Donnerstag, 7. Zull J92Z
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhellen)
Nr. (56 Zweites Blatt
Die RhemaussteKung in Koblenz
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Juli 1927
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fd>cn Bildungsstätten kommenden Theologiestudie, renden relativ so groß, daß diese Lage an- gesichts der unzureichenden imt> durch Hniversi- tätdhirfc auf keinen Fall völlig auszugleichendcn Vorbildung in wissenschaftlicher, beruflicher unb allgemein-menschlicher Beziehung in hohem'Maße bedenklich erscheinen muh. So ist der theologische Bachwuchs für Wissenschaft uni> Praxis heute bedroht. Unter diesem Gesichtspunkt, glauben wir, hat der Pfarrerstand auch ein eigenes persönliches Interesse an der Mitarbeit an der gymnasialhumanistischen Bewegung."
keine Ewigkeitswerte
Ausstellung „D e r und Wirken" ist
terbuch zwar um ein paar men bereichern, sonst aber hinterlassen haben.
Die neue Koblenzer
cit.
Rhein, sein Werden ein hervorragende« Beispiel für eine Ausstellung, die ohne inneren Zwang aus Erwägungen, wie
Die Ausstellungssucht der deutschen Städte . wird allmählich zu einem Problein, mit dem cs sich zu beschäftigen lohnt. Einmal im Interesse des öffentlichen Geldbeutels, zum anderen, um die Frage zu klären, wie denn eigentlich eine solche Flut von Ausstellungen ihre kulturelle Aufgabe lösen kann. Schon die Fragestellung an sich schließt von dieser Betrachtung Ausstel- lungsunternehmen aus. die lokal begrenzte wirtschaftliche Interessen fördern ivotlcn und dies auch freimütig bekennen, wie die Giestener Gewerbe Ausstellung. Aber in den großen deutsche Städten, wie Berlin und Köln, Dresden und Breslau, München lind Stuttgart, ja bis herunter zu Koblenz. Darmstadt unb dem kleinen Liegnih ist es mm doch glücklich so weit gekommen. daß der Riesenapparat einer „Aus- stellungsleitung" mit allem Drum und Dran nun einmal auf gezogen ist und jetzt jährlich auf sein Opfer wartet.
In den Messestädten, wie Köln und Frankfurt, ist es noch verständlich. Man sucht hier die Pausen zwischen der Frühjahrs- und Herbstmesse nutzbringend auszufüllen durch Ausstellungen. die den einmal aufgezogenen Apparat in den sonst stillen Sommermonaten beschäftigen, die riesenhaften baulichen Anlagen solange nicht leerstehen lassen, und zugleich auch noch durch das Hermrziehen von Kongressen und enteren großen Veranstaltungen werberischen Zwecken ter Ausstellungsstadt dienen.
Anters liegen aber nun doch die Dinge in den Städten geringerer zentraler Bedeutung, die „auch einmal" eine Ausstellung irr ihren Mauerrr haben wollten, nun aber den Geist nicht los wertem den sie riefen. Der große burcaulratische Apparat einer solchen Ausstellung läßt sich so schnell nicht wieder abbauen, wie er ausgezogen wurde. Er wird sehr bald zum Diktator ter Konnnunalverwaltung und stößt diese, betätigungswütig, wie er nun einmal von Qtatur sein muß. auf ter abschüssigen Bahn Weiler von Ausstellung zu Ausstellung. „Es tostet ja nichts": die Anlagen sind da. die Organisation! ist da. der Rummelplatz bleibt nach Möglichkeit gleich das ganze Jahr hindurch — nur schnell eine neue Generalidee, und man hat im Haud- umdrehen in der nächsten Saison wieder ehre Ausstellung, die sich sehen lassen kann.
So ungefähr dürste ter Gedmckengang einer berufsmäßigen Ausstellungsleitung sein, und nach diesem Rezept wird dann auch verfahren, ohne Rücksicht darauf, daß unter der Fülle von Ausstellungen die Anziehungskraft der einzelnen, also auch ihr Wert als Werbemittel von Jahr zu Jahr geringer wird, ohne Rücksicht darauf, paß in ter Endrechnung dem Kommunalsäckel doch ganz erhebliche Kosten erwachsen, die auch durch moralische Eroberungen nicht wieder einzubringen sind, schließlich mich ohne Rücksicht darauf, daß durch die Unterhaltung eines Rummelplatzes den Bürgern der eigenen Stadt für kulturell völlig wertlose Dinge Geld aus dein ohnehin schmalen Deutel gezogen wird, sei es nun in mehrtägigen oder wochenlangen Veranstaltungen. Man könnte einwenten, die großen deutschen Städte sähen es als eine gerade ihnen im besonderem Maße obliegende hochpolitische Aufgabe an. durch Ausstellungen über deutsches Kulturstreben ter Vergangenheit und Gegenwart vorbildliche Aufklärungsarbeit zu leisten, über die Entwicklung deutscher Wirtschaft und deutscher Technik vor dem Forum der Welt Zeugnis
abzulegen. Man wird diese mid ähnliche Einwendungen gerne gelten lassen für Unternehmungen wie die Frankfurter Ausstellung „Sommer ter Musik", wie die Kölner Jahrtausendausstellung aus dem Jahre 1925 und die jetzt in Darmstadt veranstaltete Ausstellung „Alle Kunst am Mittelrhein“. Zweifelhafter liegen schon die Dinge bei der Düsseldorfer „Gesolei" und ter Koblenzer Wein-Ausstellung vom vergangenen Jahr, den Jahresschauen deutscher Arbeit, die fortlaufend in 'Dresden stattfinten, bei der Wochenend-Ausstellung in Berlin und einer Reihe ähnlicher Veranstaltungen, die dasWör- unaussprechliche Ra-
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Internationale Gesellschaft für neue Musik.
Das Fest in Frankfurt.
Zum erstenmal betritt die „Internationale Gesellschaft für neue Musir deutschen Boden. Seit ihrer 1922 erfolgten Gründung, die von mehreren jungen Wiener Komponisten und Musikschriftstellern fortschrittlichster Haltung ausging, hat die Gesellschaft alljährlich ihre Mitglieder zusammengerufen: Salzburg. Prag. Venedig und Zürich sind die Etappen der praktischen Arbeit gewesen, die den Zweck verfolgte, neues Schaffen zu propagieren. Mit erstaunlicher Schnelligkeit ist das Hnterneh- men gewachsen. Aus der lleinen, zumeist durch persönliche Freundschaft verbundenen Gruppe hat sich in den wenigen Jahren eine großzügige Organisation gebildet, die in mehr als 20 Sektionen nahezu alle an moderner Musikpflege beteiligten Länder der Welt umfaßt. Wie jeter neuen Gründung sind der Gesellschaft Kinderkrankheiten nicht erspart geblieben. Doch mit jedem Jahr erkennt der Unvoreingenommene mehr, wie diese überwunden werden, und wie wichtig und notwendig das Vorhandensein einer solchen Gemeinschaft ist. Wichtig und notwendig nicht nur wegen des systematischen Austausches künstlerischen Gutes, sondern wegen der großen Anregung, die von diesen Zusammenkünften ausgeht. Es ist erforderlich, immer wieder darauf hinzuweisen, daß von den Arbeiten der in dieser Veranstaltung herausgestellten Autoren immer nur ein geringer Teil Anspruch auf nachhaltiges Interesse oder auf volle Anerkennung haben wird. Sind in dem halben Dutzend Programme wenigstens einige Werke, die die Präsentation an so hervorragender Stelle gerechtfertigt haben, dann ist der Sinn der ganzen Idee hinlänglich zum Ausdruck gekommen.
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Das Festprogramm, in das von der Frankfurter Oper eine besonders szenisch sehr starke Aufführung von Busvnis „Doktor Faust" mit einbezogen ist, umschloß sechs Konzerte. Den Reigen der Komponisten eröffnete der Russe A Mossvlow, dessen erstes Streichquartett op. 24 vom Wiener Streichquartett gespielt wurde. Heber Klangexperimente dieses Typus ist die Gegenwart
Oderhessen.
Licher Beobachtungen.
• Lich. Anfang Juli. Es ist ein Zeichen unserer Zeit, daß die meisten Menschen unzufrieden sind, daß sie stets über die schlechien Zeiten klagen, und fast scheint eS. als ob heb überhaupt niemand mehr recht freuen könnte. Da begegne ich kürzlich einem Bekannten und frage höflich: „Run, wie geht's. Herr Rachbar?" „Danke, auch schlecht" sagt er grob und geht werter, als ob es eine Selbstverständlichkeit wäre, daß alles, was wir heute singen und sagen, nur eine einzige Jeremiade sein müßte. ES ist nun einmal so in unseren Tagen, daß viele klagen, ohne eine Ursache dazu zu haben. Ich wllls ihnen nicht nachmachen, ja ich bin sogar der ketzerischen Meinung, daß man, wenn man nur seine Einsprüche nicht allzuhoch schraubt, auch oftmals Gelegenheit hat, sich zu freuen. So ging mir« wenigstens ein paarmal in letzter Zeit:
Ich habe mich darüber gefreut, daß der diesjährige P f i n g st m a r k t einen so schönen Verlauf nahm und daß die von der Stadtverw.il- hmg getroffenen Neuerungen und Verbesserungen bei Einheimischen und Fremden Anllang und Zustimmung gesunden haben. Ich habe mich gefreut, als ich horte, daß die häßliche Plakat- tafel nm Schloßpark nun bald da« Feld räumen mid die natürliche Schönheit des Parkes damit wiederhergestellt werten soll, dank allen denen, die sich darum bemühten! Ich habe mich darüber gefreut, daß die Vertreter ter deutschen Presse bei ihrer Rundfahrt durchOb.u- hessen auch unsere Stadt berührten und recht befriedigt waren von dem, waS sie hier sahen. Ich habe mich darüber gefreut, daß Bürgermeister und Gemeinderat diesen geschätzten Besuchern die alte Stadtmauer am Wall n i ch t gezeigt haben, Weil trotz der Schönheit des allen Gemäuers mid besonders eines noch gut eryatte- neu Turmes man sich de« Anblickes hätte schämen müssen.
Kölner Jahrtausend-AuSsteNung durch vielleicht fünf bis sechs Gemälde ungeteilte! wurde, ist hier in erschöpfender Weise mit sehr viel Geschick zur Durchführung gebracht. Schließlich wird auch die Bebauung teS Rheinstromgebieles, also die Formen ter menschlichen ©ietelung im Wandel ter Jahrhunderte, Land-, Forstwirtschaft und Weinbau, Fischerei und Jagd in sehr hübschen Einzelgruppen gezeigt. Selbstverständlich darf auf einer Ausstellung, die dem Rlwinftroin gewidmet ist, auch nicht eine Darstellung te« Wassersports sehlen. ter ja gerate auf dem Rhein eine große Schar begeisterter Jünger zählt.
'Besonderen Dank verdient es, daß die beiden bef rennte len Länder, in deren Gebiet Quelle und Mündung des RheinstromS fallen, die schweizerische Eidgenossenschaft und daS Königreich ter Niederlande sich mit sehr viel Hingebung an der Ausstellung beteiligt haben. So zeigt z. B. das holländische Ministerium vom Waterstaat sehr instruttive ORotelL' tes Hafens von Rotterdam und der großartigen Deichbefestigungen, denen Hollands Schiffahrt und Landwirtschaft so viel verdanken. Die Schax iz zeigt u. a. in interessanter Weise die hohe wirtschaftliche Beteutung deS Rheinstromes für das Gebiet der Eidgenossenschaft.
So schlägt die Koblenzer Ausstellung eigentlich die Brücke von der Kölner Jahrtausend- Ausstellung zu ter großen internationalen Schis f- fahrts- und Strombau-Ausstellung, die im vergangenen Jahre in Basel veranstaltet wurde. WaS in Koblenz gezeigt wird, verlangt gründliches Studium. Wer nur oberflächlich von Saal zu Saal huscht, mit einem schnellen Blick Karten und Skizzen. OHotetlc und Apparate streift, um sich dann befriedigt im Rhein- oder Moselbaus te« Weindorfes zu einem solennen Frühstück nieterzulassen. wird nicht recht auf seine Kosten kommen. Ater wer sich Zeit nimmt und Ge- duld und Fleiß mitbringl. dem wird hier in Koblenz ein sehr anschauliches Bild von de« größten deutschen Stromes Werten und Wuien vermittelt. &
sie oben allgemein geschildert wurden, veranstaltet ist. Dafür ist rein Gegenbeweis die Tatsache. daß in sicher sehr mühseliger und aufopferungsvoller 2lrbeit in erschöpfender Weise überaus interessantes Material zusammen getragen und unter einem einheitlichen Gedanken iibersichtlich gruppiert wurde. Die Anregung zu ter Ausstellung ist von dem Koblenzer Rhein- Museum ausgegangen und die ganze Ausstellung ist denn auch im Grunde genomnien ein erweitertes Rhein-Museum. Es ist vielleicht das größte 'Verdienst der Ausstellung, wenn sie ihre Besucher nachdrücklichst auf die Existenz tes Rhein-2Nufeums. das in Deutschland wirklich einzigartig ist, hinweist. Wenn die Ausstellung dazu anregen würde, dieses Rhein-Museum durch ^Bewilligung größerer finanzieller Mittel in den Stand zu setzen, seine Sammlungen zu erweitern, so hätte die Koblenzer Rhein-Ausstellung auch einen hohen ideellen Zweck erreicht.
Eine Gesamtdarstellung des Rheines in allen seinen Beziehungen zur natürlichen, kulturellen und wirtschaftlichen Lebensentwicklung an feinen Ufern sucht die Ausstellung in 18 verschiedenen Abteilungen anschaulich und al [gemeinter ftänte lid) darzustellen. Die ersten fünf Gruppen geben gleichsam die geographisch-tiaturwis- senschaftliche Grundlage zur Betrachtung des Rheins und seiner Landschaft. Das Studium gerate dieser Abteilungen ist, toenn auch versucht wurde, e« dem Laien durch graphische Darstellungen, Skizzen, Rekonstruktionen und Modelle besonders schmackhaft zu machen, nicht ganz leicht, ater wenn man sich Zeit zu einiger Vertiefung nimmt, gewiß lohnend. Es wird jedenfalls eine erschöpfende Darstellung von den geftßraphischen. geologischen, klimatologischen, biologischen, hydrographischen Bedingtheiten, denen die Rheinlandschaft unterworfen ist, gegeben. In weiteren Abteilungen wird auf die wirtschaftliche Nutzung des Dheinstromes eingegangen, sei es in direkter Beziehung zur Schiffahrt und Krafterzeugung. sei eS indirekt in den großen Wirtschaftszweigen, die durch die geologische Struktur des Rheinstromgebietes in ihren Standorten besttmmt sind. Eine umfassende Darstellung hat die Rheinlandschaft im Wandel ter Kunstzeitalter erfahren. In einer ganzen Reche von Sälen sind aus allen möglichen Galerien Gemälde, Handzeich- nungeu und Graphik zusammen getragen, in denen die Rheinlandschaft als malerisches Mottv be- I hantelt wird. Ein Gedanke, ter schon auf ter
Das humanistische Schulwesen in Hessen.
Der Hessische Landesverband der Freunde des hunianistischen Gymnasiums hat sich an die hessischen evangelischen Dekanate in einem Aufsatz im Hessischen Kirchenblatt gewandt und gebeten der hessischen Dildungslage ihre Aufmerksamkeit zuzuwenden.
„Wir stehen," so heißt es dort, „in einer folgenschweren Entwicklung unseres höheren Schulwesens. Die alten ländlichen Lateinschulen sind realistischen höheren Anstaltstypen gewichen. Ihr Verschwinden wirkt sich in mehr als einer Hinsicht schädigend für unser Volk aus. Sie waren wichttge Beiträger für die städtischen Gymnasien: ihr Verlust isoliert die humanistischen Dildungszentren. die Gymnasien der Städte. Deren Frequenz muh unter dem Versiegen des ländlichen Zustroms beträchtlich leiden. In den Dildungsverhältnissen von Stadt und Land tritt eine ernste 3er- schi «bung ein. Es mehrt sich sichtlich die Gefahr, daß die Vertreter der humanistischen Bildung sich im ivesentlichen, ja fast ausschließlich aus den größeren Städten rekrutieren, weite Landstriche von der humanistt- sehen Bildung abgeschlossen werden, zum unermeßlichen Schaden für unsere Kultur. Die Lateinschulen haften den Aufstteg der Begabten , te« Landes gefördert, diese Begabten der ihnen gemäßen humanistischen Bildung zugeführt und ihnen damit eine hochwichtige Grundlage für die gegenüber Volk und Staat zu leistenden Berufsaufgaben geschaffen. Den unerschöpflichen Kraftquellen des Bauerntums, des Lehr- und Pfarrstandes und des Beamtentums des Landes war einer der bedeutsamsten Zugangswege zur Kultur geöffnet. Wie oft sind aus diesen Quellen die Tüchtigsten erstanden: und auch mancher einfachere Junge ist vornehmlich auf diesem Wege zu hohen und höchsten Stellen im Staate emporgestiegen: so dienten diese Schulen auch dem sozialen Ausgleich."
Der Aufsatz verweist dann auf Württemberg. wo ein über das ganze Land verbreitetes Reh von Lateinschulen allen Volksteilen gleichmäßig die Möglichkeit der humanistischen Bildung bot. Weiter wird bann die Forderung vertreten, daß in den ländlichen höheren Schulen ein grundständiger (mit Sexta ein- sehender) L atein unt erricht durchgeführt werden muß. Es sei zu befürchten, daß der angesichts der Schwäche des neuen Realschulthps voraussichtlich sich entfaltende Typ te« sog. Reformrealgymnafiums mit seinem dürftigen, au die oberen Klassen aufgepfropften Lateinunterricht in weniger urteilsfähigen ländlichen Kreisen als Ersah dÄ grundständigen gymnasialen und realghmnasialen Lateintyps als erträglicher Rot
hinweg. Aus Ansätzen kann man die Hoffnung schöpfen, daß die teilte Gebärde, die dieses Werk beherrscht, einmal abgesireift wird. Richt wesentlich besser schnitt Willem Pijper (Holland) mit einer Sonate für Flöte und Klavier ab. Ein eklatanter Mangel an Erfindung wird durch modernistisches Getue überdeckt. Einzig und allem der Schlußsatz besitzt einige Substanz. Den bedeutendsten Inhalt des ersten Abends lieferte Leo Janacees ..Concertino". In ihm pulsiert echtes Volkstum Böhmens. Alles in diesem zugigen. wahrhaft jugendlichen Werk des nunmehr Dreiundsiebzigjährigen hat Phantasie und zugleich gebändigte Form. Mario Castelnuovv- Tedescos in Melodieführung und Harmonik recht interessanter „Danze del Re David ist ohne Liszt und Chopin nicht denkbar. Er ist ein dankbarer Kvnzertreiher, der allerdings eines ausgezeichneten Spielers bedarf. Der Komponist konnte sich in Gemeinschaft mit feinem glänzenden Interpreten Walter Gieseking mehrfach zeigen. #
Der Wettkampf Amerikas ist, wie auf allen Gebieten künstlerischen Lebens, jungen Datums. Hm so energischer macht sich neuerdings der Wille geltend, spezifisch amerikanische Kunst zu schaffen. Auch Henry F. Gilbert ist es in der symphonischen Dichtung „The dance in Place Congo darum zu tun, die geistige und seelische Atmosphäre seine« Landes mitzuteilen. Wir, die wir gewisse gefühlsmäßige Bindungen nicht spuren, und nur den rein musikalischen Gehalt abschatzen, werden dieser durch geschickte Aufmachung etwas veredelten, bald reißerischen, bald sentimentalen Hnterhaftungsmusik nicht viel Geschmack abge- winnen. In eine dünnere Lust führt die siebente Suite op. 48 des Oesterreichens Josef Matthias Hauer. Dem Komponisten schwebt eine bestimmte, von ihm selbst aufgestellte Theorie vor nach der das melodische Material in einer Art mathematischer Verknüpfung mit stereotypen Tonfolgen engmaschig von allen Instrumenten wieder- gegeben wird. Es entstehen — soweit das Wort überhaupt die musikalische Erscheinungsform be- febreiben kann — flimmernde, schillernde, durch rhythmische Gegensätze unterschiedene Sarbkom- plexe von eigenartigster Beschaffenheit. Ob sich auf dieser Grundlage weiterbauen läßt, muß die Zeit zeigen. Als Exponent eines neuen Stll- willens hatte Hauer jedenfalls ein Anrecht
znr Sinnlosigkeit übt r steigernde Papier n 1 beim besten Willen nicht mehr ertragbare Be- lastting dar. Zu der spröden, unsinnllchen OHufiC Bergs hätte man sich kaum einen schärferen Kontrast denken können, als die französischen Rovi- täten. Claude Delvincvurt geht in feiner „Choreographischen Dichtung" „L’Offrandc a Siva“ von Bühnenvorstellungen aus (ohne, soweit sich erknnen ließ, das Theater direkt in Anspruch zu nehmen). Was aber, zu pantomimischen Leben gebracht, in prunkvoller szenischer Herritztung vielleicht wirken kann, vetblaßt in ter. anderen, Bedingungen unterworfenen Sphäre tes Konzertsaales. Der „Cantico del Sole“ von Raymond Petit stellte durch feinen wenig belangvollen Gehalt eine übers lüssitze Ausweitung des Programms dar.
Die Ausführungschancen sind für mooernc Werke gegenwärtig so gestiegen, daß bereits eingeführte Autoren wenig Veranlassung haben, die alljährlichen Tagungen abzuwarten. Auch Ernst T ochs neues Klavierkonzert op. 38 bedurfte nicht mehr dieser Plattform. Sie bleibt dennoch auch ihm erstrebenswert durch di? besondere Struktur der Hörerschaft. Diese bereitete Tod) einen spontanen, und zwar verdienten Erfolg. Doch zeigt sich in dem Konzert als phantasiereicher, die Form wie wenige beherrschender Willensmensch, ter Weg und Ziel fester denn je im Auge hat. Er hat jetzt, dürft) die sichtlich aufsteigende Kurve seiner Laufbahn ermutigt, das Stadium des Experimentierens überteunten und ten zupacken den Griff bekommen, ter Vorbedingung einer durchschlagenden Wirkling ist.
AuS dem Programm tes letzten Kaminer- nmsikabends hoben sich noch die witzige „^heater- muflt* te« Amerikaners Aaron Copland, eine anspruchslose Sonatine für drei Holzbläser tes Dänen Joergen Ben hon und ein melodiefreudiges, von Debussy beinflußteS StvelchtnS Joaquin Tur Inas (Spanien) heraus.
Als Ausführende waren neben den Komponisten die besten Rainen ter treten: S urt- toängler, Scherchen, 21 inar, n , mith, Stesan Frenkel, Claudio ^Irrau, Kolisch. Gieseking und Walter Fr ey. Das Publikum war so stark wie noft) bet lernet Tagung ter Gesellschaft von Mitgliedern der tn- unb ausländischen Presse durchsetzt. Für de nächste Zusammenkunft ist Siena. Stallens Juwel, In Aussicht genommen. A- n-
। arauf, gerate an dieser Stelle einmal zur Diskussion gestellt zu werten. Ob Bela Bartoks Klavierkonzert in das Repertoire der Pianisten übergehen wird? Oder wird es das Schicksal auch dieses charaktervollen, yroßintenttonierten Werkes sein, als Produkt einer Hebergangsepoche am Wege liegen zu bleiben? Solche Fragen entscheiden sich in unserer, auch in kiinst- lerischen Dingen aus ein eiliges Tempo bedachten Zeit meistens schnell. In der diesmaligen Ausführung war das Votum der Hörerschaft günstig. Dariok lädt seine Musik mit vehementen rhythmischen Energien, die ihren Hrsprung in der Vollslunst Ungarn« und des Balkans haben. Auch die merkwürdig dissonante, auf fortgesetzt benutzten Sekundenschritten beruhende Harmonik des tleintalibrigen Motivmaterials entstammt demselben Mutterboden. Was in knappester Form sehr reizvoll wirkt, nutzt sich in ten großen Dimensionen eines Konzertes schnell ab. Um Jo mehr, als Bartok anscheinend au« einem gewiften Mangel an konstruktivem Vermögen fast nur in der Breite und nicht in der Tiefe und Höhe baut.
Rur sehr bedingt ordnete sich den Tendenzen der „Internationalen Gesellschaft" die fünfte Symphonie op. 50 des Dänen Carl R i e l f e u ein. Cs ist aus romantischen Bezirken stammende, etwas bürgerlich moderierte Ausbrncks- musik eines mit gediegenem Rüstzeug ausgestatteten Kontrapunktikers.
Das Bestreben, auch den kleinen Staaten nach Möglichkeit eine aktive Rolle in den Aufführungen zu geben, dürfte dem dritten Quartett des Schweizers Conrad Beck die Aufnahme in ein Programm der diesjährigen Tagung zum mindesten erleichtert haben. Auch Wladimir D o g ei wird bei der Ansehung seines Stteichquartettes des Wohlwollens einer um stärkere Leistungen verlegenen Prüfungskommission tedurst haben. Zu einer schweren Enttäuschung wurde für diejenigen, die in dem Komponisten des „Wozzek eine der charaktervollsten und aussichtsreichsten Erscheinungen in der neuen Musik feben, das Kammerkonzert für Klavier und Geige mit drei- zchn Bläsern von 2llban Berg. Wer in das Partiturbild eindringt, wird sich nut Erstaunen und sogar Bewunderung die nach bestimmten formalen Prinzipien erfolgente Tlcrfiiübfung des motivischen Materials vergegenwärtigen. Für das Ohr stellt diese, Schonbergs Methoden fast bis
behelf angesehen wird.
„Ernsteste Aufmerksamkeit aber erfordert die Haltung weiter evangelischer Kreise, die sich der überwiegenden technischen Orientierung unserer Zeit und ten diese Richtung unmittelbar dienenden Dildungswegen in ganz besonderem Maße zugänglich zeigen, jedenfalls mehr als 2. I^lholischen Kreise. Cs ist eine Erscheinung, die sich offenbar über das ganze Reich erstreckt. In Bayern sind in evangelischen Bezirken Progymnasien eingegangen, während allenthalben in katholischen Bezirken die Ghm- nafialanftaltcn sich in günstiger Entwickelung zeigen und jeden Verlust, zahlenmäßig wenigstens, ausgleichen. In Hessen entwickeln sich Gymnasien in lleinen Städten mit katholischer Bevölkerung und unter katholischer Förderung günstiger als manche Gymnasien in größeren Städten mit überwiegend evangelischer Bevölkerung. Erforderlid) erscheint unter dieser Sachlage die einteinglidje Aufklärung in ten evangelischen Gemeinden, daß für jeden Beruf und jedes Studium — auch im Zeitalter der Technik — die humanistische Bildung die gediegene Grundlage bietet, daß sie daneben aber noch für die menschliche Durchbildung un allgemeinen unersetzliche Vorzüge mitgibt... Gegen-
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über ter Abwendung weiter evangelischer Kreise von ten geisteswissenschaftlichen und damit aud) theologischen Studien, namentlich anscheinend in den Städten, steht heule keine 2llöglich- keit des 2lusgleichs durch die ländlichen Kreise gegenüber, deren Ausstieg zum geistigen Beruf sich gern und erwünschtermaßen dem Pfarrer beruf zuwendete. Hnd wo das Bedürfnis doch noft) erfreulicherweise vorhanden ist. da zeigt sich infolge der engmaschigen Verbreitung und überwältigenden Frequenz des Realschulwesens die Zahl ter von den realifti-
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