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Die Leipziger Messe.

Don unserem H. f.-Sonderberichterstatter.

< Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)

Es ist eine stolze Entwicklung, die von ber Messe brs Mittelalters, zu der Händler und Handwerker auf Wagen und Karren ihre Ware und ihre Erzeugnisse noch Leipzig brachten, bis hin zu der modernen Ausstellung der Zehn­tausend. zu der hunderttausend Menschen auS aller Herren Länder kommen, führt. 3n jcncr; Iahrhunderte zurückliegenden Zeit ist Leipzig» Stellung als Messestadt begründet worden. Leip- zig hatte es nicht nötig, wie es in neuerer Zeit an so vielen Stellen in und außerhalb Deutsch­land» geschehen ist. sich irgendwann künstlich Käufern und Verkäufern als den Platz zu emp­fehlen. an welchem sie miteinander in Berührung kommen konnten. Die Messe dieser Stadt ist in Jahrhunderten natürlich gewachsen, und sic be­sitzt deshalb eine ganz einzigartige Anz'chungS- krakt. zumal sie stets von den Stadtvätern auf das verständnisvollste gepflegt wordrn ist.

Leipzig als Platz der zentralen Warenschau war selbstverständlich immer den Angriffen an­derer Städte ausgesetzt. CS ist ein nicht ganz erfreuliches Kapitel deutscher Rührigkeit aus dem wirtschaftlichen Gebiet nach Kriegsende, daß eine ganze Reihe anderer deutscher Städte für seinen Teil auf eigene Faust Messen begründete, tnc freilich heute zum größten Teil schon tote Der verschwunden sind. Der Wert der Leipziger Messe liegt ja in ihrer Weltbedeutung, und gerade ihr konnte die wilde Konkurrenz nur Abbruch tun. Run. Leipzig hat auch die Unterbrechung durch den Krieg glücklich üoerstanden und diewilde Konkurrenz" hat iym nichts geschadet. 3m Gegen­teil. gerade in der Nachkriegszeit hat Leipzig einen wahren Sprung nach vorwärts getan. Der Mustermesse, die schon längst an die Stelle jener alten Warenschau getreten war. wurde ein Ma- schinenmarkt von einzigartiger Ausdehnung hin- zugefiigt. Hcbetbicd sind jetzt viele andere Wa­renzweige in Leipzig vertreten, an die man vor dem Kriege überhaupt noch nicht gedacht hat

Die alten Messehäuser im 3nnern der Stadt, in der sich auf engem Roum auch noch in der Reuzeit das gesamte Geschäftsleben zusammen- drängte, wurden zu eng. und trotz der vorbild­lichen Organisation der Geschäftsstadt wurde die Anlage großer Ausstellungshäuser und Plätze außerhalb der City notwendig. Ein Vorteil Leip­zigs als Messestadt, die unbedingte Zentralisation, die Zusammenfassung auf kleinem Roum, schien damit verloren gegangen zu sein. Aber das Organisationstalent, das Leipzig mehrfach be­wiesen hat, half auch darüber hinweg, und ein steter Verkehr der verschiedensten DeförderungS- mittel von der Innenstadt zu den AusstellungS- plätzeii draußen, vor allem zur Maschinenmesse am Fuße deS Völterschlachtdenkmals, sorgte für die Aufrechterhaltung des Kontaktes.

Einfach ist die Bewältigung der organisatori­schen Ausgaben nicht. Gilt es doch, fast zehn­tausend Ausstellern den nötigen Raum für ihre mehr oder minder umfangreichen Warenmuster zu geben, und hunderttausend Menschen, zumal noch in der Zeit der Wohnungsnot. Quartier zu verschaffen. Für die Aussteller gibt eS Geschäfts­häuser, wahre Paläste, die zum großen Teil int Laufe deS JahreS leer stehen und nur für die wenigen Tage der Herbst- und Frühjahrsmesse in kleinsten Kojen die Verkäufer und ihre Ware aufnehmen. Der Raummangel führte mehrfach dazu, zwei der schönsten Plätze der Stadt durch große Holzbaracken zu verschandeln. Schon seit zwei Jahren aber ist der eine, der Markt, durch die Anlage eines unterirdischen Messehauses, wiederheraestellt, so daß der Blick auf das wundervolle alte Rathaus, in welchem jetzt die Messeleitung selbst zeigt, in Welcher Weise sie ihre Propagandaaufgabe erfüllt, wieder frei ge­worden ist. Die zahllosen kleineren KioSke, die

aus dem Markt, wie auf dem menen Augustus- platz. angelegt sind, stören keineswegs, da sie mit einer angesichts ihrer nut wenige Tage währenden Lebensdauer wirklich bewundernr- werten materiellen und künstlerischen Vollkommen­heit errichtet sind.

Zudem müssen sich Die ganze Stad», die schön­sten Fassaden und die ehrwürdigsten Häuser ge­fallen lassen, daß ihnen der Stempel der großen Warenschau aufgedrückt wird. Man kann sich kaum ein belebteres Stadtbild vorstellen, als eS die Leipziger Altstadt zur Zeit der Messe dar­bietet wenn tnc Häuserfronten mit hunderten von Schildern besät find, wenn Fahnen, riesige Luftballons, kurz, jede überhaupt nur denkbare Art von Reklame, vom Licht angesangen biS zur riesenhaften Scherzsigur. auf geboten find. 11 nb wenn zudem die Straßen selbst daS Bild einer Volksversammlung bieten.

Diese Menschenmassen, die natürlich nicht nur auS Käufern bestehen, da Leipzig selbst am Messetrubel nur zu gern teilnimmt, und da auch viele, viele Schaulustige berbeiströmcn. müssen versorgt werden. DaS Messeamt kämpft einen erbitterten Kamps gegen die Ausnutzung dieser Gäste, es übernimmt selbst ben Rachweis der Quartiere und verbietet den .wilden Han­del" mit Zimmern. Trotzdem iinb Mißhellig- feiten. Preissteigerungen und ähnliches natürlich nicht zu verhüten. ,

Um jeden einzelnen von ben Tauienden sicher zu dem Ziel zu führen. daS er sucht, zu ben Waren, die er besichtigen will, gibt daS Messeamt und jede einzelne Vereinigung der Aussteller, wie etwa die der tschechoslowakischen Ausstellung, die sich in einem Haus zusammen- gefunden haben, eine Fülle von übersichtlichen Karten. Katalogen und Prospekten heraus. Und wenn der Laie beim ersten Anblick der Masse von Waren und Menschen ben Kopf verliert, so findet der Kaufmann, zumeist ja schon ein alter und alljährlicher Gast der Messe, fein Ziel schnell und sicher.

DaS Geschäft bet diesjährigen Früh­jahrsmesse in Leipzig begann mit einem gewissen Optimismus, der sich inzwischen be­stätigt zu haben scheint. Die Zahl der auslän­dischen Käufer, immer ein guter Maßstab für ben Koufwillen bet gesamten Besucher, wird auf 25 000 geschätzt. Abschlüsse für den Crporl sind schon in großer Zahl getroffen. Die Porzellan­messe stellt mit Befriedigung fest, daß bas gute Gebrauchsporzellan lebhaft verlangt wird, bie Aussteller von Möbeln find nicht unbefriedigt, und die Lederwarenmesse wird befriedigend be­urteilt. Die Tertilmesse ist besonders stark besucht, vor allen die KunstseidenauSstetlung kann nicht klagen, und die Schuh-AuSsteller finden Anklang mit ihren Luxuserzeugnissen ein ebensolches Zeichen der Zeit, wie eS bie besondere Rachfrage nach Turngeräten wegen deS schlanken Ideals der Gegenwart barfteilt. 3nterefjant ist die Aus­stellung der deutschen Druckmaschinenfabrikanten auf bet Bugra-Maschinenmesse. und bemerkens­wert ist bie Rachfrage nach leglichem Bairbedars für SiedlungSbauten auf 6er Technischen Messe. Die Aussteller von Radioapparaten verkaufen zum erstenmal tn größerem Umfang auch nach dem Ausland. Automobile sind stark gefragt. Einer der ältesten Zweige der Leipziger Waren­schau, die Spielwarenmesse, ist vielleicht das Rückgrat der gesamten Messe. Richt vergessen sei hier Käte Kruse, die Schöpferin bet weltbenihm- ten, künstlerischen Puppen, bie in der ®nm» maischen Straße ihre Zelte aufgeschlaaen hat.

Die ganze Fülle der diesjährigen Leipziger Frühjahrsmesse aber ist ebensowenig in diesem Aufsatz zu erschöpfen, wie sie ein Besucher In ben wenigen Tagen ihrer Dauer zu überschauen vermag.

auch hier milwirktc, dem Vertreter des Landes- irchenamtcs, Oberkirchenrat Wagner, und dem Sertreter des Dekanats Friedberg. Dekan Vogel- Bruchenbrücken.

Der Dortrag von Dekan Guß man,. Kirch- berg.Lollar überPraktische Gemeinbearbeil In in üustrieUen Landgemeinden" zeigte im Eingang, wie diese Gemeinden nicht einheitlicher Art sind. Die Entfremdung der Männer vom kirchlichen Leben llt m ihnen besonders start zu spüren, die Unkirchlich­keit Sitte und Gewohnheit. Es gilt anzuknüpsen an das. was von kirchlicher Sitte noch da ist, und neue kirchliche Sitten zu schaffen. Steht auch die Kirche in Gefahr, beiseite geschoben zu werden durch dos Sportliche, Wirtschaftliche und Politische, so ist doch ein Grund zu Pessimismus. Seine Gemeinde, zu ;wei Dritteln aus Industriearbeitern bestehend, zu einem Drittel aus bäuerlicher Bewölkerung. wollte er nicht als Muster hinftellen. Der Pfarrer, der allein es nicht kann, muß ben Verständigen immer wieder die Aufgaben zeigen. Es war eine Freude, dem Redner durch die verschiedenen Gebiete zu 'olgen. Da begründete ein freier Verein, nicht auf kirchlichem Grund, aber mit bem jeweiligen Orte­geistlichen als Dorfitzenbern, die Kleinkinder- schule und geordnete Krankenpflege: Ver­treter aller Berufsschichten sind im Vorstand. Da er- möglichen Schwestern als Helferinnen eine zielbe mußte Arbeit an der weiblichen Jugend. Dem Frauenoerein werden in regelmäßigen Zusammenkünften besondere kirchliche Aufgaben ge­zeigt: er stiftet Paramente und Kirchenfenster. K t r- chenvorstand und Ktrchengemeindever- rretung , gewohnt an mehr als nur Erledigung herkömmlicher Geschäfte, schritten zur Schaffung einer Kriegergedächtnis st ätte. an der Konfirmanden an bestimmten Tagen unter paffen­den Worten Kränze ntederlegen. Bibel st undev sorgen für vermehrte Darbietung dee göttlichen Wortes, und ein gewisser Lokaloatriotismuc. freut sich eines nach den Grundsätzen der Denkmalpflege würdig miede rhcrge st eilten Gottevhau- fes (Dekanat Gießen 7 Kirchen in 2JahrenI). Die Liturgie ist zu beleben, Musikalisches mit Maß und Ziel zu bieten; baau Lichtbilder und Film e. Neben Hausbesuchen hat das ge druckte Wort feine Aufgaben. An unentgeltlich zu verteilenden Drucksachen dürfen die Gemeinden nicht sparen, solche Ausgaben kämen in anderer Weife wieder ein. Trotz Enttäuschungen gelte es zu glauben und zu hoffen, Neugründungen nicht zu überstürzen; persönliches Wurzelschlagcn bei länge­rer Arbeit auf demselben Posten sei nötig; zwischen Dorfkirchen-und Gemeindearbeit könne cs nur einen edlen Wetteifer, keinen Gegensatz geben.

In der regen Aussprache antworteten auf die mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Ausfüh­rungen Oberklrchenrat Wagner, Dekan Vogel, Kirlyengemeindevertreter Nord- Gießen, Lehrer 2 e g ga u «Nockenberg, Professor Matthes. Pfarrer Sattler« tfßlefed, Fabrikant Träft er und Pfarrer Schneider- Butzbach. Wesentliche Punkte der Aussprache waren: Kirchliche Vereine, Gemeindesäle und Gemeindehäuser, Geinelndeblai ter, im Zusammenhang mit der Helferfrage die Stellung der Lehrer zur Kirche, die Forderung ge­meinsamer Konferenzen zwischen Lehrern und Pfarrern. Nach dem Gesang von drei Versen des Liedes:Wach auf. du Geist der ersten Zeugen" schloß um 5 Uhr Professor Matthe» die inhalt­reiche Tagung

Oberhesfen.

Landkreis Gießen

.a Lollar, l0. März. 3n Ergänzung De6 Berichtes über bie jüngste DemelnberatS- fibung fei noch mitgetcilt, bah zu der Frage bet Gebührensestjehung für Erbbegräbnis- Plätze neben Dem Antrag Kkinkek, der eine 1 Gebührenfcstfehung von 800 Mark für eine Be­gräbnisstätte für zwei Personen forderte, noch Fein Antrag Geißler vorlag der in Anpassung , an die Gebührensätze einer Anzahl Land- uno '' Stadtgemeinben 300 Mari als Kaufpreis für die Plätze bestimmt wissen wollte. Der Antrag Kl Intel wurde mit ben sozialdemokratischen Stimmen angenommen, auf den Antrag Geiß­ler vereinigten sich die übrigen Stimmen.

D Lich, 10. März. Die hiesigen Ver­eine haben beschlössen. am Sonntag, 1 3. M ä r z, k^ine besondere Totengedcnkfeier vorzunehmen, da sie ebenso wie daS hessische LandeSktrchenamt der Ansicht sind, daß sich bet Totensonntag als VollSlrauertag am besten eignet

* Dorf-Gill, 11. März. Der Landwirt Balthasar Schäfer hietselbsl feiert morgen, 12. März, bei voller Gesundheit und in geistiger

Frische seinen 9 0. Geburtstag. Der alte Herr erfreut sich in seinem Heimatdorse großer Beliebtheit und genoß auch tn bet Umgebung durch seine GcschintSküchtigkeit Ansehen uno Ver­trauen.

1' Gründerg. 10 März. Der hiesige VcrkehrSverein hielt gestern unter der Leitung seines Vorsitzenden Schweißguth seine diesjährige Hauptversammlung ab. Der Verein hat auch im verflossenen 3ahre durch Ausstellen von Bänken, Instandsetzung von Ver­

bindungswegen und Schaffung eines neuen Weges nach bem Theo-Koch-Gedenkstein eifrig für bie Verschönerung unserer Stadt gearbeitet. Der Kassenbericht schließt trotz der lebhaften Ar­beit befi Verein» mit einem kleinen Uebetschuß ab. Der Vorstand, der nach ben Satzungen auf drei 3ahre zu wählen ist, wurde butch Zuruf in der bisherigen Zusammensetzung wiebcrge- wählt. Ferner wurde bie Verpachtung bet bem Verein gehörenben Grundstücke auf weitere drei 3ahte beschlossen Den Jahresbeitrag setzte man

aut 1 Mk. pro Mitglied fest, jedoch soll bei größeren Ausgaben evtl, eine Sondererhebung stattfinden. Weiterhin befähigte man sich mit einigen Suenbahn-Fahrplanfragen, denen man eine verstärkte Tätigkeit Widmen will. Für bie weitere Verschönerung ber Stabt wurden ver­schiedene Maßnahmen InS Auge gefaßt, ferner toll bie Einführung von Wochenmärkten für Frucht und Kartoffeln angcstrebt werben.- Eine Anzahl 3nietefsenten au# Grünberg und Um- gegenb grünbete hier einen Kanarienzucht- verein. Einstweiliger Voriitzenber ist Herr PH. Müller. Dem Verein sind bi# jetzt 20 Mit- gltcber bdgetteten

Kreis Kricdberg

r Gambach . 10. März. Dienstagavend hielt bet hiesige Kr i c getvetein seine dics- jübrige Generalversammlung ob. Der Vorslyenbe bes Vereins. Beigeordneter Boller, erstattete den 3ahreSdericht übet daS vergangene Jahr. Der Verein zählt heute etwa» über 100 Mitglieder darunter eine Anzahl Ehren- Mitglieder. Das VereinSjahr konnte irotz bei geringen Beiträge mit einem Ueberschusse abge­schlossen werben. Die BorstanbSwahl ergab "o;< einmütige Wiederwahl brs seitherigen Vorstands Von ben gefaßten Beschlüssen find folgende von Bedeutung: 3n Zukunft soll bei Be^v.gungen verstorbener Kameraden wieder gescho fen werben. In der Zeit zwischen Ostern und Pfingsten will man burch bie Kapelle deS 3nf.-Regt. 15 ein Konzert veranstalten lasten, lieber rin etwa Im Sommer abzuhaltendeS Scheibenschießen toll eine nochmalige Generalversammlung endgültig Beschluß fassen. Ebenfalls am Dienstagabend hielt ber Rabfahrervetein ..Wanber- lust" feine diesjährige Generalversamm­lung ab. Den Jahresbericht gab der erste Vor­sitzende. Die Rechnung für bas abgelaufene Ge­schäftsjahr konnte mit einem Ücberf4>ub abge­schlossen werben. Die VorstandSwahl hatte fol- genbes Ergebnis: 1. Vorsitzender 3afob Moh r 2. Vorfitzenber Otto Müll. Schriftführer Gust O h 1 c m u tz. Kassenwart Lubwig R c i ch a r b t Saalsahrwatt Karl Schmidt, 1. Rennfahrwart Willi Riegelhuth. 2. Rennsahrwart Georg Kammer. DaS Sportprogramm für 192" wurde genehmigt. Der Verein gedenkt in diesem Sommer sein löjährlges Bestehen zu feiern und bewirbt sich auch um bat Gaufest bet ®auct 2 des RabfahrerbunbeS 1922.

3 Steinfurth, 10. Mörz. Veranlaßt durch den hiesigen Kriegerverein wat am Diens­tagabend imDarmstädter Hof ein Licht­bild e r v o r t ra g über den Kampf vor Verdun. Oberstleutnant a. D. von Hagen schilderte die furchtbare blutige Schlacht. Die klaren Zeichnungen und Bilder machten auch dem Laien das erbitterte, zähe Ringen um Verdun anschaulich. Der Vortrag war gut besucht und wurde mit großem 3nteresse ausgenommen. Gr schloß mit dem stillen Gedenken an die vielen! Opfer, bereit wir un» würdig zeigen müssen. Am 9. unb 10. 3uli M. 36. bält bet Landes- verband Hessen - Darmstadt l m Reichsverband deS Deutschen Gar­tenbaues feine diesjährige öommertagung hier ab. Die Tagung ist mit einer Rosenaus st el- luna bes hiesigen GärtnervereinS ver­bunden. Der große Saal von Anton Hengst ist alt AuSstellungSlokal vorgesehen. Die Frem Den, bie an biefem Tage unser Dorf besuch,-n haben Gelegenheit, bie vielgerühmten Rosenfeld?r Steinfurths au bewundern. Der Gärtner verein Steinfurth wirb ihnen in ber großen Hofenfdxut. ein entzückenbet Bild vor Augen führen.

Kreis Schotten.

ß a u b d <6, 10. März. Der hiesige Z w < i g - verein bet Vogelsberger Höhen klubs führte ani Sonntag bei starker Beteili­gung seine MonatSwanberung auS. Der Weg führte burch bie Walbuna en von Röthges unb Ronnenroth nach Hungen. Hier würbe bas Schloß unter Führung von Sekretär Becker besichtigt unb sodann Einkehr im Gasthof ..Zur Traube" gehalten. Die Führung hatte Kaufmann H. Diehl. - In biefen Tagen würben wieder- holt starke Züge von Schnecgänfen hier be­obachtet. Sie zogen aus ber Gießener Gegend in östlicher Richtung nach dem oberen Ribdatal. Bit jetzt hat sich die W i n t e r f r u ch t tn unterer Gemarkung gut durchgehalten. Der Klee Hai teilweise etwas gelitten. Der Mäusefraß ist unbedeutend. Es scheint, daß bie schädlichen Rager von einer Seuche befallen würben.

,t-= Gebern, 10. März. Die bei bei dritten und letzten Holzversteigerung der

seiner Heimat entfernte Länder burchreist, für reich ober zumindest wohlhabend hält: denn das Betragen dieses Fremden ist oft aufterorbentltd) unedel und herausfordernd. ®e gibt Reisende, bie ohne Unterschieb Mensch unb Ding begaffen. Wer wirklich siebt (schaut"), siebt fast immer im Flug, fast ohne bie Augenlider zu heben. Unb nirgends hat Sehen unmerklicher unb un­auffälliger zu geschehen alt bei ben Wände riuf gen durch bie Viertel, in Denen DaS neapolitw« niscke Voll wohnt. Denn bat Leben der Familie spielt fich in seinen ileinsten Dingen Immer irgendwie tn der Oeffentlichkeit ab. Die Wohn- räumc, bie zu ebner ötbe liegen, finb immer an marmen Ab en ben durch offene Türen unb Fcn- li er dem Qluge des Vorübergehenden bis in bie Winkel deS Hintergrundes bargeboten. Da stehen Die Betten, oft auS schönem Messing und mit bunten Steppdecken belegt, in denen man er­wachsene Menschen und Kinber ruhen ober Ichlasen sieht . da ist der Tisch um dessen Rund sich bie Familie aerobe zum Abendbrot niebcrgelaffen hat. Man könnte von Haus zu Hans feststellen. waS diese und waS jene essen. Da ist eine Strickerei, wo bi» tief in Vie Rächt gearbeitet wird, unb Dort eine bügelet.. Hier macht man künstliche Blumen, ein paar Schritte weiter werben seidene Schuhe mit Gold- und Sllberfäben bestickt.. Unb Immer brennen bie blaßrvten Lampen vor bem Dilb einer Madonna, deren Hand aus den Pfeil im Herzen weist, immer blühen ber $eillaen ein paar künstliche Blumen: benn die wirklichen «inb zu teuer und verwelken zu schnell. Vielleicht auch findet man, baß fie nicht so leuchtende Farben haben, nicht so sichtbar vorhanden sind tote die anderen Geht man stumm, ohne je zu »erwecken und feine Fremdheit anszubrängen. an all diesen offnen Wohnungen vorbei, wendet man seine Aufmerksamkeit nur einem schönen Portal, einer alten Hof treppe, einem edlen Bal- lougittcr zu: so wird man Immer nur freund ticken Blicken begegnen, oft genug ItebenswürAgc Aufforderungen hören, sich keine Scheu im An- schauen aufzuerlegen unb fo nabe netanautreten

als man gerne möchte. Dann auch kann e» ge­schehen, daß man mit diesen Leuten auf einer Treppenstufe niebersiht. ein Glas Wein mit ihnen teilt, eine Orange ober eine Melvnenschribe baß man sie freiwillig von Ihrem Leben erzählen Höri, waS natürlich oebingt, daß man von bem seinen ctwaS sage, unb schließlich flnbct. wie überall, wo mensa-lichc Herzen den Takt bet Zeiten schlagen, dieselben Schmerzen dieselben Freuden, dieselben Sehnsüchten wohnen Die Form, in der sie ausgetragen werden, ist ver- schieden: der Grundstoff ist überall gleich

Ich habe immer gefunden daß gerade Reapei eine Stadt ist eben um der Offenfunbigktt ihres Lebens willen - bic uns milde, gütig, bulbfam macht, jeden Hochmui lächerlich er« scheinen laßt unb un6 immer wieder begreifen lehrt, daß keine noch so unterschiedliche, durch Wissen und geistige Haltung bedingte Stusung irgend etwa» auslagt über DenWert" einer menschlichen Essenz. Noblesse oblige: wenn eine Stadt es uns nahe legt, so ist eS Reapel..

Eines TageS liefen mir Kinder nach. Die gesehen hatten, wie ick ein kleines Stück Scho­kolade zwischen Die Lippen schob. Es konnten zehn, auch fünfzehn Jungen unD Mädchen fein. Rur die Augen bettelten. Kein Wort fiel 3ck reichte einem Mädchen Den Rest Der Tafel und sah. wie sie das nicht mehr große Stück so verteilte, daß jede- KinD wenigstens einen klei­nen Bissen bekam.

Ein anderes Mal. als sich vor einem weit- geöffneten, hell erleuchteten Zimmer zu ebner Erde das Den Duft süßer Wachskerzen auf die Gasse sandte, eine Menge seltsam ergriffner Menschen staute und mir das Vorbeigehen un­möglich machte faßte mich eine alte Frau am Aermel unb zog mich mitten unter bie Schau- enben. bifl dicht vor die Schwelle bc# Raumes: Da sah ich. 3n dem großen Bett lag ein un­wirklich schöner .Knabe mit geschlossenen Lidern. Ein Priester stand neben ihm. Ich begriff, baß soeben bie letzte Oelung erteilt worben war. Vor dem Bett knieten die Mutier unb jüngere I schluckten de Grickwlster Der Vater, ebenfalls

aut den Knieen, betete vor einem Heillgenbllb, das unter silbernen Rosen an ber Wand hing. Plötzlich hob der Knabe beide Arme auf, griff in zerreißender Sehnsucht in das Kerzengolb ber weihrauchburchbämmerten Lust unb starb im Zu- tüdflnfen. starb fast auf offner Straste. 3m selben Augenblick brachen alle in bie Knie, wäh­rend der Priester bic Augen schloß, bie schon in die Schau jenseitiger Bilder eingetreten waren. AlS ich einige Stunden später, zulällig, desselben WegeS lam, um in die untere Stadt zurück- zulehren. fand ich noch immer das Zimmer weit- gebffnet. Immer noch brannten bic vielen, gel­ben Kerzen. Der Tote lag bleich, mit gefalteten Hänben. In bem großen Beit, über feine Fuße waren zwei rote Relfensträuße gelegt, unDjieben bem Lager Inietcn, den Rücken nach ber Straße gewendet, bic Eltern 3n einem anderen Bett aber, das an der <3citentoanb stand, schliefen zwei ber jüngeren Geschwister, und un Hinter­grund des Raumes, auf einem weih gedeckten Tisch, richtete lautlos, mit fast unwirklichen Ge bärben. eine alte Frau ba« arme Abenbbrvt: ein wenig Fisch. Melonen unb Rotwein. Im Torbogen des RachbarhauseS weinte ein Knabe in leine Hänbc. unb abermals einige Häuser weiter stanb eine Gruppe schluchzender Mädchen um einen alten Mann. Der immer nur das eine Wort sagte:Ah, ehe carino, ehe carino.. Cs schien mir, Der tote Knabe war dieser gan­zen Gasse gestorben: unb hatte viel vom Traum dieser schlichten Herzen mitgenommen, ilnb ich fühlte, wie reich noch diese Armen sind, deren Fuhlen niemals ein Denken ober Dissen in bas Dunkel ber ewigen Frage wozu wozu? zu- rückdämpfte

Reavei bat ist nicht nur Die Stabt. Die sich um den Golf auf die Hügel hinanzieht: da» ist auch dieser Golf felbst, mit allen naher, unb weiteren Küsten unb mit ben Inseln, bie ihn gegen bas offene Meer abschließen. Die Lippe, bic daS Wort Neapel auSspricht, zwingt bic Sehnsucht des AugeS in ben Umkreis beS ganzen GolfeS: am Hafen begümenb. ausladend

nach Sübosten, am Vesuv unb Pompei vor­über nach Eastellamare. Dann üderspringenD nach Capri... unb vom Sübwcsten her zurückbiegcnb über Ischia unb Prociba. bas einsame Misen und bie Bucht von Pvzzuoti. bas Grab Ver­gil» unb Den ewigen Gartenhügel Des Posilipp..

Gibt cs ein Auge, Das gefüllt stänDe mit allen BtlDern. bie auS jebem biefer Olamcn aussteigen? Was immer Du gesehen von Der lauscnbsach gehäuften Schönheit, die sie bergen was immer du Dir etnverleibt so daß es ein Teil deines eigener. Wesens, ja deines Schick­sals wurde: Der Rest, ber übrig bleibt, wirb Im­mer größer sein als bein Besitz: Denn unaus­schöpfbar bleibt, waS lächelnDe Götter als Pa- rabics auf biefer Erbe schufen

Es gibt eine unvergleichliche Stelle, hoch über ben anfteigenben Dächern, bie unS bie ganz« Weite beS GolfeS schenkt: bas ist bic Terrasse jenes Gasthofes, der sich vor bem alten Parco Grifone unb unter ber Oase Der Villa Flori- Diana erhebt.

Dort oben, ewiger WieDerkehrcr. lasse Dick nieber, unter bem fchühenben Dache bes hell.m Zeltichirmes.. unb zaubere Dir, über bas Spie­geln des Hunmels in wellenloser Meeresbläue alle Tage zurück, bic es dir jemals vergönnt war. al» Liebling der Götter zu leben. Pom- peis abendliche Melancholien im verbotenen unb doch heimlich gewährten Derweilen zwischen den Trümmerstraßen, wenn ber Duft ber Kräuter über ben G rädern fast unertragbar wurde, fröh­liche Feste von Eastellamare und Sorrent im Hause fröhlicher Freunde. E-apris. des heimat­lichen. Frühlinge unb Hochsommer: Ginster, unb Rosenüberichwang unb flockende Myrthenblüte des ganz von Bläue trunlnen Ischia Licht- und Silberstürze. unb seinen Wein ben ein Ver­liebterTräne ber Ewigkeit" nannte ben un­erhörten Dein aus Feuergärten, unb. ach. die schluchzende Verlorenheit bcS Kap Wilen: wenn in ber letzten Scharlachlohe, die über Ischias unersättliche Vrilchenbcrge herüberhebt, bas fif* bergrünc Mitleldsseuer bei frühen Leuchtturms aufblinkt