Nr. 81 Erste; Blatt
177. Jahrgang
Mittwoch, 6. April 1927
Gießener Anzeiger
General-Anzeiger für Oberheffen
Drad unö Derlofl: vrüdl'fche Untotrfitäts Biidb- nnö Sieinbrnrfcrti R. Lange in Sietzen. Schriftlettnng unö SeschäslrtzeNe: Schulstraße 7.
3ii0m »H lijckca ftr bi« lagt» nennen M* kue Hadi mittag vorher.
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Cbefrebaklent Dr. Fnedr Wild Lange, verantwortlich für Tolmh Dr ^r. Wild Lange ftr Feuilleton Dr t) Iboriot; für ben übrigen Teil Ernst Blumfcheie; ftr ben An- jeigented Aurt AiOmann, lAmtlid) hi Sieben.
Brilegen: Siebener Fa»iliendlütter Heimat im Bitt Die Scholle.
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Die dritte Lesung des Reichshaushatts.
Deutscher Reichstag.
Berlin, 6. April. tvDZ.) Auf der Tagesordnung stehl die drille Lesung des Etat» 1927. Abg. D^. J") i I f e r b i n g (603.) erklärt, die Deutzchnatio- Aalen hallen die Unaufrichtigkeit in die deutsche Politik gebracht. Deshalb brächten die Sozialdemo, traten der Rechtsregierung dos I d) ä r f ft e M 1 ij trauen entgegen. Insbesondere der von dieser Regierung oorgelegte Finanzausgleich müsse abariehnl werden, denn er schwäche die Fi- nanzhohe'l de» Reiche» zugunsten der Länder und helfe ledensunsähtgen SiaaMflebtlben zu künstlicher Lebensoerlängening und bevozuoe in unerträglicher Weise Bayern und seine aufgeblähte Verwaltung. Da» lei der erste Erfolg der Arbeit» gemein- schäft Marx-Leiwt, die die Bayerische Volksparlel zum ausschlaggebenden Faktor in dieser Regierungskoolition gemocht habe. Da» oersos- fungsrechtliche Verhältnis de» Reiches zu den Ländern bedürfe gründlicher Rachprüfung, denn es habe sich gezeigt, daß die preußische Mehrheit im Reiche entrechtet sei. Das widerspreche auch dem Prinzip des Föderalismus. Der Dolksparlei stehe ihr Zusammengehen mit den Deutschnationalen in steuer- und Wirifchaslsfragen viel hoher, al» ihr immer betonter Kulturliberalismu». Die Sozialdemokratie lehne den Etat ab als Protest gegen den Partikularismus und al» Bekenntnis zum Einheitsstaat. (Beifall bei der Sozialdemokratie.)
Qlbg. Dietrich-Baden (Sem.) erklärt: Die Demokraten verlangten eine Verkürzung des Etat- auf ein Jahr, damit recht bald in einem endgültigen Finanzausgleich Ländern und Gemeinden das LleuerzulchlagSrecht und damit die Celbfl Verantwortung gegeben werde Bedauerlich fei eS daß der Slot so wenig für die Hebung der Produktion tue. Der kleine Bauer Hobe nicht die Mittel, feine Produktion zu stärken. Hier müsse der Staat ein greifen. Genau so sei ei im Handwerk. Wenn man diese breiten Schichten erhalte, so werde die größte Gefahr her Konzerne vermieden, die den Staat zu be- derrschen drohten Der Redner bespricht dann die Frage deS Konkordats. Seine Partei habe fich über Dr SlrricmannS C n ge
freut. aber die Freude fei von kurzer Dauer aewefen. denn Dr. Strefemann habe feine Rede hinterher gleich wieder dementiert. Die Rede lei eben nur gehalten worben, um zu verhindern, daß leine Parteianhänger in Scharen davon- laufen. Weil lie fürchten, daß in dieser Koalition der Kulturliberalismus Schaden leide. Die Demokraten wollten deshalb der legenheit zu klarer Stellungnahme geben und legten eine Entschließung vor. die klar auSlpreche. daß der Reichstag kein Konkordat und keine Beschränk ung seiner Schul- gese hgebung wolle.
Abg. Bredt (Wirtschaft-Partei) erklärt, vieler Etat erwede größte Bedenken, denn er zeige, daß die Verlegung deS Regierungsschwerpunktes von links nach rechts nichts geändert habe. Don Sparsamkeit sei nichts zu merken. Deshalb lehn« die Wirlfchastliche Bereinigung diesen Etat rundweg ab.
Die Haushalte deS Reichspräsidenten und deS Reichstages werden ohne weitere Debatte angenommen. Ebenlo der Haushalt deS ReichS- ministeriumS und des Reichskanzlers. Beim Haushalt deS Auswärtigen Amts verlangt Abg. Stöcker «Komm.) die Herbeiholung deS Ministers Dr. Strefemann. Die Sitzung wird daraufhin unterbrochen. Rach lieben Minuten cr- Icheint Minister Dr Strefemann im Saal. Die Sitzung Wird fortgesetzt.
Reichsauhenminister Dr. Strefemann
entschuldigt fein spätes Erscheinen mit Verhandlungen mit Saarländern und mit dem AntrittS- beluch eines Gesandten Er erklärt: 3n der Son- kordatSf rage besteht keine Divergenz zwilchen Außenminister und dem Parteiführer Strefemann. 3<b habe, fo erklärt der Mmister. gegenüber der Forderung einer grundfätzlichen Ablehnung eines Konkordats erkannt, daß eS sich hier um eine 4 an 3 andere Situation bc .\
telne Länder Konkordate bereits a b g e • Ichloffen haben ober vorbereiten Ich habe lebet en. die Sache leidenschaftslos zu behandeln mb die Weitere Entwicklung in Preußen abzuvor t e n Meine Erklän -gen de^en fich mit der zanzen Verhandlungen in vieler Frage befänden ich noch im AnfangSstabium der RestoriS. Er 'ei daher nicht in der Lage, eine amtliche Erklärung dazu abzugeben Aus feiner persönlichen Auffassung mache er keinen Hehl
Sanem ein Konkordat abgeschlossen fei und vieleicht auch mit Preußen ein- zustande käme, fei er kr Meinung, daß man auch ein Reichs- lonkordat abfchließen solle. Lebhaftes Hön! Hört! links.) Es fei jedenfalls Wünschenswert, daß iber gewiffc Rahmenbeftirnmungen auch das Reich die Sntfcheidung treffe. Die Stellungnahme m einzelnen werbe davon ab hängen, welchen Inhalt diele Abmachungen haben werden
Bei Etat des Innern meint 2lbg. Soll- nann (Soz.), der Klaffencharakter biefes Innen- rtats gehe aus der Streichung der Summen für Junglehrer. Sport-. Kinderpflege. €tubcnlcn- Mufer hervor, während für christliche Organifa- nonen und Technische Rothilfe Geld da sei.
Reichsfinanzminister Dr. Köhler: Die Pflege des K ul tu veilen muß Hauptaufgabe der Länder fein. Deshalb müffen auch die Länder die Mittel aufbringen Die Sorg« für die Junglehrer ist reine Länderfache (Lebhafter Widerspruch links.) In das Gebiet der Länder- aufgaben sollte man nicht mit Reichsbeihilfen eingretfen.
Abg. Rönneburg (Dem.) verweist auf die Rot der Junglehrer. Man solle wieder, wie im
Vorjahre, 6 Millionen für die Junglehrer ein- fetzen
TS folgt der Haushalt deS ReichSarbeitS- rninisteriums.
Abg. Lipinski (S.) fragt ben Mmister nach bem Verbleib deS Wohnungsbau- Programms
ReichSarbeitSminister Dr. Brauns: DaS Programm war schon im November fertig; aber das gefchäftSführende Kabinett konnte die
Um das Reichskonkordat.
Doifspartei unö Konkordat.
Tic Acußcrungcn LtrcscmannS.
Eigener Drahtbericht de» „(Siebener Anzeigers*.
Berlin. 5. April Während im Plenum der heutige Rachmittag durch eine Fülle von Abstimmungen au#gcfüllt wurde, die die schrillen Alarmglocken deS Reichstags überhaupt nicht zur Ruhe kommen ließen, wurde in der Wandelhalle natürlich eifrig die Sensation deS TageS besprochen: die Erklärungen, die Dr. Strefemann zur Frage deS Konkordats abgegeben hat.
Zweifel, hilf) her Eindruck dieser Aeußerun- gen des Außenministers und deS Führer- der Deutschen Volkspartei in der Oessentlichkeit einigermaßen wideripruchsvoil ist, und man braucht Wohl fein Prophet zu fein, um Poraue^ulagcn. daß die Kommentare in der Presse entsprechend durcheinander gehen Werden.
Wir haben deshalb Veranlassung genommen, unS bei führenden Persönlichkeiten der Deutschen DolkSpartei über die wirklichen Aus - f a f f u n g en innerhalb der Fraktion Wie der Partei überhaupt zu informieren, und dabei ergibt sich etwa folgendes Bild: Von Teilnehmern der Kulturtagung Wird energisch bestritten, daß die Rede, in der Dr. Strefemann auch die Kvn- kordatSsrage ftreifte, Wirklich einen solchen alarmierenden Charakter hatte, wie eS in box Oeffent- lichkeit scheinen mußte. Man betont, daß die volksparteiliche Auffassung, die sich mit der Dr. Strefemann- decke, unterscheide zwischen einem DerWaltungSkonkordat und einem Schulkonkordat Ein DerWaltungSkonkorbat hält die Fraktion für durchaus möglich, ja sogar für notwendig, nachdem einzelne Länder bereits Einzelkonkordate abgeschlossen haben, denen zweifellos noch Weitere folgen werden. Da es sich hier um eine Frage zum Teil aufoen- politischer Beziehungen handelt — denn schließlich rangiert der Vatikan auch alS diplomatische Macht —. fo würbe nach volkSparteilicher Vereinheitlichung, eine Rah. mcnfcrcinbaru n g gerade im Interesse deS Reiches begrüßungSWerl lein. Allerdings gibt es hierbei noch eine ganze Menge noch ungenauer Fragen, j. B. die, wieweit des Reich in die
verwaltungsmäßige Zuständigkeit der Länder ein- greifen kann, die durch die KonkordatSfrage zweifellos berührt wirb. Aber baS sind Dinge, die. praktisch gesehen, vorläufig noch nicht akut sind, denn eS wirb zweifellos noch mindesten- ein Jahr vergehen, ehe die KonkordatSfrage überhaupt vor ben Reichstag kommen dürfte.
WaS nun die Leite deS Schulkonkor- batfl anlangt, fo herrscht bei ber DolkSpartei ein ent schiebener Widerspruch gegen alle etwaigen Versuche. Fragen des Schulgebietes in ein KonkvrdatSgesetz hineinzubringen Man Will biefeS eben auf verwaltungsmäßige Angelegenheiten, wie btc Ernennung von Bischöfen, Domkapitularen usw. beschränken. Deshalb Wünscht die Fraktion ber Deutschen Dollsparte, auch zunächst bie •rlebigung bvu c setze-, um bann, wenn bie KonkordatSfrage aus- Tapet kommt, sagen au können, daß diese Dinge bereits geregelt sind. In den Kreisen der vvlkSparteillchen Fraktion erklärt man, daß Dr. Strefemann auch am Sonntag nichts andere- gesagt habe, als waS in dieser Unterscheidung zwischen Schul- und DerwaltungSkvn- kvrdat zum Ausdruck kommt, und man erinnert daran, bah Dr. Strefemann sich ja ausdrücklich auf einen früheren Fall berufen habe, wo die Rationalliberale Partei durch ihren Appell an daS Land ein Schulgesetz verhindert habe, das dem liberalen Gedanken widersprach. In parlamentarischen Kreisen rechnet man übrigen- damit, daß da- ReichSschulgesetz im Mai da- Kabinett beschäftigen wirb, um bann an ben Reichstag zu gehen, so baß c8 gleich nach ber Sommerpause als eine der ersten Herbstvvrlagen dem Reichstag vorgelegt werden lärm.
Gestern nachmittag trat der interfraktionelle Ausschuß der Regierungsparteien zusammen, um ben demokratischen Antrag über die Stellung zum Reichskonkorbat und zum ReichSschulgesetz au erörtern. GS wurde, bem ,B.T." zufolge, beschossen, durch den Grafen Westarp eine Erklärung der Regierungs- Parteien gegen den demokratischen Antrag und für das ReichSkonkordat sowie für daS ReichSschulgesetz abzugeben.
Ein Valkanlocarno.
Die türkische Bündnispolitik auf dem Balkan.
Sofia. 5. April. tTU.) Rachdcm die türkische Presse in der vorigen Woche wie aus ein Signal bin Bulgarien eine die Ruhe auf dem Balkan gefährdende Italienpolitik vorge- worfen hatte, ist der tür nach Angora beordert worben. AuS verläßlichster Quelle verlautet nun. daß die Fahrt deS Gesandten nicht fo sehr mit der bulgarischen Haltung allein julammci-.bängt. alS mit einem allgemeinen Beschluß deS türkischen Kabinett-, die Verhältnisse auf dem Balkan für eine Entente zu untersuchen und zu diesem Zweck mit den Regierungen von Bulgarien, Jugoslawien und Griechenland, unter Umständen auch Rumänien in Fühlung zu treten. Die Türkei hat jedoch nicht die Absicht, eine Entente in- Leben zu rufen, die sich unmittelbar gegen bie eine ober andere Wacht ober Mächtegruppierung richtet. SS soll lebiglich eine Konsolidierung ber Außenpolitik dieser Staaten untereinander herbeigeführt werden, die Gewähr bietet, daß die Einflüsse ber Großmächte auf bem Balkan nicht bie von ber Selbständigkeit deS Balkan- gebotenen Grenzen überschreiten.
Angora ist in ber letzten Zeit zu einer Verständigungspolitik, sowohl mit Italien alS auch mit England bereit, wünscht jedoch nicht, daß sich auf dem Balkan ein Dertragssystem herausbildet. das den tür- kilchen Rücken in Europa mit der Zeit zu gefährden imstande ist Als reger Befürworter einer solchen Politik gilt ber türkische Griandre in Belgrad, ber vor kurzem in Angora weilte und nach feiner Rückkehr die itallenilchen Gerüchte über jugoslawische Kriegsablichten gegen Albanien als glatt erfunden und zur Verschleierung größerer Aktionen geeignet bezeichnete Beachtenswert sind die Hinweise diplomatischer Gewährsmänner auf das große Interesse, das Rußland an einer Emanzipierung des Balkans von ben Westeuropäischen, besonders den italienisch-englischen Sinslüfsen hat. Es Wirb als durchaus möglich betrachtet, daß in Belgrad über bie türkische Gesandtschaft auch russische Absichten und Wünsche zur Sprache
kommen. Belgrad lanziert neuerdings durch seine Presse ben Gedanken an einen Zusammenschluß -wischen den Slawen. Franzosen undDeutschen und rechnet dabei mii weitgehenden russischen Zugeständnissen In bulgarischen RegierungSkreisen uxr-.'cn die Belgrader Pressestimmen zuversichtlich lommenliert, wonach Italien auf einen kriegerischen Konflikt mit Jugoslawien im letzten Augenblick deshalb verzichtet hat, weil Bulgarien sich bem Anschluß an Rom versagte. Die Beßangung bi eier Argumentation dürste ba rin zu sehen sein, baß ber französische Gesandte in Sofia bie bulgarische Regierung ernstlich gemahnt hat, sich nicht auf ben unsicheren Weg einer italienischen Dalkanpolitik zu begeben.
Italiens vertrag mit Ungarn.
Rom. 5. April, ißtefani.) Mussolini und Graf Bethlen unter »ei chneten heute den italienisch-ungarischen Zreundschatts-, Ausgleichs- und Cch.edSgerichtSvertrag. sowie Schrillftüike. in denen die beiderseitigen Regierungen die bisher getroffenen Berc.nbarungcn ber talren.fchen und ungarischen Sachverständigen über die dem ungarischen Handel im Hasen von 1: u m c zu gewährenden Erleichterungen betätigen. Zur Unterzeichnung schreibt die offiziöse ,.A g e n z t a dt Roma": Der Dertrag bedeute für die italienisch-ungarischen Beziehungen kein Rovurn Er sei nur die Kodifizierung und jurtststche Anerkennung eine- Zustande- de facto, wie er sich in den Beziehungen zwischen beiden Ländern nach und nach herausgebildet habe. In den Beziehungen zu den Staaten der Kleinen Entente sei ber Vertrag gleichzubetoertey mit ben Verträgen. die Italien mit triefen einzelnen Staaten abgeschlossen habe. Der neue Ber: rag könne für keinen europäischen Staat Grund zu einer Beunruhigung bieten. Im Rahmen ber allgemeinen europällchen Lage bedeute der Dertrag einen Schritt weiter in der Politik des neuen Ital.ens. Der Dertrag Werbe zur Klärung ber polittschen Lage in Muteleuropa beitragen und Werbe für ganz Europa günstige Wirkungen zeitigen.
20prozenttge MtetSerhöhung incht beschließen, bte die Voraussetzung war. Da- neue Äabtneti hat jedoch die Mieterhöhung in zwei Etappen befehl dHen. DaS Programm war also überholt. Eine neue Denkschnlt wird dem WobnungS- au-schuß in kürzester Frist zugehen.
Beim Hau-Halt deS ErnährungSministcnumS beschwert sich Abg. Frau Bohm-Schuch (®.) über btc Streichung ber K i n be r s p e i s u n g e n In Hohe von 6 Millionen bei ber zweiten Lesung Ein Hohn fei eS. baß die Regierungspartei« jetzt wieder 4 Millionen ein stellen wollten Rednerin beantragt 5 Millionen
Auf Antrag der Reaterungsparteien wirb im Etat deS Innern eine Million zur För- berung beS Turn- unb Sponwefeiw w.eder etn- geseyt. für die Stubentenhllse 300 000 Mk. für die Bekämpfung ber Maul- unb Klauenseuch? 500 000 Mk. Für bie Junglehrer enthält ber Etat 2,5 Mill Mark. Erhöhung-anträgc ber Eozial- bemofraten und Äommuniften werden Die Regierungstxt rieten beantragen Streichung deS ganzen Titel-. Dieser Streichungsantrag wird in namentlicher Abstimmung mit 1*4 gegen 185 Stimmen bei einer Enthaltung angenommen. lPfuiruse link-.) Auch die Million für baS Hy- gienemuseum in Dresden Wird in namentlicher Absttmmung mit 243 gegen 152 Stimmen bei einer Enthaltung gestrichen. Der Rest deS Innen- etatS Wird angenommciL
Beim Stal deS Arbeit - m int st eriumS Werben auf Antrag der Regierungsparteien 50 Mill. Mark für probuttive ErwerbSlosenfüriorge gestrichen. 25 Mill, für Kleinrentner neu eingesetzt Reu eingesetzt werben ferner 72 Mill. Reich-beitrag für die Invaliden Versicherung. Die unterstützende Srti'erbslosenfruforge wird von 200 auf 15? Mill crbobi Der Rest bei 'Zrbciie- etatS wird angenommen, ebenso der Etat ber besetzten Gebiete.
Im ErnährungShauShalt werden auf Antrag ber Regierungsparteien bie Beihilfen für bäuerliche WirifchaftSberatung mit 1.9 Mill, wieberhergestellt. 700 000 Mark zur 'Bekämpfung von Pfla,^enschädlingen neu bewilligt Ein sozialdemokratischer Antrag, bie KindersPeilung mit 5 Millionen wiederherzustellen. Wird in namentlicher Abstimmung mit 218 gegen 170 Stimmen bei einer Enthaltung abgclehnt.
Beim BerkehrSetat wirb ein bemo- kratischer Antrag. 2 Mill, für ben Zeppclinbau zu bewilligen, abgelehnt. Der Etat wird angenommen.
Zum Versorgung-Hau-Halt lagen eine Reihe von Anträgen für die Versorgung der Kriegsopfer vor.
Abg. Frau Reitze lSoz.) begründet die Ausschußvorschläge. Die Erlangung ber Elternrente soll erleichtert Werben. In einer Entschließung fordert der Au-schuß ferner eine Rrvell« zum VersorgungSgefetz. Darin fallen die Renten verbessert unb ben Hinterbliebenen Heilbehandlung und Berufsausbildung gewährt Werben.
Abg. Knoll lZentr.) berichtet über die Annahme einer sozialdemokratischen Entschließung im KriegSbeschädiglenauSschuß. die KriegSopfer- versorgung um 150 Millionen zu verstärken, bie dann vorn HauShaliSauSschuß abgelehnt wurde. Beide Ausschüsse beantragen aber gemeinsam eine Entschließung. Geistätkranken ober sonst schwer letbenben Kriegsteilnehmern unb ihren Hinterbliebenen im Wege deS HärteauSgleichS zu Helsen, selbst Wenn ber ursächliche Zusammenhang zwischen bem Leiben unb bem Militärdienst nicht ausreichend nachgewiesen ist.
Auf Antrag der RegierungSpaneien Werden die Krieg-beschädigtenrenten von M6.9 Mill, auf 649 9 Mill., die Hellbehandlung von 31.9 Mill, auf 37.9 Mill, erhöht. Die AuSschußentschliehun- gen und ber VerforgungSetat selbst Werben angenommen. Die übrigen Etat- Werben unter Ablehnung ber AenderungSanträge angenommen. Die Schlußabstimmung zum E'.atSgesetz. baS kommunistische Mißtrauensvotum gegen den ArbeilS- minifter und die Entschtteßungen Werden zurück- gestellt. DaS HauS vertagt sich auf Mittwoch.
Das neue Strafgesetzbuch.
Tcr Entwurf im Rcichtzrttt nnflcnommen.
Berlin, 5. HpriL tBDZ.) Der Reichsrat hielt am T'cnstag eine öffentlidje Vollsitzung ab, in der der Gesetzentwurf über das neue Strafgesetzbuch bis auf einige zurückgestellte Punkte angenommen wurde. Rach langen Beratungen haben die Reichsratsausschüsie sich, mit den wesentlichsten Reuerungcn des Strafaefctzbuches einoerftan« ben erklärt, und das Plenum p'lichlete im wesentlichen den Ausschußdeschlussen bei. Eine bedeut- same Reuerunq ist die Erweiterung der treibet d c - richterlichen Ermessens. Um der Persönlichkeit des Täters gerecht werden zu können, ilt es dem Richter freigefieUt, das Straf- motz nach unten und eben nach feinem Ermeßen fef? iepen. Konz aüoemein werden mildernde Umstände zugelaßen. Die Strafen für das K e - w ohnheitsoerbrechertum werden oer- ichärii. Außerdem sind Sicherungsmaß- nehmen getroffen für die Unterbringung in Heil- und P'fegeanftalten. Beibehalten ist bie Tobes- strafe, allerdings nicht mehr absolut bei Mord, 'entern auch hier kann Rücksicht auf den einzelnen Jjafl genommen werden. Als Freiheitsstrafen sind Zuchthaus, Gefängnis und die fog. Einsch 1 ie - ßung vorgesehen, die an Stelle der Festungshaft tritt. Die Begnadigung ist gesetzlich geregelt


