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gewidmet Hütte. Jugendbriefe bezeugen sein Schwanken in der Wahl eines Berufes und wie er sich bald durch dieprächtige Stellung!". Reisen und Ferien zum Finanzdienst, bald durch die leichte Karriere!" zu dem Berufe des Rechts­anwalts hingezogen und durch seinen Freiheits­drang vom Polytechnikum und Offiziersstande ab- gestoßen fühlte. Der Umstand, daß Poincare sich schließlich doch der Juristerei widmete und da­durch zuletzt Kanzleisekretär des Advokaten und Deputierten des Meusedepartements D e v e l l e wurde, war für seine fernere Zukunft bestimmend. Als Develle in das Landwirtschaftsministerium berufen wurde, folgte ihm Poincare als Kabi­nettschef, um dann mit 33 Jahren Minister und 20 Jahre später Präsident der Republik zu wer­den. Die Geschichte hat schon deutlich gesprochen als daß - selbst in Frankreich noch irgend ein Zweifel bestünde über die unheilvolle Rolle, die Poincart im Elhsee als der offiziellste Vertreter Frankreichs in den Borkriegsjahren und im Mo­nat Juli des Jahres 1914 spielte. Richt minder deutlich sind die Spuren Poincares in den An­nalen der deutsch-französischen Rachkriegsbe­ziehungen, denen er während seiner zweijährigen Ministerpräsidentschaft von 1922 bis 1924 und während des abgelaufenen Jahres seinen persön­lichen Stempel aufdrückte.

Richt nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich werden Brian d und Poincare als die beiden Exponenten französischer Außen­politik bezeichnet. Wohl selten waren auch in einem Kabinette heterogenere Charaktere vereint, als Briand und Poincare. Als der gegenwärtige Außenminister vor einem Vierteljahre seine Sil­berhochzeit mit dem Parlamente beging, wurde er von der gesamten französischen Presse als der Zimmermann des Friedens" gefeiert und erhielt Glückwunsch- und Dankadressen von Freunden und Kricgsteilnehmerverbänden. Poincares, der an seinem Jubeltage fernab der Hauptstadt in Sampigny weilte, gedenkt man nur als des un­bestechlichen Politikers der weißen Weste, der das Land dank einer wunderbaren Vertrauensmystik vor dem finanziellen Chaos bewahrte. Von Menschheitsidealen war in den Gedenkartikelni nirgends die Rede. Im politischen und privaten Leben wandelte Poincare von Jugend an einsam seinen Weg. da er nie verstand, Freund zu sein oder Freundschaft zu hegen, allenfalls von den engeren Banden abgesehen, die ihn mit Mil­lerand, Hanotaux und Maurice Ber- n a r d einen. Sagte doch Poincare, als er noch im Lhcee Louis-^e-Grond die Schulbank drückte, von seinen Mitschülern:Ich zaudere, sie meine Kameraden zu nennen, sondern müßte einfach sagen: meine Mitschüler." An dem Parlamen­tarier schätzte man von Anfang an die Scharfe des Geistes und die Äeberzeugungskraft des Redners, fürchtete aber die beißende Lauge seines Wortes, so daß schon in seinen politischen An­fängen das Wort geprägt wurde:Er ist wie ein Cssigstrahl". Unverkennbar ist die suggestive Macht Poincares, mit der er im Parlament selbst die­jenigen unterjocht, die seine Politik oder seine Person am hartnäckigsten bekämpfen. Sogar in den Tiraden Der Kommunisten schwingt ein Llnter- ton von Respekt mit, wenn sie sich an die Adresse des Ministerpräsidenten richten. Vielleicht ist eine Erklärung für diese psychologische Erscheinung nicht allzu abwegig, die neulich ein radikal-sozia- ljstischer Politiker unter Hinweis auf Poincares Verantwortung am Kriegsausbruch gab:Das Verbrechen ist nur dann verschrien, wenn es mittelmäßig ist. Wenn es aber zu seinem Ruhme Millionen junger Toten aufrufen kann, werden die Menschen verwirrt und beugen sich vor ihm."

Wenn man von der Einstellung Poincares zu Deutschland absieht, muh man ihm jedoch die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß ihn die kritischsten Augenblicke immer auf seinem Posten sahen. Als im Jahre 1917 Frankreich nur mit knapper Rot an einer neuen Revolution vor- b.ikam und ihr Ausbruch bei der Demission des Kabinetts Briand selbst von Viviani vorher­gesagt wurde, erklärte Poincare, auch dann auf seinem Posten im Elysee auszuharren. Richt allzu lange danach berief er trotz des lebhaftesten Widerstandes der Linksparteien und feiner per­sönlichen Abneigung Clemenceau zur Macht, da er ihn in der Stunde der Rot für den richtigen Mann hielt. Bei seinem anerkannten Pflichtbewußtsein ist es darum sehr zu bezwei­feln, ob Poincare sein Wort wahr machen wird, daß er bei einem etwaigen Sturze einem neuen Ruse nicht Folge leiste. Sein Prestige ist zwar

Aus dem Wege zur Schlankheit.

Besuch im Paraffinbad.

Von Dr. Paul Bloch.

Im Wartezimmer beginnen die schüchternen Fragen der ängstlichen Damen und der äußer­lich nur interessierten, innerlich aber nicht weniger besorgten Männer: ob es wahr sei, daß das Herz angegriffen werde, ob man sich wirklich völlig rasieren lassen müsse, ob es zutreffe, daß die Haut verbrannt werde. Bei den Antworten der lebenstlugen Oberin beruhigt man sich denn, faßt sich ein Herz, durch die Räume zu wandern und jene Stätte der Heilung und Verschönerung, das Paraffineum zu beschauen.

Helle Zimmer, weiße Betten, mit weihen Laken, Wachstuchunterlagen und schließlich einem g.tttüp rchaähnlichem Papier. Lind natürlich über­all eine Wage. Schwestern eilen vorbei mit Kübeln und Gefäßen, in denen ein seltsam gelbes, bald festes, halb flüssiges Gemisch, das Paraffin, sick> befindet, mit dem dann der Heilungsuchende beschmiert und gepackt wird.

Das Verfahren der Paraffintherapie ist nicht neu. Bereits 1909 hatte ein französischer Arzt Dr. Barthe de Sandfort Versuche mit Parasfingcmischen unternommen, die außerordent­lich aufschlußreich waren Cs ergab sich nämlich, daß derartige Kombinattonen unglaublich hohe Temperaturen bei der Behandlung gestatten, ohne daß Verbrennungen aus der Haut zu befürchten wären, ja selbst ohne daß besonders unangenehme Hihegefühle ausgelöst würden. Warum Paraffin eigentlich trotz höchster Temperaturen bei der Anwendung unschädlich tft, ist uns indessen auch heute noch ein Rätsel.

Die Parafsinbehandlung ähnelt in ihrer Aus­wirkung den zahlreichen bereits bekannten Wärme- therapien. den Helßluftkästen, Lichtbädern, Moor­bädern, und findet deshalb auch bei den gleichen Erkrankungen in erster Linie ihre Einwendung. Bei jeder Art Rheumatismus, bei Ischias Hexenschuß und neuralgischen Schmerzen, bei der Rachbehandlung von Knochenbrüchen sollen außer­ordentliche Erfolge erzielt worden sein. Der Heilungsprozeß wird beschleunigt. Das Besondere bei der neuen Hitzetherapie aber ist die Mög-

seit dem Erwachen der Kammer aus dem Dorn­röschenschlaf des Burgfriedens und der natio­nalen Einigung stark geschwächt, aber wohl immer noch mächtig genug, um das Regierungsschiff bis zum nächsten Mai durch die parlamentarische Brandung zu steuern. Seine Absicht steht jeden­falls fest, das Kernproblem der gegenwärttgen französischen Politik, die Währungsfrage, erst dann zu lösen, wenn er sich der Macht auch nach den Kammerwahlen sicher weih.

Oberhessen.

Landkreis Gießen.

CO Klein-Linden, 10. Aug. Die hiesige Christl. Jugendvereinigung unternahm am Montag und Dienstag unter Führung ihres Leiters, Pfarrer Göbel, eine Wanderung in den Vogels­berg. Der hiesige evangelische Kirchen- gesangoerein, einer der ältesten seiner Art in ganz Oberhesien, feiert am nächsten Sonntag das Fest seines 50jährigen Bestehens. Im Festgottes­dienst am Sonntagvormittag hat Pfarrer G e r - m e r Bingen, ein Sohn unserer Gemeinde, die Festpredigt übernommen. In der Hauptfeier, die am Sonntagnachmittag im Rinnschen Garten abgehalten wird, predigt Stiftsdechant Lenz- Lich. Der hie­sige Posaunenchor, der wie der festgebende Verein unter Leitung von Kreisbaumwart Germer steht, hat seine Mitwirkung an der Feier zugesayt.

n. Großen-Linden, 10. Aug. Hier ereig­nete sich ein bedauerlicher Unglücksfall, dem leider ein Menschenleben zum Opfer siel. Im Tag­bau des hiesigen Bergwerks werden von Zeit zu Zeit die Erzmassen durch Dynamit gesprengt. Dies geschah auch heute mittag gegen 1 Uhr. Ehe der Schießmeister die Zündschnur anzündete, rief er lautFeuer", damit die in der Nähe beschäftigten Arbeiter sich in gesicherte Stellung begeben könnten. Der hier wohnhafte Bergmann Ludwig Schäfer, welcher seit 28 Jahren im Bergwerk arbeitete, suchte Schutz hinter einem Kippwagen. Der Schuh krachte und ein Stein flog dem Schäfer gegen den Kopf. Der Verletzte wurde in die Gießener Klinik verbracht, st a r b aber schon bei seiner Ankunft. Der Ver­unglückte war ledig und 42 Jahre alt. Auch ein Bruder von ihm verlor vor einigen Jahren auf tragische Weise sein Leben.

I Aus dem Lumdatal, 10. Aug. Die Straßen unseres Tales find stellenweise in einem sehr schlechten Zustand und der Schrecken aller Radfahrer. Während der Sperrung der Straße LollarMarburg wurden sie außergewöhnlich stark in Anspruch genommen, da der Verkehr über Mainz­larTreisAllendorfNordeck geleitet wurde. Es wäre an der Zeit, daß sie einer gründlichen Er­neuerung unterzogen würden.

!! Aus dem Lumdatal, 10. Aug. In auffallend großen Mengen kann man zur Zeit die Kohlweißlinge in den Gärten fliegen sehen. Die ältesten Leute selbst können sich nicht entsinnen, den Schmetterling in solchen Schwär­men gesehen zu haben. Fast auf jedem Blatt sind auch schon die gelben Eierhäufchen zu fin­den. Will man daher der bald einsetzenden Raupenplage am Kohl Herr werden, sv gilt es, die Nerhäufchen jetzt schon zu beseitigen. Die Roggenernte, die sehr gut ausgefallen ist, ist beendet. Fleißig wird auch schvn die Frucht eingefahren und hier und da mit dem Ausdrusch begonnen. Auch die andere Frucht hat in den letzten Tagen gut gereift und wartet des Schnittes.

Kreis Büdingen.

Ridda, 10. Aug. Der jetzt begonnene Realschulneubau wird außer den Sieben- klassensälen und den übrigen Räumen, die mo­derner Lehrbetrieb notwendig macht, im Sou­

terrain eine Schuldienerwohnung und einen Auf­bewahrungsraum für Fahrräder erhalten. Der zur Straße führende freie Platz soll inmitten gärtnerischer Anlagen zwei Spingbrunnen er­halten, während der Schulhof hinter das Ge­bäude kommt. Man rechnet damit, daß mit Be­ginn des neuen Schuljahres die Schule bezogen werden kann.

-s- Llnter-Schmitten, 10. Aug. Seit Montag ist hier die Dreschmaschine im Gange. Zwar ist die Ernte noch nicht ganz eingebracht, allein die Leute mit geringem Land­besitz bringen das Geerntete zur Dreschmaschine. Mit dem Druschergebnis ist man allgemein sehr zufrieden. Auch das Stroh ist von bester Be­schaffenheit. In dem benachbarten Ober- Schmitten ist feit einigen Wochen ein Schwimmbad in der Ridda eingerichtet, das während der heißen Tage nicht allein von der einheimischen Bevölkerung, sondern auch aus der Umgegend gut besucht wird.

Kreis Alsfeld.

V Grebenau, 10. Aug. Bei einer abend­lichen Streife hatte der Forstreferendar Weiß- gerbet, der beim hiesigen Forstamt beschäftigt ist, in dem etwa | Stunden vom Ort entfernten Forst­revier Roth einen Zusammen st mit Wil­derern. Während er auf einen Rehbock anpirfchte, fiel ein Schuß, in welchem das Wild zusammen­brach. Unmittelbar daraus wurden auf den näher- eilenden Beamten mehrere Schüsse abgegeben, die aber alle ihr Ziel verfehlten. Infolge der Däm­merung konnte sich der Beamte nur des erlegten Wildes versichern. Die Staatsanwaltschaft hat heute die Untersuchung aufgenommen.

Starkenburg.

Darmstadt, 10. Aug. Hier starb im Alter von 81 Jahren Geheimer Obermedizinal­rat Prof. Dr. Gustav Lorenz. Dor seiner Versetzung in den Ruhestand war er Vortragen­der Rat in der Abteilung für öffentliche Ge­sundheitspflege im hessischen Ministerium des Innern. Die Hauptverdienste des Verstorbenen liegen auf dem Gebiete der Bekämpfung von Tierseuchen. Insbesondere ist ihm die hessische Landwirtschaft zu großem Dank verpflichtet, daß er durch seine Maßnahmen größere Schädigungen ihr ferngehalten hat. Ein von Geh. Rat Lorenz angegebenes Verfahren zum Impfen der Schweine gegen Rotlauf hat z. B. in vielen Fällen eine Weiterverbreitung der Seuche verhindert; auch sonst hat er die Tierarzneikunde durch seine viel­seitigen Kenntnisse und Erfahrungen bereichert. Jahrzehntelang lag ihm die gesundheitliche Lleberwachung der Zuchthengste des Landgestüts (Marstall) in Darmstadt ob.

Preußen.

Kreis Wetzlar.

XX Wetzlar, 10. Aug. In Ermangelung einer Kreisjung Viehweide haben für dieses Som­merhalbjahr vrele Landwirte Rinder nach den Jungviehweiden Richberg (am Knüll) und Made­mühlen (Dillkreis) geschickt. Um diese Weide­einrichtung näher kennenzulernen, hat die Kreis­bauernschaft Einladungen zu zwei Besichtigungs­fahrten für die beiden nächsten Sonntage ergehen lassen. Am 14. August soll Richberg und am 21. August Mademühlen besucht werden.

O Wetzlar, 10. Aug. Der Landrat hat für den Umfang des Kreises Wetzlar eine Poli- zeiverordnung erlassen, wonach das Fahren mit Rindvieh, welches an Wagen, Karren oder sonstige Fuhrwerke in der Weise ange­schirrt ist, daß die Deichsel oder die Schere mtt dem Joche in fester Verbindung steht, verboten

Straßensperrungen

mitgeteilt vom Oberstes

ischen Automobil-Elub E. D., Gießen.

Welche Streike wird gesperrt?

3n welchem Straßenzug liegt die Strecke?

Für welche Fahrz. erfolgt die Sperrung?

Voraussicht- liche Dauer der Sperre

Umleitung

Pohlgöns - Butzbach

Gießen - Frankfurt a.M.

Für alle Fahrzeuge

bis aufweiteres

Langgöns - Holzheim - Gambach

Die Sperrung der Straße Gießen-Rodheim a. d. Bieber wird ab 14. ds. Mts. für die Teilstrecke Mndhof - Landesgrenze ausgehoben. Umleitung für die dann noch gesperrte Teilstrecke Gießen-Wind­hof über Kleinlinden - Heuchelheim - Windhof.

lichkeit der Anwendung von höchsten Tempera­turen. Während früher nur eine Hitze von be­schränkten Graden möglich war, ohne daß Herz und Haut darunter litten, ist durch das neue Verfahren eine «Steigerung der Temperatur bis zu 90 Grad Celsius ohne Gefahr.

Aber noch ein anderes ist von Bedeutung. Paraffinpackungen wurden früher manuell ge­geben, d. h. der Arzt packte den Patienten in das heiße Gemisch Immerhin war diese Art der Applikation nicht sehr angenehm, Arzt wie Patient fühlten eben doch die Temperatur von 60 Grad recht plötzlich und gewaltig, und schließ­lich ist jede Handbewegung nie ganz frei von der Gefahr der Krankheitsübertragung. Runmehr ist auch dem abgeholfen. Vermittels eines neuen Verfahrens wird das Paraffin auf die Haut ausgespritzt. In einem Kübel befindet sich vorgewärmtes Paraffin, dessen Temperatur durch elektrischen Strom während der Behandlung noch gesteigert wird. Durch einen Zerstäuber spritzt das Gemisch in ganz feinen Strahlen auf die Haut und wird trotz der Temperatur von 80 Grad nur toie eine warme Brause empfunden. Auf diese Weise wird der Körper und das Gefäßsystem an die bevorstehende Wärmewirkung gewöhnt und eine Schockgefahr ausgeschlossen.

Sobald das flüssige Gemisch auf die Haut trifft, wird es fest, es bildet eine leichte elastische Hülle, die den Körper umschließt, ohne aber durch hermetische Dichtung Hautatmung und Dlut- zirkulation zu zerstören. Zwischen der Paraffin­hülle und der Haut entsteht ein kleiner Luft­zwischenraum, der bequem die Transpiration er­möglicht. Rachdem so mit dem Aufsprihapparat vorgearbeitet ist, und der Körper sich an höhere Temperaturen gewöhnt hat, wird aus Kübeln 60gradiges Paraffin nachgegossen, das nunmehr den ganzen Körper von den Zehen bis zum Halse umschließt. Der Pattent transpiriert, und nach einer Stunde wird er von seiner gelben Haut wieder befreit. Diese löst sich mit außerordent­licher Leichtigkeit, selbst an behaarten Stellen, vom Körper ab, ohne daß die Haut auch nur im ge­ringsten angegriffen wird. Wie Schuppen lassen sich die Parasfinfehen abziehen, der zurückblei­bende leichte Stearingeruch wird durch eine Rach- Waschung mit Eau de Cologne beseitigt.

Die Paraffinhaut vier bis fünf Kilo wer­den für jede Packung je nach Gröhe und Umfang des Patienten benötigt wird immer nur einmal benutzt. Sie ist zwar ftedlifierbar, eine Keimüber- tragung wäre also ziemlich ausgeschlossen, trotz­dem sieht man davon ab, noch einen zweiten Pattenten irit derselben Packung zu behandeln, zumal das Gemisch außerordentlich begehrt und gesucht ist. Die Bohnerwachsfabrikanten kaufen es auf, um es weiter zu verarbeiten, und vor allem die Grammophonfabriken gebrauchen es, um nach Hinzusetzung von Schwerspat und Farbe Schallplatten daraus zu verfertigen. Das An­genehme ist mit dem Rühlichen verbunden, was dich eben entfettete, spendet dir morgen Musik.

_ Reben den rein therapeutischen Anwendungs­möglichkeiten hat die Paraffinkur ihre Bedeutung auch bei der Entfettung gewonnen. Entfettung ist am leichtesten durch Entwässerung herbeizu­führen. Und da bei ter Parafsinmethote durch die außerordentlichen Temperaturen eine sehr starke Transpiratton eintritt, tft das neue Ver­fahren als neuer Weg zu Kraft und Schönheit bereits bet vielen beliebt. Damen und Herren, allerdings mehr Damen, lassen mit dem größten Vergnügen die Protezur der Packungen über sich ergehen, und stellen mit freudiger Zustim­mung regelmäßig eine G ewichtsabnahme fest. Wieviel allerdings jeder verliert, richtet sich nach ter Konstitution der Patienten. Dünn wird man natürlich nicht von heute auf morgen. Im­merhin bilden die Paraffinpackungen sicher vielen, die keine Zeit zu Terrainkuren haben und keine Freunde strenger Diät sind, die Möglichkeit, doch etwas zu tun, um zu dem Körperideal der Zeit, ter schlanken Linie zu gelangen.

Ein 4 000 jähriger Bauplan.

Als der älteste Bauplan, den wir im Mittel­alter kennen, hat der berühmte Grundriß des Klosters St. Gallen aus dem 9. Jahrhundert zu gelten, und auch dieser steht ganz vereinzelt da, bis dann in der Renaissance die Bauzeichnung sich entwickelt. Wenn wir bedenken, wie lange die neuere Zeit brauchte, um diese wissenschaft­liche Form des Bauens auszubilden, so muß es uns-um so mehr überraschen, daß wir bereits aus

ist. Zuwiderhandlungen werten mtt Geldstrafen bis zu 150 Mark, an deren Stelle im Unver­mögensfalle eine entsprechende Haftstrafe tritt, bestraft. Die Verordnung ist mit sofortiger Wir­kung in Kraft getreten.

OO Münchholzhausen, 10. Aug. Dje hie­sige Gemeindeverttetting hat den Beschluß gefaßt, das in Eisen ausgebaute elektrische Ortsnetz der Gemeinde teilweise in Kupfer aus wechseln zu lassen. Der Umbau hat sich als notwendig erwie­sen, einmal um den baulichen Zustand des Ortsnetzes zu verbessern, und zum andern um eine erhöhte Be­triebssicherheit zu gewährleisten. Die Arbeiten be­stehen u. a. in der Legung von 2900 Meter Kupfer­seil und 1900 Meter Kupferdraht; sowie in der Ab­legung von 4800 Meter alter Eisenleitung. Auch bei einer größeren Anzahl Hausanschlüssen und bei ver­schiedenen Straßenbeleuchtungen wird die alte Eisen­leitung entfernt und durch solche von Kupfer ersetzt. Die Arbeiten, deren Kosten sich auf mehrere tausend Mark belaufen, sind den Installateuren'S chnei - der (Münchholzhausen) und Holz (Dutenhofens übertragen; mit ihrer Ausführung ist in diesen Tagen begonnen worden.

L Hörnsheim, 10. Aug. Der hiesige Turnverein beabfidytigt, am nächsten Sonn­tag ein Werbeturnen zu veranstalten, mit tem die Reichsjugendwettkämpfe der Turnvereine ter Bürgermeisterei Rechtenbach verbunden werden sollen. Die Veranstaltung findet auf dem Turnplatz an der Gänsweite statt.

O Oberkleen, 10. Aug. Gemäß Be­schluß ter Gemeindevertretung wird das in Eisen erbaute elektrische Ortsnetz ter hiesi en Gemeinde teilweise umgebaut. Der Umbau hat sich als notwendig erwiesen, weil die Be­triebssicherheit des in Eisen erbauten Rehes im Laufe ter Jahre erheblich nachgelassen hat und auch ter bauliche Zustand einer Verbesserung bedurfte. Es handelt sich bei den Arbeiten u. a. um die Abnahme von 5000 Meter alter Eisen­leitung, die durch 2300 Meter Kupferseil und 2700 Meter Kupferdraht erseht wird. Auch bei einer größeren Anzahl Hausanschlüssen wird die Eisenleitung durch solche von Kupfer ausge­wechselt. Die Zähler- und Hausanschluhsicherun- gen werden neu plombiert. Bei ter Gastwirtschaft Schütz wird eine neue Straßenbeleuch­tung hergestellt. Auch die Straßenbeleuchtung beim Rathaus wird erneuert. Ferner werten in ter Transformatorenstativn etwa 50 Meter Eisenleitung durch solche von Kupfer ersetzt. Die Arbeiten erfordern einen Kostenaufwand von mehreren tausend Mark. Die Ausführung, mit ter in diesen Tagen begonnen Worten ist, ist tem'Ingenieur Fritz Groh in Leun übertragen worden.

Kreis Marburg.

WSN. Marburg, 10. Aug. In Runz- ha u s e n bei Gladenbach wurde gestern in einer Mistgrube eine Kindesleiche entdeckt. Die ärzt­liche Untersuchung hat ergeben, daß die Leiche schon längere Zeit dort verscharrt gewesen sein muß.

Unterwesterwaldkreis.

WSR. Montabaur, 10. Aug. Pfarrer a. D. Josef Fenner konnte hier am vergange­nen Sonntag sein goldenes Priesterjubt- Iäum festttch begehen. Dem Jubilar wurden aus diesem Anlaß von den geistlichen und welt­lichen Behörden zahlreiche Ehrungen erwiesen.

Maingau.

WSR. Frankfurt a. M., 10. Aug. Die Frankfurter «Stadtverordnetenversammlung hatte bereits im Dezember v. I. ihre grundsätzliche Zustimmung für die Errichtung eines Ehrenmals für die Gefallenen des Weltkrieges gegeben. Gin von Professor Elsässer in ter «Stadtverordnetenversammlung vom 30. Juni vorgelegter Entwurf hatte aber keine Mehrheit im Plenum gefunden. Gestern wurde nun von volksparteilicher Seite erneut der Antrag gestellt, den Entwurf von Professor Elsässer zu bewilligen. Dieser Antrag wurde nunmehr auch angenommen.

Lpd. Frankfurt a. M., 10. Aug. Auf der Strecke Reu-Isenburg (Stadt)Reu-Isenburg wurde heute vormittag 11.15 Uhr am lieber» gang der Brunnenstrahe nach der Fabrik Rhon- stadt & Zweigle ein Lastauto mit Anhänger durch einen ilebergabe^ug übersah» r en. Der Autolenker und ein auf der Straße befindliches Kind wurden leicht verletzt. Die Schuld trifft den Chauffeur, ter versucht hat, noch vor dein Uebergabeaug den liebergang zu passieren. In dem Vorort Rödelheim er­

den Anfängen der menschlichen Kultur ein ehr­würdiges Dokument ter Balltechnik besitzen, das unter den Funden des Altertums einzigartig da­steht und wohl die älteste Werkzeichnung der Welt ist. Dieser 4000jährige Bauplan, der aus Mesopotamien stammt und für die Berliner Museen in Bagdad erworben wurde, wird von Dr. I. S t u r in terUmschau" in seiner Be­deutung gewürdigt. Es sind vier Bruchstücke, von denen drei vollständig aneinander passen, während das vierte für sich steht, aber durch die völlig gleiche Beschaffenheit des Tones als dazugehörig erwiesen ist. Aus diesen Stückchen ungebrannten Tones offenbart sich uns eine Höhe der orientali­schen Baukunst, wie sie die neuere Kultur erst seit wenigen Jahrhunderten erreicht hat. Der Plan ist technisch einwandfreikotiert" und, so genau das weiche Zeichenmaterial es zuließ, im Verkleinerungsmaßstab von 1:360 ausgeführt. Wenn auch heute noch bei manchen Grundbuch- Plänen der gleiche Maßstab angewendet wird, so ist das natürlich keine direkte ileberüeferimg, sondern eine Folge der uralten Vorliebe für das sexagesimale Maßsystem, die letzten Endes aus dem Orient herstammt. Wunderbar ist auch ter Ausbau der Zahlen; sie bestehen meist aus Sum­manden, deren erster ein Produkt von 60 ist, während der zweite eine kleinere Zahl als 60 be­trägt. Die erhaltene Summe ist dann mit ter Ein­heit von 3,3 Millimeter zu multiplizieren. An Mauerstärken und Türbreiten kommen nur drei verschiedene Maße vor: 1,66, 1,98 und 2,31, die sich wie 5:6:7 verhalten. Es kann sich hier nur um eine fünf-, sechs- und fiebensteinige Mauer handeln, und entsprechende Formate hat man auch für die alten mesopotamischen Ziegel festgestellt. Die Eircheit von 3,3 Millimeter stammt von dem bekannten Maßstab des Herrschers Gutea, dessen beide Dioritstatuen zu den kostbarsten Stücken des Louvre gehören. Die verhältnismäßig sehr große Stärke ter Mauer erklärt sich aus ter Verwendung von luftgetrockneten Ziegeln, die beim mesopotamischen Klima benutzt werden mußten und weit geringere Festigkeit als gebrannte be­sitzen. Da Mesopotamien die älteste Heimat des Gewölbebaues ist, so war bei diesem schwachen Baustoff die Anwendung schwerer «Gewölbe mit bescheidenen Spannweiten notwendig.