Optimismus in Amerika.
W a f h i n g t o n, 3. Qlvg (WTB. Fun spruch.) Der jüngsten Ankündigung des LIntecstaaissekce. lärs 2221 H und des Senators Edward, daß das Freigabegesetz vom neuesten Kongreß sicher ang enommen werden würde, folgte heute eine Erklärung des Verwalters des beschlagnahmten fremden Eigentums, Sutherland, der die Erwartung aussprach, daß der Gesetzentwurf einen der er st en Punkte der Tagesordnung des Kongresses bilden werde. Im Falle der Einberufung einer Sondersession dürfte der Gesetzentwurf schon während dieser Sondertagung erledigt werden. Sutherland sagte: „Die Regierung wird auf beschleunigte Erledigung dringen, um die etwa 265 Mi Konen Dollars fremden Eigentums endlich zu- rüclzugeben. Vach Annahme des Gesetzes wird die Rückgabe in den meisten Fällen binnen Jahresfrist erfolgen und meine Behörde innerhalb des nächsten Jahres aufgelöst werden. Einige Werte werden vielleicht noch eine zeitlang in den Händen der Regierung bleiben müssen, bis eine Einigung mit den früheren Eigentümern über den Verkauf erzielt ist. Unberührt von dem Schicksal des Freigabe- gesetzes bleiben die Lizenz-Prozesse von denen vier im Oktober in Delaware vor dem Obersten Gerichtshof zum Termin anstehen. Es handelt sich hier um die Frage, wer Anspruch auf die Tantiemen hat, die die Lizenz-Inhaber der früheren deutschen Patente für die Patent- benuhung zahlen müssen.
Die Rüstungspsychose in Paris und London.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
D e r l i n. 4. Aug. Der Daily Telegraph, der sich seit einiger Zeit nicht genug tun kann in der Wiedergabe von Mitteilungen über angebliche deutsche Verstöße gegen die Entwaffnungsbestimmungen, weiß heute zu melden, daß zwischen den alliierten Militärsachverständigen in Berlin und ihren Regierungen Besprechungen im Gange seien über die Frage, ob die Vornahme einer Inspektion deutscher Küstenbefestigungen und Batterien durch alliierte Sachverständige juristisch möglich und wünschenswert wäre. Unter Heranziehung des Geistes von Locarno wird in dem genannten englischen Blatt eine Londoner Auffassung wiedergegeben, wonach die einzige Körperschaft, die zur Vornahme einer derartigen Inspektion berechtigt sei, der Völkerbund sei.
Diese Auffassung ist ebenso abwegig wie der Plan einer Inspektion durch die militärischen Sachverständigen in Berlin. Die deutsche Regierung kann weder ein Einschreiten des Investigationsausschusses des Völkerbundes noch eine weitere Inspcktionstätigkeit der militärischen Sach-s verständigen widerspruchslos hinnehmen, da Deutschland die Entwaffnungsbestimmungen erfüllt hat, worüber auch zwischen der Reichsregierung und den Mächten der Dotschafterkonfe- renz eine vollständige Einigung erzielt worden ist. Wenn jetzt überhaupt noch von unerledigten Punkten der Entwaffnungsfrage ge° sprühen werden kann, so handelt es sich nur um eine geringe Grupps von Fragen, wie Verkauf der Kasernen, Polizeibeamtengesey, Zerstörung gewisser Küstenbefestigungen, alles Dinge, für deren Durchführung ein Terminkalender mit der Gegenseite vereinbart worden ist. Bisher hat Deutschland gewisfenhast die Termine Lingehalten, es liegt also keinerlei Verletzung des Entwaffnungsübereinkommens vor, die eine Investigation in irgendeiner1 Form rechtfertigen würde.
Im übrigen wird an Berliner zuständiger Stelle der Meldung des „Daily Telegraph" keine übermäßige Bedeutung beigelegt, da in Berlin nichts darüber bekannt ist, daß sich die englische Regierung mit Erwägungen befaßt, bre in der Linie der Mitteilungen des „Daily Telegraph" liegen. Nachdenklich muß es allerdings stimmen, daß auch inPa - r i 5 wieder ein allgemeiner Presscfeldzug gegen Deutschland wegen angeblicher deutscher Entwasf- nungsaerfehlungen eingesetzt hat, und zwar im Zusammenhang mit einem Artikel des sattsam bekannten „Pazifisten" Friedrich Wilhelm Förster, der von einer Umorganisierung der Reichswehr zur Schaffung eines erhöhten Bestandes an ausgebildeten Militarrnannschasten faselt. Dieser, in der pazifistischen Zeitschrift „Die Menschheit" veröffentlichte angebliche Plan zur Reorganisierung der militärischen Kräfte Deutschlands wird natürlich von einem Blatte wie der „T e m p s" ausführlich zum Abdrucke gebracht. Das Blatt geht in feinem heutigen Leitartikel auf diesen Plan ein, den er als eine Warnung für ganz Europa bezeichnet.
Die Warnung der Arhcber dieser Dokumente, so schreibt er, bestehe barm, daß sie glaubten, es werde leicht sein, den im Völkerbund vertretenen Mächten Zugeständnisse abzunngen, die für den neuen deutschen Militarismus Ausdehirungsmög- lichketten schaffen würden. Ein etwaiges Mißlingen der Abrüstungskonferenz könnte Deutschland nicht dazu berechtigen, Rüstungsfreiheiten nach seinem Belieben zu fordern, denn die militärischen Verhältnisse des Reiches seien durch einen Friedensv ertrag f eftgestellt, der unter allen Umständen voll in Kraft bleibe. Wenn man gedenke, sich darüber Hinwegsetzen zu können, so würde das ein Abenteuer bedeuten, das Deutschland nichr erfolgreich bestehen könnte und das ohne weiteres die Krisis des letzten Krieges wieder Herstellen würde. Der „Temps" bemerkt zmn Schluß: Man erkennt' den Hintergedanken, mit dem die deutschen Reaktionäre an das Werl von Locarno und Genf Herangehen. Eine Gefahr, die man kennt, farm man immer leicht beschwören, wenn man gewillt ish den Frieden der Welt zu verteidigen.
Die Feriensitzung des Reichskabinetts.
"Auftakt für die Genfer Tagung des Bölkerbundsrats.
Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers*.
Berlin, 4. August. Die im Urlaub befinblichen Minister werben, wie schon kurz gemeldet, zum 11. August ihren Urlaub unterbrechen, um an der B e c fassungsfeierim Reichstag teilzunehmen. Diese Ministerzusammenkunft während der Ferienzeit soll benutzt werden, um in einer Kabinettssitzung einige dringliche Angelegenheiten zu erledigen. In der Hauptsache dürfte man sich mit der bevorsteh-. den Dölkerbundstagung beschäftigen, zu der
Der Verzicht des Präsidenten Cooiidge.
Richt nur in Amerika, sondern überall in der Welt wird die plötzliche Ankündigung des Präsidenten Eoolidge, daß er auf eine abermalige Aufstellung als Kandidat seiner Partei für das höchste Amt der großen Republik jenseits des Atlantischen Ozeans verzichtet, großes Aufsehen erregt haben und in der nächsten Zeit zu lebhaften Erörterungen Anlaß geben. Es hat sich bereits daran eine Kontroverse darüber geknüpft, ob die Erklärung als ernst oder nur als ein Wahlmanöver zu betrachten ist. Wenn es wirklich nur ein Wähl- manöver sein sollte, dann wäre es allerdings höchst eigentümlicher Art. und das ist kaum anzunehmen. Schließlich ist aber in der Politik nichts unmöglich und es wäre auch denkbar, daß sich nun innerhalb der republikanischen Partei ein solcher Kampf um die Rachfolgeschaft für Eoolidge entwickelte, daß dieser von der Partei selbst veranlaßt werden könnte, seinen Entschluß rückgängig zu machen. Wer jedoch die amerikanische Politik einigermaßen kennt, wird das für wenig wahrscheinlich halten.
Wenn man nach Gründen sucht, die Coo- lidges unerwarteten Entschluß zu rechtfertigen geeignet wären, so sind deren allerdings eine ganze Anzahl vorhanden. Erstens einmal hat in beiden Parteien wie in der Öffentlichkeit im allgemeinen schon in letzter Zeit eine sehr scharfe Auseinandersetzung darüber stattgefunden, ob eine eventuelle Wiederaufstellung Eoolidges als Präsidentschaftskandidat die alte amerikanische lleberlieferung durchbrechen würde, wonach kein amerikanischer Bürger dreimal Präsident sein darf. Diese lleberlieferung rührt bekanntlich von dem ersten Präsidenten der damals jungen Republik, George W a s h i ng- t o n. her, der nach zwei Amtsperioden die Wiederaufstellung für die dritte ablehnte mit der Begründung, es würde sonst eine Art von Monarchie hergestellt werden, und das dürfe nicht fein. Run ist freilich Eoolidge, ebenso wie seinerzeit Roosevelt. Präsident zum erstenmal geworden nur durch den Tod feines Vorgängers. und natürlich war jetzt wiederum der alte Streit darüber im Gange, ob man einen solchen Präsidenten als einen vollgültigen im Sinne Washingtons anzusehen habe oder nicht. Die Frage war damals zuungunsten Roosevelts entschieden Wörden, und es war mindestens sehr wahrscheinlich, daß sie auch diesmal zuungunsten Eoolidges ausfallen werde. Und aus diesem Grunde ist es verständlich, wenn er recht
zeitig vorbaut und eine Riederlage vermeiden will.
In diesem Entschluß wird er dadurch bestärkt worden sein, daß er im Rovember vorigen Iahres bei der Kongreßwahl in seinem eigenen Heimatstaat Massachusetts eine schwere Riederlage erlitten hatte, die rein persönlich aufzufassen war. Die republikanische Partei selbst hatte dabei gleichfalls starke Einbußen zu verzeichnen. pleberhaupt muh betont werden, daß Eoolidge bei seinem zurückhaltenden Auftreten sich keiner allzu großen Beliebtheit erfreut. Drittens macht sich unter der landwirtschaftlichen Bevölkerung des mittleren und ferneren Westens, wo die eigentlichen republikanischen Hochburgen liegen, eine sehr starke Mißstimmung über die von der Bundesregierung geübte Politik geltend. Eoolidge hatte ein Gesetz, das den Farmern finanzielle Hilfe bringen sollte, ve- tiert. was dis Mißstimmung gegen seine Person noch erhöht hat. ilnb viertens wird der große Mißerfolg, der jetzt in Gens bei der Seeabrüstungskonferenz vor der Tür steht, auch nicht dazu beigetragen haben, Eoo- lidges Wunsch nach einer abermaligen Präsidentschaft zu erhöhen. Wahrscheinlich wird nun in Amerika eine starke Bewegung für eine durchgreifende Flottenvermehrung einsetzen, und da sich Eoolidge persönlich für die Abrüstung verpflichtet hatte, würde er in schwere Gewissenskonflikte kommen. Alle diese Gründe haben zweifellos gemeinsam dazu beigetragen, daß er feinen Entschluß gefaßt hat. Mnb unter diesen Hmftänben ist auch anzunehmen, daß sich besonders starke Strömungen durchsetzen werden, die ihn zu einer Aenderung seiner Ansicht veranlassen könnten.
Ratürlich werden auch bereits verschiedene Ramen von anderen möglichen Kandidaten der Republikanischen Partei genannt. In erster Linie kommen da in Frage der heutige Vizepräsident General Dawes, der eigentlich außer seiner Patenschaft für das Londoner Abkommen wenig für sich ins Feld zu führen hat. Die bedeutendste Persönlichkeit dürfte der jetzige Handelsminister Hoover fein, der in seiner Partei sowohl wie im amerikanischen Volk von überragender Bedeutung ist. Ob das ausreichen wird, um seine vielfachen Gegner zum Verstummen zu bringen, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin läßt sich das eine sagen, daß sich die Wahlaussichten des bei den Demokraten am meisten im Vordergründe flehenden Gouverneurs A. L. Smith von Reuyork vermindert haben.
Außenminister Dr. Stresemann wieder nach Genf fährt. Ob er, wie bereits behauptet wird, die Gelegenheit benutzen wird, um mit den Vertretern der Locarnomächte über die ausgebliebenen Rückwirkungen ein ernstes Wort zu sprechen oder sich gar in der Plenarsitzung darüber zu beklagen, läßt sich natürlich jetzt noch nicht sagen. Zu wünschen wäre es aber, daß der Außenminister die Tagung nicht vorübergehen läßt, ohne unsere berechtigten Klagen vorgebracht zu haben. Memel, Ober- schlejien und Saargebiet sind Kapitel für sich, die allein schon ausreichten, den Außenminister aktiv werden zu lassen. Hinzu kommt die T r u p - penverminderung am Rhein bzw. die gänzliche Räumung des Rheinlandes. Uebrig bleibt schließlich noch das Verhalten der alliierten Mächte uns gegenüber, soweit sie an den Locarno-Verträgen interessiert sind. Wir haben allen Grund, uns über die Hetzreden eines PoincarL und eines Brocqueville zu beklagen, ebenso über die Erklärung eines Locker Lampson, die das Signal für die Wiederaufrollung der gesamten Militärkontrollfragen war. Was der „Daily Telegraph" jetzt wieder über die Besichtigung der Küstenbatterien aufwärmt, kann uns kalk lassen, da hier feste Bindungen mit der Bokschasterkonferenz oorliegen, also auch eine Investigation, wie sie dem Blatt schon seit Monaten vorschwebt, gar nicht erörtert werden kann. Aber daß man uns den Vorwurf der Verletzung der Abrüstungsabkommen zu machen versucht, um dann wieder daraus eine Hinausschiebung der Verminderung der Besatzungstruppen herleiten zu können, ist doch so unerhört, daß es angebracht erscheint, in Genf energisch vorstellig zu werden. Allerdings sollte ober das Kabinett in seiner Feriensitzung sich auch ernsthaft mit Personen vorn Schlage eines Friedrich Wilhelm Forster beschäftigen, deren Gefasel von einer deutschen Aufrüstung, das man im Auslande als bare Münze hinnimmt, uns politisch ungeheuren Abbruch tut. Die unverantwortliche Schwatzhaftigkeit dieser Herrschaften einzudämmen, sollte sich die Regierung einmal angelegen sein lassen.
Die Sinnlosigkeit des Versailler Vertrages.
Neuyork, 3. Aug. (Wolff.) Nicholas Murray Butler, Präsident der Columbia-Universität, der aus Europa zurückgekehrt ist, erklärte, die wirtschaftliche Wiedererstarkung Europas werde durch den übertriebenen, fast hysterischen N a- kionalismiis der neugeschaffenen Staaken verzögert, obwohl die Paneuropa-Idee Forlfchritte mache. Was die deutsche Ostgrenze und Oesterreich betreffe, so herrschten dort künstliche Verhältnisse, die früher oder später in friedlicher, großzügiger Weise geregelt werden müßten. Bei denkenden Männer aller Länder würden Befürchtungen für die wirtschaftliche und finanzielle Zukunft der Welt laut, falls gewisse Bestimmungen des Versailler Vertrages nicht geändert oder ergänzt würden. Die fortdauernde Anwesenheit der alliierten Truppen auf dem rechten Rheinufer, ungeachtet des in vielen Fällen bewiesenen heutfd)en Entgegenkommens und der herzlichen Zusammenarbeit Stresemanns und Briands, geben den deutschen Extremisten die besten Gründe für ihre Opposition gegen die Der söhnungspolitik. Die Beendung der Besetzung würde einen Gewinn für alle Beteiligten bedeuten.
Lson Daudet in Belgien.
Paris. 3. August. (WB.) Die „Aktion Franccrife" gibt bekannt, daß Leon Daudet, geleitet von Camelots du roi, sich nach Belgien begeben hat, um dort mit feiner Familie einige Wochen in der Sommerfrische zuzubringen. Bereits am Montag seien sämtliche Maßnahmen hierfür getroffen worden. Weder die auf den Straßen Frankreichs ausgeüble Heber- wachung, noch die strenge Bewachung, die die Sicherheitspolizei auf den französischen Zollämtern organisierte, hätten seine Reise verhindern können. Er habe die belgische Grenze be
reits überschritten: ohne größere Schwierigkeiten werde Daudet auch, wenn er den Augenblick für gekommen erachte, nach Frankreich zurück kehren.
Die Carlisienpartei in Rumänien.
Eigener Drahtbericht des ..Gießener Anzeigers".
Berlin, 4. Aug. Trotz der scharfen Handhabung der Zensur ist es der Bukarester Regierung nicht gelungen, dem Auslande gegenüber zu verheimlichen, daß der- Anhang des Ex- kronprinzen intensiv am Werke ist, eine Lage zu schaffen, die eine Rückkehr Caro ls ermöglicht. Wenn auch die Liberalen aus dem Wähl kämpf mit einer Mehrheit hervorgegangen sind, die sie selbst nicht erwartet hatten, so ist damit keineswegs gejagt, daß auch der größte Teil des rumänischen Volkes gegen Carol ist. Ramentlich die Dauern, die Bratianu mit seinen Wählmethoden parlamentarisch kalt gestellt hat. sind erbitterte Gegner des Ministerpräsidenten geworden. Aus ihre Unterstützung rechnen auch die Carlisten in erster Linie. Will Drattanu, der es bereits mit dem Regentschafts rat verdorben hat, weil er sich keine Vorschriften machen lassen will, an der Macht bleiben, dann kann er es nur dadurch. daß er sich die Landbevölkerung zum Freund macht. Bisher sind aber keinerlei Ansätze hierfür zu verzeichnen. An eine Rückkehr Carols ist aber vorläufig auch noch nicht zu denken, weil Bratianu ein scharfes Regiment ausübt und den Carlisten die Arbeit nach Möglichkeit zu erschweren versucht.
Immerhin wird man von hier aus den rosigen Situationsbericht der rumänischen Regierung. die eine „Thronfolgefrage" als nicht existierend ansieht. mit einiger Skepsis entgegen» treten und von dieser Grundeinstellung aus auch ein amtliches Telegramm an die rumänische Gesandtschaft in Paris aufnehmen, in dem es heißt: „Die Erklärungen des Prinzen Carol haben keinen Eindruck auf die öffentliche Meinung in Rumänien gemacht. Man ist der Ansicht, daß die Frage der Thronfolge endgültig gelöst ist und niemand daran denke, einen Appell an Carol zu erlassen. Uebrigens lassen die jüngsten, von sämtlichen Parteien ohne Unterschied im Parlament abgegebenen Erklärungen keinen Zweifel in dieser Hinsicht. Was augenblicklich die öffentliche Meinung in Ru- inänien beschäftigt, sind die Fragen, die sich auf die Konsolidierung des Landes in allen Gebieten beziehen."
Die Gegensätze auf dem Internationalen Gewerkschaftskongreß.
Paris, 3. Aug. (Wolfs.) Die Gegensätze, die bereits in der Sitzung des Internationalen Gewerkschaftskongresses zwischen den als russenfreundlich gellenden Engländern einerseits und den französischen, belgischen und holländischen Delegierten andererseits hervorgetreten waren, haben auch in der heutigen Sitzung noch keinen Ausgleich gefunden. Der- stellvertretende Vorsitzende der Internationale der Belgier Mertens, hatte gegen B r o w n , einen der Sekretäre der Internationale, einen fcharfen Vorstoß wegen der Entsendung einer Delegation nach R^xiko unternommen, den Brown mit Vorwürfen gegen den Holländer Outfegeeft beantwortete. Oudegeest soll einen Brief an Ivuhaux geschrieben haben, in dem er die Aufnahme der russischen Gewerkschaften sabotiert haben soll. Ueber diesen Brief konnte in der heutigen Dor- mittagssihung keine Klarheit geschaffen werden, da Iouhaux behauptete, ihn seinerzeit nicht erhalten zu haben. Der Kongreß beschloß die Angelegenheit einem Ausschuß zu unterbreiten. Im übrigen ist der Kongreß heute in die Kommissionsberatungen eingetreten.
Aus nUer Welt.
Der ©. D. A. für die Hindenburgspende.
Der Gewerkschaftsbund der Angestellten hat für die Hindenburgspende, deren Erträgnis den Kriegsbeschädigten und Kriegshinterbliebenen zukommen soll, 5000 Mk. gestiftet und damit als erste deutsche Angesteltten-Orgaiiisatton ein nachahmenswertes Beispiel praktischer nationaler Fürsorge gegeben. Die Leitung der Hindenburgspende in Berlin hat dem Gewerkfchaftsbund der Angestellten für diese Stiftung ihren Dank ausgesprochen, wobei sie noch im besonderen daraus hinwies, daß die Beteiligung der Angestelitenorganisati-on an dieser Spende um so höher einzuschähen sei, als gerade diese Verbände in der jetzigen Zeit außerordentlich unter der wirtschaftlichen Rot- lage zu leiden hätten. Es wäre deshalb zu begrüßen, wenn sich nunmehr atrch die anderen Verbände dem Beispiel des Gewerkschaftsbundes der Angestellten anschließen würden.
Die Lausanner Mellkonferenz.
Die Weltkonferenz für Glaubens- und Kirchenverfassung ist in Lausanne eröffnet worden. Etwa 500 Abgesandte der christlichen Kirchen aus allen Weltteilen versammelten sich in der Kathedrale zum Festgottesdienst. In der Eröffnungssitzung in der Aula der Universität begrüßte Bundesrat Dubus die Konferenz im Ramen der Schweizer Regierung. Die Arbeit der Konferenz charakterisierte der Präsident des Schweizer Kircherchundes, Dr. H e r o l d. dahin, daß sie die ernsten Fragen des Glaubens im Geiste der Glaubensbrüderlichkeit und in voller Aufrichtigkeit erörtern wollte. Die Reihe der programmatischen Einführungsreden eröffnete ein Deutscher. Professor Elert- Erlangen. Er überbrachte die Grüße der evangelischen Kirche Deutschlands und wies in seiner Rede darauf hin, daß in Lausanne die Zerrissenheit der Kirchen an ihren Wurzeln angepackt werden müsse. Der Metropolit Germanos und der Erzbischof von Armagh D. C. F. d' Arch, Primas von Irland, bejahten im Ramen ihrer Kirchen die Ziele der Lausanner Konferenz.
Geh. Kommerzienrat Bartling si
Im Wiesbadener Paulinenstist starb der frühere langjährige Wiesbadener Reicks und Landtagsabgeordnete Geheimer Kommerzic.: : Eduard Bartling nach längerem Leiden im 83. Lebensjahr. Der Verstorbene war ein angesehenes Mitglied der früheren Nationalliberalen Partei in Nassau.
Ein gefährlicher Wespenstich.
Ein 20jähriges Mädchen in Leibenstadt (Pfalz) wurde vor einiger Zeit durch eine Wespe auf den Kopf gestochen. Der Stich hatte eine schwere Blutvergiftung zur Folge, die zur Erblindung des Mädchens führte.
Zwei Todesopfer eines Autounglücks.
Beim Ueberholen eines Lastautos überschlug sich bei Sinzig ein Kleinauto. D e beiden Insassen gerieten unter die Räder des Lastwagens und wurden auf der Stelle getötet.
Autofallen in der Mark.
In der Gegen von Crossen a. d. Oder wurden zwei Raubüberfälle verübt, für die offenbar dieselben Täter in Frage kommen. Vormittags wurde ein Elektromonteur, der auf einem Motorrad die Chaussee passierte, durch ein Stangenhia- bernis aufgehalten. Als er dieses beseitigen wollte, erhielt er einen Schuß in den Rücken, konnte aber entkommen. Als er sich umsah, bemerkte er zwei junge Burschen, die in den Wald fluchteten. In der darauf folgenden Nacht wurde ein ähnlicher Ueberfall auf eine Kraftdroschke ausgesührt, die auf einer Fahrt nach Guben war. Der Führer des Wagens wurde von zwei Personen durch eine Blendlaterne zum Halten veranlaßt. Die beiden stiegen in den Wagen, fuhren eine Strecke mit, dann zwangen sie den Führer auszusteigen und plünderten ihn mit vorgehaltenen Revolvern aus. Hierauf verschwanden die beiden Räuber in dem Wald. Don den Tätern fehlt bisher jede Spur.
Tödlicher Eisenbahnunsall.
Aus der Naumburger Kleinbahn ereignete sich ein schwerer Unglücksfall mit tödlichem Ausgang. Vier Lehrlinge hatten auf der Station Großenritte den Anschluß verpaßt und versuchten deshalb, auf den bereits fahrenden Zug aufzuspringen. Während c:- -m h-r Aussprung gelang, stürzte der 17jährige . r. Lange aus Besse ab und fiel zwischen zwei Wagen auf die Schienen. Der Zug fuhr über ihn hinweg. Er konnte nur noch a l s Leiche geborgen werden. Die Ursache des Unglücksfalles ist auf die Nichtbeachtung der Verkehrsvorschriften zurückzusühren.
Schweres Bauunglück.
Am Mittwochnachmittag ereignete sich in einem Münchener Reubau ein schwerer älmglücks- fall. Der Abschluß eines Treppenhauses im 4. Stock stürzte plötzlich 'herab und durchschlug sämtliche als Treppen benutzte Laufbrücken bis zum Keller. Hierbei wurde ein Dauprakttkant und ein Daugehilfe von den stürzenden Trümmern in die Tiefe gerissen und blieben schwerverletzt im Kellergeschoß liegen. Der eine der beiden konnte nur mit Hilfe der Feuerwehr aus seiner Lage befreit werden.
Bei einem Gerüsleinsiurz gelotet.
Auf einem Werk in Denrath brach bei Ausfuhr rung von Bauarbeiten plötzlich aus noch unbekannter Ursache das Baugerüst zusammen und begrub vier Arbeiter unter sich, die erhebliche Verletzungen davontrugen. Einer der Verletzten starb bald darauf.
Zwei Schwestern im Schlamm erstickt
In Großellingen in der Altmark versank die zwölfjährige Tochter Elli des Arbeiters Stützer, die in einem kleinen Weiher baden wollte, bis zum Halse im Schlamm. Ihre 15jährige Schwester wollte sie herausziehen und ging ebenfalls unter. Als eine dritte Schwester den Vater zur Hilfe herbeigeholt hatte, waren beide Kinder bereits im Schlamm erstickt.
Mutter und Kind vom Starkstrom getötet.
In einem Lauenburg in Pommern benachbarten Orte riß die elektrische Lichtleitung. Als die siebenjährige Tochter eines Arbeiters dem Draht zu nahe kam, wurde das Kind durch den Strom auf der Stelle getötet. Die Mutter sprang hinzu, um es fortzureißen, aber auch sie erhielt einen tödlichen Schlag.
Wettervoraussage.
Heiter, auch zeitweise wolkig, warm und trocken.
Gestrige Tagestemperaturen: Marimirm: 22,8 Grad Celsius. Minimum: 10,8 Gr. Celsius. Sonnen- scheindauer: 10 Stunden. Heutige Morgenternpera- tur: 16,9 Grckd Celsius.
Witterungsaussichten für Samstag: Warm, molkig, langsam zunehmende Gewitterneigmrg.
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