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Die Zentrumsfraktion beantragt. Die
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aözuändern, das) sich künftig die Gebote Einschluß aller Zuschläge verstehen.
durchzuführen und die Aufsichtsbehörde In sem Sinne erneut anzuweisen.
Die demokratische Fraktion beantragt, die Regierung zu ersuchen, die Verordnung über die Ablösung der Markanleihen der hessischen Gemeinden und Gemeindeverbände vom 10. Juli 1926 dahin abzuändcrn, daß als Beschwerdestelle statt des in § 14 erwähnter Verordnung vorgesehenen Ministers des Innern der Verwaltungsgerichtshof bestimmt wird.
trennt nach den Ministerien und Deamtengrup- pen, vorzulegen: 2. nach Durchführung der Abbauanträge dieses Verhältnis nach und nach überall auf mindestens 8:1 zu bringen.
Die sozialdemokratische Fraktion hat zur Verwaltungsgesehreform folgenden Antrag eingel rächt: Dein Vernehmen nach sind die Vorarbeiten des Unterausschusses für Der- waltungSrefvrm nunmehr so weit vvrangeschritten, daß es der Regierung möglich sein wirb, Teile deS Reformwerkes dem Landtag im Entwurf zur Beratung vorzulegen. Wir beantragen: Der Landtag wolle beschlichen, die Regierung zu ersuchen, fertige Teile des Regierungsentwurfs einer neuen Gemeindeordnung alsbald dem Landtag zur aeschoftSordnungsmähigen Behandlung zu übergeben.
oierung zu ersuchen, die Bedingungen für die Pacht fiskalischer Grundstücke dahin
Wie die hessische Regierung bekannt gibt, ist der Staat-Voranschlag für 192 7 nunmehr im Druck fertiogestellt und wird bis zum Ende dieser Woche dem Landtag zugehen. Der Finanzausschuß wird sich alsdann unmittelbar mit dem neuen Voranschlag befassen. Die neuen Steuergesehe. die inzwischen dem Landtag zugegangen sind, haben mit dem neuen Staatsvoranschlag nichts zu tun. Lieber den Inhalt und Zweck der neuen Steuergeleye (Grund- und Gewerbesteuer) wird die Regierung in den nächsten Tagen die Oeffentlichkcit ausklären.
der Feucrwchr ferne Gelegenheit zum Besuch des Gottesdienstes bleibt, Erlaubnis für Tanz- und andere Vergnügungen in der Advents- und Fastenzeit — das alles kann jetzt in den Zeiten der Rot den behördlichen Anordnungen zum Trotz unter Duldung der Behörde geschehen. Der Teil der Bevölkerung, der seine Bürgerpflicht ruhig und gewissenhaft erfüllt, verdient auch von selten der Behörde weitgehenden Schutz seiner religiösen Gefühle. Die Auswüchse ter DergnügungStndustrie dagegen, die die Volksgesundheit gefährden, die Volkssittlichkeit verderben. die Volksseele materialisieren, verdienen schärfste Bekämpfung von allen, denen am Volkswohl und an der Staatsordnung etwas gelegen ist. Darum möge der Landtag beschließen: Dre Regierung wird ersucht, die bestehenden Vorschriften zur Heilighaltung der Sonn- und Feiertage zum Schutz deS Gottesdienstes streng
Oderhessen.
7 Landkreis Gießen.
'X Wieseck. 9. Febr. Goldene H o ch° 'zeit feiern am Freitag, 11. d. M., der Landwirt Karl Schäfer I. und Ehefrau Katharina geb. Ihm. Der Jubilar vollendet in diesem Monat sein 73., die Jubilarin in diesem Jahr ihr 72. Lebensjahr.
$ Alten-Buseck, 9. Febr. Das siebenjährige Söhnchen eines hiesigen Bahnbeamlen fiel über ein Gefäß mit K a l k b r ü h e, wobei ihm die Flüssigkeit in die Augen drang. Obwohl das Kind sofort in die Klinik verbracht
Der Zentrumsabgeordnete Heinstadt tragt, die Regierung zu ersuchen: 1. dem tag eine Liebersicht über daS Verhältnis der planmäßigen zu den außerplanmäßigen Stellen, gc-
wurde, scheint Gefahr für teilweisen Verlust des Augenlichtes nicht ausgeschlossen zu fein. — Die Grippe, die unseren Ort bisher ziemlich verschont hatte, scheint nunmehr um sich greisen zu wollen, besonders unter den Erwachsenen. In mehreren Fällen handelt eS sich um die sog. Darmgrippe. Die inzwischen nach hier versetzte Krankenschwester, die sich durch ihr freundliches. zuvorkommendes Wesen das Vertrauen der Gemeinde bereits erworben hat, ist hierdurch gleich sehr stark in Anspruch genommen worden. — Die Zahl der Rundfunkteilnehmer ist hier andauernd im Steigen begriffen. Rachdem im Januar wieder vier Teilnehmer angestossen wurden, beträgt ihre Gesamtzahl nunmehr acht.
0 Großen-Duseck, 9. Febr. Der D e - hirksverein G roßen-Buseck deS Hessischen Landeslehrervereins hielt am Samstag hier eine Konferenz ab. Lehrer Stumpf- Burkhardsfelden hielt einen sehr interessanten Vortrag über daS Thema: .Pestalozzi, ein Lehrer der Lehrenden". Der Vortragende verstand es, durch seine tiefgründigen Darlegungen den Zuhörern eine fesselnde Stunde zu bereiten.
ton. Weickartshain. 9. Febr. Seit 1. Februar ist die hiesige Gewerkschaft Louise wieder im Betrieb. Die Förderbahn wird schon wieder nahezu so stark benutzt, wie früher. Die Wiederinbetriebnahme der Grube hat erfreulicherweise die Arbeitslosenziffer bedeutend herabgemindert.
• Leihgestern, 9. Febr. Wie überaus segensreich sich unsere Gemeindeschwester Anna Reichel im abgelausenen Jahre bestätigt hat, ist aus folgenden Angaben ersichtlich: Die Anzahl der Krankheits.äl.e betrug 712, Krankenbesuche 5091, Nachtwachen 11, Tages- pf.'egen 7, Krankenbesuche in Gießen 15, Anzahl der ange egten Verbände 2795, nachts zu Kranken gerufen 15 mal und an 15 Operationen teilgenornmen. Alle diese Arbeit wurde kostenlos geleistet. Möge auch im lau enden Jahre diese selbstlose und schwere Arbeit unserer Schwester, die der ganzen Gemeinde zum Segen gereicht. Verständnis und überall die gebührende Würdigung finden.
T Allendorf a. d. Lahn, 9. Febr. Bei der am Montag vorgenommenen zweiten CB e r Weigerung der aus der Feldbereinigung gewonnenen Massengrunbstücke, Aecler und Wiesen, wurden die bei der ersten Versteigerung erzielten Preise teilweise' noch überboten. Der Mehrerlös gegen die erste Versteigerung beträgt etwa 4000 Mk. Danach wurden für den Rormalmorgen (2500 Quadratmeter) durchschnittlich 1800 Mk. bezahlt. Für besonders begehrte Stücke kam der Quadratmeter bis auf 1,50 Mk. Trotz des immerhin recht hohen Gesamterlöses von rund 54 000 Mk. für die versteigerten 30 Morgen Acker- und Wiesenland wurde bei einigen Angeboten der Zuschlag noch nicht erteilt, da der von der FMbereinigungskommission vorgesehene Bonitierungswert in einzelnen Fällen nicht erreicht wurde. Was mit diesem nicht verkauften Gelände geschehen soll (es handelt sich dabei u. a. auch um recht minderwertiges Wiesengelände), bleibt abzuwarten. Ob dieses Gelände in Gcmeindebewirt'chaftung kommt, oder die Kauflustigen den vorgesehenen Bonitierungswert doch noch nachbieten werden, muß sich in den nächsten Tagen entscheiden.
# Hungen, 9. Febr. Dic Klagen, die kürzlich an dieser Stelle über die Verkehrsverhältnisse auf der Bahn st recke Ridda — Friedberg vorgebracht wurden, gelten auch für die Linie Hungen—Friedberg. Während in der Vorkriegszeit 6 bzw. 7 Züge dem Verkehr dienten, sind es jetzt nur deren 4. Die wenig dic Dahn'oerwaltung den Bedürfnissen des Verkehrs gerecht wird, ersieht man daraus, daß beispielsweise in der Zeit von 9.23 vorrniit'gs bis 5.33 nachmittags, also innerhalb eines Zeitraums von über 8 Stunl>en, keine Zugverbindung in der Richtung nach Friedberg besteht. Ein großer Teil der Dörfer der Strecke ist nicht nur politisch, sondern auch bei Einkäufen an Gießen gebunden. Wohl bestehen zur Hinfahrt gute Anschlüsse, was aber als besonders mißlich empfunden wird ist. daß bereits mit dem 4.31 Llhr in Gießen abgehenden Zug die Rückfahrt angetcetrn werden muß. da im Anschluß daran der letzte Zug um 5V_> Llhr abfährt. An Sonn- und Feiertagen ist eine Reise nach Gießen überhaupt unausführbar, da dann bereits in Gießen um 1.42 Llhr die Rückfahrt an
Die sozialdemokratische Fraktion beantragt. Der Landtag wolle beschließen. die ^Regierung zu ersuchen, bei der Reichsregierung und im Reichsrat dafür zu wirken, daß die Arbeitszeit durch ein Rotgeseh auf der Grundlage des Washingtoner Abkommens umgehend geregelt wird.
Der flatternde Gruß.
Dm Max Iungnickel.
Ein alter Landsknecht, der in der französischen Armee gedient hatte, fand an einem Morgen. unten im Italienischen, einen jungen Menschen auf der Landstraße erschlagen liegen. Er war fre.nd hier. Das sah man an seinen gclb- blondcn Haaren und seinen toten, blauen Augen. Aus Deutschland mochte er sein. Seine Kleider waren verregnet und von Dornen und Gestrüpp zerrissen, zerwandect die Schuhe. Die nackten Zehen sahen daraus hervor.
Der Landsknecht grub ein Grab. Es regnete, ein warmer, seiner Regen. Als das Grab fertig war, nahm .er den Fremden auf den Arm und trug ihn hinein. Leicht war et. — - Plötzlich lachte dec Landsknecht auf. Aus dem dreckigen, zerrissenen Hemd des Fremden flatterte, blaufegelnd, ein kleiner Schmetterling. Den kannte et. Den gab's ja nur oben, im Rorden, in Deutschland. Lind in seinem alten, rauhen Kopf wuchs eine Landschaft auf, durch die er, vor langen Jahren, einmal mit bluttauchendem Schwert geschritten war. Dann huschte ein Lächeln in seinen Batt: Hatte der Schmetterling Furcht, daß er auch hier mit- vegraben werden sollte? Lind nun durchsuchte ber Landsknecht die Taschen des Fremden. Krouses, wunderliches Zeug lag darin: eine tlcine Weidenflöte. Einmal war sie wohl grün gewesen. Jetzt war sie grau und rif,ig. Der Lands- knecht steckte sie zu sich. Em Stück Bindfaden lag auch in der Hosentasche und ein abgegriffenes Wanderbuch. Der Landsknecht mußte wieder lächeln und steckte alles zurück in die Hosentasche deS Fremden.
AIS er chn verscharrt hatte, mußte er wieder an den Schmetterling denken: Wo mag er Einfliegen? Wird er auch sterben? Hat er am Herzen deS Deutschen gesessen und gefchla'en? Ja. vielleicht, sicherlich. Da ist'S ja immer schön warm gewesen, und da hat er sich gcschauke'l. wenn daS Herz so auf und nieder schlug Hernach ist'S ihm zu kalt geworden, und dann in er weggeflogen.
Lind immer fiel ihm wieder d r blaue Schmetterling ein. Bei uns hier gibt's ein ganz anderes B au als da oben im Rordrn. Hier ist das Blau hell und heiß und leuchtet. Dort aber ist es dunkler und ruhiger; aber wundersamer. Plötzlich tat er erschrocken und griff nach seiner Hosentasche. Als er die Weidenflöte in der Hand halte, lächelte er wieder. Er besah sie lange und probierte sie. Die Flöte schrillte und sang.
Der Landsknecht war in einer Stimmung, die seine Gedanken immer dorthin führte, woran er gar nicht denken wollte. Er zwang sich, jetzt an eine Melodie zu denken. Lind nun legte er sich auf das Grab lang hin, genau so, als läge er neben seiner Trommel am Lagerfeuer. Lind er blies die Flöte. Das gab eine lustige Melodie. Die ringelte sich flink um das Grab herum. „ Immer mehr Melodien zogen sich aus der Flöte heraus. Da war's ihm, als ob jetzt ein Schluchzen durch die Flötentönc klänge. Er hielt inne und ging davon. Schön sah er aus. wie er davonging in feinem bunten Kleid mit dem seide.-.en Halstuch. Die Weidenflöte paßte gar nicht zu ihm.
Frankfurter Theater.
Ludwig Fuldas vierak.iges Lustspiel „Der Vulkan" brachte das Reue Theater in einer luftigen, in Tempo und Auffassung dem Spick gemäßen Inszenierung heraus. Die Ehe des Architck.en Hennings und seiner Frau Sabine ist ein ständig brodelnder Vulkan. Im ersten Akt kehrt „s»e" von einer Erholungsreise aus dem Sanatorium zurück, im zweiten „er“. Im dritten Akt ist Scheidung mit allerhand Begleiterscheinungen und im vierten und letzten Akt verloben sich die geschiedenen Ehegatten wieder miteinander, folglich könnte von hier ab daS Spiel wie ein Film zurückgedreht werden und wieder mü dem ersten Akt beginnen, denn dieser „Vulkan" wird so bald nicht ausgebrannt fein. Das Lustspiel, welches schon einige Jahre zurückliegt. gehört gewiß nicht zu den glänzmdsten. die wir von Fu.da kennen, er hat schon bessere Stücke geschricbe.i. Trctzdem. man unterhält sich gut. denn das Spiel ist humorvoll, hat flotte Dialoge
getreten werden müßte, um nach dreistündigem Aufenthalt in Hungen um l/ß Llhr weiterfahren zu können. Es wäre sehr erwünscht, wenn, wie eS in den Dorkriegsjahren der Fall war. dieser Zug im Anschluß an die von Gießen und Gelnhausen in Hunden sich kreuzenden 2-Llhrzügc gefahren und eine neue Zugverbindung nach Eintreffen des von Dießen 6.42 Llhr abgehenden Zuges eingelegt wurde. Es wäre damit einem großen Teil Der reisenden Bevölkerung gedient, der sonst den teuren Llmweg über Friedberg wählen muß, keinesfalls aber der frühere Zustand erreicht, der noch um 9 Llhr abends ab Gießen einen bequemen Anschluß von hier nach Friedberg ermöglichte.
Krcis Friedberg
O Friedberg. 9. Febr. Der hiesige Schweinemarkt, dessen Abhaltung seit Monaten wegen der weiten Verbreitung der Maul- und Klauenseuche im Kreis verboten war, hat heute zum ersten Male wieder stattgesunden. Der Austrieb hielt sich in mittleren Grenzen und bestand hauptsächlich in Iungferkeln. Da die Kauflust nicht sehr groß war, mutzten die Verkäufer die anfänglich hohen Forderungen stark heruntersetzen. Es wurden bezahlt für frisch- geschnittene Ferkel von 6 bis 8 Wochen 20 bis 25 Mari, für Dreimonatsferkel 40 bis 50 Mark, für halbjährige Springer, die in nur wenig Exemplaren au, getrieben waren, 60 bis 70 Mark. Handel schleppend und langsam, doch war um 12 Llhr der Markt geschlossen, große Lieberstände verblieben.
m. Butzbach, 9. Febr. Die hiesige Ortsgruppe des Evangelischen Bundes hielt gestern in der Langgassenschulc ihre Hauptversammlung ab. Der stellv. Vorsitzende. Pfarrer Schneider, erstattete einen kurzen Rechenschaftsbericht, der in pietätvollen Worten für den verstorbenen ersten Vorsitzenden, Pfarrer Loos, seinen Ausllang fand, wobei sich die Anwesenden von ihren Sitzen erhoben. In den Vorstand wurden gewählt Pfarrer Schneider als erster. Pfarrer Linden st ruth als zweiter Vorsitzender, Bahnmeister Kahl- b o m als Rechner und Lehrer Bach als Schriftführer. Beisitzer wurden Frau Pfarrer Wahl, Frau Lehrer Arnold und Inspektor Llnverzagt. Pfarrer Wahl von der Zellen- strasanstalt hielt einen tiefDurchdachten Vortrag über das Thema: .Die Religionen und bas Evangcllum."
Kreis Alsfeld.
L Ruppertenrod, 9. Febr. Der Dau unserer - Wasserleitung scheint nun gesichert. Die Verhandlungen mit dem Besitzer der Luchmühle in Ober-Ohmen, L. Müller, haben nach langem Hin und Her endlich zu einer Einigung geführt. M. verkauft die Quellen, die auf Den benachbarten Wiesen liegen, für 800 Mark bar, Anlage der Wasserleitung und freie Belieferung mit Wasser an die Gemeinde Ruppertenrod. Die Grundstücke, auf denen sich die Quellen befinden, bleiben Eigentum des Besitzers der Luchmühle. Die Wissen, um die es sich hier handelt, sind sehr feucht: sie dürften durch die Fassung der Quellen an Wert gewinnen. Mit den Arbeiten soll Anfang Marz begonnen werden. Von der Luchmühle vis nach Ruppertenrod ist eine drei Kilometer lange Rohrleitung nötig. Die an der Ohmstrahc entlang geführt wird. Diese lange Leitung stellt sich aber immer noch billiger als ein Pumpwerk, das für unfire Gemeinde eine dauernde Belastung gewesen wäre. Bei den nun bald beginnenben Arbeiten werden eine ganze Anzahl Arbeitslose auS der Umgebung Arbeit finden, aber auch mancher kleine Landwirt kann sich hierbei ein schönes Stück Geld verdienen. Für unsere Gemeinde bedeutet der Bau einer Wasserleitung in der jetzigen Zeit eine Leistung, zumal erst vor etwas mehr als zwei Jahren unter großen finanziellen Opfern unser neues Sch,;lßa.:s erbaut wurde.
Rheinhessen.
WSR .M a i n z , 9. Febr. In einem Kaffeehaus am Bahnhof siel gestern ein ziemlich stämmiger Schuljunge infolge seines gesunden Appetits und seines spendablen Wesens auf. Als die Polizei sich nach seiner Herkunft erkundigte, stellte sich heraus, daß bet hoffnungsvolle Schuljunge, nachdem er für feine Ellern eine Rechnung einkassiert hatte, aus seiner Vaterstadt Kreuznach durchgebrannt
und wirksame Situationen. Hinzu kommt die höchst amüsante Ausführung unter Max Op - hüls Regie, die famosen Vertreter der vulkanischen Ehe, Karl Günther und Luzie Englisch, Karl Stauds Iustizrat, Familien- Freund, Berater und Scheider, und Ereszens, das Hausekel: Dora D e b i ck e. Das Publikum war lachbereit bei Der Sache und gab seinem Vergnügen händeklatschend Ausdruck.
L. W.
Uebermenschttche Schweiger.
Während daS tägliche Leben gar oft Die Schad- lichkeit übergroßer Geschwätzigkeit uns vor Augen führt und auch das Sprichwort das Schweigen in den lautesten Tönen preist, zeigt doch Die Erfahrung, daß es auch Menschen gibt. Die zu ihrem und ihrer Mitwelt Rachteil in Das andere ®egenieil verfallen. So gab es, toie eine englische Zeitschrift erzählt, einen Wigenftihrer und einen Schaffner, Die durch 14 Jahre Den gleichen LonDoner Straßenbahnwagen beDienten, ohne jemals ein Wort miteinanDer gewechselt zu haben. Die Ursache dieses rätselhaften Verhallens ist unaufgetläit geblieben. Aber selbst bei Ehepaaren, Die DaS Leben in eine noch engere Berührung miteinander geführt ha!, finDen sich solche seltsame Schweiger. So klagte vor einiger Zeit eine Frau vor einem französischen Gerichtshof auf Scheidung, und DaS Bild, Das sie von ihrem Eheleben enthüllte, brachte auch die Tatsache ans Licht. daß sie 20 Jahre mit ihrem Galten zusammengelebt hatte, Kinder erzogen halte ohne daß zwischen den beiden jemals ein anderes Wor! gewechselt wurde, als was Die Rotwendigkeit des Alltagslebens erforderte. Gin anderer Pro;eß, der anläßlich eines BantrottS geführt wurde, enthüllte eine nicht minder nmrl- würdige stumme Ehegemeinschaft. Die beiden Ga ten batten während zwei und eines halben JahreS niemals ein Wort miteinander gewechselt, jeder kochte sich seine Mahlzeit allein, und wenn auch der Mann in Erfahrung gebracht hatte, daß seine Srau irgendwo em kleines Geschäft betrieb, so hatte er Doch keine Idee von dessen Beschaffenheit. Hiuffa werden in solchen stummen Ehen die Kinder als Bo!en zwischen beiden Teilen gebraucht. — Oftmals sind es aber Verbrechen und die Furcht vor ihrer Entdeckung. die die Menschen zu langjähriger Stumm
war, um in Der weiten Well Abenteuer zu erleben. Er wurde in Obhut genommen und feinen Angehörigen wieder zugestellt. — Der frühere bischöfliche Finonzdireftor Scheider ist wegen sortgefetzter Unterschlagung von Kir- chengeldern in Haft genommen worden. Die Höhe der veruntreuten Summe soll sich auf 20—30 000 Mk. belaufen.
WER. Dingen, 9. Febr. Ein hiesiger Schuljunge hat vor einigen Tagen einen Ä i n - berluftballon, dem ein Zettel mit feinem Aamen beigegeben war, aufsteigen lassen. Rach vier Tagen traf auS Königsberg in Oft- Preußen eine Karte ein, worin mit geteilt wurde, daß der Ballon in Der Rähe von Königsberg gelandet ist. Die zurückgelegte Strecke beträgt 1200 Kilometer.
Preußen.
Genesens chastsdrach.
WSR. Wetzlar. 9. Febr. Wie auS einer Zuschrift an Den „Wetzlarer Anzeiger" hervor- geht, ist in der letzten Zeit zwischen den dem RevisionSverband der nassauischen l a n d- wirtschastlichen Genossenschaften e. V Wiesbaden angcschlossenen Spar- und Darlehnskassen und Der Verwaltung ihrer Zentralstellen ein ernsthaft^ -Konflikt auSgebrochen. Die Llrsache liegt einmal in einem von der Warenabtcilung h-rausgewirtschasteten Verlust von ca. 500 000 W k., zum anderen in übermäßigen Gehaltszahlungen an Die Drei Direktoren, die je 50 000 Mk.. 40 000 Mark und 30 000 Mk. Iahresgehalt beziehen. Daß Die dadurch hervorgerufene Belastung bet Genossenschaften in Gestalt von hohen VerbandS- beiträgen, ungünstigen Zinssätzen unD hohen Warenpreisen zur Llnzusriedenheit führte, siegt klar auf Der Hand. Die Genossenschaften des Kreises Wetzlar und des Krei.es Biedenkopf haben darum die Initiative ergriffen und eine Aktion eingeleitet, deren Ziel Die Beseitigung und Umotganifierung Der gegenwärtigen Verwaltung ist. In einer mit 80 Unterschriften aezeichneten Eingabe an, die Direktion wird Die Einberufung einer außerordentlichen Generalversammlung am 24. Februar nach Limburg gefordert, der eine Lagesordnung mit der Absetzung von V o r- stanb und AufsichtSrat vorliegt. Wan trägt sich auch mit Dem Gedanken, ähnlich wie bei Rai.feisen Die Verwaltung für die Verluste verantwortlich zu machen. Es besteht die Gefahr, daß der Anteil Der Genossenschaften von je 1500 Mk. Der Vcrluskwirftchast bereits zum Opfer gefallen ist.
Slrctd Wetzlar.
• Wetzlar, 9. Febr. Heute nachmittag ereignete sich an der <$_fe Wuhlgraben» und Dauborn er Straße ein Motorrad-Zusam menst oß, der ernste Folgen hatte. Ein hiesiger Schreinermeister kam mit seinem Fahrzeug Die Wuhlgrabenstrahe herunter, ehr er um Die Ecke biegen konnte, kam von Der Rauborner Straße her der Zimmermeister S ch e p p aus Münchholzhausen ebenfalls aus Dem Motorrad entgegen, und beide Fahrer rannten gegeneinander. Der Zusammenprall war so stark, daß beide Manner ein großes Stück fortgeschleudert tourDen. Schepp war sofort besinnungslos, der andere Verunglückte erlitt nicht unerhebliche Bein- verlctzungen. Die Verletzten wurden in daS hiesig« Krankenhaus überführt.
- - Wetzlar, 9. Febr. Zur wirksamen Durchsetzung Ihrer VerkchrSinteressen haben sich In Den Rachbardörfern Uaubotn und ©t ein Dorf Ortsgruppen des hiesigen Verkehrsvereins {.e.LDct, Die in Raubarn eine S.arle von über 100, in Steindorf eine solche von 33 Mitgliedern aufzuweisen haoen.
WSR. Wetzlar, 9. Febr. Eine der ältesten Industriestätten dcs Kreiles Wetzlar, die sog. Oberndorfer „Schmelz" in Braun- fels-Oberndorf. Die Der früheren Firma §r Hollmann & Sohn gehörte, ist in Den Belitz bes E.ftngroßhändlcrS Peter Weil von Wetzlar übergegangen, Der das Werk mit Dem Drahtwcrk Albshausen vereinigt und die Fabrikation in ähnlicher Weise wie dort betreiben will. Die Fabrikanlagen de; seit langer Geit stilliegenden Stahl- und Eisenwerkes in Aßlar werden abgebrochen. Lieber das Schicksal des Werkes Überhaupt läßt sich noch keine Voraussage aufstellcn. — In einer von etwa 300
beit verurteilen. So stellte sich einst ein Einbrecher auf Der Anklagebank auf alle Fragen, Die an ihn gerichtet wurden, stumm, so Daß er schließlich Sachverständigen zur Unter,uebung übe, geben werden mußte, ob er,ausBosheitoderdurchFügung GotteS* nicht sprechen könnte. DaS Urteil lautete Dahin, Daß er Die Stummheit nur simuliere. So wurde Denn fein Prozeß wieder ausgenommen, und er entging nicht Der wohloerDienten Strafe. Einem anDeren Ma^ne, einem amerikanischen Verbrecher, gelang es. sich Durch hartnäckige Stummheit das Leben zu retten. Er war wegen Teilnahme an einer blutig endenden Meuterei im Gefängnis zum Tode durch den Strang verurteilt worden Während er aus die Vollstreckung des Urteils ira Gefängnis warten mußte, weigerte er sich zu sprechen. Zeder Versuch, ihn zum Reden zu bewegen, blieb erfolglos, so daß er schließlich zur Ueberwachung in ärztliche Obhut gebracht werden mußte. Riemals gelang eS, ihn bei einem Worte zu überraschen, und er lebte noch »5 Jahre in tiefer Schweigsamkeit, Da er wohl wußte, baß jedes Wort ihn das Leben kosten würde. AuS ganz anderen Gründen hat ein anderer Geiangener Die Rolle DeS Stummen getpielt. Gr war ein Matrose, Der von einem Schiff in Portugal Desertierte und als Vagabund von Der Polizei aufgegrifien wurde. Hier bewahrte er vollständiges Stillschweigen, und, obgleich seine Person durch seine Papiere festgestellt worden war, verweigerte er jede Auskunft. Schließlich wurde er Dem Konsul jenes Landes, Dem er angehörte, übergeben; Doch auch dieser konnte mit ihm nichts and richten. So wurde er abermals In das Gefängnis zurückgeschickt wo er Drei Jahre in vollstem Schweigen Der Barrie. Obgleich Die Aerzte wußten, daß er sein Gebrechen nur vortäufchte. wußte er doch asten Fallen, die ihm gestellt wurden, zu entgehen. Schließlich erklärte Die Verwaltung, des Gefängnisses, Daß ste genug von dem scheinbar Stummen hätte, und wollte ihn in Freiheck sehen- AderalS er an Das Tor des GesängnifleS geführt wurde, bat erdurch Zeichen mit dertzandso beweglich, man möge ihn nicht hinausstoßen, daß er wieder in Dic Zelle zurückgeführt wurDe, Die ihm so teuer geworden. Hier verblieb er nun neucrDings 4 Jahre in voller Menschenabgeschiedenheit und S ummheit, bis er schlie stich seines müßigen Lebens überdrüssig wurde und eine Stelle als Gehilfe in der GesängniSküche annahm.


