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......... . rbcitsaemeinschast auf be- rufßftänbigcm Boden, 3ebc der beiden Organi­sationen behält ihre vollständige wirtschaftliche und staatspolitischc Bewegungsfreiheit. Die Art des gemeinsamen Dorgehens soll je nach den herrschenden Derhältnissen vereinbart werden.

esse, zu erfahren, welche Beweggründe die Mit­glieder der Filmprüfstelle zu ihrem unverständlichen Beschluß geführt haben.

Arbeitsgemeinschaft zwischen Reichslandbund und Handwerk.

Berlin, 9. März. (Wolff.) Zur Herbei­führung einer Arbeitsgemeinschaft zwi­schen dem Rcichslandbund und dem Reichsver- band des deutschen Handwerks haben die beiden Verbände nach einer Berliner Korrespondenz nachstehendes Abkommen getroffen: 3n dem ge­meinsamen Streben. daS bodenständig« Hand­werk und die bodenständige Landwirtschaft gegenüber der internationalen Ver­trustung und der kapitalistischen Mo­bilisierung der Wirtschaft zu vertei­digen. vereinbaren hiermit der Rcichslandbund e. V. und der Reichsverband des deutschen Hand-

gung zwischen den Regierungsparteien herbeizu­führen. um dann mit der Regierung selbst einen Weg zur Erfüllung der dringendsten Wünsch« zu finden. Die Besprechung des Reichskabinetts über die Auswertungsfrage soll zunächst zu dem Er­gebnis geführt haben, daß Reichsjustizmmister H e r g t morgen im Rechtsausschuß des Reichs­tages eine Regierungserklärung darüber abgeben werde, in welcher Weise das Kabinett einen Ausbau der Auswectungsgesetzgebung, insbeson­dere hinsichtlich einer Beschleunigung t:r Auszahlung an d ie A n l e i h e a l t b e - s i tz e r . für möglich haft.

Monate zwei---.. -

sicherungsbetruges acht Monate Desang- nis. zusammengezogen zu insgesamt ein Jahr Gefängnis, die durch die Untersuchungshaft als verbüßt zu erachten ist. Der Haftbefehl ist aufzuheben. Gegen den Angeklagten Jürgen» wegen Meineides zwei Jahr« Zuchthaus, wegen Versicherungsbetruges 16 Mo­nate Gefängnis, wegen falscher Anschuldi­gung drei Monate Gefängnis. Die einzelnen Strafen sollen in zwei Jahre sechs Mo­nate Zuchthaus zusammengezogen werden, von der ein Jahr durch die Untersuchungshaft verbüßt sein soll. Ferner beantragte er bei Jür­gens auf Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte für fünf Jahre und Eidesuntähigkeit zu erkennen.

Die Steuerreform.

Der Reichsfinanzminister im Reichshaushaitsausschufi

Seltsame Filmpolitik.

Berlin, 9. März. (Priv.-Tel. desGieß. Anz.") Nach einer in Berlin vorliegenden Meldung der Neuyorker Staatszeitung" aus San Franzisko hat der dortige deutsche Generalkonsul telegraphisch bei dem deutschen Botschafter von Malyan gegen einen in San Franzisko gespielten antideutschen H e tz f 11 mMen of purpose protestiert. In dem Film wird u. a. eine Szene gezeigt, in der eine große deutsche Granate mit der Aufschrift .'.Gott mit uns" vor einem Kruzifix liegt. Der Gekreuzigte liest die Inschrift, blickt einen Augenblick kopfschüttelnd auf und läßt dann den Kops sinken. Dazu ein deutsches Gegenstück: Die Berliner Filmprüfstelle hat den FUmLand unterm Kreuz", der die kulturelle Entwickluckg Oberschlefiens und besten Schicksalstampf zeigt, nicht freigcgeben, trotzdem Vertreter des Auswärtigen Amtes bei dec Vorführung kei­nen Einwand erhoben haben sollen. Also draußen in der Welt fabriziert man Hetzfilme übelster Art gegen Deutschland, während in Deutschland selbst Kulturfilme von historischer Wahr­heit nerboten werden. Es wäre von großem Inter

henten rechne« kann. Gegenwärtig weift Dr. Ecke­ner und mehrere Herren von der Friedrichshafener Werft in Madrid, um mit den dortigen Regierunas- stellen über die von der Regierung geforderten Un­terlagen zu verhandeln. Die Friedrichshafener Werst hat den Auftrag erhalten, Berechnungen über tue Kosten eines Luftlchifsahrtunternehmens Spanien- Südamerika anzustellen. Gegenwärtig sind eine Reihe Friedrichshafener Techniker an der spanischen Küste damit beschäftigt, Beobachtungen nautischer und meteorologiicher Art zu machen. In Friedrichs- Hasen selbst wird zur Zeit, wie uns berichtet wird, an der Vollendung des Probeschiffes^ ge- nroeitet, das voraussichtlich schon im nächsten Früh­jahr Probefahrten zwischen Sevilla und Buenos Aires unternehmen wird.

Das Arbeitszeitproblem.

Rentabilisierung durch Nationalisierung?

(Eigener Bericht desGieß. Anz.")

Berlin, 9. März. Daß eine Regelung der Arbeitszeit nach vielerlei Seiten hin notwendig ist. rst an dieser Stelle schon des mehrfachen betont worden, wenn dabei auch jedesmal dar­auf hmgewresen wurde, daß einer solchen Sche­matisierung wiederum die größten Be­denken gegenüberstehen müssen. Run hat in der Presse ein außerordentlich heftiger Kampf der Meinungen über das Arbeitszeitnotgeseh, kurz bevor es dem Reichsrat vorgelegt werden soll, eingesetzt. Diese Auseinandersetzungen sind sogar soweit gegangen, daß man in parlamenta­rischen Kreisen hören konnte, die Reichsregie­rung würde bereits erwägen, den Entwurf zu­rückzuziehen. eine Rachricht. die allerdings inzwischen wieder dementiert wurde. Das ganze Hin und Her der Meinungen zeigt aber aufs deutlichste, daß eine Schematisierung über­haupt nicht in Frage kommen kann. Gewiß ist dem Zentrumsabgeordneten Stegerwald in­sofern Recht zu geben, daß. wie er aussührt. die Existenz von fünferlei Arbeitszeiten eine Un­gerechtigkeit in vieler Hinsicht ist. Auch hat Stegerwald recht, daß gegenwärtig für diejenigen, die am schwersten arbeiten müssen, die längste Arbeitszeit besteht. Es ist aber irrig, wenn er glaubt, durch das Arbeitszeitnotgeseh der Er­werbslosigkeit zu steuern. Zunächst einmal steht doch fest. daß. um das moderne Schlagwort gebrauchen, eine Sozialisierung her Arbeitskraft des Menschen nicht nur taktisch, sondern auch psychologisch vollkommen unmöglich ist. Erstens einmal wird dadurch unbedingt in den meisten Betrieben eine Disqualifizierung her menschlichen Arbeit erreicht. Zweitens aber läßt sich die Arbeitstätigkeit niemals in der Form verteilen, daß man. wen gst ens in den meisten Betrieben, die Arbeiter wie Maschinen­telle auswechselt: und schließlich ist die frei­willige Mehrarbeit ein Faktor, der wohl eine entsprechende Gratifikation erhalten muh. der aber im Interesse der Rentabilität der Wirtschaft nicht durch gesetzgeberische Maßnahmen ausgemerzt werden kann.

In unserer sozialpolitischen Gesetzgebungs­arbeit ist, und daran scheitert ihre ganze Wirk­samkeit. der logische Grundfehler gemacht worden, daß man in der Frage deS Arbeitsschutzes die Frage der Schematisierung der Arbeit-- zeit in den Vordergrund drängte. Die Lösung des Problems Hai vielmehr dahin zu gehen, dem Arbeiter seinen Anteil an dem Erfolgen ,er Rationalisierung in den Betrieben sicher­zustellen und dadurch feiner Arbeit den Wert zu verleihen, der ihr zukommt, anstatt seine Arbeit zu drosseln. Die sozialpolitische Gesetz­gebung ist hier den extremen Bestrebungen unter­legen und dürste auch niemals zu einem Erfolg kommen, wenn sie nickt schnellstens einlenft und mit mehr Sachlichkeit an die Lösung der (fragen herangeht. Schon Stegerwald muß des­halb bekennen, daß die Arbeitszeit wohl ein be­deutender Produktionsfaktor, aber nicht der einzige sei. Die Tüchtigkeit der Unternehmer, die verstärkte Jnteressierung der Arbeiter am Betrieb und an der Wirtschaft, die Steigerung der Arbeitsfreudigkeit usw. seien ebenso wich­tig. Dieses Geständnis Slegerwalds weicht aller- ' hings erheblich von feinen übrigen Forderungen ab. Es beweist aber, daß eine Rentabllisierung her Arbeit durch eine Rationalisierung in der Arbeitszeit eben nicht zu erreichen ist. wenn man in diesem Schematismus den Faktor des Arbeitswertes vollkommen übersieht.

$05ialbebatte im Reichstag.

Berlin. 9. März. (D.D.Z.) Vizepräsident G r ä f - Thüringen eröffnet die Sitzung mit herz­lichen Worten des Glückwunsches für den Prä­sidenten Lobe, in dessen Gesundheitszustand eine entscheidende Wende zum Besseren eingetreten sei. Er bittet um die Ermächtigung, dem Ge­nesenden die Glückwünsche des ganzen Hauses übermitteln zu dürfen (Beifall), mit dem Aus­druck der Hoffnung, den Präsidenten bald wieder im Reichstag begrüßen zu können.

Die zweite Lesung des Haushalts des Reichsarbeitsministeriums wird fortgesetzt.

Abg. Lambach (Dntl.): Die Bildung einer Mehrheitsregierung werde hoffentlich dahin wir­ken. daß die in Vorbereitung befindlichen so­zialen Gesetze aus einem Guß entstehen. Den großen Gesichtspunkt für die einheitliche Gestal­tung dieser Gesetzgebung könne man finden in her gleichberechtigten Eingliede­rung der Arbeitnehmer in das po­litische. wirtschaftliche und soziale Leben. Alle sozialpolitische Arbeit werde über­schattet von der Erwerbslosigkeit. Man könne fern Problem nur zu Leibe gehen, wenn man sich vergegenwärtige, daß etwa ein Drittel unseres Volkes nur davon lebe, daß es die nötigen Rahrungsmittel vom Aus­lände pumpe, obwohl unser eigener Acker doch noch viel mehr Rührung bergeben könnte. Die wissenschaftlichen und technischen Vorbedin­gungen für die Hebung der deutschen Landwirtschaft seien bereits vorhanden, nur die Rentabilität für neue landwirt-

viel unfruchtbare Arbeit geleistet. Starke Er­bitterung herrsche über die Steuerschnüffelei.

Abg. Seif fett (Völl.) beklagt das tlein- liche Voraehen der Zollverwaltung und teilt unter großer Heiterkeit mit. daß anläßlich der Amerikareise einer Riege der Deutschen Turner- schaft die Zollverwaltung für zwei turne­rische Chrenkr ä nze 8.50 Mark Zoll ver­langt hat. . Ä,

ReichSfinanzminlster Dr. Kohler erwiderte, daß der Zollnachlah aus Billigkcits- grünöen so dezentralisiert werden solle, daß Be­schwerden dieser Act in Zukunft unmöglich wür­den. Wehr als 2000 neue Beamte würden nicht nötig fein, weil durch die beabsichtigten Verein- fachungsmaßnahmen eine Arbeitsverminderung erzielt werde. Bei dec Einheitsbewertung wird die Reichssinanzverwaltung unbeirrt den Weg gehen, der ihr durch die Gesetze vorycschrieben ist. 3m ganzen Deutschen Reich sei die Bereit­willigkeit zum Steuerzahlen durchaus gleichmäßig verteilt. (Heiterkeit). Maß­nahmen für ein besseres Zusammenarbeiten der Reichs- und Landesfinanzbehörden sollen das Ziel der Arbeit in den nächsten Monaten sein. Bei der Einrichtung der D uchp r ü f u n g hat sich die Mischung von Beamten und Vertre­tern anderer Berufe gut bewährt. Soweit irgend möglich, soll ein reibungs'oses Zusammenarbeiten zwischen den Steuerpflichtigen und den Buchprü­fern erzielt werden. Keine Berechtigung haben die Vermutungen, daß nur kleine und mittlere Betriebe geprüft würden, während die großen davon frei feien. Ich bin gern bereit, Beamte, die anläßlich des Abbaues in den einstweiligen Ruhestand verseht wurden, wieder einzustellen. Aber die Auswahl der für die Finanzverwaltung geeigneten Kräfte müssen Sie mir überlassen

Die Steuereinlreibung.

, Berlin. 10. März. (Priv.-Tel.) Zu der Forderung des Reichsfinanzministers Dr. Köh­ler. ihm 2000 neue Finanzbeamte zu bewilligen, wird von sachverständiger Seite ver­sichert. daß die Steuereinnahmen bei restloser Durchführung dec Gesetze um weit über 100 Millionen steigen werden, während die 2000 Beamten, selbst wenn man sie, was ein hoher Durchschnitt wäre, mit 5000 Mark pro Mann und Fahr einseyt. nurlOMillionenMehr- ausgaben verursachen werden. Eine geregelte Durchführung der Steuererhebung sei geradezu eine Vorbedingung für eine zukünftige Senkung der Steuersätze.

würde. Der Redner fordert eine Lockerung her Wohnungszwangswirtschaft. Die Mietpreise müßten allmählich der Lage des Woh­nungsmarktes angepaßt werden. Da die große Masse heute schlechter lebe als vor dem Kriege, sei es ein Gebot der Gerechtigkeit, die Wohlhaben­den stärker zum Ausgleich der Rot heranzu­ziehen.

Das KapitelArbeitsministerium" wird an­genommen.

Die Beratung und Beschlußfassung über den restlichen Haushalt wird auf Donnerstag vertagt

Umwandlung derNoggen- schuldeninGoldmarkschulden

Berlin. 9. März. (WB.) 3m Reichsmini­sterium für Ernährung und Landwirtschaft wurt-c am 9. März mit den Vertretungen dec Real- kreditinstitute die Lage der mit Roggenwert- schulden belasteten landwirtschaftlichen Kreise er­örtert. Es wurde festgestellt, daß die Umwand­lung von Rvggenschulden in Goldmarkschulden i m stLndigen Fortschreiten begriffen sei. Die Kreditinstitute sind bereit, diese Entwicklung, die eine fortschreitende Abwendung von einem aus der Inflationszeit und Stabllisierungszeit übernommenen und, gemessen an der Währung, beträchtlichen Schwankungen ausgesetzten Kredll- maßstabe bedeutet, ihrerseits zu fördern und zu erleichtern. Allgemeine ilebereinftimmung be­stand darüber, daß ein gesetzgeberischer Eingriff in die verbrieften Rechte der Roggenpsandbrief- befibet nicht in Betracht kommt.

Die AnleiHeallbefitzer.

Berlin, 9. März. (D. D. Z.) Heute nachmit­tag traten, die Führer der Regierungs- Parteien im Reichstag zu einer Besprechung zusammen, die sich in der Hauptsache damit befaßte, bis zu welcher Grenze die Aufwer­tungsbestimmungen vor allem für die Altbesitzer günstiger ge st al te t wer­den können. Es wird versucht, eine Derständi-

eyaftliche Anlagen sei noch nicht geschaffen. Die nf gültige ilcbertoinöung der Arbeitslosigkeit ci jehod) nur auf diesem Wege möglich. Die Arbeitslosenversicherung fei unter 'tn -'otttigen Verhältnissen ein hoffnungsloses llnt.-rneynen. Uchrigens solle man Selbst- ? i l f c. sie schon bestehe durch die obliga- .rische Akeitslosenversicherung nicht erdrosseln.

Mit dem fch^natischen Achtstundentag würde man bas Wirtschaftsleben vergewaltigen. .Sehr rich- g! rechts.) 2lber in den Großbanken könne man ohne Enbuße für die Wirtfckoftl.chke t des Unternehme^ mehr Angestellte beschäftigen. Der große Streit'm England habe bewiesen daß wir

3m Prozeß gegen den früheren Landgerichts­direktor Jürgens aus Stargard und seine Frau stellte der Oberstaatsanwalt nach fast dreistüw- higer Anklagerede folgende Anträge: Gegen Frau Jürgens wegen Meineides fünf Mv -

~ - igniS, toegen Betruges vier

Wochen Gefängnis, wegen Der-

mit unserem Schlichtungswesen auf dem rechten Wege sind. Der Kreis der tariffähigen Gewerk­schaften sei allerdings au eng umschrieben. Man dürse den Konkurrenzkampf zwischen den Koa­litionen um die Seelen der Arbeiter nicht be­schränken. Auch neugebildete Gewerkschaften müß­ten ihre Daseinsberechtigung beweisen können.

Abg. Erkelenz (Dem.) betonte, daß die Rationalisierung in den V/2 3ahren seit der StinneskrisiS gut vorwärts gekommen sei. Es dürfe aber nicht vergessen toerhen, daß zahl­reiche größere Betriebe hinsichtlich der tech­nischen Modernisierung noch in den Kinderschuhen stecken. Die Rationaftfierung der Betriebe und der Absatz her rationalisierten Produkte erfordere bei Unternehmern, Arbeitern und Verbrauchern eine gewisse geistige Umstellung, für die planmäßige propagandistische Arbeit geleistet werden müsse. Während das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit sich dieser Aufgabe mit gro­ßem Fleiß und Geschick annehme, sei bei den führenden Staatsmännern eine solche propagan­distische Rachhilfe zu vermissen. Da die Rationa­lisierung vorübergehend die Arbeitslosigkeit ver­mehre, müsse der Arbeiterschaft die volks­wirtschaftliche Bedeutung dieser Maßnahme klargemacht werden. Der gute Wille der Arbeiter sei bei der Modernisierung der Betriebe von großer Bedeutung und könne auf die Dauer nur yergestellt werden, wenn die Vorteile der Ra­tionalisierung auch den Arbeitnehmern zugute kämen. Man müsse bedenken, daß der nötige Absatz nur gesichert werden könne, wenn die Kaufkraft der Devöllerung mindestens ebenso steige, wie die Produktionsvermehrung. 3n der Praxis sei eine nachhaltige Wirkung von der Silverbergschen Taktik nicht zu spüren. Es sei nicht einmal gelungen, beim Arbeitszeitnot­geseh zwischen Unternehmern und Arbeitern Be­sprechungen und Verständigungen herbeizuführen. Wenn hier nicht schleunigst eine Umkehr erfolge, so werde Deutschland bald von schweren sozialen Kämpfen. Streik und Aussperrungen erschüttert werden. _

Abg. Beier- Dresden (Wirtsch. Dgg.) tritt gleichfalls für die Kultivierung des noch unbe­bauten Bodens und namentlich für die Besied­lung Ostpreußens ein, wo sich die Polen festzusetzen versuchten. Man solle nicht der Reichs­bahn durch Kanalbauten Konkurrenz machen, sondern lieber die Arbeitslosen bei Strahenbauten beschäftigen. Ueber stunden müsse* man ver­meiden. wenn nötig, durch gesetzliche Maßnahmen. Staat und Gemeinden feilten Handwerk und Ge­werbe durch Aufträge unterstützen. Die M i e t - zins st euer dürse überhaupt nicht für Verwal­tungsausgaben verwendet werden, sie müsse zum Teil auch den Hausbesitzern für Instondsehungs- arbeiten zur Verfügung gestellt werden. Die Aus­dehnung der Sozialversicherung auf die Klein­gewerbetreibenden lehnten die Meister selbst ab. Sie hätten bereits ihre freiwilligen Derfiche- rungskassen.

Abgeordneter Schwarzer (Bahr. Vollsp.): Die Arbeitslosigkeit könne man nur durch Hebung der Kaufkraft durch Modemisierung der Betriebe bekämpfen. Die Schablone des Acht- stunderftages könne für die Regierungsparteien nicht in Frage lammen. Ucbcrmäfngc Uebcrarbeit müsse aber verhindert werden. Die 48-Stunden- Woche sei erst diskutabel, wenn sie auch in den andern Industrieländern durchgeführt werde. In der Frage der Invaliden reuten müsse man sich auf eine mäßige Rentenerhöhung und einen gerechten Ausgleich beschränken. Beitragserhöhun­gen müßten durch Lohnerhöhungen wettgemacht werden. Deshalb muffe man Reichszuschüsfe er­wägen. um der dringendsten Rot der Jnvaliden- rentner zu steuern. Die Kriegs- und Klein­rentner verlangen, das Reich solle die Fürsorge für sie übernehmen, weil die Gemeinden zu Elein- lich feien. Das fei unmöglich, weil es das Reich von neuem mit etwa einer Milliarde belasten

Die Wahlreform in Frankreich.

P a r i S. 9. März. (WTB.) Pach dem.Eoir" wird Innenminister Sarraut morgen die Wahlrechtsvorlage dem Parlament unterbreiten. Hiernach wird vorgeschlagen, auf her Grundlage der Arrondissement-Einteilung von 1914 die Einer-Wahlen wieder einzuführen. 100 OOO Bewohner wählen einen Abgeordneten. Kein Wahlbezirk darf weniger alS 40 000 Bewohner enthalten. Die neue Kammer wird nach her Vorlage 587 Abgeordnete, also drei weni­ger als die jetzige Kammer, enthalten. Für den Fall, daß ein Wahlbezirk mehr alS 100 OOO Ein­wohner zählt, wird für jede« begonnene Hundert­tausend ein neuer Abgeordneter zu wählen fein. Wahlbezirke, die weniger als 40 000 Wähler enthalten, werden miteinander verbunden. Die Stichwahlen sollen in Zukunft nicht 14 Tage nach der Wahl stattfinden, sondern 8 Tage später.

Der niederländisch-belgische Vertrag.

Haag. 9. März. (WTB.) Bei der heutigen Behandlung des Vertrages mit Belgien in der Ersten holländischen Kammer kamen je ein Redner der Sozialdemokraten. deS Freihe'.ts- bundes der Katholiken und der Ehristlich-Histo- rischeu zu Worte, die sich alle vier gegen die Ratifizierung des Vertrages aussprachen.

Der belgische Außenminister Vander- velde hatte geltem abend in Genf eine lange Unterredung mit Chamberlain über den nie­derländisch-belgischen Vertrag, wobei besonders die Folgen einer Ablehnu na dieses Vertrages durch die niederländische Erste Kammer besprochen worden feien.

Aus aller Welt.

Tas Erdbeben in Japan.

Der letzte Bericht des Innenministerium- besagt, daß hem Erdbeben 4774 Personen -um Opfer gefallen feien, davon allein In Kyoto 1699 Die Stadt Kobe ist von dem Erdbeben nicht in Mitleidenschaft gezogen worden. DaS Zentrum des Erdbebens liegt etwa 100 Kilometer n&rh- 1 i ch von Kobe. Besonders stark mitgenommen I sind sechs Ortschaften, in denen mehr alS 3000 Personen umS Leben gekommen find. DaS Dors Amina, das eine Bevölkerung von 4000 Men­schen hat. ist fast ganz zerstört. Ein neu- gebaute« Theater stürzte dort ein, und eS brach Feuer aus. bei dem 200 Menschen daS Leben einbüßten und 500 verletzt wurden.

Auch in Amerika Erdbebenwellen.

3n Toncord (New-Hampshire) wurde ein leichter Erdstoß verspürt. Die Häuser wurden erschüttert, uni) eine Anzahl Personen, die sich bereits schlafen gelegt hatten, bereitete sich vor, ihre Häuser zu ocr» lassen. Meldungen über Schäden liegen nicht vor. Auf Kuba erfolgten während dec vergangenen Woche sortgesetzte Erderfckütterungen. Die Bevöl­kerung im Osten der Insel ist im Zustand dauern- den Schreckens. In Santiago de Cuba wurde der fünfzehnte Erdstoß in drei Tagen gestern nachmittag verspürt.

Der Strafantrag im Dücgensprozetz.

Berlin, 9. März. (DDZ.) Der Haus- haltsausschuß des Reichstages begann die Etat- beratung des Reichsfinanzministeriums. Bericht­erstatter Abg. Dr. Oberfohren (Dn.) gibt einen Ueberblid über die Veränderungen des Etats seit dem Vorjahre. Der Mehrbedarf liege vorwiegend in den sachlichen Ausgaben der Auhenverwaltung. Die Mehrausgaben würden durch Ersparnisse in dem Personaletat zum Teil wieder ausgeglichen. Das Bestreben, die Zahl der Finanzämter zu verringern, müffe intensiviert werden. Eine Auffrischung des Personals sei dringend nötig. Die Beförderungsverhäftnisse müßten gebessert werden.

Mitberichterstatter Abg. Dr. Hertz (Soz.) hält Einsparungen an Personal der Finanzämter angesichts der Ucßerlaftung zunächst für fein Mittel, eine Verbesserung herbeizuführen. Der Uebcrbelaftung der Finanzämter müsse aber ein Ende gemacht werden.

Reichsfinanzmini st er Dr. Köhler erflärt, die Uebcrbelaftung sei so groß, daß man in letzter Zeit mehrere Taufend Aushelfer wieder­um Hobe einstellen müssen. Ohne sofortige Einstellung neuer Arbeitskräfte im Außendienst und zwar mindestens 2000 könne er nicht mehr für die geordnete Abwicke­lung der Geschäfte garantieren. Er brauche vor allem neue Deranlagungsbeämte und neue Voll­streckungsbeamte.

Abg. Dr. Cremer (D. Vp.): Man möge er­fragen, ob nicht der richtige Weg der fei. den Bayern beschritten habe, nämlich die Einzie­hung aller Abgaben gewifsermahen bei einer Stelle zu zentralisieren. Dieser Weg würde vielleicht besser sein als der. die ginai-jämter lediglich auf die Aufgaben zu beschränken, die das Reich ihnen zuweise. Den Rachprüfungsdienst bei gewissen Stellen zu zentralisieren, um eine Ein­heitlichkeit zu erzielen, erscheine ihm als ein fruchtbarer Gedanke. Zu prüfen wäre, ob die Steuerzinsen, die jetzt mit 10 Prozent recht hoch seien, nicht herabgemindert werden könnten.

Abg. Schmidt-Stettin (Dn.) vertrat den Standpunkt, daß durch organisatorische Mo nahmen der Personalbestand des Reichsfinanz - ministeriums weiter vermindert werden könne. Man müsse die Warte st andsbeamten wieder beschäftigen, oder bei Weigerung zum Wicd:reintritt die nötigen Konsequenzen ziehen.

Abg. (Bormann (Wirtsch. (Bereinigung) glaubte, daß die Uebcrbelaftung der Finanzämter in der Hauptsache an dem herrschenden Bureaukratismus liege. Es werde sehr

Furtwängler in Washington.

Der Leiter dec Berliner Philharmonischen Mon­ierte und Nachfolger Nikischs am Leipziger Gewand­haus W. Furtwängler dirigierte in Wa'hing- ton vor vollbesetztem Haus« und unter großem Bei­fall ein Konzert, bei dem hauptsächlich Werke deutscher Mei st er gespielt wurden. Dem Kon­zen wohnten das diplomatische Korps und die Mitglieder der Regierung bei. Am Abend veranstaltete der deutsche Botschafter ein Essen und Empfang zu Ehren Furtwänglers.

Folgenschwere Alkoholvergiftungen.

In einem Dorfe in Ostgalizien kam es neuerlich zu einer Masienoergistung durch den Genuß von ungereinigtem Spiritus. Eine aus unge­fähr 5Ti Köpfen bestehende Hochzeitsgesellschaft er- krankte an schweren Dergiftungserscheinunaen. Zehn Personen sind inzwischen gestorben. Zwei Kaufleute, die den Branntwein verkauft hatten, wurden oer- haftet. x

Wettervoraussage.

Bedeckt, zeitweise wolkig, nachts leichter Boden­frost, tagsüber kühl und trocken.

Gestrige Tagcstemperaturen: Maximum: 8PGr Celsius. Minimum: Minus 0,b Grad Celsius. Heu­tige Morgc-ntemperatur: Minus 1,7 Krad Celsius-