Ausgabe 
12.1.1927
 
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mit 284 Stimmen yim Kammerpräsidenten ge­wählt. Magiaot erhielt 186 Stimmen.

Der Erüffnungssihung des Senates wohnte P o i n c a r 6 bei Alterspräsident Senator F le u- r h sprach den Wunsch aus, daß die Regelung der Kriegsschulden in einer Weise gefunden wer­den möge, die den Respekt vor den Verträgen und den Respekt vor Gerechtigkeit und Billigkeit miteinander in Einklang bringe, und brachte di« Lieberzeugung zum Ausdruck, dah, solange die Finanz- und Wirtschaftslage in Frankreich nicht sichergestellt sei, der Burgfrieden unter den Parteien vonnöten sei, wenn man nicht neuen und fürchterlichen Gefahren entgegengehen wolle.

Vertagung der autzenpottrischen Debatte.

Paris, 11. Jan. (Wolff.) Die Havas-Agentur glaubt mitteilen zu können, daß der heute vormittag abgehaltene M i n i st e r r o t einstimmig die An- sicht vertreten habe, daß es angebracht sei, die Be­sprechung der Interpellationen über die auswärtige Politik zu vertagen. Mi­nisterpräsident «PoincarL habe erklärt, daß andere dringendere Fragen vorlägen, die an erster Stelle behandelt werden müßten. B r i» and habe daran erinnert, daß er vor Schluß der letzten Session sich vor dem Senat ver­pflichtet habe, beim Wiederzusammentritt des Parlaments auf die Interpellationen zu antworten. Er habe darauf hingewiesen, daß er sich mit den Interpellanten über den Zeitpunkt ins Einverneh­men setzen würde, jedoch ohne irgendwelchen Hin­weis über den Zeitpunkt zu geben. Kriegsmimster P a i n l e o 6 habe auf Befragen erklärt, daß sehr wahrscheinlich die Debatte über den Gesetzentwurf betreffend die Jndustriemobilisierung sehr bald zur Besprechung kommen würde, und daß sich dann auch die Aussprache über die Heeres- resorm daran anschließen würde.

Die Mächte in China.

Eine russische Warnung an Frankreich.

Moskau, 11. San. lWolff.)2 s w e st l j cr", das Organ beS allrussischen Zentralexekutiv- kon.llees, schreibt: Die Gespanntheit der fran­zösisch-englischen und französisch-italienischen Be­ziehungen kommt u. a. in der Weigerung Frankreichs, die englische Politik in China zu unterstützen, zum Ausdruck. Der von Eng­land aufgestellte Plan dec Derständigung der vier Mächte, ist lediglich eine Fortsetzung der Reih« diplomatischer Schritte, die England im letzten Diertel des Jahres 1926 gegen Frank­reich unternommen hat. Bei den Derhandlungen zwischen London, Paris, Berlin und Rom, wäh­rend derer die Frage der Reuverteilung der Kolonien und die Verstärkung einer sowjetfeindlichen Politik behandelt werden soll, wird Frankreich, auf dessen Kosten England die italienischen Ansprüche be­friedigen will, isoliert dastehen. Die fran­zösische Diplomatie sollte aufmerksam an jene neuen politischen Faktoren denlen, die Frankreich helfen würden, sich dem ständig zunehmenden Druck seitens Englands zu widersetzen, welches, wie während der Locarnoperiode wieder auf die Rolle deS europäischen Schiedsrichters Ansprüche erhebt.

Der Kamp? um die Konzessionen.

Maßnahmen zum Schutz von Shanghai.

London, 11. Jan. (XU.) Der Schanghaier Munizipalrat, in dem Großbritannien, die Ber­einigten Staaten und Japan vertreten sind und der verantwortlich ist für die B.rwaltung der ganzen internationalen Konzessionen in Schang. bai, mit Ausnahme der französischen, die ge- sondert verwaltet wird, verbietet in einer län- geren Delanntmachung jeglich« po.itische Pro° paganda im Konzesslonsgeoiet und erllärt, dah sie alle ihr zur Verfügung stehenden Mittel zur Aufrechterhaltung der Ordnung anwenden wird. Admiral T y r w h i t t, der Befehlshaber der britischen Seestreitkräste in China, ist an Bord derDespatch" in Schanghai eingetrof- f e n. Admiral William, der amerikanische Befehlshaber, wird in Schanghai, von den Phi­lippinen kommend, erwartet. Er befindet sich an Bord deS KreuzersPittsburg" und soll in Schanghai die übrigen Schiffe der Bereinigten Staaten sowie die französischen und italienischen Schisse an der Mündung des Vangtfe treffen.

Da- Mitglied der brilischen Gesandtschaft in tp/ing. O 'Malley, trifft morgen in Han­ta u ein. Seine Mifsion soll darin bestehen, den Kantoneier Behörden zu erllären. das; weiteren Derhandlungen die Wiederherstellung der normalen Zustände In der bri­tischen Konzession vorangehen müsse. Wie der Brüsseler Korre'pondent des ,Temps" be­richtet, hat Außenminister Dandervelde ein Tele­gramm der belgischen Dertretung in China er­halten. demzufolge sämtliche ausländische Kolonien Hankau vollkommen rau­men Der Pekinger »Times"-Korrespondent fchrelbt, dah ein weiteres Rachgeben die bri- ki !ung ni$* allein in China, sondern von ladiw^tock zum Suezkanal schwer schädigen werde. Die Truppenbewegungen nördlich von

Qn9vat dauern an. Die Meldungen über be­reit- stattgefundene Kämpfe habe sich jedoch als unrichtig erwiesen In Schanghai selbst ist die Lage unveränderl

ich

D e innere Lage Mexikos.

0 rk. 12. Jan. (TU.) Rach Meldungen txnö $ie Don $en mexikanischen ^Oitbcn verhafteten Berichterstatter t>on brr Associated Preß und United Preß wieder frelgelasten werben. G genüber den ameri- kamschen Meldungen über Revolutionen in Mexiko die Regierung Calles erneut fest baß sie voll ständig Herr der Lage sei.' Ebm'o dementiert bic mexikanisch« Regierung die angeb- Ud)c Deportation von Geistlichen nab Kuba. Diese seien vi lmestr in Sch unhaft genommen worden, weil sie den Gesetzen Widerstand geleistet hätten. Wie Havas ferner aui Mexiko meldet, sollen zwei von den »or- gestern verhaftet n katholischen Bischö'.m i cb c r fteigelaffen worden fein"

Bi'chos von £ a b a S c o. dessen Depor ie geordnet worden war. ist wie man glau Dera-Cruz übetgefübr: worden

Beginn des Barmatprozesses.

Mehr als zwei Jahre sind vergangen, seit die ersten Giftgase auS dem Barmat-Sumps in die Oeffentlichkeit zu bringen begannen; inzwischen ist in uns und um uns herum so vielerlei ge­schehen, daß wir unser Gedächtnis erst auffrischen müssen, um den Prozeß, der nun am DienStag in Moabit begann, wieder in den richtigen Zu­sammenhang zu stellen. Wie war es doch? Da war irgendein Schieber K u t i s k e r, der sich durch seinen Geschäftsfreund Holzmann be­trogen glaubte und deshalb Anzeige wegen Er­pressung erstattete. Der Holzmann wurde ver­haftet, er machte zu seiner Verteidigung allerlei Enthüllungen, die zunächst zum Berliner Polizeipräsidium und von da zur Preußischen Staatsbank hinüberführten, bis schließlich in der Reujahrsnacht die Verhaftung der Brüder Ba r- mat auf ihrem Schloß Schwanenwerder erfolgte. Da gab es für die Lawine kein Halten mehr, der Fall Barmat wuchs sich aus zu einem Skan­dalprozeß, in den sogar aktive Minister ver­wickelt wurden. Der Deichspostminister H ö f l e, der in sehr großherziger Weife den Barmats Kredit bewilligt hatte, wurde schließlich verhaftet und starb unter tragischen Umständen im Unter­suchungsgefängnis. Die Parlamente nahmen sich des Falls an, Reichstag und Landtag setzten Untersuchungsausschüsse ein, von denen allein der preußische 52 mal getagt und in zwei dick­leibigen Bänden seine Protokolle zusammengefaßt hat. Die Staatsanwaltschaft arbeitete langsam, das Untersuchungsverfahren hat, wie gesagt, zwei Jahre gedauert.

Jetzt endlich sind die Borbereitungen so weit gediehen, dah der Mammut-Prozeh beginnen kann. Man rechnet damit, daß er neun Monate dauert, daß er also drei Viertel des Jahres 1927 überschatten wird. Die Anklageschrift allein umfaßt 648 Folioseiten, die dazugehörige Akten- fülle ein ganzes Zimmer. Elf Angeklagte in Be­gleitung von vierzehn Verteidigern haben sich zu verteidigen wegen Betrug, Untreue, Beste­chung und Schädigung öffentlicher Kreditanstal­ten. "und ihr Schicksal wird ja auch insoweit von Interesse fein, als nachzuprüfen ist, ob es richtig bleibt, daß sie in einer Zeit allgemeiner Ver­armung des Staates die Volksgesamtheit um Dutzende von Millionen geschä­digt haben. Aber wichtiger ist noch die mora­lische Seite, die Frage, inwieweit die Zu­sammenhänge zwischen den Angeklagten und Per­sönlichkeiten des öffentlichen Leb.'ns gegangen sind. Vor den Untersuchungsausschüssen wurde der ehemalige Reichskanzler, der Sozialdemokrat Bauer, so schwer kompromittiert, daß seine Partei ihn fallen lassen mußte. Dem Genossen Richter ging es ähnlich, so daß er den Posten des Berliner Polizeipräsidenten aufgeben mußte, andere Romen sind genannt; nur der Zentrums­abgeordnete Lange-Hege mann sitzt mit auf der Anklagebank, die übrigen werden als Zeugen auftreten. Und von dem Ergebnis dieses Pro­zesses wird cs im wesentlichen abhängen, wieweit sich heute schon das furchtbare Wort Raumanns bestätigt, daß die Korruption nur zu leicht eine Schwester der Demokratie ist.

Barmats Lebensweg.

Berlin, 11.Jan. (TU.) Vor dem erweiterten Schöffengericht des Amtsgerichts Berlin. Mitte be­gann heute nach 10 Uhr vormittags unter dem Vor­sitz des Landgerichtsdirektors Neumann der um- fangreiche Prozeß gegen Barmat und Genossen. Die Anklage wird vertreten durch den Oberstaatsanwalt Trautmann, dem die Staatsanwälte R a a s ch, Sturm und Erich zur Seite stehen. Die elf An­

geklagten sitzen mit ihren 15 Verteidigern um zwei Tischreihen vor der eigentlichen Anklagebank. Der Zuhörerraum ist stark besetzt, unb die Presse ist außerordentlich zahlreich vertreten. Als Sachver­ständige sind Professor Lei ihn er und Regie- rungsrat S e 1 cf m a n n erschienen. Vor Eintritt in die Verhandlungen vereidigt der Vorsitzende die Schöffen. Er eröffnet bann die Sitzung und Der» nimmt die Angeklagten, an der Spitze Julius B a r- mat, über ihre Personalien.

In den heutigen Verhandlungen des Barmat- Prozcsses bestand die Verteidigung auch nach der Pause aus die Ablehnung des Regierungsrates Selckmann als Sachverständigen. Der Kaufmann Hans Müller bestätigte als Zeuge, daß Selck­mann ihn tatsächlich einmal gefragt habe, ob er noch immer glaube, dah Julius Barmat ein Engel fei Der Zeuge legt aber auf diese Aeuhe- rung kein besonderes Gewicht. Während die Ver­teidigung in dieser Aeußerung Selckmanns einen Beweis für dessen Befangenheit erblickt, entschied der Vorsitzende, dah man sich morgen über den Ablehnungsantrag schlüssig werden müsse. Die Geschichte Julius Barmats enthalt eine er­staunliche Geschäftskarriere. Im Alter von 20 Jahren hatte Darmat in Holland schon ein monatliches Druchschnittseinkommen von 1500 Gul­den, und zwar als Direktor der Auslandabteilung einer holländischen Aktiengesellschaft. Verschiedene Geschäfte kamen hinzu. 1916 gründete Darmat die Anexima" mit einem Aktienkapital von einer Million Gulden. Während des Krieges kam die Anexima" auf die schwarze Liste der Entente. 1917 wurden die holländischen Schiffe mit Ge­treide in Amerika beschlagnahmt und die Zufuhr nach Holland gest? Die holländische Regierung versuchte nun aus der von Deutschland besetzten Hfraine Getreide zu beziehen, und so kam ich, so erklärt Barmat, zum ersten Male mit deut­schen Behörden in Verbindung. Auf Einwirken der deutschen Pressestelle habe er un­entgeltlich für die Vertretung des deutschen Stand­punktes in der holländischen Presse gewirkt. 1917 hatte Darmat aus den Exportgewinnen schon ein Vermögen von 2 M.ll.Gu.'den gehabt. 1919 habe er auf wiederholte deutsche Aufforderungen hin die Lebennsmittellieferungen für Deutschland übernommen. Für Papiermark habe er Akzepte geliefert, die erst nach einem Jahre flüssig gemacht werden konnten. Er selbst habe dabei keine Verluste gehabt, da er den holländischen Lieferanten dieselben Bedingungen auferlegte, die ihm das Deutsche Deich auflcgte. 1923 habe er auf Ersuchen des Deichsschatzministe- riums für die Deutschen Margarine­werke holländische Rohstoffe gegen Kredit geliefert. Er habe von den Werken dafür Markakzepte erhalten und so sei er mit der Deichsban ' und im gleichen Jahre auch mit der Preußischen Staatsbank in Ver­bindung gekommen. Darmat schätzt fein Vermögen Ende 1923 auf über drei Millionen Gulden. Mindestens 250 000 Gulden habe er durch Markspekulation verloren. Im Gegen­satz zur Anklage stellt Barmat an Hand einer Grenzbescheinigung fest, daß er seinerzeit nach Deutschland 30 000 Dollar. 10 000 englische Pfund und 30 000 Gulden mitgebracht habe. Der An­geklagte Henry Darmat war bei seinem Druder in der Anexima tätig. Er erklärte sich für völlig unschuldig. Auch der Angeklagte Dr. Hellwig bestreitet jede Schuld. Der ange­klagte Zentrurilsabgeordnete Lange-Heger- mann erklärt, daß er den Schuh der Immunität aus keinen Fall in Anspruch nehmen werde. Am Donnerstag soll der Komplex Preußische Staats­bank erörtert werden.

Aus aller Welt.

Kricstsminiftcr von Gostler f.

2m Alter von fast 86 Jahren verstarb der frühere königlich preußi che Staats- und Kriegs­minister. General der Infanterie a. D. Heinrich von Göhler. Gvßler, der 1841 in Weißenfels a. S. als Sohn des 1902 verstorbenen^ Gustav v. G.. Kanzler des Königreichs Preußen." Krvnsyndikus und Präsident dcs Oberlan^esgerichts in Königs­berg i. Pr., geboren wurde, trat 1860 in das 1. Srenadier-Dgt. in Königsberg ein und machte mit ihm den Feldzug von 1853 mit. Als Ober­leutnant wurde er zum Jnf.-Dgt. 95 versetzt, mit dem er 1870/71 nach Frankreich zog. Bei Wörth und bei Orleans wurde er schwer verwundet. Ziemlich frühzeitig kam er schon ins Kriegs- Ministerium, wo er später Deferent, Abtei­lungschef und Direktor wurde. Frontkom­mandos unterbrachen diese Tätigkeit. So war er als Oberst Kommandeur des 3. Garde-Dcglments zu Fuß. dann 1893 als Generalmajor Kommandeur der 43. Jnf.- Brigade in Kassel. Im Jahre 1895 wurde er als Gen'ralleutnant Kommandeur der 25. Di­vision in Darmstadt. Ein Jahr darauf 1895 wurde er zum Kriegsmini st er ernannt. Eine Reihe heeresorganisatorischer Ar­beiten. wie die Aeueinteilung der Feldartillerie, ist ihm zu verdanken. Ebenso wurde während seiner Amtszeit die neue M'.litarstrafgerichts-- ordnung geschaffen. Im Jahre 1903 nahm er den Abschied.

Drahtlose J Um Übertragung.

TimeS" meldet aus Reuhort, daß die Heber» tragung von Filmen auf drahtlosem Wege eine vollendete Tatsache sei. Sie sei von einem Mit- glieb des Instituts für drahtlose Jngenieur- Wtssenschast in Reuyork, Dr. Alexander- son, hatgetan worden. Mit einem einfachen Apparat habe er auf drahtlosem Wege einen Nun auf die Leinwand projiziert, der chn selbst in einet Besprechung mit Freunden darstellt.

Der Rllchsgerichtsprasident als Professor.

Dom sächsischen Dolksbildungsministerium ist Rcichcgerichtsvräsibent Dr. Walter Simons zum ordentlichen Honorarprofessor für Völkerrecht unb der bisherige Obcrreichsanwalt Dr. Lubwia Ebermayer zum ordentlichen Honorarprofessor 'ur St ras recht in der juristischen Fakultät der Universität Leipzig ernannt worden.

Eine Erpedltion nach Kola.

Das rot. c^i djc Institut |ür vergleichende Ku'tunorschuna plant eine Expedition nach der I rui lichen Haldt. sei Kola. Die Erpedillon. die ?n, ,.rovc l\ cn spr-chl chen Untersuchungen I ffnCirD -r'0* Nansen vorbereitet.

>ollen zwei Abteilungen ausg?sandi tverden.

lm Februar 1928 abreisen. Die runi|$c Regierung soll um Erlaubnis zum Be-

treten russischen Gebietes ersucht werden. Aus­länd i'che Wijsenschaf.ler können an her Expedition teilnehmen.

Zunahme der Grippeerkrankungen in der Schwel;.

In der Zeit vom 1. bis (. Januar faio in Basel 35 Personen an Grippe gestorben. Die Zunahme der Erkrankungen in der letzten Woche betrug etwas über 3300 Fälle. In Zürich be­trug die Zunahme der Erlrankungen in der ersten Januarwoche 1979 Falle.

Schwere Grippeepidemie in Luxemburg.

Eine schwere Grippeepidemie ist in Luxemburg ausgebrochen. Sie hat bereits zahlreiche Opfer gefordert. Besonders heftig wütet die Grippe auf dem flachen Lande. Es gibt Dörfer, in denen nur wenige Familien von ihr verschont blieben. Wenn­gleich die Erkrankungen in den allermeisten Fällen keinen tödlichen Ausgang nehmen, so hat die Sterb­lichkeit infolge der tödlich verlaufenen Grlppesälle gegen das Vorjahr doch stark ^genommen. Aus den umliegenden lothringischen Gebieten kommen ähnliche Meldungen.

Maria Spring bei Göttingen niedergebrannl.

Der bekannte Tanzplatz Maria Spring, der im Leben jedes Göttinger Studenten eine bedeutsame Rolle spielte, ist vollständig niedergebrannt.

Großfeuer In Toulon.

In Toulon brach an einem Wohnhaus ein Brand aus, durch den fast das ganze Gebäude zer­stört wurde. Ein Blinder stürzte sich aus dem Fenster auf die Straße, wo er zerschmettert liegen blieb. Ein Artillcriequarticrmeister, der den Bewohnern Hilfe leistete, wurde lebensgefährlich verletzt. Bei den Aufräumungsarbeiten fand man die verkohlte Leiche eines Unbekannten unter den Trümmern.

Wieder ein fiinobranb.

In einem Kinotheatcr in Cosenza Ist wäh­rend einer Vorstellung im V rrsührungsraum ein Brand ausgebrochen, der rafdj großen Umfang annahm. Es entstand eine schreckliche Panik. Diele Personen sprangen aus den Logen in den Saal hinunter. Andere suchten durch Rauch und Feuer den Ausgang und erlitten Brandwunden. Das Feuer konnte erst nach größter Anstrengung von Feuerwehr. Polizei unb M Hz gelöscht werden. Es wurden 15 Verletzte gezählt.

Zwei Bergleute verschüttet.

Aus der ö^a^tuii ;g. v - D.r Zeche Zoll» verein bei Gf.cn touroen zwei verheiratete Bergleute verschüttet. Beide konnten nach den sofort einsehenden Rettungsarbeiten nur tot ge­borgen werden

von der Dampfwalze zermalmt.

_ Als in Bad Oeynhausen Die zwölf- lährige Tochter des Landwirts Brand auf dem ^ade zur Schule fuhr, glitt sie beim ileber- holen einer Dampfwalze aus und stürzte unter bie Walze von der s-e buchstäblich zermalmt wurde 1

Erdbeben In Llelnastea.

Rach Konstantinopeler Meldungen wurde ün Distrekl von Adabasar in Kleinasien ein hef­tiges Erdbeben verspürt. Dir Einwohner der Dörfer eilten, von Panik ergriffen, auf die um- liegenden Felder.

Wettervoraussage.

Ziemllch trübes, unbeständiges, noch verhält­nismäßig mildes Wetter mit kurzen Rieder- schlügen.

Gestrige Temperaturen: Maximum: 7.4 Grad

Celsius: Minimum: 5 Grad Celsius.

Riederschläge: 1,2 Millimeter.

Heutige Morgentemperatur: 5,6 Grad Celsius.

2111$ der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 17. 'Öauuar 1927.

Gewerbeausstellung Metzen 1927

Der Ortsgewerbeverein hielt gestern abend eine sehr gut besuchte Mitgliederversamm­lung ab, die endgültig darüber beschließen sollte, ob in diesem Jahre eine Gewerbeausstel- luna veranstaltet werden soll oder nicht.

Zunächst berichtete der Vorsitzende, Pros. Dr. Krausmüller, über Verhandlungen, die in dieser Angelegenheit mit dem Vorstand des Volkshallevereins stattgesunden haben. AuS seinem Bericht ist u. a. zu entnehmen: Es haben sich bis jetzt schon eine groß« Zahl Handwerker gemeldet, die beabsichtigen, ihre Erzeugnisse auszustellen. Der Volks- halleverein ist bereit, zusammen mit dem OrtSgewerbeverein tie Ausstellung durch­zuführen. Dabei soll die technische Durchführung der Veranstaltung in den Händen des Ortsge­werbevereins liegen, während alles übrige vom Volkshalleverein übernommen wird. Die Stadt soll um Stellung einer Garantiesumme an ge­gangen werden. Der Quadratmeter gedeckte AuS- stellungssläche soll 5 Mk., der Quadratmeter un­gedeckte Fläche 2 Mk. kosten. Es darf nur ge­diegene handwerklich« Arbeit aus­gestellt werden. Die Ausstellung soll 1 42 a ge dauern, eventuell soll sie auf drei Wochen aus­gedehnt werden. Als Eröffnungstag ist der 10. Juni in Aussicht genommen. Die Aus­stellung soll den RamenGewerbeausstel- lung Gießen 1927 tragen. Es ist beab­sichtigt, durch ein mehrfarbiges Plakat für die Ausstellung zu werben. Direktor Dr. Bün- n i n g s ist bereit, die Plakatherstellung vorzu­bereiten. Cs ist geplant, einen Führer durch die Ausstellung herzustellen, der ähnlich dem für die Ausstellung 1914 eingerichtet werden soll. In der Volkshalle stehen zu Ausstettungs- zwecken die Tribünen und der Raum unter diesen zur Verfügung. Das sind zusammen etwa 600 Quadratmeter. Der darüber hinaus noch not­wendige Raum soll durch Ausstellung was­serdichter Zelte geschaffen werden. Die Ausstellung wird abends um 8 ilfjr geschlossen. Den Ausstellern soll ein einheitlich gestaltetes Firmenschild vorgeschlagen werden. Don einer Prämiierung der ausgestellten Arbeiten will man absehen. Auch eine Lotterie ist vorgesehen.

Direktor Dr. B ü n n i n g S berichtete dann über die Zahl der eingelaufenen M ldungen unb gab die einzelnen Berufe bekannt, die ausstellen wollen. Er betonte, daß man ganz besonderen Wert darauf legen wolle, ganz« HandwerkS- zweige im Betrieb vorzusühren. An Hand einer Zeichnung erläuterte er den Plan der Aus­stellung.

In der Aussprache wurden noch eine Reihe von Fragen geklärt. Mehrfach kam der Wunsch zum Ausdruck, die Pfing st feiert age In die Ausstellungszeit einzubezirhe.c. Der Vorsitzende erklärte sich bereit, bezüglich der Frage deS Aus­stellungstermins erneut mit dem Volkshalleverein in Verbindung zu treten.

Die Versammlung beschloß hieraus ein­stimmig. in diesem Jahre eine Gewerbe­ausstellung abzuhalten. Außerdem wurde noch folgende Entschließung ang nommen: Der Ortsgewerbev.rein tritt dem Plan einer Ausstellung näher unter der D dingung, daß die Volkshalle entsprechend hergerich- t e t wird."

Die Geschäfte sollen in der seitherigen Weise weitergeführt werd:n, unb zwar so, daß alle An­fragen, bie wegen der Ausstellung notwendig werden, an Direktor Dr. BünningS zu rich­ten sind.

Zum Schluß der Versammlung berichtete Buchhalter Sichert noch über die inzwischen eingerichtete BuchführungS stelle. Er wie- auf. deren große Vorteile für den Handwerker hin und erläuterte ihre Einrichtung. Auch Syn­dikus Röhr sprach noch in längeren Ausfüh­rungen über denselben Gegenstand und bat die Anwcs.mden, in ihrem eigensten Inter.sse von der Buchführungsstelle recht ausgiebig Gebrauch zu machen.

A n m. d. Red.: Rachdem der Ortsgewerbe­verein sich nunmehr in der Ausstellungsfrage ent­schieden hat, wird wie wir erfahren morgen, Donnerstag, abend der Volkshalleverein sich ebenfalls mit bet Angelegenheit beschäftigen. Es ist wohl nicht daran zu zweifeln, daß der Volkshallcixrein dem De.ch.utz des Ortsgetverbe- vereins beitreten wirb.

Sittlichkettssragen und unsere Jugend.

lieber dieses Thema sprach am Montagabend 5rau Dr. Warlich-Harleshausen in einer von den Gießener Frauenvereinen ein­berufenen Bersammluna im früheren Hotel Ein­horn. Die Vortragende führte in etwa zweistündiger Rede u. a. aus:

Eines der kostbarsten Güter, die unser Volk be­sitzt, ist in großer Gefahr: bie Volksgesund­heit. Drei Feinde bedrohen sie: die Tuberkulose, der Alkoholmißbrauch und die Geschlechtskrank­heiten. Besonders die letzteren fordern ungeheuere Opfer. Es ist Pflicht eines jeden, insbesondere auch der Fra len, zu den tiefsten Wurzeln dieses liebele hinabzusteigen. Dabei smdet man, daß die Unsitt- l i ch k e i t unserer Tage, die ihre Spitze findet in der Prostitution, die Schuld trägt an der an- geheuren Verbreitung der Geschlechtskrankheiten. Auch im Altertum und im Mittelalter bestand schon die Prostitution, die sich in der Hauptsache in drei Formen zeigte: als gastliche, als religiöse ober als entgeltliche. Die heutige Prostitution wird vom Staate kontrolliert. Der Staat übt die Kontrolle in dreifacher Weise aus, nämlich durch die Regle­mentierung, die Kasernierung ober bk