Nr. 182 Erstes Blatt
177. Jahrgang
Samstag, 6. August <927
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Weltpolitische Gegensätze.
Die Genfer Dreimächtekonferenz hat erwiesen, daß auch die angelsächsische Einheitsfront Bruchstellen hat. Hatte man sich auf der Washingtoner Konferenz von 1921 über die Grohtonnage zwischen 10 000 und 35 000 Tonnen pro Schiff insofern geeinigt, als die Grundzahlen 5:5:3 (England -Vereinigte Staaten:2apan) England und den Vereinigten Staaten das gleiche Etärleverhältnis zubilligten, so sollte nach amerikanischer Auffassung nunmehr auch die Kleintonnage diesen „Abrüstungsbestimmungen" unterworfen werden, das heißt: der tatsächliche V o r s p r u n g, den sowohl England wie Japan heute noch im Kleintreuzerbau besitzen, zugunsten der Vereinigten Staaten nivelliert werden. Das Interesse Amerikas lag zunächst zweifellos mehr in der Richtung einer „Kontingentierung" der japanischen Schlachtflotte; aber die Schärfe der Verhandlungen auf dieser Konferenz brachte mit sich, dah mehr und mehr England zum un- hoslichen Gegenspieler wurde, während Japan, in kluger Ausnützung der Situation, den ausgleichenden Vermittler zu spielen wußte. Die wachsende Rervvsität Englands scheint begreiflich, da ihm in erster Linie an der durchgegliederten Sicherung des Empire gelegen ist, und auch diese Flottenkonferenz ein Teilstück aus der „Krise des Weltreichs" darstellt. Doch die glücklichere Reberlegenheit der Vereinigten Staaten, das wesentliche Ergebnis des Weltkrieges, trat auch hier zutage: auch England ist abhängig geworden und muh um so mehr Rücksichten nehmen, als es mit dem Zweimächtc-Standard endgültig vorbei ist. Auch die augenblickliche Heber» legenheit in kleinen Kreuzern bleibt eine Frage der Zeit.
Hm die machtpolitische Grunddiskussivn dieser sonderbaren Abrüstungskonferenz in Genf (deren Auswirkungen auf die allgemeine Abrüstungsfrage bald zu spüren sein werden) lagerte sich diploinatisches Rebenspiel genug. Der Kredit Japans, das schon auf Grund seiner Armut an Eisen auf die Rückendeckung eines Mächtigeren angewiesen ist, stieg im Kurs. Aber auch die russische Politik gewann Aussichten, die durch den Abbruch der englischen Beziehungen verursachte schwere Kreditschädigung zu mildern; und die amerikanische Wirtschaft war gegen den englischen Freund unhöflich genug, ihrerseits diesen Möglichkeiten nachzugehen. Zwar führten die mit Rußland angeknüpften Vertragsverhandlungen der Standardgruppe nicht zum Ziel (die englische Intervention wirkte und mit ihr zusammen der Zwang zur Rücksichtnahme auf die in Mexiko liegenden amerikanischen Oelinteressen); doch schon die Bereinigung der amerikanisch- russischen Streitigkeiten in Sachen der sogenannten Tschraturykonzessionen des Harrimankonzerns sowie weitere Kreditverßandlungen haben zweifellos den englischen Vorstoß gegen Rußland bedeutsam abgeschwächt und das bolschewistische Selbstgefühl gesteigert.
Auf der anderen Seite spürte Frankreich im englisch-amerikanischen Gegensatz ein wärmeres Interesse von feiten des englischen Alliierten, koobei selbstverständlich dieses Interesse sich in entgegengesetzter Richtung nach Deutschland hin auswirkte. Die deutschen Dokumente über Orchies haben einwandfrei klargestellt, dah die deutschen Truppen 1914 diese französische Ortschaft, in der deutsche Soldaten grausam verstümmelt waren, nach dem geltenden Völkerrecht bestraften. Die Bemühungen Poin- carös und der französischen Regierung, mit Hilfe falscher Zeugen diese Feststellungen zu widerlegen, verstärkten lediglich die französische Schuld. Wenn die „Times" trotzdem mit überraschendem Temperament die Partei Poincares nahm und an Deutschland das groteske Ansehen stellte, die Veröffentlichungen über die Kriegsschuld und die Verletzungen des Völkerrechts im Kriege einzustellen, so offenbarte diese Stellungnahme nur um so deutlicher, daß es den Eirg- ländern im Rahmen der augenblicklichen Weltlage weniger auf das Völkerrecht als auf das eigene Interesse ankommt. Richt die deutsche Regierung, welche die französische These über die Vorgänge irt Orchies pflichtgemäß berichtigte, verstieh gegen den „Geist von Locarno", sondern der Kriegsredner Poincare. Im übrigen hatten die „Times" in diesem Zusammenhänge nicht mehr zu erwähnen brauchen, daß die „Atmosphäre der Verständigung gestört" sei.
Diese Störung wird so lange dauern, als die Besatzung des Rheinlandes nicht verschwunden ist bzw. über diese trennendste Frage eine das deutsche Lebensrecht berücksichtigende Einigung erzielt wurde. Atmosphäre der Verständigung? Der sogenannte „Dahnschuh" im Saargebiet (der bekanntlich auch aus englischen Truppen besteht) stört sie ferner nicht minder als die blutigen Hebergriffe polnischer Matrosen in Danzig. Mit der Erörterung der Kriegsschuldfrage und der Kriegsverbrecher von feiten Deutschlands (wie wäre es im Kriege einer deutschen Ortschaft ergangen, wo Engländer oder Franzosen ihnen angehörende Soldaten ver-
Die Militärkontrolle des Völkerbundes.
Der französische Außenminister scheint von seinem Augenleiden so weit befreit zu sein, daß er sich wieder einigermaßen um sein Ressort kümmern kann. Seine erste Amtshandlung sieht aber gerade nicht danach aus, als ob er noch immer der ist, als den er sich bisher hinstellen lieh. Es scheint auch bei ihm vom vielgepriesenen Geist von Locarno verdammt wenig übrig geblieben zu fein. Das zeigt die just in diesem Augenblick erbittertster Angriffe und Verleumdungen Deutschlands durch die französische Presse vorgenommene Veröffentlichung seines Briefes an den Sekretär des Völkerbundes, in dem er ihn davon in Kenntnis seht, daß die Interalliierte Militärkontrollkommission in Berlin auf gehört habe zu bestehen und dah nunrnegr die Befugnisse dieses Instituts auf den Dölkerbundsrat übergegangen seien.
An sich mag es ja richttg fein, dah dieser Brief durchaus harmloser Ratur ist und nur feststellt, welche Situation für den Völkerbundsrat durch die Auflösung der Kommission entstanden ist. Dah aber Briand diesen Brief gerade jetzt durch die Pariser Presse gehen Üht, gibt doch zu denken. Wir haben ihn bisher für den Mann gehalten, der ehrlich für eine Verständigung mit uns eintrat, der aber nicht die nötige Ellenbogenfreiheit hatte, um sich durchsetzen zu können. Wir glaubten auch, er würde, wenn er wieder in das Amt zurückkehrt, sofort dafür sorgen, dah die gegen uns eingeleitete Hetzoffensive abgestoppt würde. Richts von alledem ist mehr zu spüren. Er hat noch ein übriges getan und den Kreisen um Poincare neues Material geliefert, mit dem sie im Auslande hausieren gehen werden. Denn dieser Brief ist für unsere Gegner ein heiliges Dokument, geht doch aus ihm klipp und klar hervor, daß wir noch mit mancherlei Abrüstungsverpflichtungenrückständig sind.
Man wird sich zwar hüten, den Brief objektto zu behandeln und ihm Kommentare mit auf den Weg zu geben, die den tatsächlichen Verhältnissen Gerechtigkeit widerfahren lassen. Davon kann für die französische Propaganda natürlich keine Rode sein. Aber eins ist doch auch noch bezeichnend: was der fran- zösifche Außenminister, nxmn er es mit seiner Verständigung wirklich ehrlich meint, hätte unterlassen können, ist der Hinweis auf etwaige Inoestiga - Hauen des Völkerbundsrates. G,erade dieser Passus vermag eine Stimmung im Auslande bervor- zurufen, die uns außenpolitisch von ungeheurem Schaden sein kann. Aus dem einen Satz, daß der Rat gegebenenfalls von seinem Jnveftigationsrecht Gebrauch machen könne, geht für uns auch hervor, welches Ziel mindestens die französische Regierung anfteuert.
Mögen die amtlichen deutschen Stellen behaupten, daß uns aus der Erledigung der kleinen Restpunkte (Küstengeschütze, Kasernen und Polizeibeamtengesetz) keine Schwierigkeiten mehr entstehen können, so kann man demgegenüber immer wieder nur daran erinnern, daß auf französischer Seite der feste Wille besteht, uns niemals aus der militärifdjen Ueberwachung herauszulassen. Genau wie bei den Ostbefestigungen werden wir auch bei den Küstengeschützen uns mit den Franzosen wegen einer Inspektion herumzustreiten habe». Die Gile,*mit der men die Abwicklung der letzten Abrüstungsfragen auf den Völkerbund übertrug, spricht dafür, daß die Pariser Regierung den Vorsitzenden des Jnvesnga- tionsEomitees, den französischen General Bara > t i e r, nicht mehr allzu lange ohne Beschäftigung lassen will.
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ftümmett auf gefunden hätten?) hat „Atmosphäre" und Verständigung nichts zu tun. Ja, gerade weil das entwaffnete Deu:schtum nicht über die im Machtkampf sonst selbstverständlichen Mittel verfügt, wird es um so lauter und deutlicher das unveräußerliche Recht für sich in Anspruch nehmen, die Wahrheit zu sagen.
Vorbesprechungen im Reichskabinett.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
Berlin. 6. Aug. Die Ferien gehen zu Ende. Wichtige politische Ereignisse stehen bevor. Die Genfer Völkerbundstagung wird manche interessanten Momente bringen. Handelsvertrags Verhandlungen sirrd während der Sommerferien z. T. geführt worden. z.T. konnten sie zum Abschluß gebracht werden. Einige Minister, unter ihnen auch Dr. Stresemann, sind wieder nach Berlin zurück- gekehrt. Sie haben gestern vormittag bereits Veranlassung genommen, in gemeinsamer Sitzung mit den stellvertretenden Ressortchefs die allgemeine Lage zu besprechen, um somit die kommende wichttge Kabinettssitzung, die für den 10. d. M. anberaumt ist, und in der vor allem die Haltung der deutschen Delegation in Genf besprochen werden soll, vorzubereiten. Heute dürsten sie sich u. a. auch mit den deutsch-französischen Handels- vertragsverHandlungen beschäftigt haben. die doch wenigstens nach Ansicht der Fran- zosen noch bis morgen zu einem positiven Abschluß geführt werden sollen. Welche Beschlüsse gefaßt worden sind, steht nicht fest. Wahrscheinlich aber wird man sich über die letzten Berichte
Briands Bries.
Paris, 5. Aug. (Wolff.) Nachstehend der Text des offiziellen Dokumentes, das von der Botschafterkonferenz ausgeht und das dem Völkerbund erlaubt, von seinem Jnvestigationsrecht über die Entwaffnung Deutschlands evtl. Gebrauch zu machen:
Paris, 22. Juli.
Herr Generalsekretär!
2m Ramen der belgischen, der englischen, der französischen, der italienischen und der japanischen in der B o t s ch a f t e r k o n f e r enz vertretenen Regierungen habe ich die Ehre, Ihnen davon Kenntnis zu geben, dah die interalliierte M i I i * tärkontrollkom Mission, deren Funktion durch Artikel 203 ff. des Versailler Vertrages definiert wurde, unter dem 31. Januar aufgelöst worden ist.
Es ergibt sich daraus, daß die Defugnisse, die die obengenannten Regierungen aus Artikel 203 ff. des Versailler Vertrages ableiten, von nun an erloschen sind. Doch sind gemäß einer am 12. Dezember in Genf erzielten Verständigung zwischen den Vertretern der obengenannten Regierungen und dem deutschen Reichsauhenminister die Sachverständigen bei den diplomatischen Vertretungen, die die Regierungen in Berlin unterhalten, beibehalten worden, um die endgültige Lösung der Frage zu verfolgen und zu gewährleisten, die im Zeitpunkte der Zurückziehung der Kontrollkommission noch nicht als vollständig geregelt langesehen werden konnten.
Infolgedessen und um den Völkerbundsrat in die Lage zu versetzen, evtl, von dem Investigation s r e ch t Gebrauch zu machen, das ihm durch Artikel 213 des Versailler Vertrages zuerkannt ist, habe ich die Ehre, Ihnen zugleich mit diesem Briefe den bei Abschluß der Kontrollkommissionsoperationen aufgestellten B e r i ch t zu überreichen. Dieser Bericht wird später hinsichtlich der Punkte ver- v o l l st ö n d i g t werden, deren definitive Regelung die Sachverständigen seit dem 1. Januar 1927 verfolgen. Außerdem wird der Bericht später über ver- schiebene Fragen betteffend die Ausführung der Entwafstumgsllauseln des Vertrages vervollständigt werden, die infolge einer direkten Verstäub«- g u n g zwischen der Botschafterkonferenz und der deutschen Reichsreoierung geregelt worden sind. Ich lege diesem Brief bei: 1. ein summarisches Verzeichnis über den Bericht der Kontrollkommission; 2. die Liste der Bände, hinsichtlich deren die Botschafterkonferenz, wenn die Arbeit der Sachverständigen vollendet sein wird, die Ehre haben wird, zusätzliche Nachrichten und Dokumente zu überreichen.
Die Botschafterkonferenz würde Ihnen dankbar sein, wenn Sie die vorliegende Mitteilung den Mitgliedern des Dölkerbundsrates zur Kenntnis bringen wollten.
Genehmigen Sie usw.
gez. Aristide Briand.
Ein neues Mittel zur Hetze.
Das Echo der Pariser Presse.
Eigener Drahtbericht des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 6. Aug. Während sich in einem anscheinend konzenttischen Angriff, der zutiefst in dem Bewußtsein eigenen Versagens in der Frage der Abrüstung und der Friedenssicherung zu wurzeln scheint, die verschiedensten Vorhaltungen gegenüber Deutschland über die Weltpresse ergossen haben, ist das Schreiben Briands an den Generalsekretär des Völkerbundes, das schon am 22. Juli ausgefertigt
war, veröffentlicht worden. Das Schreiben enthält zwar nur Selb st Verständlichkeiten, auch insoweit dabei von einigen noch lausenden Fragen die Rede ist. Um so bemerkenswerter ist die Aufnahme, die es in der französischen Presse bei seiner auffallend verspäteten Veröffentlichung gefunden hat; denn hier bringen es tatsächlich einzelne Blätter fertig, von einem Vorstoß „zur Auf- re ch t e r h a l t u n g der Botschafterkonfe- r e n 3* zu reden, und sie machen den Versuch, dieser für uns erledigten Instanz die Rolle einer Art Nebenaufsicht oder gar Oberaufsicht gegenüber den einschlägigen Funktionen des Völkerbundsrates zuzuspielen. Dabei verfährt man mit der künstlichen Konstruktion, es sei ja sonst keine Stelle da, um etwaige Verstöße Deutschlands gegen seine militärischen Berpstichtungen zur Kenntnis zu nehmen, und darüber beim Völkerbundsrat Beschwerde zu führen. Es scheint, daß man sich in gewissen französischen Kreisen noch niemals ernstlich mit dem Gedanken einer deutschen Gleichbe r echtigun g, einer Rolle Deutschlands a l s Ratsmitglied des Völkerbundes befaßt hat, sonst könnte man derartigen Unsinn nicht Vorbringen. Wir können dar- auf nur mit der Gegenfrage antworten, welches Organ denn besteht und von den Franzosen akzeptiert wird, um etwaige Verstöhe Frankreichs gegen künftige oder bevorstehende internationale Konventionen militärischer oder anderer Art zur Kenntnis zu nehmen und beschwerdesüh- rend dem Völkerbundsrat vorzutragen. Wir befinden uns nach Ablauf der Kontrolle in diesem Punkte genau in der gleichen Lage, wie die andern Mächte, und es wird nachgerade notwendig, daß man sich auch in Frankreich und anderswo an diesen Gedanken gewöhnt.
Es handelt sich hier um ein vortreffliches Beispiel dafür, aber keineswegs um ein vereinzeltes, mit welch naiver Einseitigkeit noch immer alle Angelegenheiten Deutschlands von einem Teil des Auslandes beurteilt werden. Deutschland wird sicherlich gerne und als erstes Land sich bereit erklären, jede vernünftige Verpflichtung zur Friedenssicherung und zur Beschränkung der Kriegsmöglichkeiten einzugehen, soweit es in dieser Beziehung überhaupt noch etwas tun könnte. Aber es wird ebenso ent- schieden künftighin darauf bestehen, daß alle Verpflichtungen und K o n t r o l l m a ß n a h- men gegenseitige fein müssen. Und da muß bann doch endlich einmal auf der anderen Seite begonnen werden, bevor man weiterhin der Welt Sand In die Augen streut mit einer angeblichen „deutschen Gefahr".
Eine amtliche Auslassung.
Berlin, 6. Aug. (Wolff.) Wie amtlich mitgeteilt wird, liegt kein Grund dafür vor, daß die Veröffentlichung des Schreibens Briands an den Völkerbund wegen der Militärkontrolle in Deutschland so großes Aufsehen erregt hat. Briand hat als Vorsitzender der Botschafterkonferenz dem Viitzcr- bunb bavon Mitteilung gemacht, baß b i e Tätig- feit ber Kontrollkommission aufgc- hört hat und ihre Befugnisse auf den Völkerbund übergegangen sind. Durch die Dezem- ber-Abmackungen von 1926 war das Ende der Militärkontrolle auf den 31. Januar 1927 festgelegt und damit hat die im Versailler Vertrag vorgesehene Kontrolltätigkeit ihr Ende erreicht. Der französische Außenminister fügt seinem Brief eine Inhaltsangabe des Schlußberichts der StontrcU-- kommission bei und ebenso ein Verzeichnis der noch nicht völlig erledigten Fragen. Von einem „n euen Vorstoß Briands" kann daher nicht die Rede fein, weil das Ganze nur ein gefchäfts - ordnungsmäßiger Vorgang ist.
aus Paris orrtentied haben. Da auf unserer Seite der ehrliche Wille besteht, so schnell wie möglich zu einem Abschluß der Wirtschaftsver- handlungen zu konmren, andererseits Frankreich selbst eine Beendigung des vertragslosen Zustandes heroeisehnr, dürfte es wahrscheinlich auch möglich sein, nunmehr einen endgültigen Abschluß durchzusetzen. Dermutlich dürst?» die Minister in ihrer heutigen Besprechung auch diese Ansicht vertreten haben.
*
Der deutsche Botschafter in Paris, Dr. v. H ö s ch, ist von seiner Erkrankung völlig genesen. Er traf aus München in Berlin ein, um mit dem Auswärtigen Amt vor der Rückreise nach Paris Rücksprache zu halten. Botschafter v. Hösch wird wahrscheinlich in der kommenden Woche seine Tätigkeit in Paris wieder aufnehmen.
Beschlüsse des Znternaüsnalen G-MettschaftsfongtSsfes.
Paris, 5. Aug. (WB.) Der Internationale Gewerkschaftskongreß hat auf Vorschlag Iouhaux eine längere Resolution angenommen, in der ber Kongreß baran erinnert wirb, daß bie Arbeiterbewegung der entscheidende Faktor des Friedens und der sicher st eVermittler ber Annäherung sei. Der Kongreß bittet bie Kriegsgegner aller Parteien, die Antikriegsaktion der Organisationen ber Arbeiterklasse zu unterstützen. Er bestätigte ausdrücklich die auf dem Wiener Kon- greß feftgelegten Grundsätze über die Aktion gegen den Krieg einschließlich des General st reikes und legt den nationalen und internationalen Arbeiterorganisationen die Verpflichtung auf, diese Mittel zu studieren und zu propagieren. Nach einem Hinweis auf die Propagandamittel zugunsten des Frie
dens (Plakatanfchkog, Flugschriften, Broschüren) fordert die Entschließung die Mütter und die Erzieher auf, bie junge Generation in ber Liebe zum Frieden zu e r zi e h e n und die Grundsätze der menschlichen Brüderlichkeit zu h. en, damit in einer nahen Zukunft bie Wieberoeriöhnung und Zusammenarbeit der Völker zur Wirklichkeit werde. Die Entschließung bestätigt den Grundsatz, des obligatorischen Schiedsgerichtsverfahrens und die Notwendigkeit, sämtliche zwischen den Staaten entstehenden Differenzen vor de» Völkerbund zu bringen. Insbesondere fordert sie, daß ber Konflikt des fernen Ostens durch dieses Verfahren schnell eine rechte und gründliche Lösung finden möge. Schließlich erinnnert der Kongreß daran, daß die Friedensverträge gewisse Länder entwaffnet haben. Dieses lege den Signatarmächten eben dieser Verträge bie Verpflichtung auf, den Weg ber Abrüstung zu beschreiten. In diesem Geist unb um das Werk ber allgemeinen Abrüstung zu fördern, fordert die Entschließung von allen Zentralstellen jede notwendige Aktion, damit die Delegierten ihrer Länder beim Völkerbund durchsetzen, daß Maßnahmen getroffen werden, um bie Herstellung von Waffen und Kriegsmaterial unter internationale Kontrolle zu stellen.
Im Anschluß hieran wurde auf Grund des Referates des deutschen Delegierten L e i p a r t über die Frage des internationalen Kampfes um den A chtstundentag beraten. Es wurde eine Entschließung angenommen, in der es heißt: „Der Kongreß fordert die der Internationale angeschlossenen Organisationen auf, sämtliche Maßnahmen zu treffen, die geeignet erscheinen, um den Achtstundentag durch zu setzen. Der Kon- gveß fordert aufs neue von den Regierungen die soforttge Ratifizierung des Washingtoner Abkommens über den Achtstundentag und spricht sich kategorisch gegen


