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Var Tsderurteil gegen Saeco und vanzetti

75. Stift

zu

veröffentlichen, in der sie

den

sämtliche Tatsachen erschöpfend darlegen werde und ihren aufrichtigen Willen, sich um die Ver­wirklichung des Ideals der Welt- abrüstung nach Kräften zu bemühen, zweifels­frei nachweisen werde. Ein Vertreter der Ma­rinebehörden gab der Meinung Ausdruck, daß die Frage der unter dem Gesichtspunkt der natio­nalen Verteidigung notwendigen Forde­rungen unter den Ursachen für den Abbruch der Konferenz eine wesentliche Rolle spiele. Weiter­hin vertrat er die Ansicht, das; vor Einberufung der Konferenz die Lage nicht hinreichend geprüft und analysiert worden sei. Die interessierten Regierungen hätten wissen müssen, wie tiefgehend und unüberbrückbar der Gegensatz sei zwischen dem amerikanischen Prinzip, das für große Kreuzer, und dem eng­lischen Prinzip, das für zahlreiche kleine Kreuzer eintrete.

Die Nachfolge des Oberpräsidenten Hörsing.

Berlin, 4. August. (Wolff.) Amtlich: Das preußische Staatsministerium hat in seiner Donnerstagsitzung beschlossen, den Minister des Innern zu ermächtigen, den Universitätsprofessor Geh. Regierungsrat a. D. Dr. Phil. W aentig in Halle, die kommunale Verwaltung der Stelle des Oberpräsidenten der Provinz Sachsen zu übertragen. Gleichzeitig wurde der Minister ermächtigt, daß gemäß Artikel 86 der preußischen Verfassung erforderliche Einver­nehmen des Provinzialausschusses Provinz Sachsen nut der endgültigen Ernennung Professors Waentigs herberzuführen. Der neue Oberpräsident wurde 1870 tn Zwickau (Sachsen) geboren, habilitierte sich 1895 in Marburg, wurde 1899 ordentlicher Professor der Volkswirtschaft in Greifswald, kam 1902 nach Münster und 1904 nach Halle. Von 1909 bis 1914 war er als Professor in Tokio tätig, 1914 bis 1918 beim General­

gouvernement in Brüssel. Rach dem Kriege wurde er als sozialdemokratischer ^Abgeordneter in preußischen Landtag gewählt.

Der (Einbruch in London.

London 4. Aug. (TU.) Der Abbruch der Genfer Seeabrüstungskonferenz hat hier einen starken Eindruck hervorgerusen. Ministerpräsident Baldwin ist von der Regierung sofort von dem ergebnislosen Ausgang der Konferenz unterrichtet worden. Bis zum Augenblick hat Baldwin eine öffentliche Erklärung über seine Auffassung zu dem Zusammenbruch der Konferenz rwch nicht abgefaßt, doch kann kein Zweifel dar­über bestehen, daß die Regierung die vom ersten Lord der Admiralität Bridgeman in seiner Erklärung in Genf zum Ausdruck gebrachte Hoff­nung in vollem Umfange teilt, daß der Zu­sammenbruch keine ungünstigen politi­schen Rückwirkungen haben möchte. Die Londoner Spätabendblätter veröffentlichen die ersten Meldungen über den Abbruch der Konfe­renz in sensationeller Aufmachung. Die Berichte werden mit Ueberschriften versehen wieDie letzten Szenen hinter ben Kulissen",Amerika lehnt zwei weitere britische Angebote ab" und Einstellung des Flottenbaues von Amerika ab­gelehnt". In London rechnet man damit, daß die britische Delegation noch heute abend oder spätestens morgen vormittag Genf verläßt.

Die Auffassung in Japan.

Tokio, 4. Aug. (Reuter.) Zum Abbruch der Marinekonferenz in Genf äußerte der Premier­

minister Tanaka, die Regierung beabsichtige eine Erklärung zu

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Im April 1920 wurde in einem Staate der Twrdamerikanischen Union ein Raubmord ausgeführt. Einige Wochen später verhaftete die Polizei die beiden Italiener S a c c o und Vanzetti. da nach Angaben von Augenzeugen die 2Äter ihrem Aussehen nach Italiener gewesen sein sollen. Ein Jahr später wurden die beiden zum Tode verurteilt, das Ur- teU wurde jedoch in den folgenden sechs Jahren aus unbekannten Gründen nicht vollstreckt. Während dieser Zeit haben sich Sozialisten und Kommunisten aller Länder auf das eifrigste be­müht, eine Begnadigung der beiden Ita­liener zu erreichen, da sich herausgestellt hatte, daß die beiden in den Vereinigten Staaten zu­gunsten kommunistischer Ziele tätig gewesen waren. Hier liegt wohl auch die Ursache für das Todesurteil selbst, mit dem man nur die sozialistische und kommunistische Be­wegung treffen wollte. Die eingereichten Gna­dengesuche der Verurteilten sind fetzt vom Gouverneur abgelehnt worden, voraussicht­lich werden Sacco und Vanzetti am 10. August ihr Leben lassen müssen.

Es ist nicht unsere Sache, für diese Ita­liener einzutreten, da hierfür die römische Re­gierung zuständig ist, die es allerdings, da sie selbst antisozialistisch und antikommunistisch ein­gestellt ist, bisher vermieden hat, sich um di« des Raubmordes Beschuldigten zu kümmern. Eigenartig berührt es aber doch, daß in den Vereinigten Staaten zwei Menschen hingerichtet werden können, obwohl ihnen vor Gericht die Mordtat nicht klar und eindeutig nach­gewiesen wurde. Für die amerikanischen Rich- ter spricht das gerade nicht, zumal sie sich noch bei ihrer Urtcilsfällung durch die politische Ein­stellung der beiden angeblichen Verbrecher haben beeinflussen lassen.

Die Entscheidung Fullers. Der Gouverneur lehnt ein Eingreifen zu Gunsten der Verurteilten ab.

B o st o n , 4. Aug. (Wolff.) Die Entscheidung des Gouverneurs Fuller, die kurz vor Mitteniacht durch den Sekretär des Gouverneurs bekanntaegeben wurde, schließt mit den Worten:Meine Prüfung des Falles Sacco-Vanzetti bietet mir keine ge­nügende Rechtfertigung zu einer In­tervention gegen den Strafvollzug. Ich glaube mit dem Gerichtshof, daß diese Männer Sacco und Vanzetti schuldig sind, und daß ihnen die volle Freiheit, sich zu verteidigen, gewährt wor­den ist. Ich glaube weiter, daß kein Rechtsgrund be-

Dis Fälschungen derMenschheit".

Eine Erklärung des Ne'rchswchrministeriums.

Berlin, 4. August. (Wolff.) Amtlich. Die in Wiesbaden erscheinende ZeitungDie Menschheit" hat am 29. Juni über angeb­liche Besprechungen, die zwischen Ange­hörigen des Reichswehrmiiristeriurns, insbesondere dem Rittmeister Freiherrn v. Freyberg- Allmendingen unb verabschiedeten Offizieren unter Führung des Majors aD. v. Stephani im Flugverbandshaus in Berlin statt gefunden haben sollen, Mitteilungen veröffentlicht, die sich auf keinerlei Beleg stützen und sich nach Form und Inhalt ohne weiteres als f r e r e Er­findung kennzerchnen.

Da indes die französische Presse, und zwar zum Teil in sensationeller Aufmachung, diese Veröffentlichung derMenschheit" nicht nur ab­gedruckt, sondern aum Anlaß der seit- samsten politischen Betrachtungen genommen hat. erscheint es angezeigt, auf Grund der an den beteiligten Amtsstellen cingezogenen Erkundigungen festzustellen, daß der Rittmeister (jetzt Major) Freiherr v. Freyberg-Allmendingen an einer derartigen Zusammenkunft niemals teilgenommen uni) sich auch an anderer Stelle über die angeführten Themen nicht geäußert hat, und daß ihm der Major a. D. v. Stephani überhaupt nicht bekannt ist. Diese Feststellung genügt, um den sogenannten Derhandlungsbericht" derMenschheit" als das zu kennzeichnen, was er ist, nämlich eine glatte Fälschung.

Cs erübrigt sich deshalb, auf die Einzelheiten dieses Berichtes einzugehen. Es sei lediglich daran erinnert, daß in ölebereinstimmung mit den der Botschafterkonferenz bekannten deutschen Be­stimmungen keinerlei Beziehungen zwi­schen Reichswehr und Stahlhelm oder ähnlichen Verbänden bestehen. Auch wird an zu­ständiger Stelle mit aller Entschiedenheit betont, daß die Behauptungen derMenschheit" über Pläne oder Vorbereitungen des Reichswehrmini­steriums völlig aus der Luft gegriffen sind.

Wicklung, die derartige Flvttenrüstun- g e n r e ch t f e r t i g e n. wie sie England fordere. Eine der größten Flotten der Wett, die deutsche Flotte, bestände nicht mehr. Keine der großen eeführenden Mächte wünsche eine Bedrohung des .aglischen Weltreiches. Außer den auf der Kon- itrenj vertretenen Mächten wären überhaupt nur iünf Staaten im Besitz von modernen Kreuzern, die jedoch nicht mehr als 70 000 Tonnen um« ।affen. Die amerikanische Delegation schließe sich ten Erklärungen des englischen Staatssekretärs des Auswärtigen, Chamberlain, daß zwi­schen England und den Vereinigten Staaten ein Krieg unmöglich sei, voll' unb ganz an. Die Regierung der Vereinigten Staaten hätte auch bisher keineswegs versucht, die amerikanische Flotte der Entwicklung der englischen Flotte an- zupassen. Gibsvn drückte dann sein Bedauern über das Scheitern der Konferenz und weiterhin die Hoffnung aus, daß eine Verständigung zwi­schen den drei Seemächten doch erreicht werden möchte. Die gegenwärtige Unterbrechung der Abrü stungsverHandlungen bedeute keines­wegs, daß es auch für die Zukunft unmöglich sei, eine Liebereinstimmung über die Methoden der Flottenabrüstung herbeizuführen. Rach Ver­lesung der Erklärungen der drei Delegations­führer legte Präsident Gibson

eine gemeinsame Erklärung

vor, die von den Delegationen angenommen und DOm Präsidenten zum offiziellen Beschluß der Konferenz erklärt wurde. In dieser Erklärung wird darauf hingewiesen, daß in einer Reihe von wichtigen Fragen insbesondere über die Beschrän­kung der Zerstörer und der Unterseeboote auf der Konferenz eine Verständigung erzielt worden sei. Die Differenzen über die Beschränkung der Kreuzer hätten sich jedoch als so schwerwie­gend hcrausgestellt, daß eine Vertagung der See- abrüstungskonserenz notwendig geworden fei. Nach­dem bann in großen Zügen die Gegensätze zwischen den drei Delegationen in der Kreuzerfrage gekenn­zeichnet werden, heißt es weiter, daß diese Schwie­rigkeiten eine neue Prüfung dieses Problems durch die einzelnen Regierungen erforderlich mach­ten, um in Zukunft auf der Basis neuer

müsse natürlich zunächst dahingestellt bleiben, bis vom Kabinett eine grundsätzliche Entscheidung in dieser Angelegenheit getroffen worden sei. Die Not­wendigkeit und die Wahrscheinlichkeit eines solchen Schrittes wird jedoch in politischen Kreisen schon jetzt in steigendem Maße anerkannt.

Der Raub der deutschen Kabel.

Eigener Drahtbericht desGießener Anzeigers".

Berlin, 5. Aug. Wir haben uns im Friedens« vertrag von Versailles verpflichten müssen, unsere vierzehn Kabel, die uns schon während des Krieges zum Teil durchgeschnitten, zum Teil auch weggenommen worden waren, an die alliier­ten Mächte abzutreten. Diese,sind denn auch daran gegangen, die Kabel untereinander aufzu« teilen. Doch war es nicht möglich, einen zufrieden« stellenden Verteilungsschlüssel zu finden. Die V e r« einigten Staaten und Italien schnitten so schlecht ab, daß sie jetzt eine Neuverteilung beantragen wollen. An sich interessiert uns dieser Streit nicht allzusehr. Aber die Mächte, die In den Besitz unserer Kabel gekommen sind, haben nur wenig getan, um deren Wert zu erhalten. Heute ist fast jedes Kabel beschädigt und nicht mehr voll verwendbar. Es besteht die Gefahr, daß in kurzer Zeit die Kabel überhaupt nicht mehr gebrauchsfähig sein werden. Wir mür­ben uns nicht wundern, wenn es so kommt, haben doch die Siegerstaaten auch schon bei anderer Ge­legenheit gezeigt, daß sie nicht fähig sind, die uns abgenommenen Werte zu erhalten und zu mehren. Von den Kriegsgewinnen dieser Art ist ihnen bereits viel durch eigene Schuld wieder verlorengegangen, eines Tages wird überhaupt nichts mehr übrig ge­blieben fein.

Vorschläge eine Lösung herbeiführen zu können. Die drei Delegationen seien ferner übereingekommen, ihren Negierungen vorzuschlagen, die zum August 1931 einzuberufende neue Konferenz der Sig­natarstaaten des Washingtoner Abkommens einem früheren Zeitpunkt abzuhalten.

Strefemann Mieder in Berlin.

Bertin, 5. Aug. (WTB. Funkspruch.) Reichs- auhenminister Dr. Strefemann ist am Donners­tag wieder in Berlin e i n g e t r o f f e n. Die Kabinettssitzung, die anläßlich der vollzäh­ligen Anwesenheit der Reichsminister in Berlin zur Verfassungsfeier vorgesehen ist, wird voraussichtlich am 10. August stattsinden.

3nfo(ge der Zuspitzung der außenpoli­tisch e n. L a g e, die sich vor allem in der ausfallen­den Verschärfung des Pressefeldzuges zeigt, der so­wohl von Paris als auch von London aus, vor allem in der Entwaffnungs- und Kontrollfrage, gegen uns geführt wird, gewinnt die Kabinettssitzung erhöhte Bedeutung. Wie derLokalanz." erfährt, wird es sich nun wahrscheinlich nicht mehr um eine allge­meine Aussprache über die Außenpolitik und eine Vorbereitung der Genfer Septembertagung handeln, sondern angesichts der Erfahr-ungen der letzten Tage und Wochen liege es durchaus im Bereich der Mög­lichkeit, daß das Kabinett Erwägungen über eine neue, irgendwie geartete außenpolitische Aktion anstelle. Diese würde das Ziel verfolgen müssen, die Zusammenhänge und die Tragweite der Pariser und Londoner Vorstöße zu klären, um einem weiteren Fortschreiten dieser langsameren Entwick- lung vorzubeugen. Ob man sich dafür entscheiden wird, eine diplomatische Demarche durch unsere Bot- schaster vornehmen zu lassen, oder ob eine Fühlung­nahme der Außemninister der Locarnomächte zum Zwecke erneuter Vorstellungen in Frage komme,

stand, um ihnen ein neues Verfahren zu bewilligen." Der Sommersitz des Gouverneurs Fuller in Rye Beach bei New Hampshire und das Krankenhaus, wo der Sohn Fullers lic- *. der sich einer Blind- barmoperation hat unterziehen müssen, werden durch Polizeiwachen geschützt. In Rapid City, dem Sommerfitz des Präsidenten C o o l i d g c, erwartet man nicht, daß der Präsident sich in die Angelegenheit Sacco-Vanzetti einmischen wird, da der Präsident immer die Ansicht vertreten hat, daß der Prozeß eine Angelegenheit der Gerichte von Massachusetts ist.

Sacco und Vanzetti sollen einen letzten Versuch gemacht haben, an den Obersten Gerichtshof zu appellieren. Es fei jedoch wenig wahrscheinlich, daß diesem Gesuch stattgegeben werde.

Pariser Kundgebungen.

Paris, 5. Aug./WTB. Funkspruch.) Gestern sand im Cirque d'Hiver in Paris eine von den Kom­munisten veranstaltete Kundgebung zugunsten der nationalen und internationalen Gewerkschafts­vereinigung statt, in deren Verlauf ein amerikani­scher Vertreter einen Brief von Sacco und Vanzetti verlas. Es wurde zugunsten einer Begnadigung ein­stimmig eine Entschließung angenommen, in der be­stimmt wird, daß sämtliche Gewerkschaften sich bereit halten sollen, am 8. August einen 24 ftünoigen Streik durchzuführen, wenn das Todesurteil nicht zurückgenommen wird. Während der Versammlung kam es lautPetit Journal" zu einem Zwischenfall. Die Polizei wollte einen Artilleriefeldwe­bel, der die Versammlung besuchen wollte, daran hindern, was ihr aber nicht gelang. Ein darauf der Sicherheitspolizei erteilter Befehl, alle an- wesenden Militärpersonen z u oerhaf- te n, hatte kein (Ergebnis. Es kam dann noch zu einem Zusammenstoß zwischen Polizei und Teilneh­mern der Versammlung. (Eine Anzahl von Teilneh­mern wurde verwundet und von ihren Kameraden fortgeschafft.

Der linksstehendeSoir", der eine große Propa­ganda zugunsten von Sacco und Vanzetti entfaltet hatte, gibt Steuerungen verschiedener Persönlichkei­ten wieder, so die des Unterrichtsministers H e r r i o t. Herriot erklärte:Ich bin in meinem tiefsten Innern gegen diese Strafe und ich bedaure, mich nicht äußern zu dürfen, denn ich bin Mitglied der Regierung und meine Worte könnten die ganze Re­gierung festlegen. Was meine Person anbetrifft, so hat sich meine Ansicht über diesen Fall nicht geän­dert. Sacco und Vanzetti müssen begnadigt werden. Sie haben diese Maßnahme der Milde ver­dient.

Berlin, 4. Aug. (Wolff.) Zu dem von der Menschheit" kolportierten Bericht über eine an­geblicheGeheimsitzung" im Flugverbandshaus in Berlin teilt die Reichspressestelle ^Stahl­helms" mit, daß dem im Bericht erwähnten Landesverbandsführer Major o. D. v. Stephani der Vorgang gänzlich unbekannt ist. (Eine Erklärung Kelloggs.

Washington, 5. Aug. (WTB. Funk- spruch.) ©taatäfefretär Kellogg gab zum Fehl­schlagen der Konferenz eine Mitteilung heraus, in der es heißt:Ich bedauere natürlich, daß es der Genfer Konferenz nicht gelang, eine Einigung über die Seeabrüstung zu erzielen. Sie wurde vom Präsidenten vorgeschlagen in der Hoffnung, eine beträchtliche Vermin­derung der Bauprvgramme herbeizu­führen und der Welt ein moralisches Bei- s P iel zu geben. Es stellte sich jedoch als un­möglich heraus, die Seerüstungen zu ver­ringern oder auf einen nach unserer Ansicht angemessenen Umfang zu beschränken Ich glaube nicht, daß die Vereinigten Staaten einer Auf­rüstung mit allen sich daraus ergebenden Fol­gerungen ihre moralische Billigung geben können. Rach dem Abschluß des Washingtoner Abkommens zerstörten wir die größte Linien­schiffsflotte der Welt. Wir hatten Anlaß, anzu­nehmen. daß Großbritannien sich zu einer wirk­lichen Verminderung seiner Seerüstung entschlie­ßen würde. Japan war sogar bereit, noch unter unsere Höchstziffer zu gehen. Ich glaube nicht, daß die Erörterungen in Gens zwecklos waren und bin sicher, daß das Mißlingen einer Eini­gung die freundlichen Beziehungen zwischen der brittschen Regierung und den Vereinigten Staa­ten nicht trüben wird, und daß in naher Zu­kunft ein Abkommen über die Beschränkung der Höchst-Kriegsschiffe möglich sein wird.

gesetzlichen Ordnung überzeugt, ein Raturschutz^ gesetz wird dem Landtag demnächst zugehen. Professor Dr. Fr eher-Leipzig machte bet! Versuch, den konkreten Bestrebungen des Ratur- schutzes eine wissenschaftlich vertiefte Grundlage zu geben. Sein VorttagWachs­tum und Werk" knüpfte an Ideen Platos an, der zwischen dem Land und dem ihm entsprossenen Volk tiefe metaphysische Beziehungen sieht. Wenn auch Wachstum und Werk, oder anders ausge­drückt. Ratur und Kultur einen Gegensatz bilden, so bleibt doch zwischen ihnen stets eine Ver­knüpfung bestehen. Probleme eines preußi­schen Raturschuhgesetzes behandelte Ministerial­rat Dr. Schnitzler- Berlin: Das Gesetz wird vornehmlich auf die Erhaltmrg der wichtigsten Zeugen unser Vergangenheit gerichtet sein müs­sen, also auf denS ch u tz v onR at u r denkma- len, von seltenen oder gefährdeten Tier- und Pflanzenarten. Da der Raturschuh widerstreitende Interessen der Landwirtschaft, der G^werbefrei- heit, des Bergbaues, des Verkehrs, der freien Be- tägigung des Eigentums und sonstiger Berechti­gungen usw. auslöst, sind Vorbehalte nötig, die einen Ausgleich der Interessen ermöglichen. Er­ziehung des Volkes und insbesondere der Ju­gend müssen allmählich dazu führen, daß die Opfer, die im Interesse des Raturschutzes notig sind, freiwillig gebracht werden.

Im weiteren Verlaus der Unterhandlungen sprach Pros. Dr. Adolf Thiele- Dresden vom Standpunkt des Sozialhygienikers über die Be­ziehungen zwischen Hygiene und Ratur­schuh. Die Krankheit unserer Zett sei die Un- r a st, die Leib und Seele zermürbe. Als wert­vollstes Heilmittel sei schon langst die Ratur selbst erkannt worden, darum versuche man auch, durch naturgemäße Lebensweise, durch Bade­reisen. Wochenendfahrten und Wanderungen der unverfälschten Ratur nahezukommen. Die Ratur­schutzbewegung solle diese Bestrebungen vor al­lem hinsichtlich der Jugendbewegung unterstützen. Heber Landesplanung und Ratur­schutz sprach Ministerialrat Fischer- Berlin. Es gilt, dem Menschen ein gesundes Wohnen zu ermöglichen, eine Auflockerung der Städte und Industriegebiete zu er­reichen und das Siedlungswesen in geordnete Bahnen zu bringen. Bei der Gestaltung der Flächenaufteilungspläne, wie es das Städtebau­gesetz berücksichtige. seien die Bedürfnisse der Raturdenkmal- und Heimatpflege zu berücksich­tigen. Dazu bedürfe es eines besonderen Ra- turschutzges ehes. Raturschuh sollte in erster Linie Sache der Länder bleiben, bei. denen es am besten aufgehoben ist. Der Geschäftsführer des deutschen Bundes Heimatschutz. Dr. Lindner, Berlin, verbreitete sich über Stadt und Raturschutz. Eine Rundfrage bei 40 deutschen Großstädten habe ergeben, daß die Erkenntnis der notwendigen Unterhaltung von Park und Grünanlage er­freulicherweise allgemein ist. Die Begründung von Reusiedlungen sei möglichst so zu gestatten, daß sich aus chnen zukünftig wieder Raturdenk- mäler entwickeln können. Folgende Leitsätze stellte der Redner auf:

1. Der Raturschuh muß einen organischen Ausbau der gesetzgeberischen Bestimmungen auch bezüglich der Städte anstreben.

2. Eine Idealliste aller Lösungsmöglichkeiten wird am besten durch enges Zusammenarbeiten zwischen Raturschuhbewegung und Bund Heimat­schutz gefunden werden.

3. Auch die kleinen Städte und ländlichen Gemeinden müssen mehr als bisher zu den von den Großstädten bereits er­kannten Verpflichtungen herangezogen werden. Zum Schluß sprach der Provinzialkommissar für brandenburgische Raturdenkmalspflege, Dr. Klose-Berlin, über die sozialpädagogische Be­deutung des Rattttschuhes. Vertiefung des Ra- turgefichls durch pflegliche Behandlung der Hei­matnatur, Ehrfurcht vor dem Gewordenen und Werdenden führten zu persönlicher Teilnahme am Rctturschuh. Der Raturschutzgedanke müsse in den Kreisen der schulentlassenen Jugend, der Wanderbewegung und besonders in den Kreisen gewerkschaftlich organisierter Arbeiterschaft ver­tieft und erweitert werden. Abends fand ein interessanter Lichtbildervortrag des Kommissars für Raturdenkmalspflege im Regierungsbezirk Kassel, Dr. Schäfer, über die Raturdenk­mäler des Hessenlandes statt. An Hand von außerordentlich reichhalttgem Material gab Schäfer den Gästen einen vorzüglichen Einblick in die mannigfachen Schönheiten des Hessenlandes. So zeigte und erklärte er die Basaltgruppe des Dörnberges, den Reinhardswald, den Bil­stein, den Hohen Meißner, die grotesken Do­lomitfelsen des Werratales, ferner Aufnahmen aus der Schwalm, dem Knüll, dem Hanichtswald und aus dem Kreise Rotenburg.

Der Dessauer Dauerflug.

Dessau, 5. August. (W. T. B. Funkspruch.) Heute früh 5 Uhr warfen die Iunkersftteger fol­gende Meldung ab:Um 4,15 Uhr noch 180 Liter Brennstoff. Werden zwischen 10.30 und 11 Uhr landen müssen." Vorausgesetzt, daß kein Zwi­schenfall eintritt, wird um 9 Uhr vormittags der amerikanische Welt-Zeittekord von 51 Stunden geschlagen werden.

Raubmordoerfuch in Lichtenberg.

Donnerstag abend läutete ein junges Ehepaar an der Flurtür des Frijeurladens Bräunig in Neu­lichtenberg bei Berlin und verlangte von der Ehe- frau des Friseurs noch einige Waren. Plötzlich er- hielt die Frau, die sich allein im Laden befand, einen S ch lag mit einem Totschläger und gleich­zeitig würgte sie der Mann mit einem Handtuch. Die beiden raubten die Ladenkasse aus und durch­wühlten den Laden. Als der Sohn des Friseurs nach Haufe kam, entwichen die Räuber und entkamen. Die Frau konnte durch einen herbeigerufenen Arzt vom Erfttckungstode gerettet werden.

THinionenfpritbefrug im besetzten Gebiet.

DieVoss. Ztg." meldet, daß eine Wein- brenn er ei in der Pfalz vom November 1926 bis zum Juli 1927 eine halbe Million Liter M o» nopolsprit, das sind zwei Millionen Liter Destillate widerrechtlich in Verkehr ge­bracht hat. Die Firma, die 1925 in Zahlungsschwie­rigkeiten geriet, und sich unter Geschäftsaussicht be­geben mußte, wurde vom französischen Kaufmann George erworben. Der ungeheure Gewinn des Schwindelunternehmens ist daraus ersichtlich, daß der Gestehungspreis für das Liter etwa xroei Mark der Verkaufspreis aber etwa acht Mark betrug. Die Inhaber der beteiligten Firmen haben ein umfang­reiches Geständnis abgelegt. (Eine große Menge Waren, die sie hergestellt hatten, wurde bei Groß­abnehmern beschlagnahmt.

Aus aller Welt.

Zweiter Deutscher Raturschuhtag.

Der zweite Deutsche Raturschutztag tn der Kas­seler Stadthalle wurde mit einem Begrüßungs­abend eröffnet. In der Ansprache des Vorsitzen­den. Staatsrat von Reuter-München kam beson­ders die Rotwendigkeit eines gesetzlichen Schuhes der Raturschuhbestrebungen und einer Vertiefung der Erkenntnis von den Aufgaben des Raturschuhes in weiten Kreisen der Bevöl­kerung zum Ausdruck. Staatssekretär Dr. L a m - mers sah in der Lrebe zur deutschen Heimat, wie sie der Raturschuh betont, seelische Kräfte schlum­mern, die Im höchsten Maße berufen sind, dem deutschen Volke in seiner seelischen Rot zu helfen. Die preußische Staatsregierung, die die kultu­relle Bedeutung des Raturschutzes durchaus be­jaht, sei deshalb von der Rotwendigkeit einer

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