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fischen Legierung gegenüber zur Sprache zu bringen, imb bah weiter tn vorsichtiger Weise versucht wird, die Sympathie Grohbritan- nien& und Italiens in dieser Hinsicht durch ähnliche diplomatische Kanäle zu erlangen. lieber den Fel dz ug des Mißtrauens, der jetzt in der französischen Presse und von mehreren belgischen Staatsmännern gegen Deutsch­lands friedliche Absichten geführt werde, sagt der Korrespondent:Bisher haben sich britische und italienische Kreise von diesem Feldzug aoll- fommen femgehalten. Sollte aber Deutschland diese Frage im Dolkerbundsrat zur Sprache bringen (was Stresemann im Gegensatz zu eint* den anderen Kabinettsmitgliedern nicht gern tun würde), dann würden London und Rom ihre Ansichten mitzuteilen haben.

Neue Schwierigkeiten in den Handelsvertragsverhandlungen

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 11. Aug. Aus Paris wurde gestern mit einer gewissen Enttäuschung gemeldet, daß es trotz der vielen Sitzungen" noch nicht gelungen sei, zu einem provisorischen Handelsabk o m- m e n zu gelangen. Es wird, nachdem Fortschritte verzeichnet sind, neuerdings Samstag als voraus­sichtlicher Termin für den Abschluß der Verhand­lungen genannt. Wir erfahren dazu, daß das Reichskabinett allerdings bereit war, bestimm- ten französischen Wünschen entgegenzukommen, nämlich einer einseitigen Diskriminierung bestimm­ter französischer Einfuhrwaren auf beschränkte Zeit seine Zustimmung zu geben und auf die Festlegung eines Weinkontingents zu verzichten. Nachdem aber von französischer Seite neuerbings gefordert wor­den ist, daß für das auf einen längeren Zeitraum (bis nächstes Jahr) bemessene Provisorium auch vorzeitige Kündigung zugelassen werden soll, ist eine neue Situation entstanden, unter der die Gewährung der erwähnten Konzes­sionen deshalb nicht möglich ist, weil erfah­rungsgemäß für die Waren deutschen Einfuhrinter­esses, also nicht Stapelgüter, sondern z. B. Maschinen und öffentliche Einrichtungen, längere Fristen für den Geschäftsabschluß erforderlich sind, als z. B. für die Ausfuhr französischer Weine nach Deutsch­land. Die Situation ist also durch diese französische Forderung neuerdings unklar geworden, und es wird einer Abänderung dieser Forde­rung bedürfen, um die im übrigen weit fortge­schrittene Einigung zum Ziele gelangen zu lassen.

Kommunistisches Fiasko im Saargebiet.

Paris, 10. Aug. (WTB.) Der von der kommunistischen Partei proklamierte Streik aller Arbeiter im Saargebiet hat ein völliges Fiasko erlitten. Am Mittwoch, 10. August, folgten der kommunistischen General- streikparole nur die Belegschaft der GrubeVel­sen und ein Teil der Belegschaften der Gruben Dudweiler und Camphausen. Aus den übrigen Industriezweigen folgte überhaupt kaum ein Ar­beiter der Aufforderung zum Generalstreik. Am heutigen Nachmittag finb die Gewerkschaften mit dem Präsidenten der RegierungskornMission und dem Mitglied der Regierungskommission Kost- mann in Verhandlungen eingetreten.

Zweireichsdeutsche Kommunisten, die von der Reichsregierung strafrechtlich ver­folgt werden, sind von der Regierungskorn- mission des Saargebietes ausgewiesen wor­den, weil sie das Asylrecht in gröbster Weise mihbraucht und in unerhörter Form polit ische Agitation betrieben haben.

Dom Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold.

Magdeburg, 10. Aug. (WTB.) lieber die gestern abend hier abgehaltene Bundes­vorstandssitzung des Reichsbanners Schwarz-Rot-Golb wird vom Bundesvor­stand mitgeteilt:An der Bundesvorstandssihung nahmen alle Bundesvorstandsmitglieder aus den verschiedenen Parteien teil. Bundesvorsitzender H ö r s i n g gab einleitend einen lleberblia über die jüngsten Ereignisse. Er legte noch einmal die Gründe dar, die ihn bewogen haben, sein Qlmi als Oberpräsident niederzulegen. Er schilderte die Lage, aus der heraus er sich zu seinem so­genannten Wiener Aufruf berechtigt und ver­pflichtet fühlte. Er würdigte die gegen den Auf­ruf vorgebrachten Bedenken und versicherte, er habe sich überzeugt, daß der Austritt des Reichs­kanzlers Marx aus dem Reichsbanner der Schritt des Reichskanzlers und nicht der Schritt les Parteiführers gewesen ist. Hörsing erklärte, er werde an der überparteilichen Grund­lage des Reichsbanners nicht rütteln lassen. Das Reichsbanner dürfe nicht zum Anhängsel der in ihm vertretenen Parteien herabgedrückt werden. Er werde von sich aus alles tun. um auch bei dringenden Anlässen vor Erlaß wichtiger Kund­gebungen das Einverständnis aller Bundesvor­standsmitglieder einzuholen.

Als Wortführer der Kameraden der Zentrums- Partei sprachen Reichstagsabgeordneter Dr. Boh­ner, Major a. D. Hauff und für die Sozial­demokraten Höltermann und Krüger. Die eingehende, in kameradschaftlicher Form geführte Aussprache ergab, daß es keine unüberbrück- baren Meinungsverschiedenheiten im Reichsbanner gibt. Alle Redner wünschten die engste Fühlungnahme und ständige Verbundenheit in allen Organen des Bundes, um das Handeln des Reichs­banners jederzeit in Uebereinstimmung mit seiner Ueberparteilichkeit zu bringen. Don Kreisen, die dem Reichsbanner fremd ober feindlich gegenüberstehen, ist behauptet worden, die organisatorische Struktur des Reichsbanners bedinge ein Uebergewicht der So­zialdemokraten. An Hand einer Aufstellung über die Zusammensetzung der Gauvorstände wurde nachge­wiesen, daß Gaue, deren Mitglieder weit überwie­gend aus Sozialdemokraten bestehen, von Gauvor- ständen geführt werden, in denen Demokraten und Zentrum die Mehrheit besitzen. Es wurde festge­stellt, daß grundlegende organisatorische Aenderun- gen nicht notwendig sind, um die Ueberparteilichkeit der Führung zu sichern. In den Vorschlägen über die Herstellung engerer Verbindung zwischen den Bun- desvorstandsmitgliedern begegneten sich die Redner aller Parteien.

Mordversuch auf dem Pariser Sowjet-Konsulat

Paris, 10. Aug. (WB.) Eine Russin, die auf dem Sowjetkonf ulat tn Paris erschienen war, um ein Paßvisum nach ihrer Heimat zu verlangen, zog nach kurzer Diskussion einen Revolver und gab auf den Porti er

des Konsulats einen Schuß ab. Der Portier muhte in schwer verletztem Zustande nach dem Krankenhaus gebracht werden. Die Russin er­klärte dem Polizeilonmrissar, sie sei aufs Konsu­lat gekommen, um die erste beste Person, die stch ihr zeige, zu töten. Rach dieser Aussage war keine weitere Erklärung aus ihr herauszubekommen.

Coolidges Verzicht auf Wiederwahl

Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".

Berlin, 11. Aug. Die Erklärung, die der amerikanische Präsident C o o l i d g e vor einigen Tagen abgegeben hat, und wonach er bei der nächsten Wahl nicht kandidieren wird, hat zu vielen Kommentaren und Interpretationen Anlaß gegeben. In der Tat ist noch Zeit genug, um diesen Entschluß entweder zurückzunehmen, oder in einer keiner Deutung fähigen Form neuerdings kundzugebendenn die Präsidenten­wahl fiirdet'erst am 4. Rovember n. I. statt. Gerade deshalb schien es etwas auffällig, daß Coolidge schon jetzt mit einer Erklärung hervor- tcat. Man findet. aber die Erklärung dafür ziemlich leicht, wenn man diesen Schrttt des ame­rikanischen Präsidenten mit den jüngsten Genfer Ereignisfen in Zusammenhang bringt. Denn die neue Flottenabrüstungskonferenz war des Präsidenten eigenes Werk und ihr Scheitern fällt auf ihn und damit auf die republikanische Partei zurück, wenn auch das Ergebnis keineswegs zu Hngunften Ame­rika spricht, das aus steuerlichen Gründen zwei- sellos ehrlich eine Verminderung der Rüstungen anstrebte Dieser Mißerfolg summiert sich aber mit einer Reihe anderer: Mit dem Richtzustande- kommen des amerikanischen Beitritts zum Haager Internationalen Gerichtshof, für den Amerika eine Reihe von Vorbehalten gemacht hatte, die von den anderen Mächten nicht gebilligt wurden, mit den Schwierigkeiten der Farmer und mit dem Scheitern der amerikanischen Vermittlung zwischen Peru und Chile in dem Konflikt wegen Tacna-Arica.

Auch in bezug auf die FreigabebiU ist die Regierungspolitik Washingtons nicht gerade sehr glücklich, oder doch wenigstens sehr erfolgreich ge­wesen. Es mag deshalb fein, daß dem Präsidenten Coolidge aus den Reihen feiner eigenen Partei, der Republikaner, die ja gegenüber der verfassungsmä­ßigen Machtfülle des amerikanischen Präsidenten eigentlich das einzige Korrektiv bildet, Stimmen ent- gegengeklungen sind, die ihm die Aussicht seiner Kandidatur für das nächste Jahr nicht groß genug erscheinen lassen, um sich ihr bei allem persönlichen Prestige und bei der Wettschätzung seines Charak- ters, die zweifellos eine allgemeine ist, ohne weiteres aussetzen zu wollen. Aber es ist auch nicht ausge­schlossen, daß er mit seiner nicht ganz eindeutigen Aeußerung zunächst einen Meinungsstreit darüber provozieren wollte, ob er in der Tat inner­halb seiner eigenen Partei nicht mehr in dem Maße persona gratissima ist, wie das für die erfolgreiche Führung eines amerikanifchen Wahlfeldzugs Vor- ausfetzung ist. Und daß er demnach im weiteren Ver­lauf der Diskussion je na<6 seinen Chancen sich doch noch bewegen lassen würde, einem Ruf der Partei Folge $u leisten. Denn eine Persönlichkeit, die sich als Präsidentschaftskandidat von allen anderen ab­heben würde, scheint im Augenblick nicht zur Ver­fügung zu stehen. Unter den Republikanern kämen sowohl Hoover, wie General Dawes, der augenblickliche Vizepräsident, in Frage. Die Demo­kraten nennen den Gouverneur des Staates New york, Smith, dessen katholische Kcmfession aller­dings als eine Neuerung bei der Auswahl von Prä- sidentschaftskandidaten lebhafte Erörterungen bereits hervorrief und weiter Hervorrufen würde.

Der häusliche Streit in Rußland.

Moskau, 9. Aug. (WTB.) Das vereinigte Plenum des Zentralkomitees und der Zentral­kontrollkommission der kommunistischen Partei hat, obwohl es auf den Ausschluß Trotzkis und Sinowjews verzichtete, eine scharfe Resolution angenommen, in der der Opposition der Vorwurf gemacht wird, daß sie trotz der wachsenden Kriegsgefahr die Arbeit der Partei zur Verstärkung der Landes­verteidigung unterwühle Insbesondere nimmt das Plenum Anstoß an derfast defaitistischen Theorie Trotzkis, der 'unter Berufung auf das Beispiel Clömenceaus den Wechsel lei­tender Organe forderte, um sodann die Verteidi­gung zu organisieren. Wenn Trotzki und Sinow­jew im Interesse des Friedens innerhalb der Partei im Zentralkomitee belassen werden sollten, dann nur unter der Voraussetzung, daß sie sich von der Theorie Trotzkis lossagen und sich vor­behaltlos auf den Boden der Verteidigung der Sowjetunion stellen, alle Beziehungen zu der deutschen Gruppe Ruth Fischer-Ur- bahn abbrechen, sich von der Politik der Spal­tung der kommunistischen Partei lossagen und sich verpflichten, alle Beschlüsse der Partei und ihres Zentralkomitces zu erfüllen.

Die Entschließung weist nachdrücklich darauf hin, daß die Oppositionsführer diese Bedingun­gen erst angenommen haben, nachdem bereits die einstweilige Entschließung über den Aus­schluß Sinowjews und Trotzkis angenommen wurde. Das Plenum sei deshalb weit davon entfernt zu glauben, daß diese verspätete Annahme der Bedingungen ausreiche, um den notwendigen Frieden zu sichern. Angesichts der Erfahrungen mit der analogen Erklärung der Opposition im Jahre 1926 habe das Plenum keine Veranlassung, die Garantie dafür zu über­nehmen, daß die Schtttte der Opposition voll­kommen ausrichtig sind. In der Erklärung der Opposition, die von Trotzki, Sinowjew, Kamenow, Ralowski, Pjatakow, Smilja, Jewdokimow und noch sechs Oppositionellen unterzeichnet ist, heißt es, daß man der Berufung Trotzkis auf Clemen- ceau eine falsche Auslegung gegeben habe, die entschieden zurückgewiesen wird. Hinsichtlich der Beziehungen zur Gruppe Ruth FischerUrbahn erklärt die Opposition, daß es notwendig sei, der Schaffung einer neuen Partei in Deutschland vorzubeugen, und schlägt deshalb vor, der Gruppe die Rückkehr in die Komintern zu gestatten, wenn sie das Erscheinen ihres Presseorgans einstelle und sich allen Be­schlüssen der Komintern unterwerfe. 3m übrigen nehmen die Mitglieder der Opposition die ihnen auferlegten Bedingungen an und verpflichten sich, die Fraktionselemente zu liquidieren, auf die Spaltungsbestrebungen zu verzichten und samt- liche Beschlüsse der Partei zu erfüllen.

Moskau über die politische Weltlage.

Moskau, 10. Aua. (WTB.) Telegraphenagen­tur der Sowjetunion. Die vom vereinigten Plenum des Zentralkomitees und der Zentralkontroll­kommission der kommunistischen Internatio­nale nach einem Referat Bucharins angenom­mene Entschließung zur Internatio­nalen Lage stellt fest, daß die gegenwärtige Lage in erster Linie durch die überaus gespannten Be­ziehungen zwischen England und der Sowjet­union einerseits und die impettalistifch-militärische Intervention in China andererseits gekennzeichnet sei. Das System diplomatischer und militärischer Bündnisie gegen die Sowjetunion, das die Linie der sogenannten Einkreisung der Sowjetunion verfolgt, sei die bezeichnendste Erscheinung des gegenwärtigen Augenblicks. Die ideologische Vorbereitung für den Krieg gegen die Sowjetunion übernimmt neben der Bourgeoisie auch die internationale Sozialdemo­kratie neoft den ultralinken Renegaten des Kommu­nismus. Der Kriegsgefahr entgegenwirkende Fak­toren find neben dem Kampf der Arbeiterklasse gegen den Krieg die Interessengegensätze zwischen den ver- schiedenen kapitalistischen Mächten und kapitalistischen Gruppen innerhalb der einzelnen Länder. Hinsichtlich der Politik der Sowjetunion hebt die Ent­schließung hervor, daß sie vor allem Friedenspolitik treibe. In ihrem Kampf um den Frieden muß die Sowjetregierung auch wirtschaftlich zweckmäßige Be­ziehungen mit den kapitalistischen Staaten eingehen. Zugleich wird die Sowjetregierung mit allen Mitteln die Grundlage ihrer wirtschaftlichen und staatlichen Derfasiung vetteidigen.

Die Hinrichtung Saccos und vanzettis verschoben.

Boston, 10. Aug. (WB.) Oberrichter San­de r s o n hörte heute mittag die Einwände der Verteidiger Saccos unt> Vanzettis an, die gegen die Entscheidung, wonach ein Rechts­irrtum nicht vorliege, Einspruch erhoben. Sacco ist offenbar entschlossen, seinen bereits zwei Wo­chen währenden Hungerstreik bis zuletzt fort­zusetzen. Er hat auch heute abermals das Früh­stück zurückgewiesen, ebenso wie Vanzetti.

Sacco hat sich geweigert, die ihm von feinem Verteidiger im Gefängnis vorgelegte Ha­bens Cvrpus-Petition zu unterzeichnen. Vanzetti hat den Antrag unterzeichnet. Die Anwälte Saccos und Vanzettis hatten eine zweistündige Konferenz mit Richter Holme s. Die Richter wie die Anwälte lehn­ten jede Aeußerung über die Unterredung ab.

Boston. 10. Aug. (WTB. Funkspruch.) Die Beratungen im Staatshause endeten mit dem Beschluß, die Hinrichtung von Sacco und Danzettt zu verschieben.

Gegen Mitternacht gab Gouverneur Fuller dem Gefängnisvorsteher den Beschluß von dem Strafaufschub bekannt. Die Ge­fangenen nahmen die Nachricht von dem Straf­aufschub ohne Zeichen von Erregung entgegen. Rur D anzett i erklärte, er freue sich Sacco und Madeirvs erklärten, sie hätten nichts zu sagen.

Die Rachricht von dem Strafaufschick für Sacco und Vanzetti verbreitete sich mit großer Schnelligkeit. In weniger als einer halben Stunde nach der Bekanntgabe begann die Zurück- ziehungder schwer bewaffneten Po­lizei vorn Gefängnisgebäude.

Bombenexplofion in Basel.

Basel, 10. Aug. (WTB.) Heute nachmittag fand auf dem Marktplatz eine große Protest­kundgebung zugunsten Saccos und Van­zettis statt. Rach 8.30 Uhr wurde in dem Straßenbahn st ationsgebäude am Barfüßerplatz eine Bombe zur Explosion ge­bracht, durch welche fünfzehn bis zwanzig Personen zum Teil schwer verletzt wur­den. Einer der Verletzten dürfte kaum mit dem Leben davonkommen. Der Wartesaal und die Telephonkabine, in der die Bombe gelegt worden war, wurden vollständig zerstött. Don dem Täter fehlt bis zum Augenblick noch jede Spur.

Prozeß gegen französische Reservisten.

Paris, 10. Aug. (WB.) Dor dem Kriegs­gericht in Paris hat die Derhandlung gegen 10 Reservisten von Versailles vom 1. Pio- nier-Rogiment begonnen, gegen die Anklage wegen Gehorsamsverweigerung erhoben tourte. Rach |ber Havasagentur liegen dem Prozeß folgende Tatsachen zugrunde: Der Hauplange­schuldigte, der mit 64stündiger Verspätung vom Urlaub zurückgekehrt war Und diese Verspätung mit der Krankheit seiner Frau entschuldigte, war mit 15 Tagen Gefängnis bestraft worden. Diese Strafe schien feinen Kameraden zu hart und sie manifestierten daheö unter dem Gesang der Internationale in der Kaserne. Eine Anzahl von ihnen beschloß sogar, zum Exerzieren nicht in Ausrüstung zu erscheinen. Trotz der Vor­stellungen der llnterofsiziere weigerten sie sich, ihre Waffen mitzunehmen. Die erste Zeugen­vernehmung stimmte darin überein, daß die Soldaten gegen die allzu strenge und ungerecht­fertigte Bestrafung eines Kameraden protestieren wollten, während in der Anklage die Auffas­sung vertreten war, daß die Kundgebung nicht spontan erfolgte, sondern g?gen Vorgesetzten gerichtet war.

Kleine politische Nachrichten.

Der Magistrat der Stadt Potsdam hat gestern vormittag folgenden Beschluß gefaßt: Da die Flaggen-Rotverordnung vom 9. August 1927 in den gesetzmäßigen Formen bekanntgegeben wor­den ist, muß am diesjährigen Verfassungstage nach Anweisung der Regierung verfahren wer­den. Der Magistrat beschließt jedoch, zum Schutze des Selbstverwaltungsrechts die Entscheidung des Staatsgcrichtshofs anzurufen.

Am Dienstag gab der Leiter der Dienststelle der Marineleitung, Kapitän z. S. Geyer, den Offizieren des amerikanischen KreuzersDetroit" ein Essen. Gestern mittag fand im Hause Wedell in Hamburg ein vom Senat gegebenes^ Frühstück statt. Später folgte eine Fahrt nach Fnedrichs- ruh, wo die amerikanischen Gäste vom Fürsten Bismarck empfangen wurden. Donnerstag gibt Kommandant Burrage einen Empfang an Bord derDetroit. Abends folgen die Amerikaner einer Einladung des amerikanischen Klubs.

Der Danziger Eisenbahn-Delegierte hat bei der polnischen Eisenbahnverwaltung dringliche Vorstellungen dagegen erhoben, daß das pol­nische Eisenbahnministerium angeordnet hat, die am 1. August eingetretene Ermäßigung des deut­schen Gütertarifs für das Danziger Gebiet nicht zu übernehmen.

Der bevorstehende Transozeanflug.

Die letzten Maßnahmen in Dessau.

Berlin, 10.Aug. (WB.) Eine Berliner Korre­spondenz meldet aus Dessau: Die beiden Jun- kers-Ozeanmaschinen werden auf jeden Fall im Laufe des Donnerstags start- fähig sein. Beide tragen am Rumps die Namen Europa^' bzw.Bremen" und am Motorvorbau die Bezeichnung Junkers. Die dritte Maschine un­ternahm heute abend unter Führung''des Piloten Harder einen kurzen Probeftug. Es steht noch nicht fest, ob das britte Flugzeug lediglich mit Post oder mit einem Vertreter der deutschen Presse star­ten wird. Jrn ersteren Falle werden die drei Flug­zeuge gleichzeitig starten. Sollten sich Vertreter der deutsche^ Presse melden, bann wird die dritte Ma­schine etwa zehn bis zwölf Stunöen später auf- steigen.

Aus dem Referat des Meteorologen der Junkers- werke, G u t e z e i t, iiK Rahipen dc^ heutigen Pressebesprechung ist heroorzuheben, daß von mor­gen ab mehreremale täglich über die Entwicklung des Wetters auf dem Atlantik Bericht erftat- tet wird. Gutezeit betonte, daß im Juli und anfangs August die Wetterverhältnisse auf dem Atlantik am günstigsten seien. Die Route der Flugzeuge werde über Wolfenbüttel, Hannover, Teoeningen, Fastanetrock und Ipswich führen.

Könneckes Vorbereitungen.

Travemünde, 10. Aug. (WTB.) Um 11 Uhr vormittags erschien Könneckes Flugzeug wieder über dem Travemünder Flughafen und warf die Meldung ab, daß an Bord alles wohl fei. Den Probeflug führen Pilot K ö n n e tf e und fein Ozeanflugpassagier Graf Solms aus. Das Flug­zeug, das voraussichtlich den NamenGermania" erhalten wird, steht in ständigem funkentelegraphi- schen Wechselverkehr mit den Flughäfen Warne­münde und Hamburg-Fuhlsbüttel. Um 13.15 Uhr ist Könnecke mit seinem Ozeanflugzeug nach fast 19ftünbigem Flug glattgelandet. Der Motor und die weiteren Einttchtungen haben sich ausge­zeichnet bewährt.

Berlin, 10. Aug. (WTB.) Die Berliner Flughafengesellschaft teilt im Auftrag des Flie- gers Kon necke folgendes mit: Morgen Don­nerstag, den 11. August, zwischen 1 und 4 Uhr nachmittags, trifft der Amerikaflieger Könnecke in Begleitung seines Mitfliegers Grafen Solms mit seinem Caspar-Flugzeug D1145 auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof ein. Rach Erledigung feiner letzten Startvorbereitungen wird er am nächsten Tage. Freitag, den 12., nachmittags 4 Uhr, vom Flughafen Ber­lin-Tempelhof starten, um über Köln, wo er noch seine Benzinvorräte ergänzen wird, den Flug über den Ozean anzutreten. Das Ozeanflugzeug wird auf dem Flughafen zur Schau gestellt. Da dem Flieger von anderer Seite eine finanzielle Unterstützung nicht zuteil wurde, hat die Flughafendirektion sich in groß­zügiger Weife bereit erklärt, die gesamten Rein­einnahmen vom Donnerstag und Freitag Kön­necke zur Verfügung zu stellen. Als Eintritts­geld wird eine Mark erhoben.

Levine und Drouhin startbereit.

Paris, 11. Aug. (WTB. Funkspruch.) Levine und Drouhin haben alles für den Start der Miß Columbia" vorbereitet, da sich die Wet- terlage zu bessern scheine. Es verlautet, sie würden möglicherweise bereits m o r g e n aufsteigen. Eine Äußerung Levines läßt die Möglichkeit einer Lan­dung in Philadelphia und nicht, wie ursprüng. lich geplant, in Neuyork, zu.

Aus aller Welt.

Die gefährliche Löwe-Ballade.

Am Sonntag fang in Bad Ems der Dariwnist Geiße-Winkel vom Wiesbadener Staatstheater bei einem Konzert u. a. zweimal die BalladeFridericus Rer" von Löwe als Zugabe. Später verlangte die Befagnngsbehörde den Text der Ballade. Es wurde ihr die treffliche Antwort zuteil, daß dieses beliebte Lied in jeder Musikalienhandlung zu hohen sei.

Die Erfinder überlaufen die Coffericbireftion.

Gestern sind zahlreiche Erfinder bei der Generallotteriedirektion in Berlin gewesen, um sie für ihre Ziehungs-Maschinerien zu inter­essieren. Obwohl noch die Prüfung der Modelle vorgenommen werden muß, ist es wahrscheinlich, daß schon die nächste Ziehung der Preußisch- Süddeutschen Klassenlotferie im Oktober auf ma­schinellem Wege erfolgt.

Spinale Kinderlähmung in Halle.

In Halle (Saale) sind 29 Fälle von spinaler Kinder­lähmung bekannt geworden. Die meisten erkrankten Kinder befinden sich im Alter von ein bis sechs Jah­ren. Von maßgebender Seite wird versichett, daß kein Grund zur Beunruhigung vorliege. Das An­wachsen der Krankheit erkläre sich aus der stärkeren Empfänglichkeit in den Sommermonaten.

Blitzschläge in eine Infanteriekolonne.

Wie aus Krakau gemeldet wivd, überraschte gestern ein starkes Unwetter ein Bataillon des 16. polnischen Jnfantetteregiments. Als die Soldaten in einen Wald einmarschierten, schlugen plötzlich meh­rere Blitze kurz hintereinander in die Truppe ein, wobei 45 Soldaten schwer verletzt wurden.

Leun Menschen durch Erdrutsch getötet.

Aus Budapest wird gemeldet: In der Ortschaft Regöly erfolgte ein Erdrutsch. Drei Ziaeunerfami- lien von zusammen neun Personen, Die in Aus­höhlungen des sandigen Ufers wohnten, wurden dabei verschüttet und konnten nur als Leichen ge­borgen werden.

Wettervoraussage.

Zeitweise wechselnd wolkig, auch aufheiternd, Temperaturen schwankend außer Steigung zu Gewitterstörungen mit Gewitterregen, trocken. Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 25,9 Grad Celsius, Minimum 13,6 Grad Celsius. Riederschläge: 9,0 Millimeter. Sonnenscheindauer 61/4 Stunden. Heutige Morgentemperatur: 18,2 Grad Celsius Witterungsaussichten fürSamS- tag: 3m allgemeinen keine wesentliche Aenderung der Wetterlage

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