung aus und be- tonte, daß er für die Belange der Polizeibeam­ten stets ein besonderes Interesse habe, und daß kein Gegensatz zwischen Mmisterium und Beam- ten-Verbänden bestehe. Er erklärte es für einen besonderen Fortschritt, daß eine Einheits- Polizei geschaffen worden sei, und teilte mit, daß das neue Polizei-Gesetz noch im Laufe dieser Woche dem Landtag zugehen werde.

Ramens der Sozialdemokratischen Partei überbrachte Landtagsabg. Leuschner Grüße und versprach im besonderen Maße den Verband unterstützen zu wollen. Landtags­abg. Prof. Dr. Werner betonte, daß auch die Deutschnationale Partei, wenn sie auch Kein sei im Hessischen Landtag, doch stets für die Beamten ein warmes Herz habe und deshalb stets für diese eingetreten sei. Die Demokra­tische Partei lieh durch ihren Vertreter Abg. Reiber erklären, daß sie stets Verständnis uni) Interesse für die Polizeibeamten gehabt hab« und deshalb immer für sie eingetreten sei. Na- mÄrs der Deutschen Volkspartei sprach der Vertreter Weiher sein Bedauern darüber aus, daß kein Abgeordneter wegen des rhein- hessischen Verbandstags der Partei erschienen sei. Er versprach die weitestgehende Unterstützung seitens der Partei.

Weiter sprachen noch der Vorsitzende des Landesverbandes Württemberg und Baden, die Vertreter des Preußischen Polizeiverbands, des Reichsbunds und Landesverbandes Hessen der Zivildienst-Berechtigten, des Hessischen Beamten- bundes und des Landeskartells der Hessischen Be­amten, der Polizei-Osfiziersvereinigung und des Hessischen Landgemeindetags.

Hierauf hielt Polizei-Hauptmann a.D. Sie- ring einen zweistündigen Vortrag über die neue Polizeigesetzgebung. Er schil­derte in eingehender Weise das Zustandekommen des neuen Gesetzes, streifte hierbei die Verhält­nisse der Vor- und Nachkriegszeit, und betonte» daß die Polizei heute ganz andere Aufgaben habe, wie zu der Zeit, als noch ein stehendes Heer vorhanden war. Er würdigte näher die .^asernierungs--. die Ehebeschränkungs-, die Kün- digungs- sowie die Unfallfursorgeschutz-Bestim- mungen. e

Aach einer Mittagspause wurde nachmittags in der Beratung fortgefahren und zunächst der Kassenbericht und der Haushaltsplan beraten.

am gnt MTiBfcinatrc»-« iMHHm.nn.Hi mir

Die schlanke Linie.

Von Dr. med. E. Mosbacher.

Die Hygiene hat es heutzutage in mancher Beziehung recht gut; denn verschiedene ihrer Wege und Ziele finden die wertvolle Unier- stützung der allmächtigen Mode. Der Kampf dec Hygiene gegen das Korsett, geen die ein­schnürende Frauenkleidung überhaupt, war in dem Augenblick zu ihren Gunsten entschieden, als die Mode sich auf ihre Seite schlug. Der in früherer Zeit sehr häufig beobachtete und stets schwer zu behebende Haarausfall bei Frauen und Mädchen ist eine Seltenheit geworden, seit­dem der Bubikopf dem Haupthaar günstige Be­dingungen zur Pflege schuf. Und schließlich hat sich der Schrei nach der modernen schlanken Linie als wohltätiges Vorbeugungsmittel gegen Kor­pulenz. gegen Fettleibigkeit erwiesen, die früher oder später zu allen möglichen Beschwerden, ja sogar zu recht ernstlichen Störungen der inneren Organe führen kann. Man glaubt gar nicht, mit welcher Genauigkeit, ja mit welcher Leiden­schaft heutzutage die diätetischen Anordnungen des Arztes befolgt werden, mit welchem Eifer dieDicken" ihre Entfettungskuren durchführen.

2m übrigen besteht die Heilwirkung der ärzt­lich angeordneten Maßnahmen bei ausgesproche­ner Fettleibigkeit keineswegs lediglich in der Fett- abnahme allein. Rein, die Wmagerung, die Verminderung des Umfanges ist gar nicht selten auf eine erhöhte Wasserausschüttung, auf eine starke Entwässerung des Körpers zurückzuführen. Gar manches, was für reines Fett gehalten wird, besteht letztlich fast zur Hälfte aus Wasser, und nur der Rest ist echtes Fett. Verläßt diese Wasseransammlung den Körper, so gibt sich dies durch eine erhebliche Llbmagerung, durch einen beträchtlichen Gewichtsverlust kund. Auch beim dicken Bauch" ist nicht alles Fett, was glänzt. Oft ist er zum großen Teil nichts weiter als eine Auftreibung des Leibes, verursacht durch eine gewaltige Ansammlung von Gasen. Gelingt es, diese lästigen Gäste auszutreiben, schrumpft nc-hl auch der Bauch-Montblanc zu.einem sanften ßügelchen zusammen. Allerdings ist hier der Gewichtsverlust geringfügig.

Eine längere Erörterung nahm der Geschäfts­bericht für 1926 27 in Anspruch, da hierzu eine ganze Anzahl Redner der verschiedenen Fach­gruppen Anträge und Wünsche vorbrachten, auf welche Ministerialrat Dr. Siegert näher ein­ging und soweit wie möglich Abhilfe oder Er- füluing zusagte. Die weitere Beratung der Tages­ordnung. die insgesamt 35 Punkte und sechs Dringlichkeitsanträge enthielt, nahm dann einen rascheren Verlauf, da sämtliche Anträge zur Besoldung mit Rücksicht auf die Neuordnung der Besoldung von der Tagesordnung a b g e s e h t und dein Derbandsvorstand als Ma­terial überwiesen wurden. Die anderen An­träge wurden mit Rücksicht auf die vorgeschrittene Zeit, und da sie auch in den einzelnen Fach­gruppen am Tage vorher eingehend durchberaten worden waren, insgesamt angenommen.

Die Neuwahl des Vor st an des ergab die Wiederwahl des ersten und des zweiten Vor­sitzenden. an Stelle des zurückgetretenen Ver- bandskassieres wurde Herr Dietrich gewählt.

Vor Schluß der Tagung gab der Vorsitzende noch die durch Radio aufgenommene Rede des Reichsfinanzministers Dr. Köhler, die er auf dem Veamtentag in Magdeburg gehalten hatte, bekannt. Der Verbandstag schloß mit einem Treucgelöbnis für den Freistaat Hessen.

Die Verbesserung her Hulweiden im Vogelsberg.

Wie aus einem Bericht des Kulturbau-Ober- infpettors Kunz in Lauterbach über die Hut- weidenmeliorationen im Vogels­berg im Rechnungsjahr 1926,27 ersichtlich ist, sind in dieser Zeit in 15 Gemarkungen der Kreise Lauterbach und Schotten zusammen 1 0 8,2 5 Hektar mit 81 755,25 Mark sachlicher Ausführungs­kosten verbessert worden. Hieran sind im Kreise, Lauterbach fünf Gemeinden mit 3 7,9 6 Hektar uni) 3 1 3 1 2,7 7 Mark und im Kreise Schotten neun Gemeinden und das Versuchsgut Selgenhof mit 70,29 Hektar und 50 4 42,48 Mark Kosten beteiligt.

Dre durchschnittlichen Kosten betragen im Kreise Lauterbach 8 0 0, im Kreise Schotten 7 0 4 Markje 1 Hektar. Im Durchschnitt der beiden Kreise belaufen sich die Kosten auf 7 38 Mark je 1 Hektar. Sie wechseln je nach dem Umfang der Meliorationsarbeiten zwischen 4 0 7 Mark (Rudingshain) und 1514 Mark (Lanzenhain). Die Steigerung der Kosten gegenüber dem Vor­jahre (644 Mark je 1 Hektar) ist im wesentlichen bedingt durch die auf Grund eines Beschlusses der Hutweidenkommission im Berichtsjahre zum ersten Male gegebene Stjckstoffdüngung von achtzig Pfund Leunasalpeter je ein Myxgen. Diese Düngung hat sich sehr gut bewähn und be­sonders zum raschen Auslaufen der Einsaat bei­getragen. Die seitherige Kalkdüngung ist auf fünf Zentner gemahlenen Aetzkalk je ein Morgen bei der ersten Düngung herabgesetzt wor­den. Hierbei ist jedoch den Gemeinden zu emp- fehlen, bei der erstmaligen Nachdüngung der Melivrationsflächen eine weitere Kalkdüngung von fünf Zentner je Morgen zu geben, die bei Flächen mit starken) Bodensäuregehalt auf zehn Zentner zu erhöhen ist. Die bei der Melioration ausgeführte Düngung je ein Morgen bestand aus; 3 Zentner Thomasmehl, 1,5 Zentner 40prozenti- gem Kalisalz, 5 Zentner gemahlenem Aetzkalk, 80 Pfund Leunasalpeter.

Die entstandenen Aussührungskosten werden, wie vertraglich 'festgelegt ist, je zur Hälfte von dem Staate und beit beteiligten Gemeinden ge­tragen, während die Kosten für Projektaufstellung und Bapleitung von dem Staate allein bezahlt werden.

Durch den früh einsehenden Winter und starken Schneefall in den höher gelegenen Ge­markungen erlitten die Meliorationsarbeiten im allgemeinen eine Verzögerung, so daß teilweise die Fertigstellung in einzelnen Gemarklmgen bis Ende Juni d. 2. dauerte, obwohl bei sämtlichen Unternehmungen genügend Arbeitskräfte zur Ver­fügung standen, die bei den jetzigen ungünstigen wirtschaftlichen Verhältnissen auf Arbeitsgelegen­heit und Verdienst angewiesen sind.

Es ist daher zu begrüßen, daß die Staats- regierung und die Volkskammer auch wieder für das Rechnungsjahr 1927/28 einen erhöhten Staatszuschuß für die Durchführung der Hut­weidenmeliorationen im Vogelsberg zur Verfü­gung gestellt Haben, wodurch eine in vielen Fällen dringend notwendige Derdienstmöglichkeit

Von praktischem 2nteresse für weite Kreise ist die Frage, ob von einer Brunnenkur Erfolg zu erwarten ist. Unzweifelhaft hat ein mehr- wöchentlicher Aufenthalt an einem geeigneten Badeplatz schon zahlreichen Dicken recht beträcht­liche Gewichtsverluste gebracht. Die üblichen ent­fettenden Mineralwässer enthalten fast sämtlich als wesentliche Bestandteile abführende Salze; ge­wöhnlich Glaubersalz. Dank der wasseranziehen­den Kraft des Brunnens wird aus dem Köcher Gewebeflüssigkeit in den Darm geleitet und so­mit überflüssiger Ballast entfernt. Außerdem wird unter dem Einfluß des Brunnens die Mus­kulatur des Darmes zu erhöhter Tätigkeit an­geregt; die Folge ist ein schnelles Durchpassieren der Nahrungsmittel, deren Ausnutzung infolge­dessen vermindert wird; d. h. sie tragen zur Fettbildung weniger bei. Vor allem steigert sich jedoch während der Brunnenkur die Arbeit der großen Stoffwechseldrüsen erheblich. Die Leber, unsere größte Stoffwechseldrüse, wird besser durchblutet und vermag ihren gewaltigen Auf­gaben eher gerecht zu werden; die Gallenabson­derung gerät in schnelleren Fluß; die Gefahr einer Bildung von Gallensteinen bei Fettsucht keineswegs eine Seltenheit wird gemindert. Andererseits hebt sich auch die Leistungsfähig­keit der Bauchspeicheldrüse, die überaus wich­tige regulierende Beziehungen zum Zuckerstoff­wechsel besitzt. Oft ist der Zuckerhaushalt bet Fettleibigen insofern gestört, als der mit der Nahrung aufgenommene Zucker im Uebermaß in Fett verwandelt und aufgespeichert wird, statt wie bst den Gesunden verbrannt zu wer­den. Wenn es nun mit Hilfe der Brunnenkur gelingt, den Zuckerstoffwechsel in normale Bah­nen zu leiten, dann wird sich auch hier bald die entfettende Wirkung des Mineralwassers kund- geben.

Wir sehen, daß eine Brunnenkur, die zu­gleichentwässert" undentfettet", recht Er­sprießliches leisten kann. Eine ärztliche Kon­trolle ist febod) unbedingt erforderlich, damit Schädigungen des Herzens und des Nerven­systems vermieden werden. Jede Uebertreibung, jeder gewaltsanie Versuch abzunchmen, vermag sich bitter zu rächen.

Mit einer zeitlich begrenzten Kur allein ist es übrigens keineswegs getan. Wer zur Korpu-

für die Bevölkerung des oberen Vogelsberges geboten wird.

Neben den teilweise recht schwierigen Ein- ebnungsarbeiten und dem Beseitigen von Steinen und Felsblöcken (Sprengungen) smd fast in sämt­lichen Gemeinden Entwässerungsanla­ge n für besonders nasse Stellen notwendig ge­worden. Diese Anlagen bestehen hauptsächlich aus Steinsickerungen und Röhrendrainagen, die in Rücksichtnahme auf die spätere Benutzung als Viehweide geeigneter für die Trockenlegung sind als offene Gräben, da diese bei dem Weidegang öfteren Beschädigungen ausgesetzt sind, wodurch größere Unterhaltungskosten entstehen.

Auf Antrag der Hulweidentommission ist ein Film hergestellt worden, der ein getreues Bild von der Durchführung der Hutweidenverbesserun- gen und Viehweidenanlagen als Förderungs- mahnahme zur Hebung der Viehzucht im Vogels­berg gibt. Dieser Film soll aus der Landwirt­schaftlichen Landesausstellung in Darmstadt zu Lehr- und Propagandqzwecken vorgeführt werden.

Oberhessen.

Landkreis

ch Lang-Göns, 11. Sept. Die Frucht- felder in unserer Gemarkung sind in der laufenden Woche f a st leer geworden, nur hier und da sieht man noch vereinzeltGetreide­männer" stehen. Unsere Landwirte zogen es vor, bei dem schönen Nachsommerwetter zuerst das Grummet zu machen und alsdann die in­zwischen vollständig trocken und dürr gewordene Frucht, hauptsächlich Hafer, einzusahven. Aller­dings ist auch schon gar mancher Wagen Ge­treide in nassem Zustand von voveiligen Land­wirten in die Scheune gebracht worden, was sie natürlich heute bereuen. Doch ist der Schaden im allgemeinen nicht so hoch zu bezeichnen, den das lange Regenwetter angerichtet hat, da nur beim Hafer ein Ausfall von Körnern, haupt­sächlich durch Verwachsen auf den Haufen, zu be­obachten ist. Unsere Obstanlagen, die nach der Feldbereinigung eine starke Vergröße­rung erfahren haben, zeigen überaus st arten Behang. Ganz besonders hat daS Regen­wetter im Sommer die Entwicklung der Früchte, die schon jetzt ein gesundes Aussehen zeigen, vor­teilhaft begünstigt, so daß mit einer Vollernte zu rechnen ist.

z Rödgen, 11.Sept. Das zwanzig­jährige Bestehen unserer Kreinkin- d e r s ch u l e wurde heute mittag in einem" Feft- gottesdienst feierlich begangen. Die Kirche war gedrängt voll, sogar die Treppen waren dicht besetzt, und in den Gängen waren Bänke und Stühle, aufgestellt. Nach einem Dachschen Prälu­dium fang der hiesige Männergesangver­einKonkordia" klangschön und rein den Cho..;An einem schönen Sonntagmorgen..." 2n seiner Festpredigt schilderte Pfarrer Groth-den Werdegang unserer Kleinkinderschule und ver­breitete sich in packenden Ausführungen über die Mission der Kleinkinderschule, die nicht nur die Klemen zu bewahren und zu pflegen habe, son­dern auch im Pslegedienst an der Seele unserer Dorfgemeinschast stehe. Aus seiner Rede spürte man die innere Anteilnahme, die er unserer Kleinkinderschute entgegenbringt, ist er es doch, durch dessen Initiative sie entstanden ist unb der sie bis Ostern verdienstvoll geleitet- hat. An den Gottesdienst schloß sich eine kirchliche Feier f ü r die ganz Kleinen an. Der D u s e ck e r Posaunenchor, der wieder einmal unter sei­nem schaffensfrohen Leiter seine Kunst in un­eigennütziger Weise zur Verfügung gestellt hatte, nckhm an der einen Tür Aufstellung, und unten feierlichen Klängen zog das Keine Völkchen, mit Kränzen int Haar, ein. Es war ein reizendes Bildchen, und noch reizender war es, all die Ge­sichtchen zu studieren, denn der Eindruck, den die dichtbesetzte Kirche auf sie machte, äußerte sich auf die verschiedenste Act. Die Kleinen trugen nun Verslein vor und sangen kleine Liedchen. Der Schülerchor leitete iV' Liturgie mit einem Chor ein und schloß sie mit dem Lied Lob froh den Herrn" ab. Nun wurden unter Ansprachen Gaben durch Oberreallehrer Gel­ler (Gießen) von der Freimaurerloge Ludewig zur Treue" und durch Bürger­meister Wagner von der Gemeinde überreicht. Weitere Gaben sind der Kleinkinderschule noch von anderer Seite zugeilossen. Mit dem Choral Nun danket alle Goto', unter Begleitung des Posaunenchors und der Orgel, schloß die schöne lenz neiA, muß sich darüber im klaren fein, daß er dauernd auf gewisse Dinge Verzicht leisten, daß er ständig bis zu einem gewissen Grade kurgemäh" leben muß. Außer der Diät spielt die Sorge für regelmäßige Darmtätigkeit eine bedeutsame Rolle; sei es, daß es sich um eine exogene" Fettleibigkeit handelt, dir durch äußere Umstände überstarker Genuß kalorienreicher Kost, wie Mehlspeisen, Süßigkeiten, Fettigkeiten, Bier usw. tn Verbindung mit Mangel an 'Be­wegung bedingt ist; sei es, daß eineendo­gene" Fettsucht vorliegt, deren Ursprung in Störungen der Drüsen mit innerer Sekretion Schilddrüse, Gehirnanhang, Keimdrüsen usw. zu suchen ist. Dagegen wird Muskelarbeit, Sport, Gymnastik und oergleichen, im allgemeinen nur bei der exogenen Form der Fettsucht Erfolge haben, während sie bei der endogenen Fettsucht gewöhnlich feine nennenswerten Ergebnisse zu zeitigen Pflegt. Hier wird eher eine Behandlung mit Drüsenpräparaten am Platze sein. Schwitz­kuren und warme Bäder dürften bei beiden Kategorien von Fettleibigkeit Nutzen bringen, sofern nicht ein allzu geschwächtes Herz ihre Anwendung verbietet.

Erfahrungsgemäß vermag der Mensch, zumal der Korpulente, eine sogenannte Schmallost län­gere Zeit über zu vertragen. Diese Kostform führt dem Körper wenig Fett- und Zuckerstoffe zu und zeichnet sich durch das Hervortreten von Nahrungsmitteln aus, die bei geringem Kalo­riengehalt den Magen genügend füllen und die Hungergefühle befriedigen. Bei jeder kalorien­armen Nahrung muh jedoch genau darauf gesehen werden, daß ausreichende Mengen von Eiweiß dem Körper zugeführt werden, da andernfalls die Gesundheit ernstlich gefährdet wird.

Die Fettleibigkeit ist keinesfalls ausschließ­lich dem Erwachsenen eigen; auch die Jugend hat mitunter an diesem Uebel zu leiden. Meist handelt es sich hier um Störungen von feiten der Drüsen mit innerer Sekretion. Hier ist insofern auf den kindlichen Organismus Rücksicht zu neh­men. als ihm unbedingt wachstumfördernde, fett­lösliche Vitamine zugeführt werden müssen. Also in der Kost der jugendlichen Dicken dürfen But­ter, frische Eier. Fisch, Hülsensrüchte. Leber und Nieren nicht fehlen. Wohl aber fallen auch hier alle pflanzlichen Fette und Fleischbrühen weg.

Feier. Kurz nach 4 Uhr fand ehre Nachfeier hn Freien statt. Tie Kleinen spielten allerliebste Kreisspiele und erfreuten die zahlreichen Zu­schauer auf mannigfache Art. Dabei konnte man einen Einblick in die Arbeit einer KindersAvester bekommen und sehen, was für eine außerordent­lich gute Kraft unsere Gemeinde in der Schwester Lina besitzt. Die Schülerinnen der Oberklasse führten nett und gefällig zwei Reigen auf. Posaunen- und Schülerchor wirkten auch da wieder mit. Beinahe hätte ein Regenschauer dieser Veranstaltung ein vorzeitiges Ende be­reitet. Aber die trübe, finstere Wolke zog hurtig über die Versammlung hinweg, ohne sich auszu­gießen, so daß keinerlei Storung eintrat. 2n froher und gehobener Festesstimmung- kehrten alle gegen 6 Uhr ins Dorf zurück. Beide Dresch­maschinen sind dieser Tage mit ihrem hiesigen Erntedrufch fertig geworden. 2m all­gemeinen ist der Körn er er trag als recht gut zu bezeichnen, und der Schaden, den das Regenwetter während der Erntezeit anrichtets, ist bei weitem nicht so groß, als man zuerst annehmen konnte. Die Frühobst ernte hat begonnen und bringt gute Erträge. Bei ein­zelnen Birnensorten, z. V. bei der Guten Luise, bemerkt man viele Fruchte, die aufgeplaht sind, und die schon auf dem Baum verfaulen.

XIX Gründer^, 11. Sept. Am Freitag hielt der Reit - und Fahrverein Grün­berg und Umgebung eine Mitgliederver­sammlung ab. Im wesentlichen beschäfttgte sich die Tagesordnung mit dem Wettbewerb im Rei­ten und Fahren am 2. Gallus Markttag. Die Oberleitung wird in den Händen des Ehren­vorsitzenden. Rittmeister a. D. Freiherr von Roeder zu Diersburg, des 1. Vorsitzen­den Oberleutnant a. D. Dr. Selzer , des Hofguts­besitzers Neumeyer, OberpostsekretärsBecker und Posttnspettors Carle liegen. Die Aus­schreibungen für den Wettbewerb werden in den nächsten Tagen den benachbarten Reitervereinen zugehen. Eine Abteilung des hiesigen Vereines wird an dem Turnier anläßlich der hessischen Landesausstellung teilnehmen.

* Ettingshausen, 11. Sept. Auf dem schön gelegenen Sportplatz in Harbach wurden die Reichsjugendwettkämpfe der Schu­len Harbach. Hattenrod, Queckbom und Ettings­hausen ausgetragen. Es beteiligten sich 42 Knaben der oberen Jahrgänge an dem Fünfkampf, der Weitsprung, Dreisprung, Kugelstoßen, Schlag­ballweitwurf und 100°Meter-Lauf vvrschrieb. Die Leistungen waren trotz des feuchten Bodens recht gut. Die Urkunde des Reichspräsidenten bzw. des Reichsausschusses für Leibesübungen erhalte» folgende Schüler: 1. Wilhelm Gontrum, Hatten­rod, 118 Punkte. 2. Wilhelm Seipp, Ettings­hausen, 102 P. o. Ernst Braun, Hattenrod, 96 P. 4. Karl Launspach, Ettingshausen, 95 P. 5. Wil­helm Keil. Ettingshausen. 87 P. 6. Walter Keil, Ettingshausen, 86 P. 7. Karl Opper, Ettings­hausen, 84 P. 8. Emil Pfeiffer, Ettingshausen, 83 P. 9. Phil. Keil, Hattenrod, 77 P., Eduard Walter, Hattenrod, 77 P. 10. Ludwig Harnisch, Queckborn, 74 P. 11. Wilhelm Görnert, Ettings­hausen, 73 P., Erich Hoffmann, Ettingshausen. 73 P, Theo Görnert, Queckborn. 73 P. 12. Gott­fried Henß, Ettingshausen, 69 Punkt«.

:/: Trais-Horloff, 11. Sept. Zur Zett wird unser Kirchturm mit einem Blitz­ableiter versehen, da vor Lrrzem der Blitz in bem Tarrm eingeschlagen hatte, wobei die Orgel stark beschädigt wurde. Mit veranlaßt ist diese Neuanlage durch den Umstand, daß die Drandversicherung den PfcMchcmsneubau nicht aufnimmt, bevor nicht eine Blitzschutz Vorrichtung auf dem in unmittelbarer Nähe befindlichen Kirchturm angebracht ist. Die Arbeiten werden von Dachdeckermeister Fatum tn Hungen aus­geführt. Bei der gleichzeitig vorgenommenen Prü­fung des Blitzableiters auf dem neuen Schul­haus ergab sich, daß die Kupferdrahtleitirng am Schornstein unbrauchbar geworden ist. Es ist dies auf die chemische Einwirkung gewisser Be­standteile des Schornsteinrauches auf das Kupfer zurückzufuhren> Die Ueberlandzentrals läßt zur Zeit die elektrische Lichtleitung von der hier neu errichteten Lichtstation bis zum Provinzialwasserwerk bei Inheiden umlegen. Durch diese Maßnahme wird erreicht, daß künf­tighin nicht mehr, wie seither, bei irgendeiner) Leitungsstörung Zwischen Trais-Horloff und Utphe unser Dorf ohne Licht ist. 2n solchen! Fällen kann jetzt die Zuleitung von Inheiden her erfolgen.

Wie oben schon angedeutet, neigen zahlreiche korpulente Personen dazu, die ihrem Körper zugeführte Flüssigkeit über die Maßen zurückzu­halten. Daher muh für alle Dicken auch dis Flüssigkeitsaufnahme reguliert werden, schon um eine übermäßige Belastung des häufig schon an und für sich geschwächten Herzens zu vermeiden. Aus entsprechenden Gründen sollte auch die Zu­fuhr von Kochsalz eingeschränkt werden. Zweck- mäßigerweise wird in schwereren Fällen dis Schmallost mit einer Hunger-Durst°2iegekur ver­bunden, d. h. es werden in Abständen von zwei Wochen jeweilig drei Tage eingeschaltet, an denen die Kalorien- und Flüssigkeitszufuhr auf ein Minimum herabgedrückt wird; entweder wird an diesen Tagen nur Milch oder nur Obst oder nur Kartoffeln ober nur Gemüse genossen; stets jedoch muß dabei strengste körperliche Ruhe ein­gebalten werden. Sowohl die Einschmelzung des Fettes wie die Ausschüttung der Wasserdepots wird durch derartige Hungertage vielfach außer­ordentlich gefördert. Allerdings stellt diese Me­thode ganz erhebliche Ansprüche an die Selbst­beherrschung der Patienten.

Der Wert der Muskelarbeit Wandern!, Schwimmen, Gymnastik usw. liegt in der Steigerung des Stoffwechsels, in der vermehrten Verbrennung des Körpersettes. Jedoch gibt es auch Formen von Fettsucht, bc-l denen der Erfolg nur gering ist. Auf alle Fälle sind Ueberan- ftrengungen unbedingt zu vermeiden, und eine dauernde Kontrolle des Herzens ist notwendig. Die Massage, der Sport der Faulen, hat auf die Gewichtsabnahme gar keinen Einfluß. Jedoch vermag auch die Massage den Fettleibigen Gutes zu bieten. Denn sie hilft die Muskeln kräftigen und vermag den Blutumlauf anzuregen. In ge­wissen Fällen ist die Bauchmassage geradezu un­entbehrlich.

Von physikalischen Behandlungsmethoden lei­sten Schwihprozeduren, wie Heißluft-, Dampf-, elektrisches Schwitzbad und dergleichen recht Er­sprießliches. Anscheinend bringen sie durch den plötzlichen Wasserverlust, den sie Hervorrufen, eine nachhaltige Entwässerung des Körpers in Gang. Alle Schwitzkuren dürfen nur unter ärzt­licher Kontrolle des Herzeirs vorgenommen wer­den, das ja überhaupt in dem Problem der Fett­sucht eine überaus wichtige Rolle spielt.