sich. Unsere Geschütze hatten den Hauptstoß auf- gefangen, so daß mit keinerlei ernstlichen Schaden erlitten. Auch die Bark hatte kein große- Leck, nur am Bug ein Loch über Wasser, aber das ganze Borgeschirr war fort. Für den Schaden waren wir verantwortlich, da „QUobe“ auSweichen mußte!
Bach Rückkehr in die Heimat fand eine Flotienparade vor dem alten Heldenkaiser Wilhelm dem Ersten statt. Am 22. September 1875 batte hierzu da« damals stattliche Panzerge- schwader: „König Wilhelm". „Kronprinz", „Kaiser". .Hansa" nebst .Aviso". .Falle", dann die Segelschiffe „Riebe" nebst den drei Briggs auf der Reede von Warnemünde Anker geworfen. Alle Schiffe hatten über die Toppen geflaggt. Um 11 Uhr wurde auf Signal vom Flaggenschiff .König Wilhelm" aufgeentert und auf den Raaen paradiert. Stolz und schneidig, die Hände an den Strecktauen gekreuzt, standen wir dort oben in luftiger Höhe in unserer Paradeuniform. Richt S vermochte unsere Begeisterung herabzu- fetzen, weder der Hunger auf daS Mittagessen, noch die lange Dauer des Aufenthaltes auf der schmalen Raa, frisch und laut ertönten die drei Hurras, al- die Kaiserjacht .Grille" unter den Salutschüssen drS Geschwaders passierte und unsere Augen den geliebten, greisen Kaiser suchten, sein Bild sich uns fest einprägte. Der Kaiser ging, nachdem olle Schiffe einzeln passiert waren, an Bord des „König Wilhelm". Das Geschwader ging Anker auf. Die Segelschiffe nahmen zugleich mit dem Geschwader Bramstengen, Dram- Oberbramraaen (Bramstenge ist die oberste Stenge bis an den Flaggenknopf. Dram- und Oberbramraa sind die beiden obersten Raaen an dieser Stenge) an Deck. Rach Ausübung einiger Gcfcchtsmanöver ankerte das Geschwader gegen 3 Uhr wieder auf der Reede. Sofort wurden Dramstcngen und Raaen wieder aufgebracht und von neuem paradiert. Gin Bootswettrudern beschloß die Besichtigung. Für uns alle war dieser Tag damals ein wahrer Festtag voll Jubel und Freude, daß wir dem alten Kaiser zeigen konnten, was wir als angehende Seeleute leisteten!
Dann kam noch ein kleine- Rochspiel: Kaum war die „Grille" eingelaufen, da fing es an zu wehen, dicke Wollen türmten sich am Horizont. Wind und See nahmen zu, das Barometer fiel. Kein Zweifel, es war schweres Wetter im Anzüge! Auf der offenen Reede war unseres Bleibens nicht mehr. Die Segelschiffe mußten kurz vor Dunkelwerden Anker aufgehen und kreuzten die ganze Rocht unter gereeften Marssegeln in der Ostsee (Marssegel ist das dritte Segel von oben. Unter „Reefen" versteht man das Kürzen der Segel. Ein Marssegel hat vier Reefe. Ist das vierte Reef eingesteckt bet drohendem Sturm, so ist das Segel um mehr als die Hälfte gekürzt.) Der kurze, schwere Seegang, der schnell aufkam. brachte das Schiff in starke Stampfbewegung, so daß der noch nicht ganz seefeste Teil der Kadetten von neuem der Seekrankheit zum Opfer fielen. Wie wurden die gehänselt und bespöttelt! Jämmerlich war ihr Anblick und in der Tackelage waren sie überhaupt nicht zu gebrauchen. Wo- nützte es, daß sie sich damit zu trösten suchten, auch der große britische Seeheld Relson sei immer wieder seekrank geworden? Sie waren und blieben aktion-unfähig und lernten nie da- stolze Seemann-gefühl kennen, daS gerade bei schlechtem Wetter im Kampf mit den Elementen zum Ausbruch kommt, selbstbewußt und sicher macht.
Die Landtagswahlen in Thüringen.
Die eigenartige Parallelität, die zwischen der Lagerung der Berhältnisse in dem ehemaligen Königreich Dachsen und in dem neugebildeten Lande Thüringen sich ousdrückt, tritt auch darin in die Erscheinung, daß wenige Wochm nach Sachsen jetzt auch in Thüringen die Rm- wahlen zum Landtag vorgenommen werden müssen. Beide Länder haben das gemeinsame Schicksal einer soziolistisch-kommunisti- sch en Regierung dnrchgcmacht. 3n bttdcn hat die Reichswehr Ordnung schassen mü's n. hier wie dort hat sich dann unter dem Druck der Ber- hältnis'e eine bürgerliche Mehrheit her- auSkristallisiert, die in Sachsen ihren parlamentarischen Riederschlag nur in einer Regierung der Großen Koalition fand, während in Thüringen eine rein bürgerliche Regie
rung unter der Führung des Deutschvolks- parteilerS Leuthäuser gebildet wurde, die seit mehr als drei Jahren gehalten und sehr erfolgreich gearbeitet hat.
Ein kurzer geschichtlicher Rückblick: Erst am I. Mai 1920 haben sich die thüringischen Staaten zu einem neuen Londe Thüringen vereinigt. Die ersten Wahlen brachten eine knappe bürgerliche Mehrheit von einer Stimme, die sich aber nicht auswerten konnte, weil die Demokraten ihre eigenen Wege gingen, sie suchten den Anschluß an die Sozialdemokraten. Die Reuwahlen im September 1921 verzeichneten dann auch eine Mehrheit von Sozialdemokraten und Kommunisten gegenüber allen bürgerlichen Parteien. Die Folge war zunächst eine rein sozialistische Regierung, die sich aber vollkommen im Fahrwasser der Kommunisten befand. Sie schafften das Reformatlonsfest ab. machten dafür aber den 9. Rovember zum gesetzlichen Feiertag. Bald genügte den Kommunisten auch da- nicht mehr, nach dem Borbilde der Zeigner-Regierung in Sachsen beteiligten sie sich mit zwei Ministern selbst an der Regierung und führten in wenigen Wochen so tolle Zustände herauf, daß die Reichswehr zum Eingreifen genötigt war.
Das kommunistifche Experiment hatte aus die Bevölkerung außerordentlich ernüchternd gewirkt, die Landtagswahlen vom Februar 1924 brachten eine starke bürgerliche Mehrheit von 35 Mandaten gegen 17 Sozialdemokraten und 13 Kommunisten. Leider haben die Lehren nicht ganz vorgehalten, 1924 trat der Ordnungsbund aller bürgerlichen Parteien gemeinsam in den Wahlkampf, nur die Völkischen hielten sich davon fern; diesmal hat sich auch die Wirtschafts- Partei selbständig gemacht, die Demokraten wollten ebenfalls nicht mehr mitspielen und die Sparer sind auch mit einer eigenen Liste in den Kampf gezogen. So stehen sich anstatt der zwei bürgerlichen Listen von 1924 am Sonntag fünf bürgerliche Listen gegenüber. Die Anziehungskraft, die also eine Einheitsliste ausübt, ist zerschlagen. Was hier versäumt worden ist, wird durch eine Listenverbindung nur teilweise gut gemacht. Immerhin ist es zu begrüßen, daß Deutschnationole, Deutsche Bolkspartci. La.:dbund und Zentrum wenigstens sich auf eine Einheitsliste verständigten. Das Ergebnis der Wahlen wird wiederum symptomatisch für die Berschie- bung der Stimmung fein. Cs wird zeigen, wie weit die Erfolge der kleinen Parteien einschließlich der Wirtschastspartei über Sachsen hinaus Allgemeingeltung besitzen: es wird auch zeigen, wie sich Sozialdemokraten und Kommunisten zueinander verhalten, so daß vielleicht manche Parteien aus den Stimmzahlen eine heilsame Lehre vor überflüssigen Reuwahlen im Reich ziehen könnten.
Zur Hrage der Gasfernversorgung
In der letzten Zeit sind wiederholt Bedenken gegen die Gasfernversorgung erhoben worden, die hier kurz behandelt tt>:rden sollen. Zunächst wurde gesagt, daß sich für den Bergbau beim Wegfall der Gaskokserzeugung die Möglichkeit der Heraussehung der Preise für Zechenkoks ergebe. Hierzu ist zu bemerken, daß die Festsetzung der Drennstosfpreise nicht Sache des Bergbaues allein ist, sondern, daß die letzte Entscheidung immer noch beim Reichs- k o h l e n r a t bzw. beim Reichskohlenlommissar liegt: eS dürfte also eine ziemlich weitgehende Gewähr gegen eine etwaige Ausnutzung von Monopolen gegeben sein, ganz abg.sehen davon, daß das Kohlensyndikat, dessen Hauptsorge schon seit langer Zeit der Koksabsatz gewesen ist. sicher nicht durch höhere Preise den Absatz gefährden wird. Ein weiteres Bedenken besteht in Befürchtungen um das Schicksal derGas- werke bzw. der in den Gaswerken beschäftigten Arbeitnehmer. Was die Gaswerke angeht, so wird man allerdings damit rechnen müssen, daß die unwirtschaftlichen Gaswerksbetriebe, die besonders in kleinen Kommunen anzutvessen sind, genau so gut verschwinden werden, wir die unrationellen Betriebe aus der übrigen Wirtschaft (man denke nur an das der Gaserzeugung etwa verwandte Gebiet drr Elektrizitätserzeugung) ausgcmerzt worden sind. Diese Entwicklung läßt sich auch für die Gasinüustrie mit oder ohne Ferngasversorgung nicht aufhalten. Etwas anderes ist es dagegen mit den modernen und lebensfähigen Betrieben. Es besteht nicht die geringste Beranlassung, auch diese De-
Der Frosch mit derMaske
Roman von Edgar Wallace.
38 i^ortlenuny Jladibnuf verboten
Run allein im Zimmer, läutete Balder. Der Gin- tretende fesselte sofort Dicks Aufmerksamkeit im höchsten Grade. Er trug die übliche Ihurce der Lakaien, dunkle Hose und gestreifte Weste. Aber es war aus der Art, mit der er sich bewegte, leicht zu entnehmen, daß er durchaus kein gewöhnlicher Lakai war. Ein großer, schwerfällig gebauter Mann, dessen Bewegungen langsam und merkwürdig nachdenklich wirkten. Balder gab einen Befehl, und der Lakai nickte, nahm die Tasse auf und ging mit denselben langsamen feierlichen Schritten hinaus, mit denen er eingetreten war.
(Ss durchzuckte Dick und er flüsterte ein einziges Wv.t in das Ohr des Detektivs- „Blind!" Elk nickte. Die Iure öffnete sich nochmals und diesmal kamen drei Lakaien herein, die einen schwer aus- sehenden, mit einem weißen Tuch bedeckten Tisch hereintrugen.
Gordon dachte zuerst, daß Balders Mahlzeit fermert werden solle. Aber bald begriff er die Wahrheit. Oberhalb des Kamins hing an einem einzigen Draht eine große elektrische Lampe. Einer der totalen stieg auf einen Stuhl, schraubte die Lampe aus und steckte einen Kontakt an, der mit öem Tisch durch einen Draht verbunden war.
.Lauter Dlickbe!" sagte Elk flüsternd.
Die Diener gingen hinaus und Balder verschloß hinter ihnen bie Iure. Er wendete ihnen noch den Racken zu, als Elk seinen Fuß auf den Ziegeloor- Jprung stellte und bie Perstenne zur Seite reißend, ms Zimmer sprang. Bei diesem Geräusch fuhr Balder herum.
„Schönen guten Abend, Balder!" sagte Elk süß „Ich bin zu Ihnen gekommen, um Ihnen zu sagen daß Sie endlich in Anerkennung Ihrer großen Verdienste zum Sergeant befördert worden sind. Es Ist der Dank für die Dienste, die Sie dem Staat durch Vergiftung des Froses Mills, Befreiung des Fro- fches Hagn und In-die-Luftsprengung meine- Bureaus geleistet haben."
Immer noch sprach der Mann lein Wort und stand da, ohne sich zu regen. Denn der langläuiicp Browning in Elks Hand zielte unentwegt auf den
untersten Knopf feiner eleganten, weißen Piqus- weste.
„Und nun", sagte Elk, und es klang wie Jubel und Triumphgesang, „werden Sie einen ganz kleinen, hübschen Spaziergang mit mir machen. Denn ich bedarf Ihrer wirklich, Nummer sieben."
I „Glauben Sie nicht, sich geirrt zu haben?" näselte Balder, so ganz unähnlich seiner gewohnten Stimme, daß selbst Elk einen Moment lang zögerte.
..Rein, ich habe mich nie geirrt. Außer, wenn mich einer gefragt hat, wieviel Frauen Heinrich der ! Achte gehabt und wann er sie geheiratet bat/
Elk sprang auf ihn zu und hielt die Mündung seiner Pistole auf das Zwerchfell seines Gesänge, nen gepreßt. „So, jetzt wollen Sie die Güte haben, Ähre Hände auszustrecken und belieben sich, umzu- drehen," sagte er.
Balder gehorchte. Elk zog Handschellen aus der lasche und liefe sie über seinen Gelenken ein- schnappen. Er schnallte ihm auch bie Arme von rückwärts fest zusammen.
„Das ist sehr unbequem," sagte Balder. „Pflegen Sie immer solche Irrtümer zu begehen, Herr Inspektor- — Mein Name ist Collet-Banfon."
„Ihr Name ist Hans Dreck!" sagte Elk. „Aber ich will gerne anhören, was Sie mir sonst etwa 3U sagen haben sollten. Sie können sich nieder- setzen."
Dick iah, wie es in den Augen des Mannes aufblitzte. Und auch Elk bemerkte es.
.Ich möchte Ihnen raten, Balder, jetzt nicht etwa Ihre Hoffnung auf irgendeinen Affenstreich du fetzen, der mir von Ihren Dienern gespielt wer- den könnte. Fünfzig L.-I.-O.-Männer. von denen «ie bie meisten persönlich kennen, umstellen näm- lich biefes Haus."
Ich sage Ihnen, baß Sie einen Irrtum begangen haben, Herr Inspektor, der Sie teuer zu stehen tommen wird", sagte der (Befangene zornig. „Wenn ein Engländer nicht einmal in seinem eigenen Salon sitzen darf, um" — er blickte nach dem -ifch — „ein drahtloses Konzert aus Haag anzu- Horen, ohne daß die Polizei elnschreitet, so ist es | höchste Zeit, daß diese Tyrannis ihr Ende findet."
Er ging zornig hin und her unb füefe dabei oen einen der stählernen Feuerböcke um, bie zu beibtn Seiten des offenen Karnines standen. Unb I oer Feuerbock fiel um. Es schien dies nichts ande-
triebe stillzulegen. Man wirb fw vielmehr ruhig Weiterarbeiten lassen und das von ihnen erzeugte Gas den Fernleitungen zuführen. Das wird man schon aus dem Grunde tun müssen, weil für den Fall daß der Gasverbrauch den erwarteten Aufschwung nimmt, die Ruhrkohle allein den Bedarf nur schwer wird decken können, «ine Sru^aung, die auch schon zu dem Plan des Anschlusses der Erzeugung anderer Reviere an das Ruhrgas geführt hat. Schon wegen dieses Sachter- Halles ist nicht damit zu rechnen, daß bei der Durchführung der Ferngasversorgung Arbeitskräfte in größerem Umfange frei werden. Es wird vielmehr höchstens eine Umstellung der bisherigen Tätigkeit in Frage kommen dergestalt, daß die jetzt in der Gaserzeugung beschäftigten Arbeitskräfte auf die G a s v e r te i l u n g überführt werden; schon jetzt bildet bie De- tätigung in der Gasverteilung bei den meisten Angestellten der Gaswerke die Hauptbeschäftigung, ebenso wie auch von der eigentlichen Arbeiterschaft bereits ein großer Teil der Kräfte für Derleilungszwecke verwandt wird. Für Kontrolle der Leitungen, für Besetzung der Wärter- posten, für die Durchführung der Propaganda usw. findet sich auch in Zukunft ein reiches Betätigungsfeld, zumal dann, wenn die erwartete Derbrauchssleigerung eintritt; dabei fei ganz davon abgesehen, daß durch die Ferngasversorgung im Maschinenbau, in der Röhrenerzeugung, im Tiefbaugewerbe usw. viele Arbeitskräfte zusäh- lichc Beschäftigung erlangen werden. Daß die wissenschaftliche Forschungsarbeit durch die Zentralisierung der Gaserzeugung eine Beeinträchtigung erfährt, wie vielfach befürchtet wird, dürfte so gut wie ausgeschlossen sein; im Gegenteil wird vermutlich d.« Konzentrierung auf verhältnismäßig - wenige kapitalkräftige Unternehmen die (teilweise doch recht kostspieligen) Forschungs- und Dersuchsarbeiten erst ermöglichen. Schließlich sei noch das Moment der Sicherheit der Versorgung erwähnt. Daß Stockungen in der Ferngasversorgung auftreten könnten, ist praktisch so gut wie ausgeschlossen. Sogar Streiks von längerer Dauer werden Schwierigkeiten wohl kaum bereiten; in Deutschland ist noch nie in sämtlichen Bergbaurevieren gleichzeitig gestreikt worden und es ist auch bei längereaStretts einzelner Reviere die Gasversorgung bisher noch nie zum Erliegen gekommen. Zur Sicherstellung der Gasversorgung genügen auch für längere Zeit die Haldenbestände. Di« Verkokung und damit die Gaserzeugung kann mit relativ wenig Arbeitskräften durchgeführt werden, in den Leitungen sind ebenso wie in den Gasometern und in den Zwischenstationen sehr große Reservemengen enthalten. Bei näherer Betrachtung verlieren also die gegen die Gasfernversorgung geäußerten Bedenken sehr an Gewicht.
Die Kosten
für die höheren Schulen Hessens.
Frankfurt a. M., 11. Ian. Gestern fand auf Einladung des Bürgermeisters der Stabt Als- elo, Dr. Halfing, eine Versammlung der hessi- chen mittleren unb kleinen Städte sowie berLand- jemclnbcn im „Römerhof" dahier statt, bie sich mit )er für alle hessischen Oemeinben mit höheren Lehranstalten brennend gewordenen Frage der K o st e n für bie höheren Schulen befaßte. Es waren nahezu alle in Betracht kommenden Gemeinden vertreten, a ich hatten das Landesamt für das Sil- dungswefen, bas hessische Finanzministerium unb bas Ministerium bes Innern Vertreter entsanbt, ferner waren mehrere Lanbtagsabgeordnete, Professor Werner unb Frau Hattemer, erschienen.
Der Dorsitzenbe brachte in feinem einleitenben Referat zum Ausbruck. bafe eine gerechtere Verteilung der Kosten der höheren Schulen dringend notwendig fei, andernfalls im neuen Rechnungsjahr die Gefahr bestehe, daß eine Anzahl höherer Schulen in Hessen eingehen müsse, da viele Gemeinden bei den immer noch steigenden Ausgaben für die höheren Lehranstalten die Mittel für deren Unterhaltung nicht mehr aufbringen könnte.
Rach einer sehr eingehenden, mehrstündigen Aussprache, in weicher der Vertreter dco Finanz- minif.ers die Erklärung abgab, daß auch der hessische Staat eine Entlastung bezüglich der Kosten für das höhere Schulwesen erstrebe, wurde schließlich eine Entschließung einftim- mig angenommen, worin gegenüber der hessischen Regierung und dem Landtag zum Aufdruck gc- bracht werden soll, daß die beteiligten Gemeinden
von der Regierung eine Regelung der Koste ns rage derart verlangen, daß diese den Kul. turaufgaben des Staates bezüglich der höheren Schulen gerecht wird, und worin weiter eine E n 11 a st u n g der Sitz gemeinden von den Kosten durch Heranziehung der Kreise ober besonders zu bildender Schulgemein, schäften gefordert wurde. Gegen die Absicht des Finanzministeriums, eine Entlastung des Staate s auf Kosten der Gemeinden herbeizu- führen, wurde allseitig schärfster P r o t e ft erhoben. Mit dieser Entschließung soll zugleich eine besondere Denkschrift eingereicht werden, deren W- fassung einer dazu gewählten Kommission über- tragen wurde.
hessische Landwirtschaftliche wache. (Don unserer Darmstädter Redaktion.)
e Darmst a k'tTIl.Ian.
Heute vormittag begann hier im Restaurant „Rummelbräu" die Hessische Landwirt- sch a f t li ch e Wo ch e , die bis zum 14. Januar dauern wird. Sie ist ein Unternehmen der Land- wirtschastskammer und soll insbesondere dazu dienern die praktischen Landwirte mit den neuesten Erfahrungen in ihrem Beruf bekannt zu machen. Wie in früheren Jahren, ist sie auch diesmal wieder ein Sammelpunkt der hessischen ßanbtotrte. Auster Vertretern der Regierung, zahlreicher Behörden und der Landwirtschaftskammer sind die Führer der hessischen Landwirtschaft anwesend, ferner Landwirte aus allen Teilen Hessens, die eine nach Hunderten zählende Zuhörerschaft stellen. Die Landwirtschaftliche Woche besteht hauptsächlich in einem Bor-' tragskursus, zu dem namhaste Redner gewonnen wurden, die in fachwissenschaftlichen Dor- trägen den Landwirten Gelegenheit zu ihrer Fortbildung bieten.
Der Präsident der Landwirtschastskammer Oefonomieral Hensel
begrüßte bei seiner Eröffnungsansprache insbesondere die Bertreter des Ministeriums für Arbeit und Wirtschaft, den Ministerialdirektor Hebel, die Ministerialräte Heil und Becker, sowie Oberre-airrungsrat S ch n i t t s p a h n, ferner vom Mimsterium des Innern Ministerialrat S ch r o t h, außerdem Geheimrat Prof. Wagner und Prof. Rößler von der Landwirtschaftlichen Dersuchsstation, den Reichsbankdirektor Müller, den Overpostrat Jahn von der Oberpostdirektion, den Oberlandstallmeister Schörke, die Bertreter der Landwirtschaftsämter und die Landtagsabgeordneten. Der Redner führte dann weiter etwa aus: Als wir vor einem Jahr den Kursus eröffneten, sprachen wir die Hoffnung aus, daß die Lage der Landwirtschaft sich bessern werde. Don einer wirtschaftlichen Hebung kann in unserem Berufe leider aber nicht tmgeringsten bie Rede sein. Die Körnerernte und die Kartoffelernte waren schlecht, auch die Weinernte war gering; höhere Preise haben keinen Au-gleich gebracht. Der Zollschutz der Landwirtschaft ist völlig ungenügend. Wenn wir in Deutschland noch die freie Einfuhr bekämen, so wäre die Landwirtschaft ersch'agen. Wenn man uns eine gesicherte Rente zubilligt, so werden wir gerne auf die Hilfe durch Kredite verzichten. Bcv Redner kam dann auf den Zweck der Borträge xu sprechen und schloß mit dem Wunsche, dah der diesjährige Bortragskursus einen guten Berkaus zum Dogen der hessischen Landwirtschaft nehme.
Ministerialdirektor Hebet
sprach den Dank der Regierung für die Einladung aus und äußerte sich höchst anerkennend über das Unternehmen; er betonte auch dessen Wert als Zusammenkunft der hessischen Landwirte, die hier Gelegenheit hätten xur Aeaßerung von Wünschen und zum Austausch ihrer Erfahrungen.
Dorträge.
Professor Dr. K n e l l - Gießen sprach hierauf über „plnfruchtbarkeit der Haustiere". Diesem Problem, so führte der Redner auS, habe man früher keine größere Bedeutung beigelegt, jetzt jedoch, bei den wirtschaftlichen Schwierigkeiten, fei di:s anders geworden. Das Richtfunktionieren dcs Genitalapparates sei oftmals verursacht durch S'adcn der Kriegsjahre,
res, als die nervöse Handlung eines Mannes, der nicht mehr wußte, was er in feinem Zorne tat. Sogar Elk fah darin nichts, was feine Befürchtung Hütte erregen mögen.
„Ich weiß nicht, für wen Sie mich halten!" fuhr er fort. „Nun, alles was Ich sagen kann, ist--"
unb plötzlich schwang sich der Gefesselte seitwärts auf bie Kaminplatte.
Aber Elk war schneller. Er faßt ihn beim fragen, riß ihn von der Falltüre zurück unb schleuderte ihn ins Zimmer hinein.
Elk warf sich über ihn, aber in seiner Verzweiflung würbe Balders Kraft übermenschlich gesteigert.
toein Schrei nach Hilfe ward gehört. Es wurde an der Türe gerüttelt und ein zorniges Stimmengewirr erhob sich draußen.
Dann vernahm man die rasche Aufeinanderfolge vieler scharfer Explosionen, denn bie Armee von Detektivs rannte braufeen über den Rasen, ohne der Alarmschüsse zu achten.
Es gab nur einen kurzen Kamps.
Sechs blinde Diener wurden im Polizeiwagen weggebracht unb im letzten Auto thronten Dick und Elk unb zwischen ihnen der aktive Polizeisergeaut Balder, — der Nummer sieben, die rechte Hand des furchtbaren Frosches, gemefen war.
XXVI.
Warum Maitland tarn.
Ella Bennett war im Begriffe, das Mittagessen zu bereiten, als ihr Vater heimkehrte. Im Wohnzimmer stellte er seine schwere Kamera ab und die Handtasche trug er, wie gewöhnlich, in fein Schlafzimmer. Ella hatte längst aufgehört sich bar über zu wundern, bafe Ihr Vater fein Gepäck unweigerlich in seinem Zimmer verschloß. Als er wie- bertam, sah er sehr müde unb alt aus. liefe Ringe tagen unter feinen Augen unb die Bläffe seines Gesichtes trat mehr als gewöhnlich hervor.
,Ist cs dir gut ergangen, Vater?" fragte sie Es war immer dieselbe Frage und John Pennett gab immer dasselbe Ricken zur Antwort.
„Heute morgens habe ich eine Strecke voller Federwild gesunden und einige wirklich gute Aufnahmen gemacht. Runb um Horsham sind meine Möglichkeiten viel zu begrenzt." Er setzte sich in seinen alten Lehnstuhl neben dem Kamm unb füllte langsam feine Pfeife.
| Ella ging ab unb zu, deckte ben Tisch und sprach | erst, während sie dem Vater vorlegte, von der Angelegenheit, die sie bedrückte: „Es ist houte Morgen ein Brief von Ray gekommen," jagte sie. (Es war feit langen lagen zum ersten Male, bafe sie ben Namen des Brubcrs erwähnte.
.Ja?" sagte Bennett ohne von seinem Teller aufzufehen.
„Er möchte Herne wissen, ob du seinen Dries bekommen hast, Vater?"
„Jawohl, das habe ich," sagte John Bennett. „Aber ich habe daraus nichts zu erwidern. Wenn Ray mich zu sehen wünscht, so weiß er, wo ich zu finden bin. Er sprach mit üderrafchender Ruhe. 6te hatte sich vor dem Auftritt gefürchtet, der sich bei der Nennung von Rays Namen ereignen würde.
Sie sah ihn an unb überlegte von neuem, ob sie es wagen dürfe, ihn ins Vertrauen zu ziehen.
„Vater, ich wollte dir sagen, daß ich neulich mit Herrn Mattland zufammengekommen bin," sagte sie. „Du erzähltest mir doch damals davon, als bu ihn im Bureau besuchtest."
„Nein, Vater. Erinnerst bu bich an den Morgen, an dem Hauptmann (Borbon so früh herausgekom- men ist? An ben Morgen, als ich in den Wald aing? Damals ging ich aus, um Herrn Maitland zu treffen." Bennett legte Messer und Gabel nieder und starrte sie an.
.Ich hatte keine Ahnung, daß ich ihn sehen sollte", fuhr sie fort. „Aber ich wurde des nachts von jemandem aufgeweckt, der Steinchen an mein Fenster warf. Ich glaubte, es wäre Ray, der spat gekommen sei. Er hat es früher oft getan. Manchmal hat er sich verspätet und dann pflegte er mich auf diese Weife aufzuwecken. Es hämmerte schon, als ich hinausfah und zu meiner namenlosen Verwunde- rung sah ich Herrn Maitland unten stehen. Er bat mich auf feine sonderbare, rasche Art, herunterzu- kommen unb ba ich glaubte, bafe er vielleicht um Rays willen käme, zog ich mich an und lief in den Garten. Ich war aber so verwirrt, daß ich nicht ac. wagt habe, dich auszuwecken. Ich lief die Straße hinauf, dorthin, wo fein Auto stand. Es war bas mertroürbigfte Zusammentreffen, das du dir denken kannst. Denn eigentlich hat er gar nichts gesagt."
„Nicht?"
(Fortsetzung folgt.)


