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Nr. 58 (Erftcs Blatt

177. Jahrgang

Donnerstag, 10. März 1927

Gießener Anzeiger

General-Anzeiger für Gberhefsen

vn»<f vnv Verlag: vrühl'schc Unioerstlülr-V»ch- unb Steinbruderef H. Lange tn Sieben. 5chnstl-itnng unö Seschäftrstelle: Zchlllittabe 7.

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Die Scholle

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Chefredakteur

Dr Friede Wilh Lange. Deranttvortlich für Tohtili Dr Fr Wilh Lange, für Feuilleton Di H Ihynot; für den übrigen Ted Ernst Dlumschein: für den An­zeigenteil i Derir h Deck, iämtlich m (Biegen

Die Umgruppierung der Mächte.

eigener Bericht be< ®. 2.

Berlin. 10. März. ® la übte man allent­halben nach dem Ab'chluh deS Berfailler Der- 1 raget die Verhältnisse in Europa geordnet zu haben, so hat sich ün Laufe der Zett doch immer­hin eine sehr beachtliche Tkrlcbicbung entwickelt llnb vielleicht hätte man diese Verschiebungen im Augenblick nicht so ernst genommen, wäre nicht der englisch-russische Konflikt eingetreten, der diesen Fragen eine prinzipiellere Stellung einräumle.

®cwih wurde man sich schon seinerzeit llar. ali daS italienisch-französische Rin - ?e n um die Vormachtstellung auf dem Bal - a n einseyte. dah gerade von hier auS, einem der bedeutsamsten Brennpunkte der europäischen Politik die Unordnung der Verhältnisse in Europa ihren Anfang nehmen wurde. DaS eine war jedenfalls gewiß das, daS Schicksal der Kleinen Entente über kurz oder lang in irgendeiner Form bcHegelt sein würde, wenn dieselbe auch noch einmal in der Konferenz von Beides versuchte, nach aufien hin ihre unver­brüchliche Zusammengehörigkeit zu dokumentieren. DaS italienisch-französische Wettrennen auf dem Balkan aber, das schließlich eine Reihe der Mit­glieder der Älcinen Entente mit hineinrih. zer­setzte auch den letzten Zusammenhalt, und man dars wohl heute sagen, zumal nach dem nun­mehrigen Inkrafttreten deS Bessara- bien-AbkommcnS, das, der 'Begriff .Kleine Entente" der Geschichte ar.;cbort.

Gemeinsam mit diesem Balkanproblem ent­wickelte sich fast gleichzeft.g daS Mittelmeer- Problem. daS die drei Mittelmeer-Staaten. Spanien tm Westen, die Türkei im Osten und Italien in der Mitte umfaßte. Hierbei war nach Lage der Dinge selbstverständlich Eng­land am meisten interessiert, das sich vor allem hinter Italien steckte, waS durch die beiden Zusammenkünfte Chamberlains mit Mussolini einmal im Dezember 1925. und dann im Herbst 1926 zum Ausdruck gebracht wurde. DieTri- buna" schrieb deshalb auch seinerzeit, bah der einfache Meinungsaustausch zwischen den beiden Ministern ein sehr bedeutsames politisches Er­eignis gewesen sei. Frankreich war aller­dings keineswegs über den neuen Konkurrenten begeistert, noch weniger, alS der 10. 3uni 1926 auch noch die englisch-italienische Interessen­gemeinschaft in Abessinien durch das eng­lisch-italienische Ergänzungsabkommen zu dem Tripartite-Verirag von 1906 nach außen hin do­kumentierte Rur den Beruhigung-Versuchen ChomberlainS gelang eS seinerzeit, eine Ausein­andersetzung in dieser Frage mit Frankreich zu vertagen.

Italien nahm deshalb von diesem Zeitpunkt an seine Bemühungen um einen Einsluh auf dem Balkan auf, und in rascher Folge gelang cs ihm, mit Jugoslawien, Griechenland, Rumä­nien usw. Verträge abzuschliehen, durch die auch hier der französische Öinfluf, verdrängt wurde, und die durch die nunmehrige Ratisikation des Bcssarabien-AbkommenS weiter ausgebaut wor­den sind.

Infolge der Spannung zwischen England unb Rußland hat die Verschiebung deS Möchte- gletchgewichtS innerhalb der Versailler Mächte- konstellation nun auch auf die seinerzeitgegrün­deten" Randstaaten zwischen 'Deutschland und Rustland übergegriffen. Handelt es sich hierbei zunächst noch um blohe Tastversuche der inter­essierten Grohmächte, so dürfte diese Bewegung für Deutschland schon deshalb von wesentlichem Interesse sein, nicht nur weil Deutschland vieles dat zur Gründung dieser Staaten opfern müssen, sondern auch weil hier die deutsche Politik, die ihre Basis im Berliner Dertrrag und in den Locarno-Verträgen findet, nur allzulcich« ver- vickelt werden könnte. waS allerdings noch von feiner Seite irgendwie versucht worden ist. Die Bewegung in der Versailler Mächtekonstellation greift deshalb stark in die Tagespolitik ein Der öeutfch-polnifche Konfliit.

llntrrrcbunq zwischen Llrcscmann nnb Zalcski

Genf. 9. März. (WTB.) Der deutsche Auhen- et Dr. Strefcmann empfing heute den polnischen Auhenminister Zaleski und hatte mit iwi eine Unterredung, in der insbesondere die wirtfdjafllldicn Beziehungen zwischen Deutschland und Bolen Gegenstand der Besprechung raren. Aus Grund dieser Unterredung werden die Leihen Außenminister ihren Kabinetten Vor­schläge unterbreiten, von denen sie eine Be­hebung der gegenwärtig bestehenden Schwierig- friten erhoffen. Die Unterredung, die kur; nach i Uhr begann, dauerte über eine Stunde und wurde fri Zaleski Deutsch nicht versteht, in englischer Sprache geführt. Dm deutsche Gesandte ia War- 'riau. Ulrich Rauscher, war während eines Teils »rr Unterredung zugegen. Das Ergebnis ist ein der Srroactung entsprechendes und grundsätzlich nicht »chcsriedigendes im Sinne einer materillen ver- kindigung. lieber die schwebenden Fragen e'b^ sind jedoch mit Rücksicht aus die kurze zur Serfügung stehende Zeitspanne und die Roftvendig- kcit. noch mehr Jadjrefcrcnten zu eventuellen Ver- iwnblungen hinzuziehen, in Gens selbst wohl keine weiteren Besprechungen zu erwarten. Da Zaleski ob dem heutigen Äner. das Reichsminister Dr. Strefcmann als Ratspräsident feinen Kollegen gab, leilnahm. so darf angenommen werden, daß die

persönliche Fühlungnahme bei dieser Gelegenheit fortgesetzt wurde.

Kur; nach Zaleski, der übrigens vor seinem Be­rnd; bei Dr. Stre,ernenn eine Unterredung mit Chamberlain hatte, stattete Sriand dem Reichsauhenminister den bereits angekündigten Be­such ab. Rach dieser etwa einstlindigen Unterredung betonte Lriand gegenüber französischen Bresse Vertre­tern die Bedeutung der Teilnahme Deutschlands und Dolens an den gegenwärtigen Verhandlungen de» Völkerbundsrats, wo für den deutschen und polni­schen Auhenminister die Möglichkeit zu direkter Fühlungnahme und (Erörterung der aktuellen fra­gen gegeben fei. Die Saarfrage er! vickele sich günstig Briand betonte, dah mit einer (Einigung in den nächsten Tagen zu rechnen fei. (Er glaube, der Völkerbundsrat werde feine Arbeiten am Freitag ohne Zwischenfall zum Abschluh bringen können. Brianb brachte fchliehllch seine grofje Befriedigung darüber zum Ausdruck, dah diese Tagung es den Vertretern der Locarnomächte durck; den persönlick-en direkten Meinungsaustausch ermöglicht habe, ihren Cntschluh zu bestätigen, das am Lago Maggiore unternommene Werf der europäischen Annäherung fortzusehen.

Rheinlandräumung undderKonflitztmitpolen Keine Verquickung von Wirtschastsfraqcn mit der drohen Politik.

lEigener Bericht deS ,®ieh Anz.")

Berlin, 10. März. 3m Zusammenhang m;t der soeben stattgefunbenen Aussprache zwischen Dr. Stresemann und dem polnischen Auhen- minister Zaleski verdient eine Aeuherung deS häufig als offiziös angesprochenen Pariser Blat­tes ..Petit P a r i s i e n" besonderes Interesse. DaS Blatt schreibt wörtlich: »Der Weg von Berlin nach Paris geht nur über Warschau

unb eine deutsch-französische AnnähecungSpol»tlk mit der m gewissen deutschen Kreisen gesordertei» attiveren Politik gegenüber Polen ist unverein­bar." Dieses französische Eingeständnis, dah die Annäherung DeutschlaiGs an Frankreich in engem Zusammenhang mit den deutsch-polnischen Beziehungen steht, gewinnt dadurch noch an Be­deutung, dah auch England es nicht un­gern sehen wurde, wenn zwischen 'Deutschland und Polen eine Einigung zustande kommt, da dadurch die Stellung Polens dem von England so heftig befehdeten Sowjetruhland gegenüber gestärkt wird. Die Tatsache, dah aucy England ebenso wie Frankreich gern zu Konze (Ionen be­reit sein würde, wenn Deutschland ich Polen gegenüber nachgiebig zeigt, offenbart, dah die polnisch-deutschen Wirtschaftsverhandlungen in Gefahr sind, mit Fragen der großen P o - lilik verquickt zu werden. Dah Deutsch­land selbst, vor allen Dingen die deutsche Wirt­schaft, das gröhte Interesse an einem Friedens- schluh hat. der den für beide Teile so unerfreu­lichen und nachteiligen Handelskrieg beendet, braucht nicht betont zu werden. Bon weiteren deutschen Zuaeständnissen in dem deutsch-polnischen Konflikt kann jedoch unter keinen Umständen d i e Rede fein, und cs muh darauf hingewiesen werden, dah es sich hier lediglich um die Bereinigung von Wirt­schaftsfragen handelt, die mit Politik nicht das geringste zu tun haben und daher in keiner Weise als cm geeignetes Gebiet für deutsche Kompensationen gegen eine wohlwollendere Be- Handlung durch England und Frankreich insbeson­dere in der Räumungsfrage denn hieran toirö doch wohl in erster Linie von unseren politischen Degenspielern gedacht angesehen werden^ kann. Im übrigen handelt eS sich bei der Räumung, wie nicht oft genug wiederholt werden kann, um nichts weiter als um die Er­füllung von verkragSmähigen Ver­pflichtungen.

Das Bessarabien-Abkommen.

Verstimmung

Moskau. 10. März. (Wolfs. Funkspruch) Die Ratifizierung des Bessarabien-Abkommens durch Italien hat. wie zu erwarten war. einen groben Eindruck auf die russische Presse gemacht. Sie sieht in dem Entschluh Italiens ein Ergebnis der Besprechungen, die zwischen Chamberlain und Mussolini in Livorno statt­sanden. Italien habe sich mit England in Ver­bindung gesetzt, nachdem Frankreich es ablehnte, die italienischen Bestrebungen zu unterstützen. Die Ratifizierung des Bessarabien-Abkommc:ls sei ein Beweis der englisch-italienischen Verständigung Der italienische Schritt wird als ruhlandseindlich bezeichnet und die Befürchtung ausgesprochen, dah italienischerseits weitere ruhland- seindliche Handlungen zu erwarten seien. »ISwestija" schreibt, die Sowjet-älnion werde jeglichen Versuch in einer Frage, die ihre bc- rechtigsten Interessen berühre, eine Derrständi- gung ohne s i e und entgegen ihrem Willen zu erzielen, entschiedenen Widerstand entgegen- sehen. Die Sotojct-llnion teile nicht bte ilcber- zeugung der italienischen Regierung, dah die Ratifizierung des bcssarabischen Protokolls ohne 27achteil für die italienischen Interessen aus- gesührt werden könne. Augenscheinlich hat. so führt .Iswestija" weiter ans. die italienische Re­gierung diesmal die Interessen ihres Landes mit den Interessen derer verwechselt, denen eine Schädigung der begründeten Rechte der Sowjet- Hnion als unmittelbares Ziel vorschwebt Eine derartige Einbuhe der Selbständigkeit der Auhen- polirik Italiens in der Frage der gegenseitigen Beziehungen mit der Sotojct-Union muh über­haupt ernste Auswirkungen für die Inter­essen Italiens zur Folye haben. Die Sowjet­union wird keine Ratifizierung des bessaraknschen Protokolls anerkennen u wird den Standpunkt in der bcssarabischen Frage nicht ändern. Der jüngste Schritt der italienischen Regierung stellt offen­kundig einen feindseligen Ak t und eine Bedrohung der freundschaftlichen Beziehungen dar. die bis in die letzte Zeit hinein zwischen beiden Ländern bestanden haben.

Jubel in Rumänien.

Bukarest. 9. März. iWB) Der italie­nische Gesandte Marchese D u r a z z o überreichte heute dem Premierminister Averescu b;c of- fizieUc Ratifikation von der Ratifizierung des Abkommens über Bessarabien durch Italien. Die Stadt ist geflaggt Es finden begeisterte Kundgebungen statt. Die Kammer und der Senat hielten Festsitzungen ab. Die Presse befvr.chr das glückliche Ereignis, das nach der Ratifilahon durch Frankreich und England end­gültig den gegenwärtigen Stand und das histo- r,H<fcc nationale Recht bestätige.

' Deutschland und das Bessarabienabkommen.

London, 9. März. (WTB.) In britischen Kreisen zeigt sich das Bestreben, der allzunach- drücklichen Ausleguag der italienischen Ratifika­tion des bcssarabischen Vertrages von feilen der öffentlichen Meinung auf dem Kontinent, auch in

in Rutzland.

Deutschland, entgegenzutreten. Der Schritt der italienischen Regierung wird von englischer Seite der veränderten Lage zugefchrieben. die die mit RuhIand zusammenhängenden poli­tischen und kommerziellen Möglichkeiten im Der- gleich mit früher weniger ernst und daher etwaig: mit einer Ratifikation des Vertrages verbundene Rachteile leichter wiegen lasse. Es wird von briti­scher Seite betont, dah kein verantwortlicher Politiker in England irgendwelchen Zweifel an der vollkommenen korrekten Haltung Deutsch- lands gegenüber England in der russischen Frage hege und dah im Gegensatz zu einem Teil Der in- und ausländischen Presse volles Ver­ständnis dafür empfunden werde, dah die Teil- nähme Deutschlands am Locarnopakt für Deutsch- land keine Trübung feines Verhält­nisses zu Rußland bedeute

Eine neue Schlacht in China

P a r i s. 9. März. (WTB.) Wie die Agentur Indo Pacific aus Peking berichtet, hat zwischen den Kuomintang-Truppen und den verbündeten Armeen bei Par-Pau-Schcn in der Pro­vinz Sujuan eine Schlacht stattgefunden, bei der die Mukdentruppcn im Vorteil geblieben seien. In Peking seien 500 Rertounbetc ein- getrosfen. Andere Gerüchte verzeichnen den Einzug der Südtruppen in die Stadt Sutfchau. In der | Gegend von Sunkiang sei die Lage unverändert, und trotz des für den 8. März angekündigten Generalstreiks herrsche in den Konze'fionszonen Ruhe.

Die Ratssitzung.

Genf, 9. März. (Wolff.) Zu Beginn der heutigen öffentlichen Ratssitzung verlas der eng- fische Auhenminister Sir Austen Chamber- Iain eine Erklärung, die auf die bri11 5chc Reichskonferenz vom vergangenen Herbst Bezug nimmt und den Wunsch ausspricht, daß aus konstitutionellen Gründen den Regierungen des britischen Imperiums die Annahme von Verträgen, die unter den Auspizien des Völler- bundes zustandekommen. durch eine A c n - derung der Form dieser Vertragsinstru- mente erleichtert werden könnte, indem die Ver­träge anstatt der neuen Form der Verträge zwi­schen Staaten, wie sie zum erstenmal für den Vertrag von Versailles angewandt wurden, wie­der die früher übliche Form von Verträgen zwischen Staatsoberhäuptern erhal­ten. Die Erllärungen wurden vom Dölkerbunds- rat d.skusfionslos zur Kenntnis genommen.

Ein Beschluß des Rates setzt das Datum der ;.n Genf abzuhallenden dritten Inter­nationalen Verkehrskonferenz auf den 23. August dieses Jahres an. Schllehllch wurde ein Bericht über die Rechtslage bezüglich der ausstehenden M itgliedsbeiträge entgegengenommen, der zu dem Ergebnis kommt dah ein automatischer Ausschluß aus dem Völler- bund lediglich wegen Richtzahlung von Bei., trägen nicht eintreten kann. Es müsse vielmehr

die absichtliche Verletzung der Pakt- verpflichtungen bargetan sein.

3n der anlchllesteirden nichtöffentlichen Sitzung wurde auf Vorschlag ScialojaS be­schlossen. den Vorsitz bei der für Juli nach Genf cinbcrufencn Konferenz zur Gründung einer internationalen Katastrophen- Hilf« einem Deutschen zu übertragen, des­sen Ernennung dem RatSpräsidenten Reichs- Minister Dr. Stresemann überlasten bleibt. Auherdcm wurde der kubanische Gesandte in Berlin. Aguero t) Bethan court. zwn Prä­sidenten der dritten Internationalen Berkehrs- konferenz ernannt

Südtirol.

Eine Erklänittg Leialojao.

Berlin. 10. März. (£U.) Der Vertreter Italiens im Völkerbundsrat. Senator Scia - loja. gewährte dem Korrespondenten dec ..Tägl. Rutzdfchau" in Genf eine Unterredung. In der er u. a. auch die Südtiroler Frage berührte, ocia- loja betonte, dah man eine Lösung für die Süd­tiroler Frage ftnden müsse. Das Schicksal von 180 000 Deutschen, von denen die Mehrzahl zwn mindesten mit ihrem wirtschaftlichen Lose ganz zufrieden seien, könne doch nicht dauernd die Beziehungen zwischen zwei großen Staaten be­lasten. zwischen denen es sonst keinerlei Gegensätze, aber manche Gründe für ein Zu­sammengehen gäbe. In der Südtiroler Frage gäbe es etwas Gemeinsames zwischen Italien und Deutschland, nämlich daS Interesse beider Staaten daran, dah diese Frage a u f - höre eine Frage zu sein. ®S läge auf der Hand, dah eine andere Frage von viel gröberer Be­deutung sür Deutschland in Italien ganz an­ders beurteilt würde, wenn man die Gewihheit hätte, dah Südtirol aus der politischen Gedanken- well in Deutschland ein für allemal geschwunden wäre.

Ein deutscher Journalist in Rom verhaftet.

Rom. 10. März. (WTB. Funkspruch.) Der deutsche Iournallst Karl DeliuS auS Berlin, der sich in Rervi aufbielt, wurde verhaftet. Er wird sich, wie .Popolo di Roma" mitteilt, am nächsten Freitag in Genua wegen Ucbcr- tretung deS neuen P o l i ze i g e s e tz c s zu verantworten haben. DeliuS soll tn Deutschland Photographien verbreitet haben, die geeignet find, die nationale Würde Italiens zu schädigen. Wei­ter soll er durch feine Photographien und die dazu gegebenen Kommentare z u m Klassen- hah aufgefordert und den Premier­minister beleidigt haben

Die spanische Tangernote.

Paris. 9. März (TU.) In der heutigen Rachmittagsfihung der französisch-fpanifchen Tan­gerkonferenz hat die spanische Delegation die A ntwo 11 ihrer Regierung auf die franzö­sische Rote überreicht. Die spanische Antwort läßt die Tür für weitere Verhandlungen offen, obgleich der Madrider Standpunkt nt>d> immer stark von der Auffassung Frankreichs und Eng­lands abweicht. Die spanische Regierung ver­langt nicht mehr die Einverleibung Tangers oder des Hinterlandes von Tanger in die spanische <5one. hält aber ihre Forderung auf Derwal- * ung Sanger« durch spanifchc Be - amte aufrecht und fordert weiter, dah der Vertreter des Sultans Mendub nicht mehr vom Sultan, sondern vom Pascha der spani­schen Zone ernannt werden soll. Die Kon- 'erenz dürfte jetzt für einige Tage unterbrochen werden, um der französischen Delegation Zeit zu geben, die spanische Rote zu prüfen.

Jur Verhaftung eines Deutschen in Tanger.

Berlin. 9. Marz. (Priv.-Tel des G 2.) Wie uns zu der Verhaftung eines deutschen Kaufmanns in Tanger berichtet wird, ist die Rechtslage fo. dah der Sultan auf Grund des Versailler Vertrages ein Verbot der Einreise für Deutsche erlassen hat. Darin 'ind alle Deutschen in Spanien wiederholt er­innert worden. Von feiten der Reichsregierung sind jetzt Schritte in Paris unternommen wor­den, um eine Freilassung des Deutschen zu erreichen, die einen Erfolg versprechen. Man darf auch hoffen, dah in absehbarer Zeit eine Aufhebung des ganzen Verbotes anlählich der demsch-sranzösischen Handelsvertragsverhand- langen erreicht werden wird.

Deutschland und der transatlantische Luftverkehr (Eigener Bericht des ,Gieh Anz")

Berlin, 9. Mörz. Die Perhandlungen. ote gegenwärtig zwischen den Deutschen Zeppeiniwerken und der spanischen Regierung über die Einrichtung eines transatlantischen Luftverkehrs zwischen seoilla und Südamerika geführt werden, werden, wie wir von gutunterrichteter Seite er» rabren, aller Wahrscheinlichkeit nach noch in diesem 2Jlonat zum Abfchluh kommen, ,o daß man tn Balbe mit der Unterzeichnung der Ver­träge und Lizenzen von beiden Benragstontra-