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Nr. 54 Zweites Blatt

Archäologische Arbeit im faszistischen Rom.

Don Dr. Margarete Dieber, Professor an der Universität Dießen.

Rom. Februar 1927.

Mussolini knüpft bewußt und ostentativ an die Glanzzeit Roms im Altertum, die römische Kaiserzeit an. Er will bas römische Imperium, da er eS in feinen alten Grenzen die bekannt­lich (Britannien, Gallien. Spanien, Aegypten, Kleinasien, die Donau und den Rhein ein­schlossen nicht wiederherstellen kann, wenig­stens im alten Glanz Wiedererstehen lassem Aeuheres Symbol dafür i,st> bas FaScio, bas Rutenbündel, bas von Zahlreichen antiken Denk­mälern her bekannte Abzeichen des römischen Victors. Sn diesem Zeichen stand nicht nur die mit so großer Propaganda betriebene Anleihe (prestito del littorio), sondern es wird jetzt auch als offizielles Hoheitszeichen an allen öffent­lichen Gebäuden angebracht. Die tatkräftige und hinreißende Persönlichkeit des Duce, der frei­lich mehr an mittelalterliche Condottieri als an einer, römischen Kaiser erinnert, treibt das leicht entflammte italienische Volk wie mit Ruten­schlägen zur Entwicklung einer Energie, Tat­kraft und Disziplin, die man vor dem Krieg für unmöglich gehalten hätte. Man muh mit Reid feststellen, daß in Station jetzt viel mehr gearbeitet wird als in Deutschland. Der feste Glaube an eine immer bessere und immer größere Zukunft entfaltet und erhöht die körperlichen und geistigen Kräfte des ganzen Dolles. D i e große Zukunft, die an die große Vergangen­heit anknüpft, ist Ziel und Belohnung aller Anstrengungen.

Don dieser Stimmung profitiert die Archäo­logie aktiv und passiv. Riemals waren die Aus- grabungsstätten und Museen von italienischen Angehörigen aller Stände so ftarf_ besucht wie jetzt, während die Fremden nur spärlich sich in

Das Arbeitslosenverficherungs- gesetz.

Der Reichstag hat am Montag mit der Ver­handlung über das ArbeilslosenvcrsicherungS- aesey begonnen. Alle Parteien des Parlaments sind sich darüber einig, baß die bisherige Art der Regelung der Arbeitslosen«ursorge durch «in Gesetz abgelöst werden muß. Der Reichsarbeitsminiger Brauns hat deshalb einen Gesetzentwurf auSgearbeiiel, der die Re­gelung der Fürsorge für erwe.bsloS Gewordene durch eine Zwangsversicherung vorsieht. Rachbem dieser Ge etz.'ntwurf Reichvrat und Reichswirtschaftsrat passiert und dort noch einige Aenderungen erfahren hat, liegt er den jetzigen Beratungen im Reichstag zugrunde. Dieser ©e- seyenlwu.s sie t als versicherungspflich- t i g alle diejenigen Arbeitnehmer vor, deren jährliches Einkommen 6000 Mark nicht über­steigt. Der ve.sichcrurgspllich.igc Personenkrei» ist also derselbe, wie bei der Reichsversicherung und bei den Krankenkassen. Insgesamt würden von der Arbeitslosenversicherung ungefähr 17 Millionen Menschen ersaßt. AIS Träger der Versicherung schlägt der Gesetzentwurf in erster Linie auS arbeitvrnarftpositischen Erwägungen heraus die Scha fung von LandeSarbeits- k o f e n k a s s e n vor, die aber den Landesämtern angegliedert werden sollen: Ein neuer Derwal- tungsapparat wird dadurch vermieden, da be­reits vorhandene Einrichtungen benutzt und nur die Ausgaben und Kompetenzen neu verteilt werben sollen.

Der räumliche Gefahrenausgleich, der in dem Desetzentwurs besondere Berücksichtigung gefunden bat, geht von dem Gedanken aus. daß die Ar­beitslosigkeit. die Deiträge und die Belastungen tn den verschiedenen Wirtschaftsgebieten stark voneinander abweichen. Der Entwurf löst diese- Problem, indem er die Arbeitslosennachweise einer ArbeitSlosenkasse zu einer Gefahrengemeinschaft Äufammcnfab t und über die ArbcitSlosenkasse durch Errichtung einer Reichs- auSgleichSkasse beim Re.chsamt für Ar­beitsvermittlung einen zentralen Risikoausgleich schasst. Die Leistungen der neuen Versiche­rung sollen in ein bestimmtes Verhältnis zu dem verdienten Lohn gesetzt werden, und zwar ist In fünf Lohnstufen ein wöchentlicher Einheitslohn vorgesehen (10. 15, 25. 35 und 45 Mark). Die Hauptunterstützung beläuft sich bann auf 40 Pro- Jent dieses Einheitslohnes. Dazu kommt für eben zuschlagsberechtigten Familienangehörigen 5 Prozent deS Einbeitslohnes. Sedoch soll der Höchstsatz der Unterstützung 65 Prozent deS (Sin- heitSlohneS In keinem Falle überschreiten. Man hat diese Regelung nach Lohn stufen gewählt, weil ja auch die Beiträge der Versicherungs- Pflichtigen, die grundsätzlich 2 Prozent des Drutio- kohneS betragen sollen, nach dem Einkommen des einzelnen verschieden sind. AuSgezahlt soll die Unterstützung tr rben nach einer Karenz­zeit von sieben Tagen und für die Höchstdauer von 26 Wochen in einem Sah re. Der Entwurf fleht aber vor, daß die Höchstdauer in besonders günstigen, bzw. ungünstigen Wirtschaftszeiten herab- bzw. herausgefetzt werden kann. Berechtigt zur Rutznießung deS Arbeit-- kofenversicherungSgesehes find Diejenigen Lohn- unb Gehaltsempfänger, die während deS letzten SahreS 26 Wochen versicherungspflichtig waren und arbeitsfähig, arbeitswillig und unverschuldet arbeitslos sind.

Einer möglichen Ausbeutung der Arbeits- kosenunterftüyur.gska'fe durch Arbeitssche le will der Gesetzentwurf dadurch begegnen, daß jeder Arbeitslose grundsätzlich zur Annahme jeder Arbeit bereit sein muß. Gerade auf diesem Gebiet dürfte das Zusammenarbeiten zwi­schen den nach wirtschaftlichen Grundsätzen zu- fammengefehten Arbeitsnachweisen und der Ar- beitslosenkasie von großer Bedeutung fein. Eine besondere Bestimmung besagt, daß eine Arbeit, die durch Streik frei geworden ist, nicht an­genommen zu werden braucht. Eine Unterstützung von Arbeitslosen, die durch Streik ihre Arbeit verloren haben, erfolgt allerdings für die Dauer deS Kamp'eS nicht. Eine Kurzarbeiter- unter st ühung ficht der Gesetzentwurf des ReichSarbeitSrninisteriumS nicht mehr vor. Da­gegen ist der produktiven Erwerbslosenfürsorge mit Hilfe überschüssiger Gelder, die sich in wirt­schaftlich guten Zeiten in der Reichsausgleichs- kasse ansarnmeln. ein bedeutender Platz zuge-

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gderhessen)

wiesen. Dem modernen Gedanken internatio­naler Sozialversicherung ist man dadurch ent­gegengekommen, daß denjenigen auSländi'chen Arbeitern, in deren Lande die deutschen Arbeit­nehmer auch in arbeitslosen Zeiten unterstützt werden, dieselben Rechte gewährt werden, wie den deutschen Arbeitnehmern

Die Durchberatung deS Gesetz en twurseS im

Reichstag wird sicherlich noch harte Kämpse brin­gen. da einzelne Parteien noch Veränderungen bzw. Perbesserungen der einzelnen Bestimmungen vorgenommen wisien wollen Sn ihrem Grund­gedanken können aber jedenfalls alle Parteien der Vorlage zustimmen die ohne Zweifel ein hervorragendes Werk deutscher Sozialpolitik darstellt.

Der Zauberer von Menlo Park."

Ium achtzigsten Geburtstag (kdi-ons, am 10. Februar.

Sm Sabre 1876 gründete ein junger Physiker m Menlo Park bei Reuyork ein Laboratorium, auS dem im Lause der folgenden Sahrzehnte bis in unsere Tage hinein eine große Reihe tech­nischer Wunder den Siegeslauf um die Welt angetreten und den Erfinder rühm ThomaS Alva Edisons begründet haben. Und die Persönlichkeit deS greifen Konstruitcurs selbst in ihrer unerschöpsllchen Geisteskraft greift fast ans Wunderbare: kamen doch noch in jüngster Zeit über den Ozean Meldungen, wonach der alte Zauberer ,.the wizard os elechidto, wie man ihn drüben nennt unermüdlich an der Arbeit sei und sich mit der Lösung neuer großer Probleme beschäftige.

Die Kurve dieses unerhört produktiven Le­bens ist schnell nachgezogen. Der 1847 in Ohio Geborene beginnt feinen Weg der Arbeit als Zeitungsjunge auf Bahnhöfen Michigans und Kanadas, druckt als Fünfzehnjähriger selbst eine kleine Zeitung, interessiert sich frühzeitig für Chemie und Physik. RachtS erlernt er die Be­dienung des Telegraphcnapparatcs und wird bald Telegraphist. Sn Sndianapolis erfindet er, angeregt durch seine berufliche Tätigkeit, eine Vorrichtung zur automatischen Uebertragung von Depeschen von einer Leitung auf eine andere. Rach mehreren Etappen belleidct er eine höhere Stellung im Telegraphenamt von Doston, wo er um 1870 ein erstes Patent auf einen Gegcn- sprecher erhält und wo er eine Anzahl anderer telegraphentechnischer Apparate und Verbes­serungen konstruiert. Sn Rewark errichtete er dann eine Fabrik zum Dau seiner Maschinen und 1876 die erwähnte Werkstatt in Menlo Park sowie ein großes Laboratorium in Orange. Bald bilden sich in Amerika und Europa be­sondere Gesellschaften, und umfangreiche Fa­briken entstehen, um feine Erfindungen industriell zu verwerten.

Die lange Reihe dieser Geisteskinder Edi­sons zu überblicken, ist nicht so schnell getan. Fast erscheint es einfacher, aufzuzählen, was er nicht erfunden hat ... Seinem erfolgreichen Landsmann von der Kraftwagen-Fakultät hat Edison einmal gesagt:Wer kann heute wissen, waS die Elektrizität noch alles leisten wird? Doch niemals wird eine einzige Art von Kraft alle Arbeit schaffen können. Seder Mo­tor, der wenig wiegt und viel leistet, hat Zu­kunft. Arbeiten Sie ruhig weiter, Mr. Ford!" Die Worte könnten in gewissem Sinne für den Erfinder selber gelten Die Elektrizität ist immer seine größte Liebe, fein bevorzugtes Betäti­gungsfeld gewesen auf dem er zahlreiche seiner bedeutsamsten Werke geschaffen hat.

Edison ist der Vater der G 1 ü b b i t n e. Sn welchem Maße sie sich in aller Welt durchgesetzt hat, braucht dem modernen Menschen nicht erst gesagt zu werden Fabrik und Werkstatt, Laden­geschäft und Haushalt, (Bureau, Lokale und öffent­liches Leben sind heute ohne die Glühlampe kaum denkbar. Schon 1879 hatte Edison die ersten, wirllich brauchbaren Lampen dieser Art her- gestellt und im gleichen Sabre den Dampfer .Columbia" mit einer elektrischen Maschinenanlage und mit 115 Glühlampen ausgerüstet. Cs war ein Ereignis, als er im Herbst 1882 in Reuyork mit eigener Hand das unter seiner Leitung gebaute erfte Elektrizitätswerk ter Welt in Be­trieb setzte. Sein unvergängliches Verdienst wird es bleiben, diese erste elektrische Zentralstation sozusagen auS dem Richts, ohne Vorblld, ohne Erfahrungen, geschaffen zu haben Während seine zu diesem Zweck konstruierte Dampsdynamo von der weiteren Entwicklung bald überholt wurde, ist der Edisonsche Stromzähler, den er ebenfalls für das erste Werk aus dem Stegreif erdacht hatte, noch lange Zeit hindurch von den ameri­kanischen und vielen europäischen Elektrizitäts­werken benutzt worden ein DeweiS für daS Gelingen des ersten Wurfs.

Daß eS möglich wurde, neben der Musik auch die menschliche Stimme. den Gesang, die Laute der Ratur .sestzuhalten". auf unabsehbare Zeit .aufzubcwahren' und beliebig oft mit größter Wirklichkeitstreue wiederzugeben, ist ebenfalls Edison zu danken: auch der Phonograph ist sein Werk und hat sich b.s heute in glänzender Entwicklung zum vollkommenen Epeechapparal be­hauptet. Ganz ähnlich verhält es sich m.t einet anderen Erfindung, die sich alle Zonen erobert hat und heute Millionen von Menschen täglich Unterhaltung und 'Belehrung bietet. Wer von allen Kinobesuchern denkt heute daran, daß die Voraussetzungen für die vielseitigen und schier unerschöpfliche Möal'chkeiten des modernen L i ch t s p i e l S von Edison gegeben worden sind? Sein Kinetoskop bildete hierfür den Ausgangs­punkt. und es mag für den jugendlichen GreiS ein seltsamer Augenblick der Rückschau und zu­gleich der Genugtuung gewesen sein, alS er vor wenigen Wochen in Reuyork bei der Einweihung deS neuen Paramount-Wolkenkratzers in der Ehrentage des glanzvollen .größten KinoS der Welt" stürmisch gefeiert wurde und das erstaun- siche Wachstum feine« einstigen Geisteskindes feststellen konnte.

Daß aber auch unser neuestes technische- Wunder, der Rundfunk, der erst in jüngster Zeit im drahtlosen Ferngespräch über den Ozean neue Triumphe seiern konnte, auf Arbeiten und Experimente EdisonS zurückgeht, dürste nicht all­gemein bekannt sein Bereits im Rovember 1375 hat er jene seltsame elektrische Wellenbildung entdeckt, die er .ätherische Kraft" nannte und über die er damals iifarnerikanischen Fachzeit­schriften berichtete. Ebenso schuf er zu jener Zoit schon die heute so bedeutsame Vakuumröhre. Auf der Grundlage seiner Feststellungen im Verein mit den Forschungen des Professor- Maxwell und den Arbeiten des deutschen PhysllerS Hein­rich Hertz im Sahre 1885 waren erst Mar­co n i S Erfolge cuf dem Gebiete der draht­losen Verständigung möglich. Hätte der ersinde- rische Amerikaner damals nach dieser Richtung hin weitergearbeitet, so wär» vermutlich die Welt um etliche Sahrzehnte früher vorn Radioverkehr umzogen worden.

Rur vor den allgemein bekanntesten Schöpfun­gen des Srsinderjubilars und ihren Auswir­kungen wurde bisher gesprochen Die Reihe seiner erfolgreichen .gesammelten Werke" ist indessen bet weitem länger. Möge der Laie mit ihnen zum Teil weniger vertraut sein so kennen und schätzen sie die Fachleute und Techniker um so mehr. So wird der Elektroingenieur den Wert der Edisonschen Verbesserungen des Mikro­phons für daS Fernsvrechen zu würdigen wissen, oder etwa die Brauchbarkeit seine- Mikrotasi- rneterS, eine- elektrische SnstrurnentS zum Messen Heiner Druck- oder Längenveränderungen, oder die Wichtigkeit der von Edison erdach en und bereits 1878 praktisch angewandten Dleisicherung für Starkstromleitungen Aus feiner Frühzeit stammt eine Vorrichtung zum gleichzeitigen Tele­graphieren und Telephonieren auf derselben Drahtleitung. Um 1900 führte er eine neue Art alkalischer Akkumulatoren für elektrischen Strom ein. Sein Megaphon, ein Sprachrohr zur Ver­ständigung aus weite Entfernungen, hat sich na­mentlich in der Schiffahrt ufw. als nützlich er­wiesen. während fein Phonometer einen Apparat zur genauen Ermittlung der Sprachstärke dar­stellt. Ein von Edison ersonnenes Verfahren zur Vervielfältigung von Schriftstücken, der Mimev- araph, war früher viel in Gebrauch Als eine Art .Dervielsältigungsversahren" könnten im übrigen auch feine nach Rormalsormen gegosse­nen Häuser gelten, die seit dem Sahre 1907 namentlich in den Vereinigten Staaten eine weite Verbreitung gesunden Haven unö möglicherweise berufen sein dürften, auch bei der Beseitigung der deutschen Wohnungsknappheit künftig noch

diesem Winter eingesunden haben Besonders charakteristisch ist es. daß man im Gegensatz zu früher viele katholische Geistliche in den heid­nischen Qlntifcn-Sammlungen trifft Die christ­liche Archäologie freilich zum Xeil tendenziös betrieben blüht ebenfalls auf. Vor allem sehen die .klassischen Archäologen" viele alte Wünsche teils erfüllt, teils ihre Erfüllung in Aussicht gestellt.

Seil 1887 kämpften zuerstBaerdH, dann Lanciani und Corrado Ricci um dieZona archeologica monumentale, d. h. die Frei­legung des Palatin-, des ForumS, der Kaiserfora, des Kapitols, der Via Appia inner­halb der Stadt mit den Caracalla-Thermen, des Claudius-Tempels auf dem Caelius, deS Goldenen Hauses des Rero und der Trajans- thermen auf dem Esquilin Vor dem Kriege wurden aber nur nacheinander Forum. Palatin, Colosseum, ein Teil der TrajanSthermen, die Caracalla-Thermen und der Claudius-Tempel unter gesetzlichen Schutz gestellt, also Ruinen- stätten die keine kostspieligen Expropriationen und Riederlegung von späteren Gebäuden ver­langten Erst während und nach dem Krieg hat man begonnen, nach einem von Corrado Ricci entworfenen genialen Plan auch Kapitol und Kaiserfora freizulegcn Bei der Durchführung des ersteren sind wir Deutschen bekanntlich die Leidtragenden, da man unsere Botschaft und unser Archäologisches Snftitut von der heiligen Stätte vertrieben hat Ein Heiner Trost ist das im Unter stock deS ehemaligen Botschafter-Palastes Caffarelli neu eingerichtete Museo Musso­lini, das durch einen Korridor mit dem Mu­seum im 1. Stock des tiefer liegenden Konser- vatoren-Palastes verbunden ist Es enthält haupt­sächlich antile Skulpturen die früher im städti­schen Magazin auf dem Caelius waren und die sich durch das Fehlen der sonst in den römischen Anttcen-Museen z. B. im Vatikan so un­leidlichen modernen Ergänzungen auszeichnet. Der Direktor D o c c o n i, ein liebenswürdiger Künst­ler. hat sich dabei der 'Beratung durch den

Direktor des deutschen archäolgischen Instituts in Rom, Professor 21 inelung. bedient, des besten lebenden Kenners antiker Plastik. Das Resultat ist daher ein sowohl wissenschaftlich wie künstlerisch hoch erfreuliches.

Aus dem römischen Forum ist die beste Arbeit der letzten Zeit eine nicht italienische, nämlich Die einer Amerikanerin Miß van D e m a n, die in den MemoirS der Amerikani- schen QUaöemie soeben ihre glänzenden, auch von männlichen deutschen und italienischen Kol­legen neidloS anerkannten Forschungen und Er­gebnisse veröffentlicht hat. Sie hat eine Anzahl von Bauresten, die bisher unerklärt waren, al- einen großartigen Hallenbau erkannt, den Rero zwischen dem Palatin und seinem Goldenen HauS auf dem ESquillin über das Forum bin et- bauen ließ, also eine Art Vestibül von riesigsten Dimensionen, entsprechend Der ungeheuren Größe des neronischen Palastes, der einen ganzen Stadt­teil einnahm. Die Anlage, die nach zwei Seiten anstieg, war ein architektonisches Meisterwerk.

Rein italienische Arbeit ist dagegen aus den Kaiserfora geleistet worden. Corrado Ricci hat daS prächtige Forum des Kaisers Augustus frei» gelegt Bisher kannte man nur die mächtige Brandmauer, mit der das Forum gegen Die voll- reiche Suburra abgeschlossen war. einen Teil der beiden Halbkreise in dieser Mauer, In Denen ur­sprünglich Statuen berühmter Männer Der Vor­zeit standen und drei kolossale Säulen von Der einen seitlichen Säulenhalle des Tempels. Setzt Dagegen hat Corrado Ricci aus Dem Kloster Der Annunziata, Das sich an Die Umfassungsmauer anlehnte. Den hohen Unterbau Des Tempels herausgehvlt. mit marmorverlleiDctem Podium, breiter Freitreppe zu der tiefen Vorhalle, Resten der marmorumrahmten Zri'atür. hohem Stufen- podium für Die Kultstatuen des rächenden Kriegs­gottes und Der VenuS. Der zweite Halbkreis ist mit Resten eines bunten Marmorsuhbodens und einer kostbaren Wand Verleidung zutage getreten. Zwischen ihm und Dem Tempel ist eine ebenfalls mit bunter Marmorinkrustation geschmückte recht-

Donnerstag, 10. Zebruar (927

eine wichtige Rolle zu spielen. Endlich sei daran erinnert, daß ein System zur magnetischen Auf­bereitung der Eisenerze der Verbcls.rungS- unD Reinigung-Prozeß vor der Eisen- und Stahl­erzeugung wie e- Edison auf einem ihm ge­hörigen Hüttenwerk in Rew Serfey zuerst ein- führte, in größtem Umfange von der 2Hontan- industrie ausgenommen worden ist.

Diese Beispiele mögen genügen, um daS einzigartige Sngenium diese- Mannes zu kenn­zeichnen und sich seiner Verdienste um den menschlichen Fortschritt bewußt zu werden. Und da- Desamtwerk Edison- gewinnt an Wert noch dadurch, daß es im wahrsten Sinne deS Wor es von einem Selfmademan ge chassen wurde, der keine au-reichende Schulbildung genossen hatte, geschweige denn e.n technis^eS Hochschulstudium.

An diesem 10. Februar läßt wohl daS ameri­kanische Doll seinem berühmten Sohn alle äußeren Ehrungen zuteil werden. Die eS Dem Achtzig­jährigen ntxb bieten kann. Ob er während aller Huldigungen sehr aufmerksam bei der Sache sein wird, erscyeint zweifelhaft: eher ist anzunchrnen, daß unter Dem breiten Schädeldach mit den etwa- struppigen weihen Haaren ein rastloser Gedankenapparat an neuen Aufgaben ar.'ei et, um Die Zeitgenossen mit noch einigen n itzlichen Dingen zu beschenken. Und doch möchte man diesem so ungewöhnlich arbeitsreichen und sruch:baren Leben noch einen wohlverdienten ruhigen Fei.r» abend wünschen.

Mit Der Reuen Welt grüßt heute Dankbar Die Alte Den größten technischen Denker unserer Zeit.

parlamentarisches aus Hefen.

Der Staatspräsident hat Dem Landtag fol- genDe Vorlage zugehen lassen. Gegen Den Land­tagsabgeordneten Herrn Albin Mann in Gießen schwebt bei Der Staatsanwaltschaft Gießen ein O f f i z . a 1 v e r f a h r e n wegen Beleidi­gung. Danach hat Herr Mann in Rr. 11 de- Sahrgangs 1926 Der ZeitschriftSoziale "Bau- wirtschaft" eine Veröffentlichung veranlaßt, D.e unter Der UebcrschristSchluderarbeit für Die Hessische Regierung" 'Beleibtgungen Der staatlichen Bauverwaltung und deS RegierungsbauratS Deibel in Gießen enthalten foIL Letzterer, sowie Das Hessische Hochbauamt Gießen und auch Die Abteilung für Bauwesen DeS Hessischen Ministeriums Der Finanzen «haben Strafantrag gestellt. Wegen Elnze heften Darf auf Die Akten Der Staatsanwaltschaft Oiefen ergebend Bezug genommen werden. Sch ersuche ergebenst, gemäß Artikel 37 Der Rcichsversassung einen Beschluß des LanDtagS gesäsiigft hecbei- zusühren, ob er Die beantragte Strafver,olgung genehmigt.

Die ZentrumSsraktion hat folgenden Antrag eingebracht: Alle Bemühungen. Die Benach­teiligung Der vor dem 1. April 1920 in Den Ruhestand versetzten Beamten gegenüber den­jenigen, Die nach Diesem Zeftpunlt in den Rnhe- ftanD versetzt worden sind, zu beseitigen oder Doch zu miibern, sind bi« jetzt ersolgloS geblie­ben, Da DaS Reich Das PensionSesgänzungSgefetz noch nicht gcänDert hat Die Altpensionäre tragen an der ihnen widerfahrenen Behandlung seelisch schwer, leiden zum großen Teil auch ma­terielle Rot. Da ein anderer Weg zur Zeit nicht gangbar ist, beantragen wir. der ßanDtag möge beschließen: Die Regierung to.tb ersucht, 50 000 Mark bereitzustellen zur U n t e r st ü tz u n g von Altpensionären, die sich in bedräng­ter wirtschaftlicher Lage befinden. Der Betrag kann durch Abzweigen von d-m Fonds in Ka­pitel 15, Titel 7, Ziffer 7 oder durch Reuein- ftellung gewonnen werden. Bei Der Prüfung der wirtschaftlichen Gage Der Altpensionäre fcrtl die Regierung weitherzig verfahren.

Die Zentrumsfraktion hat zur Heilighaltung der Sonn- und Feiertage folgenden Antrag ein» gebracht: Vielstimmig kommt aus Dem Lande Die Klage, Daß Die bestehenden Vorschriften zurHeisig- haltung Der Sonn- unD Feiertage und zum Schutz des GotteSDiensteS nicht kräftig gehandhabt wer­den. Richtbeachtung der Feierabendstunde unter Den Augen Der örtlichen Polizeibehörde, Musik und Tanz schon während der Zeit des Gottes­dienstes. Straßenrennen und ähnliche Veranstal­tungen zur selben Zeit, Feuerwehrübungen in Gegenwart DeS KreiSfeuerwehrinspeltors an Sonntagvormittagen, so daß Den Mitgliedern eckige große Rische freigelegt. Sn ihr steht eine Basis mitResten einerÄololfalftatue. Deren Finger etwa Die Größe eines menschlichen Armes haben. Die Statue war Danach etwa von Der Größe eines zweistöckigen HauseS. Hinter Rische und Gredra liegt ein von einer Pfeilerhalle umgebener Hof. Er ist überbaut von Dem ehemaligen Malteser- Priorat mit schönen Fenstern und einer reiz­vollen. mit Landschaftsbildern geschmückten Loggia auS Dem 15. Sahrhundert Die ganze Baugruppe gestört jetzt zu Den eindrucksvollsten Archi.ektur- bildern von Rom.

Von Dem benachbarten Trajanssorum hat Corrado Ricci Die eine großartige halbkreis­förmige Exedra mit zweistöckiger. auS Zi.'gel mo­dellierter Architektur frei gelegt Sie zeigt Mo­tive, Die später im römischen Barock wieder aus­genommen worden sind.

Vorzügliche Arbeit hat Prosesior Munoz, Der »Superintendent für die Denkmäler in La­tium" an Dem sogenannten Tempel Der Fortuna virile auf Dem alten RinDermarkt geleistet. Dieser anmutige jonische Temvel wurde schon im 9. Sahr­hundert in eine Kirche verwandelt und ist da­durch vollständig erhalten, aber für die Zwecke Der Kirche verbaut und entstellt Munoz hat ihn von den Zutaten befreit, ihn biS auf Das alte Riveau mitsamt der vorderen Freitreppe und dem ihn wie jeden antiken Tempel umgebenden heili­gen Platz freigelegt und damit ein be oiiders reiz­volles, in hellenistischem Stil erbautes Denkmal wiederhergestellt Auch das bekannte benachbarte Rundtempelchen am Tiber ist biS zum Fundament freigelegt und von Rasenflächen umgeben worden.

Roch im Dang sind Die Arbeiten zur Frei­legung Des Porticus Der Octaoia und des Marcell- lusttheaters. Besonders daS letztere wird mit feinen mächtigen Quaderbögen an Ausdruckskraft mit Dem jüngeren Kolosseum wetteifern können.

So wird dank Der gesteigerten, vom Duce ge­förderten Tätigkeft der itali mischen Archäologen das Bild des antiken Roms immer klarer und großartiger herausgearbeitet