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bessert haben, und das; wir Genf verlassen werden mit verstärktem Vertrauen in das Er­gebnis unlerer gemeinsamen Bemühungen zu­gunsten des Friedens und des Verhältnisses toifdxn Deutschland und Frankreich.

Oberschiesien.

Dens, 10. März. (SU.) Das in der Diens- tagsihung des Dölkerbundsrates eingesetzte Dreier-Unterkomitee sür die ober- ichlesische Frage ist heute vormittag Im Völkerbundssekretariat zu einer längeren Bera­tung zusammengetreten, um eine LösungSrnöglich- keit zu finden. Die verschiedenen von polnischer Seite vorgebrachten Vorschläge, die die Ent­sendung einer Rechts ko mmission oder eines besonderen Sachverständigen nach Oberschlesien vorsehcn, werden von deutscher Seite grundsätzlich abgelehnt. Gegenwärtig wird die Möglichkeit geprüft, eine Begren­zung der Zahl der Schulkinder in den Minderheitsschulen festzusrhen. jedoch ha­ben alle diese Pläne wenig Aussicht auf Erfolg, so das) voraussichtlich der Völkerbundsrot doch den ursprünglichen Vorschlag der Eiicholung eines Rechtsgutachtens des Haager Schieds­gerichtshofes annehmen wird, der zunächst prak­tisch lediglich eine Vertagung der gesamten Frage auf unbestimmte Zeit bedeuten würde. Der deutsche Standpunkt ist in dieser Frage so eindeutig klar, dost keinerlei Veranlassung voc- liegt, sich aus irgendein Kompromiß einzulassen, lieber den Ausfall der Entscheidung des Haager Schiedsgerichtshofes besteht überall nicht der min­deste Zweifel, da die Entscheidung des Präsi­denten C o l o n d e r bereits die rechtliche Seite dieser Frage emdeutig im deutschen Inter­esse geklärt hat.

Vie Danziger Anleihe genehmigt

Eine Rede Ltresemanns im Böllerbuudsrat

Genf. 10. März. (Wolfs.) In der heutigen 'Rntsfifounfl wurde der Bericht des Finanzkomitees über die Grundlagen der erfolgten Verständigung rür die Empfehlung der Danziger inter­nationalen Anleihe von 40000000 Gulden effektiv vom Völkerbund genehmigt. Der Dan­ziger Senalspräsident Sahm gab dabei vor dem Rat eine Erklärung ab. in der er dem Finanz- komitce des Völkerbundes den wärmsten Dank der Freien Stadt Danzig aussprach.

Anschließend an die Darlegungen des Se­natspräsidenten Sahm dankten der Völker- bundslommissar van Hamel und der polnische Ministerresident Straßburger im Ramen seiner Regierung dem Finanzkomitee, den städti­schen und internationalen Behörden. Vor Schluß der Debatte erklärte Reichsminister Dr. ©tiefe- m a n n. er glaube, daß die heutigen Verhand­lungen und das Ergebnis dieses Tages eine große Bedeutung für Den Völkerbund haben. Sie zeigten nämlich, daß der Völkerbund große und wirisame Arbeit da zu tun vermöge, wo der Krieg und seine Folgen am schlimmsten gewütet haben. Wenn wir sehen, so führte er aus, wie die Aufbauarbeit für die von diesen Katastro­phen Betroffenen ihnen wieder eine Heimat gibt, wie die Segnungen des Friedens denjenigen, die am meisten gelitten haben, durch die Zu­sammenarbeit ehemaliger Gegner im Völkerbund und in seinen verschiedenen Organen und Einrichtungen ihnen zugute kommt, so kann der Völkerbund stolz auf dieses Ergeb­nis sein, aber wir müssen uns klar darüber fein, daß alle Bestrebungen, um auf kulturel­lem und humanitärem Gebiete vorwärts zu fom- men, nicht entscheidend sind, wenn nicht zugleich die Möglichkeit geboten wird, daß das durch den Krieg zerstörte finanzielle und wirt- ' schaftliche Gleichgewicht der Welt wie- . derhergestellt wird. Das äu erzielen, wird eine 1 Aufgabe der Weltwirtschaftskonferenz j fein. Aber auch in anderen Problemen wird diese Tätigkeit des Völkerbundes und seiner Or- gane wirksam kundgetan, so in früheren Jahren, als es sich um die Wiederaufrichtung Oesterreichs und Ungarns handelte, wie wir heute gehört haben in bezug auf die W ä h - rungsstabilisierung Estlands und aus den eben gehörten Bericht in bezug auf die Arbeiten für die Regelung der Wirtschaftsfragen der Freien Stadt Danzig, dieses unter

* so schwierigen Verhältnissen zustande gekommenen Staatögebildes. Wir alle wissen, we.che solchen Akkorden entgegenstehende Schwierigkei­ten es dabei zu überwinden gilt. Es liegt mir daran, festzustellen, daß die Arbeiten des Völker­bundes neben den großen Idealen, kulturell Humanitären auch praktischen Fragen vor allem zu dienen haben. Unser verehrter Kollege V a n » dervelde hat in schönen Worten auf das Zusammenwirken der nationalen und internatio­nalen Presse bei diesen Hilfswerken hingewie­sen. Ich lege meinerseits als Präsident dieser Tagung Wert darauf, allen denen, die an diesen Hilfswerken und Wiederaufbauarbeiten rnitze- wcrtt haben, meinen aufrichtigsten Dank zu er­statten.

Deutschland und Südtirol.

(Eigener Bericht des G. A.)

Berlin, 10. März. Der Vertreter Italiens im Völkerbundsrat Scialoja hatte, wie schon gemeldet, gestern einem Vertreter der Täglichen Rundschau in Genf ein Interview gewährt, in dessen Verlauf sich Scialoja auch über die leidige lüdtiroler Frage äußerte und insbesondere be­tonte:Eigentlich sind es ja O e st er re i ch e r. um die es sich hier handelt." Diese Bemerkung darf nicht unwidersprochen bleiben. Wenn es sich hier staatspolitisch auch nicht um Bürger des Deutschen Reiches handelt, so sind es doch M e n- ' chen deutscher Zunge und deutscher Kultur, die sowohl in Oesterreich als auch im Reich als Bestandteil des großen deutschen Volkes ungesehen und entsprechend gewertet werden. Es braucht in diesem Zusammenhang nur daran cr- uneri zu werden, daß. als vor 80 Iahren die verschiedenen italienischen Stämme sich :fjrc geeinte Staatlichkeit schufen, ihre Staats- mannet Verständnis für den Gedanken der n a - Monaten Einheit Italiens hatten und ortan die Italiener in Südtirol. Istrien und Dalmatien nicht mehr als Oesterreicher, sondern als Italiener angesehen wurden Aber '".ch Scialoja erkennt die Berechtigung des na- maalen EinheitSgedankens für Deutschland an. denn er sagt zum Schluß seiner Ausführungen: ..ES liegt doch auf der Hand, daß eine andere Frage, die viel größere Bedeutung für Deutsch­land hätte, in Italien ganz anders beurteilt würde, sobald man die Gewißheit hätte daß das Alto Adige" aus der politischen Gedankenwelt

in Deutschland ein für alle Mal geschwunden wäre." Diese Frage kann nichts anderes fein, als die Anschluhfrage, und Scialoja widerlegt unfreiwilligerweife feine Behauptung über den Volkscharakter der Südtiroler.

Der deutsch-französische Handelsvertrag.

WichtiqcFortschrittc in denBerhandlungcn.

(Eigener Bericht des »Gieß. Anz")

Berlin, 10. März. Die deutsch-französischen Handels-Dcrtragsverhandlungen beschäftigten gestern das Reichskabinett, wobei Ministerial­direktor Dr. Posse über die erreichte Grundlage für die Wetterführung der Verhandlungen Be­richt erstattete. Das Kabinett hat der Auffassung Posses im wesentlichen zugestimmt. Das Proto­koll, das während der Pariser Vorverhandlungen über die Grundlagen für den endgültigen Ver­trag aufgesetzt worden ist, bildet einen we­sentlichen Fortschritt gegenüber der bisherigen Haltung Frankreichs, einmal in bezug daraus, daß der endgültige Vertrag nunmehr sofort mit der Meistbegünstigung de facto beginnen wird: zweitens find die Schwie­rigkeiten, die Frankreich bezüglich der Bindung in den Sätzen fe i n e s M i n i m a 11 a r i f ä machte, beseitigt, und drittens lehnt es Frankreich nicht mehr ab, über Herabsetzungen seines Mi- nimaltarises zu verhandeln. Der endgültigeVer- trag dürfte damit gesichert fein, wenn die De­tailarbeit nunmehr auch erst beginnt. Was die Frage der Meistbegünstigung für französische Weine betrifft, so wird darüber zurzeit noch in der Regierung beraten. Vor der Rückkehr Dr. Posses nach Paris soll, wie wir erfahren, dar­über nichts veröffentlicht werden. Wir würden diesem Wunsche Frankreichs, der dahingeht, zu­nächst ein Weinkontingent für April und Wai zu e Mfei, natürlich nur gegen w icht i g e ®e- genlei cu ge.i nachkommen Am 21. d. Mts. läuft u-t (jrantieid) die Frist ab, n der das bis­herige Provisorium gekündigt werden kann. Die Zeit für die Entscheidung ist also sehr kurz, und es ist darum um so erfreulicher, daß zunächst die­ser große Fortschritt durch die Pariser Vorver­handlungen erreicht worden ist.

Der russisch-lettische Garantievertrag.

Moskau, 10. März. (WTB. Funkspruch.) Der Garantievertrag zwischen der Sowjetunion und Lettland ist para­phiert worden. Der lettische Außenminister (Sielend erklärte bei einem Presseempfang über die Verhandlungen mit der Sowjetunion: Der Garantievertrag wird folgende Bestimmungen ent­halten: Beide Teile verpflichteten sich, Neu­tralität zu wahren, falls einer der beiden Vertragschließenden von einer dritten Macht angegriffen wird, und an keiner Koalition teilzunehmen, die gegen die poli­tische Unabhängigkeit und territoriale Unver­letzlichkeit des andern gerichtet ist, oder einen wirtschaftlichen oder finanziellen Boykott gegen den andern Vertragschließenden durchführen will.

Einigung ist noch nicht erzielt hinsichtlich der Formulierung der Rechte und Pflichten Lettlands gegenüber dem Völkerbund, in dem Lettland loyal und wirksam Mitarbeiten möchte. Die Sowjet­union hat bedeutendes Entgegenkommen gezeigt, indem sie einer Schlichtungskommission mit neutralem Vorsitzenden zustimmte. Zur politi- schen Stabilisierung und Garantierung des Frie- dens schlage ich vor, einen Pakt über die Aufrecht- erhaltung der politischen Lage am Ostuser des Bal­tischen Meeres zwischen Finnland, Estland, Lett­land und Litauen einerseits und Deutschland, Eng­land, Frankreich und der Sowjetunion anderseits abzuschließen.

Belqiens nationale Verteidigung.

Brüssel, 11. März. (W.T.B. Funkspruch.) Der Minister der nationalen Verteidigung d e Brocqueville, erklärte in der Kammer bei Beratung des Budgets der nationalen Verteidi­gung, er sei der Ansicht, daß der Geist von Locarno die Völker nicht daran hindere, ihre Verteidigung vorzubereiien. Es sei ein Irrtum, zu behaupten, daß man. um Frieden zu haben, die Möglichkeit eines Krieges außer Acht lassen müsse Die ständigen Festungen seien während des Weltkrieges nicht unnütz gewesen. Ein Aus­schuß prüfe gegenwärtig in Belgien das Fe­stungssystem, das gegebenenfalls zur Unter- stühung des Feldheeres zu dienen habe. Er wolle dem Heer den Kampfwert wiedergeben, den es durch die mehrmals hintereinander vorgenom- mene Herabsetzung der Dienstzeit verloren habe. Belgien brauche eine gut organisierte und gut geführte Armee Die belgischen Soldaten müßten in der Lage fein, sich gleich vom ersten Tag an zu verteidigen, wenn ein Einfall in belgiß>:es Gebiet drcu.e Der Militär­dienst könne nicht auf toeivger als zehn Monate beschränkt werden, solange die Grenzen einem Einfall offen ständen und die Reserven nur 70 Prozent des notwendigen Bestandes betrügen

Die Lage auf dem ©runbftüdimarht Ter gesunkene Wert. Die Neber, fremdunq.

Berlin, 10. März. (TU.) Im Unteraus­schuß für Geldkredit- und Finanzwesen des En­quete-Ausschusses wurde heute die Entwickelung des städiischen Grnndstückmartles besprochen. Der Sachverständige I a n s j en - Kiel berichtete, daß in Kiel die Häuser mit kleineren Wohnungen mit 30 Prozent und die Häuser mit größere., Woh­nungen mit 30 b i s 40 P t o » ent des V o r- kriegs wertes bezahlt werden würden. Di - durchschnittliche hyvotheläriiche B laftung der Kie­ler Häuser betrage 70 bis 80 Prozent. Zweite Hypotheken seien in Kiel kaum zu erhalten, so daß die Häuser kaum verkäuflich seien. Dr. Derndurg erklärte daraus, daß der Wert des Hausbcsitzes gegen den Fricde.iswerl um 3 0 Prozent g-ef unten fei.

Kommerzienrat Haberland gab Auskunft übet den Berliner Grundstücksmarkt. Im Fahr« 1922 sei f a ft d i e Hälfte der Berliner Häuser zu 2 bis 3 Proz. Goldmarkwert in Ausländer- Hände übergegangen. In einem Falle habe ein Ausländer fein Haus 1926 mit einem Gewinn

von 200 000 Goldmark weiter verkauft. Im Nor- malfalle fei heute die Häuferreme nur d i e Hälfte der Friedensrente, selbst bei Häu­sern am Kurfürstendamm. Der Sachverständige, Ge­heimrat Dr. schwarg äußerte, daß die Häuser vor dem Kriege bis zu 80 Prozent ihres Wertes hypo­thekarisch belastet werden konnten. Heute würde ein Haus nur mit 30 bis 35 Prozent be- liehen werden. Zweite Hypotheken kämen wegen Ausfterbens der kleinen Kapitalisten kaum mehr in Frage. Der Grundstücksocrkehr liege sehr darnieder, weil die Kosten des Gru'ndslückswech- sels zu hoch seien. Seit der Wiedereinführung der Goldrechnung seien etwa 3i Milliarden Mark an Hypotheken ausgegeben worden.

Der Reichsrat billigt die Mieterhöhung. Berlin. 10. März. (V. D. Z.) Im Reichs­rat fand über die Verordnung der Reichsregie­rung über Festsetzung der gesetzlichen Miete derart, daß vom 1. Avril 1927 ab 10 Prozent und vom 1. Oktober 1927 ab wer­tere 10 Prozent zur Friedensmiete hinzugeschlagen werden sollen, eine na­mentliche Abstimmung statt, deren Ergebnis die Genehmigung der Verordnung mit 47 gegen 19 Stimmen war. Gegen die Verordnung stimm­ten die Vertreter der preußischen Provinzen Ostpreußen. Brandenburg. Pommern, Rieder- schlesien. Sachsen und Hessen-Rassau. während die Stimmen des preußischen Staatsministeriums für die Verordnung abgegeben wurden. Dar­nach stimmten mit Rein Baden. Hessen, Ham­burg, Mecklenburg-Schwerin, Oldenburg, Braun­schweig, Bremen. Lippe, Lübeck. Der Vertreter von Anhalt enthielt sich der Stimme.

Die Soziawersicherungen

Deutscher Reichstag.

Berlin, 10. März. (DDZ.) Das Haus seht die Einzelberatung des Etats des Arbeitsmini­steriums beim KapitelSozialversiche­rung" fort.

Abg. Karsten (Soz.) verlangt ein Mit- bestirnrnungsrecht der Versicherten bei Besetzung der leitenden Stellen der Versicherungsämter und der sozialen Gerichtsbarkeit. Die Vertrauensärzte der Sozialversicherung müßten daran erinnert werden, daß die Versicherten auch Menschen sind, die sie nicht wie bisher ruppig und brutal behandeln dürfen. (Sehr wahr! bei den Soz.) Der alte Fehler, Öen gewerblichen Mittelstand von der Sozialversicherung auszuschließen, mühte endlich gut gemacht werden. (Beifall bei den Sozialdemokraten.)

Abg. Z i e g l er (Dem.) meint, sehr mangel­haft sei das langwierige Verfahren und die Der- handlungsart namentlich vor Öen Oberverfiche- rungsäintern. Auch öie Frage öer älmänöenmg öer Invaliöenversicherung hätte schneller gesör- öert werden müssen. Es müßten dort Renten ge­währt werden, die den gegenwärtigen Wirt­schaftsverhältnisfen mehr angepaht sind. Vielleicht ließe sich in naher Zukunst auch eine Herabsetzung der Altersgrenze erreichen. Die Ausdehnung der Versicherungspflicht in der Unfallversicherung müsse endlich einmal Wirtlichkeit werden. DaS Arbeit^ministerium müsse sich einmal schützend vor die so stark und unberechtigt angegriffenen, vielfach durch ehrenamtliche Arbeit geleiteten Krankenkassen, stellen, Die Zersplitterung auf dem Gebiet der Krankenkassen sei zu stark. Das Verhältnis zwischen Krankenkassen und Aerzten sei unbefriedigend. Die Aerzte würden beim Vergleich der Zahlen von 1889 und heute sehen, wie unberechtigt ihre Vorwürfe gegen die Kassen sind.

Abg. Dr. V e ck e r ° Arnsberg (Zentr.) stimmt den Beschwerden wegen öer Dehanölung öer Versicherten bei Öen Tersicherungsbehöröen zu. Ebenfalls müsse öer bisher sechs Mark betra- genÖ2 Reichszuschuß zu jeder Invalidenrente ganz erheblich erholt werden. Den Kranlenkaßen müsse öas Recht öer Sctvitabgave von Heilmitteln ver­bleiben, weil sie sonst gezwungen wären, öem Hanöel öas fünf- bis sechsfache der Preise zu zahlen.

Abg. Boy t hi en (D. Vp.) begründet einen Antrag, öer öucch Reichsgeseh öie Selbstversor­gung öer Krankenkassen, öurch die das freie Ge­werbe geschädigt werde, untersagen will.

Abg. Frau Schott (Sn.) bedauert, daß der deutsche Arbeiter das Verantwortungsgefühl für seine Familie verloren habe, das er vor dem Kriege besessen habe, und sich zu sehr auf die Sozialversicherung verlasse. Die Rednerin be­kämpft die Selbstversorgung der Krankenkassen mit Heilmitteln, weil sie zur Massenbehandlung führe. Sie wünscht ferner die Einbeziehung öer neuentftanöenen Frauenberufe in öie Angestell­tenversicherung. Erstrebenswert sei vielleicht eine eigene Versicherungsanstalt für öie Arbeitslosen­versicherung. Die LanÖwirtschaft müsse in öieser Versicyerungsart gesondert behandelt werden.

Abg. Petz old (Wirtsch. Vg ) horte öigt öie Innungskrankenkassen. Öie ein sozialöemokratischer Antrag beseitigen will.

Beim Abschnitt

Arbeitsoertragsrecht und Arbeilsgerichtsbarkeit" erklärt Abg. Auf Häuser (Soz.) Öas Real­lohnniveau von 1914 sei heute noch lange nicht toieöer erreicht. Das müsse Öen Echlihlungsaus- schüssen klar gemacht toeröen. Die Rationali­sierung dürfe nicht nur zur Bereicherung einiger weniger dienen. Das Tarifvertragsrecht müsse beschleunigt verabschiedet wert en.

Abg. Huke (Z.) schildert die Lahnverhält- nisse in den verschiedenen Industriezweigen als durchaus unbefriedigend. Besonders schlimm sei es in b:r Tabakindustrio. wo öie Unternehmer neucröingd sogar einen SOprozentigen Lohnabbau versuchten.

Abg. Schn ei öer (Dem.) seht die Aus­gabe des Schlichters nicht allein ii einem Aus­gleiche öer Mieterhöhunge i öurch Porjnfteigenm- gen. Wie das Wirtfchalt4m>nif!enum sich im allgemeinen öer Interessen öer Unternehmer an- nehme solle sich öas Arbensminisler um und her Schlichter viel stärker als Schützer der Ar- beiterintoreHcn teigen Dm Schlichtunc-.^ordnung fei doch zum Schutze gerade der Qltr.eitn>.Omer qc- schaffen Der Redner fordert ®efamtbetr:c65- täle für Konzerne und Schuh nicht wieder ge­wählter Betriebsräte gegen Entlassung.

Abg. Thiel (S Vv) bittet öer. Arbeits- Minister um öie Interpret tivn. öaß der An­gestellte nicht dieselbe lange Kündigungsfrist ein- zuralten braucht, wie der Arbeitgeber, sonst müsse das durch einen Gesetzentwurf rückwirkend bestimmt werden. Der Redner verlangt ferne- ein Gesetz über die Taristähigkeit der Verbände Eine gewollie Tarifunfäh.gket von Arbeitgeber­verbänden dürfe es nicht geben

Aus dem Finanzausschuß des Hessischen Landtags.

Darmstadt, 10. März. Der Finanzausschuß des Hessischen Landtags nahm bei feinen Beratun- gen letzt das Kap. 6 (Salzwerk, Badeanstalt und Siefbauamt B a d - N a u h e i m) in Angriff; der Berichterstatter teilte die Anträge zu diesem Kapitel mit, di« besprochen wurden Di« Weiterberatung wurde abgebrochen, um erst Kapitel 7 (Landes- t b « a t e r) zu erledigen. Es lag ein Antrag Greiner (Komm.) vor, wonach das Theater mehr In die Zukunft weifende und reoolutlonäre Stücke aufführen solle, ferner sei Öen Gewerk- fchaften ein Mitbcstimmungsrecht einzu- zuräumen und monatlich fällten zwei Vorstellungen zu einem Einheitspreis von 50 Pfennig gegeben werden. Die ersten beiden Forderungen des An­trages wurden abgelchnt und die dritte der 'Regie­rung als Material überwiesen. Ein Antrag Dingeldey (D. V. P.) will, daß in Kapitel 7 in Einnahmen statt 880 000 Mark 988 000 Mark ein- g«jetzt werden, urob die Ausgaben sollten al» unter­einander übertragbar bezeichnet werden. Der erste Teil dieses Antrages wurde abgelehnt, der zweite dagegen angenommen. Ein Antrag Kindt (Dn.), statt der 100 000 nur 50 000 Mk. zuzusetzen, wurde mit 11 gegen 3 Stimmen abgelchnt. Das Kap. 7 wurde genehmigt. (Der Anteil des Landes (55 Pro­zent) des zu deckenden Defizits fertigt rund 410 000 Mark.

Aus aller Welt.

schweres Lawinemmglück in Graubünden

Schuls (Kanton Graubünden), 10. März. (WTB.) Heute mittag ging im öamnauner Tak eine große Lawine nieder und riß fünf Skifahrer mit, von denen vier verschüttet wurden. Der dem Unglück entronnene Gefährte holte auS Eompatsch dreißig Mann, die die Rettungsarbeiten aufnahmen. BiS jetzt konnte nur der Kaufmann Karl Heinz T r i m b o r n aus Essen als Leiche geborgen werden. Unter der Lawine befinden sich noch Konrad G r ö s - fing aus Salzburg. Konrad Uhl aus Tlümberfl und Fräulein Kastner aus Linz. Die angestell^ ten Ermittelungen haben ergeben, daß die Ver­unglückten den Piz Mir. chu besteigen wollten. In den letzten Tagen waren 40 Zentimeter Reuschnee gefallen. Es war daher bei den gegenwärtigen Schneeverhältnissen etwas ge­wagt, diese Tour zu unternehmen. Kaum hatte die Partie Öie besonders steile Stelle am Piz Minchu erreicht, als unter ihren Skiern öie Schneemassen sich loSlösten.

Unwetter in Frankreich.

Starkes Unwetter, begleitet von heftigen Re­gengüssen und Hagelschauern herrscht gegenwärtig nicht nur an öer Westküste, sondern auch im Süden und Südwesten und auch in der Pariser Gegend. An dec Rhone, der Doröogne und der Seine wird ein Steigen des Wasserspiegels be­obachtet. Meldungen über Sachschäden infolge öer Regengüsse tressen auS verschiedenen Gegen­den Frankreichs ein. DefockderS die im Süden tief gelegenen Täler sind vollkommen über­schwemmt. Ein Teil der Häuser von Bordeau« steht unter Wasser. Aus Toulon kommt die Rachricht, daß öer Kirchturm und ein Teil der Fassade öer aus dem 16. IahrhundeN stammen­den Kirche in Cornelllau eingeMrzt ist.

Haftentlassung des Ehepaares Jürgens.

Im Iürgens-Prozeß beichloß das Gericht, die Haftbefehle gegen die beiden Angeklagten sofort aufzuheben. Auf Wunfch des Ober­staatsanwaltes wurden öie Verhandlungen auf Montag nachmittag vertagt. Entip: enö dem Beschluß Öes Schwurgerichts ist öa- Ehepaar Jürgens aus öem Untersuchungsgefängnis Moabit entlassen tooröen. Frau Iürgens wuröe in ein katholisches Heim nach Sarow- Pieskow gebracht. Lanögerichisöirektor Iürgens begab sich zur Villa öes Iustizrats Dr. Wert- hauer, öer ihm seine Gastfreundschaft angeboten hatte.

(Eine Bäckereifachausstellung.

Die großeDeutsche Backcrei-Fachausstellung" wird im Juli 1927 in Essen ftattfinöcn. Die Vor­bereitungen hierzu hat der Zentraloerband Deuticher BäckerinnungenG e r m a n i a". der größte ge­werbliche Fachverband Europas, der Bäcker- und Konditoreninnung für den Stadt und Landkreis Essen übertragen. Die Ausstellung soll folgende Abteilungen umfassen: Rohstoffe des Gewerbes, tech­nische Einrichtung und lechnische Hilfsmittel und Waren für den geschäftslichen Vertrieb und Wissen­schaft, Wirtschaft- und Naturgeschichte be» Bäckerei- und Konditoreigewerbes.

350 Mark für ein Dreiminulengcfpräd).

Der Telephondienst zwischen Kuba undEng- land wird heute eröffnet wenden. Die Kosten der Gespräche sind auf 87 Dollar für die ersten drei Minuten und 29 Dollar für jede weilere Minute angesetzt.

(Ein Auto in den Rhein gefahren.

Ein 5Xrafttoagcn, in dein zwei Kaufleute aus Düsseldorf saßen, fuhr bei Leutesdorf in den Rbein. Einer öer Insassen konnte sich retten, der andere ertranf. Seine Leiche könnt? noch nicht geborgen werden

Großseuer auf einer mecklenburgischen Domäne.

D.e mecilenburg-strelchsche Staatsdomäne C o n o w wurde von einer schweren Feuers­brunst heimgefucht. Eine Scheune unb Stall wurden vollständig vernichtet. Große ffimie- vorräte sowie 50 Stück Rindvieh und zwei Pferd« kamen im Feuer um. Man vermutet Brandstif­tung.

13 Personen durch (Bas vergiftet.

Aus der Redenhulte in Hinbenvurg er­eignete sich tm Laufe der vergangenen Rächt eine schwere Gasvergiftung, von ber dreizehn junge Leute betroffen wurden. Die Ursache ist bisher noch nicht aufgeklärt, da die Rebenhütte keinerlei Gas erzeugt ober verarbeitet. Sieben Verunglückte mußten in bas Krankenhaus ein- geliefcrt werben, darunter fünf Mädchen. Sie waren bis in die späten Vormittagsstunden noch nicht aus ber Bewußtlosigkeit erwacht.

Die Reichsbahn und das Wochenend.

Zur Zeit läuft in 'Berliner Lichtspielhäusern ein origineller Werbefilm, Öen die Deutsch« Reichsbchngejellschoft hat h?rst«llen lassen. Es wird in lustigen Szenen gezeigt, welch mannigfaltig«» Erhalungsmöglichkeiten besonders die Sonntagsruck- fahrtarien bieten.

Wettervoraussage.

Wolkig mit Aufklaren, Temperaturen wenig ver­ändert, trocken.

Gestrige Tagestcmperaturcn: Maximum: 7 Gr. Celsi ir Minimum: 3,4 Grad Celsius. Niederschläge: 0,3 Millimeter. Heutig« Margentemperatur.- 2,3 Gr.