Noch viel mehr aber hätte ich mich gefreut, wenn tndn den Gästen strahlenden Auges auch iefen Teil der alten Stadtbefestigung iitie zeigen können. Wie manchs Stadt würde ihren ganzen Stolz darein setzen, solche Schmuckstücke zu besitzen. Gehen wir doch einmal 7.5 Jahre zurück! Da war die Gegend des ^estungswallcs der idyllischste Platz weit und weit: der erhabene Wall, aus dem man im Semih er so gern sein» Spaziergänge machte, 5et tiefe Wallgraben, die alten Daumriesen mb anschließend die Stadtmauer mit ihren Liirmem ein Bild, wie zum Malen! ilnb was :ft es gellte? Auf bet einen Seite die ein« üöckigcn, niedlichen Siedlungshäuser, die einen' ganz leidlichen Eindruck machen, wenn sie auch manchen Leuten nicht recht gefallen wollen. Aber das, was auf der anderen Seite im letzten Jahrzehnt hier entstanden ist, spottet jeder Beschreibung und ist ein Schandmal für eine Stadt. Hier stehen dicht an der Straße Schuppen, Baracken, Scheunen, halbvollendete Bauten und dergleichen Mehr, die alte Stadtmauer verdeckend, — Kriegs-, Re- voluticns- und Jnflationsgewinne übelster Art. Die Behörden sind anscheinend Nicht wachsam genug gewesen. Ich habe mir sagen lassen, daß es ein Gesetz gibt, wonach an einer Straßenfront nur Wohnhäuser oder Hauptgebäude errichtet werden dürfen, afte Nebengebäude Müßten wenigstens 10 Meter zurückgestellt werden. Wozu hat man solche Vorschriften, wenn nicht' auf ihre Durchführung gesehen wird? Gibt es denn gar kein Mittel, hier einmal Wandel Äu schaffen, oder soll die Verschandelung der Stadt so weiter gehen? Wo bleibt bet Verkehrs- und Verschönerungsverein, um in Wort und Schrift gegen eine solche Verunzierung unserer Stadt zu eifern, wo bleibt bet sonst so rührige Verein für Handel und Gewerbe, der doch auch verkehrsfördernd wirken will? Wo bleibt der gute, echte Bürgetsinn und Bütgerstolz, der sich immer so aUfgelehnt hat gegen die Vögel, die ihr eigenes Aest beschmutzen? Es ist Zeit, daß nun endlich alle auf- aerufen werden, die guten Willens sind, ihre Stadt nicht zum Aschenbrödel werden zu lassen. In Butzbach hat eine weitsichtige Stadtverwaltung eine Scheune angekauft, um sie Niederzulegen, damit die alte Stadtmauer an dieser Stelle sichtbar wird und den Besuchern gezeigt werden kann. Will Lich denn immer rückständig bleiben? Wenn die ordnungsmäßige Herstellung einzelnen der Betroffenen finanziell zu schwer wird, dann sollte die Stadt und der Staat helfend eingreifen Und Leistungsschwache unterstützen, aber eine Wendung Muß es geben! Es war überhaupt nicht richtig, die Stadtmauer in Privathände übergehen zu lassen, nur im Besitz der Stadt wäre ihre bauernbe Unterhaltung und Erhaltung gewährleistet gewesen. Aber noch ist es nicht zu spät! Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß die Mißständigen Hallen eines Tags schleunigst Reißaus nehmen, so wie es die Plakattafel am Schloßgarten zu tun vorhat. Die alte Stadtmauer ist es wirklich wert, daß sie geschont und erhalten wird, hat sie doch jahrhundertelang die Bürger und ihre Wohnungen geschützt vor Plünderung, Brandschatzung und Zerstörung, und was der heutige Besitzer ererbt hat von seinen Vätern, das dankt er auch diesen Mauern, ohne die im 30jährigen Krieg und bei späteren Kriegszügen vielleicht kein Stein auf den anderen geblieben wäre. Mitbürger, vergeltets nicht mit Undank! Schützt eure Altertümer vor Zerstörung und Verfall, die Nachwelt wird es euch einst danken. Spectator.
Gauturrrfest in Heuchelheim.
Vom Presseausschuß wirb usts geschrieben: Zu dem Gauturnfest in Heuchelheim vom 9. bis 11. Juli find die Meldungen überaus zahlreich eiNgetzangen. Dank der gast- freundlichen Gesinnung der Einwohner können sämtliche Turner in Bürgerguartieren unter- gebracht werden. Die Ausschüsse haben ihre wochenlähgen Vorarbeiten soweit abgeschlossen. Ans dem ideal schön gelegenen Festplatz ist eine Zeltstadt entstanden, itt der Tausende von Festbesuchern gastliche Aufnahme finden werden. Samstag nachmittag 3 älhr beginnt in der Müllerschen Badeanstalt das Wettschwim- m e n. Die Festeröffnung findet um 7 Rhr abends am alten Nathaus statt, wobei die vereinigten 4 Gesangvereine in Stärke von 240 Sängern einen Massenchvr zUm Vortrag bringen. Zum Meisterschaftsturnen sind die besten Kräfte des HssseNgaues gemeldet. Der fest- gebende Heuchelheimer Verein hat alles auf»
geboten, um das Fest in jeder Hinsicht so zu gestalten, daß <*5 einen bleibenden Eindruck bei allen Besuchern hinterlassen wird. Als Fest- musik ist die R e i ch s w e h r k a p e l l e des 3. Jäger-Bail. 15. Inf. - Ngts. Kassel gewonnen, außerdem wirken die Kapellen Wel- l e r und Otter am Fest mit. Das Festzelt allein faßt 3000 Personen. Daneben können die 1000 Personen Platz bietende Turnhalle, sowie die besonders errichteten gedeckten Hallen für Cafe- und Wirtschastsbetrieb zahlreiche Personen aufnehmen. Der Heuchelheimer Verein hat ein Festbuch herausgegeben, das außer der Geschickte Heuchelheims interessante Beiträge namhafter Verfasser enthält. Wenn das Wetter einiger- maßen günstig ist, steht zu hoffen, daß das Gatt- turnfest. das erstmalig einem Landverein übertragen ist, einen für alle Teilnehmer befriedigenden Verlauf nehmen wird.
Landkreis Gietzcn.
.£. Wieseck. 6. Juli. In seiner jüngsten Sitzung beschäftigte sich ber Ätz mein berät mit der Vergebung der KaNalisieruNgs- u n b Wasserleitungs arbeiten für eine Neihe von Straßen. Teils sind diese neu an» gelegf worden, teils traten sie an das Kanal- net) noch nicht an geschlossen. Es handelt sich hierbei um den Eichenröder Weg, Am Eichelbaum, LUdwigstraße, Grabenstraße, Kornblumenstraße. Mit Rücksicht darauf, daß diese Arbeiten etwa 30 000 Mi. Kosten verursachen, ivurbe die ebenfalls mitgeplciNte Kanalisierung der Gatten- straße für dieses Jahr zurückgestellt. Für die Materiallieferung waren fast gleichhohe AlMe- bote eingereicht: sie gelaufen sich auf 13 832Mk. Die Angebote für bfr Ausschachtnngs- und Vet- legungsarbeiten wiesen recht beträchtliche Unter«* schiede auf; so forderten Pflastermeister Schäfer (Wieseck) 12 758 Ml., Ninn (Gießen) 14 305 Mark, Bauunternehmer Schäfer (Wieseck) 14913 Mk., Scherer (Wieseck) 21 751 Mk. L. Schneider (Heuchelheim) 22 311 Mk. Der Gemeinderat beschloß einstimmig, dem Bauunternehmer Schäfer (Wieseck) die Materiallieferung zum Preise voN 13 832 Mk. und die Ver- legungsarbeiten zum Angebotspreis von 14913 Mark zu übertragen. Nach einer ebenfalls einstimmig beschlossenen Aenderung des Orts-- baustaluts wird für die neu anzulegenden Straßen die sogenannte offen eB au weise bestimmt. Hierbei können die zu errichtenden Häuser als Einzel- oder Doppelhäuser gestellt werden.
Stangen tob, 6. Juli. Bei dem diesjährigen Reit - und Fährturnier in Alsfeld, das alljährlich anläßlich des Prämiiett- matktes veranstaltet wirb, errang Landwirt Karl Erb vom Grünberger Reit - und Fahr- Verein bett 1. Preis unter achtzehn Bewerbern. Erb ritt eine gut gebaute Hannoveraner Stute.
*'!* Grün berg, 6. Juli. Nachdent erst vor kurzem ein Einbruch bei Christoph Schweiß- guth versucht würde, hat ein lichtscheuer Geselle in der vergangenen Nacht in das Manst- fakturwatettgefchäft von Philipp Kropp Nachfolger, Heinrich Kappes Wwe., einen Eiu - b r uch verübt. Der Dieb drang durch ein Seitenfenster in den Laben. Soweit bis jetzt übersehen Werben kann, wurden ein Mantel und sonstige Kleinigkeiten entwendet. Die heute früh benachrichtigte Kriminanlpolizei nahm mit einem Polizeihund die Spur auf, die nach dem Bahnhof führte. Vermutlich hat bet Dieb mit einem Frühzug Grünberg verlassen; es kann sich aber auch um einen Täuschungsversuch handeln, da man annehmen muß, daß eine mit.den örtlichen Verhältnissen vertraute Person als Täter in Betracht kommt.
t Gründer g, 6. Juli. In der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde die stabt. KvhlenlieferUng vergeben, und zwar erhielt die Lieferung der Steinkohlen Fr. Dahme t, die Kokslieserung Karl Södel, die Versorgung Mit Nußkohlen N. Schott, die Brikett- liefetung Statt Schmieret. — Der Platz vor dem Denkmal von 1 870/7 1 soll instand gesetzt werden, vom nächsten Iahte ab wirb dann dem Kriegerverein ein jährlicher Zuschuß von 50 Mk. zur Instandhaltung des Denkmals- Platzes überwiesen. — Die Verwaltung ber B U tz- bach — Sicher Eisenbahn hat an die Anliegergemeinden Schreiben geschickt, in denen Kenntnis gegeben wird von einem Defizit der Bahn aus 1925'25 in Höhe von ungefähr 74 000 Mk. Die Bahnverwaltung ersucht die Gemeinden Um Beihilfen zur Deckung die-
tt ft e ö. Ser Gemeinderat ist grundsätzlich nicht abgeneigt, eine entsprechende Summe zu zahlen, wenn diese in mäßigen Grenzen bleibt. Die Beschlußfassung hierüber soll abet erst nach
' * I I 11 III■IIIIMMl ■■■!
Eine VerUnerAusftellung Adolf Beyers.
Die Galerie Schulte in Berlin hat am 2, Juli eine mehrwöchentliche Ausstellung von Werken urtfer.'S Hess. Meisters Professor Adolf Beyer eröffnet, in bet sie einen Aleberblid über fein Schaffen der letzten Jahre gibt. Die reiche Auswahl von Gemäldern — es sind mehr als 30 — zeigt mit überzeugender Kraft, wie Beyer, der stets unbeirrt von Schlagworten und Modeströ- murtgen ber Kunst seinen Weg gegangen ist, als künstlerische Persönlichkeck sich weiterentwickelt hat und heute mehr denn je Aufmerksamkeit verdient Es muß einmal in aller Oeffentlichkeit gesagt sein, daß er, ber in seiner engeren Heimat Hessen nicht als „Hessenmaler" gezählt wird, weck er feine Trachtenbilder malt, ein Maler deutscher, hessisch?'' Heimat ist tote kaum ein anderer der jetzt wirkenden Künstlergeneration; gerade die in Ber- 'in zahlreich ansässigen Hessen werden diese Tat- 'ache stark empfinden. Beyer war von Beginn seiner Tätigkeit an mit ber Heimat, insbesondere mit feiner Vaterstadt Darmstadt, aufs engste verbunden. Seine Initiative war es, die 1898 die „Freie Vereinigung Darmstädter Künstler" ins Leben rief, ihre ersten Ausstellungen organifierte und damit den Anstoß zu ber für Deutschlands Kunstleben so bedeutungsvollen „Künstlerkolonie" gab. Mag diese Tatsache auch von der schnelllebigen heutigen Generation vergessen sein, mögen seine Repräsentationsbilder des Ehemaligen Großherzogs zum Teil Opfer der Revolution geworden sein, so hat seine Bedeutung als Malet doch nicht abgenommen, sondern gerade diese Berliner Ausstellung zeigt, daß uns bet Meister noch immer etwas zu sagen hat.
Das große Asternstück in Rot, Lila und Weiß zeigt ihn von seiner besten Seite als Blumen-' maler. Zatt sind die Tone aufeinander abgeftimmt und vereinigen sich zu einer Fatbensymphonie. deren Feinheit keine Reproduktion je zu erreichen vermag. Lind bei allet Zartheit haben diese Blü
ten eine Plastik, die wir nicht häufig auf Stil- I leben beobachten. Bei dem Mädchenakt fesselt den Beschauer immer von neuem bet Reiz der Linie, die Ungezwungenheit der Bewegung und das Spiel des Lichtes, ohne daß ein Bild des Meisters nicht denkbax ist. Die FcischingsstUdie und das brünette Mädchen mit dem rotseibenen Schäl sind nicht zu übersehende Bildet, bie Beyer als vorzüglichen MeNscheNdarstellet zeigen, dem bei aller Gründlichkeit bet Charakteristik immer das Malerische die Hauptsache bleibt.
In seinem Verhältnis zur Landschaft scheint die Starke des Meisters zu liegen. Um die Landschaft, die er so liebt, hat er immer und immer wieder gerungen, rastlos oft zu verschiedenen Tageszeiten sich um dasselbe Fleckchen Erde gemüht. Der „Oberwaldhausteich bei Darmstadt", ber „Schilfwinkel' Wohl ein Motiv aus dem Kramchsteinet Park, sind Eindrücke von Licht und 6orbe, die mit flotten Pinselstrichen festgehalten sind. Die Dilbwirkung ist geschlossen und tief durch bie vorzügliche Luftperspektive. Leuchtend und froh sind bie Farben des „Rosendoms" der Rosen- hohe bei Darmstadt, wo sich bie Sonne gleichsam mte in einem Brennpunkt in dem roten Blüten- rneer sammelt. Dahinter steigt ein blauer Mittags- lylmmel aüf, über den kleine Weiße WolkcheN Swbett. Indem „Frühlingstag" aüf ber Marien- yDPe hat das Licht seine Härte verlören. Ein geheimnisvolles Leuchten verklärt das Fleckchen Erde, das in dem milden Licht zu neuem Leben erwacht ist. So recht ein Bild züm stillen Be° schäUen und Sichverfeicken! Nicht versäumen wollen wir, auf zwei Pastelle aufmerksam zu machen, die erst in den letzten Wochen in dem immer reizvollen Büdingen entstanden sind. Es sind Motive aus dem dortigen „Oberhof". Auf dem einen sehett wir die kraftvolle Architektur des Torbaues im Licht der warmen Maisonnc; auf dem andern scheint ein rundbogiges Türchen in die Blüten- Pracht eines Märchengariens zu fuhren. Gerade öie Freunde hessischer Heimat werben angesichts oer beiden letzten Bilder bedauern, nicht mehr von den jetzt in BübiNgen entstandenen Werken
ber Hauptversammlung ber Bahngesellschaft erfolgen. — Die Aufwertung ber städtischen Anleihen unter 500 M k. wurde mit 6 gegen 4 Stimmen abgelehnt. — Die Bestellung einer Ersatzglocke für bie am ersten Pfingstfeier- ' ag im Kirchengeläut gesprungene Glocke wurde beschlössen. Die Nette Glocke wird rund 2000 Ml. kosten, wovon jedoch 900 Mt. als Erlös für bie alte Glocke abgehen werden. Die An- ichasittngskosten sind bekanntlich durch die Hochherzige Spende eines Deutsch-AMeriiatters aus Grünberg gedeckt. Ferner wird ein aimhänaen bet Glocken und evtl, elektrischer Antrieb des Geläutes ins Ange gefaßt. - - Im übrigen beschäftigte Man sich Noch mit kleineren Angelegenheiten.
< Eberstadt. 6. Juli. Ein schwerer Ang lücks fall ereignete sich heute nachmittag gegen > 5 Ahr auf der Landstraße zwischen Eberstadt und Hof-Gill. Zwei Knechte in Begleitung des Verwalters vom Hof-Gill hatten in der Maschinettbäuanstalt In Gambäch einen dort zur Reparatur gewesenen Dreschwagen abgeholt. Als der Transport kürz hinter bellt ÖrtSaü’gang von Eberstadt Nach Hof-Gill KU fuhr, wollte bet 32 Jahre alte Knecht Otto SchmUlke während des Fahrens bie Bremsen anziehen. Hierbei kaltt et zU Fall und mit dem Kopf unter das Hinterrad des Dresch- wagens. De>n bedauernswerten Männe wurde bek Kopf zerdrückt, so daß 6ev Tod auf der Stelle eitttrdt. Der auf so tragische Weise aus dem Leben Geschiedene hinterläßt eine Frau und drei Unmündige Kinder.
KreiS Friedberg.
Pb. Butzbach, 6. Juli. In bet gestrigen Stadtverordnetensitzung teilte vor Eintritt in die Tagesordnung Bürgermeister Dr. Jansen mit. daß er Geh. Schulrat Dr. Otto bie Chrenbürgerurkunbe überreicht habe. Sodann fand bie Weitcrberatung des Voranschlags statt. Stv. B i e r h e 11 e r stellte hierbei den Antrag, den Voranschlag, der genügend in den AusschUßfitzungeN durchberaten sei, nur noch hinsichtlich der abgeättbe-rten Sinzelpösitiv- nen zu besprechen, im übrigen aber im ganzen anzunehmen. Hiergegen erhob bie gesamte Linke heftigen Widerspruch, und verließ, da der Antrag Vierheller angenommen wurde, geschlossen den Sitzungssaal. Nach Feststellung ber Beschlußfähigkeit wurde bann die Beratung fortgesetzt und der stäb - ti s che Voranschlag, der in Einnahme und Ausgabe Mit 454 400 Mk. abschließt, angenommen. Aus diesem sei folgendes hervok- gehoben: Das Vermögen beläuft sich auf 2 292 516 Matk, die Schulden betragen 839 204 Mk., worunter rund 148 000 Mk. Aufwertungsschulden der Stadt und des Wasserwerkes sind. Die Ausgaben für die Stadt- und Fortbildttngs- schule belaufen sich auf 24 400 Mk., für die Ober- realschttle auf 28 920 Mk. An Gemeindeumlagen wird erhoben: a) Grundsteuer 24 Pf., b) Gebäudesteuer 12 Pf., c) Sondergebäudesteuer 45 Pf. auf je 100 Mk. Wert. An Gewerbesteuer ist der Betrag nach dem vorjährigen Ergebnis mit 84 000 Mk. eingesetzt. — Das Wasserwerk sieht in Einnahme und Ausgabe den Betrag von 40000 Mk. vor. Das Elektrizitätswerk schließt in Einnahme und Ausgabe mit 216 000 Mk. ab. Hierbei teilte der Bürgermeister mit, daß mit der Zcllenstrafanstalt ein Lieferungsvertrag auf weitere 20 Jahre abgeschlossen worden sei. Die Anstalt erhält den Licht- und Krast- strom zum Preise von 20 Pf. die Kilowattstunde.
Kreis Büdingen.
!! Büdingen, 6. Juli. Im Alter von 82 IahreN verschied gestern früh Ihre Durchlaucht Die Fürstin Bruno zu Vsenburg- Büdingen. Mit ihr ist eine Frau aus dem LebeN geschieden, deren Name mit der Geschichte Büdingens eng verknüpft ist und die wegen ihres liebenswürdigen, stets hilfsbereiten Wesens von bet gesamten Büdittger Einwohnerschaft geachtet und verehrt wurde. Fürst Bruno ging seiner Gattin im Tobe um 22 Jahre voraus.
L Nidda, 6. Juli. Auf dem heute hier abgehalteNeN SoMmetmarkt waren etwa 20 Pferde, 28 Fohlen Und 621 Schweine und Ferkel aufgetrlkben. Der Handel in Pferden und Fohlen war sehr gering. Zu der von der Landwirtschaftskammer veranstalteten Fohlenauktion waten 20 Fohlen gemeldet. Es wurde aber nut ein Fohlen verkauft für 350 Mark. Bei dem großen Angebot in Ferkeln waren die Preise sehr niedrig. Für ein Paar wurden bezahlt: 6 Wochen alte 24 Mark, 8 Wochen alte 32 Mark. Läufer wurden das Paar zu 60 bis 80 Vliarl verkauft. Unter den Verkäufern waten auch Mehrere Händ- sehen zu können (vielleicht aber bald im Kunst- veteitt in Gießen?), denn sie sind ein Erlebnis von seltener Tiefe, ein Bekenntnis zum Heimatland, ein Versprechen für die Zukunft. Möge es Adolf Beyer noch lange vergönnt sein, uns Aehn- liches zu schenken!
Dr. D. Lade.
Frankfurter Theater.
Max Adalbert, einer- der beliebtesten Komiker von Berlin, ist mit feinem Ensemble für einige Tage im Netten Theater eingekehrt. Er bringt Fritz Friedemann- Fredrichs Lustspiel „Müllers" mit. Eigentlich aber ist es ganz gleichgültig, was er bringt, denn erbringt sich selber, und das ist geitüg. Wie er die Hauptperson, den Hauptmüller sozusagen, hittlegt, ist fabelhaft, wie et diese Type charak- terisiert, komisch-dramatisch zerlegt, ist großartig. Sein nHnjÖ" vereinigt bie erstaunlichsten Eigenschaften itt sich; alle Temperamente wogeii in ihm auf und ab. Er fattn urgemütlich und behaglich fein, dann wieder ein ganz gferi feuer Junge mit einer bewunderungswürdigen Schttod- brigkeit, und diese Schnobdrigkeit Wechselt er wiederum gegen gefühlsvolle Sentiments ein. Nein, er ist alles In allem eine Kanone, man Wird von seiner Beredsamkeit einfach erschossen. Das Stück, die Müllersgeschichte, ist ah und für fick) schon recht erheiternd, Adalbert bereichert es aus dem Stegreif so an Komik, daß bas Publikum sich vor Lachen windet. Nebenbei gesagt, ist auch das Ensemble ausgezeichnet, kein Starshstem, sondern um Adalbert herttm lautet famose Schauspieler, wie Max Landa, sein glänzender Gegenspieler, S p i r a, Starn- burg, Pittschau, Altschul und Ketsten (alles Darsteller, die die Provinz bereits aus den verschiedenen Filmen kennt). Bon den Damen seien erwähnt Hermine St er ler (ein Wieder- feben) und die famose Frida Brog. Hans Kuhnert als Regisseur sorgt für wirbelndes Tempo. Das Publikum rast Beifall. L.W.
ler mit einer größeren Anzahl Ferkel erschienen, aber nicht alle Tiere wurden verkauft. Geldknappheit und Kartofsclmangel werden als Gründe der schwachen Kauflust angegeben. Heute nachmittag fand itt der Stadt auf dem Marktplätze Krämermarkt statt. Ausgeschlagen waren etwa 15 Verkaufsbuden; das Geschäft war aber unbedeutend, weil die Besucher des Viehmarktes schon mittags zur Heuernte nach Hause eilten.
„ ?“ Ükt^tzt-Sch mitte n. 6. Juli. Beim Abbruch einer baufälligen Scheune fand man auf dem Dache Ziegeln von enormer Größe, die die Inschrift trugen: Peter äühl, Kohden 1669 und 1670. Sie lassen erkennen, daß man in den an bie Horb grenzenden Dörfern schott recht frühzeitig sich dem Ziegelbache zuwandte, was wohl darauf zurückznführen ist, daß bie Harb einen guten Lehm und Ton für Ziegler und Töpfer lieferte.
Kreis Schotten
Wingershausen, 6. Juli. LInsere Gemeinde hat den Bau einer Wasserleitung beschlossen, der noch in diesem Jahre zur DUssühtung kommen soll. Da keine hochgelegene Quelle mit natürlichem Wasserdruck in' Frage kommen konnte, muß Maschinenkraft das Wasser in den Hochbehälter pumpen. Die Gesamtlänge des Rohrnetzes einschließlich der Hauszuleituttgen wird nur etwa 2 KilöMeter betragen.
Kreis Alsfeld.
Nieder-Ge münden, 6. JUli. Beim Heuladen stürzte der Landwirt Und Schmiede- Meister Karl Wittich vom beladenen Heu- wagen ab und zog sich einen Beinbruch zu. Da das Bein vollständig geknickt war und der zersplitterte Knochen frei lag, wurde der Verunglückte sofort mittels Autos in die Gießener Klinik verbracht.
— Homberg a. b. Ohm, 6. Juli. Der heutige Schweinemarkt war mit 257 Ferkeln befahren. Aber sein Besuch litt sehr unter drr noch überall im Gange befindlichen Heuernte; es waren nämlich nur wenig Käufen da. Infolgedessen waren auch die Preise niedrig. 6 bis 8 Wochen alte Ferkel kosteten pro Kopf 18 Mark, 9 bis 11 Wochen alte Tiere wurden mit 30 Mark durchschnittlich bezahlt. Es wurden nicht alle Ferkel abgesetzt.
, cf Dannenrod, 6. Juli. Bei der günstigen Witterung dieser Woche in unserer Gegend geht die Heuernte güt vorwärts; sie wird wohl bis zum Schlüsse bet Woche beendet sein. Es gibt eine gute Mittelernte. — In einigen Gärten tritt wieder — wie in den feuchten Vorjahren — der Stachelbeermeltau an den Stachelbeeren in Strauch- ortti stark auf, der sogar auf die Hoch- und Halb- tammformen übergreift. Die von der Krankheit be- allenen Beeren bleiben unreif, eignen sich nach Abwaschen des Meltaus noch zum grünen Einfachen. Da der Stachelbeermeltau sehr ansteckend ist, ist die Ausrottung und sofortige Verbrennung der Stöcke oft besser als ihre Behandlung, für die es an Zeit fehlt. Begünstigt durch die kühle, feuchte Witterung seither tritt hier am Weizen wieder stellenweise der Getreiderost auf. Der Befall ist nicht so stark wie im Vorjahre Und läßt demnach erwarten, daß die Weizenerttäge nicht viel beein- ttächttgt werden.
Starkenburg.
* Darmstadt, 6. Juli. Zum Rekto r Ser Technischen Hochschule ist für die Zeit vom 1. September 1927 bis zum 31. August 1928 ber orbentliche Professor Dr. Ing. Emil Kammer gewählt und vom Gesamtministerium bestättgt worden. — Die Mannh e imer Li se- lotteschule kaufte von der Gemeinde Ober» finkendach im Odenwald ein Jagdhaus an, bas bie GeineiNbe von einem Iagdpächter. der itt Zahlungsschwierigkeiten geraten toat, erworben hatte. Die Liselotteschiile bezahlte für bas Gebäude 14000 Mark uttd wird darin ein San d- schulhei m einrichten.
WSN. Rüsselsheim, 6. Juli. Gestern vormittag wurde in der Mainzer Streiße eine Radfahrerin von dem schwerbeladenen Anhänger eines Lastkrafttvagens erfaßt, vom Rade gerissen und übetfahren. Die Räder des Anhängers gingen der Frau über den Kopf, so baß infolge Schädelzcrtrümmerung der Tod auf ber Stelle eintrat. Die Getötete ist bie Ehefrau des Hausmeisters im Bovtshause der Rudergesellschaft,,L.indine".
Rheinhessen.
WSN. Mainz, 6. Juli. Ein schweres Unglück, dem zwei Mainzer zum Opfer fielen.
Gochschulnachrichten.
Die Frage der Wiederbesehung des Lehrstuhls für deutsche Philologie art der ilniberfität Berti n. den bisher Prof. Roethe innegehabt hat. ist seitens ber älnterrichtsverwaltuttg dahin gelost worden, baß zwei Gelehrte, Prof. Panzer. Heidelberg, und Prof. Hübner. Münster, gleichzeitig einen Ruf erhalten haben. — Rektor und Senat der Aachener Technischen Hochschule haben durch einstimmigen Beschluß auf Antrag ber Fakultät für Stoffwirtschaft: dem als Hütteningenieur weitbekannten Herrn Dr. jUt. li. c. Emil Mährisch in Gutem» b ü t; g, ihrem ehemaligen Studierenden, in Anerkennung seiner hervorragenden Derdienste um die Entwicklung des Eisenhüttenwesens b'ie Würde eines Dr.°Ing. ehrenhalber verliehen. — Edmund St ein acker, der Nestor der Führer des europäischen ANslaiidbeutschtums, nahm trotz seiner 88 Jähre in voller Frische und Rüstigkeit oft dem 75jährtgen Stiftungsfest seines Korps Teutonia in Stuttgart teil. — Für bie Fächer Vollswittschastslehre und Finanzwissenschaft habilitierten sich an ber Universität Marburg Dr. rer. pol. Rolf Fricke und Dr. rer. pol, Erwin WiSkeMann. — Der Ordinarius und Direktor des zahnärztlichen Instituts ber Universität Breslau Dr. med., Dr. med. dient, h. c. HermanN Euler hat einen Ruf an die Universität Berlin als Nachfolger von Prof. Fritz Williger erhalten. Euler ist ein gebürtiger Rhein- psälzer, war Schüler und Assistent bei Prof. Port in S)eibelberg. In Erlangen wurde er Vorstand ber zahnärztlichen Universitätsklinik. Ostern 1921 siedelte er nach Göttingen über, wo er bald ibatauf zttm Ordinarius befördert wurde. — Der planmäßige Professor imb Divektor der medizinischen Polikliiiik ati der Universität Heidelberg, Dr. med. Siegfried Thann- Hauser, hat cittett Ruf an die medizinische Akademie in Düsseldorf als Nachfolger des Geh. MediziNalrats Attg. Hoffmann erhalken.


