auf weitere 100 Mark. Der Dcmelnderechner erhält nun 500 Mark gegen seither 574 Mark, der Polizeidiener 300 Mark gegen 334 Mari, der Flurschütz 180 Mark gegen 204 Mark. Die Neufestsetzung entspricht einer Gehaltskürzung um rund 121 2 Prozent und tritt mit dem 1. April dieses Jahres in Kraft. — Die Folgen der schlechtenKartoffelernte des Vorjahres machen sich an den steigenden Preisen bemerkbar. Seit Beginn des Jahres ist der Preis für den Zentner Speisekartoffeln um 1.50 Marl gestiegen. Für gelbfleischige Eßkartosfeln werden eben 6.25 Mark geboten, Wirtschaftskartoffeln, wie Hafsia und Pepo, kosten 5 Mark. Wie man hört, werden letztere hauptsächlich nach den Hafenstädten verfrachtet. Sehr im Preise gestiegen ist auch Kartoffelsaatgut; je nach Sorte und Absaat kostet der Zentner 8 bis 9 Mark. Die Nachfrage ist um deswillen so groß, weil die vorjährige Ernte wegen Grind- und Schorfbefall nur teilweise zum Nachbau geeignet ist.
Kreis Schotten.
□ Saubach. 12. März. Gestern fand die letzte Nutz- und Brennholzversteigerung der Gemeinde statt. Die Preise hielten sich auf der bisherigen Höhe. Es kam der Am. Duchenscheiter auf 11 bis 12 Mk.. Knüppel 8 bis 9 Mk., Stöcke 5 bis 6 Mk.. Reisig 1 Mk., Eichen-Derbstangen das Stück 1 bis 1,20 Mk. — Die Zusahleitung der st ä d t i s ch e n W a s - serleitung im Tal der „Schällenbach" (zwischen Laubach und Freienseen) ist Mitte dieser Woche fertiggestellt worden. Während das Rohr der alten Leitung nur 10 Zentimeter lichte Weite hat, mißt das neue Dohr 15 Zentimeter. Beide Rohre, die parallel nebeneinander laufen, liefern in der Stunde 3000 Liter Wasser. — Seit Anfang dieser Woche streichen die Schnepfen hier ziemlich lebhaft. Es sind bereits einige zur Strecke gebracht worden. Man trifft auch bereits Iung- Hasen von 20 bis 25 Zentimeter Länge an. 3n den hiesigen Waldungen sind wieder Fasanen ausgesetzt worden. Sie waren hier früher gut vertreten, sind aber seit etwa 1' 2 Jahrzehnten verschwunden. — Die Verpachtung der gräflichen Aecker ergab einen Durchschnittspreis von 35 M k. f ü t den Morgen. Es ist außerdem eine Entschädigung für die mit Winterfrucht bestellten Aecker zu zahlen.
Preußen.
Preußische Gewerbecrtragssteuererllüruna im April.
Wie der Hansa-Bund aus dem Preußischen Finanzministerium erfährt, ist im April voraussichtlich (bis zum 23. April) die Gewerbeertrag- fleuererflärung in Preußen für das Rechnungsjahr 1927/28 abzugeben, und zwar unter Berücksichtigung des neuen Gewerbesteuergesetzes. Als Grundlage für die Besteuerung dient die Bilanz 1926 bzw. 1925/26. Die Veranlagung zur Ge- werbeertragsteuer soll unabhängig von der Durchführung der Veranlagung zur Einkommensteuer für 1926 durchgeführt werden. Selbstverständlich wird denjenigen Steuerpflichtigen, die eine Fristverlängerung für die Abgabe der Einkommen- und Körperschaftssteuererklärung für 1926 erhalten haben, auch eine entsprechende Fristverlängerung für die Abgabe der Gewerbeertrag- fteuererfiärung bewilligt werden. Ein entsprechender Ministerialerlaß für die Gewerbeertragsteuere rklärung wird demnächst erscheinen.
Kreis Wetzlar.
WSN. Wetzlar. 13.März Bei Lahn- regulierungsacbeiten in unmittelbarer Nähe der Stabt fand man, etwa 2 Meter unter dem Wiesenboden, Uferbefestigungen, sog. Buhnen, die auf ein Alter von mehreren • Jahrhunderten hindeuten.
WSN. Hochelheim, 12. März. Ein hie- l siger Landwirt ist im Begriff, sich eine Seiden r aupenzucht zuzulegen. Eine Hecken- ' cmlage von Maulbeerbäumen ist im Entstehen be- v griffen, in der die Besetzung mit Seidenraupen im Frühjahr folgen soll.
WSN. Kraftsolms, 13. März. Gestern abend starb hier der 70jährige Kolonialwaren- Händler Pauli an den Folgen der G r i p p e. Seine gleichaltrige Gattin wurde heute früh vom Tode ereilt. So sind die beiden alten Leute auch auf ihrem letzten Wege vereint.
Kreis Usingen.
WSN. Weilmünster. 12. März. Am 22. März wird auf der Strecke Weilmünster Ufingen eine Kraftpost eingerichtet. Eie berührt die Orte Weilmünster, Audenschmiede. Emmershausen, Rod a. d. Weil. Neuweilnau. Land- stein Mühle, Merzhausen und Usingen. Der Fahrpreis beträgt 10 Pfg. für eine Person und einen Kilometer.
Maingau.
WSN. Frankfurt a. M., 12. März. Ein hiesiger Kaufmann hatte bei einem Homburger Automobilgeschäft ein Akzept in Zah lung gegeben. Kurz vor Fälligwerden des Wechsels stellte es sich heraus, daß der Name des Akzcv- tanten gefälscht war. Gegen den Täter wurde Strafanzeige erstattet. Er hat den Betrug bereits eingestanden. - Die hiesige Kriminalpolizei hat einen 47jährigen Heirat s- s ch w i n d l e r. den Schlosser Frank Graulich, fest genommen. Graulich hat mit Mädchen in guter Stellung Verhältnisse angeknüpft und sich mit ihnen verlobt. Unter Heiratsveriprechun- gen schwindelte er feinen Opfern dann erhebliche Summen ab. Um mit feinen verschiedenen Bräuten nicht in Konflikt zu kommen, erschwindelte er von einer Verlobten das Reisegeld nach Amerika, wohin er dieselbe zwecks Heirat nachkommen lassen wollte. Kurz vor seiner Abreise ins Ausland konnte er festgenommen werden. — Ein unbekannter Mann, angeblich Hans Wörner. verkauft, wie er vorgibt, im Auftrage der Stadt Frankfurt und des Vaterländischen Frauenvereins Stopfgarne usw., um Mittel für ein Barackenlager zu sammeln, das zur Unterbringung von aus Polen ausgewiesenen Deutschen dienen soll und sich in schlechtem Zustande befinde. Die Sammlung ist Schwindel.
Millionen-Sprit'chiebungen am Rhein.
WSN. Frankfurt a. M.. 12. März. Wie wir erfahren, find in Oppenheim am Rhein und Mainz enorme Spritfchiebungen einer der größten deutschen Spritfirmen aufgedeckt worden. Ueber 20 Waggon hochwertigen Branntweins waren als minderwertiger, sogen, stichiger Wcin deklariert worden. Es handelt sich um die Verschiebung von Millionenbeträgen.
Neuer Dolkspark in Frankfurt.
WSN. Frankfurt a. M.. 13. März. Der Magistrat hat der Stadtverordnetenversammlung eine Vorlage über die Verwertung der von der Stadt erworbenen Stumpf-Br en tano- schen Liegenschaft in Rödelheim zu- gehen lassen. Cs ist beabsichtigt, den Park in seinem ganzen Umfang als DolksPark aus- zunuhen und dabei die durch die Niddaregu- lierung in Wegfall kommenden Strandbäder Rödelheim und Hausen hier in vergrößertem Maß wieder anzulegen. Das N i d d a b e 11 wird den Park kanalartig durchqueren und das Landschaftsbild stark beeinflussen. Es ist im östlichenTeil des Parkes eine Erweiterung des Flußbettes zu einer 2,43 Hektar großen Wasserfläche in Aussicht genommen, die an geeigneten Stellen ein flaches Ufer und eine durchschnittliche Tiefe von 1,25 Meter erhält und teilweise mit einer Tiefe von 1,60 Meter als Schwimmbad hergerichtet wird, fo daß eine allen Erfordernissen Rechnung tragende größere öffentliche Badeanlage gewonnen wird. Weiter wird eine östlich deS Parkes gelegene, zum Stumpf- Brentanoschen Besitz gehörende Wiesenfläche in den Park einbezogen. Später wird hier ein Kanal, der den Grüngürtel der Niddaniederung durchziehen soll, in den Parkweiher einmünden; er soll dazu dienen, Frischwasser, welches im Laufe des Kanals auf Luftwärme temperiert wird, aus der oberen Nidda dem Badeteich unmittelbar zuzuführen. Die ehemalige Parkgärtnerei in der Nähe des Mühlengrabcns soll als Schulgarten für die Rödelheimer Schulen und zugleich als botanischer Lehrgarten mit halböffentlichem Charakter dienen. Die gesamten Arbeiten sollen als Notstandsarbeiten durchgeführt werden. Eine entsprechende Vorlage ist dem Stadtparlament zugegangen.
Der neue Fernsprechtarif.
Die wichtigsten Merkmale des neuen Fernsprechtarifs. der am 1. Mai 1927 in Kraft treten soll, sind: Die Wiedereinführung einer Grundgebühr für die Hauptanschlüsse, die Festsetzung einer einheitlichen Or.sgesprächsgebühr für al.'e Teilnehmer, die Ermäßigung von Ferngesprächsgebühren und eine Rnye anderer Erleichterungen für die Teilnehmer.
Die Grundgebühr beträgt für jeden Hauptanschluß in Ortsnetzm mit Hauptanschlüssen 1 bis 50 monatlich 3 Mark; 51 bis 100 4 Mark; 101 bis 200 5 Mark; 201 bis 500 6 Mk.: 501 vis 1000 6,50 Mk.; 1001 bis 5000 7 Mark.
Die Ortsgespräche gebühr beträgt einheitlich für alle Teilnehmer und für öffentliche Sprechstellen 10 Psg. Die Zahl der Pflichtgespräche, d. h. d.r Gespräche, für die mindestens im Monat Gesprächsgebühren zu entrichten sind, beträgt für jeden Hauptanschluß in Ortsnetzen mit 1 bis 50 Hauptanschlüssen 20, in Ortsnetzen mit 51 bis 1000 Hauptanschlüssen 30, und in den übrigen Netzen 40 Gespräche. Für Anschlüsse, die nach ihrer Schaltung vorn Teilnehmer nicht zur Anmeldung von Ortsgesprächen benutzt werden können, sind keine Pflichtgespräche zu bezahlen. Ebenso wird bei Teilnehmern. die ihren Anschluß nach vorheriger Ankündigung längere Zeit nicht benutzen, für volle in die Zeit der Nichtbenuyung fallende Ka- lendermonate auf die De ahlung von Pflicht- gesprächen verzichtet. Teilnehmer mit mehreren Hauptanschlüssen brauchen nicht für jeden einzelnen der in einer Nebenstellenanlage vereinigten und nach derl.lbrn Vermittlungsstelle führenden Hauptanschlüsse die Pflichtgespräche besonders aufzubringen, sondern sie müssen nur insgesamt mindestens so viel Gespräch2 monatlich bezahlen, wie Pflichtgespräche auf alle Anschlüsse zusammen entfallen.
Die Ferngesprächgebühren betragen für gewöhnliche Dreimi. u engespräche auf Entfernungen von 5 bis 15 Kilometer 30 Pfg., von 15 bis 25 40 Pfg., bisher 45 Pfg.; von 25 bis 50 70 Pfg., bisher 90 Psg.; von 50 bis 75 90 Pfg. bisher 120 Psg.; von 75 bis 100 120 Pfg; über 100 Kilometer für je 100 Kilometer 30 Pfg. mehr. Gepräche bis zu 5 Kilometer gelten künftig als Ortsgespräche.
Bei Gesprächen von längerer Dauer als drei Minuten wird die überschießende Gesprächszeit allgemein nach einzelnen Minuten berechnet und für jede volle oder angefangene Minute ein Drittel der obenstehenden Sätze erhoben. Bisher wucde diese Berechnungsweise nur bei Gesprächen auf Entfernungen über 100 Kilometer angewandt.
Für Ferngespräche, die in der verkehrsschwachen Z it zwischen 7 Uhr abends und 8 Uhr morgens ausgeführt werden, ermäßigen sich die Gebühren auf zwei Drittel der Sähe für Tagesgesprä e. Werden Gespräche, die vor 7 Uhr abends oder 8 Uhr morgens begonnen haben, über diesen Zeitpunkt hinaus fortgesetzt, so werden die Gebühren nach den Sähen für die Verkehrszeit berechnet, in der das Gespräch begonnen hat.
Für dringende Gespräche wird, wie bisher, das Dreifache der für gewöhnliche Gespräche geltenden Gebühren erhoben, für Blitzgespräche das Zehnfache statt bisher das Dreißigfache.
Eine wichtige Aenderung in der Berechnung der Gesprächsgebühren tritt für öffentliche Sprech st el le n in Orten ohne Vermittlungsstelle ein. Bei diesen öffentlichen Sprechstellen rechnen die Entfernungen im Fernverkehr jetzt von der öffentlichen Sprechstelle ab, während diese Entfernung für Teilnehmer, die in demselben Orte wohnen, von ihrem Fernamt Sprechstellen die Entfernung von dem Fernamt ab rechnet. Künftig wird auch bei öffentlichen gerechnet, in dessen Bereich sie legen.
Von den übrigen Gebührenermäßigungen ist noch besonders zu erwähnen: Die Ermäßigung der Sondergebühr für XP-, V- und ds-Gespräche auf 40 Pfg., bei Entfernungen bis 100 Kilometer und auf 50 Pfg. bei Entfernungen von 100 bis 200 Kilometer, der Wegfall der Sondergebühr von 15 Pfg. für eine Reihe von Nebenleistungen im Fernverkehr und die Ermäßigung der festen Sätze der Einrichtungsgebühren mit Ausnahme
pen her, goldene Durchstäubung schoß und aufwärts rückte, dem Lichte nach.
Der 2lbend fand unS am Meer, an der einsamen Uferpromenade, die von der Porta Felice nach der Villa Giulia führt. Ueber dem Wasser schwebte der Vollmond, ein ferner Leuchtturm warf seine wechselnden Lichter.
Nördlich von Palermo. am Ende der Tonca d'Oro, zwischen dem Monte Pellegrino und den steilen Abstürzen des Cap Gallo, liegt in flacher Bucht das Seebad Mondello. Dorthin fuhren wir am folgenden Nachmittag, nicht, ohne uns in den ©arten der Favorita aufzuhalten. So reich der Baumwuchs dieser endlosen Anlagen ist, die sich mich dem ewig schönen Pellegriiw hinüberziehen, so lockend mit dichten, grünen Schatten diese Wipfel von Orangen, von Steineichen. von Lorbeer- und Pfefferbäumen, von Eukalyptus und Zypressen locken, wenn die grellste Last des Lichtes auf dec kahlen Flanke des Berges ruht: schön ist es hier nur. im Frühling zu wandeln, wenn gütige Regen den Staub der Wege und Pfade noch gebunden halten -und der Rasen von Veilchen. von Ranunkeln, Anemonen und Narzissen blüht Lenkt man die Schritte hierher an brennenden Som.nernachmit» tagen, so erweist sich von ferne lockender Schatten als triigerisch. Die Glut der siedenden Bläue prasselt durch alles Blattgewölbe nieder, und das Gefühl, mitten durch unerbittliches Feuer zu schreiten, wächst mit der Erkenntnis von der Ohnmacht des Grüns. Unerhört bleibt aber, gerade an solchen Nachmittagen, der Anblick deS westlichen Pellegrinoabhanges. Dieses kahle Gestein. über dem immer ein Spiel von Rosa. Lila und Silber knistert, erscheint wie von inneren Lohen erhitzt, die in jeder Sekunde ausbrechen lönneiL Der Fuß, muh man glauben, der daran rührt, wird im selben Augenblick vergehen, die Wange wird zerfallen, wenn sie von solcher Glut
des SatzeS von 80 Mark für ehren Hauptanschluß.
Amtsgericht Gießen.
* Gießen, 8. März. Ende Januar o. I. war auf der Liebigshöhe dahier ein Maskenball. Ms gegen 12 Uhr nachts eine Verwandte des Wins in ihr im Mansardenstock gelegenes Zimmer gehen wollte, um dort etwas zu holen, war dieses geschlossen und wurde trotz Klopfens nicht geöffnet Auf die Nachricht hiervon eilten der Sohn des Wirtes und kurzer Zeit darauf auch dieser, selbst nach oben, konnten die Tür aber ebenfalls nicht öffnen. Sie legten daher, da sie $um gewaltsamen Deffnen keine Zeit hatten, den Hofhund vor die Tür, damit auf diesem Wege niemand entweichen könne, ^unb ließen erst am Morgen die Tür durch einen Schlosser öffnen. Dabei stellte es sich heraus, daß die Türe von innen verschloßen und verriegelt war, und daß eine goldene Damenuhr, in deren Deckel der Name der Eigentümerin eingraviert ist, fehlte. Wer diese mitgenommen hatte, war zunächst nicht festzustellen. Etwa 2 Monate später stellte sich jedoch heraus, daß ein Reichswehrsoldat, der in Zivil den Maskenball besucht hatte, im Besitz der Uhr war. Er behauptete, ein Mädchen, das er auf dem Ball kennengelernt habe, dessen Name er jedoch nicht wiße, habe ihn an jenew Abend in das Zirnemr des Mansardenstockes mitgenommen. Sie hätten eine spätere nochmalige Zusammenkunft verabredet, und er habe sich als Pfand dafür, daß das Mädchen auch tatsächlich kommen werde, die Damenuhr von ihr geben lasten. Als plötzlich jemand die Treppe heraufgekommen sei, sei er durch das Fenster auf das Dach aefprungen und von da aus an einen dort stehenden Baum fjerunlerge- klettert. Wo das Mädchen hingekommen sei, wisse er nicht. Das Gericht hielt es für ausgeschlossen, daß das Mädchen, wenn es überhaupt in dem Zimmer gewesen fein sollte, auf demselben Wege wie der Soldat in den Hof gekommen fein kann. Offenbar hat letzterer erst nach ihm das Zimmer, das er vorher verriegelt und verschlossen hat. verlassen. Da die Angaben des Soldaten nicht zu widerlegen waren, konnte er wegen Diebstahls nicht verurteilt werden. Dagegen gewann das Gericht mit Rücksicht darauf, daß er nicht das mindeste getan hat. um die Uhr wieder zuruckzugeben, obwohl der Rome der Eigentümerin in den Deckel eingraoiert ist, und obwohl er von dritter Seite dazu ausgefordert worden war, die Ueberzeugung, daß er nachträglich den Entschluß gefaßt hat, sich den Besitz der Uhr zu erhalten und sie sich anzueignen, und verurteilte ihn deshalb wegen Unterschlagung zu einer Gefängnis st rafe von 4 Wochen. Bemerkt sei noch, daß das Mädchen, von dem er die Uhr erhalten haben wollte, nicht die Eigentümerin, auch nicht die Verwandte des Wirts oder dessen Angestellte war, wie der Soldat selbst zugab.
• Gießen, 10. März. Eie Kaufmann von K l e i n . L i n d e n hat den bärtigen Bürgermeister wegen Beleidigung verklagt, weil dieser geäußert haben sollte, der Kaufmann wolle ihn vom Amt bringen, es fänden geheime Sitzungen in feinem Hause statt mit einem früheren Gemeinderatsmit- glich, der Kaufmann mache Kipve mit diesem Sozialdemokraten gegen ihn, er, der Bürgermeister, möge sich mit dem Kaufmann nicht mehr zusammen auf die Kirchenbank fegen, der Tao der Abrechnung und der Rache werde kommen. In der Hauot- Verhandlung wurde sestgeftellt, daß die Parteien bei einer früheren Bürgermeisterwahl Gegenkandidaten gewesen find, und daß der Ka fmann auch nach Abschluß der Wahl Gegner des Bürgermeisters geblieben ift Da beide Teile dem Kirchenvorstand angehören, und da der Bürgermeister der Meinung war, daß der Kaufmann in einer anderen Sache gegen ihn arbeite, teilte er dem Pfarrer als Vorsitzenden des Kirchenoorstandes mit, er wolle in der nächsten Sitzung die Sache zur Sprache bringen. Gleichzeitig trug er ihm die ganze Sache vor, damit er unterrichtet wäre. Weder der Pfarrer noch der Kirchendiener, der die Unterredung zufällig mit anhörten, waren der Meinung, daß der Bür« germeifter hierbei die Absicht hatte, den Kaufmann zu beleidigen. Sie bekunden vielmehr überelnjtlm» inenb, daß der Bürgermeister die ganze Ange- legenheit durchaus ruhig und fachlich behandelt Hobe. Von „geheimen Sitzungen', „Kipvemachen mit diesem Sozialdemokraten' und „Rache' sei nicht die Rede gewesen. Das Gericht war hiernach der
gestreift wird... Aber da- Auge, beruhigt am schwarzen Grün zweier Zypressenfäulen, in deren Mitte das Bild deS gleißenden Berges bin- gebannt ist, kann sich nicht lösen aus fast fanatischer Schau: so sehr zwingt uns alle da« Licht, das weiße Feuer, in Dem sich die letzte Schlacke der Erde läutert Dann aber, o zwiefach süße Brise der blauen Meeresbucht von Mondello, o kühle, nahe Irdischkeit von Flut und fetbnem Sand, in dem der Fuß bis an die Knöchel einsinkt l Nur wenig Badende sanden wir vor. Halb verlassen war der Strand, an dem wir uns niederließen, die Blicke versenkend In der blauen Seligkeit, die sich in goldenem Halbrund vor unseren Füßen dehnte und ferne mit dem Niedcrstieg opalenen ActherS zerfloß. Wir hatten am Vormittag die Kaisergräber gesehen. So oft ich noch im Dorne von Palermo vor den schweren Porphyrsarkophagen stand, in denen Roger II., seine Tochter Konstanze. ihr Gatte Heinrich VI. und ihr Sohn, der große Friedrich II. zur Ruhe gebettet wurden, stieg mir daS Schicksal dieser kaiserlichen Frau empor und ließ mich lange nicht mehr los. So erging cS mir auch nun wieder - und die Seele, die ewig-gestaltende. daS spärliche Wissen um die Kaiserin, das unS überliefert ist. in hundert Bezüge und Deutungsmöglichkeiten tauchend, versuchte das ergreifende Bildnis zu formen, das durch die Jahrhunderte ruft. Langsam und mühevoll wuchs es empor aus abenddurchdämmcrter Luft und entkbttxmb mir schließlich wieder über verglühende Gipfel, als unä die Nacht, die laue, süße, seidne. aus tausendfach gemischtem Deilchendunkd auf stummer Heimfahrt fand. 3n grauem, feierlichem Hauch verlosch das letzte Licht hinter fd)tixir»en Säumen, aus frühen Nefpelbäumen schlug betörend Weihrauch an die Lippe...
0 zweites Vaterland wie viele deutsche Schmerzen gingen in dir schlafen..
Gedantens. über unsere Lippe in die weitertragende Luft tritt, ist ganz und unbedingt, was wir selber sind. So nun war dieser fremde Mensch, der am Geländer in mich sprach, ein unaussprechlicher Gesang von allen Dingen, die das Leben sehnsüchtig und dunkel machen, schön und traurig, auch in feinen Erfüllungen, und eben in diesen... Ich lauschte, lauschte, hingegeben wie lange an nichts Irdisches mehr... Was sagte er denn? Sein Leben, seine Lust, sein unersättliches Genießen der Welt... Und warum mir? Und warum so, als seien wir uns nur wieder begegnet, wir. die sich nie zuvor gesehen hatten, sich vielleicht nie mehr später sehen würden? Die Nacht wuchs um uns auf, über dem Entschlummerisein der äußeren, groß und sonderbar, eine Nacht von unerhörter süßer Traurigkeit. Da waren alle Antworten Der „anderen", der nie erreichbaren Gestade, ein einziges Mal herangetragen von unausdeutbaren Göttern, da war seiend, daS, was niemals ist, da war. in einer fremden Stimme, alle Vereinigung, um die Menschen vergebens leiden, solange es Menschen gibt. Und schließlich wurde diese Stimme müde an sich selbst und starb, ein stürzender Stern, im Niegewesenen.
Korallenrosa, im brand- und rostroten Ring der Berge, lagen die Häuser Palermos, als das Schiff gegen die Mole lief. Und die Sonne glühte auf den Hafensteigen, als wir an Land gingen.
Wir verbrachten den Nachmittag in Mvnre- ale, sahen die goldne Lohe der Mosaiken im Dom. ließen uns umfangen von dem dunkel durchsonnten Traum des KreuzganzeS, der von dem alten Benediktinerkloster übrig blieb, und verweilten lange an der Rampe des unvergleichlichen Maucrgartens, der sich nur selten dem Fremden öffnet. Er weist nach Süden, gegen die kleine Stadt Parco, die sich jenseits des Oretoflusses in das kupferne Braun der Berg
halden schmiegt, und gewährt dem trinkenden Auge das Versinken in den unendlichen Orangen» und Limonenhainen, die sich an den Hängen aus und niederziehen. Wendet der Blick sich nach links, so ruht er über den zusammengedrängten Häuserfluchten von Palermo, die in das kornblumenblaue Meer hinüberlaufen. eine leuchtende Fläche in die andere. 3m Rucken des Schauenden aber blühen die Rosenbüsche, die Nelken, die Trompetenblumen mit ihrem verwirrenden Arom. und, Beet an Beet, die rötlichen Lilien mit ihrem spitzen, übersüßen Hauch, der an den Duft alten Räucherwerkes erinnert und doch den Geruch feuchter Erde bewahrt hat. Der Wind, der von den Billiemibergen niederstreicht, nun, um die Stunde, wo sich der Nachmittag den ersten Werbungen deS Abends hingibt. treibt den vermengten Atem aller Blüten von rückwärts an unseren Schläfen vorbei und läßt ihn über die Mauerbrüstung niederwehen, hinunter auf die Feldwege und Landstraßen, die sich im feuchter durchhauchten Lichte durch viele Gärten talwärts winden... Wie tief auch die Kunst Palermos den Geist und die Sinne ergreift: heimlicher, innerlicher ergreift unser Herz die Seele der Landschaft, welche dieser Stadt den Rahmen gibt. Nein: die Stadt ist nur daS aus der Seele dieser Landschaft in sie zurückgeborene Kind: sie Ist nur die Frucht, die im Schoß der „Goldenen Schale" reifte.
MS wir sahen, wie ein blasser Rosen-Anhauch über das Meer fuhr, wie die Schatten an den Bergen in unserem Rücken, nachdunkelndes Indigo, aufwärts wuchsen, verließen wir den Klostergarten und ließen den Wagen die Richtung von Baccadifalco nehmen. Kurz hinter diesem Dorf, auf der nach Baida führenden Straße, erwarteten wir das Scheiden des Lichtes, tiefer und tiefer untertauchend in blauer Verzauberung, durch die. von letzten sonnigen Kup
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