Donnerstag, 6. Januar 1927
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Gberheffen)
Nr. 4 Drittes Blatt
Ieitungsschau
WSR.
dauernd un
die Ferien reiste, die Staatsform Hut Hindenburgs überlassend. Wie
von jedem fordert.
tSb
Buntes Allerlei.
Die lange bleiben die Tiere fcinber?
Gerichtssaal.
verurteilte Falschmünzer.
isen.
wird Weihnachtsstollen gebacken, wird der Tan- .nenbamn geschmückt und beginnt man den Plum- vudding mit Rum zu begießen. Da hört die Politik auf. Wenn wie diesmal eine allzu ge- tchastige Lorweihnachtsaktivität das Kabinett stürzt, so bleibt es „geschaftsführenb".' die Mi»
wald persönlich möglich machen, sich der deutschnationalen Hilfe zu bedienen. Vor allem aber wird Stegerwald nie daran denken, ährrlich wie es EurtiuS vorschlägt, ein Kabinett von Politikern zu bilden, die lediglich als Persönlichkeiten sich zur Zusammenarbeit verpflichten, ohne ihre Fraktionen zu binden. Und deshalb scheint im Augenblick Stegerwald der aussichtsreichere Kandidat. weit auch der Reichspräsident scheinbar nicht geneigt ist. Erverimenlc zu machen, durch die nur recht kurzlebige Kabinette aut die Reine gestellt werden könnten
manchmal eine Art von Idealismus geregt, der Anklänge an Gedanken^änge und Vorstellungs- bilder der Studentenzeit zeigte. Der Reichskanzler Curtius tonnte sich sehr leicht nicht mehr mit dcr (Betätigung seines realpolitischen Sinnes begnügen wollen, sondern zu Taten sich verpflichtet fühlen, die ein wenig ins Phantastische hinübergleiten Gewiß braucht man von .hm nicht zu befürchten, daß er etwa durch «gepanzerte Fäuste" Freund Etrcsemanns Kreise stören tonnte. Aber er glaubt nun einmal, daß man das große Ziel der Befreiung der Rheinlande am besten durch die .,Volksgemeinschaft" lösen
Bilder aus einem Aquarium.
Don Paul Eipper.
Der Wärter wirft von oben herab Heine silbern schimmernde tote Fischchen in das Bassin. Heber den vorgetäuschten Helgoländer Steingrund huschen die Seespinnen und die Strandkrabben, dieweil ein gefleckter Katzenhai trag und dumm in einem Dinkel zwischen Steinen steht. Bon allen Seiten kommen eiligst diese kleinen Panzer- träger und hocken sich nun hin. klammern die Hinteren Beinpaare um eine Schlingpflanze, einen Fels brocken oder eine Muschel und — speisen. Sie sitzen ganz manierlich da. halten mit den Scheren das Stückchen Fisch fest und schieben es MUlimeter um Millimeter an die unerbittlichen Frehwerkzeuge heran, die züngeln und beißen und alles verschlingen.
Der groteske Hummer aber mit seinen tief- roten, langen Fühlern hat sich im Hintergrund verborgen, nachdetu er seine Portion, das größte Stück Fisch, gierig geschnappt hat. Im Dämmerlicht verschwindet der grünlich-schwarze Leib, das
wieder erhörte der Hi.nmel unsere Bitte, und nahm den bösen Aga von uns. Er starb. Das war Euer Vater. Herr. Und was in ärgsten Träumen niemanb für möglich gehallen hätte geschah. Ein neuer Aga kam, der noch viel ärger war als seine beiden Vorgänger. Das seid Ihr. Herr Und darum bete tch nicht, wie die anderen, für Euren Tod. sondern flehe zu Gott, er möge Such langes Leben schenken. Denn was wird erst das Volt unter Eurem (Nachfolger erleiden müssen!"
Der Aga sprach kein Wort, als die Alte geendet hatte. Er zog einen Beutel Dukaten aus der Tasche und warf ihn der Alten in den Schoß
Dann ritt er langsam nach Hause
Euren Ramen wohl und weiß auch um Eure Werke."
„Wenn du mich so wohl kennst. 2llte, io staune ich um so mehr über das, was ich von dir gehört habe. Ich weih, daß das ungläubige Serbenvolt mir flucht und mir baldigen Tod wünscht. Und nur du allein betest zu deinem Gott für meine Gesundheit und mein langes Leben. Warum tust du dies? Ich kann mich nicht entsinnen, dir je Gutes getan zu haben.
..Herr, laßt mich schweigen und gewährt mir meine Ruhe!" bat sie.
„Nichts davon! Zwei Tagesreisen u>eit_ bin ich hierher geritten, um deine Worte zu hören. Gib Antwort auf meine Frage! Es soll dich nicht gereuen."
Da faßte die Alte Mut und spracht ..Wenn es denn sein muß, Herr, so will ich's Euch erzählen - Ich bin ein altes Weib und viele, viele Jahre trage ich schon die Bürde des Le^ bens. Ich erinnere mich noch wohl daran, daß vor langer Zeit hierzulande ein Aga herrschte, öer so böse, so unmenschlich und blutgierig war. daß alle jammerten, Gott habe uns die furchc- barstc Plage geschickt, die ein Wenlch ertragen könnte, ilnb wir alle baten Goll unteren Peiniger von uns zu nehmen und ihn zu töten. Der Himmel erhörte das inbrünstige Flehen dcr Serben, und der böse Aga starb. Der war Euer Großvater. Herr. Rach seinem Tode geschah etwas, was niemanb für möglich gehalten hätte: Wir bekamen einen neuen Aga zum Gebieter, der noch viel schlechter war. als dcr frühere. Zu Hunderten peinigte er Manner. Weiber und Kinder, bis sie dahmstarben, und die letzten Groschen Geldes zog er denen aus der Tasche, die er am Leben lieh. Unb wieder gab es überall Gebete Gott möge den Wüterich von uns nehmen. Gott möge uns von der schlimmsten Plage der Menschheit erlösen. Und
ehemaligen^ USP. kommandieren, denen die Mayen längst zum Kommunismus davongelaufen sind
Die alten USP.-Häuptlinge aber glauben, ihre Lorherrsä)aft in dcr Partei nur dadurch behaupten -u können, daß sie die Anhängerschaft der Partei dauernd in Unruhe über die Staatssorm erholten, die sie für bedroht crflären. Es war daher ein hübscher Knallesscft, als die Partei in der letzten Sitzung des Reichstages das Kabinett stürzte — und vertrauensvoll in V ‘ -
Beim Menschen kennen wir das Ende b:v Kindheit, b. h. bie Grenze der körperlichen Eni Wicklung, ganz genau unb wissen, baß im allgemeinen bie südlichen Völker bas Kinbheits stabiurn rascher burchlaufen als bie Menschen bei nördlichen Rassen. Bei ben Tieren ist es aber viel schwerer, festzustellen, wann sie ganz erwachse, sind. Der eriglische Zoologe Dr. Chalrners M, tchell hat barüber ein reiches unb interessante gesammelt. Da bie menschenähnlichem
©Uberberg« neuerdings in manchen Unternehmer- kreisen der alle Herrenwille des Kampfes gegen bie Arbeiterschaft wieder laut wirb — so ist dies eben Merkmal bet Übergangszeit. Anzeichen ber Wegwende, vor der wir stehen und bie einzelnen eine innere Entscheidung
Koblenz, 5. Ian. Der Versiche- rungSinspektor Gustav E. aus Frankfurt a. M unb der Kaufmann A. aus Berlin hatten sicb wegen Münzverbrechens in Koblenz zu verantworten. R. hatte 400 Stück Fünfrenten-
nistet begehen noch in der Ministerwohnung das Familiensefl, unb vor dem 4. ober 5. Januar totrb jedes politische Gespräch unter Strafe gestellt. Run ist diese Karenzzeit bald vorüber. Sind schon munkelt man allerlei von den kommenden Reichskanzlerkandidaten. Zwei Ramen werden hauptsächlich genannt: Curtius unb Stegerwald. Wenn Stresemanns Ramc bisher in der Oeffenttichkeit noch nicht ausgetaucht ist, so liegt das wohl hauptsächlich daran, bah man Curtius. ben Freunb bei Außenministers, für dessen Ministerschaft er sich stets sehr warm eingesetzt hat, als den edlen Ritter ansieht, ber für Stresemann jederzeit bereit ist in die Tiefe zu springen, wie es einst sein berühmter Ramens- -etter für das römische Wohl getan hat. Stresemann Hal mit seinem dauernden Hinweis auf des Freundes Ministerbefähigung keine üble Sat getan. Denn Curtius ist ein guter Wirlfchasts- minifter gewesen. Einer, der seine erfahrenen Räte vernünftig arbeiten ließ. Er hat sich als ein Mann von Sleberblid unb politischer Duldsamkeit erwiesen. Die im Rcichswirtschastsmini- sterium ausgesammelte Tüchtigkeit des Beamtenkörpers hat sich im allgemeinen unter seiner Ministcrschast gut auswirken können. Aber in diesem Minister schlummern dunkle Regungen. Richt dunkel in schlimmen und politisch rückschrittlichem Sinn, sondern dunkel- = unentwickelt, triebhaft, unbewußt. Schon in seiner Tätigkeit als Wirtschaftsminister hat sich in ihm
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M ?lbeburjen 'mb die ten haben, wirb Sie ;n Jollen Sie nicht, bah ,-5r9e^n Sie nicht, bah ’urfen. Sergefien Sie nicht JfÄ Ore'tagmorgen, jfMen Ihrem Gedächtnis wijmen Sie diesen Brief r dos Geld enthält, und m Samin des Klubs, hch chlen." mg folgt.)
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Material gesammelt. Da die menschenähnliche: Assen sich in der Gefangenschaft nur schwer län gcTc Zeit am Leben erhalten, hat man die Entwicklung verhältnismäßig selten beobachtet, bar aber annehmen, daß die Kindheit dieser Tiere Vic zum 8 oder 12. Iahre währt. Die erheblich kleineren Mandrills brauchen ebenso lange, um ausznwachsen. während bei den Meerkatzen bi- Kindheit zwischen bem 3. unb 6. Iahre abschließi unb die kleinen amerikanischen Affenarten schon nach 2 Iahten erwachsen sind. Bei ben Raub treten bauert bie „Kindheit" der Löwen unb Tiger burchschnittlich 3 bis 5 Iahre. die der Leoparben 1 bis 3 Iahre. Langsamer wachsen die Bäten heran: die großen brauner. ‘Bärei- brauchen 5 bis 6 Iahre. und bei den Eisbären dauert es noch länger. Die Kindheit der Robben umfaßt 4 Iahre. Die kleineren Hunde haben eine erheblich kürzere Kindheit als die großen. Doggen sind erst nach 2 Iahren voll erwachsen, d^ Jagdhunde etwa nach 18 Monaten: die Pointers unö Setters beanspruchen nur 15 Monate, die Foxterriers etwa 12, bie Dackel 6 bis 8 Monate. Das größte lebende Säugetier, der Elefant, erfreut sich auch der längsten Kindheit: ec ist erst mit 20 bis 24 Iahrcn erwachsen. Trotzdem geh' sein Wachstum sehr viel schneller vor sich als beim Menschen, denn der ausgewachsene Clesani ist 50,naI so schwer wie das neugeborene Elefantenbaby. Schwierig sind die genauen Beobachtungen beim Rashorn: die Heinen Rashörner bleiben etwa 7 bis 8 Iahre bei der Mutter, um sich dann .selbständig zu inachen". Bei den Pferden und Eseln ist die Kindheitszeit unter bem Einfluß ber Zähmung sehr zusammengefchrumpft. sie dauert nur noch 3 bis 4 Iahte, häufig sogar kurzer. Sehr schnell wächst das Rilpferd heran, das nach 5 bis 6 Iahre» oft schon 4 Tonnen totegt. Das Schwein erreicht die Grenze seines Wachstums nach 10 Monaten bis 2 Iahren. Die Giraffen wachsen 6 bis 7 Iahre. wahrend d,e
Die Entwicklung der wittschafts- unb sozialpolitischen Lage gibt der. F r a n k s u r t e r Zei- t u n g" Anlaß zu folgenden Betrachtungen: „Gerade in Deutschland kann man kaum mehr einen InbustrieNen von Rang treffen, ber einem nicht erklärte, baß „fic im Prinzip alle Freihändler" seien. Aber in der Praris ändert sich nichts, nichr in Europa, nicht in Deutschland. Einzelne Großindustrien reichen sich über die nationalen Grenzen hinweg die Hände: die Internationale des Eisens wächst empor, die stärkste unb realste aller Internationalen, zur gemeinsamen Regelung unb Beherrschung der Märkte, eine ungeheure Machtzusammenballung gegenüber den Staaten, den Abnehmern und der Arbc'.terschaft. Die Zollmauern aber bleiben, durch wenige, wirklich zustande gekommene Handelsverträge «.Schweden. Schweiz. Finnland. Lettlands kaum gemildert: mit Frankreich kommt es nur zu einem kurzfristigen Provisorium, mit Polen geht ber Zollkrieg unvermindert weiter. Ganz fern bleibt der Gedanke, daß Deutschland heute mit äußerster Entschlossenheit Bauernpolitik treiben mühte: wir erhöhen im Gegenteil im 3uli noch die 1925 wieder eingeführten Getreidezölle. die ben schon ins Wanken geratenen ostelbischen Grohgrund- besitz von neuem befestigen, unb während jetzt auch im beutschen Süden und Westen die nachgeborenen Bauernsöhne zur Siebclung drängen, machen wir so bie Bobenpreise toieber steigen unb dulden es, daß bie preußische Bureaukratie bie vorn Reichstag geforberte Siedelungsaklion lähmt. Ganz fern aber bleibt ebenso ber Gedanke. daß wir durch Abbau ber Zölle, der Industrie- wie der Getreidezölle, die Kauflraft der Massen unb unb mit ihr bie Probuktionskraft selbst heben müßten: unangetastet bleibt bantm auch bie Macht ber Kartelle, bie hinter den Zollmauern ben deutschen Abnehmer sich tributvflichtig machen. Eine wesentliche Erleichterung allerdings erfährt die Wirtschaft: der Reichsfinanzminister Dr. Reinhold baut sehr energisch die Steuern ab. bie sein deutschnationaler Vorgänger allzu lange im Uebermah aufrecht erhalten hatte. Aber zu mehr kommt e* nicht; der zweite Teil einer wirklichen Steuerreform - eine wirtschaftlich vernünftige unb sozial gerechte Reuverteilung ber Steuerlast — wirb nicht in Angriff genommen. Sinb von ber sozialen Gesetzgebung gilt bas Gleiche. Derselben Quelle wie die Steuerüberhöhung. nämlich ber Rotgeschgebung 1923 24 aus ber Krisenzeit des Jnflationsendcs, entstammte ja auch die speziell auf die Arbeiter- und Angestelltenschaft gelegte Sonderlast der Arbeitszeitverlängerung. Auch diese Frage bedarf einer Aeuregelung. Aber mit ihr ging es nicht so schnell wie mit der Steuerkürzunge sie steckt als Teil des Arbeitsschuhgesetzes noch ganz in den Anfängen. Darf man sich wundern, daß die soziale Spannung wächst? Man dars es nicht? Denn eine ungeheure Aufgabe bleibt für die private Wirtschaftsführung wie für die staatliche Wirtschaftspolitik zu lösen: bie Einreihung ber anderthalb Millionen Arbeitslosen in den Produktionsprozeß. Erst wenn das gelungen sein wird, nicht durch eine doch stets unzureichende künstliche Arbeitsbeschaffung. sondern durch wirkliche Eingliederung in bie reguläre Produktion, wird man von einer tatsächlich erreichten Normalität der Wirtschaft und von einem tatsächlichen Funktionieren des Wirtschaftssystems sprechen dürfen. Bis dahin bleibt ein Krankheitsherd, über dessen furchtbaren Ernst diejenigen, bie davon nicht betroffen sind, sich durch Börsengewinne und Di- videnbensteigerungen nicht Hinwegtäuschen dürfen. England mit der Ungeheuerlichkeit seines sieben Monate hindurch fortgcführten Streiks von mehr als einer Million Bergarbeitern ist ein Warnungszeichen Hier brodelt unterirdisch ein Bullau. Unb wenn heute die Wirtschaftspolitik von Reich und Ländern die Riescnaufgabe. die hier gestellt ist. im wesentlichen noch als eine Refsortangclegenheit des Sozialministers ansieht: wenn gegenüber der auf Ausgleich der Spannung unb auf Zusammenarbeit von Arbeitgebern imb Arbeitnehmern bebachten klugen Mahnung Dr.
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3n Den „Leipziger Neuesten Nachrich ten* geht Paul Hermes den Sünden unserer inner politischen Krisis nach und meint: „Wir werden das Jahr 1926 einst daran messen, wie weit es uns aus der oben Praris der bloßen Foriwurstelns heraus- gebracht hat" — wurde hier vor Jahresfrist ange- kündigt. Nun, wir müssen leider bekennen, daß es uns innerpolitisch aus dieser Praxis nicht heraus, sondern nur immer tiefer hincingebracht bat. Fori- wursteln war dcr innerpolitischen Weisheit letzter Schluß für den Reichskanzler Marx geworden, über die er kurz vor Jahresschluß dann noch gestürzt ist. Das ganze Jahr hat unter den Folgen des Wirrwarrs gelitten, der dadurch angerichtet wurde, daß die Deu1sck)nationalen Ende 1925 aus der Rechtsmehrheit überraschend ausbrachen. Eine Mchrbeits- regierung, wie sic der parlamentarischen otnatsfonn allein entspricht, kam barauff)in überhaupt nichr mehr zustande. Die Sozialdemokraten wurden „ausschlaggebende" Pariei, ohne sich der Muhe des verantwortlichen Mitregiercns unterziehen zu brauchen. Dazu bleibt die „vereinigte" Sozialdemokratie an- ,fähig, weil in ihr die Häuptlinge der USP. kommandieren, denen die Massen
türkisblaue Hinterteil, und nur die gigantischen Scheren heben sich mit ihrem satten Rot vom Steingrund ab. auf bem sie gebettet sinb. Roch vor wenigen Wochen hatte der Hummer nur eine Riesenschere: jetzt ist die zweite wieder uachge- wachsen und verspricht bald ebenso groß zu fern
Im Becken nebenan hausen seit jüngster Zeit vier Langusten, die ihren verkümmerten, eilige» bogenen Hinterleib gerne in den Felsenspalten verstecken. Co sitzen sie wie Fabeltiere. Hirschen ähnlich, auf staksigen Gliedersühen, violett-rot, schwarz und weih gesprenkelt, am gepanzerten Kopfbruststück die Stacheln, und blicken aus hochgestielten Augen sich gegenseitig an. 'Wenn sic marschieren, legen sie die langen Fühlerpaare in herrlichen Kurven rückwärts, sträuben sie aber, sobald der Wärter auch ihnen Nahrung zuwirft und zanken sich um bie Beute. Der stärkste treibt die anderen am zerklüfteten Felsen hoch, den sie halb schwimmend, halb rückwärts gehend, ertlimmen. dieweil ber Sieger in aller Gemächlichkeit aussucht, was ihm am besten schmeckt.
In ihrem Becken, beffen Grunb feinster Sand bebedt. leben auch bie Schollen, von vielen Besuchern des Aquariums übersehen, weil sie in erstaunlichem Mimikri kaum vom Sand zu unterscheiden sind, wenn sie ruhend auf ihm liegen. Erst bei genauem Hinsehen erkennt man bas schwarz glänzende Auge und die orangeroten, kleinen Tupfen auf ihrer flachen Oberfläche. Schwimmen sie, so flattert Ihr Leib ebenso wie der des gefleckten Steinbutts unter horizontalen Flossenschlägen. Meist aber ruhen sie mit schwach atmenden Kiemen.
In stillen. Langen Kreisen schwimmt der Stör über sie hinweg. Seine gebogene Schnauze hat am vorgestreckten Unterliefet vier elfenbeinweißc Fühler — Bärtel genannt — die gleich entzückenden Hirschgeweihen abwärts ragen und richtunggebend zucken, sobald sie einen Gegenstand ertasten.
marlscheinc angefertigt, die beide in verschiedenen Städten au£gaben. In Kreuznach wurde C.. alter einen falschen Schein an den Mann bringen wollte, festgenommen, während R. in die Schweiz flüchtete, dort aber ebenfalls verhaftet wurde Beide Angeklagten sind geständig Das ertoeitertr Gericht verurteilte sie zu je drei Jahren Zuchthaus, fünf Jahren Ehrverlust und Stellung unter Polizeiaussicht.
Zuchthaus für einen Hehler.
WSR. Frankfurt a. M.. 5. Jan. In bei Berufungsinstanz würbe gestern unb heute gegen ben früheren Geschäftsführer des Mieterschuhver- bandcs Gustav Hammer verhandelt. Hammer war seinerzeit wegen Hehlerei zu sechs Monaten Gefängnis verurteilt worden, gegen welches Urteil sowohl ber Staatsanwall, tote Hammer Berufung eingelegt hatten. Zu der neuen Verhandlung waren 33 Zeugen und sechs Cacd- verständige geladen. Die neue Verhandlung gestaltete sich sehr ungünstig für den Angeklagten dem zahlreiche Hehlereien nachgewiesen wurden Das Urteil lautete wegen schwerer Hehlerei au! ein Iahr Zuchthaus. Wegen ber Hohe ber Strafe würbe Hammcr. gegen ben auch nocv ein Verfahren wegen Verleitung zum Meineid schwebt, sofort verhaftet.
Der böse Aga.
Don Friedrich Wallisch.
Ich will euch etwas aus der Tairtenzeic erzählen. 'Aber kein Märchen, sondern ein ®e= schichtchen, bas burefc unb durch wahr unb wahrhaftig tu.
Da herrschte einmal — es ist wohl hundert» fünszig Iahre her — über einen Landstrich in Serbien ein böser türkischer Aga. Alle, bie das Unglück hatten, ihm untertan zu sein, lieh er seine Macht so fühlen, baß jeder zu Gott flehte, ber Tob möge ben grausamen Herrn ereilen. Rur ein altes Wciblcin betete für seine Gesundheit unb sein langes Leben: währenb alle den Aga verfluchten unb sehnlichst ben Tag erwartetem an bem Goll ben Furchtbaren von ber Welt nehmen würde, sprach sie nie ein schlechtes Wort über ihn unb ließ nicht ab, zum Himmel zu flehen, bah ber Aga ein hohes Aller erreichen möge.
Der böse Türke wußte recht wohl, tote übel ihm bas Serbenvoll gesinnt war, und er erfuhr auch durch feine Spione von ber sonderbaren Akten, die für sein langes Leben betete.
Eines Tages bestieg er fern Roß unb ritt zwei Sage weit, bis er zu der Hütte bes Weibes kam. Der Schreck fuhr ihr nicht wenig in bie Glieder, als sic den geschmückten Reiter m einer Staubwolle bahersprengen sah. Unb als er bann gar vor ihrer Hütte die Zügel anzog unb Halt machte, da wußte fic sich vor Angl, kaum zu fassen. Sie erhob sich von ihrer kleinen Holz- bant auf ber sie vor der Tür mit ber Webspindel in der Hand gesessen hatte.
„Pomozi bog!" grüßte der Aga. „Weiht du. wer ich bin?" „
Ich glaube nicht, Euch je gesehen zu haben , gab die Alle zögernd zur Antwort. .Aber wer Alltel Ihr sein, wenn nicht der Aga? Ich kenne
ber bewährten Obhut Hindenburgs überlassend. IBte diesmal ihrem Vertrauensmann Marx, so hatten die frisch „vereinigten" Sozialdemokraten Ende 1922 ihren Vertrauensmann Wirth gestürzt — damals, «Die heute, um ihrer inneren Zerrissenheit und Halt- losigkeit nach außen Luft zu machen. Auf der anderen Seite, auf seilen der Rechten, hält man es gleichfalls für unerläßlich, mit der Staatsform un° _ „
xufriehen zu fein oder Unzufriedenheit mit der t6nne )nö$tc so gern Dcutschncllionale und
Staatssorm zu markieren. So kommt es, daß sich Sozialbemotraten in einem Kabinett vereinigen,
auch im Laufe des verflossenen Jahres der leidliche Hoehsch als Prophete rechts. Hilserding als Pro-
Deharrungszustand nicht einstellen wollte, ohne den v-)ete links, und er selbst unb Stresemann als
rin Regieren in wirklich varlamentarischcr Form in ^e Welt sinder in der Mitten, das würde so
Deutschland, bei der allgemeinen Parteizersplitte- ein Robinett nach feinem Herzenswunsch abgeben,
runa, nicht möglich ist. v ist immer erfreulich, wenn ein Minister sich
Was dem deutschen Parlamentarismus fehlt, sind | fcincn Optimismus und seinen Idealismus erhält. Schade nur, baß die Dinge sich doch auch härter im Raum stoßen als in den raumlosen Träumen des Ideals. Die Deutschnationalen würden sich vielleicht beteitfinben lassen, sich auf biese Weise in bie Regierung zu schlängln. Qtber bie Sozialdemokratie hat nach den Erfahrungen der letzten Iahre sicher keine Neigung, sich in ein solches Kabinett zu begeben und wieder einmal als Aushängeschild für die Außenpolitik zu fungieren, in ber sicheren Erwartung.
rin paar verläßliche Trager der Staatsgewalt neben dem Reichstag, eine Art von Senat vor allem neben der Kammer' des allgemeinen Wahlrechts. Heute steht alles aus ben zwei Augen des Reichspräsidenten, und dem fehll auch die verfassungsmäßige Be- uu fugnis, von sich aus ein Kabinett zu bilden und zu , stützen, wie sie der Präsident der Vereinigten Staaten hat. Obwohl diese Mängel auf der Hand liegen unb ’ nach Reformen schreien, dachte dcr Kanzler des Jahresansangs, Luther, nicht an dergleichen. Er be- u QU --------------------
onügte sich habet, In den alten ausgefallenen Weifen k^rt ^us bem Kabinett hinauskompLirnentieri einer Minderheitsregierung fortzuwurfteln, und als werden, wenn mit ihrer Hilfe die Rheinlandc er entgleist war, setzte sein 9lad)fotgcr das Geschäft sind und nunmehr wirtschaftspolitische
des Fortwurstelns mit der ihm eigenen Selbst- unö Qnt)erc innerpolirischc Probleme bie zusriedenhell fort. Kurz vor Weihnachten war auch Rcichsrcqierung beschäftigen. Der zweite er so weit, daß der Regicrunaskarrcn ummarr, und Raiididat Stegerwald ist als alter unb in dem Graben liegt er noch. Das Mißtrauensvotum, erprobter Arbeiterführer von solchem Uebcr»
- womit der hohe Reichstag vor fünf Wochen in bie schwang ber Ibeale frei. Er wirb, wenn es sein Ferien ging — das ist das Erfreuliche daran — mu& und wenn es geht, auch in eine Regierung 'chloß unausgesprochen ein unbegrenztes Ver- ßer Großen Koalition eintreten. Sympathischer ttaucnsootum für Hindenburg ein. freilich ist ihm wahrscheinlich, ein Kabinett Der
So schließt das Jahr innerpolitisch in jeder Be- ^Nitte zu bilden und sich durch lose Abmachungen ziehung unbefriedigend unb die Aussichten für bie &ie Sozialdemokratie zu verpflichten. Auch bei ihm Zukunft sind kläglich. In ber engen (9 ichastlhuberci 5^ ,u cinem gewissen Grade die Gefahr,
des Parteitteibens, mit feinem kleinlichen Kontur- ^ah fein Kabinett der Mitte nach einer gewissen renzneid und der ewigen Furcht, vom Nachbarn zur Karenzzeit den Anschluß nach rechts sucht. Aber Linken ober Rechten über- ober unterboten zu wer- für Stegerwald ist immerhin seine Zentrumsge- den, läßt es zu feiner gesunden Einstellung zum izundcnheit von maßgebender Bedeutung. Er wird Staate kommen, und ber Wille zur notwendigsten n^2t ohne die Partei die Regierungsbildung Reform verkümmert mehr und mehr. Nur die übernehmen und er wirb nicht, ohne baß das Bureaufratie umklammert den Staat und die oentrum ;n feiner Gesamtheit die Haltung wech- Staoten immer fester unb dichter, und bie txrage, fe{l oie Richtung feiner Kabinettspolitik ver- wic lange der staatliche Organismus das wohl noch Zubern So sehr auherbem Slegerwalb Politiker aushäll, ist schon nicht mehr unberechtigt. und durch seine große Gewandtheit zur boliti-
• schen Arbeit befähigt wäre, so ist er anöcrer-
Zum gleichen Thema sagt Georg Berichard scits doch viel zu sehr mit der Arbeiterbewegung fn ber „Dossischen Zeitung" Es ist ein verwachsen, um nicht an chr bauernd feine dn- herrliches Zeichen deutscher Slnbekümmeriheit, fünfte zu kontrollieren. Gewiß ist die Differenz Mft bei uns zu gewissen Zeiten die Welt- zwischen der sozialdemokratisch organisierten und
«eschichte auf Ferien geschickt wird. Es kann der christlich orientierten Arbeiterbewegung immer
passieren, was da will. In film, um Ulm unb noch viel zu groß, um an eine in absehbarer
um Ulm 'rum. So um ben 20. Dezember herum Zeit mögliche Derscomelzung glauben zu können.
- - - ■ ' ' ~ Doch gibt es gewisse innerpolitllcye fragen, in
denen die verschiedenen Flügel unb Gesinnungsrichtungen Der Arbeiterschaft in Dcutschlanb zu» lammenhalten. Gcrabe Diejenigen wirtschaftlichen Probleme. Die in ber nächsten Zeit zu lösen sinb, werben es Weber bem Zentrum noch auch Steger-


