Ausgabe 
6.1.1927
 
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Die Berliner Konlrollverhandlungen.

Die Krage des Aricgsgeräts.

Berlin, 6. Jan. (Wolff.) Nach einer Mittei­lung des Demokratischen ^jeitungsdienstes ist in Aussicht genommen, die in Berlin stattfindenden Deryandlungen mit der Interalliierten Militarkon- trollkommission über die noch strittige Frage des Kriegsgeräts Mitte Januar zu beenden. Sollte man jedoch nicht zu einer Einigung in Berlin kom- men, so werde der Schwerpunkt der weiteren Ver­handlungen wohl bei der B o t s ch a f te r k o n f e- renz in Paris liegen. Bei den Berliner Verhand­lungen kommen vier Streitpunkte in Frage:

Die Frage der S ch i f f s m a s ch i n e n, in der die deutsch« Regierung im Gegensatz zu den Alliier- ten die Auffassung vertritt, daß diese Maschinen kein Kriegsgerät darstellen.

Die zweite Frage ist die der Kriegsspezial- m a s ch i n'e n , wobei die Alliierten verlangen, daß nicht nur die Herstellung dieser Maschinen, sondern auch die Herstellung von H i l f s w e r k ze u g e n zur Herstellung dieser Maschinen verboten sein soll. Don der Regelung dieser Streitfrage hängt unter Umständen die Schließung von Spezial­fabriken ob, die mehrere tausend Arbeiter be­schäftigen. .. , . ,

Im Hinblick auf die Halbfabrikate fordert die Botschafterkonserenz schon dann ein Verbot, wenn diese Halbfabrikate vom Besteller zu m Kriegsgeröt ausersehen sind. Diese For- derung entspricht in keiner Weise den Bestimmungen des Versailler Diktats.

Beim vierten Streitpunkt über Einzelteile der Optik verlangt die Botschafterkonserenz, daß der deutschen Industrie die Herstellung von Einzel- teilen als Hilfskriegsgerät verboten sein soll. In dieser rein wirtschaftlichen Angelegen­heit dürfte die deutsche Regierung zu einer Rege­lung bereit sein, insofern als alle Sicherungen und Vorkehrungen getroffen werden sollen, die ein Ver­bleiben solcher Einzelteile in Deutschland unmöglich machen.

Die Derwattungsresorm in Preutzen.

Berlin, 5. Jan. (DDZ.) Der Landtags­ousschuß für die Derwaltungsrefor.n schloß am Mittwoch Ne Beratung über die neue Land- g e m e i n d e o r d n u n g ab. Die Bestimmuiigen über die Gutsbezirke, wonach diese grund­sätzlich ausgehoben und nur in wenigen Aus- nahmcsällen nod) bestehen bleiben sollen, tourte.; angenommen. Auf Borschlag der Deutschen Volkspartei wurde beschlossen, daß der Guts­besitzer in seiner Eigenschaft als Eigentümer obrigkeitliche Funktionen nicht auszuüben haben soll, daß er aber vom Kreisausschuß mit den bisher ousgeubten Funktionen betraut werden kann. -3ur Frage der Polizei fand Annahme die Bestimmung des Entwurfes, wonach künftig der Amtsausschuß den Amtsvorfteher zu wählen hat. Dieienigen Flecken, die nicht zu Städten er­klärt werden, können auf ihren Antrag einen kol­legialen Gemeindevorstand erhalten. Zu einer eingehender Erörterung führte die Bestimmung des Entwurfes, wonach die auf Lebenszeit ongestellten Bürgermeister und Amts- manner im Rheinland und Westfalen ihren An­spruch aus lebenslängliche Anstellung verlieren und ^Neuwahlen stattsinden sollen. Bon der Regierung wurde dieser Regelung aus finanziel­len und fachlichen Gründen widersprochen, dabei aber zugleich erklärt, daß auf Grund der neuesten Entscheidung des Reichsgerichtes die Regierung ihre bi. hörigen versassungsrechtlichen Bedenle; zurüclstelle. Der Ausschuß entschied sich jedoch mit den Sti amen des Zentrums, der Sozialdemo­kraten. der Kommunisten und der Wirtschaftlid'en Bereinigung für die Regierungsvorlage. Eine zweite Lesung der Borlage soll mit Beschleuni­gung erfolgen.

Das Gesetz über Titel und Orden.

Berlin, 5. Jan. (WB.) Wie das Wolsf- büro aus parlamentarischen Kreisen erfährt, ist das Gesetz übet Titel und Orden, das in einem Derli.er Blatte angekündigt wurde, bereits vom Reichskabinett verabschiedet worden. Das Gesetz wird alsbald dem Reichsrat zugehen und dann zur parlamentarischen Bera­tung gelangen. Es behält die Regelung des Ti el- und Ordenswesens der Zuständigkeit des Reiches vor. Wie in parlamentarischen Kreisen vermutet, bedeutet diese Einschränkung jedoch lei eswegs, daß das Reich die Verleihung von Ti eln und Orden ausschließlich für sich in Anspruch nimmt. B.elmehr dürste es audj den Wünschen und Bedürfnissen der Länder nach Möglichkeit entgegenkommen.

Die Regierungskrists in Sachsen.

Dresden. 6. Jan. (TU.) Heber die Be­setzung der einzelnen Ministerien der kommenden Regierung in Sachsen verlautet, daß der bis­herige Ministerpräsident Dr. Heidt (Altsozialist) wieder die Präsidentschaft und zu­gleich auch das Finanzministerium übernehmen werde. Das Innenministerium soll einem Demokraten, und zwar dem bisherigen Reichs­innenminister Dr. Külz übertragen werden. Das Wirtschaftsmini st erium soll mit einem Mitglied der Wirtschaftspartei in Betracht kommt der Landtagsabgeordnete Kaiser be­seht werden. Ob, wie verlautet, auch das Wohl- fahrlsministerium mit dem W-rlschaftsrninisterium verbunden wird, steht noch dahin. Kultusminister Dr Kaiser und Justizminister Bänger durs­ten ihre Ministerien behalten. Die endgül­tige Entscheidung über die Besetzung der einzelnen Minister,en wird jedoch von den heutigen inter­fraktionellen Besprechungen abhängen.

EineliberaleVereinigung in Bayern.

M u n ch e n. 5. Jan. (WB.l Die neu gegrün­dete Liberale Bereinigung in Bayern hatte nach Müncbcn zu einer Kundgebung eingeladen. Der Einladung waren zahlreiche ehemalige Minister und Parlamentarier aus dem Reich und den Ländern gefolgt. Zu dem Frühstück im Hotel Wagner, das der Beranstoltung vorausging hat­ten sich u. a. eingefunden: Die früheren Reichs­und «Siaateminiftcr H a in m. Fischbeck Dr b. 'Siebter, Kopsch D r Müller-Mei n in gen, frühere Landtags- und Reichstage abgeordnete, ferner ehemalige und je.-'qe füh rende Persönlichkeiten der D'utfchen Bolkspar i und der Deutschen Demokratischen Partei De,

Vorsitzende, Oberstudiendirektor Geheimrat Dr. Hammerschmidt dankte namentlich den nord­deutschen Gästen für die tatkräftige Unterstützung der in Bayern neu ins Leben gerufenen Bewe­gung. Die Ziele seien im Sorben wie im Süden gleich. Es soll im Reich wieder ein kräs ti­ger, lebensfähiger Liberalismus ent­stehen Die Parteigegensätze im Liberalismus müßten aufhören und wiederum ein kräftiges liberales Bürgertum fein Gewicht in die Wagschale werfen. Dr. Dirr und Dr. Weber- Berlin streiften auch die jetzigen Schwierigkeit^; bei der Regierungsbildung im Reich. Diese Schwierigkeiten wären nicht so groß, wenn ein starkes Gebilde in der Mitte stünde, um das man weder rechts noch links herumgehen könnte. Die große historische Auf­gabe des Liberalismus sei, dem Selbstbestim­mungsrecht des einzelnen und der Ration wieder die Bahn zu ebnen.

Nicaragua.

Neue amerikanische Truppenlandungen.

Rach Washingtoner Meldungen haben die amerikanischen Marinetruppen den Befehl erhal­ten, die Hauptstadt Ricaraguas, Managua, zu besehen. Der englische und italienische Ge­schäftsträger in Ricaragua hätten gegenüber dem amerikanifchen Geschäftsträger erklärt, daß das Eigentum ihrer Staatsbürger in Ricaragua ge­fährdet und daher ausländischer Schuh erforder­lich sei. 160 amerikanische Marine- soldaten, die heute morgen gelandet worden sind, befinden sich auf dem Wege nach Ma­nagua, wo sie den Schuh der amerikanifchen Gesandtschaft übernehmen sollen. Wie weiter be­richtet wird, hebt General Diaz alle in- und ausländischen Landarbeiter für feine Regierungs­truppen aus. Die ausländischen Plantagenbesiher haben gegen diese Maßnahme schärfsten Protest erhoben, da durch die Arbeiteraurhebungen d i e Einbringung der Kaffee-Ernte be­droht ist. Wie dieAssociated Preß" meldet, hat das Staatsdepartement in Washington Diaz die Erlaubnis erteilt, aus den Bereinigten Slaa- ten 1000 Gewehre und 160 Maschinengewehre so­wie einige Millionen Patronen zu beziehen.

Starke Verstimmung in Südamerika.

Reuhork, 5. Jan. (TLl.) In sudamerikani­schen diplomatischen Kreisen Washingtons wird die Erklärung des Weißen Hauses über das weitere Verbleiben der amerikanischen Truppen in Ricaragua auf das schärfste kritisiert. Aud) aus Südamerika werden zahlreiche Presse­stimmen gemeldet, in denen dernordaineri- konische Imperialismus" scharf ab­gelehnt wird. Die amtliche. Erklärung wird durch eine Verlautbarung ergänzt, wonach die Vereinigten Staaten ihre Politik gegenüber Me­xiko beibehalten würden. Von der Oeffentlich- keit wird mit Spannung erwartet, ob und was die amerikanische Regierung nach dem Inkraft­treten der mexikanischen Oelgesehe gegenüber Mexiko unternehmen will.

Das mexikanische Kabinett hat un­ter Vorsitz des Präsidenten Calles beschlossen, daß der mexikanische Oberste Gerichtshof die Entscheidung über die Durchführung des Oel- gesehes gegenüber den ausländischen Oelinter- essen fälle. Damit tritt die zentralamerikanische Krise in ein neues entscheidendes Stadium, denn es wird sich nun zeigen, ob Mexiko gewillt ist, gemäß dem Oelgesey auch tatsächlich englische und amerikanische Konzessionen zu beschlag­nahmen.

Englands Bündnispolitik.

Chamberlain und der italienisch-albanische

Vertrag.

London, 5. Jan. (WB.) In unterrichteten britischen Kreisen wird erklärt, daß die von Pariser und Reuhorker Blättern aufgestellte Behauptung, die britische Regierurtg habe den Pakt von Tirana schon vorher gebilligt in dem Bestreben, der Gefährdung des bestehen­den Mächtegleichgewichts in Europa durch die sich anbahnende Freundschaft zwischen Franlreid) und Deutschland mit einem Annähe­rungsversuch an Italien entgegenzutre­ten, durd) die 'Tatsache widerlegt wird, daß seit dem Waffenstillstand die britische Politik ständig daraus hinarbeitete, den Wiederaufbau Europas zu fördern und das alte System des Mächtegleichgewichtes in Europa zu beseitigen. Es wird zugegeben, daß die albanische Frage bei der Zusammenkunft zwischen Mussolini und Chamberlain in Livorno von Mussolini auf­geworfen wurde. Die Erörterungen waren jedoch nur allgemeiner Art. Das Foreign Office habe die ersten Informationen über den Abschluß des italienisch-albanischen Vertrages am 1. Dezember erhalten. Chamberlain habe tatsächlich die Be­dingungen dieses Paktes erst in Genf bei der Dezembertagung des Völkerbundsrates erfahren. Wenn die Beziehungen zwischen Großbritannien und Italien auch herzlich seien, so sei doch von irgendeinem Bündnis zwischen den beiden Staaten keineRede.

Völkerbund und Baltikum.

Danzig, 5. Jan. (TU.) Aus Revat wird berichtet, daß die Konserenz der drei baltischen Außenminister die Bildung eines skan­dinavisch-baltischen Blocks geprüft habe, der bei den Wahlen zum Völkerbunds- r a f eine bestimmte Rolle spielen werde. Die Bindungen der baltischen Staaten zum Völker­bund spiegeln sich in den Beschluß der Konferenz wieder, daß ein Vertrag der baltischen Staaten mit Rußland, sollte er zustandekommen, auf keinen Fall gegen die Bestimmungen des Völker» bundes verstoßen darf. Die an der Konferenz beteiligten Staaten sind mit dem Ergebnis zu­frieden. Dagegen verlautet aus Moskau, daß die Sowjetregierung sehr ungehalten über die Revaler Bescylnsse ist.

Fnszismus und Beamtentum.

R o in, 5. Jan. (WTB.) Da die Vollmachten der Regierung bezüglich der >og. Säuberung des Dcarnlenstandes von regierungs­feindlichen Elementen mit der Jahres­wende erloschen ist, bestimmte der Ministerrat, daß t'it Rechtslage der Beamten insofern abgeändert mir, a!s sämtliche Beamte, die sid) im Gegensatz I den Absichten her Regierung befinden, z u jeder > 3 e i t entlassen werden können. Diese Bestim- 1 nnnn soll auch für Mc Gemrindebemnten Pronin

Aialbeamten usw. gelten, mögen sie sich nun im Amte oder außerhalb des Amtes in Gegensatz zur Regierung gestellt haben.

Kunst und Wissenschaft.

Auszeichnung eines deutschen Journalisten.

Der bayerische Ministerrat hat beschlossen, den langjährigen Münchener Vertreter der ,Köl­nischen Zeitung". Dr. Phil. Hugo Zöller, der in früheren Jahren an dem Erwerb und der Ersterforschung der deutschen Kolonien in Afrika und der Südfee hervorragend beteiligt war, den P r o f e s s o r t i t e l zu verleihen. Es ist dies die erste Auszeichnung dieser Art, die von baye­rischer Seite einem Journalisten zuteil wird.

Eine Frankfurter Sunda-Expedilion.

In diesen Tagen reist eine Expedition unter Führung von Dr. B. R e n s ch - Berlin nach den kleinen Sunda-Jnseln ab. Die Expedition ist ermöglicht worden durch reiche Spenden zweier Frankfurter Bürger und der Rotgemeinschaft der Deutschen Wissensd)aft. Cs ist der Besuch zahlreicher wenig oder gar nicht erforschter Inseln in dem zoogeographisch wichtigen Grenzgebiet zwischen der indischen und australischen Tierwelt geplant.

Aus aller Welt.

Schwere Grippeepidemien in Frankreich, der Schweiz und Spanien.

Die (Srippeertranfungen in der IDeft- und Zenral- fchreeiz nehmen bedenklich zu. Trotz des verhältnis­mäßig leichten Charakters der Epidemie sind zahl­reiche Todesfälle zu verzeichnen. 3n den Kantonen Bafel. Freiburg und Genf haben viele Schulen infolge der Zunahme der Erkrankungen unter den Schülern den Unterricht einftei- l e n müssen. 3m Kanton Gens sind bisher 28 000 Grippeerkrankungen gemeldet worden. 3m Genser Kantonspital liegen allein 690 Grippekranke. Die Epidemie hat von der Schwei; auch aus Baden übergegrissen. insbesondere aus das Wiesen­tal und auf den Breisgau. Die Fabriken Im Wiesen­tal und Badisch-Rheinfelden haben Infolge der Grippeerkrankungen unter der Arbeiterschaft Be- triebeeiuschrankungen vornehmen müssen.

Die In Südfrankreich grassierende Grippe for­derte in Montpellier von den dort an der Grippe erkrankten Personen innerhalb dreier Tage 103 Tote. 3n Lyon sind gestern 69 Todesfälle zu verzeichnen gewesen und in Marseille 61. Auch in ganz Spanien reifet eine fje.tige Grippe. 3n Barcelona sind über 100 000 Personen er­krankt. Täglich sterben Dutzende von Kranken. 3n Madrid reutet die Grippe ebenso heftig roie im 3ahre 1918.

Drei Kinder beim Schlittenfahren ertrunken.

Zwei Mädchen im Alter von 7 und 10 Jah­ren aus Kaisheim bei Donauwörth ver­gnügten sich mit Schl.Neujahren auf dem zuge­frorenen Dorfteich. Plöhilch brach die Eisdecke und beide ertranien. Ihr zwölfjähriger Bruder, der ihnen zu Hilfe kommen wollte, brach eben­falls ein und ertrank.

Zwei Kinder erstickt.

In der Scheune eines Landwirtes in Merken (Rheinland) wurden zwei Knaben in einem Spreuhaufen erstickt vorgefunden. Die bei­den Kinder müssen wohl beim Spiel in den Haufen gesprungen fein, in den sie s o tief einfanfen, daß sie sich nicht mehr befreien konnten und ersticken mußten.

Bei lebendigem Leibe verbrannt.

Mittwoch nachnsi.tag sahen Bewohner eines Hauses in Kaulsdorf bei Berlin aus der Wohnung des Kellners Hell.rig Rauch dringen. Die alarmierte Feuer ehr sand die 52 Jahre alte Ehefrau Heil igs in halb verkohltem Zustande auf. Sie war mit der brennenden Pe­troleumlampe zu Fall gekommen und hatte hierbei den Tod ge unden.

Ein neuer Fall Mngerfteln?

Die Berliner vibcuOoiati.r te a)äftigen sich mit einem seit zwei Jahren unaufgeklärten Kri- minalfall a^s dem rheinisch-westfalischen Indu­striegebiet. Der Bergmann Broda, der sich seit zwei Jahren unter dem Verdachte, seine Frau und seine fünf Kinder ermordet zu haben, in Llntersuchungshaft befand, mußte vor einigen Tagen wieder auf freien Fuß gesetzt werden, da man ihm eine Schuld nicht nachweisen konnte. Die Kriminalpolizei ist nadj wie vor fest davon überzeugt, daß es sich um ein furchtbares raffiniert ausgedachtes Verbrechen handelt. Der Bergmann lief bei feiner Rückkehr nach Recklinghausen Gefahr, von den aufgeregten Rachbarn gelyncht zu werden und mußte sich unter Polizeischuh begeb n.

wieder ein Chauffeur ermordet.

In der Rähe von K a 11 o w i tz wurde ein Kraftwagenführer ermordet aufgefunden. Das Auto lag umgestürzt im Chausseegraben. Die Leiche des Chauffeurs wies eine tödliche Schußwunde am Kopfe auf. Wahrschein­lich haben die Täter, die man inSchrnuggler- kreis en vermutet, den Wagen in den Graben gestürzt, um einen Unfall vorzutäuschen. Cs ist anzunehmen, daß die Schmuggler einen unbe­quemen Mitwisser beseitigt haben.

Panik in einer Schafherde.

In Reuengcsele, Kreis Soest, drang ein frem­der Hund in der Rächt in eine Schafherde und zerriß mehrere Schafe. Unter den Tieren entstand eine Panik, wobei insgesamt 104 Tiere getötet wurden.

5turmfdjäben im Kaukasus.

Ungeheure Stürme und Zyklone haben im Kaukasus und im Gebiet des Schwarzen Meeres furchtbare Verwüstungen angerichtet. In Baku und in Tiflis hat man bisher vier Tote und 60 Verwundete festgestellt. Ueber 20 Personen werden vermißt. Ein Personenzug wurde durch die Gewalt des Sturmes aus dem Gleis ge­schleudert 140 Bohrtürme sind im. Bakuer PetrolKimgebiet um gestürzt.

Diainanlenschmuggel in Reuyork.

Am Sonntagabend wurden in Reuyork Dia­manten, deren Wert auf 25 000 Pfund Sterling' geschäht wird, beschlagnahmt. Die Diamanten waren in den Strümpfen eines See­mannes verborgen, der am Sonntagvormittag mit einem aus Antwerpen kommenden Dampfer hier etngeltoffen war Wie von Zollbeamten erklärt wird, vesteht guter Grund zu der An­nahme. daß man es mit einem gutorganifierten S ch m u g g l e r r i n g zu tun habe, dessen Zen- | trale in Europa liege und der Juwelen durch > Seeleute, hie sich aii( aus belgischen Hafen aus-

laufenden Schiffen befinden, in Amerika elnzv- schmuggeln versuchen.

Explosionsunglück auf einem französischen Schulschiff.

Bei einer Explo.ion auf dem französischen Schulschiff .Richelieu" in der CurtiS-Bcch wurden drei Kadetten getötet und meh­rere verletzt.

Jamilienftagöblc.

In Deutsch-Liebau bei Mähr',sch-Schönberg erwürgte der Weber Kunschner nachts fein« Frau, einen 15jährigen Sohn, erschoß einen 17jährigen Sohn und erhängte sich. Während er schon im Todeskampfe in der Schlinge hing, hatte er noch die Kraft, einen Revolver zu ergreifen und sich eine Kugel in den Kopf zu jagen. In einem hinterlassenen Abschiedsbrief erklärt er seine Tat durch Krankheit.

Auf einem Scheiterhaufen lebendig verbrannt.

Polnische Bauern haben in einem Dorf bei Czenstochau einen Dieb, der auf frischer Tat ertappt wurde, auf einem Scheiterhaufen leben­dig verbrannt.

Elf Stunden zwischen den Schienen.

NachDaily Chronicle" fiel auf der Great Eastern-Linie ein Mann aus einem Wagen eines Nachtzuyes und lag 11 Stunden bewußtlos zwischen den Schienen. Während dieser Zeit fuhren mehr als 70 Personen- und Güterzuge über ihn hinweg, ohne ihn zu verletzen.

Sport in Odessa.

- In Odessa sand vor kurzem ein großes Fuß- ballmatch statt, bei dem die Moskauer Fußball­spieler den Kampf mit den Spielern von Odessa ausgenommen hatten. 3m Eifer des Wettkampfes versetzte ein Odessaspielcr seinem Moskauer Geg­ner einen Schlag mit dem Fuß inS Gesicht, so daß der Moskauer Sportsmann blutüberströmt zu Boden sank. Seine Mitspieler nahmen Partei für ihn, und in kurzer Zeit entbrannte ein Faust- lampf, zu dem sich das Publikum gesellte, das sich gleichfalls in zwei Parteien gespalten hatte. Der Zustrom der Mitkämpfer wurde immer größer, so daß in einer Viertelstunde auf dem Matchplatz eine regelrechte Schlacht tobte. Die Gegner kämpften in geschlossenen Reihen gegen­einander. Die Polizei war machtlos, und die wüste Schlägerei konnte nur mit Hilfe eines eilig be­stellten Truppenaufgebots zu Ende gebracht werden.

Wie man neue Haustiereerfindet.

Der Schafzüchter träumt wohl von dem Besitz eines Merinomutterschases, von dem er Wolle in bester Qualität und . großer Fülle erzielen kann und daß ihn in regelmäßigen Abständen mit gesunden Zwillingen versorgt. Dieser Traum ist von der Wirklichkeit gar nicht mehr so well enternt, wie man wohl annehmen möchte. Der Jahresbericht des englischen Forschungs nstitutS für Tierzucht entfjüILt einige erstaunliche Tat­sachen über die Art, auf die man heutzutage nützliche Haustiere geradezuetfinbet. Die neue­sten Experimente zeigen, oaß es möglich ist, eine ganz bestimmte Sorte von Wolle bei einzelnen Schafen zu erzielen, und ebenso hat man wichtige Entdeckungen gemadjt, um ein .Jdealschwein" zu erzielen, das die schmackhaftesten Schinken und die beste Fleischmenge gibt. Man kann sogar Ziegen aufztehen, die keine Hörner mehr haben und deren Milchertrag dem der Kühe nicht nadj- steht. Die Ziegenmilch dürfte infolgedessen mit der Kuhmilch in Wettbewerb treten und auf ihren Preis Einfluß gewinnen. Der größte Teil der modernen Forschungsinethoden bei der Aufzucht der Tiere beruht auf den Mendelschen Ber­erbungsgesehen. und ihnen verdankt man es auch, wenn es geglückt ist, einen äußerst ertragre.chen, krankheitssreien Weizen zu erzielen und die (St- erzeugung der Hühner beträchtlich zu steigern. Die Bedeutung dieser Forschungen ist allgemein aner­kannt, und dem Institut wurden in letzter Zeit große Stiftungen gemadjt, darunter eine Summe von 600 020 Mark durch das Rockeseller-Jnstitut.

Die Krone der Großen Katharina.

Obgleich die Sowjet-Regierung erst kürzlich eine Ausstellung der Zaren-Juw-len txranftal* tete, von denen sie behauptet, daß sie noch voll» ständig in ihrem Besitz seien, wissen doch eng­lische Blätter davon zu erzählen, daß namhafte Kostbarkeiten des russischen Kronschatzes in der letzten Zeit auf dem Londoner Juwelenmarlt von Hatton-garden verkauft worden sind. Käufer aus allen Teilen der Welt erstanden Juwelen, die einst von den Beherrschern aller Reußen getragen wurden. Der Mann, der viele der russischen Kronjuwelen auf den Markt gebracht hat, ist einer der bedeutendsten Sachverständigen von Hatton-garden, R. Weiß, der im Herbst in Rußland weilte und dort die Sammlung be­sichtigte, die die Sowjet-Regierung zu Verkaufs- Zwecken von Petersburg nach Moskau gebracht hatte. Er hat Käufe für fast 2 Millionen Mari abgeschlossen. Unter den Juwelen, die er mit- brachte, befand sich die Krone der Kaiserin Katharina der Großen, sodann der Ring Peter, des Großen und ein juwelenbesehtes Zarenschwert. Ich habe mehr als 89 verschiedene Stücke aus dem Kronschah erworben", erklärte Weiß Dm Berichterstattern.Alle sind wieder verkauft wor­den. Das kostbarste der Schmuckstücke, die Kro« der Katharina, bleibt in England und ist von einem Privatmann ettoorben. Die Amerikaner machten große Anstrengungen, die Krone für Du Vereinigten Staaten zu erwerben, wo sie in dm Besitz einer amerikanischen Millionärin übergehen sollte, aber sie ist in England geblieben. Manche der Schmucksachen, die ich gekauft und verkaufi habe, werden wohl zerbrochen und Die Jureelm einzeln verwendet werden, aber die Mehrzail bleibt unversehrt." Es befinden sich noch Dielt Tausende von Schmuckstücken in der russischen Ju­welensammlung des Staates, und Weiß hofft im neuen Jahr weitere Käufe vorzunehmen. Ein illustrierter Katalog der Juwelen, der in eng­lischer Sprache gedruckt ist, wird von dem Sowjet Kommissar der Finanzen vorbereitet.

Wettervoraussage.

Bedeckt, auch zeitweise wolkig, etwas mild« stellenweise Riederschläge.

Gestrige Tagestempcraturen: Maximum 2 Minimum 1 Grad Celsius. Heutige Morges temperatur minus 0,2 Grad Celsius.

Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskosl

Dom 6. Januar, morgens 8 stlhr:

Windrichtung: Rord-West. Windstärle schwach. Temperatur: minus 4 Grad Celsius Höchsttemperatur der letzten 2- Stunden: minus 1 Grad Celsius. Gesamlschneehihe: 50 Zentimeter Höhe des in den letzten 24 ©iunb.n gefallenen ReuschnecS: 30 Zentimeter. Beschaffenheit Schneedecke: etwas verweht Sportmöglichftit febr gut

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