sä m t ltche Gvnderabkvmmen OuS, bie gewisse Regierungen abschließen wollten, ohne sich vorher mit dem Internationalen Arbeitsamt in Genf in Verbindung zu sehen, weil dadurch eine falsche Auslegung und infolgedessen Verschlechterung des Washingtoner Abkommens Platz greifen könnte."
3m Anschluß an einen heut« vormittag von Iouhaux formulierten Vorschlag zugunsten Saccvs und Danzettis teilte Iouhaux mit. daß nach Prüfung seines Vorschlages durch die eigens hierzu ernannte Kommission der Kon- greh aufgefordert wird, eine Delegation sämtlicher auf dem Kongreß vertretenen Organisationen. und zwar je einen Delegierten für jede Ration, zu ernennen, die sich morgen vormittag zu dem amerikanischen Botschafter begeben soll, um im Vamen der Arbeiterklasse gegen die Bestätigung des Todesurteils zu protestieren. Dieser Vorschlag wurde von der Versammlung angenommen.
Sacco und Vcmzetti.
Paris 5. Aug. (WTB.) Dem „Reuyork He- rald" wird aus Boston gemeldet, daß der Gefängniswärter Sacco und Dancetti beim Früh- stück von dem Beschluß Mitteilung machte, daß ihre Begnadigung bzw. Wiederaufnahme des Verfahrens a ba e lehnt worden sei. Sacco und Danzetti schienen diese Rackricht ruhig aufzunehmen: sieben Jahre lang durchlebte Angst hatte sie auf diesen Schicksalsschlag vorbereitet. Als man ihnen jedoch die Mahlzeit hinstellte, ließ ihr Mut nach und Sacco stieß seinen Teller zurück. Danzetti fetzte sich auf sein Bell unter Dem Druck einer irervösen Depression. Keiner von ihnen hat gegen diese Entscheidung des Gouverneurs Fuller protestiert.
3n Rcuy^rk hat die kommunistische Arbeiterpartei in einer Massenversammlung der letzten Dacht alle Arbeiter in den Vereinigten Staaten aufgeforöert, am Dienstag um 12 Uhr in den Generalstreik einzutreten als Protest gegen die Hinrichtung von Sacco und Vanzettt. Die Polizei schützt die Banken durch starke Wachtrupps gegen Dom- benatlentale. In Washington bewacht die Geheimpolizei di« staatlichen Schatzkammern und die anderen Staatsgebäude, ebenso das Haus Kelloggs wegen etwaiger Bombenattentate von Anhängern Saccos und Van- zettis. Für Kellogg ist außerdem eine Spezialwache als Schutz gegen Meuchelmord bestellt worden. Sacco und Danzetti bezeichnen in einem offenen Bries, in welchem sie die Anarchie verherrlichen und den Gouverneur angreifen, diesen als den schuldigen Mörder. Der Brief schließt mit einem Hoch auf die Anarchie.
Explosionen in der Neuyorker Untergrundbahn.
Reu York, 6. Aug. (WTB. Fimlspruch.) In der vergangenen Rächt kurz vor 12 Uhr erfolgten in der Untergrundbahn 4 Explosionen, durch die die Bahnsteige zertrümmert und in mehreren Häuserblocks, die an den Broadway und das Geschüftsvierlel grenzen, die Fensterscheiben zertrümmert wurden Unter den Gasten in einem Hotel entstand infolge der Explosionen große Erregung. Wce die Polizeibehörde bekannt- gibt, ereigneten sich die Explosionen sämtlich i m Stadtzentrum zwischen der 23. und 33. Straß«. Die Explosion an der 28. Straße war so heftig, daß am Broadway die Fenster in sechs Häuserblocks zertrümmert und in den nahegelegenen großen Hotels viele Personen aus den Stühlen geworfen wurden Auf den Unterarimdbahnhöfen wurden mehrere Personen verletzt. Einige von ihnen haben schwere Verletzungen erlitten In den wegen der Gxplo- sionsgase angehaltenen -Zügen brach eine Panik ans.
Der deutsche Rekordflug.
Die Vorbereitungen
für die Atlanlitübcrqucrung.
Dessau, 6. Aug. (TU.) Wie wir in einem Teil der gestrigen Auflage bereits melden konnten, sind die beiden Weltrekordflieger Risticz und Edzard um 10 Uhr 13 Minuten auf dem Dessauer Flugplatz glatt gelandet, nachdem sie 52 Stunden und 23 Minuten in der Luft geblieben waren. Der Weltrekord wurde um 9,01 gebrochen. Insgesamt haben die Flieger bei vorsichtiger Schätzung mindestens 6000 Kilometer zurückgelegt. Die beiden Piloten waren nach Beendigung ihres von ganz Dessau gefeierten Fluges in glänzender körperlicher Verfassung. Als gegen 10.10 Uhr das Flugzeug in schneidiger Kurve über dem Platz lag, hörte man plötzlich, wie der Motor abgestellt wurde. Die Menge brach in einen orkanartigen Iubel aus, der wie ein Wirbelsturm über den Platz tobte. Man sah, wie das Flugzeug in kurzer Schleife niederging, und Int nächsten Augenblick, bevor noch das Flugzeug den Boden berührte, durchbrach die nach Tausenden zähleirde Menschenmenge alle Absperrungen und stürmte über das Feld, um die Piloten zu ihrer Fahrt zu beglückwünschen. Um 10.11,8 Uhr war di« Landung nach einer Gesamtflugzeit von 52 Stunden 23 Minuten auf dem Feld mit stehendem Motor erfolgt. Rachdem sich die Aufregung etwas gelegt hatte, und es den angestrengtesten Bemühungen der Flugleitung allmählich gelang, einigermaßen die Ruhe iviederherzu stellen, begann ein kleiner Festakt. Als erster sprach Prof. Iunkers, der vor Rührung kaum sprechen konnte, und zuerst immer nur den Fliegern die Hände drückte. Danit sprach ein Vertreter der Arbeiter und Angestellten, der betonte, daß dieser Erfolg nicht nur das Werk ehre, sondern daS ganze deutsche Volk in seiner Gesamtheit. Er schloß mit (einem begeisterten Hoch auf daS deutsche Vaterland. Darauf stimmte die Menge das Deutschlandlied an.
Die Untersuchung deS Rekvrdflugzeuges im Dessauer Flughafen ist im Laufe deS gestrigen Tages abgeschlossen worden. Der Motor der Maschine hat den 62-stündigen Flug ohne irgendwelche Schädigungen überstanden. Glctchu>ohl wird der Motor noch einmal völlig überholt und bis in die kleinsten Kon- struktionSteile auf etwaige Abnutzungen untersucht werden. Man hofft, daß bis zum 8. A u° gu ft die Ueberhvlung der Maschine und des Motors durchgesührt ist, so daß die beiden Maschinen „Europa" und „Bremen" von diesem Tage an als startbereit für den Ozean flug gelten können. Der Termin für den Ozeanflug wird nach Abschluß dieser Vorbereitungen nur noch von den Wetterberichten abhängig fein. Die Hamburger Seeweiterwarte unterricvtet
schon jetzt die Iunkerswerke fortlaufend über die Wetterverhältnisse auf dem Ozean. Wie die Reichspost mitteilt, können für den deutschen Ozeanflug Driefsendungen mitgegeben werden. Das Gewicht eines Brieses darf 20 Gramm nicht übersteigen. Die Portogebühren für eine Postkarte betragen 12 Mark, für einen Brief 25 Mark.
Auflösung
-er wiener Gemein-eschutzwache
Einspruch
der interalliierten Militärkontrolle.
Wien, 5. Aug. (WB.) Bundeskanzler Seipel hatte am 30. Juli Bürgermeister Seitz mit geteilt, daß dem Bundeskanzler vom Liquidierungsorgan der interalliierten Militärkontrolle am 29. Juli eine Note zugegangen sei, worin unter Berufung auf Artikel 123 des Vertrages von St. Germain gegen die Errichtung der Wiener Gemeindeschutzwache protestiert und deren Auflösung verlangt wurde. Der Bundeskanzler hatte seinem Schreiben das Ersuchen beige« lügt, alles zu verhindern, was außenpolitische Kom- I plikationen in dieser Angelegenheit verursachen |
könnte. Der Bürgermeister gab dem Bundeskanzler betannt, daß er auf Grund des Gemeinderatsbe- schlufses vom 29. Juli die Gemeindeschutzwache zum 18. August auflösen und Weisung hierzu hellte ergehen lassen werde. Gleichzeitig werde er auf Grund desselben Gemeinderatsbeschlusses Anordnung und Organisierung des Wachdienstes in den städtischen Aemtern, Anstalten und Betrieben erlassen. Die Gesamtzahl aller Wachangehörigen darf den Höchststand von tausend Mann nicht überschreiten. Um Aufnahme in die Gemeindewache kann sich jeder Bundesbürger im Atter von 22 bis 36 Jahren bewerben.
Bürgermeister Seitz richtete an den Bundeskanzler ferner ein Schreiben, worin er zunächst betont, daß der Einspruch der Militärkontrolle mit Unrecht auf den Artikel 123 des Staatsvertrages von St. Germain sich stütze. Dieser Artikel gäbe den Alliierten und assoziierten Machten nur das Recht, Überschreitungen in der von ihnen festgesetzten Gesamtzahl der Sicherheitsorgane anzusech- ten. Ob aber diese Sicherheitsorgane G e - m ci nt) e • ober Bundespolizeiorgane find, sei innere Angelegenheit der Republik Oesterreich. Der Bürgermeister erwarte daher, daß die Bundesregierung gegen die unbegründete Einmengung der Liquidationsorgane in innere Angelegenheiten der Republik Einspruch erheben wird.
Die gescheiterte Marinetonserenz.
Der Genfer Mißerfolg.
Von unserem ständigen Berichterstatter. (Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten!) Genf, den 5. August 1927.
Doch keine der Genfer Tagungen, besonders aber keine der „Abrüstungs"-Konferenzen, hat mit einem solchen offenen Eingeständnis des Mißerfolges geendet, wie die „Konferenz der Drei" über die S e e a b r ü st u n g. Die Schlußsitzung, in der die Konferenz zu Grabe getragen wurde, war eine kurze Trauerfeier von 70 Minuten, bei der die einzelnen Leidtragenden ihre Ansicht Über den Dahingeschiedenen kundgaben. Schon vor der Vertagung der Konferenz waren die Aussichten aus irgend ein praktisches Ergebnis der Konferenz auf den Gefrierpunkt gesunken, aber man wollte doch immer noch versuchen, wenigstens eine kleine Einigung zu erzielen. 2lbcr über die Kreuzerfrage, die ja im Mittelpunkt der ganzen Verhandlungen stand, lieh sich eben, auch infolge der veränderten Gesamtlage, nicht so leicht ein Hebereinkommen treffen, wie seinerzeit vor fünf Jahren in Washington über den Bau der Groh- kampsschiffe.
Die peinliche Feststellung, daß die F e st - setzung des Verhältnisses von 5:5:3 für die großen Schiffe keineswegs eine wirksame Beschränkung der Seerüstungen bedeutete, veranlaßte Amerika schließlich zu Der Initiative für die neue Konferenz. Die europäischen Staaten hatten anaesangen, leichte Kreuzer, Torpedoboote und Unterseeboote in größerer Zahl zu bauen, und die Praxis des Weltkrieges hat ja erwiesen, daß gerade diese kleineren Einheiten im Gegensatz zu den in Ihrem, Wert fragwürdig gewordenen Großkampf, ^chifsestberufen fein können, eine entscheidende Rolle rm modernen Seekrieg zu spielen. Wenn Deutschland, sagte einer der englischen Sachverständigen, während des Krieges einige Dutzend „Emden" ge- babt hätte, statt der unnütz vor Anker liegenden Dreadnoughts, so wäre der Krieg vielleicht anders ausgefallen. So sehr man sich wiederum vor der Ueberschätzung der einen Waffe gegenüber der anderen hüten muß, so hat sich Großbritannien doch nicht ohne Ueberlegung besonders den Ausbau seiner leichten Streitkräfte unter 10 000 Tonnen angelegen fein lassen.
Frankreich uyd Italien haben die Einladung Coolidges zur Konferenz mit aller Höflichkeit abgelehnt und sich darauf beschränkt, drittklassige und keineswegs in Marinefragen besonders sachverständige Beamte als Beobachter zu entsenden. Wenn England und Japan an der Konferenz teilnehmen, so waren hierfür durchaus v e r s ch i e . bene Orünbe für sie maßgebend. England konnte zustimmen, weil es, obwohl feine Großkampfschiffe mit denen Amerikas 5:5 stehen, durch seine Kreuzer flotte von mehr als 550 000 Tonnen über die größte Flotte der Welt verfügt und so einer Rüstungsbeschränkung unter Respektierung seines Bauprogramms, nichts entgegenziisetzen hat. Japan aber war sich klar darüber, daß es, auch noch ge- schwächt durch Erdbebenkatastrophen uno Finanz- jchwierigkeiten, auf dem Gebiet des Baues von Kreuzern und Unterseebooten mit den beiden angelsächsischen Mächten nicht in Konkurrenz treten kann. Deshalb konnte ihm eine Beschränkung der englischen und amerikanischen Kreuzerflotten durch- aus wünschenswert erscheinen. Und der Einberufer der Konferenz, Amerika, hatte die ganze An- gelegenheit schließlich deswegen ins Rollen gebracht, da ihm eine Vermehrung feiner eigenen Kreuzer- flotte nicht mehr praktisch und deshalb als unnötige Ausgabe erschien.
So waren die Mächte, die sich zu der Konferenz der Drei in Genf zusammengefunden hatten, mit dem festen Entschluß nach Genf gekommen, den anderen, aber nicht sich selbst zu entwaffnen. Hinter langwierigen Derhand» lüngen, die öffentlich oder meist hinter verschlossenen Türen abgehalten wurden, und einem Wust von Zahlen und technischen Berechnungen verbarg sich nur mühsam das zähe Ringen der drei Seemächte um die Erhaltung ihrer Position zur See. Bis zur letzten Iuliwoche. als die englischen Delegierten nach London reisten, um sich neue Instruktionen zu holen und die offizielle Stellungnahme zu den bis dahin verhandelten Punkten zu erfahren, war in einer Reihe von Fragen eine gewisse Einigung erzielt worden. Dies galt besonders hinsichtlich der Unterteilung der kleineren Streitkräfte in beftimmte Klassen und vor allem der Zerstörer und der U-Boote. Englands Forderung, den einzelnen Mächten ein verhältnismäßig kleines Kontingent großer Kreuzer und dafür eine beträchtliche Menge an kleinen Kreuzern zuzuteilen, stieß jedoch auf den schärfsten Widerstand Amerikas, da dieses bann, bei Zugrundelegung des englischen Bestandes, eine große Zahl von kleinen Kreuzern bauen müßte, an denen es infolge der geringeren Bedeutung der Seehandelswege für seine Wirtschaft gar kein Interesse hat.
So beharrte schließlich jeder im wesentlichen auf feinem Standpunkt und eine Einigung war in der Tat nicht zu erzielen. Die Erklärungen dcS englischen Marineministers in der Schlußsitzung lassen den englischen Standpunkt klar
heraustreten. Bridgeman sagte, daß die von Amerika vorgeschlagene Festlegung einer G e- famttonnagc für die in Frage kommenden Streitkräfte ohne eine Unterteilung die Möglichkeit für die unbeschränkte Erbauung der größten Einheiten biete und daher auch keinen Schuh gegen die Koickurrenzgefahr schaffe. England brauche zum Schuhe seiner Schiffahrtswege eine große Zahl kleiner Kreuzer und nur sehr wenige Engländer würden troh Steuerdrucks und Wirtschaftskrise das Geld dazu verweigern. Dafür habe England den Amerikanern aber die lieber- legenheit in Zerstörern und Unterseebooten zu- gestanden.
Während der japanische Adnriral S a j t v mit unverkennbarem Wohlwollen für den englischen Standpunkt sein Bedauern über die Ablehnung über den japanischen Dermittlungsvorschlag aus- drückie, brachte der Amerikaner G i b s o n die amerikanische Auffassung schroff zur Geltung, indem er erklärte, daß eine als lebensnotwendig bezeichnete Forderung, die so unbedingt vertreten werde, sich mit der Voraussehung einer allgemeinen Abrüstung nicht vertrage. Amerika begreife nicht, wieso England im tiefsten Frieden und im Zeitalter der Ersparungstendenzen! ein erweitertes Bauprr ]tamm als lebensnotwendig ansieht. Es gäbe keine deutsche Flotte und andere Rivalen beständen auch nicht. So ging man denn auseinander, in höchster gegen* sei tiger Mißstimmung, nachdem schließlich noch vereinbart tvorden war, vor dem August 1931 eine zweite Konferenz über diese Frage ftatt* finden zu lassen.
Welches werden nun die Folgen des offen bekannten Mißerfolges der Konferenz der Drei sein? Zweifellos ist die Wirkung dieser Tatsache nicht allein auf den Kampfwert oer verschiedenen Kriegsflotten beschränkt, sondern greift auch in die Gesamtlage der Weltpolitik ein. Für die unbeteiligten »Beobachter", Frankreich und Italien, ergibt sich nicht nur das angenehme Gefühl, an dieser Blamage nicht mit schuld zu sein, sondern auch gleichzeitig eine gewisse Wertsteigerung ihrer selbst. Wenn man auch aus dem Munde des englischen Marineministers die schönen Worte hören konnte, daß die Meinungs- verschiedenheiten der Kreuzerfrage keinen Antagonismus zwischen den Mächten bedeute, so ist ein solcher zwischen England und Amerika doch zweifellos vorhanden. Japan, das in wirtschaftlicher Beziehung, vor allem aber hinsichtlich der Eiseneinfuhr, von Amerika stark abhängig ist, wird ebenfalls versuchen, nicht durch unzeitgemäße Bindungen sich die Aussicht auf eine Stellung als Zünglein an der Waage zu verderben. In diesem Augenblick, in dem die angelsächsische Weltpvlitik dem Höhepunkt der Ärtfe zu eilt, wenn sie ihn nicht schon erreicht hat, bedeutet das bloße Vorhandensein auch des russischen Imperiums schon einen zu berücksichtigenden Faktor. Das Problem des Machtausgleichs im Stillen Ozean ist von neuem aufgerollt, wenn es vielleicht auch gegenüber der unmittelbaren Berührung der beiden angelsächsischen Mächte in der Atlantik zurücktritt.
Mögen die weltpolitischen Folgen für die einzelnen Mächte unb ihr Verhältnis zueinander sein wie sie wollen, eins ist sicher, baß der Gedanke der Abrüstung ober auch nur der Rüstungsbeschränkung durch den Ausgang dieser Konferenz einen ganz erheblichen Schlag erlitten hat. Run kann Frankreich ohne jede Sorge das Problem der Lan>d- abrüftung zur Diskussion stellen, es wird nach der Ablehnung durch die anderen dann die beste Gelegenheit haben, auch mit seiner 2lbvüftung zu warten. Und die Konsequenzen, die das um das Versprechen der allgemeinen Abrüstung betrogene Deutschland daraus ziehen müßte, wären schließlich auch einmal zu überlegen.
Was tut Amerika?
Reuyork, 5. Aug. (WTB.) An einer Erklärung der „A s s o c i a t e d Preß" heißt es: Infolge des Zusammenbruches der Genfer Konferenz befindet sich die amerikanische Regierung genau in der gleichen Lage wie in dem Augenblick der Einberu- fung der Konferenz durch Coolidge. Die Regierung sieht sich jetzt der Aufgabe gegenüber, ein Flöt tenbauprogramm auszuarbeiten, das auf einer richtigen Schätzung der Bedürfnisse der nationalen Sicherheit aufgebaut ist. Der Fehlschlag der Genfer Konferenz dürfte der Bewegung z u m B a u einer großen Flotte einen neuen Anreiz geben. Es gelte jedoch für ausgemacht, baß bie Regierung Coolibge keinerlei Kreuzerprogramm billigen werbe, bas darauf gerichtet wäre, ein neues Wettrüsten bervorzurufen. Es stehe fest, daß die Regierung unb bie politischen Kreise bas britische Programm, so unbefriebigenb es auch vom amerikanischen Standpunkte aus ist, nicht als eine Drohunq für die amerikanischen Ideale ober die amerikanische Politik ansehen. In sämtlichen Kreisen wirb bie Ansicht vertreten, es sei zu erwarten, baß Großbritannien versuchen werbe, Amerika die Schuld für den Zusammenbruch der Genfer Konferenz auszubürben, weil bieses sich geweigert habe, den britischen Stanbpunkt hinsichtlich des aggressiven Charakters von 10 000-Tonnen-Schisfen mit achtzölligen Geschützen anzuerkennen.
England baut.
Reuyork, 6. Aug. (W. T. B. Funkspruch.) In einer Rede vor dem Instttut für Politik in Williamstown (Massachusetts) sagte der Leiter der Presseabteilung des Londoner Forcign Office, Sir Artur Willert über den Abschluß der Genfer Konferenz: „Großbritannien wird fort* fahren, seinen Bedürfnissen entspre - zu bauen. Die Amerikaner können tun, was ihnen gut dünkt. Es wird keinen Llnterschied für uns bedeuten. Wir wissen, was wir unbedingt! brauchen. Wir müssen eine gewisse Anzahl schneller leichter Kreuzer Habern, um unsere Handelswege und Verbindungen zwischen den weit voneinandergerissenen Teilen des Reiches zu schützen und einen Schuh gegen ll-Boote zu haben. Wenn die amerikanische Regierung wünscht, einen Rüstungswertbewerb zu beginnen, und die amerikanische Ein* kommensteuer entsprechend zu erhöhest, dann ist das eine amerikanische Angelegenheit. Iedev Schuljunge in England weiß, daß uns vor zehn Iahren unsere Leb'ensmittelbelieferung beinahe abgeschnitten wurde und in diese Gefahr wollen wir nicht noch einmal kpmmen."
Das Pariser Echo.
Paris, 5. Aug. (WB.) Zur Beendigung der Seeabrüstungskonserenz in Genf schreibt das „Iournal des D6bäts": „Die in Gens vertretenen Regierungen sind schließlich der Ansicht gewesen, es sei besser, schlecht und recht einen! Mißerfolg zu registrieren, den kein Dehelss- mittel mehr verbergen formte. Bis zum letzten! Augenblick aber hätten die Amerikaner versucht, eine Entschließung zu v e r s ch l e i e r n , die ihnen recht unangenehm sei. Es ist ziemlich vergeblich, einen Verantwortlichen für den Mißerfolg zu suchen, wie man dies in ähnlichen Fällen zu tun geneigt ist. In Wirklichkeit hat dieses Erperi* ment eine gewisse Anzahl von Tatsachen bestätigt, die man in den angelsächsischen Ländern zu unrecht geheimgehalten oder außer acht gelassen hat. Die wichtigste dieser Tatsachen ist, daß nichts absurder ist, als das Problem der Rüstungsbeschränkungen lösen zu wollen ohne aller derer zu gedenken, die das Abkommen hierüber abschließen sollen. Die Engländer hatten dies zum erstenmal, weil sie direkt interessiert sind, erfaimt. Hoffentlich vergessen sie diese Wahrheit Nicht art dem Tage, an dem es sich nicht allein um sie und ihre Flotte handelt."
Der „T e m p s" erklärt, zwangsläuftg schaffe dieser Mißerfolg ein Unbehagen auf internattonalem Gebiet, und man brauche nur die englischen und amerikanischen Pressekommentare! f)u lesen, um sich darüber klar zu fein, daß sowohl in Washington wie in London di e Enttäuschung groß sei. Es sei nicht zweifelhaft, daß die Kontroverse zwischen London und Washington in den letzten Tagen lediglich zu dem Zweck, die Verantwortlichkeit für das Scheitern auf den anderen abzuwälzen, konstruiert sei. Es sei ein bedauerlicher Geisteszustand diesseits und jenseits deS Ozeans geschaffen worden Es sei zu wünschen, daß man gegen einen derartigen Geisteszustand reagiere und sich zum wenigsten bemühe, flat festzustellen. daß das Scheitern Der Genfer Konferenz keine Bedrohung für irgendeine der drei in Frage kommenden Mächte in sich schließe.
Aus aller Welt.
(Ein Fuhrwerk von einem (Eifenbahnzug überfahren.
Zwischen Pflaumheim und Großostheim hat sich an einer Bahnüberführung ein schweres Unglück ereignet. Der Landwirt Adam Koch befand sich gerade mit seinem von Kühen gezogenen Gespann, auf dem seine Frau und zwei Kinder saßen, auf dem Bahnkörper, als der Abendzug aus Richtung Höchst heranbrauste. Trotzdem er die Kühe kräftig an- feuerte, gelang es ihm nicht, ganz vorbeizukom- men. Die Lokomotive erfaßte noch den Wagen, schleifte ihn einige Meter weit mit und schleuderte ihn dann die Böschung hinunter. Der 11jährige Sohn Kochs erlitt eine schwere, Schädel- Verletzung und verstarb bald darauf/während die Frau und die 17jährige Tochter leicht verletzt wurden Koch selbst kam mit einigen Beulen davon Der Wagen wurde vollständig zertrümmert. Merkwürdigerweise kamen die beiden Kühe ohne jeglichen Schaden davon
(Ein tödlicher Kopfsprung.
3m Göttinger städtischen Freibad ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Beim Springen vom Sprungturm aus fünf Meter Höhe sprang das 35jährige Fräulein Scho p p e, eine Schwester des Göttinger Arztes Dr. Schoppe, aus einen unter dem Turm schwimmenden Studenten Dabei stieß die Dame mit dem Kinn aus den Kops des Studenten, der eine blutende Kopfwunde davontrug, sich aber noch an Land begeben konnte. Der Springerin wurde durch den Airprall das Kinn gespalten, sie ging sofort unter und konnte erst nach sechs Minuten geborgen werden Die angestellten Wiederbelebungsversuche blieben erfolglos, da die Verunglückte noch auf dem Wege zur Klinik verstarb.
Gräßlicher Tob.
In E r f u r t geriet der Mühlenbesitzer Conrad milde rnKopfineineKreissäge. Der Kopf wurde ihm zerschnitten. Es wirb vermutet, baß Conrab in einem Ohnmachtsanfall in bie Kreissäge gestürzt ist.
Tod in den Bergen.
Wie aus Chur (Kanton Graubünden) gemeldet wird, ist der 39 Jahre alte in Tschiertschen als Kurgast weilende Fritz Raum aus Frankfurt a. M. beim Ebclweißpslücken vom Ochsenstein tödlich ab gestürzt. Die Leiche konnte geborgen werden.
Wolkenbruch bei Salerno.
Freitag richtete bei Salerno ein Wolkenbruch schweren Schaden an Die Wasserleitung wurde zerstört und die Straßen durch mitgerisseneS Gestein stark beschädigt. Häuser wurden unter Wasser gesetzt. 13 Menschen wurden verwundet und einige getötet.
Wettervoraussage.
Langsame Bewölkungszunahme, warm mit später vereinzelten Regenfällen, auch stellenweise mit Gewitter.
Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 26,7 Grad Celsius, Minimum: 16.0 Grad Celsius, heutige Morgentempcratur: 21,0 Grad Celsius. Gestrige Sonnenscheinbauer: 9j Stunden.
Witterungsaussichten für Montag. Wolkig und Gewitterneigung mit stellenweisem Gewitterregen.


