Nr. 56 Erster Blatt
177. Jahrgang
Samstag, 12. Zebruar (927
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General-Anzeiger für Oberhessen
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Dr Fnedr Wich Gange. Beranttportlidi rür Dolnth Dr Fr Wilh Gange, für Feuilleton Dr H Tbgriot; für den übrigen Teil Ernst Slumid)ein; für den Anzeigenteil i. Teilt H Peöt, iämtlid) in (Bienet.
Abrüstung.
Es ist eine Tatsache, die nachdenklich stimmen muß, daß Zeiten erhöhter pazifistischer Propaganda stets zusammen fallen mit Höhepunkten offner ober geheimer Rüstungen in der ganzen Welt. Das war schon oor dem Kruge so. Die Idee des Weltfriedens, oder auch nur die einer Beschränkung der Rüstungen als Etappe zu einem utopischen Ziel, ist oon den Möchten kaum je ernsthaft von ihrer idealen Seite genommen, um so mehr aber als diplomatisches Mittel zur Erreichung sehr realer Zwecke benutzt worden. Rußland, dessen letzter Zar die erste Haager Friedenskonferenz anregte, Amerika, defsen imperialiftifcher Präsident Roosevelt die Der- anlafsung zu der zweiten gab, vor allen, aber England, dessen überlegene, diplomatische Kunst tchon aus diesen beiden Dorkriegskonferenzen aus •cm Gewirr pazifistischer Phrasen sehr greifbare Vorteile für seine damalige politische Vage heraus- schlug, sie alle drei haben es stets meisterhaft per- standen, den erhabenen Gedanken des ewigen Friedens vor ihren imperialistischen Wagen zu spannen.
(Erinnern wir uns, daß kurz vor der Jahrhundertwende Im Jahre 1898 dem Zaren Nikolaus II. gerade in dem Augenblick oon seinem klugen Minister Witte der Gedanke einer Ab» ruttungskonserenz suggeriert wurde, als Rußlands erschöpfte Finanzen es nicht erlaubten, die neue Bewaffnung der österreichischen Artillerie aufzuhoien. Die Begeisterung über das Friedensmanifest dcs Zaren war in Berlin, Paris und London gleich gering. „Utopie” nannte eine Randglosse Kaiser Wilhelms den Gedanken seines russischen Detters. In London sprach man sehr schnell die Hoffnung aus, daß sich schon bei den Dorsragen solche Schwierigkeiten ergeben mochten, die es zu einer Konserenz Sar nicht erst kommen lassen würden. Der britische si'jchäststräger in Berlin meinte, zweifellos würden sich die Mächte theoretisch schnell einigen, aber gewiß nicht über einen einzigen positiven Punkt. Und in Paris sagte De 1 cass 6 zum Grasen Münster: „Wir haben auf dieser Konferenz ganz dasselbe Interesse wie Sie. Sie wollen Ihre Wehrkraft in diesem Augenblick nicht einschränken, wollen auf 8lbrüftungsDor|d)läge nicht eingehen, wir sind ganz in derselben Lage, wir wollen beide den Kaiser (gemeint ist Nikolaus II.) schonen und wollen eine Formel suchen, um diese Frage zu umgehen, uns aber auf nichts einlassen, was unsere beiderseitige Wehrkraft fchwächen könnte . . . Wir müssen neben dem Kaiser aber noch die öffentliche Meinung Europas schonen, denn diese ist durch den unbesonnenen Schritt der Russen in Aufregung geraten." Man kann wohl kaum klarer die tatsächliche Situation, in der die erste Haager Friedenskonferenz stattfand, kennzeichnen, als mit diesen Worten des Franzosen. So war denn auch das Ziel aller im Haag vertretenen Möchte, das von vornherein als aussichtslos bekannte Ergebnis der Beratungen nach Möglichkeit zu verschleiern, und — soweit dies nicht erreicht werden konnte — die Verantwortung für das Scheitern der Konferenz oon sich auf einen an- deren abzuwölzen.
Als Sündenbock stellte sich bald Deutschland zur Verfügung. Bülow, damals noch Staatssekretär des Auswörtigen Amtes, meinte zwar in einer Anweisung an unseren Botschafter in London: „Für Deutschland würde es von Wert sein, wenn dieser Friedens- und Entwaffnungsgedanke, der unter seiner idealen äußeren Form reale Kriegsgefahren birgt, an Englands Ablehnung scheiterte, ohne daß wir dabei in den Vordergrund treten.” Trotz dieser grundlegenden Erkenntnis des deutschen Staatsmannes sollte es jedoch im Laufe der Verhandlungen gerade umgekehrt kommen. Die deutschen Vertreter im Haag ließen sich schnell auf ein gefähr- liches Glatteis locken. In einem übel angebrachten Doktrinarismus und aus Sorge um die, der geographischen Loge nach besonders bedrohte Stellung Deutschlands, begannen sie einen ernsthaften Feldzug gegen die praktisch ohnehin unmöglichen pazifistischen Phrasen, die sich gelegentlich im Konferenzsaal breitmachten. Es war dem Geschick der englischen Diplomatie ein leichtes, diesen Widerstand der deutschen Vertreter gegen im Grunde nicht ernsthaft gemeinte Vorschläge weidlich auszubeuten, und Deutschland für das «cheitern der Konferenz in vollem Maße verantwortlich zu machen. Bis in die jüngste Zeil hinein war dies Mißgeschick der deutschen Politik im Haag eine der ergiebigsten Bropaganbaqucllen für die Lüge von der Allein fchuld Deutschlands am Weltkriege. Man hat bann trotz aller Friedenskonferenzen in allen Lagern mit Macht weiter g e r ü ft e t, der Zündstoff häufle sich an allen Ecken und Enden Europas immer bedrohlicher an, und es bedurfte nur des Funkens von Serajewo, um die Flammen des Weltkrieges über den Völkern zusanmienschlagen zu lassen.
Die ersten großen Dokumente der Weltpolitik ^tad) dem Kriege greifen den Gedanken der Abrüstung wieder auf Der Versailler Vertrag begründet die Entwaffnung des besiegten Deutschlands mit der Notwendigkeit, „den Anfang einer allgemeinen Beschränkung der Rüstungen aller Nationen zu ermöglichen", und die Satzung des Völkerbundes enthält in ihrem Artikel 8 ein eingehendes Programm für eine Herabsetzung der nationalen Rüstungen. Seitdem ist die Debatte über die Frage der Abrüstung nicht abgebrochen. Militär- kommisstonen tagen in Permanenz am Genfer See, Koryphäen auf dem Gebiete des Völkerrechts arbeiten Dorsckläge aus, die der Gegenstand endlosen Noten- wechsels zwischen den Regierungen werden, Parla- mentsausfcküsie und international^ Ligen diskutieren über das Problem des ewigen Friedens, aber die praktischen Ergebnisse aller dieser Bemühungen, zu einer Rüstungsbeschränkung aller Nationen zu kommen sind gleich Null. Mit einer Ausnahme, Deutschland und seine Bundesgenosien sind restlos entwaffnet, und die um ihre Sicher-
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Berlin, 11. $ebr. (VDZ.) 3m Reichstag fand eine mehrstündige Besprechung zwischen dem Neichswlrtschaslsmlnisler, dem Auswärtigen Amt, dem Reich'.ernährungsmlnister und dem Relchsstnanjministcr über die Frage der Fortführung der Handelsvertragsoerhandlungen mit polen statt, wie das „B. I.” von unterrichteter Seile erfährt, ist Ucber- einstimmung darüber erzielt worden, daß eine Fortführung der Verhandlungen als z we cklo s aniu- sehen ist. Am Samstag wird wahrfchcinlich der polnischen Regierung eine deutsche Rote übermittelt werden, in der vorgeschlagen wird, die Verhandlungen solange w unterbrechen, bis die Verhandlungen zwischen der polnischen Regierung und dem deutschen Gesandten in Warschau über die Frage der enbgültiaen Regelung der Ausweisung von Deutschen beendet sind. Die polnische Delegation wird wahrscheinlich anfangs nächster Woche Berlin verlassen und erst wieder zurückkehren, wenn die warschauer Verhandlungen zum Abschluß gelangt sind.
Der Streit um die Ehorzowwerke.
Tcntschland tlagt vor dem Internationalen Gerichtshof.
Berlin, 11. Febr. (Wolff.) Die deutsch- polnischen Verhandlungen übet das Stickstoff» werk in Chorzow haben ihren Abschluß in einer Klage gesunden, die von der deutschen Regierung gegen Polen bei dem Ständigen Internationalen Gerichtshof im Haag eingereicht worden ist. Trotzdem die Reic^rcaie- rung den Wünschen der polrrischen Regierung soweit entgegengekommen ist, als cs ihr nach Lage der Sache möglich erscheinen durfte, ist eS nicht gelungen, zu einer Einigung zu kommen, weil in der Frage der Zah - lungsmodalitäten sich die polnische Regierung vollkommen ablehnend verhielt. Die deutsche Regierung glaubte schon auS praktischen Gründen eine geringe, aber gesicherte und in kürzeren Zeiträumen zu zahlende Entschädigungssumme einer größeren, ohne Sicherheit vorziehen zu müssen.
Die polnische Regierung hat aber lediglich für die Verletzung der Patente der bayerischen Stickstoffwerke eine unzureichende Entschädigung angeboten, gegenüber den Ansprüchen der ober- schlesischen Stickstosfwerke jedoch mit Forderungen gegen das Reich aufgerechnet. Ein Standpunkt, der schon deswegen unhaltbar ist, weil die anerkannten polnischen Forderungen gegen Deutschland bekanntlich aus den Dawesonnuitäten zu bezahlen sind. Wenn man außerdem bedenkt, daß bei zulässigen Liquidationen der Wert des enteigneten Gegenstandes unmittelbar den geschädigten Privatpersonen auszuzahlen ist. so muß dieser Gesichtspunkt umsomehr bei Enteignungen maßgebend fein, die die polnische Regierung unter Verstoß gegen d i e Liquidationsbestimmungen vorgenommen hat. Es kommt hinzu, daß die polnische Regierung die in dem Werke verkörperten Werte im Jahre 1922 fich angeeignet hat, feit dieser Zeit wirtschaftlich und finanziell benutzt, und daß daher von ihr verlangt werden kann, diefe Werte endlich in fach- und sinngemäßer Weife zu bezahlen. D.a die polnische Regierung sich
heit trotzdem noch ängstlich besorgten Nastbarstaaten wenden ihre ganze Aufmerksamkeit ausschließlich auf die Kontrolle der Niedergeworfenen, statt nun endlich auch einmal ernsthaft an die Erfüllung ihres im Versailler Vertrag und im Dölkerbundsstatut den Völkern pomphaft verkündeten Programms zu denken.
Ein einziger Schritt zur allgemeinen Abrüstung, und damit überhaupt das erste tatsächliche Abkommen über Rüstungsbeschränkungen von praktischem Wert war das Ergebnis der Konferenz von Washington vom Frühjahr 1922, jedoch mit der grundlegenden Einschränkung, daß lediglich eine llebereinfunft über die Rüstungen zur See zu- stände kam, über die Landheere man sich aber nicht einigen konnte. Die Konferenz von Washington verdankt ihr Zusammentreten der Initiative des inzwischen verstorbenen Präsidenten der Vereinigten Staaten, Warren G. Har ding. Als den Vater des Konferenzgedankens muß man wohl indessen den amerikanischen Staatssekretär Hughes bezeichnen. Die Konferenz ergab ein überaus geschicktes Zusammenspiel der beiden großen angelsächsischen Mächte gegen Japan und Frankreich. Das erste Opfer auf dem Altar der neuen Freundschaft war das englisch- -japanische Bündnis. Und dann wurde Japan von beiden kräftig zwischen die Zange genommen. Japans damalige Vormachtstellung im Stillen Ozean, der stete Alpdruck für die amerikanischen Philippinen, für Hollöndisch-In- dien und Australien wurde in Washington zu Grabe getragen. Die schweren wirtschaftlichen Erschütte- rungen, die das große Erdbeben, die stete Finanznot dem Lande brachten, taten ihr übriges, die japanische Gefahr wenigstens für eine Zeitlang zurückzudämmen. Die fünf Seemächte England. Ämeri'a. Japan, Frankreich und Italien einigten sich auf ein Verhältnis der Großkampfschiffe wie 5:5:3:1,75: 1.75. Der Neubau von Kriegsschiffen mit mehr als 35 000 Tonnen Wasserverdrängung wurde unter-
aber gerade hinsichtlich der Zahlungsweise vollkommen ablehnend verhielt, konnte ihr ein neuer Protest vor dem Haager Gericht nicht erspart bleiben.
Polens Haltung.
Bizcministcrpräfidcnt Bartels im Landtag
Warschau, 11. Febr. (WB.) Dizeminister- präsident Bartel hielt im polnischen Landtag ein Expose über die posit sche Lage des Staates, um den Abgeordneten das Budget zur Annahme zu empfehlen. Die außenpolitische Haltung Polens hat nach Ansicht des Bizeminister- präsidenten viel zur Klärung der internationalen Atmosphäre beigetragen. Die Entscheidung der Botfchasterionfercnz über die Ostfestungen Deutschlands bedeutet zwar eine Kompromißlösung, die in vielen Punkten Zugeständnisse an Deutschland enthält, sie ist aber doch zu einem bedeutenden Teil das Ergebnis der Bemühungen unserer Verbündeten und berücksichtigt bis zu einem gewissen Grade die Bedeutung der Sicherheit Polens für den allgemei
nen europäischen Frieden. Die polnische Re- gicruna versteht, daß jede Schwäche und jeder zu weitgehende Dergleich unabsehbare schädig c Fo'. gen nach sich ziehen kann. Andererseits wünscht die Regierung eine reale w.rtschast.iche nachbarliche Zusammenarbeit mit feinen westlichen Rachbarn, eine Zusammenarbeit, die gegründet sein soll auf den bestehenden Verträgen und wirtschaftlichem Verständnis. Trotz der Qiadiridjt über eine auf deutsches Verlangen erfolgte C i n- Stellung der Handelsvertrags Verhandlungen in Berlin will die polnische Regierung nicht glauben, daß die deutsche Regierung unter dem Borwand der verweigerten A u s e n t h a 11 S d e w i 11 i g u n g für vier deutsche Staatsangehörige es zu einem vollkommenen Bruch der Derhandlungen üser den Handelsvertrag kommen lassen will. Wenn es aus diesem Grunde zu einer Unterbrechung der Derhandlungen kommen sollte, so müssen wir von vornherein erklären, daß wir die ganze Schuld auf die gegenwärtige deutsche Regierung wälzen.
Ablehnung der Wtztrauenrvülen gegen Aeudell.
Das Ergebnis der Untersuchung des Reichskanzlers.
Berlin, 11. Febr. (DDZ.) Auf der Tagesordnung steht die Abestimmung über das kommunistische Mißtrauensvotum gegen den Reichsinnenminister v. Keudell In Verbindung mit der kommunistischen Interpellation wegen Beherbergung von Mitgliedern der Olympia auf einem Gute des Minister- v. Keudell.
Abg. T o r g l e r (Komm.) begründet die kommunistische Interpellation. Minister v. Keudell sei ein eifriger Förderer und Mitarbeiter der saszistischen, feit 1926 verbotenen Organisation Olympia. Ein fogenannteä Sommerlager dieser Organisation habe v. Keudell auf seinem Gute Hohenlübbichow beherbergt und beköstigt. Die Mitglieder Der Olympia wurden Dort militärisch von einem Reichswehrleutnant Szalla auggebilDet. Herr v. KeuDell habe wiederholt an Die jungen Leute Ansprachen gehalten, in Denen er Die WieDeraufrichlung der alten Hohen- zollern-Monarchie als erstrebenswert bezeichnete. In seiner letzten Reichstagserklärung habe Minister v. Keudell die Unwahrheit gesagt. Die Iungdeutschland-Abteilung, die er beherbergt haben wollte, sei tatsächlich eine Abteilung der Olympia gewesen.
Reichskanzler Dr. Marx:
„Ich habe die Untersuchung des Falles v. Keudell selbst in die Hand genommen und objektiv durchgeführt. Zuerst ist Dr. v. Keudell Beteiligung am Kapp-Putsch vorgeworfen worden. Er hat, wie er zugibt, die Be- lanntmachungen der militärischen Befehlshaber für die Kapp-Regierung verbreitet. Dies geschah auf ausdrückliche Anweisung seines damaligen Dorgesehten, des ständigen Stellvertreters des damals von seinem Amte selbst abwesenden Regierungspräsidenten Bartels, des Oberregierungsrates v. Keller. Mitteilungen Der rechtsmäßigen Regierung gelangten damals nicht zu ihm. Sobald die erste Nachricht von Der Rückkehr Der rechtmäßigen Re
gierung am 18. März 1920 an ihn gelangte, hat Landrat v. Keudell diese Mitteilung weiter verbreitet und alle srüheren Erlasse der Kapp-Regierung aufgehoben. (Zuruf bei Den Kommunisten: „Da hatte er schon Die Hosen volll") Es ist richtig, daß Landrat v. Keudell Den Vertrauensmann vor Der Generalstreikagitation gewarnt hat. Der frühere Bürgermeister von Mohrin bestreitet aber ausdrücklich Die auch hier verbreitete Behauptung, daß Landrat v. Keudell ihn unter Strafandrohung ersucht habe, sich Der Regierung zu fügen. Es muß festgestellt werDen, Daß nach der vorliegenden Rechtsprechung Der Beamte in erster Linie zu gehorchen hat. Der Kanzler weist Darauf hin, daß Damals Der militärische Aus, Ihme- zustanD bestand und daß die polizeiliche Gewalt auf den Militärbefehlshaber Überlegungen war.
Auch danach war Herr v. keudell verpflichtet, den Anordnungen des Militärbefehlshabers nachzukommen. Ls war für ihn als Canbrat die erste Pflicht, für Ruhe und Ordnung zu sorgen. Es roar (eine Pflicht, an der Zäck ricker Brücke Gendarmen aufzustellen. Diese Maßnahme hat er getroffen, um ein Uebergreifen der Unruhen aus Eberswalde zu verhindern. Herr v. Keudell ist bann in ben einstweiligen Ruhcstanb versetzt worden. Am 20. April 1920 hat er den Regierungspräsidenten um beschleunigte Untersuchung seines Verhaltens ersucht. Eine Untersuchung oder ein Disziplinarverfahren ist jedoch niemals eingeleitet worden. (Hört! Hört! rechts.) Herr v. Keudell ist in Dieser Beziehung bis heute noch ohne jeDe Rachricht. (Lachen links.) Am 22. Juli 1921 wurde Herr v. Keudell vom preußischen Innenminister vorübergehend der Regierung Stettin überwiesen. (Erneutes Hört! Hört! rechts.) Er hat Diese amtliche Stelle nicht antreten können, weil er Damals krank war. Er hat jeDoch Diese Berufung Dahin auffaffen müssen, daß ihn die preußische Staatsregierung wieder im aktiven Staatsdienst ver-
fagt und bas Höchstkaliber für bie Schiffsgeschütze auf 40,6 Zentimeter festgesetzt. Einer Erörterung irgendwelcher Rüstungsbeschränkungen zu Laube hatte Frankreich, besten Damaliger Ministerpräsident Briand persönlich in Washington sein Land vertrat, auf das heftigste und mit Erfolg widerstanden.
Neben diesem Rüstungsabkommen gingen Verhandlungen über das Schicksal Chinas mit dem Ziel, die javanische Vormachtstellung in China durch eine angelsächsische zu ersetzen. Es kam auch hier eine Uebereinkunft zustande, in der Japan sich verpflichtete, Schantung an China zurückzugeben und seine Truvpen zurückzuziehen, sobald die Chinesen für die Aufrechterhaltung der Sicherheit sorgen könnten. Japan hat in den nächsten Jahren alles getan, um aus diesem Kautschukparagraphen das denkbar möglichste für sich herauszuschlagen. In der Vorgeschichte des augenblicklichen schweren Konfliktes in China spielt diese Uebereinkunft oon Washington eine gewichtige Rolle.
Wenn nun Hardings Rachfolger im Weißen Hause, Ealvin 6 o o I i D g e, gerade jetzt in einer Botschaft an Den Kongreß Der Bereinigten Staaten eine neue Abrüstungskonferenz vorschlägt. Die Das Abkommen Der Seemächte vom Jahre 1922 in bezug auf Die Kreuzer. Zerstörer unD _ il-'Boote ergänzen soll, so fällt Die Parallelität in Der politischen Lage des Femen Ostens auf. Das Angelsachsentum ist in China in Die Defensive gedrängt. Japan und Rußland unterstützen — das eine geheim, das andere offen — Di: chinesische Bewegung. Es toirD diesmal auf dieser neuen Konferenz, vorausgesetzt, daß sie überhaupt zustande kommt. Den beiden angelsächsischen Mächten nicht so leicht fallen. Dem heute in einer ganz anderen Position dastehenden Japan neue Rüstungsbeschränkungen aufjuof freieren. Zumal auch jetzt wieder, wie schon vor Jahren in Washington. Frankreich Der heftigste Gegner einer Beschränkung des
ül-BootbaueS sein wird. Ist doch seine U-Boot- flotte die wirksamste Waffe gegen das englische Inselreich. Heber eine Beschränkung Der 2 a n D- rü ft ungen spricht sich schon Coolidge selbst außerordentlich pessimistisch aus. Er schlägt zwar Den europäischen Mächten regionale Vereinbarungen vor, verwahrt sich aber von vornherein Dagegen, auf Diesem Gebiet konkrete Borschläge zu machen. Die alte Scheu vor einer Einmischung in europäische Dinge, Die alle amerikanischen Parteien beherrscht, seit sich Präsident Wilson In Versailles so gründlich Die Finger verbrannt hat. spricht auch in Diesem Vorbehalt Hardings mit. So toirD sich für Deutschland durch Diese neue Konferenz gewiß nicht viel ändern. Der nwralifche Druck auf Frankreich und seine östlichen Satrapen wird gleich stark bleiben, wird aber kaum genügen, diese Möchte zu ernstlichen Anstrengungen in der Abrüstungs- frage zu veranlassen. Aber gerade Amerika allein hat es in der Hand. Die ihm verschuldeten europäischen Mächte zu Rüstungsbeschränkungen zu zwingen, sobald es ihnen einmal ernstlich den Brotkorb höher hängt vnd auf finanziellem Gebiet sein Entgegenkommen in Aussicht stellt gegen eine entsprechende Herabsetzung der Rüstungsausgaben. Wir scheinen jedoch hieraus nicht hoffen zu Dürfen. Amerika beherbergt auch eine Der ausgeDehntesten RüstungsinDu- freien Der Welt, unD Die Leute, Die hinter Den Kulissen Das amerikanische Volk in Den Weltkrieg getrieben haben, werden auch kaum gewillt fein, in Zukunft für ihre Kanonen auf Den europäischen Markt zu Verzichtern So sind Die Aussichten für Das entwaffnete DeutschlanD trotz aller Konferenzen, trotz aller Ausrufe und Reden
gläubiger Ideologen nicht günstiger geworden. Man redet heute, wie damals im Haag, von Abrüstung und ewigem Frieden und meint Die Vorbereitung zum nächsten Krieg.


