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10. Aug. Pfarrer hier am oergange- ;Priesterjubt' m Jubilar tourten ^istlichen und Welt- Ehrungen erwiesen

eignet« sich gestern abend gegen 20 Mr ein schwerer Autounsall. Die 14jährige Schü­lerin Margarethe Hofmann kam mit ihrem Rad, auf das sich noch ihr zehnjähriger Bruder gestellt hatte, aus dem Hause Eschborner Land-' strahe 162. Plötzlich wollte das Mädchen mit seinem Rade umkehren, als ein Auto der Haus­ratsammelstelle Wetzlar durch die Straße fuhr und beim Ausweichen in den Straßengraben ge­riet. Das Mädchen wurde hierbei von dem Auto erfaßt und zur Seite geschleudert, wo es mit einer schweren Gehirnerschütte­rung liegen blieb. Es ist nach seiner Ein­lieferung ins Krankenhaus gestorben. Em Autobeisahrer erlitt gleichfalls schwere Ver­letzungen, während der Chauffeur und der Bruder der Hofmann mit leichteren Ver­letzungen davonkamen. In der gestrigen Stadtverordnetensitzung teilte Oberbürgermeister Dr. Landmann auf eine Anfrage mit, daß sich die Stadtverwaltung seit einiger Zeit mit dem Plane der Errichtung eines neuen Verwaltungsgebäudes trage. Dadurch soll der jetzt herrschenden Zersplitterung der ein­zelnen Aemter begegnet werden.

Große Strafkammer Gießen.

' Gießen, 9. August. Ein Schäfer aus Mainzlar verfolgte Berufung gegen ein Urteil des Schöffengerichts Gießen, durch das er wegen Rückfalldtebstahls zu sechs Monaten Ge­fängnis verurteilt worden war. Es wurde ihm zur Last gelegt, aus einer anderen Herde ein Schaf gestohlen zu haben. Der Eigentümer des Schafes und der Hirt der anderen Herde hatten das Schaf, mit frisch kupiertem Schwanz, bei dem Angeklagten gefunden. Dieser leugnete und behauptete, das Schaf gehöre einein anderen, der es aber nicht als sein Eigentum wieder­erkannte. Die Berufung des Angeklagten, der bereits viermal wegen Schafdiebstahls bestraft ist, wurde zurückgewiesen.

Ein früherer Reichswehrsoldat (beim hiesigen Bataillon, war vom Schöffengericht Gießen wegen tätlichen Angriffs auf einen Vorgesetzten zu acht Monaten Gefängnis verurteilt wor­den und verfolgte dagegen Berufung. Als er von einem Feldwebel seines Regiments aus der Straße bei einem Streit betroffen wurde und den dienstlichen Befehl erhielt, nach Hause zu gehen, vackte er seinen Vorgesetzten am Hals upö erhob die Hand zum Schlag gegen ihn. Er war angetrunken, aber seiner Sinne vollkommen Herr. Die Berufung wurde verworfen, das Ge­richt bedauerte, daß die Staatsanwaltschaft nicht ebenfalls Berufung eingelegt hatte, sonst wäre die Strafe zur Wahrung der- Manneszucht im Reichsheer noch erhöht worden.

Rundfunk-Programm

des Frankfurter Tenders.

(Aus der .Radio-Amschau".)

Freitag, 12. August.

13 bis 14 Mr Reue Schallplatten. 16.30 bis 17.45: Hausfrauennachmittag.Ratür- liche und unnatürliche Säuglingsernährung", Vortrag von Dr. Käthe Reumort. 17.45 bis 18.05: Die Lesestunde. 18.30 bis 18.45 Liebertragung von Kassel:Stunde Haus und Garten". Es spricht Garteningenieur Karl Hinze.

18.45 bis 19.10: Stunde des Südwestdeutschen Radio-Klubs. 19.10 bis 19.15: Wirtschafts­meldungen. 19.15 bis 19.45:Begegnungen mit Größen der Musik", Vortrag von Alwin Steinih. 19.45 bis 20.05: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. Vor­tragender: Ing. Randewig. 20.05 bis 20.15: Film-Wochenschau. 20.15: .Im weißen Rößl", Lustspiel in drei Akten von Blumenthal und Kadelburg. Anschließend bis 0.30 Spät- konzert, Unterhaltungsmusik.

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Wirtschaft.

Erntefinanzierung und landwirtschafMcheDerschuldung.

Die Verzögerung der diesjährigen Ernte unZ> die immer noch herrschende Unsicherheit über ihren Ausfall haben Besorgnisse nicht nur aus landwirtschaftlichen Kreisen bezüglich der Finan­zierung der Erntebewegung laut werden lassen. Die Erörterung, der mit der landwirtschaftlichen Kreditgewährung zusammenhängenden Probleme, bei denen eine Trennung der allgemeinen Ver­schuldung der Landwirtschaft von der unmittel­baren Erntefinanzierung ausgeschlossen ist, ist in diesem Jahre etwas später ausgenommen wor­den. Die Preuhenkasse hat beschlossen, die ihr angeschlossenen Genossenschaftskassen in gleichem Umfange wie im Vorjahr die Beleihung von Getreide durchführen zu lassen, jedoch lautet die Anweisung der Preuhenkasse so, daß dre Lom­bardierung von Getreide nur soweit erfolgen soll, als hierdurch die Abdeckung älterer Verpflich­tungen ermöglicht wird. Die Erleichterungen der Preußischen Zentralgenossenschaftskasse entsprechen also nicht ganz den vorjährigen, und dies dürfte in erster Linie auf den Widerstand der Reichsbank zurückzuführen sein. Die Reichsbant hat an­scheinend nicht die Absicht, über den durch die Diskontierung von Warenwechseln gegebenen Rahiüen hinaus sich für besondere Lombardmah- nahmen zur Verfügung zu halten. Dieser Stand­punkt der Reichsbanl muß zunächst in Anbetracht der angespannten Lage des Geld- und Kapital­marktes auffallen, da die geldliche Lage der Landwirtschaft in diesem Jahre vielfach miß­licher ist, als im Vorjahr,und der unmittelbare Geldbedarf für die Ernteunkosten in diesem Jahre schwerer zu befriedigen sein dürfte. Wenn man trotzdem an den zuständigen Stellen mit Finan­zierungsschwierigkeiten, wie in den vergangenen Jahren des Hebergangs, nicht rechnet, so wird diese Ausfassung in Öen diesjährigen Markt­verhältnissen begründet sein, die alles in allem genommen, für eine glatte Erntebewegung spre­chen. Die Vorräte sind nach der wenig be- friedigenden Ernte des Vorjahres stark zusam­mengeschmolzen. Eine wesentliche Senkung des seit vorigen Herbst von 205 auf 256 RM. pro Tonne gestiegenen Roggenpreises wird kaum ein» treten. Die allgemeine Verschuldung der Land­wirtschaft muh in ihrer Bedeutung zum Zeit­punkt der Ernte und der Erntefinanzierung auch wieder in den Kreis der Betrachtung gezogen werden. In diesem Herbst ist die dritte Rate der Dentenbankabwicklungskredite von etwa 293 Millionen Reichsmark fällig. Heber Konsoli- dierungsmahnahmen sind Beschlüsse noch nicht gefaßt worden. Man kann jedoch erwarten, dah die zweite Amerikanische der Rentenbankkred-it- anstalt, die zweifellos zu sehr günstigen Be­dingungen abgeschlossen wovden ist, hierfür Ver­wendung findet. Das landwirtschaftliche Kredit­wesen hat bezüglich der Kreditversorgung in diesem Jahre eine Besserung aufzuweisen, die in ihrer fortschreitenden Entwicklung erst mit dem Rachlassen der Flüssigkeit des Geld- und Kapitalmarktes im Inlande zum Stillstand ge­kommen ist. Rückschläge sind jedoch nicht einge­treten, da die zuständigen Institute (Renten­bankkreditanstalt, Landesbankzentrale) in der Lage waren, relativ günstige Anleihen im Auslande abzufchliehen. Der Kreditbedarf öer Landwirt­schaft konnte und kann auch heute noch stets be­friedigt werden, da genügend Mittel zur Ver­fügung stehen. Allerdings sind die finanziellen Probleme der Landwirtschaft noch immer nicht gelöst. Einem Zurückbleiben der Gesamtverschul­dung der Landwirtschaft hinter der der Vor­kriegszeit (za. neun Milliarden RM. gegen 15 Milliarden RM. 1913) steht die höhere Zinslast der Landwirtschaft infolge der heute geltenden Geldsähe gegenüber. Auch das ständige An­wachsen der Personalverschuldung der Landwirt­

schaft, die sich vorübergehend, wenn auch gering ermäßigen konnte, deutet darauf hin, dah die finanzielle Lage der Landwirtschaft durchaus nicht normal und von Bedenken frei erscheint. Solange der Wechsel des Landwirts die Unter» läge für einen Kredit in zunehmendem Maße bildet, ist die finanzielle Lage der Landwirtschaft als gespannt zu bezeichnen. Dem kann nur abge­holfen werden, wenn ein festumrissenes Prolramm für die fünftige landwirtschaftliche Kreditge­währung ausgestellt wird.

Saatenstand im deutschen Reich Ansang August.

Im Monat Juli haben die zahlreichen und ausgiebigen Riederschläge in Abwechslung mit warmen fomiigen Tagen das . Wachstum aller Kulturpflanzen allgemein günstig gefördert. Ab­gesehen von sonstigen Hnwetterschäden wurde jedoch infolge heftiger Gewittergüsse das Ge­treide stellenweise außerordentlich stark zum Lagern gebracht, so daß hier eine Verwendung von Mähmaschinen unmöglich und selbst das Handmähen sehr erschwert ist.

Heber den Ausfall der Getreideernte läßt sich zur Zeit wegen ihrer starken Verzögerung ein völlig klares Bild noch nicht gewinnen. Fast alle Getreidearten stehen schwer im Halm und dürften auf Grund der Saatenstandsberichte hin­sichtlich des Körnerertrages durchschnittlich eine befriedigende Mittelernte ergeben.

Bon dem Wintergetreide ist die Gerste bis auf kleine Reste geborgen Die Roggenemte ist im vollen Gange, vielfach schon beendet. Der Weizen steht vor der Reife. Beim Sommer­getreide zeigen Weizen und Hafer gegenüber dem Vormonat eine leichte Besserung, während Roggen und Gerste unverändert geblieben sind. Stellenweise macht sich im Getreide der Befall von Brand, Rost und Dlasensuh stark bemerkbar.

Der Stand der Hack f r ü ch t e hat sich gegen den Vormonat wesentlich gebessert und wird günstig beurteilt. Die Frühkartoffeln erbringen eine leidlich gute Ernte, obgleich in nassen Lagen größere Mengen verfault sind. Die Spätkartof­feln stehen meist gesund und üppig im Kraut. Auch die Rübenselder stehen Iräftig, doch kommen auf ihnen öfters Rübenfliege und Wurzel- brand vor.

Der erste Schnitt der Futterpflanzen und Wiesen ist noch nicht überall geborgen. Die Heuerträge sind im allgemeinen reichlich ausgefallen, doch läßt ihre Beschaffenheit teil­weise sehr zu wünschen übrig. Der Rachwuchs steht frisch und üppig, so dah auch im zweiten Schnitt mit guten Erträgen zu rechnen ist.

Unter Zugrundelegung der Zahlenquoten 2 = gut, 3 mittel, 4 = gering ergibt sich im Reichsdurchschnitt folgende Begutachtung: Win­terweizen 2,6 (im Vormonat 2,6), Sommer­weizen 2,6 (2,7), Winterspelz 2,4 (2,5), Winter­roggen 2,8 (2,9), Sommerroggen 2,9 (2,9), Winter­gerste 2,7 (2,7), Sommergerste 2,5 (2,5), Hafer 2,6 (2,7), Kartoffeln 2,7 (2,9), Zuckerrüben 2,8 (3,0), Runkelrüben 2,7 (3,0), Klee 2,4 (2,5), Luzerne 2,5 (2,6), Bewässerungswiesen 2,3 (2,6), andere Wiesen 2,5 (2,9).

* D i e Reichseinnah men und - aus­gaben für das erste Vierteljahr des Rechnungsjahres 1 92 7. Rach der vom Reichsfinanzministerium veröfs ent licht en Heber­sicht betrugen im Monat Juni des Rechnungs­jahres 1927 (in Mill. Mark) im ordentlichen Haus­halt die Einnahmen 593,3 gegen 653,8 im Mai und 756,9 im April, zusammen im ersten Viertel­jahr des Rechnungsjahres 1927 2009,0. Die Aus­gaben beliefen sich im Juni auf 599,3, im Mai ouf 730,0, im April auf 658,1, zusammen int ersten Vierteljahr auf 1987,4. Cs ergibt sich demnach für 3uni ein Zuschuß von 1,0, für Mai ein Zu­schuß von 76,2, für April ein Heber schuh von 98,8, im ersten Vierteljahr ein Heberschuß von

21,6. Die Summe der Eitrnahmen im außerordent­lichen Haushalt stellte sich im Juni auf 68,8, im Mai auf 11,0, im April auf 6,0, int ersten Vierteljahr zusammen auf 85,8. Die Ausgaben betrugen im Juni 51,3, im Mai 62,3, im April 25,1. im ersten Vierteljahr zusammen 138,7. Es ergibt sich demnach für Juni ein Heberschuß von 17,5, während für Mai ein Zuschuß von 51,3 und für April ein solcher von 19,1 erforderlich war. Insgesamt stellte sich der Zuschuß im ersten Vierteljahr auf 52,9. Der Endabschluß stellte sich für das erste Vierteljahr des Rechnungsjahres 1927 auf Bestand aus dem Rechnungsjahre 1926 in Höhe von 548,0, der sich durch den Heberschuß aus den Monaten April bis Juni 1927 um 21,6 auf 569,6 erhöhte. Im auherordentliehen Haus- halt wurde ein Zuschuß aus dem Rechnungsjahre 1926 mit 290,0 übertragen, der sich durch beit Zuschuß aus April bis Juni 1927 um 52,9 auf 342,9 im ersten Vierteljahr erhöhte. Es verblieb demnach ein Bestand von 226,7. Der Stand der auf Reichsmark lautenden Reichsschuld belief sich am 30. Juni 1927 auf 1548,5 gegen 1515,2 am 31. März 1927. Der Reichsmark-Gegenwert der auf fremde Währungen lautenden Schuld betrug am 30. Juni 915,3 gegen 911,2 am 31. März. Die schwebende Schuld stellte sich am 30. Juni auf 170,8 und hat gegen Ende April und Ende Mai keine Aenderung erfahren.

* D i e Deutsche Reichspost im Vierteljahr Apri 13uni 1 9 27. Nach dem von der Deutschen Reichspost veröffent­lichten Bericht über das erste Viertel April - Juni des Wirtschaftsjahres 1927 hat sich der Drief- verkehr einschließlich Postauftrag- und Nach­nahmeverkehr etwas gehoben. Der Paketverkehr zeigt sogar eine beträchtliche Zunahme. Auch der Geldverkehr ist angewachsen. 3m Luftpostverkehr sind unmittelbare Lustpostlinien mit Norwegen und Lettland eingerichtet worden. Mit Ungarn konnte ein Luftpostverlehr eröffnet werden. Die Postscheckkonten sind auf 912 583 gestiegen. Der Telegraphenverkehr hat zugenommen. Auch der Sprechverkehr zeigt eine Zunahme von 10 u. Sy Der Ausland-Funkverkehr ist um rund 8 v. Sy gestiegen. Die Zahl der Rundfunkteilnehmer er­höhte sich auf 1 713 899. An Einnahmen sind 431,3 Millionen Mark aufgekommen. Sie sind um 18,4 Millionen Mark hinter dem Durch­schnittssoll zurückgeblieben, was aber an sich für dieses Vierteljahr als normal anzusehen ist. Die Ausgaben stiegen auf 453,8 Millionen Mark, so daß ein kastenmäßiger Fehlbetrag von 22,5 Millionen Mark entstanden ist.

Zusammenschluß int Eisengroß­handel. Die Vereinigung Freier Rheinisch- Westfälischer Eisenaroßhandlungen E. V. Düssel­dorf und der Verband freier Eisengroßhändler von Rheinland und Westfalen G. m. b. H. Düs­seldorf sind übereingekommen, die bestehenden beiden Organisationen cruszulösen und sich unter dem NamenWirtschaftliche Vereinigung des freien Cisenhcmdels E. V Düsseldorf" zusammen­zuschließen.

' Abschluß der Verhandlungen über Lieferung deutschen Eisenbahn- materiell nach Rumänien. Die Ver­handlungen einer deutschen Jndustriegruppe unter Führung des Stahlwerksverbandes mit der rumä­nischen Regierung über die Lieferung von großen Mengeit Gisenbahnmakerials sind der Kölnischen Zeitung zufolge zum Abschluß gekommen. Da­nach handett es sich dabet um eine Wertsumme von 45 Mul. RM., davon 32 Mrll. RM. für eigentliches Oberbaumaterial und 13 Mill. RM. für leichteres Zugmatertal (Signale, Apparate usw.). Die Verteilung des Auftrages erstreckt sich auf verschiedene deutsche Finnen. Auch in der Preisfrage, über die bislang noch Mei­nungsverschiedenheiten beftar.i'cn, ist jetzt eine Einigung erzielt worden. ?. ch früheren Mel­dungen soflen die Zahlungen über Entschädi­gungskonto beglichen werden.

* Großer deutscher Schienenauf­trag für ö ie französischen Kolonien.

Menende in Netzen

VeMwerein Netzen e.V

für Reichsmark 6-bis 8-in Betels cotl Gasthäusern

Bureau: Seltersweg 93 * Fernruf 196

Eingeschlossen hierin: Samstag: Abendessen, Ueber- nachtung mit Frühstück, Sonntag: Mittagessen. Bei län­gerem Aufenthalt Vorzugspreise. Konzerte und Tanz­gelegenheit in allen größeren Gates. Regelmäßiger Autoverkehr zu den schön gelegenen Burgen Schiffen­berg, Gleiberg, Vetzberg usw. B Bootsfahrten auf der Lahn. Wanderungen in herrlichen Laub- u. Nadelwäldern. Besichtigung von Museen, Botanischen Garten usw.

Gew und Erfahrung

Novelle von Max E y t h.

13 Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die Herren, die meinen Pflug zu verbessern wünschten, hatten sich mit der Zeit stetig vermehrt und waren unerschöpflich in ihren Vorschlägen. Als ich am sechsten Tage die Kessel mit Wasser füllen ließ und die ersten weißen Rauchwölkchen schüchtern aus den Schornsteinen stiegen, waren sie in Scharen versammelt und phrophezeiten allerhand Unheil. Ich hatte beschlossen, zuerst nur eine Maschine mit dem Pflug nach dem Ausstellungsplatz zu führen und die zweite am folgenden Tage zu holen. Deshalb nahm ich zunächst Stone und den kleinen Jem auf den Tender, um ihnen den ersten Unterricht im Führen einer Straßenlokomotive zu geben. Dies beleidigte Bucephalus aufs schwerste. Der riesige Neger konnte nur durch das Versprechen getröstet werden, daß er am folgenden Tage die zweite Maschine führen solle und heute mit einer roten Flagge vorauslaufen dürfe, um uns die Straße sreizuhalten. Mit fast übermäßigem Eifer stellte er jid) auf seinen Posten, wo er seine Tätigkeit damit begann, an die sich an- sammelnde, hundertköpfige Volksmenge erklärende Anreden zu halten. Als aber nach einer Stunde, die wir zur Dampfentwicklung brauchten, die Maschine ihre ersten Bewegungen machte, und das Ungetüm langsam über die krachende Levee hinschlich, erschrak er so heftig, daß er eine halbe Stunde lang still, mit gesenktem Kopfe und in achtbarer Entfernung von der Maschine ooranging, ohne sich seiner führenden Stellung bewußt zu werden. Später kam er wieder zu sich und begann aufs neue der Menge zu predi­gen, wobei er alte Bibelsprüche und (eine jüngst er­worbenen, noch etwas wirren technischen Kenntnisse wundersam zu mischen verstand. Beine Einbiegen in die Kanalstraße liefen einige Droschkenpferde in wil­dem Schrecken davon. Dies setzte die Stadtpolizei in Bewegung. Fünf Dollar genügten auch hier^ ihr wohlwollendes Interesse an uns zu fesseln, so daß der brausende Feftzug ohne Zwischenfall von Bedeu­tung nach drei Stunden einer ermüdenden Fahrt mitten durch die große Stadt im Ausstellungspark anlangte. Nur in per äußersten Vorstadt, nicht weit

und versprach, ihm and) künftig meine Kundschaft zuzuwenden, sobald ich körperlich genügend gekräf­tigt sein würde.

Doch eine weit größere Freude und Ueberraschung stand mir an jenem sichtlich glückbringenden Tag be­vor. Es war schon Abenddämmerung, als Buce­phalus mit seiner roten Flagge über die Holzbrücke des Ausstellungsparks einzog. Er hatte nämlid) selbst vorgezogen, ständiger Bannerträger der Dampfkultur zu bleiben, nachdem ihm tags zuvor der kleine Jem, schwärzer als je und halb gebrochen, die Leiden eines Heizers geschildert hatte. Da bemerkte id) schon aus der Ferne und mit wachsender Entrüstung auf der ersten Maschine, die gestern unter einem Hickory­baum mitten im Wald stehen geblieben war, eine geheimnisvolle Gestalt. Der Mann hatte die die Ma­schine schützende geteerte Leinwanddecke halb zurück- geschlagen und schien, auf dem Tender kniend, in seine Arbeit versunken zu sein. Als wir näher tarnen, bemerkte ich sogar, daß der Werkzeugkasten vor der Rauchkammer jener Maschine geöffnet war. Das war denn doch zu bunt, selbst für die Neugier eines verbesserungssüchtigen Aankees. Ich gab Stone den Anlaßhebel unserer Maschine in die Hand, sprang ab und lief auf die andre zu, um den Eindringling wo­möglich in flagranti aozusangen. Er bemerkte mich nicht, so fleißig war er an der Arbeit, und mein Er­staunen wuchs, als ich wahrnahm, daß der Mann damit beschäftig war, ein neues Wasserstandsglas einzusetzen, das er in dem Werkzeugkasten gefunden haben mußte. Das alte war nämlich bei dem Zu­sammenstoß mit dem Biersalon schon gestern zer­brochen. Unerklärlich! aber dennoch, welche Unver­schämtheit! Der Fremde kniete mit gesenktem Kopf vor der Kesselwand, noch immer ohne aufzusehen. Ich sprang auf den Tender, entschlossen, ihn an den Öhren zu packen, was auch aus der Begegnung wer­den würde. Da, nicht eine Sekunde zu früh, hob er den Kops auf. Ejn rundes, mir wohlbekanntes Ge­sicht mit treuherzigen blauen Augen, aber mit der mir ebenso bekannten steinernen Ruhe, sah mir ent­gegen und sprach:Guten Abend, Sir!" Dann fuhr der Fremde in feinen Versuchen fort, einen eigen­sinnigen kleinen Kautschukring über die neue Glas­röhre zu schlüpfen, die er an Stelle der zerbrochenen einschalten wollte.

Es war Jem! Jem Parker, der Monteur und Dampfpflüger, den ich mit demWilden Westen" er­

wartet hatte. Er hatte sich in Schottland bei der Aufstellung eines anderen Dampfpfluges verspätet, wurde mit einem der nächsten Schiffe nach Neuyork geschickt und kam von dort über Land mit der Bahn nach Neuorleans. Er hatte heute früh nach viertägi­ger Eisenbahnfahrt die Stadt erreicht, hatte sich nach dem Ausstellungspark durchgefragt und dort die ein­same Maschine gefunden. Und da er bei näherer Be­trachtung das zerbrochene Wasserstandsglas entdeckte und der Werkzeugkastenschlüssel tags zuvor stecken geblieben war, hatte er in aller Gemütsruhe ange­fangen, ein neues Glas einzusetzen, wie wenn nicht viertausend Meilen zwischen feiner heutigen und sei­ner letzten Beschäftigung lägen. Er habe gedacht, es werde schon jemand kommen und nach ihm sehen. Das alles kam in kurzen, trockenen Sätzen heraus, ohne seine Arbeit zu unterbrechen. Jetzt saß das Glas zu feiner Zufriedenheit an der richtigen Stelle: er probierte die Hahnen und schüttelte wegen des nie­deren Wasserstandes vorwurfsvoll den Kopf. Dann richtete er sich auf, zog wortlos einen Brief aus der Jacke, die er unter dem Rock trug, und gab ihn mir. Derselbe war von Herr Fowler in London und er­klärte, wie es kam, daß Parker erst mit einem späte- ren Schiff abgereist sei. Zwei Leute könne er mir zu seinem Bedauern nicht schicken. Es seien alle ver­fügbaren brauchbaren Kräfte vollauf beschäftigt. Ich müsse mich mit Parker behelfen, so gut ich könne. Ich habe mich in Aegypten ja auch in ähnlichen Lagen glücklich herausgewunden.

Dies war richtig: und zugleich war mir ein förmlicher Stein vom Herzen gefallen. Stone und der kleine schwarze Jem, wenn sie gelegentlich auch noch einen Biersalon umfahren mochten, waren an­stellige Leute. Und nun hatte ich noch den weißen Jem, der das Handwerk verstand, und mich. So konnte die Sache doch nicht völlig schief gehen und dieRegeneratton des Südens", von der feit acht Tagen halb Neuorleans sprach, allen Ernstes be­ginnen.

Seit ich Amerika betreten hatte, war ich nie so müb und wohlgemut nach Hause gekommen als an jenem Abend, spielte zum erstenmal wieder ein Schach mit dem Oberst Schmettkow und gemanns.

(Fortsetzung folgt.)

von unferm Ziele, wo ich Jem seinen ersten Versuch machen ließ, die Maschine allein zu steuern, hotten wir den Eckpfeiler eines unbedeutenden Biersalons mitgenommen. Da sich jedoch infolge dieser kleinen Verirrung die Kundschaft des Wirts für den Augen­blick verzehnfachte, fand derselbe zu unliebsamen Auseinandersetzungen weder Zeit noch Lust. Die Sache wäre völlig unbemerkt geblieben, wenn nicht am folgenden Morgen dieCrescent City News" eine Notiz gebracht hätte, die bewies, daß der Re­dakteur noch immer hungrig war. Sie lautete:

Der englische Dampfpflug begann gestern feine Tätigkeit damit, den eleganten Biersalon des Herrn Henry Cooper an der Ecke der 42. Avenue und der Show Park Road mitzunehmen. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Im Gegenteil. Die Frau des Gast­wirtes, eines unserer geschätztesten Mitbürger, die sich zur Zeit der Katastrophe im oberen "Stockwerk des mitgenommenen Hotels befand, soll unsrer gro­ßen Republik fast gleichzeitig, wenn auch in etwas überftünter Weise, einen gesunden kleinen Mitbür­ger geschenkt haben. Wir wünschen dem achtbaren Ehepaar von Herzen Glück zu dieser Wendung der Dinge, möchten es dem unförmlichen englischen Dampfpflug aber trotzdem nahelegen, namentlich mit Rücksicht auf unsre Damen, seine Tätigkeit für die Regeneration des Südens in etwas weniger gewalt­samer Weise auszuüben."

Als wir am Abend des folgenden Tages mit der zweiten Maschine an dem erschütterten Salon vor- überfamen, unterließ ich nicht, einzutreten, um auch meinerseits der Familie meine Glückwünsche darzu- bringen. Ich fand den Salon schon provisorisch genü­gend gestützt und in blühendem Geschästsschwung. Herr Cooper war vollständig befriedigt, denn meine Maschinen brachten ihm Gäste, wie er sie in feiner bescheidenen Trinkstube noch nie gesehen hatte. Im übrigen versicherte er mir, er sei kein Amerikaner, sondern ein Irländer, sei nie verheiratet gewesen und denke nicht daran, es zu werden. Und da der Salon kein zweites Stockwerk besaß, in dem das interessante Ereignis, von dem dieCrescent City News" berich­tete, hätte ftattfinben können, so mußten wir wohl annehmen, daß die Nachrichten auf einem kleinen Mißverständnis beruhten. Erfreut hierüber trank ich mit meinem auf diese Weise gewonnenen neuesten Freund zwei Gläschen seines schauderhaften Whiskys