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Der Entwurf zum Liquidationsschädengefetz. Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 9. Aug. Gestern vormittag 11 Uhr fand im Reichsfinanzministerium unter dem Vorsitz des Reichsfinanzministers Dr. K ö h l e r, der eigens zu diesem Zwecke seinen Urlaub unterbrochen hatte, eine Sitzung statt, an der die Verbände der L i q u i - dationsgeschädigten, ferner der Reichsver­band der deutschen Industrie, der Zentralverband des Deutschen Banken- und Bankiergewerbes und eine Reihe anderer, an der Frage der Liquidationsent­schädigungen interessierter großer Verbände teilnah- men. In dieser Sitzung, die der Einführung in den Entwurf des geplanten Liquidationsschädengesetzes galt, wurde die Darlegung der regierungsseitlich be­absichtigten Maßnahmen zur endgültigen Reaelung der Liquidationsschäden mit einer umfassenden Aussprache zwischen Reichsfinanzministerium und den Vertretern der beteiligten Kreise verbun­den. An diese Aussprache anknüpfend erklärte der Führer der Geschädigten, Herr A. Gilg, in einer Unterredung mit einem Vertreter derTäglichen Rundschau" u. a.: Selbst wenn man das bewilligt, was wir ge­fordert haben, werden wir damit nicht reichen. Es sind 2 83 Milliarden Mark gegenüber einem Gesamtbetrag der Schäden in Höhe von 10 Milliarden Mark, die die Arbeitsge­meinschaft der Geschädigtenverbänbe in ihrem Vorschläge als Abschluftentschädignng für alle Gruppen der Inlandgeschädig.en, Entwurzelten und Verdrängten gefordert hat. Rach alledem, was man bis jetzt gehört hat, darf man an­nehmen. daß sich die Regierung mit dem von ihr gefertigten Entschädigungsentwurf so ziemlich ! e st g e l e g t hat. Wenn nun die Re­gierung die führenden Organisationen der Ge- schäi' gten zur Besprechung der Entschädigungs­frage einlädt, so ist das angesichts des so ziem­lich feststehenden Entwurfes, nichts weiter _ als eine auf gute Wirkung berechnete schöne Geste. Wie entsetzlich das Elend vieler der auf Entschädigung Wartenden ist, geht daraus hervor, daß in den Siedlungskolonien Wald­weiler und Mandern des Landkreises Trier loth­ringische Flüchtlingsfamilien und Saargänger in Erdhöhlen hausen müssen.

Wie den Blättern mitgeteilt wird, ist der Gesetzentwurf zur endgültigen Regelung der Liquidation s- und Gewaltscha­ben (Kriegsschädenschluhgeseh) ein reines Ab­rechnungsgesetz, das unter Beibebaltung der bisherigen materiellen Grundlagen Li Entschä­digungssätze erhöht. Die Schluhentschädi- gung kann daher im Verwaltungsver- fahren durchgeführt werden. Zur Deckung der Entschädigungen kommt nur die Veräußerung besonderer, unmittelbar verwertbarer Vermögens- gegenstände durch das Reich in Betracht. Der durch die Veräußerung dieser Dermögensgegen- stände zu erzielende Erlös einschließlich der aus den Vermögens gegen ständen fließenden Zinsen reichen gerade aus, um die sich ergebende Be­lastung mit dem Gegenwartswert von einer Milliarde Mark zu decken. Die im Gesetzentwurf vorgesehene Stammentschädigung beträgt für die ersten 2000 Mark des Grundbetrages 100 v. H., für die weiteren 18 000 Mark des Grundbetrages 50 v. H., für die weiteren 80 000 Mark des Grund­betrages 23 v. H., für die weiteren 100 000 Mark des Grundbetrages 18 v. H., für die weiteren 800 000 Mark 12 v. H. und darüber hinaus 10 v. H.

Das Marine-Ehrenmal.

Kiel, 8. Aug. (WB.) Heute nachmittag wurde unter Anteilnahme einer großen Anzahl ehemaliger Angehöriger der deutschen Flotte die Grundstein­legung zum Ehrenmal für die 4 0 0 0 0 G e - fallenen der ehemaligen deutschen Flotte am Eingang der Kieler Förde bei Labö vollzogen. Das 80 Meter hohe Ehrenmal wird sich auf dem Gelände des alten Panzerturmes erheben. Um 13.15 Uhr trafen Stationschef Admiral Dr. R ä - der und Admiral Scheer auf dem Festplatz ein. Unter den Ehrengästen befanden sich der Oberpräsi­dent sowie weitere Vertreter der Provinz Schleswig- Holstein, Vertreter des Kieler Magistrats, der Po­lizeipräsident von Kiel, der Rektor der Kieler Uni­versität und zahlreiche Angehörige des Offiziers­korps der ehemaligen deutschen Wehrmacht. An­sprachen hielten der evangelische Marinepfarrer Ronneberger (Wilhelmshaven), der katholische Marinepfarrer Kräuter (Kiel), der zweite Vor­sitzende des Marinebundes, Stabsingenieur a. D. Giebel, und Admiral Scheer, der im Anschluß an seine Rede die ersten Hammerschläge bei der Einmauerung der Urkunden vollzog. Gemeinsamer Gesang beschloß den festlichen Akt.

Dawes über die Genfer Seeabrüstungskonferenz.

Buffalo, 8. August. (WTD.) Bei der Einweihung der Friedensbrücke hielt der amerikanische Vizepräsident General Dawes eine Rede, in der er in bezug auf den Abbruch der Genfer Dreimächtekonferenz aus­führte: Auf dem Wege eines langsamen Fort­schreitens der Erörterungen über die Abrüstung zur See sollte keine Entmutigung eintreten. Es ist undenkbar, daß Großbritannien uird die Vereinigten Staaten, die sich feierlich auf das Prinzip der Rüstungsgleichheit verpflich­tet haben, von neuem ihren Völkern die Last eines Wettrüstens zur See nur deshalb auferlegen sollten, weil ihre Sachverständigen sich vorübergehend über die praktische Auslegung des Prinzips nicht einigen können.

Wenn die vereinigten Staaten in ihrem unter dem Prinzip der Gleichheit ausgestellten Flotten­programm große Kreuzer verlangen, die Groß­britannien nicht brauchen kann, und wenn Großbritannien leichte Kreuzer verlangt, die die Vereinigten Staaten nicht brauchen können, so gibt es keine Entschuldigung, wenn man ein Wettrüsten ins Leben ruft, bei dem Schiffe ge­baut werden, die keiner von beiden braucht.

Das Ergebnis der Konferenz wird nur fein, daß die Welt um so nachdrücklicher verlangt, die Bemühungen um die Auslegung des Prinzips der Gleichheit in den Flottenprogrammen beider Länder solange fortzusetzen, bis ein den Grund­sätzen der Billigkeit entsprechendes Abkommen erreicht ist.

Die Reuyorker Blätter stellen einmütig fest, daß die Musterungen deS Vizepräsidentin Dawes von cmßerordentlicher Bedeutung sind. Dawes setzte mit einem Sprung über öie

Barrieren der Diplomatie hinweg und stürzte sich zum Erstaunen der hunderttausend Menschen, die als Zuschauer zu der imposanten Eröffnungszeremonie erschienen waren, in das Problem der Rüstungsbeschränkung zur See und die Genfer Konferenz. DieTribüne" spricht von der Wirbelwindrede des amerikanischen Vizepräsidenten und betont besonders, daß sowohl der englische Kronprinz als Baldwin den Ausführungen Dawes' mit tiefstem Interesse gelauscht hätten.

Die Deutschen in der Tschechoslowakei.

Prag, 8. Aug. (Priv.-Tel. des WB.) Auf dem Gaulongreh der Rationaldemokratischen Par­tei in Iung-Bunzlau sprach Abg. Dr. Kra­marsch über das Verhältnis zu den Deutschen. Er erklärte es für notwendig, daß, falls die Deutschen in der Regierung ver­treten sind, diese Regierung unterstützt werden mühte, damit diese im Parlament die Mehrheit habe und der Absolutismus verhindert werde. Dr. Kramarsch erklärte weiter, daß der Ein­tritt der Deutschen m die Regierung ein großes Plus für den Staat bedeuten würde und eine wichtige Tatsache für die Stellung der Tschechoslowakei im Ausland sei.Dennoch wer­den wir", so erklärte Dr. Kramarsch,niemals davon ablasien, daß unser Staat unser Staat und ein nationaler Staat sein muß. Die Deut­schen können in der Regierung bleiben, wenn sie sich bedingungslos auf den Boden unse­res nationalen Staates stellen."

Italienisch-schweizerischer Zwischenfall.

Bern, 8. Aug. (WTB.) Am 3. August abends wurden in der Rähe der schweizerisch­italienischen Grenze oberhalb der Ortschaft Gandria durch faszistische Milizen sechs Touristen, in Lugano ansässige Schwei­zer, auf schweizerischem Boden ver­haftet. Zwei der Verhafteten wurden bald wieder freigelasseii, die andern aber in Haft be­halten, weil sie Waffen bei sich führten. Die Untersuchung durch die Zollbeamten ergab, daß die Verhaftung tatsächlich noch auf schweize­rischem Boden erfolgte, Das politische De­partement in Bern beauftragte die schweizerische Gesandtschaft in Rom, bei der italienischen Re­gierung in dieser Angelegenheit dringend st zu intervenieren unD die Freilassung der Festgenommenen zu verlangen. Diese Inter­vention ist erfolgt. Die Verhafteten wurden inzwischen von den italienischen Behörden wieder auf freien Fuß gesetzt.

Die Verhaftungen anläßlich der Wiener Juli-Ereignisse.

Wien, 9. Aug. (WTB. Funkspruch.) Wie die Blätter melden, sind im Zusammenhang mit den Juliereignissen rund 600 Personen f e ft ge­nommen und ca. 250 im Landgericht eingeliefert worden.

Der bevorstehende deutsche Transozeanflug.

Dessau, 8. Aug. (WB.) Die Junkers- werke erklären jetzt offiziell, daß der Ozeanflug bestimmt nicht vor Samstag dieser Woche stattfinden kann, weil der Pilot Köhl sich bei der Notlandung in der vorigen Woche Verbrennungen durch Benzindämpfe zugezogen hat, deren Heilung erst Ende der Woche ihn in die Lage versetzt, die längere Ozeanüberfahrt zu unternehmen. Die Elektro-Lux-Gesellschaft hat einen Preis von 50 000 Mark für die erste deutsche Ozeanüber­querung gestiftet.

Eine Berliner Korrespondenz meldet aus Dessau, daß Risticz heute abend einen kurzen Versuchsflug mit Wasserballast unternom­men hat, um Brennstoffmessungen vorzunehmen. Der Start erfolgte nicht von der Startbahn, sondern vom Flugplahgelände aus. Rach ver­hältnismäßig kurzer Zeit hob sich die Maschine vom Boden ab, wobei sich der Spornwagen vor­schriftsmäßig löste. Dienstag werden auf beiden Maschinen Dersuchsflüge stattsinden, um die In­strumente und das FT-Gerät zu überprüfen. Die Flugzeuge sind mit Ascania-Luftfern- k o m p a s s e n , die im Hintern Teil des Flug­zeugrumpfes eingebaut sind, ausgestattet. Der Pilot hat bei diesem Instrument vor Beginn des Fluges genau den Kurs einzustellen. Außerdem sind im Flugzeug zwei weitere Kompasse für den Piloten und seinen Begleiter eingebaut. Heute nachmittag wurden Delastungs- und Dich- tigkeiisproben mit den beiden Gummibooten vor- genommen. Das eine Boot, das Risticz mit- nimmt, ist etwa vier Meter, das andere zwei­einhalb Meter lang. Sie vermögen eine Be­lastung von 700 bzw. 500 Kilogramm zu tragen und sind mit Paddelrudem ausgerüstet.

Kleine politische Nachrichten.

Wie den Berliner Blättern mitgeteilt wird, emp­fing der Reichspräsident gestern vormittag den Reichsaußenminister und den deutschen Botschafter in Paris, von H o e s ch , zum Vortrag.

Wie das WTB. erfährt, ist Botschafter Graf Brock dorff-Rantzau, nachdem er In den letz­ten Tagen mehrfach Besprechungen mit dem Reichs­außenminister hatte, am Sonntagabend nach Mos­kau abgereift.

Der auf einer Europafahrt befindliche ameri­kanische KreuzerDetroit" ist gestern früh im Ham­burger Hafen eingetroffen.

Kunst und Wissenschaft.

Wilhelm Michels 50. Geburtstag.

Wilhelm Michel in Darmstadt, der fein­sinnige Essayist, einer der besten Kenner Hölder­lins, wird am 9. August 50 Jahre alt. Von Michels zahlreichen Schriften verdienen besonn ders genannt zu werden: die Essays Apollon und Dionysos. Der abendländische Zeus, Hölder­lin und der deutsche Geist. Paradiesische Land­schaft.

Elsaß-lothringische Kunstausstellung in Berlin.

Am Sonntag wurde in Berlin eine elsaß- lothringische Kunstausstellung eröffnet, die durch das Zusammenwirken des Reichsministeriums des Innern, der Deutschen Kunstgemeinschaft und des Hilfsbundes für die aus Elsaß-Lothringen

Vertriebenen zustande gekommen ist. Die Aus­stellung gibt einen Heberblick über das Schaffen der unter den 150 000 aus Elsaß-Lotchringen vertriebenen Deutschen befindlichen Künstler. Im Ramen des Reichsministeriums des Innern sprach Ministerialrat Dr. Donnevert und für den Hilfsbund Herr Gadoinski.

Aus aller Wett.

Der Kampf um das Reichsehrenmal.

Rach langem, fruchtlosem Streit sind die an der Errichtung des Reichsehrenmales interessier­ten Verbände und Organisationen übereinge- kommen, einer überparteilichen Instanz das Amt des Schiedsrichters zu übertragen, deren Urteil sich dann alle beteiligten Stellen widerspruchslos fügen wollen. Man darf es begrüßen, daß die Verbände diesen Weg beschritten und auch dem Reichstag eine Eingabe zugeleitet haben, in der sie Vorschlägen, einen Ausschuß von Künstlern zu bilden, der den Platz für die Errichtung des unseren im Weltkriege Gefallenen geweihten Er­innerungsmais auswählen solle. Rund achtzehn Millionen Staatsbürger aller Parteien undKon- fessionen stehen hinter dieser Eingabe und geben zu erkennen, daß sie bereit sind, willig jeden Vorschlag hinzunehmen. Damit dürfte die Ge­währ gegeben fein, daß nunmehr die ganze An­gelegenheit endlich zu einem guten Abschluß kommt.

Boten troürfe zum Erweiterungsbau des Reichstagsgebäudes.

Zur Erlangung von Vorentwürfen für den Erweiterungsbau des Reichstagsgebäudes hat die Reichstagsverwaltung einen Wettbewerb ausge­schrieben, der für deutsche Architekten im 3re­im ö Ausland offen ist. Die Bedingungen ge­langen im Reichsanzeiger und in den Fachzeit­schriften zur Veröffentlichung.

Das Flugzeug im Dienste der Seuchenbekämpfung.

In den östlichen Provinzen Persiens ist eine Cholera-Epidemie ausgebrochen, zu deren Be­kämpfung die persische Regierung sanitätspolizei­liche Maßnahmen ergriffen hat. Die serobakteriv- logische Abteilung der I.-G.-Farbenindustrie A.--G. in Höchst a. M. lieferte hierzu 100 (foO Packungen Choleraimpfstvff, die mit einem Flug­zeug der Deutschen Lufthansa von Frankfurt o. M. über Moskau direkt nach Teheran befördert tour» dyn, so daß innerhalb dreier Sage der persischen Bevölkerung die erforderlichen Heilmittel zur Verfügung standen.

Wegen Beleidigung des Reichsbankpräfidenlen verurteilt.

In einem neuen Prozeß des Reichsbank- präfidenten Dr. Schacht wegen Beleidigung gegen Angehörige des sogenannten Verbandes der Reichsbankglaubiger wurde der Schriftsteller Dr. Hans E n ß zu 500 Mark Geldstrafe ver­urteilt.

Eine Spende des Papstes.

DieGermania" meldet aus Dresden: Durch Vermittlung des Bischofs von Meißen, Dr. Schreiber, sind beim sächsischen Minisberpräsi- denten 25 000 Mark als Spende des Papstes für die Llnwetter geschädigten eingegangen mit der Bestimmung, daß der gespendete Betrag an die Geschädigten aller Konfessionen fließen solle.

Angetreue Beamte beim Berliner Haupttelegraphenamt.

Seit einer Reihe von Jahren werden inner­halb Groß - Berlins die Femsprechlcitungen unterirdisch gelegt. Zu der Verlegung brauchte man Hunderttausende von sogenannten Zement- kabelbrunnen und Zementkabelröhren. Die Lie­ferungen der Brunnen und Röhren waren an eine Anzahl Firmen vergeben. Die Aussicht über die richtige Lieferung der bestellten Brunnen und Röhren war dem Berliner Haupttele­graphenamt vom Reichspostministerium über­tragen worden. Bei einer Kontrolle wurde fest- gestellt, daß 1926 eine der Firmen 6000 Brunnen und Röhren zu wenig geliefert hatte. Den Lie­feranten war aber trotzdem die richtige Liefe­rung bescheinigt worden. Man ging der Sache weiter nach und ermittelte zwei Obertelegraphen- sekretäve, die verdächtig schienen, an den zweifel­los unrechtmäßigen Handlungen beteiligt zu fein. Bei weiterem Forschen ergab sich, daß auch in diesem Jahre von den Lieferanten 7000 bis 8000 .Stück Brunnen und Röhren zu wenig geliefert, daß die richtige Ablieferung aber wieder be­scheinigt und auf Grund dieser Bescheinigungen 'aud) wieder bezahlt worden war. Die Ver­dächtigen legten ein Geständnis ab. Rach dem bisherigen Stande der Untersuchung ist das Haupttelegraphenamt um über 100 000 Mk. ge­schädigt worden.

Fassadenkletterer Willi Kassner wieder ausgebrvchen.

Der berüchtigte Fassadenkletterer Willi Kassner, der Bruder des nicht minder berüchtigten Paul Kass­ner, des Fassadenkletterers vom ,Laiserhof", ist von neuem ausgebrochen. Kassner war zunächst in Ber­lin in der Hausvogtei als Unterfuchungsgefangener und ist inzwischen zur Verbüßung feiner Strafe nach Tegel überführt worden. Bei dem Transport ist es ihm nun gelungen, durch das Oberlicht des Po­lizeigefangenenwagens durchzubrechen und zu ent­fliehen.

Großfeuer auf einem Rittergut.

Sonntagnacht brach in einem großen, stroh- bedeckten Schafftall des Rittergutes Wendrow bei Brüel (Meckleiwurg-Schwerin) Großfeuer aus, das bei dem starken Wind noch den strohbedeckten Kuh­stall, den Schweinestall und eine große strohbedeckte Scheune mit mehreren Fudern Gerste einäschette und auch auf den hartbedeckten Pferdestall über­sprang. 180 Schafe, 20 Starken, 70 Schweine und ein Pferd kamen in den Flammen um. Es wird Brandstiftung vermutet.

Furchtbare Familientragödie.

In der Nacht zum Montag erschoß in Ratidor der Bankdirektor Sauerbier seine Frau und seine beiden Kinder im Alter von 10 und 12 Jahren. Er fuhr sodann im Auto davon und wurde am Montag früh in Stolzmütz bei Le obschütz als verkohlte Leiche aufgefunden. Der Grund zu der Tat ist darin zu suchen, daß Sauerbier wegen unglücklicher Trans­aktionen plötzlich entlassen worden' war. Die beiden Kinder wiesen Kopfschüsse, die Frau außer Revolver- schüssen auch Dolchstiche auf.

Feuerkampf zwischen Polizei und Berdrechern.

Zu einem schweren Zusammenstoß zwischen Ver­brechern und der Polizei kam es am Sonntag kurz vor Mitternacht in Ulm. In der Karlstraße wurde von Polizeibeamten ein Kraftwagen angehalten, den einige der Polizei bekannte Burschen von üblem Ruf im Alter von 19 bis 26 Jahren gemietet hatten, die sich bereits wiederholt der Festnahme wegen ver­schiedener schwerer Raubtaten entzogen batten. Nach­dem ihnen keine Fluchtmöglichkeit mehr gegeben

war, griffen einige von ihnen fofort zur Schußwaffe und feuerten auf die Polizeibeamten. Es entspann sich eine regelrechte Schießerei. Das zusammen- strömende Publikum machte in unverständlicher Weise ein zielbewußtes Vorgehen der Polizei un­möglich. Dadurch gelang es einem Verbrecher, zu entkommen. Ein weiteres Mitglied der Bande deckte durch scharfe Schüsse seine Flucht, kam dabei aber ums Leben, vermutlich durch einen Schuß aus seiner eigenen Pistole. Zwei weitere Verbrecher sind fest- genommen worden.

Fünf Personen bei einem Unwetter verletzt.

Bei dem Untoetter am gestrigen Sage wurde das Festzelt der Freien Gewerkschaft auf dem Gewerkschaft splatz in Langendreer vorn Sturm zum Teil eingedrückt. Auch eine Rutschbahn wurde vom Wind umgeriffen, wobei fünf Personen mehr oder weniger schwer verletzt tourDen. Zwei davon wurden dem Krankenhaus zugeführt.

Autounglück.

In der Nacht vom Montag überschlug sich kurz vor Neumdurg norm Wald ein mit vier Personen besetztes Auto aus unbekannter Ursache. Alle vier Personen wurden schwerverletzt dem Krankenhause zugeführt.

Brudermord bei der Erbteilung.

In Dem Spessartdörfchen Unter-Altenbuch bei Miltenberg ereignete sich am Samstag ein furchtbares Familiendrama. Die beiden Gebrüder Schröck gerieten wegen einer Erbteilungsange­legenheit in heftigen Streit, in dessen Verlauf Dem jüngeren Bruder von dem älteren so schwere Stich Verletzungen beige6racf)t wurden, daß er in das Krankenhaus etngelie'ert werden mußte, tor er jedoch bald Darauf verstarb.

Schiffsuntergang auf dem Rhein.

Auf dem Rhein bei Kehl ist ein mit Sandstein- blocken beladener Kahn dadurch gesunken, daß er von den Wellen eines oorüderfahrenden Dampfers über­flutet wurde. Der Besitzer des Schiffes ist erttunksn.

Feuer in einem Touristengasthof.

Wie aus Innsbruck gemelDet wird, ist der Rächt zum Samstag der zumeist von Deichs deutschen besuchte FremdengasthofZum Hir­schen" in Holzgau im LechiÄ abgebrannt. Das Feuer entstand nachts gegen 1 Llhr Im Oekonomie- gebäude und dehnte sich rasch auf das vollständig aus Holz gebaute Gasthofgebäude aus, so Da.', die Bewohner des oberen Stockwerks, als Da«. Treppenhaus bereits brannte, gezwungen waren, aus Den Fenstern und von den Baikonen her­unterzuspringen. Vier Personen erlitten dabei schwere, eine Anzahl leichtere Verletzungen. Man befürchtet, daß eine Köchin, ein Küchenmädchen und ein Fremder in den Flammen umgekommen sind. Der Brand konnte erst nach Eintreffen Der Feuerwehr von Reutte lolalifiert werden. Die Perlehten wurden ins Krankenhaus nach Reutte gebracht. Rach einer andern Mitteilung sollen vier Personen in Den Flammen umgekommen sein. Die Einrichtungen Des in Dem Gasthof unterge­brachten Post- und Telegraphenamts würben gleichfalls ein Raub Der Flammen, so bah Die telephonische Verbindung mit Holzgan zur Zeit unterbrochen ist. Einer Meldung von heute vormittag zufolge wurde der Besitzer des Hotels, Hämmerle, unter Dem bringenden Verdacht der Drandsttftung verhaftet. Hämmerle, Der wegen Trunksucht unter Kuratel stand, Dürfte Die Tat in Der Trunkenheit nach einem Streit mit feiner Frau begangen haben. Das Feuer hat bisher vier ToDesopfer gefordert. Der noch nicht bekannte tote Hotelgast soll aus München stammen.

Start Skalas zum Fluqe nach Tokio.

Der tschechoslowakische Militärpilot Oberst Skala startete gestern vormittag auf dem Prager Flugplatz zu einem Fluge nach Tokio, Den er in acht Etappen absolvieren wird. Er ist nur von einem Mechaniker begleitet.

Geplanter Flug rund am die Welt.

Wie vom Flugplatz Curttßfteld bei Reuhorl gemeldet wird, hat gestern Der Geschäftsmann Schlee aus Detroit Einzelheiten für seinen ge­planten Flug um Die Welt bekanntgegeben. Ei beabsichtigt, von Harbour-Grace in Reufund- land innerhalb der nächsten zehn Tage abzu­fliegen, um den gegenwärtigen Rekord von 2$ Tagen zu brechen. Ms Flugzeug kommt ein Sttnson-Eindecker in Betracht. Schlee wird vor dem Piloten William Brock begleitet, Der früher im Lustpostdienfi beschäftigt war. Die runi 22 000 Meilen betragende Strecke soll in 24(1 Flugstunden zurückgelegt werden.

3m Kampf mit Alkoholschmugglcrn getötet.

Times" berichtet aus Reuyork: Ein Pa­trouillenboot verfolgte an Der Küste ein verdäch­tiges Motorboot und holte es schließlich ein. An Bord wurden 5 Mann und 160 Kisten Whisky gefunden. Diese Leute wurden auf das Pa­trouillenboot gebracht, während vier Beamte als Wache auf das beschlcrgnahmte Fahrzeug gesetzt wurden. Plötzlich begannen die Gefangenen mit Pistolen auf Die Beamten zu feuern und konnten erst nach verzweifeltem Kampfe überwältigt wer- Den. Zwei Beamte tourDen bei Der Schießerei ge­tötet, zwei weitere lebensgefährlich verwundet, während von Den Schmugglern einer schwer uni einer leicht verletzt wurde.

Speerkampf gegen einen Löwen.

Einen verzweifelten Kampf mit einem Löwen haben nach einem Bericht aus Iohannisburg fünf nur mit Assegain bewaffnete Eingeborene im Süden von Swaziland ausgefochten. Sie wur­den in der Rähe des Usutu-Flusses von einem jungen männlichen Löwen angegriffen, Der einen Der Eingeborenen packte und fortschleppte. Di« übrigen vier verfolgten ihn und griffen das Raubtier an, Das über seinem Opfer stand. Der erste, Der sich Dem Löwen näherte, wurde von ihm schwer verletzt, aber Die Drei anDern stachen mit ihren Speeren tapfer auf ihn ein und er­legten schließlich Die Bestie.

Der Kampf gegen die Schiffsratten.

Wie Die Gesundheitsbehörbe aus Reuyork be­richtet, werben Die Ratten auf Den Schiffen in allernächster Zeit völlig ausgerottet sein. Schor seit längerer Zeit ist man eifrig bemüht, Dieft unwillkommenen blinden Passagiere an Der Mit- reise Dadurch zu verhindern, Daß man alles be­seitigt, was einer Ratte Unterschlupf und Rüh­rung bieten kaum Alle kleinen Winkel sind aus- gefüllt, alle Löcher verstopft, an Stelle vor Holzkisten und Holzbekleidung sind solche aui Metall getreten. Diese baulichen Deränberunger haben sich denn auch gegenüber Den Ragetierer viel wirksamer als Die früher übliche Ausräuche­rung von Schiffen zwecks Beseitigung der Ratter ergeben. Der Kamf gegen diese Ragetiere wirk auch aus Dem Grunde so scharf geführt, weil man an ihnen Die Keimträger bei Einschleppunx von Dubvnenpest unD anderen Seuchen beseitigen will.