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Nr. 259 Zweiter Blatt

Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für GberlMn)

Zreitag, 4. November (922

Wie England den Krieg vorbereiieie.

Oas Tagebuch des britischen Helbmaefchalls Vilfon

Bor fur^em brachten wir au» dem soeben :n England ed<tK«nenen Xagcbutib M brtfidkn Genera lstab»chef». Zeld- IDillen, m ihrer Offenheit fl<- rab«»u «r chütternde Aeuherungen bH Modchalls über da» Zustandekommen de» BedaUlrr Vertrage». Dir Deutsch« Taa«»z«itung' tB In der Lage, au» dem Inhal, brt Tagebuch«« Einzelheiten zu veröffentlichen. die zeigen, wie sorgfältig die britischen Militär» zum Kriege gegen Deutschland rüsteten und dabei non vorn- bereit engste Zusammenarbeit mit der französisch-vekgtschen Armee im Auge hatten.

Vor kurzem tH in England ein Wed er- 'chienen. aijjB dem rxnr Versdni ich teil spricht. t>i«i in den entscheidenden Jahren vor dem Weltkriege an leitender Stelle un englischen Heere geftan- den hat und tür sich selbst da» Derdrenst in An- lpruch nimmt, für die Teilnahme England» am Weltkrieg« verantwortlicher zu lein al» jeder andere Tiana Diese» Wed ist da» Tagebuch de» englischen Aeldmadchall» Wilson

Da» Tagebuch zeigt un» in Wilson einen Mann der von dem Augenblick, da er zu lei­tender Stellung im englischen Heere berufen, seine L«ben»arbett aus den Krieg gegen Deutsch­land eingestellt hat. der. um hier mU den Wor­ten de» Marschall» Fvch in dem von dielen ver- safilen Vvrwor, zu reden. ..beherdchl gewesen ist von dem Ideal, dah England und Frankreich zusammen den deutschen Ehrgeiz bekämpfen müh­ten". Der sstr un» und die Erforschung der Krisgs'chuldttage interessante Teil de» Tage­buches beginnt dementsprechend mit der Ernen­nung Willon» zum Leiter der englischen Raeg»- akahemie in Eamberlay 190C WU'vn ist lest davon überzeugt dass da» britische Weltreich bei einem sestldnd.'chen Zerlege an der Satte Frank­reich» flehen müsse, ja bterzu verpslichrrt sei. Au» diesem Grunde bdufrt er mit seinen Schü­lern de» öfteren die Schlachtfelder de» beulr<b- sranzb'ifchen Kriege» bereist er allein, teilweise zn Aad. die franzölllch-belgische und die delgisch- oeulsche Grenze Wenn andere vom .trieben reden, spricht er vvm Krieg nicht von irgend­einem unMf.mmten Krieg«, sondern vom Wett­kampf mit der deutschen Aation Don den Hü­geln von Gambfdat) aus lieh, er un Geiste b:c Üker der Maa« und die blutgetränkte Ebene von Flandern und im Jahre 1909 tut er dann, um mit den Worten de» Herausgeber» der Auf­zeichnungen zu sprechen, den für sein Land ent­scheidenden Schritt Er tritt in eno* persönliche Fühlungnahme mit dem franzd'itch.n General­stab und mit Marschall Fvch. dem damaligen Leiter der französisch en Kriegsakademie. ..Drei Stunden war ich heute mit Fvch in der Kriegs­schule zusammen " so schreibt er um die Jahres­wende 1909 in sein Tagebuch. ..und wir erörter­ten eingehend unser gemeinsame» Vorgehen In Belgien Fvch wird im Mat nach öonbon kom­men Er hat mich für den Sommer zu einer Ge­nera lstabs reise ringelnden. die ich bestimmt mit­machen werde." Wilson und Fvch werden da­mit die Mittelmänner für den Verkehr de» eng­lischen und französischen Generolstabes Al» Fvch im Mai 1910 nach London kommt, wird er von Wilson beim englischen Generalstab al» der Mann eingesubrt. ..der di« verbündeten Armeen füh­ren wurde, wenn der graste Krieg kommen

sollte"

Doch intensiver wird die Tätigkeit Wilson», al» er im Jahre 1910 zum Lhef der Operations­abteilung im englischen Generalftab ernannt wird. Rachdem er im Sommer an der erwähnten Ge­neralstabs reise unter Foch in Frankreich teil- genommen Hal. ist er im Oktober erneut wieder in Vari», um mit Foch da» Zusammenarbeiten der beiderseitigen Heere im Krieg»falle festzu- legen Die alten Pläne werden hierbei wieder hervvrgeholt. die Gn Jahre 1906 bereit» zwi­schen dem englischen. französischen und belgischen Generalstab vereinbart worden sind. Sie werden neu durchgearbeitet und zu dielen Arbeiten wirb auch der französische Oberst Huguet huuugezo- gen. der bereit» im Jahre 1906 gelegentlich der ersten Vereinbarungen rnitaearbettet hatte Die Bereitstellung de» englischen Erpedttionskvrp» wirb mit grosttem Eifer betrieben, seine Feder­

führung nach dem Festland« durch Vereinbarun­gen mit den Eisenbahn- und Marinebehörden bi» tn alle Enz« Leiten sicher gestellt Am vierten Tage nach erioig'er Mvb.lmachung loll die In­fanterie von lech» Divisionen, am siebenten Tage die Kavallerie und am neunten Tage die Ar­tillerie verladebereit sein. Vor allen Dingen aber benutzt Willon im Sommer 1911 die Aga- dirkdse. um. nachdem er sich iwrber eingehend mit dem französischen Kriegsminister Tlrfhmn dessen Stabschef General IhibatI und den lei­tenden Dedönlichketten de» französischen General­stabes besprochen hat. nunmehr bir englische Re- gierung für eine sofortige Teilnahme England» an der Seite Frankre.ch» in einem eventuellen deutsch-französischen Krieg« zu gewinnen Am 23 August hält er vor dem gesamten AuSlchuh für die Aech-verteidlgung einen sieben stündigen Vortrag, indem er an der Hand eine» umfang­reichen Karrenmaterial» den mit Fvch verabrede­ten Krieg»plan gegen Deutschland auSernander- 'etzt. Glei-bzeittg damit aber hat er auch Zu- 'ainmenkünftc nut Haldane. Shurch.U Sir E. Jrotoc und vor allen Dingen Sir Edward Grey, über die llch im September die folgenden nachttäglichen Eintragungen in seinem Tagebuch befinden

..Ich hatte eine lange Unterredung mit Grev. bet auf seiner Avis« nach Balmoral durch London kam. Ich erklärte ihn, eindringlich den Wert eine» befreundeten Belgiens und Ile absolute Totwend »gleit, bah wir am gleichen Tage mit Frankreich mobilisierten und alle «!>» verfügbaren Divisionen gleichzeitig bin- überlchicken. Ich glaube, er stimmte alledem zu. Er war durchaus für den Krieg jetzt. Ich fragte ihn weiter, ob er un» jetzt die allge­meine Wehrpflicht g«ben wolle. Er sagte, er sei durchaus für eine solche, dürfe da» aber nicht sagen, bi» der Krieg ausgeb roch en sei, worauf ich .hm antwortete, bann sei es zu spät."

Die Zeit nach der Agadirkrise sieht Willon in immer engerer Zusammenarbeit mit den maß­gebenden militärischen Stellen in Frankreich. Wil­son hat in Pari» eingehende Besprechungen mit dem neuen franz-' .ia>en General st adschei Ge­neral Joffre und dessen Stabschef General de Eastelnau. Er reist im Anschluß hieran nach Brüssel, besucht Dinant und die französisch- bdflMx Grenz«. Verdun loul und St. Vlchiel und legt, al» «r hierbei an dem französischen Denkmal auf dem Schlachtfeld von Mare la Tour vvrbeckotnmt. zu Füsten desselben einen Streifen der Landlarre nieder, auf der er die Aufmarschgebiet» der eng loschen Truppen in Frankreich einaezeichnet bat. Im Jahre 1912 verhandelt Willon durch Vermittlung Fvch« und Gaftdnau» zum ersten Male mit dem russischen Getievalstabschef General Shilinski in Peterz- durg. nachdem «r vorher erneut wieder tn Pari» gewesen ist, die Gegend von Lüttich und Mal- medh bereist und mit einer russischen Mission zusammen an den französischen Manövern an der Votte tcilgenomnwn Hai Diesen Reisen folgen im Jahre 1913 weitere in die Gegend von Me- ziötes. nach Trier, btt Eifel und Aachen und im Herbst« fchllestlich eine Reise nach Sübost- «inxxxi. die ihn über da» Eiserne Tor und Ru- rnänien bi» noch Konstanttiiopel führt, nachdem er vorher im Stab« de» General French, be* in Aussicht getwrnmenen Führer» de» englischen EffpeditionSkorp» den französischen Manövern in der Gegend von Thälons »nd in Französisch. Lothringen bei gewohnt hat.

Inzwischen sind die Vorbereitungen für die «Verführung de» ErpedttionSkvrp» in. tote Willon hervvrheot tiefgeheimer Arbeit, an de­nen auf englischer Seite nut ein halbes Dutzend englischer Generalstabsoftiziere beteiligt toatm. otDf+t fortgeschritten, hast nachdem im Mai 1914 der Ministerprällbent Asquich fich mit einer gleichzeitigen Entsendung von fünf Divllirmen nach dem Festlande im Falle eine» .Kriege» ein- verstanden erklärt hatte, im Juni ebne englisch- französische Genera lstabsrei l e in der Gegend von Tmien» stattfinden kann auf der die ouSgear- beittttn Kriegspläne bi» in» einzelne auspro­biert werden. In den Tagen vor dem Au»druch de» Weltkriege» aber wartet Willon lehnfüch- tigst vergeblich auf deutsche Kriegsrnastnahmen.

Aus allen Ländern kommen Tachmchten übet Mvb.lmachungsnahnahmen. au» Rust land. Ser- bien und Oesterreich .aber kein Anzeichen einer beul'chen Mobilmachung", so schreibt er cm 27. Jul» mit einem deutlich edennbatvn Be­dauern um am folgenden Tage aus die Er- ILirunfl der drohenden Kriegsgefahr m England mit einer gcwillen Wehmut hinzuzufugen. .Warum, da fich in Deutschland nicht» rührt." Dabei ist er aber nicht untätig. Mit bechern Bemühen .st er bestrebt, alle Hindernisse au» dem Wege ku räumen, die sich dem Ausbruch de» Krieges entgegenstellten Er wird der eigentliche Schöpfer einer starken Kr.egSpartti in England, der iteibende Geist jener Mannten Kundgebung der englischen Äonknxitipen an die damallge liberale Regierung A'guith. die diese im Falle der Kriegs«rllärung der vollen Untedtüounfl eiten» der Konservativen versicherte und damit die letzten Bedenlen gegen eine Teilnahine am Krieg« ;m englischen Kabinett beseitigt«

Sv zieht fich durch da» ganze Tagebuch des Fetdmat7chall» Willon feit dem Jahr? 1906 immer nur der Gedanke Äne^ gegen Deutsch­land Doch da» ist n.cht das wichngsl.- an ihm Themanb w rd einem Militär wie W.l on einen Vorwurf daraus machen, bat) er bei seinen Dienstobliegenheiten mit der Möglichkeit eines deutsch-englischen Konflikt» rechnete und das englische Acer hierfür schlagfertig mochte Wich- jeslfie.lung 1X1"' e» in England in den entscheidenden Tagen 1914 an leitender mi­litärischer Etclle eine Prrivnlichkrit gab. die. während Deutschland alle» tat, uin den Krieg ;u vermeiden, m.r aller Kraft unmittelbar aul ihn hinarbeitete und mit Sehnsucht die ersten Rachrichten über deutsche Kriegsvorbereitungen

erwartete. Weiterhin ist wichtig aber auch die nunmehr aus dem Mund« eben dieser P-rsbn» lichten edolaie Bestätigung, da st England be­reit* lang« Jahre vor dem Kriege, ehe Deutsch­land überhaupt noch au einen solchen dachte, den Krieg gegen Deutschland gwu planmästig vv rier-.it«: hat. dast fern Generalstad uno zwar wa» besonders wichtig ist Im E nverstand- nis mit bet politischen Zerrung England» be­reit» 'eit dem Jahre 1906 in enger Tkrmabueo ni.t den General staben Frankreich» und Belgien»

1910 an unter der Leitung TT /.'m» zu einem Zufammenarbe ten ausge'ialtet hat wie es in einer Milltärkonvention nicht enger sein kann. Frankreich wusttr un Jahre 1914 dast e» auf England rechnen konnte und derner i'prechend war auch seine Haltung, al« d e vu"ifche Ge- neralmobilmachui g den Krieg zwllchen Aust- lanb und Deut'ch.and uttvermeid'.>ar :r»achte

Da» Tagebuch d«s Selbmadd>all» Liilfon zeigt so die Schuld die e Volltisch und mitt« tän'chc L.ittfg Englands seit d - .1 Jahre 1906 und besonder^ auch in den enl ^'.benderi Ta­gen 1914 auf fich geladen haben Dafür -»eugen auch zahlreiche von Wilson angeführt- Aeuv^- rungen n'.oHgx.>ender briti'cher fliaatlmämwr. Wir erhalten ferner von neuem bestv.t zi bch von einer w rUichen Neutralität Belgiens im Jahre 1914 nicht in chr d.e RedeHn konnte, nachdem der Aufmar'ar de» frangklfifchen -Vers» und sein Zulammenw rken mit dem engti'chen Erpeditionslorp» bereit» seil Jahren vor dem Kriege im engsten Einvernehmen mit Belgien selbst auf der Derlenung der belgischen Äcu- ttalität und der Beteiligung Belgiens am Kriege aut feiten der Ententenchchtc angelegt war R.

Die mazedonische Tragödie.

Don unterem W. E. li.-Berichterstatter

(Rachdruck, auch mit Quellenangabe, verbot en.) Sofia. Oktober 1927.

AI» in Gewgeli mazedonische Bomben platz­ten. al» in Saloniki ein furchtbarer mazedonilchei Attentatsplan auf die jugoslawischen Einrich­tungen- Konsulat, Hasenzom. Messeslänbe ent- deckt wurde, ba raunlan sich die Unterrichteten zu »Es ist nur der Anfan g.' Ungläubige. Varlrauensselige fanden sich genug, die den Kops dazu schüttelten. Sie wurden eine» Besseren be­lehn. al» vor wenigen Tagen in Schttp der s«ri.ilche Brigadclommandeur General Kowatsche- witsch mazedonischen Kugeln zum Opfer siel und bi« Spannung auf dem Balkan aus» höchste flieg. Und das Raunen geht weiter' der Atten­tate werden noch viele folgen. Die geheimnis­volle Macht der mazedonischen revolutionären Organtsation. da» stärkste Siaatswetei auf der Balkanhalbinsel, regt sich wieder, und jede chrer Regungen bedeutet Blut.

Einen Sommer lang herrschte Ruhe. Diese Ruhe m Maz.donien war Anlab. dah sich eine deutlich« Annäherung zwischen JugosstTwien und Bulgarien vollziehen konnte. Die Sofioter imb bi« Belgrader Blätter ergriffen jede Gelegenheit, um das Schlagwon .Der Balkan den Balkanvölkern" abzu­wandeln Al» gar zur Zeit de» Albanienkon- flitte» der neuemaniu« jugoslawische Gesandte in Sofia. Liuba R e s ch i t s ch, ein erklärter An­hänger der fftbflatoifdyen Verbrüderung, mit einer von Herzlichkeit überfttömenden Red« dem Zaren Boris sein Beglaubigurigsschreiben überreichte, da schien e» einen Augetwlick. al» ob nun nicht» mehr die serbisch-bulgarische Annähe­rung stören könnte. In jenen Tagen war e». da mir der ANnister Reschitsch voller Freud? mitteilte, dah in kurzer Zett die Verhandlungen über den Abschlust eine) Hanbelsverttage» be­ginnen würden, al» erstes äußere» Zeichen der wieberhergestelllen Freundschaft.

Alles war schön: das Tagesgespräch bildete die Möglichkeit einer weitgehenden jugaflawisch-dulgari- schen 2<erstandigiing Rur hatte man die Maze­donier vergessen. Diese waren damals stille, aber nicht müstige Beobachter Der militärisch« Führer des Komttees. der General P r 0 t 0 g e r 0 f f, der nach dem geheimnisvollen Meuchelmord an dem reinsten und edelsten Führer der jüngeren, ma.ze- dänischen (Bentrahog, Todor vlexandroff, wohl die ftärffte Persönlichkeit der mazedonischen Bewe- gung ist, wnlte damals oft in Bari und in Tirana

und legte in 'llert ragen mit den Italie­nern die Grundlage zu der Unterstützung, die heute Mazedonien durch gewisse Grotzinnchtr geniest», denen an einer Bedrutn,na Jugoslawien» gelegen >st. Itastenisch« Wallen unb Munition fanden den Arg nach Mazedonien und italienische und mazedonische CfiiMfrf arbeiteten zusammen ui Tirana i^ine still« Tätigkeit, über die eine verkaltnismatzigk Unbeweg. Ii,'eit de» Homitfee mit Erfolg hinwegiaulchte Bi» jetzt, innerhalb weniger Tage, vier »ttentat« den Baltan in Ausregung versetzten unb darüber hinaus auch da» »ibrige Europa aufhorchen liehen.

Der oustere Vnstost zu der jüngsten Attentak»- serie war b>e B e r h a j l u n g einer '.Reiht mazedo­nischer otubenlen, die dasStaateDtrbredicir begangen hauen, auf jugoslawischem Boden bul­garische Bücher und Zeitungen zu lesen. Dasur wur­den sie In den Gefängnissen ihrer tteimat mit un- menschlicher Grausamkeit behandelt, teilweife zu Tobe gemartert. Da» mazedomfche Komitee hat den fremden Pressevettretern in Sofia und an anderen Planen eine Denkschrifl übergeben, die diese Missetaten einer willtürlichen Administration dar­stellt ?ln der Wahrheit her Darstellung ist kein Zweifel möglich, wenn man die balkanischen P.'Ii ',ei- Methoden kennt, die an wehrlofen cha ft linken in An­wendung kommen ?h- Kitt ir .

lichen Folter werden heutt noch, im 20 Jahrhun­dert, in Schtip, Ue»kup und anderen Ortin Süd- sertzien», an Leuten au»geübt, deren einzige Schuld darin besteht, von bulgarischen Eltern g.bore 1 zu sein und die, im Vertrauen auf ihre Minderh. ,t»- rechte, im vertrauen auf internationale Znst tu- «Ionen, die gerne da» Weltgewisscn verkörpern nv ch- «en. auf ihrem Heimatboden geblieben sind

Da» Lo» dieser unglücklichen Studenten roar ha» Signal zu den blutigen Unternehmungen brr Ma- zedomer. Al» nach dem Attentat von Grwaeli der bulgarische Minssterpröstdent Liapischefs hr.i jugoslawischen Gesandten empfing, der ihn freund-

tlich duf die friebenftoren r Tätigte t qartfdten Mazebonier aufmerksam mochte, da mochte es dem Vertreter Jugoslawien» nicht dehaqt haben, al» Liapllchrfs de» Spiest herum- drehte und auf die Verbrechen hinter«, die an unfchuldiaen, jungen Leuten von der ferbifchrn Er­harde felost begangen wurden. Dast die bulgarische Reaierunq in einem offiziellen Kommunique über diese Unterredung besonders die vorgebrochte,! Bor- würfe Liaptfchefss behandelte, war vielleicht nicht sehr klug, denn dadurch wurde wieder einmal der Anschein erweckt, al» ob die bulgarische Regierung

Elsaßfahri.

Von unterem Kk. -Son derixnnchtexftatter. (Tkachbruck, auch mil Queflenangab«. verboten'»

Strastburg. Herbst 1927.

Ein ttgenarlige» Gefühl überkommt den deut­schen Rmtenden. wenn er auf der Fahrt vom französische,» Geb.et in da» ellällstche Land ljui- «tntr.tt unb thc ersten Laute de» Glfässer- .Dütstd" -m» dem Munde der ablöfenden Bahn- btnmtcn an Mn Ohr bringen Der zuerst flüch­tig« Eindruck, dast sich Land unb Volk in ihrem Wesen stark abheben von dem eben durchfahrenen westlich angrenzenden Gebtel totrb immer stader, wenn man barri durch die «lsäfsifchen Städte wandert. Es ist ffchc-r mcht leicht, ganz unvor­eingenommen und uvbdchtvert brach Erttme- nmgrn ober erietene und erhörte Meinungen sich in da» Wesen de» heutigen Ellah einzu- füblen. Auf Schritt und Tritt findet man Zei­chen. die nicht nur auf die deutsche Der- gangenhelt de» Landes überhaupt, sondern gerade auch auf bi« letzten fünf Johrzchnte engster Verbundenheit mit dem Deutschen Reich von 1871 h.nwrisen. Schon m den Eisenbahnwagen mit der Aufschrift ^AlMce-Lomine. deren Abkürzung X S übri­gen» vom Vollsuurnd bte Deutung .All«» lodkn-g erhalten Hal erkennt man die Wagen der früheren Ztetchseifechahn toteber. und auch die Bahnhöfe stechen von den frair^Iifchen Stationen trotz der peinlichst durchgeführren Einfprachigkeit erheblich ab. Bei der An­kunft auf dem Sttastburger Bahnho^ fallt einem al» erst« auf dem Vorplatz r.nt Zeitung»Ver­käuferin .ns Auge, bi« neben der Heimattreuen .Dvlksstimmc auch den ,S ch l i f f st a a n". Vie von beihendcr Satire gcgon Franzosen und Französlinge erfüllte Dochenlchrifl. vertreibt und guten W^ah findet. Von den Bahnhofsbuchhand­lungen ftitb ja dies« Organe der He. matbewegung durch die französische Dahnvertoa.rnng auSge- schlossen worden. HebernII in den Strafen Hingt

da» Elsässer-Dütsch bteter eigentümlich anheimelnde deutsche Sprachzwrig. an» Ohr und nur selten hört man rin französisches Wof 11 nb doch find sämtliche Auffcoriften französisch, wenn auch meist, wie alle amtlichen Bestinnttnachungen. durch einen deutschen Ter' etoätw! Die cdte Anrede im Lokal, auf der Lttastenbahn. im Ge­schäft, an den Fremden ist stet» französisch, weicht aber Wort mit grötzter Freundlichkeit dem Hoch­deutsch. «obald der Deutsche erkannt ist. In welcher Weise hzer die beiden Sprachen rmt- einanher nrrquidt finb. wird manchrnai in etwa» scherzhaft anminender Werte klar, toerm z. B. aus einer Speisekarte die Anpreisung de» elsässischen Pflaumenschnaps«» mit den Worten .,V cri- tadle Quetsch d'Alsace findet.

Die Tatsache dah ba» Ellast zu lange Zrit dem fiunzöfischen Einfluh unterworfen war. um trotz 1einer unverkennbar deutschen Art nicht viel ursprünglich Fremde» in fe n Ute4en ausgenom­men zu haben, wird immer deutlicher. Doch ba» Gefühl, eine besondere Eigenart an Sprache und Dollstum wahren zu müssen, ist es ja gerade gcweten. da» al» Gegento-.riung auf die teil dem UmfruQ. vielfach tn täppischer Weite, ein­setzender. Asslwilationsbestrebungen b er Fra nzoken bie Heimatbewegung auf ben Plan gerufen hat. die im Herzen der über­wältigenden Mehrheit der Bevölverung ba» beweist jedes offene Ge'prüch auf» neue, ihren Boden findet. Aber die Boriich: vor einem ent­schiedenen Auftreten ist noch immer sehr grvh teil» aus persönlicher Lauhe l. teils aus Furcht einen wirtschaftlichen Schaden zu erieiden. Wenn die Elsäster auch nicht ein Voll nationaler Be­kenner bi» zum äubcrfhr sind, wie etwa bie Iren, so muh sich doch der allgemeine UnttnUe. die ..Malaise, notwendigerweise oon einer zu­nächst im wesentlichen passiven Erscheinung in irgendwelche Aktivität unrtehetr Roch ist man sich nicht über Weg unb Ziel ber Heimatbewe- gung in allen Kreisen einig, aber der Wun'ch das Land frei von fremden Eingriffen jeder Art z« schen. ist allgemein.

Hoch oben in der obersten Spitze de» Mün­sters. 140 Meter über der Stadt, wo nur für zwei Menschen Raum ist. sitze ich mit meinem Führer, der ein echter SU äff er ist. und schau« weit hinaus in da» herrliche Land, das sich unter un» vom Rhein bi» an die Vogesen dehnt. .Ich will ganz offen zu Ihnen sprechen", sagte er zu mir. .ba» beste wäre, wenn fein Mensch dem anderen etwa» zu sagen hätte. Bei den Deutschen sind wir Stiefkinder gewesen, bei ben Fran- *ofen find to.r jetzt aber Doppel-Stief - linder.* Das ist in schlichten Dorten die GrundstiMTnuna. die man allenthalben antrilft, und die sjch pvl'ttsch zu der Forderung der Autonomie verdichtet hat. Doch «elbst die schär'st en Vertteter dieser Gedanken fordern eine vollständige Autonomie ober Reutralisierung eVa6-Ltot*?nnccn». wie cd von ber .Dvlls- stimme".u»gdfrtxfxn wird, nur unter ber Vor­aussetzung. dah ber französische Staat Irin« Assimilisatton-Politik fortsetzt und der Anerken­nung der nationalen Minderheitsrechte ablehnt. Dann gäbe es eben nur .bie bittere Wahl zwi­schen Vernichtung de» eigenen DolfStums unb ber Ausscheidung au» bem französischen Staats- gebübe. Trvn de» le-ber^chldtl^chen Bekenntmste» zu einem .freien deutschen Glsah.Lofhttngen- handelt es sich babr. nicht, darüber sollte man «ich Lar lein, um ein Anrufen der politischen Hilfe de» Deutschen Reiche» oder ben Willen zur Rückkehr Man will Freiheit nach allen Seiten. Lieber dieser Grundstimmung liegt aber ein französischer Frrni» rw bie Verweischung gewisser Kreise der Obe-schicht nicht toerrg beiträgt. Wag auch die teanizokische Re­gierung bieten ober jenen Fehlgriff im Lande machen, ihre Helfer verstehen 'ich ttvtzdvn immer noch recht gu: auf bie Regie 'ran^»fisch-mativ- naler Veranstaltungen. Durch Ausstellungen, tote die jetzt ftavf.ndenbe zweiteFoirc-Exposition'" in Strahburg. bie als AuSstellunasmeite tm wesentlichen der Propoganda innerfranzö'-scher Waren gilt, oder etwa durch bte '«erliche An­bringung und Heber gabt der Kapitulatton»sahne

von 1370 an bte Ctabt Stt

die BerbunbeTcheit m 1 berM*re l^trie zu stärken. Solche Veranstaltungen bie*ben aber ohne tiefere Wirkwrg auf das «lläfs.sche Vol', ba» au» der furchtbaren Enttäuschung, bie «O thc .Hei mkehr in bieTHutterarme Frank­reich»' tn den Oergangenei acht Jahren erleben lieh, immer mehr zum Bewuhtte.n seiner volk- lichen Eigenart und feiner Aufgaben erwacht.

SinKlm" des Alltags.

5<emmt Vautel. ber getstvol'.e Plaudeser des .Journal", läht in einem der .Filme", die er taatäglich in feiner Zettumi veröffentlich', ein UtomentbUb abvollen, das «ich nicht nur m Par:» enrtgnen farm .Eine bi<fc Dame läftt -«ich neben mir auf bem engen Bänkyeri meber. Sie quillt über unb erdrückt mich 11 nb ba sagt man noch bah da» Ichwach« Geia^ech inrt erdrückt wirb! Der Schaffter fragt, woh.' Vvt will, unb fordert ihr 15 ©ou» für ba» Billett op. Die Dame öffnet eine ungeheure Socklasche, in bet sie auszuaraoen bqjmn? . Sie ^.eht rn Paar Ute Haid«chuhe hervor, ein Taschentuch, einen Bund mit Schlüsseln, verschiedene Tteletiengegen- stände, dann begräbt fk wieder ail die««» in dem Abgrund bilde» Sacke» unter teichaften unb schweren Brivegu7«n die tch als 'chnevchafte Püsse empfinde. Das M?- ist ncch tiefer, Tie kramt weiter Endlich erscheint 8 V Hand bet Dame wieder Sie hat ein Zwer-Svus-Stück fleangelt. Aber dcrS ist nicht genug. Sie triebet* Wt ihre Ausgrabungea unb irrma: immer ne« 5unbe hervor, ttne bei Elo-ri. Sch'tehlich fxtbe: sie noch einen Sous Die Dome läht stch dadurch nicht au» ihrer Ruh« bringen. Ebenlvtoercka der Schaffner, den ich destoegen betounbere. Rach und nach fördert sie noch ein Fünf-Sons-Stück, ein Medaillon unO jttr. Knop'« ans Tageslicht. Aber plötzlich entmutigt, verzichte: ft? auf toeitere Rachst>dchi7izen in den groben Tief rn imö öffnet, nicht ohne TZübe. ein GehrimtLfchchen, dem fte etr Zehn- Frank-Billett entnimmt.. .*