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Nr. 61 Zweites Blaff

Römischer Brief.

Don unserem römischen L.-Korrespondenten.

Rom. Milte März.

Die in unserer aufgeklärten Zeit «ine haupt­städtische Polizei dazu kommen kann, da- Abrcß- buch adzudrucken baÄ will ich erzählen. Schuld daran ist natürlich die Teuerung, an der die Valuta schuld ist, die eine Folge des Nachkriegs ist usw. Wir wollen nicht bis auf die Arche Noah zurückgreifen. Die Teuerung kann jedenfalls von keinem 2 hei st m weggestritten werden und sogar die Polizei hat das eigentlich verbotene VoUSgemurmel vernomm in. W.nn d?.s Volk mur­melt, so ist entweder da- Bier schlecht in München oder etwas faul im Staate Dänemark oder der Wein gewässert in Italien. Das kann Mussolini nicht mit anfei)en. ®r selber ist zwar Abstinenzler, trinkt aber lei­denschaftlich gern Milch, und die Milch, perbacco, die ist auch verwässert! Lind das Mehl über die gesetzliche Vorschrift hinaus geftredt, mit gerie- oener Kokosnußschale und ähnlichen appetitanre­genden Mitteln, die Spaghetti sind mit Anilin­farben gefärbt, die Butter mit Margarine ver­mengt, der Kaffee direkt geschändet und ich must leider schon wieder ein Mndsoweiter setzen. Ha, sagte sich da der Duce, ich will meinem Volke zeigen, wer ich bin! lind befahl der Polizei einzugreifem Mil Strafen, die nichts halsen. Mit Pranger, mit Konzessionsentziehung, mit 01a- menSverösfentlic.ung in der Zeitung. Ja. und da ergab sich die "Notwendigkeit, Spalten über Spalten täglich mit Ländernamen zu füllen, das Adreßbuch der Händler und Wirte, so sieht es aus, einfach abzuschreiben. Wir warten nun auf die Wirkung.

Die Hausbesitzer haben mitgeholfen, den Zorn der Menge zu entfachen, denn sie erhöhten die Mietpreise. Mm di.se Neuerung zu verstehen, must man Vergleiche zu Hilfe ziehen. In Oester- reich hat bekanntlich der hochwohlrötliche Nat da- Wohnproblem gelöst, indem er einfach die Mieter von jeder Zahlpslicht freisprach, um ihnen die Möglichkeit zu geben, für das Geld, das der unglückliche Bürger in altmodischen Staaten für seine vier Wände hinlegen must, ein Mokor- radl zu laufen oder in die Sommerfrische zu gehen. In Deutschland ist man schon einen Schritt zurückgegangen. Dort must der Mieter zwar zahlen, doch darf der Hausbesitzer keinen Fust in sein Eigentum setzen. Denn ein Hau« ist Besitz und Besitz ist eine Unanständigkeit. Daher haben die Herrschaften, die sich auf die Konjunktur ver­standen, und an ihr rundlich wurden, den gefähr­lichsten DazilluS im sozialen Staat entdeckt, das schädlichste Ungeziefer, denBesitzbürger", und folgend) ig das Wchnproblem gelöst, indem sie Planetarien bauen, Sportpaläste und dergleichen, nur keine Wohnungen. Wohnen nicht auch in Düditalien zehn und zwan,ig Personen in einem einzigen Zimmer? Darauf hat Italien, rüclständig und inferior, wie es nun einmal ist. das Wohn­problem gelöst, indem es Wohnungen baute. Spießbürgerlich, was? Mnd nun haben wir die Bescherung: überall stehen Wohnungen leerl Die Mieter mit ihren allen billigen Verträgen lockte daS gar nicht, so ein modernes teures Dach. Dar­auf hob Mussolini den Mieterschutz auf. Jetzt pastten sich die Hausbesitzer der Teuerung an und forderten mehr als fünfmal so viel wie vor dem Kriege, die Neubaubesitzer gar wollten ihre Wohnungen nur verkaufen nicht vermieten. Nun berufen sich die Faszisten wieder auf die gehobene Valuta und schmettern den .Hausbriganlen' zu, sie betrieben einenverbrecherischen Defaitis­mus". Die Polizei müsse einschreiten. Wir warten nun auf die Wirkung.

Fremde, die sich ab und zu in Nom ein­stellen. fliegen eine Gänsehaut beim Betrachten der Schaufenster, und Einheimische gibt es. die sich von ihrer Schweizerreise oder ihrer Deutsch­landfahrt Brotbehälter. Kaffeemühlen, Leder­jacken, Schuhe, Brillen, Reibeisen und weist Gott was alles mitbringen, denn viel kostspieliger noch als Lebensmittel sind Gebrauchsgegenstände. Ver­geblich suchen ausländische Fabrikanten mit aller­hand Verkleidungen in den verheistungsvellen italienischen Markt einzubringen, die Regierung predigt den Kampf bis aufs Messer gegen alles Fremde. Da ist zum Beispiel ein Mann mit einem gut deutschen Namen im halbdeutschen Dienne in der Schweiz, der schickt seine trefflichen Stumpen nach Italien in einer Verpackung, die den Berner Bären mit dem Schweizerwappen auf der einen Seite zeigt, darüber von einer in England deponierten Fabrikmarke spricht, die Sei­ten mit der italienischen Tri More einrahmt, auf dem Rücken einen Chinesen trägt und das ganze Hongkong nennt. Auf der Ocffnung steht in

Zweites Dater'and.

Don Albert h. Rausch.

V.

Palermo.

Es ist eine neue Grenze, die man über­schreitet, wenn man die Fahrt von Neapel nach Palermo antritt. Palermo ist diejenige Stadt Siziliens, in der man die griechische Lust, d.e an der Süd- und Ostküste der Insel weht, so gut wie gar nicht spürt. Wie wenig Helle ü'cher Hauch über ihr liegt, merkt man am deutlichsten, wenn man den Ausflug nach dem Tempel von Segesta unternimmt: jenem seltensten Wahrzeichen antiki- scher Tröste, das auf einer kahlen Anhöhe jenseits des Gaggaratales zwischen Calatafimi und Alcamö liegt. Es gibt auf italienischem Boden nir­gends ein Bauwerk so hinzwingender Gewalt wie dieses Sinnbild hellenischer Welt: nicht in G.r- genti, nicht in Selinunt und nicht in Paestum. Es ruht einsam in einsamer Landschaft., lein Saneben und Daran, fein Davor und kein Da­hinter greift in die Geschlossenheit seines Zaubers. Wendet man sich von ihm nach Palermo zurück, in das Glitzern und Füttern der schweren ara- bisch-normännischchvzantinischen Pracht: so hat man. in dem Erlebnis eines einzigen Tages, be­griffen. was den Mnkerschied ausmacht zwischen einer Kunst strengster Notwendigkeiten, die sich ber einfachsten Mittel bedient, und einer Kunst überreicher Möglichkeiten, sie ihre Mit el in ver­schwenderischer Wiederholung gebraucht

Die Fahrt von Neapel nach Palermo ist immer eine* Fahrt in das Morgenland, in das Wunder, in das Märchen, wie es die arabische Herrschaft in den letzten Jahrhunderten des ersten christlichen Jahrtausends erschuf und die nor-

Gießener Anzeiger sGeneral-Anzciger für Gderljessen)

Montag. N März 1927

rnannische. das Meberkommene ausnehmend und vergeistigend, in dem nachfolgenden Jahrhundert einer viel zu kurzen Herrschaft unter den beiden Königen Roger und Wilhelm fortbiibete. In dem Bericht, den uns der Sekretär des Slatthalters Abu Said von Granada. Ibn Dschubair. über seine sizilianische Reise im Jahre 1182 also zur Zeit des letzten normännischen Königs Wil­helms II. hinterlassen hat, finden sich folgende Sähe über Palermo:

Was sich eine Menschenseele nur wünschen kann an Schönheit und Reichtum, bietet Palermo, die Hauptstadt Siziliens. Mnvergleichlich. lockend und hoheitsvoll, liegt sie dahingebreitet in ihrer Ebene, die einem einzigen blühenden Garten gleicht. Sie hat weite Alleen und Strasten, ihr Atchlick verzaubert das Auge. Sie erinnert in ihrer Bauart an Cordova. Fliehendes Wasser durchströmt sie. in ihrer Nähe entspringen vier Quellen dem Boden. Wie ein Geschmeide, das eine schöne Frau sich um den Hals legt, find die schlosser des Königs zu einem Bande um die ©tabt gewunden: von einem Lustgarten wandelt ber Herrscher in ben anderen, und immer ohne auä feinem Besitz herauszutreten. Diele Klöster »- 9er her Stadt gehören ebenfalls dem König, viele Kirchen, denen er Kreuze aus Gold und Silber gießen lieh. Die Mohammedaner, welche die Stadt bewohnen, haben ihren Glauben nicht aufgegeben. Ihre Moscheen sind gut er­halten. Sie fnieen nieder zum Gebet. tt>:nn ber Muezzin von ben Türmen ruft. Sie leben meistens in Vorstäbten, von ben Christen getrennt Sie haben einen eigenen Richter, der ihre Streitig- leiten schlichtet. 3m heiligen Monat sammeln sie sich in feierlich erleuchteter Moschee. Viele Gottes- Häuser sind Schulen, in denen ber Koran gelehrt wirb. Aehnlich wie in Corbova gibt es in der Mitte ber Stadt ein Palastvieriel. welches Kalr genannt wird. Es ist reich an herrlichen Dau-

italienischer Sprache, bah die zehn Stück eine Lira kosten und darüber klebt eine Stempclmarke. die endlich den Kern trifit: 11,50 Lire. Der Feind ist geschlagen. Mnd seufzen) greise ich, während ich das tippe, nach dem Stumpen, denn daS knorrige Wurzelwerk der nationalen Toscani ift nur Einheimischen anzuraten. Hundertsünfzig Zigarrenearmen sind erst dieser Tage in Streik getreten und infolgedessen unisono vor Gericht erschienen, weil sie eS beim Wickeln einfach nicht mehr ausgchallen haben.

Dabei wäre es gut, sich auf noch ganz andere GiÜgase vorzuberellen. Wohin man hört, spricht allcd nur vorn kommenden Krieg und die Losung di vis paccm para bellum ist zum obersten Gesetz geworden. C. ,e Regierung erklärt zwar häufig genug ihren Friedenswillen, weist aber auf die atemraubende» Rüstungen Frankreichs hin. das nun das ganze Dolk mobili iert hat. Frauen und Kntder nicht ausgenommen. Der Fa riS nus würde sich selber verleugnen, wenn er nicht auf eine mindestens ebenso starke Abwehr bedacht wäre. Wir müjen ein Dolk von Fliegern werden, wie wir ein Dolk von Schiffern sind, rufen die Lei­tungen aus und der Luftwehrminister Mussolini hat über Nacht ein Dekret herausgebracht, das die zivile Fliegerei ermuntert, sie aber verpflich­tet- jedes Flugzeug so zu bauen, dast es beim erften Ruf in die Schlachtreihe eintreten kann. Sie werden wie die Automobile bei ber Mobil- machung beschlagnahmt. De Pinedo wurde schon bei feinem vorigen Weltslug von Mussolini der Menge vorgestellt als der Typ bei modernen Italieners. Propellergebrülle. Mafchinengestöhne, nichts mehr von Mandoünengezirp!

Der römische Karneval, einst weltberühmt, ist längst nach Nizza verzogen, wir haben über­haupt keinen Fasching gehabt. Die Tanzdielen sind geschlossen, Mussolini will sie nicht. Mm zehn Mhr abends ist Rom wie ausgestorben. 3n ben zwei ober drei Kaffeehäusern sitzen die Män­ner steif und stumm wie vor ihrem Dureautisch, die Frauen trifft man überhaupt nur noch in ben Hotels, beren 3nternationalität ben neuen Puritanismus verbietet. Dafür wird untertags jetzt auch in Rom gearbeitet, wie man es früher nur in Turin oder Mailand kannte. Dumpf und schwer drückt ber Strom von Energie, bei vom Vom Mussolinis ausgeht, gegen bie alten Deiche. Wir alle fühlen hier eine nicht mehr lange zu bänbigenbe Kraft.

Oberhessen.

Lanvkreis Gictzcn.

o Großen-Linben, 14. März. Der Bezirkslehrerverein Gießen-Land hielt am Samstagnachnnttag seine Derfammlung im hiesigen Schulhause ab. Lehrer Blast gab in gebrängtet Kürze eine sachkunbige Einführung und einen lehrreichen Mebcrblid über ben Kamps, ber zur Zeit in bet muskiaüschen unb päbagogi- schen Welt um bie musikalische Verarbeitung des Volksliedes im Gange ist. An Gesangsproben einer Schulklasse (8. Schuljahr) zeigte er sowohl bie übliche einfache Behandlung im ein- und mehrstimmigen harmonischen Satz, als auch mo­derne kunstvolle Bearbeitungen, bei denen jede Eingstimme eine eigene Melodie durchhält und auch Instrumentalmusik (hier ein Geigenorchester von Schülern) zur Bereicherung des Ton- aemälbes mit zur Verwendung kommt. In der Aussprache ergab sich, dast der gelegentlich her­vorgekehrte Artunterschied beider Behandlungen als ein Gradunterschied gefaßt, ber Gesangs- Pflege in ber Vcüksschule förberlich sein kann. Wo bie Vorbebingungen bei Lehrer und Schü­ler vorhanden finb, ermöglicht bie kunstvolle Durcharbeitung zugleich eine Einführung in ben neuzeitlichen Gesangsbetrieb ber Vereine unb in größere Musikwerke: bas Volkslied aber in seiner harmonischen Weise wird bie Zeiten Überbauern unb auch in ben Schulen, insbesonbere unserer Landgemeinben. feinen Platz haben

£ Wieseck, 14. März. Von den drei hier prak­tizierenden Aerzten verläßt am l.Mai Dr. Hof mann unsere Gemeinde, um seine neue Tätigkeit als Amtsarzt bei dem Kreisgesundheitsamt Mainz auszunehmen. Dr. Hofman hat sich in der Zeit seiner hiesigen Wirksamkeit bei Gesunden und Kranken große Sympathien erworben. Er stellte sich in Gemeinschaft mit den beiden anderen Aerzten, Dr. Schmidt und Dr. Katz, der öffentlichen Gesund- heits- und Wohlfahrtspflege bercitroilligft mit Rat und Tat zur Verfügung, so daß sein Weggang all­gemein bedauert wird.

I! Da u bringen. 13. März. Nachdem die Kanalisationsarbciten soweit beendet sind, ist die Hälfte der seither dort beschäftigten Ar­beiter jetzt bei dem Ausbau der neuen

Stein st raße tätig. Das Gelände dieser Straße, das noch währeno des Krieges m.t befanden war. der dann von fran- ZLlilt.cn Kri gsge a.nge en abgeholzt wurde, ist erst in den lcg.cn 3ajien bebaut worden.

: Beuern. 12. März. Zur Entwässerung der Flur V in h:es.ger Gemarkung hat sich eine Wassergenossenfchaft geviLet. S.it drei Jahren war diese Flur, wohl die beste und er­tragreichste unserer Gemar.u g. zu c.nem großen Teile derartig naß geworden, daß ein Teil ber Grunlstü-e unteoaut Legen bleiben mu'.te. Mntcr ber technischen Leitung des Kultur-Inspektors K u l l m a n n soll diese Flur nun troJengclcgt unb drainiert wer en. Die Rohrl e erung wurde der Firma Gail in G.e',en übertragen. D.e Ausführung erhielt 2Qlaurcr.nc.fler R. R. S o m- merlab und Hch. Schmitt von hier. D:e Lage der einzelnen Abzugsgräben usw ist be­reits abacftCvt worden. Sobald die Rohre ein- treffen, kann mit ber Ausführung der Arbeiten begonnen werden. Die Kosten wurden aus 4 Pf. pro Quadratmeter veranschlagt.

:: Aus dem V u s e ck e r Tal. 13 März. Soweit sich jetzt überschauen läßt, sind bie Saa­ten in unserer Gegend gut durch den Win - t e r gekommen. Begünstigt durch den gelind- feuchtcn Winter hat sich besonders ber Roggen sehr gut entwickelt unb bestockt. Er steht baßer stellenweise zu bicht. Auch ber Weizen steht lehr gut; hier ist ein kräftiges Eggen verbunbcn mit einer Stickstoffabgabe sehr zu e-npfehlen. Die Futteraussichten sind bis jetzt ebenfalls als gut Zu bezeichnen. Der Klee hat sehr gut überwintert unb steht allenthalben gut. Die reichliche Winter­feuchtigkeit hat den Wiesen bie Vorbebingungen zum Wachstum ebenfalls gegelan.

t Grünberg, 12. März. Der ©emcin be­rat gab in seiner jüngsten Sitzung bem Bürger­meister bie Ermächtigung, bas im Stabtwalb geschlagene Papierholz dem Meistbietenden zuzuschlagenc es kommen 60 Meter 1.. 60 Meter 2.. unb 30 Meter 3. Klasse in Betracht. Da bie Einnahme aus bem Schafherbenbetrieb im Jahre 1926 nur 1546 Mark betrug, bie Aus­gaben sich aber auf 1902 Mark beliefen, soll ber Fehlbetrag burch Nacherhebung von 2 Mark Weidegclb je Schaf gebedt werden. Das Bre­chen vonSteinen in den städtischen Steinbrüchen soll in Zukunft nur den Per­sonen gestattet fein, bie sich schriftlich verpflich­ten, bie Steine zur angegebenen Zeit abzu­fahren, anbernfalls biefc ohne Entschäbigung in ben Besitz ber S.abt übergehen. Im übrigen beschäftigte sich ber ©emeinberat mit einer ganzen Anzahl kleinerer Angelegenheiten, unb geneh­migte babei ben Mmtausch mehrerer Grunbstücke. Mm ein Pferb betrogen wurde dieser Tage ein Landwirt auf dem Hcllhos b. Alsfeld. Ein dort vorsprechender Mnbelanntcr gab an, das Pferd für. einen Landwirt aus Grünberg kaufen zu wollen, unb bestellte bas Tier an einen verabredeten Ort in ber Nähe, wo er es von bem Knecht in Empfang nahm unb ohne Bezahlung bamit bavonritt. Als am anberen Tage ber Lanbwirt sich in Grünoerg telephonisch nach bem Verbleib bc£ Pferbes erkundigte, er­fuhr er, baß er einem Schwindler zum Opfer gefallen war.

Kreis Friedberg

o griebberg, 13. März. Am Samstag beendete die Lehranstalt für Obstbau und Landwirtschaft, als erste in Hessen, ihre unter­richtliche Tätigkeit in ihrer landwirtschaftlichen Schule mit einer öffentlichen Schlußprüfung. Direk­tor Oekonomierat Spieß, van der Regierung als Prüfungsoorsitzenber beauftragt, begrüßte insbeson­dere Kreisdirektor Gebhardt, die Vertreter der Stadt, sowie die zahlreich erschienenen Gäste und Eltern der Schüler. Um einen Einblick in den Unter­richtsbetrieb ber Anstalt durch Lehrpraben zu ge­währen, begann Dr. Lutz mit bem für die Wet­terau so bebeutfamen Zuckerrübenbau, DbcrreaL lehrer Ringshaufen zeigte ben Lanbwirt in feinen mannigfachen Beziehungen als Kaufmann, Direktor Spieß schloß mit einem lehrreichen Ueberblick über bie Ersorbernisse einer rentablen Schweinezucht. Der Vorsitzende wies alsdann u. a. auf die Wichtigkeit und Notwendigkeit einer gründ­lichen Fachausbildung mit eifrigem Gebrauch des Rechenstiftes hin und forderte in diesem Zusammen- SZU einem noch besseren Besuch der landwiri- kichen Schulen auf. Mit dem Abgangszeugnis verlassen diesmal 31 S ch ü l e r die Anstalt, die auch fernerhin die enge Verbindung mit ihnen pflegen will; 32 Schüler der Unterklasse werden im nächsten Herbst ihre begonnene Ausbildung fortsetzen. Um die Landwirte von der Zweckmäßigkeit ber in der An­stalt erzeugten Reinhefekulturen für Apfelweinbe- rcitung zu überzeugen, wurden Kostproben verschie­

dener felbftbereiteter Apfelweinsorten gegeben. Den ?anr der Anweienden für die gebotenen geistigen Anregungen und kulinarischen Genüsse erstattete Kreisdirektor Gebhardt. Heute findet die Er­öffnung des ersten Teils des diesjäh.igen B a u m tuarterlebrgang» statt, zu dem aus allen Teilen Hetzens bie Anmeldungen so zahlreich ein- liefen, daß mit 36 Teilnehmern bie Zulassungen schon vorzeitig gcschlo, en werben mußten.

4 Bad-Nauheim, Id. Murz. Der Kon­sum v c r c t n Gießen unb Mm^.-ung veran­staltete heute in ber Turnhalle eine Waren- ausstellung, bie ge-.inackvoll ausgemaa.t uxir uno im Lause des -Tage# zahlre.ch be- lu<xt wurde. Abends sand ein Filmvortrag statt, ter mit den neuesten T.e.r.c.e.r le. CroLc nlau e- Cc el.schall tcut.chcr 5.o, fun.oc.cine tc a..nt mac. te. Der hiesige Volkschor trug unter Leitung von Dipl -Hanoclslca.er Barthel einige Chöre rca,t winungsvoll vor

pb. B u tj b a ch. 13. Marz, -anläßlich deS am nächsten Donnerstag stat.findenden Fasel- unb Pferbemarktes veranstaltet die Lanbw.rt- schaftskammer hier einen Saatgutmarkt. Gleichzeitig hält der Kreis-Rinderzucht- verein für den Kreis Friedberg seine dies­jährige Hauptversammlung ab. Hierbei wird Prof Dr. K n e l l aus Gießen e.ncn Bor.rag über Vermeidbare T.erverluste. insbesondere Mn- sruchtbarkeitöbekämpsung" halten. Weller Yin fei noch erwähnt, baß her Verein d.S ö nzelhan. .ls. der Gastwirkevere n. die Bäckerinnung towie die Metzgcrvcrein.gung anläßlich des Marktes wert­volle Ehrenpreise gestiftet haben, die die mit ersten Preisen ausgezeichneten Tierbesiyer er­halten sollen. Da mit einem sehr starken Per­sonenverkehr gerechnet wirb, so wird die Butz- bach-Licher Bahn ihre Früh- unb Spätzüge we­sentlich verstärken. Sclbstverständl:ch wird auch die Reichsbahn ihre Züge entspreckxmd stärker verkehren lassen. Die Faselmarlt-Gefcllschast hat Vorsorge für Mnterstellnwglichkeit für über 100 Stück Vieh. Pferde und Eber getroffen. Da. der Diehmarktplay allein nicht genügen würde, so sind noch weitere Plätze für die Prämiierung unb ben Viehmarkt vorgesehen, so baß der Martt reibungslos abgctoiclelt werden kann

L_ Melbach, 12. März. In jüngster Zeit wur­den yier in zwei Fällen jungen O b st b ä u m chen die Kronen abgebrochen. Der letztere Fall ift besonders dreist, da der Rohling in einen zwischen den Häusern liegenden Gartet, eindrang, sich mit der Zerstörung des Bäumchens nicht be­gnügte sondern auch noch einen Stachelbeerstrauch ausriß und einen im Hofe aufgcftapelten Holzstoß jitfammcnmarf. Bei der durch Medizinalrat Di. Balser kürzlich Dorgenommenen Unter- f u d) u n g wurden von den 2 0 S ch n 1 r e k r u t e n Zwei wegen mangelhafter körperlicher Entwicklung von ber Schulausnahme an Ostern ausgeschlossen.

flreta Büdtnftcn.

# Obcr-Widdcrsheim, 10. März. 3n diesen Tagen fand bie einzige Brenn- unb Nutzholzversteigerung im hiesigen Gc- meinbewald statt. Infolge des geringen Holz- anfalls. verursacht burch stärkeren Einschlag in ben Vorjahren, kamen verhältnismäßig geringe Holzmengen zum Verkauf. Die Preise hielten sich in ber Höhe der vorjährigen unb sind als normal zu bezeichnen. Buchenscheitholz kam auf 15 bis 17 *HU. pro Raummeter, Knüppel (Astholz» auf 11 bis 13 Mk., Vuchenreisig war. weil als Backholz sehr gesucht, hochpreisig. etwa 4 bis 5,50 Mk. je Raummeter. Eichenscheitholz lotete 10 bis 11 Mk., Eichenknüppel 6 bis 8 Mk.. Eichen­reisig je 4 Raumnreler 6.50 bis 8 Mk. Eichen­schichthaufen von 2,50 Meter Länge, zu Garten- Pfosten unb Bauholz geeignet, kam der Doppel- meter auf 23 bis 28 Mk. Stockholz kam nicht zum Ausgebot, da es als LoSholz ben Orts­bürgern zugeteilt würbe. An Nutzholz kamen nur Fichtenderbstangen zum Verkauf, die sehr begehrt waren, während das' für bie Vergröße­rung bes Gcmeindeste nbruches angefallene Eichen­stammholz, meist Wagnerholz, auf dem Sub­missionswege vergeben werben soll.

* Mnter-WibberSheim. 12. März. Die Neuregelung ber Gehälter der Gemeinbebeamten ist hier schon feit Mo­naten in ber Schwebe. In der Ich ten Sitzung deS Gemeinderats wurden nun die Verhandlungen zum Abschluß gebracht. Die allgemeine wirt­schaftliche Not auf der einen Seite und ander­seits die Einsicht der Bete ligten, baß auf unseren Dörfern bie Gemeindeämter bis auf den Posten des Bürgermeisters im Nebenamt verwaltet wer­den. halfen die letzten Klippen überroinben. Ob­wohl nach den Richtlinien dem Ortsoberhaupt ein Iahresgehalt von 910 Mark zustand. nahm er mit 800 Mark fütlieb und verzichtete jetzt

werken, deren Türme burch ihre Schönheit be­zaubern unb hoch in die Lüste greifen.

Die Sitten der palermitanifchen Frauen ihre Art. Schleier unb Mantel zu tragen sind in ihrer Feinheit ganz benen der mohammeda­nischen angepaßt Am Neujahrsfest waren die Domen in goldschimmemde Seibe gellcibet. Sie trugen großen Prunk in ihren Kirchen zur Schau: wundervolle Mäntel, farbige Schleiergewcbe, goldne Schuhe, unzählige kostbare Halsbänder sie waren mit Wohlgerüchen besprengt und hatten dem Gesichte auch die Schminke nicht versagt: so baß der Dichter recht behält, wenn er scher­zend sagri

-Mnb überschreitest du der Kirche SchweUe, Du findest Antilope und Gazelle..."

So sah der arabische Reifende 1182 die gött­liche Stadt der Conca d'oro, der .goldnen Schale"... So sah sie der große Edrisi fünfzig 3aßre früher. So sieht sie heule der Reifende: mögen auch die Ruse der Muezzin- verstummt sein und die Schatten unfreundlicher Jahrhunderte den äußeren Glanz ein wenig herabgedämpst haben... Der Hauch von Taufend und einer Nacht ist geblieben: und spricht man nut die Namen der verfallenen Lustschlösser Cuba. Zisa, «zavara aus: oder die Namen ber traumhaften Kirchen Martorana, S. Catalbo, S. Giovaimi: entännt man sich nur der Welle aufsprühendest Golbes, zwischen Blau und Purpur, in der Ca- bella Palatina unb dem Dom von Monrcale: so weht es nieder mit allen Wundern der morgen- ländischen Kinderträume, bie Grenze Europas zerspringt unb Asiens Glut drängt burch die Dreschen..

Leise, nur wenig schüttemb, auf kaum be­wegter See trug mich nun abermals das große weiße Schiff gegen die selige, die unausspr^Hlich geliebte Stadt... Mnb biefe Meberfaßrt selbst

barg schon ein Wunder: das Wunder einer menschlichen Stimme, das mich nie mehr los- nassen wird, einer Stimme, in ber die Lstst und alle Trauer ber Lust verschüttet lagen, wie in bem Gestabe. bem wir entgegenstrebten. Cs war fo warm in dieser minbftillen Mond­nacht. daß wir vorn auf dem Deck des Schisses lagen. Den Nacken gegen zusammengerollte Taue gestützt, hatten wir uns hingestreckt, das Gesicht der lauen Brise gebend, die Augen, die halb- geschlossenen. dem blaugrünen Glanz der Lüfte und der Wogen... Längst war Capri mit feinen einsamen Lichtern verschwunden, vor uns breitete sich bie Fläche des offnen Meeres... Die Stunden rannen, einer nach bem anberen von den Rei­senden verschwand nach dem Hinteren Schiff zu oder in den Schlafräumen, wir blieben fast für uns allein. JA selbst war aufgeftanben unb an das Gelänber getreten. Dort war es, daß jene , Stimme mich traf, unb mich bis in die ersten Morgenstunden in ihrem Banne hielt: die Stimme eines jungen Offiziers, den untre Heiterkeit an- gelockt unb zu uns gefeilt hatte. Er hatte lange mit ben andren gesprochen, mit den blonden, frem­den Frauen, wie er sie ähnlich schon in England und Amerika kennen gelernt hatte: und nun sprach er zu mir. In einem leichten, fehlerlosen Fran­zösisch, dem nur in der etwas zu deutlichen Mnter- scheidung der tonlosen Silben fübitalienllcher Ak­zent- anhaftete...

Mas ift diese fast wehe, unenträtfetbare Ge­walt, die eine Stimme über uns gewinnt? Wir werden es niemals wissen, und forschten wir ein Leben lang nach! Denn die Hülle Ton, bi' ein Mort und feinen Sinn umschließt, wirb in ben dunkelsten Kammern des Blutes gewoben, aus den Atomen ber übersinnlichen Klänge, die unser seelisches und geistiges Sein bestimmen und der Gesang, die nie zu zerlegende Melodie, in der das Wort, der Träger des Gefühls, des