deutschen Bürger cmS dem MemÄgebiet auszu- weisen.
MemelläiMscherseits beabsichtigt man gegen die Verletzung des Autonomiestatuts, die in der Ausweisung der drei deutschen Redakteure zu sehen ist. Beschwerde beim Völkerbund zu erheben, und zwar noch auf der gegenwärtigen Genfer Tagung. Wie verlautet, hat das von den Großlttauern eingesetzte Landcsdirektorium nichts unternommen, um die von de^ Zentralregierung zu Unrecht vorgenommenen Ausweisungen zu verhindern, obwohl nach Artikel 5 Abs. 7 des Memelstatuts ausdrücklich di'e Regierung des Memelgebiets für die Erteilung auf Aufenthaltgenehmigung zuständig ist.
Genfer Besprechungen.
Woldemaras bei Stresemann.
Genf, 6. Sept. (Wolffs Heute vormittag stattete Reichsautzenminister Dr. Stresemann dem britischen Außenminister Chamberlain einen kurzen Besuch ab und empfing hiernach den litauischen Ministerpräsidenten Woldemaras in Begleitung des Berliner Gesandten Slidzizau- s k a s zu einer längeren Besprechung. In der Besprechung mit dem litauischen Ministerpräsidenten sind weitgehend ^Erörterungen über die äußerst zahlreichen Differenzpunkte zwischen Deutschland und Litauen vorgesehen. Besonders wird die Ausweisung der deutschen Redakteure aus dem Memelgebiet behandelt werden. Im Laufe der heutigen Verhandlung ist vereinbart worden, daß nunmehr von beiden Seiten zunächst eine A u f st e l - luna derjenigen Fragen ausgearbeitet wird, die der Klärung bedürfen. Die Zahl der von deutscher Seite vorzubringenden Klagen gegen die Haltung der litauischen Regierung im Memelgebiet ist außerordentlich groß. Trotz der offiziell im Völkerbundsrat auf der Iunitagung übernommenen Verpflichtungen ist die litauische Regierung nach wie vor zu ungesetzlichen Maßnahmen gegenüber der Bevölkerung im Memelgebiet geschritten. In den bevorstehenden Verhandlungen mit der litauischen Regierung wird auch die Frage der deutsch-litauischen Handelsvertragsverhandlungen zur Erörterung gelangen.
Der Termin für die Besatzungsverminderung
In Erwartung einer alliierten Note.
Berlin, 6. Sept (121.) An zuständiger Stelle wird darauf tjingeroiefen, daß es sich bei der gestrigen offiziellen Mitteilung der B o t - fchaf terkonferen; an Reichsaußenminister Dr. Stresemann über die Herabsetzung der Truppenzahl im Rheinland lediglich um eine Mitteilung, nicht um eine Rote gehandelt habe. Die Mitteilung von Einzelheiten über die Herabsetzung der Truppenzahl wird noch erwartet. Man nimmt an, noch während der Genfer Tagung. Dann dürfte auch die Frage des Termins der Abberufung der Truppen, sowie der zu erwartenden Umorganifation geklärt werden. Mas den Termin betrifft, so hat das „Journal" für die Zurückziehung und Zusammenlegung von Stäben den 2b. Oktober genannt.
*
Der „Manchester Guardian", das bekannteste liberale Blatt Englands, schreibt in einem Leitartikel, die wirtschaftliche Seite des Problems der Besetzung deutschen Gebietes durch alliierte Truppen sei heute fast so wichtig wie die politische. Wenn man daran denke, daß Frankreichs Iahres- anteil, wenn die für die Besetzung ausgegebenen Millionen in die Reparationen eingeschlossen wären, etwa 19 000 Pfund Sterling betragen hätte, so werde die Art, in der diese Summe vergeudet werde, deutlich. Man habe gewußt, daß diese Politik politisch überholt und strategisch unnötig sei, jetzt sei bewiesen, daß sie auch wirtschaftlich ungesund sei.
Belgiens Rherntruppen an der Grenze konzentriert.
Paris, 6. Sept. (WTD.) Der Brüsseler Korrespondent der „Temps" berichtet, daß die 9 00 Mann belgische Soldaten, die von der Desahungsarmee zurückgezogen werden sollen, künftig in Belgien, und zwar längs der deutschen Grenze, in Garnison gelegt werden sollen. Es handelt sich um zwei Infan- terieöataillone des 1. Linienregiments, die Aachen verlassen, und das eine in Eupen, das andere in M a l m e d h Garnison beziehen werden. Der Oberst und sein Stab werden endgültig nach V e r v i e r s verlegt werden, wo das 3. Bataillon des Regiments bereits feit mehreren Monaten in Garnison liegt. Auf diese Weise, so fährt der Korrespondent fort, wird für alle Zeiten eine Linie längs der deutschen Grenze besetzt gehalten, die für die Zukunft das vorgeschobene Element des in Lüttich liegenden Armeekorps bildet. Die Infanteriedivision, die die grundsätzliche Einheit der belgischen Truppen ausmacht, der dieses Regiment angehört, wird also tatsächlich in der Gegend von Aachen—Verviers—Eupen—Malmedy grrrppiert bleiben und in der Lage sein, nötigenfalls in einigen Stunden die Konzentrierung aller Truppenteile durchzuführen.
Die Franktireur-Untersuchung.
Das Schicksal
des belgischen Enquctevorschlags.
Gens, 7. Sept. (TLl.) In den letzten Tagen ist es nach der Erklärung des belgischen Kabinetts und der Erklärung der deutschen Delegation aus Anlaß des ablehnenden Beschlusses der Brüsseler Kammer in der Frage des Enqueteausschusses zu Verhandlungen mit der belgischen Delegation gekommen, in der diese ihren Standpunkt in der Form zum Ausdruck gebracht hat, wie sie ursprünglich in einer gemeinsamen Besprechung der Locarno-Mächte zum Ausdruck gelangen sollte. Es ist von belgischer Seite eine Formutterung vorgeschlagen worden, die den Prinzipien der unparteiischen Untersuchung Rechnung trägt. Dieser Grundsatz ist von beiden Gerten als befriedigend anerkannt worden. Ob eine Einigung mit der belgischen Delegation möglich sein wird, steht zur Zeit noch nicht fest. Mit dieser Frage werden »ich in der nächsten Zeit die Kabinette in Berlin und Brüssel zu beschäftigen haben. Die vorgesehene Beratung der Locarno-Mächte wird, wie ferner mitgeteilt wird, stattfinden, sobald der polnische Resolutionsentwurf fertig formuliert vorliegt. Für die Besprechung der
der Abschluß der MHMentages.
Stegerwald über Katholizismus und Gegenwartsftaat.
Dortmund, 6. Sept. (TU.) Der diesjährige Katholikentag wurde heute nachmittag mit einer längeren Schlußrede des Präsidenten Dr. Sieger- wald geschlossen. Stegerwald verbreitete sich dabei Über die nächsten Aufgaben des Katholizismus und wies auf die seit dem Kriege eingetretene Lockerung des Autoritätsbegr.iffs hin. Neben den ungeheuren Rückschlägen läge hier die Ursache für die Unruhe im deutschen Katholizismus und die große Gefahr einer geistigen und sozialen Bolschewisierung weiter Schichten. Der Redner wies auf den Unterschied zwischen politischer Taktik und prinzipieller Auffassung hin, wonach letztere keine Kompromisse vertrage und forderte, daß die prinzipielle Auffassung des Katholizismus zu den großen Fragen des Lebens in den nächsten Jahren erneut klar hervorgehoben werde. Die deutschen Katholiken dürften sich nicht in politischer Romantik ergehen, sondern müßten in dcm neuen Staate ihre Grundsätze nachdrücklichst zu verwirklichen suchen. Es müsse im Benehmen mit den Arbeitgebern auf der einen und der christlichen Arbeiterbewegung auf der anderen Seite auf eine Wirtschaftsentwicklung und einen sozialen Zustand hingewirkt werden, der es ermögliche, daß möglichst viele von unten in die Mittelschicht der selbständigen Existenzen hinein- wachsen könnten. Die Katholiken müßten weitgehend daran Mitarbeiten, daß eine Synthese zwischen kapitalistischer und sozialistischer Auffassung gefunden werde. Die Katholiken dürsten sich in dem Pflichtgefühl die besten Kräfte dem Staate zur Verfügung zu stellen, von feiner Seite übertreffen lassen. Zum Schluß unterstrich Stegerwald noch einmal, daß sich'der Katholikentag erneut und einmütig für die Konfessionsschule ausgesprochen habe. Es sei notwendig, die Jugend unter starker einheitlicher Kulturdisziplin zu erziehen. Die Katholiken wollten keine Kompromisse auf Gebieten, wo sie für das ganze Volk nicht zum Vorteil, sondern zum Nachteil ausschlagen müßten. Die Simultanschule stehe vor der ständigen Gefahr der Verflachung.
Als Ergebnis der Verhandlungen des Katholikentages wurde eine programmatische Entschließung einstimmig angenommen, in der die 66. Generalversammlung der deutschen Katholiken den Führern des Volkes dringend empfiehlt, ihre Aufmerksamkeit auf die inneren Zeit- s ch ä d e n zu lenken und an ihrer Bekämpfung tatkräftig mitzuarbetten Die deutschen Katholiken werden aufgefordert, jede Mitarbeit als etwas Vornehmes zu betrachten und daher auch denr einfachsten Arbeiter Hochachtung entgegenzubringen. Bezüglich des Verhältnis von Ar- beitndymern und Arbeitgebern bekenn' sich die 66. Generalversammlung zu den Richtlinien, die der Kardinal-Erzbischof von Köln veröffentlicht hat. Angesichts der furchtbaren Vergnü
gungssucht mahnt die Generalversammlung alle Glaubensbrüder, in ihren Feiern und Veranstaltungen jenes Maß zu beobachten, das die allgemein schwierige Wirtschaftslage anerkennt. Die Generalversammlung beklagt die Tatsache, daß auch in katholischen Kreisen eine Erschütterung der kirchlichen Grundsätze über Ehe und Familie eingctreten ist und die älnauslöslich- keit der Che trotzig verleugnet wird. Sie bringt zum Ausdruck, daß eine wirksame Losung des Familienprvblems eine gründliche Reform des Wohnungswesens in sich schließt. Die Generalversammlung ruft alle Glaubensbrüder auf zur Weckung einer echten Charitasgesinnung. DiekatholischenAurlanddeutschen
Dortmund, 6. Sept. (TU.) Im Festsaal der Westfalenhalle hielt der Neichsverband für die katholischen Auslanddeutschen eine große Festoersammlung ab. Reichskanzler Dr. Marx wies auf die erfreuliche Entwicklung der auslanddeutschen Bewegung überhaupt und der katholischen deutschen Auslandbewegung im besonderen hin. Unter dem Beifall der Versammlung widmete der Redner dem leidenden katholischen Volk in Mexiko, Rußland und Tirol warme Worte der Teilnahme. Er berichtete weiter über Organisationsfragen und den Ausbau der Arbeit des Verbandes. Als erster Redner sprach Domherr Dr. H u b e r aus Ocdenburg (Ungarn) über „Was erwarten wir Auslanddeutschen vom Reichsverband". Er schilderte das Ringen unseres Volkes um feine Existenz und um feinen Glauben und führte die großen Entbehrungen vor Augen, die die Auslanddeutschen für die Erhaltung ihres Deutschtums auf sich nehmen müßten. Einer der größten Srangfalierer fei der Chauvinismus, der außer den nationalen Empfindungen auch die Religion unterdrücke. Es gäbe fast 15 Millionen katholischer Auslanddeutsche, die auf das ernsteste bedroht seien. Im weiteren Verlause der Versammlung sprachen noch Pater H a b e t s - Krakau, Konsul G i r t e n - Chikago und Professor D o n a t - Tschechoslowakei. Eine Entschließung wurde einstimmig angenommen, in der alle Maßnahmen begrüßt werden, die geeignet sind, die kirchlich-kulturellen Beziehungen zum katholischen Auslanddeutschtum zu fördern. Den größten Wert legte man auf die Forderung, daß den katholischen Deutschen im Auslande die Möglichkeit gegeben werden muß, die fürsorgerische Betreuung durch Priester deutscher Sprache zu empfangen. Das Abfallen von der Muttersprache bedeute das Abfallen vom Deutschtum. Im Geiste einer wahrhaften Völkerversöhnung fordert man, daß auch den deutschen Volkssplittern im Auslande ihr religiöses Deutschtum und ihre religiöse Eigenart gesichert wird.
Heuergefecht mit einem wahnsinnigen.
Dienstag abend um 7 Uhr bedrohte der ehemalige Schuhpvlizeibeamte Heinrich E l a u s, 26 Jahre alt, m R ied er m ö l lr i ch (Kreis Melsungen) seine Eltern mit Erschießen. Der am Ort stationierte, als besonders tüchtig bekannte Oberlandjäger Wille versuchte gemeinsam mit zwei herbei gerufenen Landjägern Claus zum gut- willigen Verlassen des Hauses und Abgeben seiner Waffe zu veranlassen, wurde aber von Claus aus dem Fenster heraus vor der Tür durch Kopfschuß erschossen. Die Leiche konnte von den beiden ihn begleitenden Landjägcrbeamten unter Lebensgefahr geborgen werden. Claus gefährdete sodann durch zahlreiche Schüsse die ganze Rachbarschaft und verhinderte jede Annäherung von Polizeibeamten. Ein Oberlandjäger wurde hierbei durch die Mühe geschossen und am Kopfe gestreift. Das Feuer der Beamten erwiderte Claus, indem er sich im Hause, dessen übrige Bewohner geflüchtet waren, hin- und herbewegte und mit verschiedenen Schußwaffen aus allen Fenstern abwechselnd feuerte. Auch das herbeigeeilte Tleberfallkommandv der Kasseler Schutzpolizei, das gegen 10 Uhr abends in Stärke von einem Polizeioffizier und acht Polizeibeamten eintraf, konnte sich im Verein mit zehn aus der Rachbarschast zusammengezogenen Landjägern dem Hause nicht nähern, ohne daß dringende Gefahr des Verlustes weiterer Beamter befürchtet werden mußte. Rachdem um 10.15 Uhr Regierungspräsident Dr. Friedensburg am Tatort eingetroffen war, ordnete er die Heranziehung eines Sonderwagens der Kasseler Schutzpolizei an. Unter dem Schutze von Scheinwerferlicht und Maschinengewehrfeuer wurde die Haustür mit geballter Ladung gesprengt und im Hausflur mit feuchtem Stroh Rauch entwickelt.
Claus hatte zunächst den Sonderwagen beschossen und dabei als ausgezeichneter Schütze trotz des blendenden Lichtes den Scheinwerfer über dem Maschinengewehr durchschossen, wurde dann aber vncht mehr beobachtet. Um 5.15 Uhr morgens drang ein Stoßtrupp unter Führung zweier Polizeioffiziere in das Haus ein und räumte es systematisch Claus begann nun erneut das Feuer aus einer Kellerluke und traf dabei einen Polizei beamten an der Pistolentasche, wurde dann aber durch eine Handgranate zum Schweigen gebracht. Seine Leiche wurde in einer Kellerecke gefunden. Die eingeleitete Untersuchung schwebt noch. Ein weiterer Aufschub der Haus- räumung war nicht möglich, da mit Tagesanbruch die gesamte Dorfbevölkerung gefährdet war. Außer dem erschossenen Oberlandjäger Wille wurden ein Polizei Offizier und vier Schuhpolizeibeamte durch Splitter aus der Handgranatenwirkung leicht an den Beinen verletzt. Die Ursache des Lobsuchtsanfalles des Claus ist in Familienzwistigkeiten zu suchen, die schon seit Jahren andauerten. Claus soll seiner Stiefmutter schon früher mit Erschießen gedroht haben. Gestern nachmittag ist es dann wiederum zu einem Zusammenstoß zwischen Claus und seiner Stiefmutter gekommen, in dessen Verlauf Claus den Tobsuchtsanfall bekam. Als die zu Hilfe gerufenen Landjäger Claus aufforderten, aus dem Haus herauszukommen, begab sich dieser in das obere Stockwerk, riß ein Fenster auf unb feuerte fünf Schüsse ab, von denen der Landjäger in den Kopf getroffen wurde. Der Kampf hat nahezu elf Stunden gedauert. Der Oberstaatsanwalt Dr. Röhel und der zuständige Richter trafen heute morgen an dem Tatort ein, um einen Lokaltermin abzuhalten.
Locarno-Mächte ist von belgischer Sette eine offizielle Erklärung über die Frage des Enquete-Ausschusses angekündigt worden.
Ende der ttabinettsferien.
Am Samstag
Besprechung der Bcsoldungsrcform.
Berlin, 6. Sept. Die noch auf Urlaub befindlichen Reichsminister werden fast alle im Laufe der nächsten Tage wieder nach 'Berlin zurückkehren, so daß das Kabinett mit Beginn der nächsten Woche wieder einigermaßen vollzählig sein wird. Reichskanzler Marx trifft am Donnerstagmorgen, Reichsernährungsmini ter Schiele am 10. September, Reichsjustizmini ter H e r g t am 9. September, Reichsverkehrsmini ter Koch Ende des Monats, Reichsarbeitsminister Brauns Ende dieser Woche in Berlin ein. Reichspostminister Schätze! beendet heute abend, Reichsinnenminister v. K e u d e l l morgen früh den Urlaub. Augenblicklich sind in Berlin die Minister Dr. C u r t i u s und Dr. Gehler. Der Reichswehrminister wird fich aber demnächst zu den Manövern begeben.
Reichsfinanzminister Dr. Köhler, der sich heute abend zum Genossenschaftslag nach Kiel begibt, wird am Donnerstag d ie Spitzen- verbände der Beamtenschaft empfangen, um mit ihnen über die Besoldungsreform zu verhandeln.
Der Reichsfinanzminister soll den Wunsch geäußert haben, vor dem 11. September, an welchem
Tage er in Magdeburg über die Besoldungsreform sprechen will, rwch eine Rücksprache mit den anderen Regierungsmitgliedern zu nehmen. Zu diesem Zweck ist für Samstag, 11 Uhr vormittags, eine Kabinettssitzung anberaumt worden. Am 9. September werden die Finanz- Minister der größeren Länder in Berlin eine Aussprache mit dem Reichssinanzminister Dr. Köhler über die Besoldungsreform haben. — Reichsminister Dr. Stresemann fährt Freitagvormittag von Genf nach Berlin, um an der Kabinettssitzung teilzunehmen, die sich mit der Besoldungsreform beschäftigen wird, und um gleichzeitig über die Genfer Beratungen Bericht zu erstatten. Der Minister wird von Staatssekretär Dr. Pünder begleitet und hofft, Montag wieder in Genf einzutreffen.
Die Dersassuntzsseier in Halle.
Berlin, 6. Sept. (Wolsf.) Amtlich. Aus Anlaß der Vorfälle bei der Verfassungsfeier in Halle hat der Minister für Wissenschaft, Kunst und Volksbildung am Tage nach der Feier einen besonderen Untersuchungskommissar nach Halle entsandt. Dieser hat eine erschöpfende Auftlärung des Tatbestandes vorgenommen. Auf Grund dieser Feststellungen hat der Minister dem Professor M e n z e r sein lebhaftes Befvem- i den darüber ausgedrückt, daß er durch seine Verkennung des Sinnes der Derfas- I sungsseier ihren würdigen Derlouf unmöglich ! gemacht hat.
Buntes Allerlek.
Meuterei in einem Erziehungsheim.
Am Sonntag entstand unter den Zöglingen des Erziehungsheimes Berlinchen (Reumark) eine Prügelei. Als Diakon Arndt den Strett schlichten wollte, wurde er von den Zöglingen mit Eisen st angen angegriffen und schwer verletzt. In der Rächt zum Montag flüchteten 15 Zöglinge mit Rädchm der Airfsichts- beamten. Arn Morgen drangen Zöglinge in die Geschäftsräume ein, zerstörten die Akten, zerschlugen sämtliche Fensterscheiben und vernichteten die Wirtschaftsvorräte. Als die Polizei erschien, wurde sie mit Knüppe-ln und Stangen empfangen, so daß von Soldin aus Landjäger zu Hilfe gerufen werden mußten. Auch die Feuerwehr aus Derlinchen erschien mit ihren Schlauchwagen, um sich an dem Kampfe gegen die Meuterer zu beteiligen. Die Feuerwehr begann sofort zu spritzen, woraus sich 10 Zöglinge überreden ließen, ins Geschäftszimmer zu kommen, da sie einsahen, daß ihre Lage unhaltbar war. Sie wurden verhaftet und dem Amtsgericht in Berlinchen zugeführt. Daraushm tonnte die Ruhe wiederhergestellt werden Die Anstalt steht unter Bewachung der Landjägerei.
Beim Pilzsammeln ermordet.
Im Kerkower Park wurde das in Pyritz wohn- haste, 48 Jahre alte Fräulein Hagermann ermordet aufgefunden. Fräulein Hagermann ist einem Lustmord zum Opfer gefallen. Eine verdächtige Person wird von der Polizei verfolgt. Man glaubt, daß der Täter sich noch in der Umgebung aufhält.
Schießerei in einem Anwaltsbureau.
Als fünf Männer im Bureau eines Reuyvrker Rechtsanwalts Im neunten Stock eines Gebäudes nahe des Harvazch-Club eine Sitzung abhielten, zog einer von ihnen plötzlich eine Pistole und begann zu schießen Zwei Männer sprangen aus dem Fenster, um den Kugeln zu entgehen Einer war sofort tot, der zweite wurde so schwer verletzt, daß man an seinem Aufkommen zweifelt. Ein dritter Teilnehmer an der Sitzung brach in seinem Stuhl von zwei Kugeln in die Brust getroffen, tot zusammen, während der vierte, der nach dem Lift eilte, vor der Tür tot zusammenstürzte. Der Tater ist flüchtig. Es wird angenommen, daß VermogensstreitiAeiten der Anlaß der Schießerei waren
Eisenbahnunglück auf dem Bahnhof Hamm.
Dienstagvormittag fuhr der aus Munster kommende Personenzug auf dem Bahnhof Hamm in eine Kolonne Streckenarbeiter hinein, die bei den Reparaturarbeiten das Herannahen des Zuges überhört hatten Gin Arbeiter wurde getötet, zwei andere schwer verletzt.
Tragischer Unglücksfall.
In Wollin wollte der dreijährige Sohn eines Arbeiters in der Wohnung seiner Groß- mutter mit einem Revolver spielen. Die alte Frau wollte ihm die Waffe reichen. Dabei kam sie dem Abzug zu nahe. Der geladene Revolver entlud sich, und das Kind sank, ins Herz getroffen, tot zu Boden.
(Ein polnischer Armeeinlendanl wegen Bestechung verurteilt.
Der polnische Brigadegeneral Zymierski, früher stellvertretender Int ndanzchef im polnischen Kriegsministerium, der ang.klagt war, bei Mili - tärlieferungen, die er selber vergeben hat, bestochen worden zu sein, wurde zu fünf Jahren schweren Kerkers und Ausstoßung aus dem Heeres- verband verurteilt.
Die Wetterlage.
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Wettervoraussage.
Das Vordringen der feucht-warmen Südwest- ßuft fuhrt erneut stärkeren Wolkcnaufzug mit sich und läßt es in Frankreich und auch stellen- weise in Deutschland zu leichten Rrederschlägen kommen Aachen und Karlsruhe meldeten heute morgen Regen Die noch vorhandenen flachen Tiefvruckstörungen erhalten zunächst das wolkige Wetter, dabei ist neben Gewitterneigung _ mit vereinzelten, wenn auch geringen Riederschlägen zu rechnen Heber Westfrankreich, England und Irland hat der Luftdruck zugenommen und läßt den Vorstoß eines neuen Hochdruckgebietes erkennen
Wettervoraussage: Wolkig, auch zeitweise aufheiternd, warm und meist trocken
Witterungsausitchten für Freitag: Keine wesentliche Aenderung.
Lufttemperaturen am 6. September: vormittags 24,4 Grad Celsius, nachmittags 17,2 Grad Celsius; am 7. September: vormittags 16,2 Grad Celsius. — Erdtempcraturen in 10 Zentimeter Tiefe am 6. Sep« tember: 22,3 Grad Celsius: am 7. September: 17,2, Grad Celsius. Maximum 24,4 Grad Celsius, Minimum 13,5 Grad Celsius. — Sonnenscheindauer: IVs Stunden.
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