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deutscher Volksgenosse ist, darum fort mit dem Massen-, Klassen- und dem Rassenhaß, fort mit dem Kasten- und dem Cliquenwesen, das uns

Deutschen lief im Blute liegt.

Wenn wir in den großen Lebensfragen der Na­tion einen einheitlichen nationalen Willen aufbrin­gen, wenn wir das trennende zurückstellen imt) das Einigende betonen, dann wird das deutsche Volk den Weg in die Freiheit finden.

Noch sind wir kein freies Volk. Die deutsche Re- publrk trägt schwer an den Fesseln, in die sie der Friede von Versailles geschlagen hat. Der Weg zur Freiheit ist lang, st eil und steinig. Wir waren vielleicht übermütig im Glücke, seien wir nicht kleinmütig im Unglück. Seien wir stark im Glauben an Deutschlands Zu­kunft, auch ein solcher Glaube ist Kraft, Macht und Stärke und kann Berge versetzen, wenn es sein muß.

Ein neuer Dölkerfrühling wird uns nicht von heute auf morgen beschieden sein. Aber wenn wir stark sind im Glauben an das Deutschland von heute und in der Liebe zu unserem Volke, das der Liebe wert ist, wie kein anderes Volk der Erde, dann wird und muß der Tag kommen, und in diesem Glauben soll uns die heutige Verfassungsfeier bestärken, wo ein freies und geachtetes Deutsches Reich seinen gleichberech'lgten Platz einnimmt un­ter den Völkern der Welt, auf den es als große Kulturnation einen berechtigten Anspruch hat.

Nach einem weiteren Vortrag des obenge­nannten Sprechchores sprach

Reichskanzler Dr. Marx:

Herr Reichspräsident, sehr geehrte Damen und Herren! Als ich heute vor einem Jahr an dieser Stelle zur Feier des Derfassungstages zu 3hnen sprach, gab ich der Hoffnung und dem Wunsch Ausdruck, daß das deutsche Voll auf dem Doden der Verfassung sich zum gemein­samen Dien st e am Vaterlande zusam­menfinden möge, ©in Jahr, reich an Ar­beit, ist seitdem vergangen. Blieb auch manche Enttäuschung nicht aus, manche Hoffnung un­erfüllt, eines darf ich heute mit Befriedigung fest stellen: Das .Verständnis für das Derfassungs- werk von Weimar ist auch in den Kreisen unseres Vaterlandes, die bisher immer noch gleichgültig oder sogar ablehnend diesem gegenüberftanben, erwacht in der Erkenntnis, daß nur auf dem Boden dieser Verfassung Deutschland wieder hoch­kommen kann. Diese Erkenntnis ist heute Allge­meingut des deutschen Volles geworden. Der Reichsregierung, als der berufenen Hüterin dieser Verfassung, obliegt nicht nur die Pflicht, die Verfassung gegen jeden ungesetzlichen Angriff zu schützen: sie hat dafür zu sorgen, daß das Grundgesetz des neuen Volksstaates im Volke die gebührende Anerkennung und Achtung findet. Wir wollen in dieser festlichen Stunde dem Verfassungswerk von Weimar aufs neue d i e Treue geloben. 3n diesem Sinne darf ich Sie bitten, mit mir einzustimmen in den Rus: Linser geliebtes Vaterland, es lebe hoch!

Der gemeinsame Gesang der ersten und letzten Strophe des Deutschlandliedes bildete den erheben­den Abschluß der Feier im Saale.

Nun begab sich der Reichspräsident, begleitet von den Herren, die mit ihm in der Loge gesessen hatten, durch das große Hauptportal des Reichstages über die Freitreppe zum Platz der Republik. Die Minister des Reiches und Preußens, die Vertreter der Län­der, die Staatssekretäre, der Reichspressechef Dr. Zechlin und andere Herren von der Regierung schlossen sich an.

Dor dem Reichstag.

Aus dem Platz der Republik hatte sich wäh- renb des Festaktes im ReickBtagsgebäube eine nach vielen Tausenden zählende Menge einge­funden, die den weiten Raum um das Bis­marck-Denkmal bis zur Siegessäule ausfüllte. Der Sockel des Bismarck-Denkmals und alle er­höhten Plätze der Reichstagsrampe waren mit Photographen besetzt. Punkt 12 Ahr rückte unter klingendem Spiel die Ehrenkompagnie an. Während der Feier im Reichstag spielte die Kapelle. Llm 1 Llhr geht Bewegung durch die Menge. Das Hauptportal des Reichstages wird geöffnet und kurz darauf erscheint der Reichs­präsident, zu feiner Seite Reichstagspräsi­dent Lobe und General Heye. Ein kurzes Kommando und die Ehrenkompagnie präsentiert die Gewehre. Die Kapelle spielt den Prä­sentiermarsch und dann das Deutschlandlied. Währenddessen wird 'ber Reichspräsident von nicht endenwollendem 3übet der Menge begrüßt. Der Reichspräsident schreitet dann die Ehren­kompagnie ab. Er schüttelt den Offizieren die Hand und hort noch den Vertrag eines Chores an:Wir wollen sein ein einig Volk von Brüdern."

Darauf besteigt der Reichspräsident tait dem Reichskanzler den Wagen, und während sich der Wagen langsam in Bewegung seht, be­gleiten ihn wieder die Hochrufe der Menge.

Eine Abendfeier in Berlin.

Berlin, II.Aug. (WB.) Die abendliche Verfassungsfeier, die von der Reichs- regierung, von der preußischen Regie­rung und der Stadt Berlin gemeinsam im Hause der Funkindustrie, das bis auf den letzten Platz gefüllt war, veranstaltet wurde, bot ein über­aus eindrucksvolles Bild. An der Feier nahmen u. a. teil Reichskanzler Dr. Marx, die Reichsminister Schiele, v. Ke u dell und Schätzl, Staats­sekretär Meißner als Vertreter des Reichspräsi­denten, das preußische Staatsministerium unter der Führung des Ministerpräsidenten Braun, Reichs- tagspräsident Lobe und zahlreiche andere führende Persönlichkeiten. Nach einer Begrüßungsansprache des Oberbürgermeisters Dr. Böß, der zum Aus­druck brachte, daß ein neuer deutscher Bürgersinn in der Teilnahme der Stadt Berlin an dieser Feier zum Ausdruck kommen wolle, ergriff der

preußische Kultusminister Dr. Decker

das Wort zur Festrede, in der er u. a. sagte: Das Werk von Weimar ist nicht das Werk eines ein­zelnen oder einer Partei, es ist die erste große staats­rechtliche Schöpfung der nach langem Harren end­lich Wirklichkeit gewordenen deutschen Demokratie. Nur die demokratische Weimarer Verfassung bot eine rechtlich einwandfreie Basis für eine Neuordnung berSinge. SieistdieBrücke, die die Vergangenheit und die Zukunft verbindet. Unsere Reichsoerfassung ist eine große Erzieherin zum staatsbürgerlichen Denken der aufsteigenden Generation. Auch deshalb feiern wir sie heute. Die Differenziertheit der heu­tigen Verhältnisse kann nur durch die Differenziert­heit unserer Bildung und durch verantwortliche Mit­

Schmach über uns, daß wir das erdulden müssen, S^mach aber auch über jene, die uns das zu­gefügt haben und heule noch zufügen.

Dis französischen Staatsmänner wühlen noch heute in alten Wunden, und es vergeht kein« Woche, wo nicht jenfeitS der Vogesen Reden gehalten werden, die für die Ehre Deutschlands im höchsten Maße beleidigend sind, und wenn uns neulich gesagt wurde, von einem franzö­sischen Staatsmann, daß solche Reden dem Frie­den dienen sollten, so kann ich nur sagen, Deutschland hat von einem wahren und einem wirklichen Frieden, von ber Be­friedung Europas eine höhere und eine sittlichere Auffassung, als sie aus jenen Reden spricht, wie sie fortgesetzt gehalten werden.

Frankreich fordert Sicherheiten. 3ch glaube, wenn irgendein Land der Welt das Recht hat, Sicherheiten zu fordern, dann ist es das entwaffnete Deutschland mit seinen offenen Grenzen, umgeben von einer feindlichen Welt, die in Waffen ftarrt

Wenn ich mir vergegenwärtige, mit welcher Emsigkeit und welchem Fleiße von einzelnen französischen Staatsmännern immer und immer wieder die Leidenschaften gegen Deutschland aufgepeitscht werden, so kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß aus diesen Reden und aus dieser Politik nichts anderes spricht als die Stimme des schlechten Gewissens. Unwahre Behauptungen werden dadurch nicht wahr, daß man sie immer und immer wiederholt. Und diese Behauptungen, die fortgesetzt und dauernd dem französischen Volke über deutsche Greueltaten erzählt werden, gehören ruhig alle zu denjenigen Dingen, von denen der Deutsche zu sagen pflegt, daß sie kurze Dein« haben.

Die deutsche Außenpolitik ist ihren Leidens­weg gegangen und sie wird und sie muß ihn weitergehen, weil kein anderer Weg uns die Aus­sicht auf die Freiheit des Rheins gibt. Man hat gesagt: durch Opfer zur Freiheit! Die Opfer haben wir erbracht, die Freiheit ist uns zum großen Teile versagt 'geblieben.

Wohl ist manches erreicht worden, aber das große Ziel, die Befreiung des Rheins, sie ist nicht erreicht. Leidenschaftlich ist dieser außenpolitisch umkämpft gewesen. Walter Rathen au ist dieser Politik zum Opfer ge­fallen, und auch der jetzige Reichsaußenminister Dr. Stresemann kann sich nicht über einen Mangel an Angriffen beklagen. Mit um so grö­ßerer Genugtuung wird man feststellen müssen, daß sich alle großen Parteien heute z u dies er Außenpolitik bekannt haben.

Wir leben in nachrevolutionären Zeiten, das erklärt vieles, aber entschuldigt nicht die bodenlose Gehässigkeit, mit der heute die Par­teien sich zu bekämpfen pflegen. Wir werden ein gesundes politisches Leben so lange tn Deutschland nicht haben, als nicht die Achtung vor der ehrlichen Ueberzeugung des politischen Gegners ein Gemeingut aller Parteien wird.

Wenn mir heute an das Jahr 1923 zurückdenken, wenn wir zurückdenken an die Ruhrbesetzung und an die Inflation, wenn wir zurückdenken an jene Wo­chen, wo die Einheit des Reichs an einem seidenen Faden hing, dann werden wir doch dem Schicksal dankbar fein müssen, daß wir das alles überwunden haben, daß sich trotz alledem unsere inneren Verhältnisse konsolidiert haben und daß unser Wohlstand gewachsen ist. Mit Neid und mit Bewunderung sieht die Welt, wie trotz allem, was man uns angetan hat, Deutlckland auf dem Wege der Gesundung weiter fortgeschritten ist, und letzten Endes doch wieder ein Faktor der Weltpolitrk ge­worden ist.

Man hat uns unsere Provinzen genommen, man hat uns die Kolonien geraubt, man hat uns entwaff­net, an die eigene feierlich versprochene Abrüstung denkt natürlich niemand, man hat uns gsdemü- tigt, eins hat man uns nicht nehmen können, eins .ist uns geblieben:

öle Schwungkraft des deutschen Geistes ist ungebrochen.

Deutscher Erfindungsgeist, deutsches Organisa­tionstalent, deutscher Fleiß und deutsche Tüchtigkeit werden diesen Glauben können wir haben nach dem, was wir in den letzten Jahren erlebt haben uns den Weg zur Freiheit bahnen.

In tiefer Dankbarkeit denken wir am Tage der Derfassungsfeier heute an die Bevölkerung des b e« setzten Gebietes und der Saar. Je härter der Druck war, dem sie ausgesetzt waren, desto inni­ger und fester hat sie sich mit der Heimat verbunden gefühlt, das werden wir ihr nie massen. Wir wol­len geloben, im Rahmen des Möglichen jedes Opfer zu bringen, das ihre Leidenszeit verkürzt.

Und bann denken wir heute in tiefer Wehmut der deutschen Minderheiten. In erster Linie dabei derer, die das härteste Schicksal erlitten haben, das dem Menschen beschieden sein kann, die durch den Friedensvertrag von Versailles ihr Vaterland verloren haben. Sodann aber aller derer, die deutsch sind und deutsch fühlen. Die Ge­meinsamkeit der Sprache, der Sitte, der Kultur, der Geschichte, die Gemeinsamkeit des Blutes, sie bilden ein oiel zu enges Band, als daß dieses Band durch Grenzpfähle und Grenzziehungen zerrissen werden könnte. Sie gehören zu uns, wir gehören zu ihnen. Das Mutterland hat die Pflicht, diesen deutschen Volksgenossen seine moralische Unterstützung zuteil werden zu lassen und mir können sicher sein, daß die Deutschen im Ausland im Kampfe um ihr Volkstum um so zäher und härter sein werden, je reiner und einheitlicher unser Staatsleben ist, je bes­ser deutsche Art und deutsche Bildung im Mutter­lande gedeihen.

ilnb bann zuletzt lassen Sie uns unserer Toten gebenfen. Lassen Sie uns derer ge­denken, bie in bem letzten großen Weltkriege kriege ihr Leben haben lassen müssen für Volk und Vaterland. 3n biefen Gräbern, deren Steine, verteilt über die ganze Erde. für immer ewige Zeichen deutschen Heldentums und deut­scher Vaterlandsliebe sein werden, in biefen Grä­bern ba liegen bie Männer aller Parteien, ver­gessen wir bas doch nicht, seien wir ihrer toürbig.

öo lassen Sie mich denn diese meine heutigen Ausführungen ausklingen in eine Mahirung zur Einigkeit und in ein Bekenntnis des Glaubens an bie beutsche Zukunft.

Diese Verfassung hat uns zur freiesten Demo­kratie der Wett gemadjt. Aber Freiheit ist nur ein Segen, wenn ihr als ernstestes Geqengewickt das Pflichlbewuhlsein gegenüber Volk und Staat gegenübersieht. Auf dem Boden dieser Verfassung muß sich das deutsche Volk einigen; politischer Kampf muß fein, ohne Kampf kein Leben und kein Iortschrilt. 3n diesem polnischen Kampf muß die Liebe zum Vaterland unser Leitstern sein, in diesen Kämpfen dürfen wir nicht vergessen, daß der politische Gegner unser

arbeit aller überwunden und gemeistert werden. Das aber heißt Demokratie, und echte Demokratie heißt, die Besten unter uns, die geistige Aristokratie, an leitende Stellen zu bringen und sie durch die Stabi­lität des Vertrauens zur vollen Auswirkung gelan­gen zu lassen. Demokratie heißt zugleich die Freiheit der Kritik, die Freiheit des Wortes und Organi­sation, Publizität und Kontrolle durch die Oeffent- lichkeit. Demokratie heißt endlich freie Selbstverwal­tung der Gesellschaft in Zusammenarbeit mit dem Staat oder verkörpert durch den Staat. Was aber ist der Sinn imb die letzte Begründung freiwilliger menschlicher Gemeinschaft? Die Goethesche Ehrfurcht vor dem Göttlichen in uns muß zum Glauben an das Göttliche im anderen führen. Nur auf diesem Glauben erwächst die Gemeinschaft und auch die staatliche Gemeinschaft der Zukunft.

Reichskanzler Dr. Marx

hielt Hierauf folgende Ansprache: Auch in die­sem 3ah re begehen wir festlich die Wiederkehr des Tages, an dem die Verfassung von Weimar das Grundgesetz unseres Reiches geworden ist. Wir feiern diesen Tag mit vollem Recht, denn das Verfassungswerk von Weimar brachte Ord­nung in ein Chaos und schuf ein festgefügtes Fundament, auf dem der neue Volksstaat sich entwickeln unb das schwergeprüfte deutsche Volk seinen Wiederaufstieg beginnen konnte. Heute gibt es uxrd das stelle ich mitt besonderer Genugtuung fest keinen seiner staat s- bürger kichen Verantwortung be­wußten Deutschen mehr, bet daran dächte, an den Grundzügen der Verfassung von Weimar zu- rütteln. Mag mancher an diesem Werk, das in des Volkes tiefster Rot geschaffen wurde, noch den einen oder deft andern Mangel entdecken das Werk als Ganzes mit feinen wesentlichen Bestimmungen, ist heute ernsthaft nicht mehr umstritten. Das bedeutet einen erfreulichen Fortschritt im Sinne der Festigung unseres jungen Volks­staates. Was ich schon so oft gesagt habe, betone ich auch heute wieder: Wir würden un­sere Kräfte in <ußrfruchtbaren inneren Kämpfen, vergeuden, wollten wir chns nicht damit- finben, daß ! I

bet Wiederaufbau Deutschlands als deutsche Republik erfolgt.

3ch habe heute morgen bei der Feier im Reichs­tag von der Pflicht der Regierung gesprochen, dafür zu sorgen, daß das Grundgesetz des neuen, Deutschland im Volke selbst gebührende, Achtung genießt. 3ch füge hier noch hinzu: Wer diese Achtung untergräbt, der leistet dem deutschen Volle wahrlich keinen Dienst, der schä­digt das deutsche Vaterland! Cs darf in dem deutschen Volke keine innerliche Opposition gegen den Staat und seine Verfassung mehr geben. Freudig unb offen müssen sich alle Kreise zum neuen Staate bekennen. Mögen die Feiern, die fj eilte am Versassungstage im ganzen Deutschen Reiche ftattfinben, dazu beitragen, den Geist freudiger Staatsbejahung auch dort zu verbreiten, wo man sich bisher vielleicht noch kühl zurückhaltend dem Staate gegenüber verhielt. Mögen sie dazu beitragen, das ganze deutsche Volk ohne Unterschieb der Partei zu einen in dem festen Willen, dem neuen Staate nach besten Kräften zu dienen zum Heile unseres Dolles, zum Wohle unseres deutschen Vaterlandes! Von diesem Wunsche beseelt, fordere ich Sie auf. mit mir von Herzen einzuftimmen in den Ruf: Hafer deutsches Voll, unsere deutsche Republik, sie leben hoch!

Mit einem dreifachen Hoch auf Doll, Vater­land und Republik und bem Gesang des Deutsch­landsliebes schloß die Feier. 3m Anschluß daran brachten die verfassungstreuen Organisationen bet preußischen Regierung einen Fackelzug bar, bet sich von der Funkhalle nach bem Reichstag be­wegte.

Der VerfasiungsLag tn Vaden.

Karlsruhe, 11. Ang. (WLB.) Der in Baden als gebotener Feiertag erflärte Verfassungstag wurde hier am Vorabend eingeleitet durch einen Fackelzug des Reichs­banners, der am Staa'sministerium vorbeizog, auf dessen Ballon sich neben dem Staatspräsi­denten Dr. Trunk die Spitzen der Behörden versammelt hatten. Am heutigen Vormittag fan­den Festgottesdienfte statt, während am Rachmittag bei einer Kundgebung unter freiem Himmel Redner der drei Verfassungsparteien sprachen. Ein für den Abend von Oer Staats­regierung und der Stadtverwaltung angekün­digtes Stadtgartenfest mußte wegen ungünstiger Witterung ausfallen.

Die Derfassungsfeier der Rerchsbeamlen in München.

München, ll.Aug. (WTD.) 3m Festsaal des Verlehrsministeriums versammelten sich heute vormittag die Beamten der Reichsbehörden in München zu einer Gedenkfeier des 3ahrestages der Schöpfung der deutschen Reichsversassung. Die Reichsdienst stellen haben in den Reichsfarben und bayerischen Landes­farben geflaggt. Zu der Feier hatten sich u. a. eingejuni'en; Staats e're.är Frank, Geheimrar v. V ö 1 ck e r der Te t e.cr der Reichsregierung in Münche! Gesandter F e Herr Hanie v Heim­hausen sowie der Stadttommanbant Münchens Oberst Sauer. Die Fe irede hielt Exz. 3ohn vom Reichsfinanzhof. mm Schluß der Feier in­tonierte die Kapelle das Deutschlandlied. Die Reichsgebäude haben aus Anlaß des Ver­fassungstages in den Reichs- unb Landesfarben geflaggt. Die ftaatli <en unb städtischen Ge­bäude tragen Flaggenschmuck in den Landes- oder Stadtfarben. Be.einzelt haben auch Privat­gebäude geflaggt.

Weitere Derfassungsfeiern.

werden uns aus zahlreichen Städten des ganzen Reichsgebietes gemeldet. Mit Rücksicht auf den Raum rönnen wir diese Berichte im einzelnen nicht abdrucken, es mag hier die Mitteilung genügen, daß alle Feiern in würdiger Weise verlaufen sind. Auch die deutschen Botschaften im Auslande haben in ein­drucksvollen Feiern des Tages gedacht.

Der Reichspräsident in Urlaub.

Berlin, 11. Aug. (WB.) Der Herw Reichs­präsident hat sich, von seinem Adjudanten Major v. Hindenburg begleitet, heute abend mit dem fahrplanmäßigen Münchmer Zug nach Bayern begeben, um dort einen etwa vier­wöchigen Erholungsurlaub auf dem Lande zu Derbringen.

Die Vesatznngsfrage.

Das Pariser BlattE x c e 1 s i o r" hatte berichtet, daß in einer Unterhaltung zwischen B r i a n d und v. H o e s ch übergerechte und vernünftige Gegen­leistungen Deutschlands" für die Verminderung der Truppenzahl im besetzten Gebiet oerhandell worden sei. Wie bieTägl. Rundschau" feststellen kann, ist über Gegenlei st ungen Deutschlands nicht verhandelt worden, auch nicht,zwischen Briand und v. Hoesch. Frankreich hat solche neue Gegen- leifkungen weder verlangt noch angedeutet. Das Blatt glaubt ferner Grund zu der Annahme zu Haden, daß die Ansicht französischer militärischer Kreist, daß eine stärkere Herabsetzung der Besatzungs- truppen als höchstens 5000 Mann nicht in Frage komme, nicht bie Ansicht des fran­zösischen Ministeriums sei. Man bürfe aber diese Zahl als sicher annehmen.

Zu der Meldung desDaily Telegrap h", daß der französische Ministerrat auf Vorschlag B r i a n d s sich mit einer Verminderung der Be­satzungstruppen im Rheinland um 5000 Mann ein­verstanden erklärt habe, erklärt derT e m p s", er glaube zum mindesten, daß diese Nachricht verfrüht sei, denn ein derartiger Beschluß sei noch nicht ge­faßt worden und die von dem englischen Blatt er­wähnte Ziffer von 5000 Mann fei nicht bie in Aussicht genommene. Es empfehle sich, nur mit größter Vorsicht die von verschiedenen Sei­ten hierüber veröffenllichten Informationen aufzu­nehmen, da es sich um eine an und für sich sehr heikle Frage handele, deren Lösung, was Frankreich betreffe, voll und ganz von der wirksamen Lösung der Frage der Sicherheit der französischen B e - satzungstruppen im Rheinlande abhänge.

Hindenburg-Dank.

Berlin, 12. Aug. (WTB. Funkspruch.) 3n einem Aufruf, ber von Führern der Land- wirtschaft, der 3ndustrie, bes Einzelhanbels, des Großhanbels, des Handwerks, bes Bank- unb Versicherungsgewerbes unb ber Seeschiffahrt unterzeichnet ist, wirb der Gedanke freudig auf* genommen, Hindenburg als bem Verteidiger der Heimat den alten H i n de n b u r g i sche n Famikienbesih zum Geschenk zu machen. Eine öffentliche Sammlung lehnen die Unterzeich­neten ab. Sie bitten nur, ein Schers lein beizu­tragen, damit bas, was bes Deutschen vornehmste Pflicht ist, die Dankbarkeit, sich durch dir Tat bezeugen kann.

Hilfsaktion für die preußischen Beamten.

Berlin, 12. Aug. (Priv.-Tel. des WTB.) 3m preußischen Finanzministerium sind lautVorwärts" unter Ausschüttung ber vorhandenen Mittel für die verheirateten Beamten der Gruppen bis 4 ohne Antrag, für die Gruppen darüber auf Antrag 50 Mark und 10 Mark für jedes Kind gezahlt worden. Das Finanzministerium hat den anderen Mini­sterien anheimgestellt, im Rahmen der vor­handenen Mittel ähnlich zu verfahren. Wie das genannte Blatt hört, ist die Unter« stützungsaktion für die Beamten auch in den übrigen Ministerien bereits ge­regelt

Verschwinden eines polnischen Generals.

Warschau, 12. Aug. (WTD. Funkspruch.) Von bem Aufenthaltsort des seit einigen Tagen verschwundenen Generals Zagorski fehlt jede Spur. Einige Blätter berichteten gestern, daß unweit des Militärlagers Rembertow fein Leichnam gefunden worben sei. Wie bie Rembertower Militärbehörde bekanntgab, ent­spricht dies nicht den Tatsachen. Ein änderet Blatt brachte bas Verschwinden des Generals mit bem Fehlen eines Militärautos aus der Garage bes Belvedere in Zusammenhang, doch hat sich der Verbleib des Autos inzwischen auf­geklärt. Runmehr sind die Rachforschungen nach dem Verschwundenen der Feldgendarmerie über­tragen worden. Sie werden mit der Begründung geführt, daß gegen Zagorski ber Verdacht ber Desertion bestehe.

Ium Start der Iunlrersflieger

Dessau, 11. Aug. (WB.) Der Start der beiden Ozeanmaschinen der 3unkers- werke wirb, günstige meteorologische Verhält­nisse vorausgesetzt, nunmehr bestimmt Sams­tag früh oder Samstagabend erfolgen. Die Alarmbereitschaft zum Start wird einige Stunden vorher bekannt gegeben werden. Die dritte Maschine mit Schnäbele dürfte kaum noch starten, da an dem Flugzeug noch einige maschinelle Qlenberungen vorzunehmen sind.

Könnecke und Graf Solms in Berlin.

Berlin, ll.Aug. (Wolff.) Der Flieger Kön- necke ist heute nachmittag kurz vor *4 Uhr mit sei­nerGermania" auf dem Flugplatz Tempelhof ge­landet. An Bord befand sich Graf Solms, der ihn auf dem Flug nach Amerika begleitet. Aus dem Flugplatz hatte sich eine große Menschenmenge ein« gesunden, um der Landung zuzusehen. Als das Flugzeug heranrollte, stimmte die Kapelle der Schupo das Deutschlandlied an. Einer der Gäste hob Könneckes kleinen Jungen zum Flugzeug empor, da­mit er seinem Vater eine Schachtel Zigaretten über­reiche. Könnecke begrüßte zunächst seine Frau. Dar­aus wurden beide Flieger von Vertretern der Luft­hansa begrüßt. Reichstagspräsident Löbe hieß die Flieger in einer kurzen Ansprache willkommen und sagte ihnen, daß sie überzeugt sein könnten, daß Mil­lionen Herzen sie auf ihrem Fluge nach Amerika be­gleiten würden. Stadtbaurat Adler begrüßte sie im Namen der Stadt Berlin. Wie der Vertreter des WTB. von dem Grasen Solms erfährt, hoffen die Flieger, am Samstag den Flug nach Amerika antreten zu können.

Wettervoraussage.

Wolkig mit Aufheiterung, verhältnismäßig warm, stellenweise Gewitterneigung unb R?gen, sonst trocken. Gestrige Sagedtemperaturen: Maxi* mum 21,9 Grab Celsius. Minimum 11,8 Grad Celsius. Heutige Morgentemperatur: 15,6 Grad Celsius. Riederschläge: 10,8 Millimeter. Gestrige Sonnenscheindauer 53/< Stunden.

Witterungsaussichten für Sonntag: Bei zeit­weiser Aufheiterung warm und vereinzelt Rei- gung zu Gewitterstörungen.