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Aus der provinzialhauptsiaLt.

Diehen, den 11. März 1927

Volkshochschule Gieszen.

Bon Bolter -egal, Leiter der Volkshochschule.

Die -erbst- und Blnlerturfe der Bolls Hochschule wurden in der ersten Marzwoche abgeschlossen, lieber zweihundert -brer hatten sich an ihnen bc- teüigt, ein Besuch, ber ßemefjen an den durch- schnitUichen verhältnrezahteu städtischer äbenbuoUe- Hochschulen al» normal zu bezeichnen ist. Wenn freilich in diesem Semester die zum Teil sehr er heblich über der Norm liegenden Besucherzahlen früherer Winterarbeitegange nicht erreicht wurden |o ist die» im wesentlichen aus die NebenumtUchleu her Leitung zurudzusühren. mit der man sich nach dem Weggang Dr. -ans Werners faft ein volles Jahr begnügen muhte.

Was die Ziele und Methoden der Volkshoch­schule betrifft, so erscheint es diesmal angebracht, riniyei über ihre dauernder Kontrolle bedürftige ..'leuirolitäf zu sagen. Die Volkshochschule ist nicht der Ort, wo Vereine und Parteien, sei es auch in verschleierter Form, ihre Programme propagieren dursten. 3n der Bolkeh^chlchule können jene Machte nur al» Gegenstände der Betrachtung und Unter- iuchuna, aber niemals als Mitarbeiter erscheinen. Denn sie ist heute die einzige Stätte, an der ohne Rücksicht auf Lorditdung jeder Erwachsene, jeder zur Lerantwortung an Menschen, an der Wirtschaft, am Staat Berufene vom Geist einer von Qnterfinerl» heilen und Leidenschaften unoerblenbeten sachlichen flUMinanber|eßung geformt werden soll. Niemand wirb den Gruppen und Parteien verwehren ober auch nur verdenken wollen, dah sie für die von ihnen gebilligten Lösungen, z. B. der kolonialpoli- tischen und anderer Fragen der Politik, außerhalb her Volkshochschule Interessenten werben. Ja. selbst oon ihren Lehrern muh die Volkshochschule erwar­ten, dah sie als Staatsbürger einen oolitischen Standpunkt haben, und es ist sogar nicht selten van Vorteil, wenn der Standpunkt des Lehrers nicht auf der mittleren Linie liegt, sondern von bem- lenigen erheblich abweicht, auf dem die Mehrzahl seiner -örer steht. Denn der echte Volk-Hochschul­lehrer wiod als solcher niemals für die von ihm gebilligten Lösungen politischer Fragen, son­dern stets für diese Fragen s e I b st Interessenten werben- und er wird zeigen, wie aus bem ge­meinsamen Grunde der Fragen die verschiedenen Lösungen heroorgehen. Dieser Geist der Sachlichkeit ber ben Lehrer erfüllen muh, wird.dann in um so helleres Licht treten, je radikaler nach der einen ober anderen Richtung das persönliche Bekenntnis ausfällt, das er wohl ablegen darf, nachdem er bei ben -örern als geistig mündigen Menschen ben Sinn für die Fragen geweckt hat. Aber wird die Volkshochschule durch solche Neutralität nicht den

B-rieten ihre Gefolgschaft entfremden? Ganz und ßar nicht' Sie wird aut diesem Wege dazu bei­tragen, dah die leidenschaftliche, Nrnbc. geistig un­mündige und daher unzuverlässige Gefolg­schaft. die Parteien heute finden, durch eine denkende, oeraruwortungsbewuhtr sachlich orien­tierte und dahrr zuverlässige Grsolgichast erseht wird U» ist doch sehr wesentlich, aus wei­chen Gründen man einer Partei anhangt; je nach, dem die Grunde mehr ober weniger fachlich sind, i't man ber Partei mehr ober weniger wertvoll. Buch aus diesen Grunde wirb also die volkshoch. Idiuie in Zukunft noch forgfäluaer darüber wachen, dah ihr Lehrplan der Beeinflussung d. rch palit'iche Bereinigungen entzogen bleibt.

Am 1. Januar wurde ber Lchr».txr dreier Ze'len als Leiter der vc.f Hochschule bestellt, und sprach anläfilldi e.ner Ädendfe er. zu der etwa 150 Hörer crsch enen waren über seine Auffassung derlebend.gen Volkshockischule". Da manche an ter Vrltshrchfchule 'ntercst erte Ateile 6er Bürgerschaft keine Gelege nhe.t batten, die rein interne Veranstaltung zu besuchen so darf bie Ansprache hier mit ein .gen Ergänzungen lurz w.edergegeben werden Vielleicht lönner. dadurch jugle-.d) auch Bedenken gegen die Volkshochschule Jerltrcut werden, denen man le.der immer noch egegnet. und die viele ernste IHenldtcn hin­dern. in ihr mitzuarbe.ten und .hre Jturfe zu besuchen.

Die Volkshochschule must stets Fühlung mit bem Leben haben. Wenn es heißt die Wahrheit mad>e frei, so ist dies so zu verstehen; diejenigen Wahrheiten machen frei, die zugleich Antworten sind auf Fragen, die wir an das Leben richten Indern bie Dolkshochlchule in ihren Kurien und Arbeitsgemeinschaften solche Lebensfragen ihrer ^>vrer Ibfen Hilst, erlöst sie von einer Not; aber sie will von der einen Not nur erlösen Helsen, um au anderer und höherer Not zu führen. Indern sie dem Menschen neue Wertfphärcv erfchlteht und ihm so neue Ausgaben des Wachsens zeigt. Und nicht nur die Wahrheit macht frei, auch baS Schöne, das Gute, das Heilige, die Gemeinschaft machen frei. Daher stehen in der Vollshochlchule Drei Arbeitsgebiete, die wissenschaftlichen Kurse, die praktische Kunstpslege und die Pflege einer durchgeistigten Geselligkeit mit der Feier al» ®ipfel gleichberechtigt nebencinander, und keines von ihnen darf zugunsten eine» andern vernach­lässigt werden. Die Volkshochschule must ausgehen von der Totalität der geistigen Lebensbedürfnisse des Menschen und immer von neuem an sie und ihren Wandel anlnüpfen. wenn sie lebendig blei­ben will Zugleich aber muh sie in Verbindung bleiben mit der Bewegung im Reich des .objek­tiven Geistes' und von hter aus die Innenwelt des Menschen zu bereichern, zu erheben und zu ordnen suchen Abzulehnen ist die statische Aus» sassung der Volkshochschule, welche eine bestimmte

Form der Arbeit bevorzugt. Zu bejahen ist die dynamische Auslastung, welche den Wandel und die Vielheit der Dege praktisch anerkennt Sie stellt der städtischen Abendvolkshochschule unter antkrm die Ausgabe, ben Arbeitern, Angestellten. Hausfrauen ul», kraftfpendende Freözeu zu ge­stalten und außerdem eine organische Verbindung mit dem Gemrinwefen. d. h. der Stadt zu suchen innerhalb Deren sie wirken soll.

Auster der Abendlcicr wurden im Februar ,wei Lefcabende veranstaltet, die ebenfalls sehr gut besucht waren. Am 12 März wird Maria U e b n e aus Darmstadt im Austrag des Landes­amts für das Bildungsweicn einen Vortrag über .Neue Formen der Geselligkeit" halten; am Samstag Ist März findet in der Turnhalle der Obemalldiule der Schiustabend des Semester- statt, der der Aus pannung nach der Semesier- arbeit Dienen loll und unter anDerm die Auf­führung des alten BclkSfpielsDer Hammel­dieb bringen wird. Ön Vorbereitung ist ferner ein Werbeheft der Volkshochschule, das ausier dem Arbeitsplan des SomincrlcmesterS vor allem eine Reihe von Aufsätzen über die bisher ge­leistete Arbeit und die weiteren Ziele enthalten wird.

Voruotize«

Tageskalender für Freitag. Stadttheater; Zi, Ubr .Glesien wird Groststad?' iEnbe 1OU Uhr). Lichtspielhaus. Bahnhof- strasie .Zops und Schwert' Astoria-Licht- spiele .Das Panzergewökde"

Lukasgemelnde Man schreibt uns; Bei dem fiamilienaben6, den die Lukasgemelnde am kommenden Sonntag tn ihrem Gemeindelaale veranstaltet. wird Mis ionSprediger Aorl 8 chlaudrass einen Vortrag über ..Land und Leute an der Doldküste. Sitten und Dräuche dec Asanlencger" Hal en Herr Dchiaudrass, geiu..ig aus Rodheim a. 6. 'Bieber, war vor dem Kriege mehrere Jahre als Missionar der Basler Mts- fionsgesellschast in Asrika tätig und widmet sich jetzt hier neben seiner Tätigkeit als Mtssions- Prediger dem Studium her Theologie Es ist be­kannt, dasi unsere Missionare gute Kenner des Lebens in den Gegenden, wo sie stationiert wa­ren, sind und. WeiMie mit der eingeborenen Be­völkerung in nahe Berührung kommen, mit deren Sitten und Bräuchen wohl vertraut sind Auch Herr Schlaudrasf hat durch srühere Vorträge be­wiesen. dasi er über Land und Leute an der Gold lüste, diesem ältesten asrilanischen Arbeils- gebiet dec Vaster Mission, Interessantes zu be­richten weisi (Siebe heutige Anzeige.!

Zum Volkstrauertag am kommen­den Sonntag wird der Volksbund Deutsche KriegS- gräberfüdorge. Ortsgruppe Giesien, wie alljähr­lich die Schmückung der Kriegergräber vorneh­

men. Es Würbe aber begrüßt werden, uxnil außerdem auch Die Bürger!chast Dazu betragen würbe baß die letzten Ruhestätten unserer Krie­ger auf bem hiesigen Friedhos an dem allge­meinen Gedenktag in würdiger Weise hergerichtet werden Ein Blumenstrauß oder ein schlichter Kranz werben schon sehr zur Schmückung eines Grabes beitragen. Lieb eigens sei bei dieser Ge­legenheit Darauf hingeWirfen. daß der für Sonn» tagabent» angrfünDtgte Oichtbildervvrtrag bei Bolksbundcs bet dem Silber von deutschen Sol­daten! riebhösen im Auslände gezeigt werben sollen, mit Rücksicht auf Die Feier In ber Stabt« kirche auf den folgenden Sonntag verfchoben Würbe

ee Zu bem Fememorbproz. her vorn 22. März an vor bem piefigen Schwurgericht zur Verhandlung kommt erfahren wir von gut unterrichteter Seite, daß bte Verteidigung bei Angeklagten von Salomon durch ben Rechts­anwalt Dr. Lütgebrune- Göttingen gemein­sam mit Rechtsanwalt SchIink - Gießen geführt wirb Rechtsanwalt Dr. Lütgebrune ist In Den letzten Zähren burch sein Auftreten als Ver­teidiger In großen politischen Prozessen sehr be­kannt geworden, u. a. war er Verteidiger bei Generals Ludendorff in besten Prozetz gegen Hstler. ferner war er Verteidiger in bem Wi- ktng-Pro-eh und tn den O. E.-Prozeffen.

Die Pflasterung ber Bahnhof­straße zwischen Westanlage und Schanzen st raße, die im Winter Infolge Eintritts ungünstiger Witterung unterbrochen werden mußte, wird im Laufe der nächsten Woche Wieder aufgenommen und nun wohl ohne Unterbrechung zu Ende geführt werben Ein glatter Verlauf Der Ar- eiten ist in dieser stark belebten Straße dringend zu Wünschen. Hierzu können die Ainvvbner wefent» ttch beitragen. Wenn sie, soweit sie Besitzer von FuhrWerlen sind, den unerläßlichen Anforde­rungen der Baubehörde in entgegenkommender Weife entsprechen.

' KanalifationSarbeiten werben in den nächsten Wochen in ben neuen Straßenzügen im südlichen Stadtteil in der Nähe ber Nerven­klinik in Angriss genommen Die Arbeiten wer­den zur Zeit zur Ausschreibung vorbereitet sie sollen dazu bienen, einerseits Erwerbslosen Ar- beitsmöglichk<it zu bieten, anderseits Baugelände baureif zu machen 3n Betracht kommen die Händelsttasie, Beethoienstraße, Richard Wagner­str asie und Thaerstraße. Anschließend an die Kanalisation tollen die Straßenbesestigungen vor- genomincn werben.

' Eine Ausstellung von Schüler- Zeichnungen ist morgen, SamStag, und am Sonntag im Zelchensaal des Realgymnasiums hergerichtet. Zum Besuche der Ausstellung sind alle Freunde und Gönner der Schule eingela­den Nähere- siehe heutige Anzeige

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