Nr. 9 Zweites Blatt
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75jährige§ Bestehen des Nömisch- Germamschen Lenirai-INuZeums
Sn diesem Jahre besteht das 1852 gegründete Römisch-Germanische Central-Museum in Mainz 75 Sah re. Es ist bekanntlich eine Griin- Öung des im Sahre 1809 in Mainz gebotenen Aller tumsforschers Ludwig Lindcnschmit, der 1893 in seiner Vaterstadt gestorben ist. Das Museum stellt sein Lebenswerk dar, das aus Beinen Anfängen heraus nach vielen Mühsalen, Entbehrungen und persönlichen Opfern des Begründers erst ins Leben treten konnte. Zur Feier des 75jährigen Bestehens des Römisch- Dermanischen Central-Museums ist jetzt eine Festschrift erschienen, in der aus dem Rach-laß Ludwig Lindenschmits, des Sohnes, der als Konservator am Museum tätig war und 1922 gestorben ist, Erinnerungen an seinen Baler ver- öifentlicht werden unter dem Titel „Erinnerungen als Randverzierungen zum Charakterbild Ludwig Lindenschmits und zur Geschichte feines Lebenswerkes". Diese Erinnnerungen des Sohnes gehen hi nid bis in seine dreijährige Kindheit. Er spricht il a. von den künstlerischen Arbeiten seines DaterS, von der Begründung des Mainzer Ältertumsvereins (1841/42), der an der Wiege des Unternehmens stand. Die Stadt Mainz hatte ihre Altertumsfammlung dem junge» Verein zur Pfleg« übergeben und den Vater Lindenschmits zum Konservator im Ehrenamt bestellt. Der wissenschaftlich wertvollste Teil der städtischen Sammlungen bestand damals in den aus kurfürstlichem Besitz stammenden romanischen Stein- i^schriften und Grabdenkmälern. Di« Zahl der übrigen Altertümer war so gering, daß sie auf zwei Tischen Platz fanden. Den hauptsächlichsten Bestand dieser Gruppe bildeten römische Ge- sähe und Lampen aus Ton und allerlei Klein- - «rät. Bei der bescheidenen, von der Stadt zur Vermehrung dieses „Museums" zur Verfü- gung gestellten Summe und bei den damals noch beschränken Mitteln des Vereins bedurfte es des unermüdlichen Ei'ers und wissenschaftlichen Verständnisses meines Vaters, so erklärt Ludwig Lindenschmit. um den Sammlungen schon noch wenigen Jahren eine achtunggebietende Stellung zu schaffen.
Zur Geschichte der Gründung des Museums verweist Lindenschmit zunächst auf seine Schrift „Beitrag zur Geschichte des Römisch-Gennani- schen Central-Museums". Die Sdee der Begründung, so bemerkt er dann weiter, entsprang zu-
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Zeitungsschau.
Die .Kölnische Zeitung" bespricht Aussichten und Programm deS kommenden Kabinetts, die erörtert dabei die Gründ« für di« Abneigung deS Zentrums gegen eine rechtsgerichtete Regierung und betont die Rotwendigkeit eines grost- zügiyen sozialpolitischen Programms. Das Blatt schreibt: Die Abneigung großer Schichten der bürgerlichen Aroeiterschast gegen di« Rechte ist da. DaS Zentrum erhält beute die Quittung über die Folgen feiner jahrelangen Zusammenarbeit mit dec Sozialdemokratie und seiner übertriebenen Agitation gegen die Rechte, die dauernd als sozialpolitisch rück ländig hingestellt wurde. Rach- dem nun aber die große Mass« der Zentrumsarbeiter der Lleberzeuguyg ist. daß der sozialpolitische Fortschritt nur im Anschluß an die Sozialdemokratie zu erreicl)en i't, glaubt das Zentrum getreu dem Grundsatz deS sozialdemokratischen Abgeordneten Wels, daß es besser sei, mit den Massen zu irren, als gegen sie im Recht zu fein, für eine gewisse Uebrrgangszeit den Wünschen bet Gewerkschaften Rechnung tragen und zum ^mindesten eine Tuchfühlung mit der Sozialdemokratie au,rechterhalten zu müssen. Dennoch erkennen führende Kreise im Zentrum immer schärfer, daß die heutige Sozialdemokratie auf die Dauer kein zuverlässiger Weggenosse ist. Sie können unmöglich übersehen, daß die Sozialdemokratie. seitdem sie den Reichskanzler Dr. Wirth gestürzt hat. weil er die Große Koalition machen wollte, alle Möglichkeiten zur Bildung der Großen Koalition ihrerseits zerschlagen hat. Sie wissen auch, daß angesichts der zunehmenden Radikalisierung der Sozialdemokratischen Partei die der Koalition mit dem Bürgertum geneigten Führer, wie Müller (Franken), Dr. Breitscheid und Dr. Hilserding. nuc eine Reine Minderheit ihrer Fraktion hinter sich haben, und daß die Sozialdemokratie jede Regierung im Stich lassen wird, sobald ihr eine Opposition stärkere agita- torische Erfolge verspricht. Das Zentrum wird es aolehnen müssen, an der sozi.^demokratischen Hetze gegen die Reichswehr teilzunehmen, mit der die Sozialdemokratie im Augenblick ihre parteipolitische Propaganda bestreitet. Es wird auch unmöglich die in ihrer verallgemeinerten Form unglaublich übertriebene Hetze gegen die Justiz mitmachen können, während im Reich und in Preußen Minister dcS Zentrums dieSustizressorts "verwalten. Es weiß auch, daß die großen Kulturfragen. die ihm am Herzen liegen, mit der Sozialdemokratie nicht zu lösen sind. Wenn das Zentrum trotz dieser Erkenntnis des Lahren Charakters der Sozialdemokratie sich von der Srzialdemokratie nicht loslösen kann, so be- Leist das, wie ungewöhnlich stark die sozialpolitischen Bindungen sein müssen, die es nach dieser Seite hin verpslichten. Diese Bindungen liegen zum Teil In der. Entwicklung der Partei, die Ihrem Charakter nach alle parteipolitischen Strömungen unseres politischen Lebens in sich vereinigt. Es bildet sich innerhalb der Zentrums- gartet Immer stärker ein katholischer Sozialismus Heraus, der sich den marxistischen Gedankengängen Ibedenklich nähert. Die Beteiligung großer Teile Les Zentrums an der Volksabstimmung über die Enteignung der Fürstenvermögen und an andern agitatorischen Aktionen der Sozialdemokratie hat wach außen hin bewiesen, wie kräftig sich diese Annäherung bestimmter Zentrumstrile an die Sozialdemokratie praktisch bereits auswirkt. Reben Bleiern direkten Verhältnis von Zentrumsgruppen Bur Sozialdemokratie besteht in den Kreisen der -Zentrumsarbeiterschaft, wie erwähnt, bic Meinung, bah sie eine Besserung ihrer Lage nur Durch ein Zusammenwirken mit den Arbeits- oenossen in der Sozialdemokratie zu erwarten hätten. Der Klassenkampfgedanke ist demnach bereits auf die Zentrumsarbeiterschast überge- ffdrungcn. Rein psychologisch findet sich die Erklärung hierfür in dem Erschrecken über die groß« 5abl der Erwerbslosen, mit bftren dauerndem Bestand man vielfach glaubt rechnen zu müssen. Mau sieht, daß die zunehmende Rationalisierung 6er Industrie die ErwerbLlosigllit nicht ober nur
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Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberhessen)
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in geringem Maße mindert, und glaubt infolgedessen. die Industrie und die Unternehmer für die Erwerbslosigkeit verantwortlich machen zu müssen, ohne in Rechnung zu stellen, daß der verlorene Krieg, die Abtretung deutschen Gebiets, die Belastung mit Öen Leistungen aus dem Versailler Vertrag, die Zunahme der Frauenarbeit, die Verarmung unseres Volkes u. a. wichtige Faktoren sind, die auf den deutschen Arbeitsmarkt zurückwirken. Wan verkennt auch, daß die Beseitigung der Arbeitslosigkeit zwar mit sozialpolitischen Maßnahmen vorüberg.h.nd gcm.IDert, aber nicht beseitigt werden kann, daß bu einzig w.rk- same Hilfe von einer Steigerung der Pro- d u 11 i o n und der Hebung der Kaufkraft auf dem innern Markt kommt, also von Maßnahmen, bei denen die Sozialdemokratie bisher versagt hat und deren wirksame Handhabung nur von den bürgerlichen Parteien bei einer verständnisvollen Zusammenarbeit von Arbeitgebern und Arbeitnehnrem zu erwarten ist.
Diesem Zusammenarbeiten widerstrebt die Klassenkampfparole deS scz.a.demolr-tlschen Programms. Es ist nur zu erreichen durch cm: Einigung der bürgerlichen Parteien auf etn umfassendes wirtschaftliches und sozialpolitisches Programm, das der Arbeiterschaft beweist, daß die bürgerlichen Parteien von der Tlotwendigkeit einer wirksamen Sozialpolitik nicht weniger überzeugt sind als die Sozialdemokratie, da» sie aber Wege gehen wollen, die auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiet schneller und sicherer zum Ziel führen als die allein auf die Konfumcn eninter- effen eingestellten Forderungen der Sozialdemokratie.
Paul Harms spricht in den Leipziger Neuesien Nachrichten an Hand des Nützlichen Büchleins „Vom Wirischaftsgeist in Amerika" van der großen Umwandlung, bie sich hier fast unbemerkt van Europa vollzieht. Er schreibt: „Es ist das Lehrreichste an dem Buch« van Rühl, daß es nicht nur den amerikanischen Wirt- schaftsgeist analysiert, sa wie er geworden ist, sondern auch die Wandlung, worin er zur Zeit begriffen ist. „Die Vereinigten Staaten sind in Europa als das Land der unbegrenzten Möglichkeiten verherrlicht worden zu einer Zeit, als sich deren Grenze bereits deutlich kundgab." Das pflegt immer so zu sein. Die Zeitgenossen merken erst, daß sie eine Grenze überschritten haben, wenn sie in einigem Abstand hinter ihnen liegt. Und es merken's dann auch nur die, die sich die Mühe machen, zurückzuschauen. In Amerika haben die Wandlung zuerst die Farmer gespürt. Der Wirtsct-astsersolg des Farmers ist nicht mehr „nur von seiner Tüchtigkeit abhängig", sondern er ist „in Abhängigkeit von Faktoren geraten, die sich seiner Kontrolle entziehen". Die Zahl der freien Eigentümer nimmt reißend ab, die Zahl der Pächter zu, ein ländliches Vrodukt entwickelt sich, und die Landflucht ist schon so allgemein geworden, daß der Ruf: .Zurück zur Farm!" ein politisches Schlagwort hat werden können. Der Do- den ist vielfach erschöpft, und auch an anderen Naturschätzen, Edelmetall, Eisenerz Kupfer, Petro- leum, Kohle ist derartiger Raubbau getrieben worden, daß die Rohstoffe sich zu erschöpfen beginnen. In den Wäldern uberfteigt der Verbrauch den Nach- wuchs bereits um das Vierfache, dabei ist der ein» ftiae „unbegrenzte Vorrat" schon auf drei Fünftel zusammengeschrumpft.
Dazu kommt nun, al» stärkster Antrieb für eine Umbildung de» Wirtschaftsgeistes, die ungleiche Verteilung des Besitzes und des Einkommens. Die unbegrenzte Freiheit der Erwerbsmöglichkeiten hat xur unoerhältnismäßigen Bereicherung weniger geführt, über zwei Drittel des Dolksvermögens gehören gute den Trusts. Dadurch hat sich eine Klassenerdung vorbereitet, die zur Folge hat, daß der irtschaftserfolg heute nicht mehr allein „von der Tüchtigkeit und der Geschicklichkeit des Individuums abhängig ist". Damit ist die soziale Frage auf- Geworfen. Sie beschäftigt den Amerikaner von heute oereits ausgiebig, und es ist bezeichnend, wie er sie zu lösen trachtet. Nicht mit den Mitteln des in
nächst einem wissenschaftlichem Bedürfnis, war aber getragen von vaterländischer Begeisterung. „Als weithin sichtbares Zeichen der geistigen Gemeinschaft aller Deutschen wurde im Sahre 1852 das Germanische Museum in Rümberg und das Römisch-Germanische Central-Museum in Mainz von dem Gesangverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet."
Sm Folgenden legt Lindenschmit bar. wie bescheiden die dem Museum zur Verfügung gestellten Mittel waren. Die feinem Vater übertragene leitende Stellung war „vorläufig" im- befoföet; sie blieb es zwanzig Sahre lang.
Welch seltsamer Anlaß eigentlich zur Entstehung des Museums führte, wird von dem Sohn des Begründers in nachstehender Weife geschildert: „Einst, schon erwachsen, fand ich in einer kleinen Truhe, die zur Aufbewahrung von Familicndoturnenten diente, einen Eteinkeil auS Flußschiefer. wie sie in Gräbern vorgeschichtlicher Zeit nicht feiten vorzulommen pflegen. Auf der einen Seite stand mit Blaustift geschrieben, das Wort „Omen“. Auf meine Frag«, warum er diesen unbedeutenden Gegenstand so sorgfältig aufhebe und mit so bedeutungsvollem Wort bezeichnet habe, wurde mir die Erklärung, die tch hier dem ungefähren Wortlaut nach wieder- gebe: Don schweren Zweifeln schon tagelang beunruhigt, ob es ratsam sei. als gereifter Mann eine neu« Laufbahn zu wählen, die mir nicht mit Sicherheit Erfolg, wohl aber neue Sorgen bringen müsse, verließ ich eines Abends die Wohnung, um im Freien Ruhe und Sammlung zu finden. Als ich rasch die Abtsstrahe hinaufging, um den Weisenauer Feldweg zu erreichen. sah ich die Anhöhe vor mir, noch von den Strahlen der ftnfenben Sonne beleuchtet, während ich im Schatten war. Dort muh es sich entscheiden, rief es in mir. und ich war bereit, jedem Fingerzeig des Schicksals zu folgen. Den alten Spruch „Trag Holz und laß Gott kochen", wie mechanisch immer wiederholend, betrat ich den Rain, und das erste, was ich erblickte. war dieser Steinkeil, das Römisch^Ger- manische Central-Muscum in Mainz."
Die Erinnerungen Ludto g Lindenschmits an seinen Vater brechen mit dessen letzten Lebensjahren ab. Gleichsam eine Fortsetzung der darin gebotenen Geschichte des Museums ist dann der von Professor Dr. Karl Schumacher für die Festschrift verfaßte Aufsatz „Das Römisch-Germanische Central-Museum von 1931 bis 1926". Zusammenfassend fei hieraus folgendes mitgeteilt: Am 14. Februar 1893 ist Ludwig Lindenschmit,
Europa so beliebten und so gefürchteten „Maddera- datschs", des allgemeinen Umsturzes der Winjchasts- ordnung, sondern indem er. kurz gesagt, den Ar- beiter zum Kapitalisten macht.
.Die ilmiajidjtung der wirtschaftlichen Kräfte dadurch, daß man den Arbeiter hat zum Kapitalisten werden lassen, ist mit einer Geschwindigkeit vor sich gegangen, wi^ sie nur in Amerika möglich ist. Der Aktienbesitz, namentlich bei den gemeinnützigen Unternehmungen, dr.ngt in immer tiefere soziale Schichten vor. ist keineswegs mehr auf die Wohlhabenden und Reichen beschränkt, die von Arbeitern gegründeten Banken, von denen 1922 nicht weniger als 33 entstanden sind, bedeuten bereits eine beträchtliche finanzielle Macht. Don irgendwelchen sozialistischen Ideen ist aber bei alledem nicht Im entferntesten die Rede Es ist der Derfuch einer Lösung des sozialen Problems, ohne vom kapitalistischen Geiste, von dem Prinzip der wirtschaftlichen Freiheit irgend etwas wesentliches aufzugeben, der Versuch, sich jener früheren Gleichheit deS Besitzes wieder anzunähem, „zu dem alten, gefunden und männlichen amerikanischen Individualismus zurückzukehren".
Reben dieser Umwandlung des Wcrtschasts- geisteS machen sich tue Ansänge einer Kulturkritik bemerkbar, die sich gegen die aus England bezogene Weltanschauung reiner Rützlichke.t wendet. .Alles bisher Geleistete ist nur eine Der- wirklichung kleinbürgerlicher Ideale, und man kann Amerika auS der Geschichte streichen, ohne daß die Kultur eine spürbare E.nbuße erleidet." Das ist der Zustand, den die Kr.tiker bemängeln. Was haben, so fragen fte, .Badezimmer, K.nos. Stahlbauten und AutoS mit der Seele eines Volke« zu tun" ? Man will heraus auS der „geistigen Unterernährung", will loS von der „Herrschaft der Frau und deS Puritanismus". Kurz, es hat den Anschein, .als ob die Der- einigten Staaten nicht nur auf wirtschaftlichem, sondern auch auf geistigem Geb.ete an einem Wendepunkt ihrer Geschichte stehen".
Ein Volk von mehr als 103 Millionen ist auf der Suche nach seiner Seele! Unb wenn Europa sich amerikanisiert, fo wird mit gleichem Rechte gesagt, daß .Amerika feiner Europä sierung entgegengehe". DaS wird man beachten müssen, wenn man die Gefahr meiden will, daß beide. Europa und Amerika, aneinander vorbeileben."
Auf dem Segelschiff „Niobe."
Kriegsschiffsleben in der alten Flotte.
Don Admiral a D. 3 a c o b f e n.
Das Berufsleben deS Seemanns auf dem Wasser ist dem Laien ebenso fremd tote der Berus des Fliegers in der Luft, der des Bergmanns unter Tage. Das Schiffsleben hat seine eigene Sprache, besondere Sitten und Gebräuche, in die nur der eindringt, welcher sich ihm ganz hingibt. Die See, bald spiegelglatt, bald vom Sturm gepeitscht, bringt das Schiff zum Rollen. Schlingern und Stampfen. Unter diesen Einflüssen ist namentlich der Segelschiffsdienst, der ganz von Wind und Wetterverhältnissen abhängt, hart, aufreibend und nur in der Praxis zu erlernen. Sein großer Dorzug ist, daß er Männer mit festen Rerven und starkem Selbstbewußtsein erzieht. Daher war die Grundlage, auf welcher in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts unsere Seeoffiziers-, Deck- und Unteroffiziers- Erziehung beruhte, die Seemannschaft. Trotzdem die Dampskraft bereits gewaltige Fortschritte gemacht und Panzerschiffe unter Dampf den Kern der Flotte bildeten, waren für den ersten Dienst Segelschul-Schiffe bestimmt. Das Kadetten-Schul- schiff „Riobe". ein vollgetakeltes Schiff, tu Briggs „Undine", „Musquito , .Rover", Schiffsjungen- schiffe, sind jahrzehntelang unserem Berufspersonal eine zweite Heimat gewesen.
Die Einführung In den Beruf beginnt mit dem .Entern über den Topp". („Topp" ist soviel wie „Mast". Man unterscheidet: Dor-, Groh- und Kreuztopp.) Morgens, nachdem die Hängematte gezurrt und fein säuberlich verstaut. Waschen und Tollette beendet, tritt gegen 7 Uhr die Kadettenschar z r Musterung an und wird alsdann auf Kommando in allen drei Toppen geentert, d. h. in die Wanten („Wanten" sind dicke Taue, die den Mast bzw. die Stengen der Seite nach stützen. Zwischen den einzelnen Tauen spannt man Leinen. Das sind die „Webleleinen") geklettert und von dort Webeleine bei Webeleine über die Marsen Immer höher hinauf bis in die BrasahlingS, ca. 30 Meter hoch, von dort auf der anderen Seite wieder herunter. Dies geht zuerst recht langsam, aber allmählich bildet man sich zum Künstler aus, einer überbietet den anderen an Schnelligkeit und Geschicklichkeit. Wer zuerst kommt mahlt zuerst! Wer zuerst wieder an Deck kommt, erhält die besten Semmeln zum Frühstück: die letzten haben das Rachsehen und müssen meistens noch ein ztoeitcsmal über den Topp entern. Rach kurzer militärischer Ausbildung, Marschübungen, Gew-Hrgrifsen. Schießen mit dem Gewehr, die an Land erfolgt, werden
die ersten seemännischen Begriffe beim Segel- exerzieren durchgenommen, Segel los- und festgemacht, Segel gesetzt und geborgen. Bei scyönem Wetter macht das Schiff von der Boje las und kreuzt im Hafen. Dann geht eS hinaus in die Ostsee zur ersten Reise, bei welcher die Kadetten den Kreuztopp bedienen, und alle Segelmanöver mitmachen, die Wind und Wetter bedingen. Durch den Sund segeln wir auf die Reede von Kopenhagen, dann in die Schären nach Stockholm, nach Christiansand und nach England. Edinburgh und Plymouth waren besonders beliebt. Ueberafi werden nette Partien gemacht, um Land und Leute kennen zu lernen, sowie die fremden Werften besucht, um das seemännische Wissen zu bereichern. Im übrigen sorgt die Witterung, bald Sonnenschein, Regen, stilles Wetter, Böen. Sturm und Seegang, auf einem Schulschiff von selbst dafür, daß immerfort In ©ec Abwechslung und meistens harter Dienst ist.
Dabei fehlt eS nicht an ernsten Zwischenfällen. „Riobe" war auf der Rückreise unter Segel im englischen Kanal in der Rähe von Dover. Schöne Brise auS Westen. Das Schiff lag vor dem Winde mit Leesegeln (Qeefcget find Segel, die neben den Raassgeln gesetzt werden) an beiden Seiten und lief gute Fayri. Um 6 Uhr abends ertönte plötzlich der Pfiff „Alle Mann". Wir stürzten die Treppe hinauf und sahen eine Bark in voller Fahrt an Backbord längsseit scheeren. Lautes Krachen von Spieren und anderen Rundhölzern folgte dem Zusammenstoß. Splitter flogen an Deck Wildes Geschrei, Fluchen. Kommandoworte erschallten. Unsere Raaen bohrten sich in bie doppelten Marssegel der Bark ein. Die Leesegelspieren (Spieren sind Derlänge- rung der Raaen xum Halt für die Leesegel) brachem Der Bark wurde beim Rammen oaS ganze Dorgeschirr toeggeriffen. Allmählich kamen beide Schisse vonelnander loS. Ein Kutter wurde hinübsrgeschickt. die Dark in Schlepptau genommen und abends bei Deal geankert, von dort die Bark mit Dampfer nach Dover geschleppt. Der Grund des Zusammenstoßes war folgender: Infolge der Leesegel konnte der wachhabende Offizier nach vorne schlecht Ausguck halten. Der Posten auf der Back (Back ist ein gedeckter Aufbau am vordersten Teil des Schiffes) hatte die Bark, welche über Backbord Bug am Winde lag, nicht, bzw. erst gemeldet, als sie schon vor unserem Bug war. Da toaran alle AuSweich- maßnahmen vergebens und beide Schiffe rammten
der greife Begründer des Zentral-Museurns, für das er über 40 Jahre aufopfernd gewirkt hatte, gestorben. In unbegreiflicher Kurzsichtigkeit beschloß am 23. Mai jene« Jahres der Gesamt- Vorstand, durch Geldmangel und andere Rücksichten veranlaßt, die Stelle eines Direktors einstweilen nicht zu besetzen. Der bisherige Konservator Ludwig Lindenschmit wurde mit der einstweiligen Betreuung der Anstalt beauftragt Dieser war im Jahre 1887 mitten auS seiner Künstlerlaufbahn heraus, auf Wunsch des Daters, in das Museum eingetreten und hatte durch großen Fleiß und technische Kenntnisse sich um die Ordnung der Sarnmlunaen und um den 'Betrieb der Werkstätten req>t verdient gemacht. Obwohl bereits in der Sitzung des Gesamtvorstandes 1893 mehrere Übertreter der Wissenschaft, wie Hettner, Ranke und Zange- meister, die möglichst baldige Berufung eines wissenschaftlich gebildeten ersten Direktors verlangt hatten, dauerte eS nod) saft a<$t Jahre, bis dieser Wunsch in Erfüllung ging. Als erster Direktor wurde dann Professor Dr. Karl Schumacher, bisher Assistent am Landesmuseum zu Karlsruhe, als zweiter Konservator deS Central- Museums Ludwig Lindenschmit gewählt.
Die folgenden Abschnitte deS Aufsatzes schildern das kurfürstliche Schloß in Mainz als Heim des Ceirtral-Museums. die Reuaufstellung und die Dermehrung der Sammlungen, die Arbeiten des Central-Museums zugunsten fremder Museen und für die Denkmalpflege, die Deröffent- lichungen des Museums, die 'Borträge, Führungen, Lehrkurse, die Arbeitskräfte der Anstalt usw.
Sn einem Rück- und Ausblick am Schlüsse schreibt Professor Dr. Schumacher u. a.: „Die aus Daterlandsliebe und Idealismus entstandene, durch strenge Wissenschaftlichkeit großgewordene und in Sturm und Rot bewährte Anstalt hat in ihrem 75jährigem Bestehen gezeigt, daß ihr eine eigene zähe Lebenskraft innewohnt, die sie befähigt, nicht nur im Inland als angesehenstes Museum und Forschungsinstitut die deutsche Altertumskunde zusammenzusas'en und zu befruchten, sondern auch gegenüber den gleichartigen Instituten des Auslandes eine geachtete Steilung einzunehmen. Aber wie das ganze deutsche Daterlaitd durch den verlorenen Weltkrieg und feine tiefgreifenden Folgen vor ganz neue Aufgaben und Anstrengungen gestellt ist, so muß auch das Central-Museum neue Mittel und Wege finden, um unter den veränderten Verhältnissen den alten Rang zu behaupten und neuen Erfordernissen gewachsen zu sein. Schwer
wird mir der Entschluß, bei der jetzigen Wirtschaftslage Deutschlands eine Erhöhung der Zuschüsse vom Staate zu verlangen, aber ich darf es tun in der festen lleberzeugung, daß diese Mittel produktiv angelegt werden zur Stärkung des Helmatgefühls und zur Erhöhung des Ansehens deutscher Kulturarbeit im In- und Ausland. Unb was bleibt zur jetzigen Zc4t dem niebergefunlenen und entwaffneten Deutschland anders übrig al« durch seine Kulturtaten sich in der Welt wieder Achtung und Geltung zu erwerben? Man sehe nur hin, wie eben auch in den fleinften Staaten Europas auf diesem Gebiete der Heimatpslege Hervorragendes geleistet wird. Vielleicht kommt aber noch ein zweiter Weg In Betracht. Schon bei der Gründung der Römisch-Germanischen Kommistion des Deutschen Archäologischen Instituts in Frankfurt a. M. 1901 schwebten Erwägungen, ob die beiden gleichartigen Institute, Kommission und Central-Museum, nicht besser vereinigt würden. Damals wurde nicht mit Unrecht eingewendet, die völlig neugeschaffene Kommission müsse sich erst ein selbständiges Arbeitsfeld und eine eigene Methode ausbilden. Heute ist dies geschehen, und nun könnten beide Anstalten tatsächlich ohne gegenseitige Beeinträchtigung. wenn auch räumlich getrennt, zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengefaßt werden. Eine solche Vereinigung würde zweifelsohne zur gegenseitigen Förderung und vielleicht auch zu manchen Ersparnissen führen. Als Reichsanstalt hätte das Römisch-Germanische Central-Museum jedenfalls eine gesichertere Zukunft, als toeim eS in seinem jetzigen Zustand weiteren politischen und wirtschaftlichen Wirren ausgesetzt sein sollte. Bet einem etwaigen Zerfall de« Museums, da« einzig in seiner Art in Deutschland die Aufgaben eine« frühgeschichtlicheu Rationalmuseums übernommen hat, wie es jedes Kulturvolk erstrebt, bliebe dem Deutschen Reich wohl nichts anderes übrig, al« irgendwo ein neues derartiges Rationalmuseum $u schaffen. Abgesehen von Öen großen Kosten durfte dies aber bei den sachlichen Schwierigkeiten erst in einem Zeitraum von vielen Jahrzehnten gelingen. Besten Wissens und Gewissens wie vollen Dertrauetrs rate ich so, diesen Weg der Deremigung mit dem Frankfurter Institut einzuschlagen und gemeinsam an der Aufklärung deutscher Frühgeschichte zu arbeiten, natürlich mit beiderseits genau umriffenen Aufgaben und Rechten. Es gilt der Förderung der deutschen Wissenschaft, der Erziehung bes deutschen Volkes und dem Ruhme deutscher Kulturarbeit."


