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schen Beziehungen dient, und daß unter diesen Umständen Handelsvertragsverhandlungen mit Litauen gänzlich ausgeschlossen sind.

Lhamberlain lehnt -ie Erörterung der lläumungsfrage ab.

London, 6. Juli. (WB.) Im Unterhaus fragte )arris, ob Chamberlain jetzt in der Lage sei, e i n Datum f ü r die Beendigung der Beset- -.ungdeutschen Gebietes durch die alliierten truppen anzugeben, und ob diese Angelegenheit in 'Yens erörtert worden sei oder erörtert werde. Chamberlain erwiderte:Die Frage der Fest- ctzung eines Termins für die Beendigung der Be- etzung des Rheinlandes durch die alliierten Trup­pen werde in Genf nicht erörtert. Die Be­timmungen, nach denen das Rheinland geräumt werden soll, sind in den Artikeln 428 bis 431 des Vertrages von Versailles festgelegt worden. Harris 'tagte weiter, ob Chamberlain nicht glaube, daß 'in neunjähriger Zeitraum nach dem Waffen still st and ausreichend fei, um liefe militärische Besetzung, die Europa hindert zu ühlen, daß eine Friedensatmosphäre sich Zahn gemacht hat, zu beenden, und ob Chamber- 'ain nicht glaube, daß diese Frage erörtert werden nüßte, erwiderte Chamberlain:Nein, ich glaube ücht, daß irgendeinem nützlichen Zweck gedient wäre, wenn sie gegenwärtig in Genf erörtert werden würde. Sie wurde von niemand sonst auf­geworfen. Ich nehme an, daß andere der­selben Meinung waren.

In einem Aufsatz in derW e st m i n st e r D a ye 11 e bezeichnet 3. 2L Spender eine bal­lige Unterhausdebatte überauswar- ige Angelegenheiten als höchst wün- chenswert. Er sagt u. a.: Wenn Poincare be­absichtigt, in der Rheinlandfrage sein Veto einzu- :gen oder Bedingungen zu stellen, die den Deut­schen unmöglich oder demütigend erscheinen, dann werden wir Jahre derReibung u nd Er- oitterung vor uns haben, die die Poiltik der Wiederversöhnung untergraben, wenn nicht mdlich ein Datum für die Räumung festgelegt wird. Hoffentlich wird Chamberlain in der Lage sein, zu versichern, daß der britische Einfluß stetig geltend gemacht wird, um diese Fragen zu regeln und die Räumung des besetzten Gebietes zu beschleunigen.

Die Besichtigung derOstsestun^en

Berlin, 7. Juli. (priv.Tel.) Mehrere Blätter ; aelden aus Königsberg, daß die Besichtigung der | erfförten Unterstände in Ostpreußen durch General > >. pawelfz und die Militärsachverständigen der Aestmächte reibungslos verlaufen ist. Da­mit ist die Angelegenheit der zerstörten Unterstände ii r Ostpreußen erledigt. Die Kommission wird sich nun der Besichtigung der übrigen (Entfefii- -ungsarbeifet» an der deutschen Ostgrenze zuwenden.

Das Moskauer Attentat.

Moskau, 6. Juli. (Telegr.-Agentur der Sowjetunion.) Der Vorsitzende der staatlichen politischen Verwaltung, Jagoda, erklärte Pressevertretern gegenüber, daß die Weißgar­disten der Sprengung eines in der Rähe des Gebäudes der staatlichen politischen Verwaltung gelegenen Hauses große Bedeutung beigemessen hatten. Jagoda führte weiter aus, kurz vor der Entsendung einer terroristischen Gruppe, die aus Sachartschenko, Schulz, Ober­put und Wanessenski bestand, aus Finland nach Sowjetrußland habe sich General Kute­pow nach Helsingfors begeben, wo er persönlich die letzten Vorbereitungen für das Attentat traf. Unter seiner Teilnahme sowie der Teilnahme des alten, zu diesem Zwecke besonders aus Reval eingetroffenen Hauptmanns Roß, eines Ange st eilten der britischen Ge­sandtschaft in Reval und Leiters des Spionagedienstes gegen Sowjetrußland, fanden mehrere Beratungen dieser Gruppe statt. Bei den auf der Verfolgung im Gouvernement Smolensk Erschossenen wurden englische Granaten vorgefunden. Außerdem hatten sie eine große Menge Sprengstoff bei sich von der gleichen Art, das bei dem vereitelten Attentat vom 3. Juli Verwendung finden sollte. Ferner wurden bei den Erschossenen vom finnischen Spio­nagedienst ausgestellte falsche Pässe, finnisches Geld und goldene Zaren­münzen vorgefunden.

Deutscher Reichstag.

Berlin, 6. Juli. (V.D. Z.) Rach Erledi­gung einiger Rechnungssachen wird die zweite Beratung des Gesetzentwurfes über die Arbeits­losenversicherung fortgesetzt.

Abg. Thiel (D.Vp.) begründet einen auch von den Angestelltenvertretungen aus den Frak­tionen der Deutschnationalen, des Zentrums und er Demokraten unterzeichneten Antrag, der die Zulassung von Ersahkassen für die Angestellten verlangt. Als solche Ersah- assen sollen unter gewissen Voraussetzungen die ötellenlosigteitsversicherungseinrichtungen der Ungestelltenverbände gelten. Der Redner betont, hinter diesem Antrag die nichtsozialdemokra- ische Mehrheit der organisierten Angestellten ehe. Damit ist die Besprechung des ersten 'bschnittes geschlossen. Es folgt der dritte Ab- nitt des Gesetzes, der den Umfang der Ar- i tslosenversicherung behandelt.

Abg. Schmidt- Köpenick (Soz.) bedauert, ß die Land- und Forstarbeiter so oft unter ein .'snahmerecht gestellt werden.

Abg. Freiherr vonStauffenberg (Dn.) tont, in der Landwirtschaft bestehe Mangel ' Arbeitskräften, so daß ein Bedürfnis nach -er Arbeitslosenverficherung nicht bestehe. Die -rsicherungsbefreiung sollte sich auch auf die n landwirtschaftlichen Gärtnereien er» ecken.

Geh. Rat Dr. Weiger vom Reichsarbeits- imfterium erklärt dazu, die Begriffsbestimmung r Gärtnereien sei ziemlich schwierig. Eine wei- re Abgrenzung werde sich aus der Spruchpraxis r Arbeitsämter ergeben.

Abg. Obenbief (Kom.) verlangt die Einbe- Ijung aller Land- und Forstarbeiter und der (cinbauern und Kleinfischer in die Versicherung.

Beim nächsten Abschnitt, der die Versiche- ngSleistnngen betrifft, bezeichnet Aba. Grote- ohl (0oa.) die Gewährung von Reichszuschüssen ir notwendig. Die Dezugsdauer der Unterstützung üsse auf 52 Wochen verlängert werden. Die So- ! lemokraten beantragten, daß auch bei Aus- rngen die Unterstützung gezahlt werde.

Der Kampf gegen die Kriegrschuldlüge.

Das Programm des Arbeitsausschusses der deutschen Verbände

Daß ein Volk mit allen Mitteln versucht, eine ihm zu Unrecht angetragene Schuld abzustreiten, ist sein gutes Recht, ja noch mehr, ist seine erste und heiligste Pflicht. Daß man dabei aber nicht mit Mitteln vorgehen kann, die sich in der Form des bloßen Protestes be­wegen, hat am deutlichsten der Eindruck jener Be­wegung im Auslande bewiesen, die bisher glaubte, auf diese Weise eine Abänderung des Versailler Vertrages meiden zu können. Die Zeit hat uns eines anderen belehrt, und daß diese Erkenntnis Allgemeingut geworden ist, davon hat der Auf­takt der Reichstagung des Arbeitsausschusses deutscher Verbände in Goslar das beste Zeugnis abgelegt. In jener denkwürdigen alten und schönen deutschen Stadt Goslar, die in der deutschen Geschichte so und so oft schon eine bedeutsame Rolle gespielt hat, haben sich die Führer der Vereine und Gesellschaften, deren Zweck die pro­pagandistische Bekämpfung der Behauptung von Deutschlands Kriegsschuld ist, auf eine neue Formel in ihrem Vorgehen geeinigt, die Eurx dahingehend geschildert werden kann, wie es auch der Reichsauhenminister in seiner Osloer Robel- preisrede betonte, daß die Realpolitik jetzt den Sieg über alles Imaginäre und allen Illusionismus davongetragen habe.

Kein Volk hat das Recht, auf seinRecht zu verzichten", unter diesem Motto des be­rühmten deutschen Juristen Jhering führte das geschäftsführende Vorstandsmitglied des Arbeits­ausschusses Hans Draeger aus, in welchem Sinne sich die Bewegung zmn Ziele der Revision des Versailler Vertrages entwickeln werde. Die große Aufgabe sei eben, jenen internatio­nalen Willen herauszubilden, der endliche dafür eintreten würde, dem deutschen Volke sein ihm versprochenes Recht zukommen zu lassen. Als das geeignetste Mittel aber erkannte er, wie auch die andern Redner des Tages d i e objektive Arbeit der Wissenschaft an, an der sich die Gelehrten aller Rationen!, Politiker und Parlamentarier aller Länder be­teiligen müßten. Diese Aufgabe, stelle zu gleicher Zeit eine Erziehungsaufgabe bar, eine Erziehung zur Sachlichkeit und zur Zähigkeit.

Geht man von diesen Voraussetzungen aus. so hebt sich die innere Wandlung der Be­wegung um so deutlicher ab, eine Wandlung, die wohl auch das ganze deutsche Volk, trotz noch so bitterer Erfahrungen durchgemacht hat. Und in diesem Sinne kommt der Goslarer Ta­gung eine symptomatische Bedeutung zu, indem sie zeigt, wie sich diese große Linie des deutschen Volkes immer mehr herauskristallisiert- und über den unmittelbaren Anlaß hinauswachsend jenen Weg zeigt, der über die politische und wirtschaft­liche Konsolidierung des neuen Deutschlands zur toi rkli chen Freiheit des Vaterlandes füh­ren muh, weil er die innere Freiheit zur Vor­aussetzung hat. Möge diese Bedeutung der Gos­larer Tagung Symptom für alle Zeit fein, auf

daß wiederum einmal das alte denkwürdige Städtchen Ausgangspunkt eines neuen erwachen­den Deutschlands wird.

Die Wos arer Tagung.

Goslar, 6. Juli. Zur Tagung des Ar­beitsausschusses deutscher Verbände fanden sich gestern über hundert Vertreter von großen Spitzenverbänden, außerdem zahlreiche Univer­sitätslehrer und Abgeordnete der Parlamente ein. Als Vertreter Deutsch-Oesterreichs traf Exzellenz Riedl ein. Ein von der Versamm­lung einstimmig angenommenes Begrüßungstele­gramm wurde an den Reichspräsidenten von Hindenburg abgesandt. Pros. Ja- st r o w - Berlin sprach über das Problem der Reparationen unter besonderer Berücksichtigung der Frage der internationalen Verschuldung, bei dem wiederum die Frage der Rechtsgrund­lage des Vorfriedensvertrages, der nur Ersatz der Zivilschäden forderte, von wesent­licher Bedeutung sei. Ebenso mußte man betonen, daß das Versailler Diktat den Schuldpara­graphen als Grundlage der deutschen Re­parationsverpflichtung bezeichnet. Der Kampf gegen die Schuldlüge sei deshalb auch für diese Frage wichtig. Unsere Unterschrift unter das Versailler Diktat könne keineswegs ein Anerkennt­nis dieses Paragraphen bedeuten, da sie unter Protest abgegeben wurde. Der Referent hält auch den Dawesplan für unausführbar. Auch im Dawesplan sei die Schuldsumme nicht festgesetzt. Deutschland müsse die Weltmeinung im Sinne einer Revision des Dawesplanes beeinflussen. Die beste Politik sei aber vorläufig feine möglichste Erfüllung.

Prof. Obst von der Technischen Hochschule Hannover sprach scher das Thema:Die Stel­lung Europas in der Welt."

Am zweiten Tage der Reichstagung in Gos­lar sprach der durch die Herausgabe der bel­gischen Dokumente und des Wegweiser durch das Aktenwerk des Auswärtigen Amtes bekannte Oberst a.D. Bernhard Schwer t f e g e r - Han­nover überDeutschlands Kriegsschuld in der öffentlichen Meinung der Welt". Jetzt schon sei erwiesen, daß die Schuldthese von Versailles im historischen, juristischen und moralischen Sinne ein unerhörter F e h l s p r u ch bedeutet. Deutsch­land hatte keine Kriegsziele. Es hatte daher allen Anlaß, eine kriegerische Auseinandersetzung zu fürchten, die es, falls England sich auf der Gegenseite befand, im wesentlichen allein auf Oesterreich-Ungarn gestützt, einer übermäch­tigen Koa lition gegenüber ft eilen mußte. Auf der Seite der Entente waren Ziele vorhanden, die nur durch den Weltkrieg ver­wirklicht werden konnten. Als Hauptsache be­zeichnete Schwertfeger die überparteiliche Behandlung der Schuldfrage, der vielleicht ein­zigen deutschen Frage, in der ein Zusammen­gehen aller ihr Vaterland aufrichtig liebenden Parteien möglich sei.

Abg. Frau Arendsee (Kom) lehnt die Einführung von Lohnklassen ab und beantragt einen einheitlichen Unterstützungssatz, der auch bei Streiks und Aussperrungen gezahlt werden solle.

Abg. Schneider-Berlin (Dem) bezeichnet die Leistungen als unbefriedigend und beantragt die Erhöhung der Hauptunterstützung um 5 Proz.

Die ersten beiden Abschnitte des Gesetzes werden dann in der Ausschuhfajsung unter Ab­lehnung der Abänderungsanträge angenom- m e n. Abgelehnt wird auch der Antrag auf Zu­lassung der Ersahkassen. Dagegen wird ein An­trag der Regierungsparteien angenommen, der die bisherigen zehn Lohnklassen um eine ver­mehrt. Danach beginnt die erste Klasse mit einem Wochenlohn bis 10 Mk. statt bisher 12 Qltt Entsprechend ändern sich die Sähe des Ein­heitslohns auch in den übrigen Klassen. Die Hauptunterstützung beträgt in Klasse I 75 Proz., II 65 Proz., III 55 Proz., IV 47 Proz., V bis VI 40 Proz., VII 37,5 Proz. und in den Klassen VIII bis XI 35 Proz. des Einheitslohnes. In der Ausschußfassung wird im übrigen der Ab­schnitt 3 bis zum § 90 angenommen. Der Rest der Vorlage wird in der Ausschußfassung mit unwesentlichen Aenderungen in zweiter Lesung angenommen.

Annahme fand guch eine Rovelle zur Reichs­versicherungsordnung, wonach die Grenze der Krankenversicherungspflicht auf ein Jahreseinkommen von 3600 Mk. erhöht wird. Cs folgt

die 3weite Beratung des Gesetzentwurfs über Kriegsgeräte.

Abg. D a u ch (D. V.) empfiehlt als Bericht­erstatter des Auswärtigen Ausschusses die An­nahme des Gesetzes im Ramen der überwiegenden Mehrheit des Ausschusses aus politischen Grün­den und stellt fest, daß nach der Regelung der Reparationsfrage, durch die Annahme des Dawesplans, nach Abschluß der Locarnoverträge und unfern Eintritt in den Völkerbund nun nach Annahme des Kriegsgerätegefehes auch die Frage der Abrüstung definitiv er­ledigt fei und damit sämtliche Bedingungen des Versailler Vertrags erfüllt wären. Cs beständen also keinerlei Vorwände mehr für di e Besetzung de utschen Gebiets. (Lebhafte Zustimmung.) Die führenden Mitglieder des Völkerbundes haben uns zum Eintritt in den Völkerbund auf gefordert, dessen gleichberechtig­tes Mitglied wir geworden find. In Anbetracht, daß sie auf Annahme des vorliegenden Gesetzes bestehen, ergibt sich aus den vertraglichen Be­stimmungen das eine klar, nämlich daß sie mit den uns auferlegten Bedingungen den Um­fang ihrer eigenen Abrüstung fest - gelegt haben. (Sehr wahr!) Würden sie das leugnen, so würde der Grundgedanke des Völker­bundes verletzt fein, nämlich die Gleichberech­tigung aller ihm angehörenden Mitglieder. (Lebhafte Zustimmung.) Ms Abgeordneter erklärt der Redner dann kurz, daß die Regierungs­parteien trotz aller Bedenken und berechtigten Einwendungen aus den vom Berichterstatter an­geführten Gründen dem Gesetz zustimmen.

Abg. Stampfer lSoz.) führt aus, der Zweck des Gesetzes sei die vollständige Ent­waffnung Deutschlands. Der BegriffKriegs­gerät" fei von der Botschafterkonferenz in außer­ordentlich weitgehender Weise interpretiert worden. Die Sozialdemokraten würden mit Freu­den einem Gesetz zustimmen, das die Herstel­

lung aller Mordwaffen verbiete, aber nur unter ber Voraussetzung, baß es in allen Län­dern angenommen und gleichmäßig durchgeführt wird. In der jetzigen ein­seitigen Beschränkung auf Deutschland fei das Gesetz ungerecht und die Sozialdemokraten wür­den es ablehnen, wenn nicht hinter uns die große politische Zwangslage stände. Aus dieser realpolitifchen Einsicht heraus stimmten jetzt so­gar die Deutfchnationalen ber Vorlage zu. Rur weil wir auf dem Verhandlungswege die im Versailler Vertrag versprochene Entwaffnung auch ber anbern Staaten erreichen wollen, stim­men wir für die Vorlage.

Abg. Frhr. v. Richthvfen (Dem.) nennt das Gesetz ein überaus bedauerliches Resultat der gepflogenen Verhandlungen, bedauerlich in nationaler und wirtschaftlicher Beziehung. Es gehe noch hinaus über die Bestimmungen des Versailler Vertrags. (Hört! Hört!) Es werde auch die Möglichkeit einer deutschen Verteidigung unterbunden. Auf der andern Seite sei dieses bedauerliche Gesetz eine Rotwendigkeit zur Fortführung der Verständi­gungspolitik. Den Demokraten liege jede ver­antwortungslose Opposition fern. Darum werden wir auch diesem Gesetz zu stimmen in der Hoff­nung, daß das schwere Opfer nicht umsonst ge­bracht sein wird.

Abg. Graf zu Reventlow (Rat.-Soz.) bezeichnet das Gesetz als die zwangsläufige Folge der Verständigungspolitik. Diese Politik hätten die Rativnalsozialisten stets bekämpft. (Abg. Kahl (D. V.): Ohne je zu sagen, toie mans besser m acht.) Der Redner beantragt bie Einfügung:Dieses Gesetz tritt mit der Räumung des besetzten Gebietes durch die Be­satzungsmächte in Kraft."

Abg. Henning (Völk.) protestiert gleich­falls gegen die Vorlage. Die Unterhändler, die mit einem solchen Gesetz nach Hause gekommen sind, hätten ihre vollständige Unfähigkeit be­wiesen.

Der nationalsozialisttsche Antrag wird ab­gelehnt. Die Vorlage wird in zweiter und dritter Beratung gegen Völkische, Rationalsozialisten, Kommunisten und einige Deutschnattonale an­genommen. Die namentliche Schlußabstimmung wird auf Donnerstag vertagt.

Aus der Tagesordnung steht ferner die dritte Beratung der Arbeitslosenversicherung und 2kr= längerung der Steuermilderungsgesehe.

Einheitsstaat und Finanzausgleich.

Eine Rede des hessischen Finanzministers.

Wiesbaden, 6. Juli. ($H.) In einer öffentlichen Versammlung sprach hier ber hes­sische Finanzminisier Henrich unter Berücksich­tigung des Finanzausgleiches über den Ein­heitsstaat. In seinen Ausführungen sagte Mi­nister Henrich u. a., daß die Erdrosselung der Länder durch finanziellen Zwang ein Fehler sei, weil durch Zwang der Einheitsstaat nicht zu erreichen sei. Anschluß der kleineren und mittleren Länder an Preu­ßen könne nicht in Betracht kommen, da diese: Maßnahme nur bie Entwicklung hemme. Auch die Zwischenlösung, daß einzelne Länder sich unmittelbar dem Reiche als Reichspro­vinzen anschließen würden, bedeute keinen ent­

scheidenden Fortschritt. Dagegen könne der Ein­heitsstaat sehr wohl durch organische Entwick­lung erreicht werden, indem das Reich auf eine shstemati sche Erweiterung sei­ner Re ch t e abzielt, was aber im Zusammen­hang mit dem Ausbau der Finanzhoheit des Reiches geschehen müsse.

Auf dem Gebiet der Justizverwal­tung und besonders der Schulgesehge- b u n g müßte die Erweiterung der Zuständig­keit des Reiches durchgeführt werden. Die ge­genwärtige Reichsregierung erstrebe eine solche Reform und unterstreiche damit die wirklich reichsfreundliche Erzbergersche Steuerreform. In feinem Schlußwort verwies Minister Henrich dar­auf, daß im Interesse der Erreichung des Ein­heitsstaates den Gemeinden eine größere Selbständigkeit gewährt werden müsse. Durch den deutschen Einheitsstaat würde eine Vere infachuna des Verwaltungs­apparates und eine glattere .Abwickelung des öffentlichen Lebens erreicht werden. Mehr Recht und mehr Einfluß für das Reich, das ist der Weg zum deutschen Einheitsstaat.

Aus aller Welt.

Großseuer in Oberlahnslein.

In der Bauschreinerei von Schleikert brach Feuer aus, das im Ru auf die nebenanliegenbe Papierfabrik Löbbecke Übergriff. Die Feuerwehren! von Koblenz, Braubach Riederlahnstein, Ems und Oberlahn stein rückten sofort heran, tonnten; aber nur noch die eigentlichen Fabrikationsräume retten, während die riesigen Lagervorräte und die Stapelwaren in der Pergamentdruckerei rest­los ein Raub der Flammen wurden. Mehrers beladene Eisenbahnwaggons, die auf dem An­schlußgleis standen, brauten vollständig aus. Der Funkenflug bildete bei dem Winde eine große Gefahr für bie Rachbargebäube. Die umliegenden Häuser wurden sofort geräumt und von der Feuerwehr unter Wasser gesetzt. Dennoch sind verschiedene Gebäude in Mitleidenschaft geaogeit Vor allem sind sämtliche Fensterscheiben in Trüm­mer gegangen. Die Cellulosevorräte gingen stich­flammenartig in die Luft. Recht schwierig ge- ftaltcte sich bie Bergung der SchwefZlsäureoe- hälter, die bei der Pergamentpapierfabrilation! benötigt werden. Erst nach vierstündiger anstren­gender Arbeit ber Feuerwehren war die Haupt­gefahr beseittgt.

Brandstiftung aus Rache.

Mittwvchnacht gegen 3 Tlhr entstand auf dem Holzlagerplah in Döberih ein Brand, der in kurzer Zeit größeren Umfang cmnahm. Trotz- bem die gesamten Feuerwehren ber Umgegend unb die auf dem Truppenübungsplatz in Döbe­rih stationierte Reichswehr zur Hilfeleistung her­beieilten, brannten die auf dem Platz lagernden! großen Holzmassen und die sämtlichen hölzernen Gebäude nieder. Der Besitzer brach an ber Brandstelle ohnmächtig zusammen. Es besteht der dringende Verdacht, daß das Feuer, das an mehreren Stellen gleichzeittg ausbrach, von Verbrecherhand angelegt worden ist. Anscheinend handelt es sich um einen Racheakt.

vom Blih erschlagen. Lin Hirt und 15 Sklick Jungvieh vom Blitz getötet

Blankenburg am Harz, 7. Juli. (W. T. D. Funkspruch) In Elbingerode finb gestern vom Vlitz 15 Stück Jungvieh unb der Hirt erschlagen worden. Das Vieh ist dann im Wasser nach Wernigerode abgetrieben worden.

Aussperrungen in Köln.

3m Kölner Metallarbeiterstreik haben bisher 123 Firmen die Parole der Unter» nehmerOrganisation befolgt und bie Arbeiter aus- gesperrt. 3n 25 Betrieben, darunter mehreren Großbetrieben, wird noch gearbeitet Dis Mitt­woch früh waren etwa 16 000 Metallarbeiter ausgesperrt. Es werden insgesamt etwa 22 000 Arbeiter von der Aussperrung betroffen.

Mord im Rachkschnellzuge GrenobleParis.

Rachdem vor einigen Tagen im Schnellzuge Cherbourg-Paris ein französischer Oberst ermordet aufgefunden worden war, hat sich im Rachtschnellzuge Grenoble-Paris ebenfalls ein Mord ereignet. Ein etwa 60-jähriger Rei­sender wurde in ber Rähe der Station Tourg - n u s auf den Schienen tot aufgefunden. Der Tä­ter, ber sich beim Sprung aus dem fahrenden Zuge schwer verletzt hat, ist geständig. Bei dem ermordeten Reisenden handelt es sich, wie bereits bei dem Mord im Schnellzug Cherbourg-Paris, wieder um eine Militärperson und zwar um einen Militär-Jnbentanten im Range eines Generals, ber in Paris wohnte.

Gattenmord auf einem mecklenburgischen Gut

In einem Wasserloch der Feldmark des Gutes Schossin wurde eine weibliche Leiche ge­funden. Die Tote wies schwere Kopfverletzungen auf. Die Ermordete wurde identifiziert als die fett etwa vier Wochen vermißte Frau des Arbetters Scharnweber aus Dümmerhütten. Der Gatte wurde feftgenommen und legte ein Geständnis ab, wonach er seine Frau nach einem Streit er­schlagen hat. Er will in Rotwehr gehandelt haben. Die Llntersuchungsbehörde nimmt an, daß der Ehemann Helfershelfer gehabt hat.

Rekordbilanz im Reiseverkehr.

Der diesjährige Reiseverkehr weist für die Reichsbahn Retordzifsem auf, wie sie in dieser Höhe zur Ferienzeit kaum aufzuweisen gewesen sind. In den letzten Tagen haben z. B. nicht weniger als 600000 Berliner die Reichshaupt st adt verlassen, um Er­holung in den Sommerfrischen des In- und Aus­landes zu suchen. Den stärksten Reiseverkehr in diesem Sommer haben naturgemäß bie Tage vom 1. bis 5. Juli gebracht, ba der ungünstigen Witterung im Mai und Juni wegen nur recht wenige an das Reisen gedacht haben. Auch in die­sen Tagen noch weisen bie Züge eine Besetzung von über 100 Proz. auf, eine Tatsache, bie für bie Reichsbahn um so erfreulicher ist, da auch alle Ferien- und Vorzüge bis auf das letzte Plätzchen beseht sind. Man erwartet auch in den nächsten Tagen noch kein fühlbares Rachlassen des Reiseverkehrs und ist ebenso wie an den vergangenen Tagen auf einen großen Ansturm gefaßt.

Wettervoraussage.

Wechselnd wolkig, noch Neigung zu Gewitter­störungen, feine starken Temperaturunterschiede und vereinzelt Niederschläge.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 24,4 Grad Celsius. Minimum: 16,2 Grad Celsius.

Sonenscheindauer: 6 Stunden.

Heutige Morgentemperatur: 20,6 Grad Celsius.

Witterungsaussichten für Samstaa: Zeitweise aufheiternd, strichweise geringe Niederschläge wahr­scheinlich.