konferenz vom 25. Mai bis 17. 3uni dieses Jahres. Aus den Ausführungen des Vortragenden war zu entnehmen, daß die von der Kommission aufgestellten Grundsätze für eine international« Regelung der Krankenversicherung sich im wesentlichen dem Vorbild der deutschen Krankenversicherung anschließen. Das Ergebnis der Konferenz sei ein voller Erfolg für die deutsche Delegation gewesen, die unter Führung des bekannten Ministerialdirektors ©riefet stand. Die Durchführung dieser Maßnahmen würde für die meisten der übrigen Kulturvölker, wenn sie von ihnen ratifiziert würden, einen großen Kul- turfortschritt bedeuten. Den nächsten Vortrag hielt Verwaltungsdirektor Ost^rmayer - Freiburg i. B. über die Aenderunaen der Unfallversicherung und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft. Der Vor-
54. Gauturnsest
(Zweiter und dritter Tag.)
— v — Sonntag früh 6 üfjt traten unter der Leitung des Gauoberturnwarts Wilhelm Will (Gießen) 29 Riegen zum Zwölfkampf an. Flott und ohne besondere Unfälle wickelten sich die Wettkämpfe der verfchiedenen Stufen bei nunmehr bestem Turnwetter ab. An dem blitzenden Waffenspiel der Fechter unter Leitung des Gau- fechtwartes Fr. Groos (Marburg) erfreuten sich viele, und die werbende Kraft der beiden Mtersriegen wird sicherlich manchem jungen und älteren Turner einen wertvollen Auftrieb für die weitere Pflege der Leibesübungen mit auf den Lebensweg gegeben haben.
Der eindrucksvolle Festzug, auch durch schön aufgebaute Festwagen ausgestattet, vertiefte noch das schöne lÄnvernehmen, das sich zwischen der Gemeinde und den Turnern angebahnt hatte: ergreifend war das gemeinsame Erlebnis des Augenblicks, als der Festzug inmitten deS Dorfes Halt machte und derer gedachte, die für Volk und Vaterland im Weltkrieg gefallen sind, 123 aus der Gemeinde, darunter 40 Turner: die Kirchenglocken läuteten, die Fahnen senkten sich, barhäuptig stand die Menge und das Lied vom guten Kameraden klang durch die stille Gasse und die bewegten Herzen, eine Minute tiefer innerer Sammlung zu neuer Kraft für den Dienst an Jugend und Volk.
Eine glänzende Leistung waren die allgemeinen Freiübungen: sie boten nicht nur das übliche schöne Bild, sondern liehen gerade durch ihre hochgesteigerte Durchführung Turner und Zuschauer lebhafter fühlen, daß großes Werk nur durch Einigkeit und Unterordnung gedsiht. Gauvertreter Arthur Pfeiffer (Wetzlar) wies in kurzen kräftigen Worten besonders auf die sittliche und staatsbürgerliche Aufgabe des deutschen Turners hin. Rach dem gemeinsamen Lied: „O Deutschland hoch in Ehren" wurden die Gemeinübungen am Darren durchgeturnt, die der Gau Hessen demnächst auf dem Kreisturnfest in Darmstadt vorführen wird. Run gehörte der Turnplatz den Musterriegen, die, nahezu 50 an der Zahl, in drei Gruppen an den verschiedenen Geräten zeigten, daß ntyt sowohl die Emporbildung des Einzelnen zu Gipfelleistungen das Ziel und die Aufgabe der Deutschen Turnerschaft ist, sondern vielmehr die planmäßige Durchbildung der Masse: denn die große geschichtliche Bedeutung Jahns liegt vornehmlich auch darin, daß er das Turnen zu einer Volkssache gemacht hat. Mit der feierlichen Siegerverkündigung durch den Oberturnwart schloß der arbeitsreiche Tag.
Trotz der Beteiligung von auswärtigen Turnern zeigte der Festzug am Montag doch, daß nunmehr der Ausklang des Festes den Heuchel- Heimern selbst gehörte. Indessen brachte das schöne Wetter noch manchen Gast aus der Stadt und von Nachbarorten. Neben den geselligen Freuden wurde der Grundgedanke des Gauturnfestes nochmals wirksam betont durch Turnspiele, die unter Leitung des Gauspielwarts Fritz Seibert (Wetzlar) zur Belebung des Festes beitrugen: die Spielfelder waren dauernd von zahlreichen Zuschauern umsäumt. Da für den Monat Juli Spielsperre für Winterspiele besteht, wurden Barkauf und der im Gau in hoher Blüte stehende Faustball gezeigt. Bei den Turnerinnen wurde erster Sieger Männerturnverein Gießen, bei den Jugendturnern Tv. Wetzlar und bei den Turnern der Gaumeister Friedberg.
tragende gab eine ausführliche Gegenüberstellung der neuen Bestimmungen in der Llnsallversiche- rung gegenüber den seitherigen Vorschriften. Daraus war zu entnehmen, daß eine wesentliche Mehrbelastung der Berussgenossenschasten und damit der gesamten Wirtschaft gegen seither eingetreten sei. Im Interesse der Wirtschaft liege die möglichst rasche Wiederherstellung der äln- fallverletzten, nicht aber die dauernde Gewährung von Renten. Beide Vorträge wurden von der Versammlung mit großem Beifall ausgenommen. Als nächstjähriger Tagungsort wurde, auf Vorschlag der Landkrankenkasse für den Kreis Heppenheim, Heppenheim a. d. Bergstraße gewählt. An die Tagung schloß sich ein gemeinsames Mittagessen der Teilnehmer im städtischen Festhause an.
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in Heuchelheim.
Nachstehend geben wir einen Auszug aus den Siegerliften:
Turner-Oberstufe: Zwölfkampf (25 Teilnehmer, 14 Sieger). 1. Sieg Fritz Wei- tershaus, Tv. Großen-Linden, 204 Punkte. 2. Heinrich Keller, Tv. Burgsolms, 196 P. 3. Willi Loch, Tgde. Marburg, 195 P. 4. Wilh. Bernhard, Tv. 1846 Gießen, 193 P. 7. Eduard Heyer, Tv. Krofdorf, 178 P. 10. Wilhelm Hofmann, Tv. Krofdorf, 171 P. 11. Karl Keßler, Tv. Großen-Linden, 164 P. 13. Karl Würtz, Tv. Krofdorf, 162 P.
Zehnkampf (17 Teilnehmer, 8 Sieger): Ehrensieger Anton Ries, Tv. 1859 Ridda, 173 P. 1. Sieg Hans Rehn, Tv. 1859 Ridda, 171 P. 2. Richard Seth, Tv. Großen-Linden, 169 P. 3. Friedrich Wolf und Wilhelm D l u - inenfchein. Tgde. Friedberg, 150 Punkte. 7. Otto Meier, Mtv. Dad-Rauheim, 139 P.
Turner-Mittelstufe: Zwölfkampf (37 Teilnehmer, 21 Sieger). 1. Sieg Karl Bücking, Tv. Alsfeld, 195 P. 2. Otto Henning, Tv. Lauterbach, 194 P. 3. Fritz Berghäuser, Tv. Rieder-Girmcs, 189 P. 6. Kurt Katz, Tv. Hungen, 181 P. 7. Albert Würtz, Tv. Krofdorf, 178 P. 8. Rudolf Paul, Tv. 1846 Gießen und Franz R e u s ch l i n g, Tv. Heuchelheim, 157 P. 10. Paul Reuter, Tv. Hungen, 174 P. 16. Karl Schmadel, Tv. Grünberg und Fritz Morneweg, Tv. Klcin-Lindcn, 164 P. 17. Albert Leun, Tv. Großen-Linden, 163 P.
Turner- Unter stufe: Zwölfkampf (306 Teilnehmer, 195 Sieger): 1: <5ieg Jakob Kehler, Tv. Marbach, 217 P. 2. Willi Wenzel, Tv. Schlitz, 213 P. 3. August Eberspacher, Tgde. Marburg, 209 P. 5. Otto Bepler. Tv. Heuchelheim, Walter Loh, Tv. 1846 Gießen und Heinrich M e h l, Tv. Großen-Linden, 206 P. 7. Alois Burkart, Tv. 1843 Gießen, und Wilhelm Brandenburger, Tv. Hungen, 203 P. 9. Georg Emmerich, Tv. Hungen, 200 P. 13. Karl Marx, Tv. 1846 Gießen, und Theodor Rinn, Tv. Heuchelheim, 196 P. 14. Karl Dort, Mtv. Gießen, 195 P. 16. Wilhelm Rinn, Tv. Heuchelheim, 193 P. 17. Ernst Degen, Tv. Großen-Linden, 192 D. 19. Albert Heinrich, Tv. Mlendorf a. d. Lahn. 190 P. 20. Werner Glitsch, Tv. Hungen, 189 P. 21. Heinrich Zamm ert, Mtv. Gießen, 188 P.
Altersturnen: (35—45 Jahre) 9 Teilnehmer, 8 Sieger. — Ehrensieger Otto T e x t o r, Tv. 1860 Marburg, 167 P. — 1. Sieg Hans T h ö t, Tv. Alsfeld, 155 P. — 2. Anton Feuerstein, Tv. Ober-Mörlen, 142 P. — 3. Albert Rinn, Tv. Heuchelheim, 140 P. — 4. R. Burk- hold, T.- u. Sp.-D. Marburg, 133 P. — 5. Richard Böving, Tv. Frankenburg, 132 P. — 6. Adolf Jung, Tv. Wetzlar, und Wilhelm S e m m l e r, Tgde. Laubach, 120 P.
Altersturnen: (über 45 Jahre) 7 Teilnehmer, 6 Sieger. — Ehrensieger Georg D i ck - haut, Tv. Alsfeld, 149 P. — 1. Sieg Konrad Bücking, Tv. 2llsfeld, 141 P. — 2. Emst Jung. Tv. 1846 Gießen, 138 P. — 3. Bernhard Pfeffer, Tv. Bad-Rauheim, 134 P. — 4. Hch. Hernes, Tv. Bad-Rauheim, 124 P. — 5. Karl Walther, Tv. 1859 Ridda, 123 P.
Musterriegen; Barren: Tv. 1846 Gießen, Altersriege. 28 Teilnehmer» 119Vr P-. sehr gut. — Tv. Ridda, 9 Teilnehmer, 103 P., sehr gut. — Tt57 Krofdorf, Schüler, 17 Teilnehmer, IOP/2 P-. sehr gut. — Tv. Burgsolms, 9 Teilnehmer, IOO1/2 P. sehr gut. Mtv. Bad-
Rauheim. 7 Teilnehmer, 98Vz P. gut. — Tv. Heuchelheim. 10 Lecknehmer, 931'2 P., gut. — Tv. Holzheim, 6 Teilnehmer. 94Vr P-, gut. — Tv. Grünberg, 9 Teilnehmer, 94 P., gut. — Tv. Lich. Altersriege,' 6 Teiln., 811-2 P.. gut. — Tv. Großen-Linden. 6 Teilnehmer, 83 P.. gut. Tv. Klein-Linden, 8 Teiln., 76 P, genügend. — Reck: Tv. Krofdorf. 12 Teilnehmer. 101 Punkte, sehr gut. — Mtv. Gießen, 9 Teiln., 99 P., gut. — Tv. Heuchelheim. 8 Teilnehmer, 94 P., gut. — Pferd: T v. 1 846 Gießen, 6 Teiln., 110 P., sehr gut. — Tv. Bad-Rauheim, Altersriege, 10 Teiln., 104 P., sehr gut. — Tv. Hungen, 6 Teiln., 89V? P., gut. — Tv. Ostheim, 6 Teiln., 88Vs P., gut. — Tv. Heuchelheim, Schüler. 10 Teiln., 87l/2 P., gut. — Tv. Treis a. d. Lda., 7 Teiln., 83V? P., gut. — Stabübung: Tv. Eber,tadt. 7 Teiln., 86 Punkte, gut.
Um dte KreisfeftmeifterschasL m ArbeiLer-Turn- und SporLbund
Der 6. Bezirk schlägt den 3. Bezirk nach über zweistündiger Spieldauer 2:1.
t Auf dem Llniversitäts-Sportplatz in Gießen fand am Sonntag das Vorrundenspiel um die Kreisfestmeisterschaft des 9. Kreises zwiscken dem 3. Bezirk und dem 6. Bezirk statt. Das Spiel befriedigte nicht nach allen Richtungen. Die Mannschaft des 3. Bezirks war eine Enttäuschung, man hatte von ihr andere Leistungen erwartet. Das Zusammenspiel der gesamten Mannschaft trat eigentlich erst nach Ablauf der regulären Spielzeit in Erscheinung. Vor allem fehlte der Mannschaft der Elan, der bei einem derart wichtigen Spiel so sehr vonnöten ist. 2m Sturm haperte es an allen Ecken, die Läuferreihe beschäftigte sich zu stark mit der Verteidigung, die dazwischen liegende große Lücke nutzten die Spieler des 6. Bezirks geschickt zum Aufbau ihrer Angriffe aus. Der rechte Verteidiger war im Gegensatz zu sonst reichlich ballunsicher. Eine rühmliche Ausnahme war der Tormann des 3. Bezirks, der der beste Mann auf dem Spielfeld war, und dem allein das Verdienst zuzu- schreiben ist, daß seine Mannschaft nicht schon früher und höher verlor. Der 6.Bezirk dagegen, der übrigens nur mit zehn Mann antrat, hatte eine reichlich ausgeglichene Mannschaft zusammengestellt, in der jeder mehr als seine Schuldigkeit tat. Die Gesamtleistungen waren entschieden überzeugender als beim 3. Bezirk.
Bald nach dem Anstoß sah man die Gäste vor dem 5-dü der Einheimischen, aber die haarscharfen Schüsse werden von dem Tormann des 3. Bezirks ebenso sicher gemeistert. In wenigen Minuten hatte der 6. Bezirk bereits einige präzis hereingegebene Ecken erzwungen, die jedoch abgewehrt wurden. Die anfänglich etwas lahme Spielweise der Einheimischen frischte sich nunmehr etwas auf, so daß das Eckenverhältnis nach und nach ausgeglichen wurde. Ein Angriff des linken Sturmflügels des 3. Bezirks brachte endlich eine Lösung: der auf Halo gegangene Linksaußen schoß das erste Tor. Der Sturm des 6. Bezirks arbeitete nun ganz ausgezeichnet. doch wurden die zahlreichen und meist recht gefährlichen Torschüsse von dem Hüter des 3. Bezirks mit verblüffender Sicherheit gemeistert. Selten günstige Torchancen wurden vom Sturm des 3. Bezirks in leichtfertigster Weise ausge- lassen. In dieser Weise ging die erste Spielhälfte zu Ende. Rach dem Wechsel ist die Aeberlegenhrit im Feldspiel beim 6. Bezirk wieder stark fühlbar, Erfolge blieben ihm aber infolge des absolut sicher arbeitenden gegnerischen Torhüters versagt. Abermals schoß der 6. Bezirk eine feiner abgezirkelten Ecken, die vom Mittelstürmer zum Ausgleichstor unhaltbar eingeköpft wurde. Bald darauf sind sich beide Mannschaften zahlenmäßig gleich, der linke Derteidiger des 3. D^irks mußte infolge Verletzung ausscheiden. An dem unentschiedenen 1:1- Resultat konnte keine Partei bis zum Schluß trotz größter Anstrengungen etwas ändern. Die erste Spielverlängerung zeigte nun ein spannendes und ausgeglichenes Spiel. Die ersten 15 Minuten endeten torlos. Abermals wurden die Seiten gewechselt. Die Entscheidung war zu greifen, als der Torhüter des 6. Bezirks einen scharfen Schuß gerade noch neben den Pfosten lenken konnte. Auf der anderen Seite wurde der Tormann des 3. Bezirks mit Bällen geradezu gefüttert, aber nach zwei Stunden Spielzeit stand das Spiel immer noch 1:1. Abermalige Ver-
IMMMWAMWOM
Roman von Sven Elve st ad.
Copyright bei Georg Müller, München.
28 Fortsetzung Nachdruck verboten
Der Diener beugte den Kopf und flüsterte einen Namen, jedoch so undeutlich, oaß der Assessor zum drittenmal fragen mußte.
„Raspail", sagte er schließlich.
Das war eine Enttäuschung für die Anwesenden, die einen anderen Namen erwartet hatten.
„Hat Ihr Herr Sie ausgrschickt, um zu stehlen?"
Der Diener schüttelte traurig den Kopf. Seine Nervosität stieg offenbar; er wurde immer unruhiger und fingerte verlegen auf der Fläche der Schranke herum.
„Wie kamen Sie denn dazu, zu stehlen?"
„Aus mir selber."
„Gut, aber warum?"
„Weil ich kein Geld hatte."
„Hat Ihr Herr denn kein Geld?"
„Doch, viel."
„Dann konnten Sie doch wohl Geld von ihm bekommen?"
„Nein," entgegnete der Diener, „das konnte ich nicht."
„Warum nicht?"
„Weil mein Herr mich verlassen hat."
„So? Wo wohnen Sie denn?"
„Im Hotel Malmö, am Hafen."
Der Assessor notierte den Namen auf einen Zettel und gab ihn einem Kriminalbeamten. Dieser verschwand sofort damit.
„Wie lange ist es her, daß der Herr Sie verlassen hat?"
„Drei Tage."
Der Polizeichef nickte und suchte Asbjörn Krags Augen. Zu feiner Ueberrafchung sah er, daß Krags Augen aufs eifrigste damit beschäftigt waren, die Hände des dummen Dieners zu betrachten.
Plötzlich griff der Detektiv ein. „Halt!" rief er.
„Die beiden Gauner sprechen miteinander."
Asbjörn Krag erhob sich, ging ganz ruhig zu Thollon bin und packte ihn bei den Armen. ,Sie reden rooyl doppelt?" sagte er.
Für den Bruchteil einer Sekunde zeigte sich ein Ausdruck von Intelligenz, ein rascher, wachsamer
Blick in den Augen des sonst so einfältigen Mannes.
Gleich darauf aber schüttelte er verständnislos den Kopf und ließ den Unterkiefer herabhängen, wie ein Idiot es zu tun pflegt, wenn er in tiefes Grübeln verfällt.
Wenn dieser Mann wirklich Komödie spielte — und Krag schien zu dieser Anschauung zu neigen — dann spielte er einzigartig und vortrefflich Komödie.
Der Assessor richtete sich von seinem Platze auf und sah Monsieur Thollon und Krag neugierig an. Er bat um eine nähere Erklärung.
Und Krag sagte leise: „Ich habe den Argwohn, daß hier Komödie gespielt wird. Während Sie diesen Mann verhört haben, der sich Thollon nennt, habe ich seine Finger im Auge behalten."
„Ja, der Mann ist offenbar sehr nervös", warf der Assessor ein.
„Sehen Sie sich diesen großen, kräftigen Menschen an, diese gesunden, ruhigen, dummen Augen. Glauben Sie wirklich, daß die Nervosität in einem solchen Körper gedeiyt?"
„Vielleicht nicht. Was ist denn mit seinen Fingern los?"
„Er hat sie jetzt mehrere Minuten lang ununterbrochen auf eine eigentümliche Weise bewegt, die darauf hinzudeuten scheint, daß er mit dem anderen gesprochen hat."
„Ach so — hat der andere geantwortet?"
„Soweit ick sehen konnte, nicht."
„Dann haben Sie wohl kaum ein eigentliches Gespräch miteinander geführt."
„Nein, es hat den Anschein, daß der andere nur einige Mitteilungen erhalten hat."
„Haben Sie diese Mitteilungen verstanden?"
„Natürlich nicht."
„Warum natürlich?"
„Ja, denn dann hätte ich Thollon ungestört weitersprechen lassen. Ich glaube, hier ist ein Fehler begangen worden."
„Welcher Fehler?"
„Daß wir die beiden miteinander konfrontiert haben."
Der Assessor machte ein zweifelndes Gesicht. „Dann haben wir vielleicht auch einen Fehler gemacht, indem wir diesen neuen Mann verhafteten", bemerkte er ein wenig spöttisch. „Ich glaube, wir betrachten die Sache ein bißchen zu international. Ich bin doch selbst ein wenig Menschenkenner, und ich
muß gestehen, daß ich selten eine ausgesprochenere Dummheit, eine unbegreiflichere Einfalt getroffen habe als bei diesem Menschen."
Krag antwortete nicht darauf, aber bann fragte er: „Ist es notwendig, diesen Mann weiter zu verhören, bevor Bescheid aus dem Hotel Malmö gekommen ist, wo er zusammen mit dem Anführer der Bande gewohnt hat?"
Der Assessor sah fragend von einem zum andern. ,Jch meinerseits , sagte er, „bin wirklich der Ansicht, daß wir diesen dummen Kerl zu weiteren Geständnissen verleiten sollen; aber ich kann auch recht gut warten, wenn der Herr Polizeichef meint."
Der Polizeichef überließ die Entscheidung Krag.
„Was denken Sie?" fragte er.
„Warten", erwiderte Krag.
„Gut." Der Afsessor nickte und gab Anweisung, die Gefangene,n abzuführen.
Doch bevor dies geschah, sagte Krag leise: „Thollon muß in eine der Zellen fünf bis neun, wenn eine frei ist. Er muß möglichst weit von dem anderen entfernt untergebracht werden."
„Wie Sie denken", erwiderte der Assessor. „In diese Dinge mische ich mich nicht hinein."
Krag erteilte nähere Befehle, und die Gefangenen wurden einzeln weggebracht, in so weiter Entfernung hintereinander, daß sie unmöglich in Verbindung treten konnten.
Sobald die Beamten unter sich waren, sagte der Assessor: „Nun möchte ich gern Ihre Ansicht hören."
Krag entgegnete: „Ich glaube, wie gejagt, daß diese Herren beide eine gewaltige Komödie mit uns ausgeführt haben."
„Das ist nicht mein Eindruck", sagte der Assessor. „Hallo, da kommt der Schutzmann vom Hotel Malmö zurück. Lassen Sie hören!"
Der Mann berichtete, es hätten in der letzten Zeit allerdings zwei Ausländer in dem Hotel gewohnt. Der eine — der Beschreibung nach der jetzt verhaftete Thollon — sprach nur Französisch. Der andere, der offenbar ein viel vornehmerer Herr war, sprach auch etwas Englisch und hatte sich in dieser Sprache dem Hotelpersonal gegenüber verständlich gemacht.
„Soweit stimmt die Sache mit meinen eigenen Annahmen", sagte der Assessor. „Weiter . . ."
Im Hotel hatte man den bestimmten Eindruck, daß der eine der Herr, der andere der Diener roar.
längenmg. Cs machte sich eine Erschlaffung bet beiden Mannschaften bemerkbar, aber trotzdem schoß der Sturm des 6. Bezirks im gegebenen Moment immer noch haargenau. Endlich lößt sich der Bann: Einen hohen BaU verfehlt der Tormann des 3. Bezirks, der nach Meinung des Schiedsrichters hinter dec Torlinie stehende Verteidiger wehrt mit der Hand ab, der Schiedsrichter entscheidet Tor. Damit ist die Mannschaft des 6. Bezirks verdienter Sieger geworden und hat nun am Sonntagabend das Zwischenspiel mit dem 4. Bezirk im Franksirrter Stadion auszutragen. Der Schiedsrichter Schultheis- Offenbach verstand es, die hier und da auftretende harte Spielweife im Keime zu ersticken.
Der 2. Bezirk verliert überraschend gegen den 4. Bezirk 0:3.
Im 2. (Frankfurter) Bezirk sah man allgemein den Favoriten. 3m entscheidenden Treffen zeigte die Mannschaft zwar ein selten schönes Kombinationsspiel, vergaß dabei aber^Tore zu schießen. Anders der 4. Bezirk. Im energischen Draufgehen erzielte er bis zur Pause 2 Tore, dem in der zweiten Halbzeit noch ein drittes folgte.
Der 1. Sport&hib Wien im 9. Kreis.
£ Rach dem überzeugenden Sieg der Wiener , Fußballer in Gießen folgte tags darauf ein »Spiel gegen den Kreismeister, V. f. L. B 0 r n - l)e i m. Trotz starker Ermüdung zeigten die Wiener auch hier ihr blendendes Spiel, mutzten aber den in großer Form befindlichen Bornheimern! knapp 2:1 den Sieg überlassen.
Unter diesen ilmftänben war man auf das Treffen der Wiener mit der Bezirksrnann- schaft des 2. Bezirks gespannt, nachdem dieselben eine längere Ruhepause hinter sich hatten. Hier zeigten sich die Wiener wieder von ihrer besten Seite und überfuhren die Frankfurter glatt 6:0.
Der nächste Gegner war Hertha-Höchst. Bei sehr zahlreichen Zuschauern kam hier ein ganz hervorragender Kampf zustande, in dem sich die Wiener wieder von Hrer besten Seite zeigten und auch hier 3:0 Sieger blieben. Da die Höchster die Schwere der französischen Besatzung sehr eingehend empfunden haben, war hier die Begrüßung der Wiener Leidensgenossen! besonders herzlich Tausende nahmen daran teil und überschütteten die Wiener mit wahren Beifallsstürmen.
Am Sonntag weilten die Wiener beim Sportverein Vilbel. 1800 Zuschauer hatte das kleine Vilbel aufgebracht, die Zeugen eines ganz hervorragenden Spiels wurden. Die Wiener bewiesen ihre hohe Spielkultur hier ebenfalls in ganz einwandfreier Weise und hatten am Schluß ein 7:0-Ergebnis herausgehvlt. In der ersten Halbzeit setzte Vilbel den Wienern starken Widerstand entgegen, die bis zum Seitenwechsel erst 2:0 führten. Gegen Schluß fielen die Einheimischen der Wiener Kombinationsmaschine zum Opfer und mutzten sich fünf weitere Tore gefallen lassen.
Rudern.
Zweifacher Sieg des Ruderilubs Hassia.
Bei der 63. Regatta des Süddeutschen Ruderverbandes in Offenbach a. M. am 9. und 10. Juli gelang es dem bereits in Frankfurt a. M. bei der Pfingstregatta erfolgreichen Skuller Karl Rupp, seine beiden gemeldeten Rennen überlegen zu gewinnen. Bei gewissenhaftem Training und Anleitung unserer älteren, erfahrenen Skuller dürfte Rupp wohl noch mancher Erfolg beschießen sein. Auch die Junior-Mannschaft des Ruderklubs Hassia errang einen Achtungserfolg, indem sie sich bei vier Booten den 2. Platz sicherte. Rach stehend die Rennen, an denen der Ruderklub Hassia beteiligt war:
I. Jungmann-Einer: 1. Ruderklub Hassia (Karl Rupp). 2. „Vorwärts", Offenbach (Osterieder). Bei 1000 Meter führte Rupp bereits mit 4—5 Längen. Bei 1500 Meter schlug „Dvrwärts"-Osienbach, in aussichtsloser Position liegend, um.
II. Junior-Ein er: 1. Ruder klub Hassia (Karl Rupp). 2. Ruderverein Dürgel- Osfenbach (Becker). Bei 600 Meter lag Rupp bereits mit 2 Längen in Führung und siegte bei schöner Steuerung nach Belieben.
Der Herr mar oft sehr grob und, schalt den Diener aus. Doch dieser war stets eifrig darauf bedacht, es dem anderen recht zu machen. Ich fragte das Personal ausdrücklich, was man von dem Diener gehalten habe, und man antwortete mir, er sei offenbar nicht besonders intelligent. Zuweilen habe er sich entsetzlich dumm angestellt, oft habe er lange dagestanden und Maulaffen feilgehalten."
Der Assessor nickte Krag befriedigt zu und sagte: „Weiter."
„Vor drei Tagen verschwand der Herr plötzlich, und später hat er sich nicht wieder sehen lassen."
Hier roarf Krag die Bemerkung ein: „Wie verschwand er?'
„Ja, davon vermochten sie keine befriedigende Erklärung zu geben. Der Herr und der Diener gingen eines Nachmittags zusammen aus, und keiner von ihnen kehrte in der Nacht zurück. Am Vormittag des folgenden Tages gegen elf Uhr kam der Diener allein nach Hause."
„Konnte man ihm ansehen, daß etwas passiert war?"
„Nein, aber im Laus des Abends fing er an, nach feinem Herrn zu fragen, und als dieser auch am nächsten Tag nicht wiederkam, wurde der Diener sichtlich sehr unruhig."
„Und da?"
„Da schöpfte auch die Hotelleitung Verdacht und präsentierte die Rechnung. Der Mann bezahlte sie sofort und gab reichlich Trinkgeld, wodurch man natürlich einigermaßen beruhigt wurde. Aber ein Umstand dabei ist recht interessant."
„Welcher Umstand?"
„Daß auch das Gepäck des Herrn fort ist." Diese Mitteilung verblüffte den Assessor „Hatte er viel Gepäck?" fragte Krag.
„Nein," erklärte der Kriminalschutzmann, der sich in dem Hotel erkundigt hatte, „nur einen kleinen Handkoffer. Aber der ist, wie gesagt, fort. Und mit ihm alle Sachen des Herrn, Kragen, loiletteegegeri*« stände und alles."
„Hatte der Herr denn an jenem Abend, als die beiden zusammen fortgingen, seinen Koffer bei sich?"
„Darüber wußte man hn Hotel nichts. Niemand hat sie weggehen sehen. Man weiß nur, daß sie um vier Uhr zu Hause waren, und daß um sechs, als die Zimmer nachgesehen wurden, niemand da roar."
(Fortsetzung folgt.)


