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Aus der yrovinzialhauptftadt.

Gießen, den 4. August 1927.

Auch Ihnen....

Es ist Reisezeit, weil es Ferien- und Urlaubs- zeit ist. 5)a aber die Ferien und ^lrlaubstage nicht überall gleichzeitig sind und sein formen, so ent­wickelt sich die Reisezeit naturgemäß zu einer ge­wissen Breite, selbst bis in die kleineren Gemein­den hinab. Da seufzt ein Erholungsbedürftiger noch im Joch, während ein anderer schon mit gebräun­ten Wangen bei der erstbesten Begegnung die üblichen Feststellungen über die Wetterlage be­nutzt, um mit neugewonnenem Seelenschwung kühn überzuleiten:3n Berchtesgaden hatten wir groß­artiges Wetter..." Wieder andere überraschen durch prächtige Landschastsbilder auf Postkarten, deren Grüße sich ihrem Gefühlsgehalt nach zu 'inet ganzen Skala ordnen lassen. Dabei aber verliert jeder Gruß, selbst der wortwärmste, seine verbindliche Kraft, wenn er eingeleitet wird:... lendet auch Ihnen und Ihren Lieben..Wa­rum dieses .auch"? Gewiß war es bei dem Grüßenden ein Bestandteil seiner Gedanken und Gefühle, aber warum es mit in die schriftliche Fassung aufnehmen? Wie ganz anders wäre das ^ruhecyo ausgefallen, wenn dieses kleine Wört­chen auf dem Wege vom Gedanken zum Federzug durch einen Bereinigungsakt unterdrückt worden wäre. So aber . . .! Der Begrüßte wird das Gefühl nicht los, daß er einen .Grenzfall" dar­stellt. Denn offen wird er gerade eben noch zu dem Bekanntenkreise gerechnet, sei es, daß die Beziehungen am Erkalten sind, sei es, daß er­kaltende auf diesem Wege aus irgendeinem Grunde wieder aufgewärmt werden sollen. Legt auch Anmut in das Geben! sagt Goethe einmal. Deshalb sollte ein Gruß aus der Sommerfrische, wenn er schon einmal mit auf die Liste gesetzt wird, in erfrischender Form gegeben werden, d. h. ohne das Wörtchenauch". Der Empfänger würde sich freuen, daß er ohne Einschränkung dem Be­kanntenkreise immer noch zugezählt wird, und der Absender würde dartun, daß er in seiner Gr- holungszeit auf dem besten Wege ist, über die Kampf - bzw. Wunschinstinkte des Alltages hinaus fein seelisches Gleichgewicht wieder zu gewinnen. Damit würde dann der Aufenthalt in der Ferne nicht bloß körperlich wieder auf die gewünschte Höhe führen, sondern sicherlich auch die seelischen Beziehungen des wiederkehrenden Alltagslebens in überraschender Weise auf neue Grundlagen stellen. R.

Aus der Tätigkeit der Indukrie- und Handelskammer Gietzen.

Bon der Industrie- und Handelskammer Gießen geht uns der folgende Tätigkeitsbe­richt zu.

In Wahrung der ihnen anvertrauten Inter­essen haben die hessischen Industrie- und Han­delskammern seit einer Reihe von Jahren bei jeder sich bietenden Gelegenheit immer und immer wieder die Notwendigkeit der Schaffung einer ordentlichen und gerechten Besteuerungsgrundlage sowie einer endgültigen Veranlag ung der staatlichen und gemeindlichen Gewerbe­steuern betont. In den dem Landtage vorge- iegten Gesetzentwürfen erblickten die Kammern grundsätzlich eine Erfüllung ihrer Wünsche: diese Gesetzentwürfe sind leider nicht nur nicht ver­abschiedet worden, sondern es sind noch oben­drein auf Empfehlung des Finanzausschusses des Landtags die für 1925, 1926 und 1927 dor- .iiufig geleisteten G ctoe rbeste ue r voraus 3 ah langen ür endgültig erklärt worden. Gegen diese völlige Nichtachtung der Belange der hessischen Wirt­schaft haben die Kammern in einer gemeinsamen Erklärung scharfe Verwahrung eingelegt and erneut eine den berechtigten Bedürfnissen des Handels und der Industrie entsprechende Regelung der ©etoerbefteuerfrage gefordert.

Die außerordentliche Vielgestaltigkeit der Ge- werbefteuergesehgebung in Deutschland und die dadurch hervorgerufene stlngleichheit in der Br­üstung der Wirtschaft in den einzelnen deutschen Landesteilen hat zu der im Laufe der Jahre :nrmer dringlicher gewordenen Forderung von Handel und Industrie geführt, daß die Gewerbe­steuer in ihren Grundlagen r eichs ge se h l ich geregelt wird. Diese allgemeine Forderung der Wirtschaft ist auch von der Reichsregierung an­erkannt worden und hat zu der Vorlage eines diesbezüglichen Gesetzentwurfes geführt. Die hes­sischen Handels kannnern haben in wiederholten gemeinsamen Beratungen eingehend die Frage geprüft, welche Forderungen vom Standpunft der Wirtschaft an ein foWjeä Rahmengesetz zu stellen sind und werden nunmehr den Gesetz­entwurf daraufhin untersuchen, inwieweit er den ausgestellten Wünschen und Belangen von Han­del und Industrie Rechnung trägt.

Der Herr Minister für Arbeit und Wirt- 'chaft hat angeordnet, daß von den Kreisämtern Verordnungen in Ausführung der §§ 7 und 9 des Gesetzes gegen den unlauteren Wettbewerb erlassen werden, um den bestehenden Mißbräu­chen auf dem Gebiete öe£ unlauteren Wettbewerbs, insbesondere bei Ausder- täufen, wirksamer als bisher zu begegnen. Die Ammern haben zu diesem Zweck im Benehmen nit dem Landesverband für den hessischen Ein­zelhandel einen für das ganze Land gültigen! Entwurf einer Ausverkauf s ord- 1 u n g ausgearbeitet und dem Herrn Minister iur Genehmigung vorgelegt.

Es war die Frage aufgeworfen worden, ob in Bedürfnis besteht, daß die der Eintragung jeöürftigen Angaben über die güterrechtlichen Verhältnisse außer in dem hierfür bestimmten Süterrechtsregister noch in einem zwei­

ten öffentlichen Register, nämlich dem Handels- regifter, ersichtlich gemacht würden. Die hessi- scheir Industrie- unb Handelskammern haben 7 i<e Stage bejaht und sich gegen die angeregte Aus­hebung der fraglichen Gesetzesbestimmung aus­gesprochen.

Die hessischen Industrie- und Handelskam­mern haben die Bedürfnis frage nach Verlän­gerung des Depot- und Depositenge- s e h e s bejaht.

Bestimmte Vorgänge haben den Kammern Veranlassung gegeben, sich erneut grundsätzlich gegen die rein schematische Regelung des Ver­hältnisses zwischen der Zahl der Angestellten und Lehrliitge in kaufmännischen Betrieben aus- zu sprechen.

Auf Anregung der Kammer wird sich der Vorort des hessischen Industrie- und Handels­kammertags beim Landesamt für das Bildungs- Wesen für eine einheitliche Regelung der Fe­rien der kaufmännischen Berufs­schule einsetzen.

In Sachen der Lahnkanalisierung hat die Kammer in einer Eingabe an das Mi­nisterium der Finanzen die eindringliche Bitte gestellt, 1. das Wasserbaumt in Mainz zu be­auftragen, den im März 1926 für die hessische Strecke ausgestellten Bauentwurf für 280-Ton- nen-Schiffe auf 190-Donnen-Schiffe im engsten Einvernehmen mit der Bauverwaltung der Stadt Gießen umzuarbeiten, und, da nach Mitteilung des Wasserbauamts Mainz dieses Projekt erst nach der Vorlage des Projektes für die zwischen- liegende preußische Strecke in Angriff genommen werden kann, 2. an die Reichsregierung mit dem Ersuchen heranzutreten, daß das Wasser­bauamt Diez mit der Ausarbeitung des Bau­projekts von Steeden bis Wetzlar beauftragt wird.

Trotz des einmütigen Protestes der In­dustrie- und Handelskammern ist die Er­höhung der Postgebühren durchgeführt worden: die Kammer gibt ihrem lebhaften Be­dauern darüber Ausdruck, daß der kaufmännische bewahrte Grundsatzkleiner Ruhen, großer älm- sah" so gänzlich von einem Institut außer acht gelassen worden ist, welches in erster Linie den Bedürfnissen der Wirtschaft zu dienen bestimmt ist. Die Zukunft dürfte bald lehren, daß die Postverwaltung einen falschen Weg eingeschla- gen hat.

Dem Antrag der Kammer auf Herstel­lung einer unmittelbaren Fern­sprechleitung Gießen Berlin konnte wegen des verhältnismäßig geringen Verkehrs nicht entsprochen werden. Es ist jedoch die Er­greifung anderer Maßnahmen (Umstellungen) zu­gesagt worden, welche den unverzögerten Fern­sprechverkehr mit Berlin zu fördern geeignet sind.

Auf Anregung der hessischen Kammern ist der Justizminister mit dem Finanzminister über die Frage ins Benehmen ge'reten, ob die Finanzlage es zuläßt, daß eine Ermäßigung der Ge­richts - und Rotariatsgebühren vvr- genommen werden kann.

Die gemeinsamen Bemühungen der hessischen Industrie- und Handelskammern um eine Er­mäßigung der Gebühren für Dampf - kesfelrevisio nen auf annähernd den Frie­denssah haben leider nicht den gewünschten Erfolg gezeitigt.

Die Lagermiete beim Hauptzoll- a m t Gießen ist mit Wirkung vorn 1. Juli d. I. um durchschnittlich 80 Proz. erhöht worden. Der von der Kammer erhobene Einspruch ist vom Prä­sidenten des Landesfinanzamts mit der Begrün­dung ab gelehnt worden, daß die Erhöhung für die einzelnen Mieter nicht nur tragbar sei, son­dern ihnen sogar noch einen nennenswerten Vor­teil lasse.

Die von der Reichsbahn aufgestelltenR icht- linien für Bahnhofswirtschaften und Dahnhofsverka ufs stellen kommen den berechtigten Wünschen des Einzelhandels bezüg­lich gleichmäßiger Anwendung der gewerbe- polizeilichen Vorschriften über Sonntagsruhe und Ladenschluß an Wochentagen nur in ganz ge­ringer Weise entgegen. Die Kammer wird daher ihre Bemühungen fortsetzen, daß auch die in den Bahnhofsgebäuden und auf bahneigenen Gelän- den untergebrachten Derkaufsstände grundsätzlich in die Bestimmungen über Sonntagsruhe und Ladenschluß einbezogen werden.

Die von interessierter Seite angeregte Wiedereinführung des P 0 sttele - Phons im Stationsgebäude Bermuthshain ist bei der zuständigen Stelle befürwortet worden.

Die Herstellung von Anschlüssen zwischen D 180 und P z. 1 858 auf den Strecken Gießen Friedberg und Friedberg Hanau sowie zwischen Pz. 776 und Pz. 2918 auf den Streuen G i en Fr iedb erg und Fried­bergBad-Homburg ist beantragt worden.

Die bei der Reuaufstellung der Lehr­pläne für die gewerbliche Abteilung der Fortbildungsschule von der In­dustrie- und Handwerkskammer in Gemeinschaft mit der Handelskammer vorgetragenen Wünsche sind nur zum geringsten Teil berücksichtigt wor­den. In einer nochmaligen Eingabe an das Lan­desamt für das Dildungswesen hat der Vorort des Handelskammertags wiederholt in eindring­licher Weise bar um gebeten, den Lehrplan in einer den berechtigten Forderungen von Industrie und Handwerk entsprechenden Weise umzuge­stalten.

Gießener ToochenmarLtpreise.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Butter 180 Pfennig, Matte 25 bis 30, Käse (10 Stück) 60 bis 140, Wirsing 15 bis 25, Weiß­kraut 15 bis 20 Rotkraut 25 bis 30, gelbe Rüben 15, rote Rüben 15, Spinat 35 bis 40, Römischkohl 12 bis 15. Bohnen (grüne) 20 bis 25. (gelbe) 25 bis 30, Erbsen 20 bis 25, Tomaten 25 bis 50, Zwiebeln 20, Rhabarber 15, Pilze 30,

Kartoffeln 7 bis 8, Frühäpfel 30 bis 40, Dirnen 20 bis 35, Kirschen 40 dis 50, Heidelbeeren 40 bis 45, Stachelbeeren 25 bis 30, Johannisbeeren 23 bis 25, Pflaumen 25, Zwetschen 50 bis 60, Mirabellen 60 bis 70, Reineclauden 50 bis 60, Himbeeren 45, junge Hahnen 100 bis 110, Suppenhühner 100 bis 110 das Pfund: Eier 13 bis 14. Blumenkohl 15 bis 50. Salat 5 bis 10, Salatgurken 25 bis 50, Einmachgurken 4 bis 6, Endivien 15, Oberkohlrabi 5 bis 12, Rettich 10 das Stück: Radieschen 10 Pfennig das Bund.

Bornolizen.

Tageskalender für Donnerstag. Abonnementskonzert der Reichswehrkapelle: 8% Uhr auf derLiebigshöhe". Palast-Lichtspiele:Leichte Isabell". Astoria-Lichtspiele:Die Höschen des Fräuleins Annette".

Aus dem Stadttheaterbureau wird uns geschrieben: Am Dienstag, 9. August, geht eine Komödie von Ludwig Fulda, der in diesen Tagen seinen 65. Geburtstag gefeiert hat, in Szene, und zwarDer Lebe nsschüler". Das Werk, das ungefähr zehn Jahre alt ist, ist für hier Erstaufführung. Das sehr ansprechende Stück behandelt das Problem eines empfind­samen jungen Mannes, der rein und voller Ide­ale in allem nur das Schöne sieht. Die Haupt­rollen spielen die Herren T a n n e r t und Gaf­fers und Fräulein Baumann. Die Spiel­leitung liegt in den Händen des Herrn V 0 l ck.

L. A. Gießens Glückwunsch an Mar­burg. Bei der Marburger Vicrhundertjahrseier überreichte Seine Magnifizenz der Rektor der Landesuniversität Professor Dr. Dr. Zwick eine Glückwrmschadresse, die in deutscher lleberschung lautet:Die Universität Marburg, die alrrn mater Philippina, untere Schwester und Rachbarin, der wir uns durch gemeinsamen Ursprung und ge­meinsames Streben eng verbunden fühlen, be­glückwünschen wir von Herzen zu der gegen Ende dieses Monats ftattfinbenben Vierhundertjahr­feier und wünschen ihr Heil, Glück und Ruhm für die kommenden Jahrhunderte. Rektor und Senat der Ludwigsuniversität zu Gießen. Am 15. Juli 1927. gez. Zwick." Die von Gewerbe­lehrer Woelke in Schwarz und Rot kunstvoll ausgeführte Adresse zeigt die Medaillonbilder Philipps des Großmütigen und Ludwigs des Getreuen und ruht in einer Pergamentmappe, die mit dem Antoniterkreuz geschmückt ist.

** Personalien. Ernannt wurden: am 15. Juli die Polizeiwachtmeister Karl K 0 r e l l, Wil­helm S ch w i n n, Georg S t a b e l. Karl Schrö­der, Friedrich Franz, Otto Steinbrink, Karl Kappes, Andreas Gruber, Heinrich Gruß, Karl H a f e r k 0 r n . Wilhelm B e ch t- tz 0 l d, Heinrich Deuker, Philipp S ch w i n n in Darmstadt, Hermann Reher, Heinrich S ch a r b t, Heinrich Selzer. Bernhard Bäcker ist Gießen zu Kriminalwachtmeistern, sämtlich mit Wirkung vom 1. April 1927 ab; am 29. Juli der Haupt- staatskassier Eberhard Schmitt in Darmstadt zum Rechnungrat bei der Hauptstaatskasse, der Kassengehilfe bei der Hauptkasse des Hessischen Landestheaters Franz Philipps in Darmstadt zum Kanzlisten vom 1. August 1927 ab.

8 5. Geburtstag. Am 6. August begeht Frau Bock, Bahnhofstraße 34, ihren 85. Geburtstag in voller geistiger und körperlicher Frische.

** Der Allgemeine Deutsche Auto- mobilclub (A. D. A. C., Sih München) ver­anstaltete in diesen Tagen seine diesjährige Deutschlandfahrt". Die Fahrt führt vom Start Halberstadt aus über KasselMarburgGießen Bad-EmsRüdesheimDingen durch die Pfalz über SchwetzingenHeidelberg nach Freiburg i. D. Bei seiner Fahrt, an der sich etwa 300 Teilnehmer beteiligten, besuchte der Club auch seinen hiesigen Zweigverein, den Auto- und Motorrad-Club Gießen E. V. und verlebte mit diesem einige angeregte Stunden. Die zahlreichen in der Jo- hannesstrahe und Plockstraße aufgestellten Wagen zogen natürlich eine große Menge Reugieriger an. Die Beteiligten waren von dem Besuch in Gießen sehr befriedigt, so daß zu erwarten steht, daß auch im kommenden Jahre unsere Stadt auf der großen quer durch Deutschland führenden Fahrt eine wichtige Etappe bilden wird.

** Kriegsgräberfürsorge. Der Volks­bund deutscher Kriegsgräberfürsorge in Berlin, der sich zur Aufgabe gemacht hat, die deutschen Krieger­gräber zu pflegen und zu betreuen und den Ange­hörigen der gefallenen und in Feindesland bestat­teten Krieger mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, hat in seiner ZeitschriftKriegsgräberfürsorge" er­neut über seine Tätigkeit und seine Arbeiten Rechen­schaft abgelegt. Don Tag zu Tag wächst die Zahl von Anfragen der Angehörigen nach den letzten Ruhestätten ihrer teueren Toten, und dennoch fehlen noch so unendlich viele, die sich nicht voll Vertrauen an den Volksbund um Auskunft wenden. Soweit menschenmöglich, hilft er jedem, insbesondere auch, was die Beschaffung von Lichtbildern und die Schmückung der Grabstätten angeht. Die Zahl der Bereinigungen, der Städte, der Verbände und Orts­gruppen des Volksbundes, die eine Patenschaft über einen deutschen Kriegerfriedhof im Ausland über­nommen haben, nimmt erfreulicherweise immer mehr zu. Auf diese Weise wird die Volksbundarbeit nach und nach zum Allgemeingut des ganzen deut­schen Volkes. Zurzeit werden Entwürfe für die Her­richtung zahlreicher Friedhöfe in Polen ausgearbei­tet, die in engster Zusammenarbeit mit dem Aus­wärtigen Amt demnächst zur Ausführung gelangen werden.

** Der Kampf gegen die Tierq- le r. Der Verband der Tierschutz vereine von Groß-Berlin hat vor einiger Zeit eine Unter­schriftensammlung eingeleitet, die den Zweck hat, gegen die Tierquälerei vorzugehen. Es soll nämlich dem Reichstag eine Petition einge­reicht werden, die eine strengere Bestrafung der Tierquäler fordert. Bisher konnten nahezu

250 000 Unterschriften erlangt werden, es steht aber zu erwarten, daß sich diese Zahl noch ganz bedeutend vergrößert, da die Aktion der Tier- schuhvcreine allenthalben auf das weitestgehende Interesse gestoßen ist. In den Dienst der Be- ftirebungen gegen die Tierquälereien haben sich auch verschiedene Parlamentarier gestellt, die bei den großen öffentlichen Kundgebungen, die nach der Schließung der ilnterfd:riit[iften statt- finden sollen, öffentlich gegen die Tierquälerei auftreten werden. In welcher Form die Be­strebungen der Tierfreunde geseyftch feftgelegt werden sollen, steht bisher noch nicht scsi. Es sind zwar eine ganze Reihe von Dorschlä.gens bereits eingehend ausgearbeitet wordm: da aber sich die offiziellen Stellen mit den Bestrebungen noch nicht besaßt haben, muß erst das Ergebnis der Unterschriftensammlungen und der Daran) anschließenden Kundgebungen abgewartet werden.

** Aerztliche Untersuchung der N 0 t - standsarbeitcr. In einem Schreiben des Reichsarbeitsministers werden Klagen darüber zur Sprache gebracht, daß zu Rotstandsarbeiten häufig Erwerbslose zugcteilt würden, die den körperlichen Anforderungen der Arbeit nicht gewachsen seien. Dies habe für den Arbeiter gesundheitliche Schiidi- gungen und für den Unternehmer unwirtschaftliche Verteuerungen zur Folge. Es ist daher angeregt worden, Erwerbslose vor ihrer Zuweisung zu Rot- standsarbeitcn einer ärztlichen Untersuchung zuzu­führen. Ergeben sich hierbei begründete Zweifel an der Eignung eines Erwerbslosen, so wird er zu der Arbeit nur dann zugewiesen werden dürfen, wenn dies vom Arzt für unbedenklich erklärt wird. Eine ärztliche Untersuchung der Erwerbslosen emp­fiehlt sich besonders vor der Zuweisung zu auswär. tigen Arbeiten. Die Kosten der ärztlichen Unter- suchung sind als notwendige Kosten der Arbeits­vermittlung anzusehen, wenn sie nicht auf andere Weise aufgebracht werden können.

** Erhebungen in der Krifenfür- sorge. Der Präsident der ReichLarbeiisverwal- tung hat den Landesarbeitsämtern mitgercill, daß zur Feststellung der persönlichen und wirtschaft­lichen Verhältnisse der Krisenunterstühten eine einmalige Erhebung mit dem Stichtag des 15. Juli 1927 vorgenommen wird. Die Fragestellung richtet sich in der Hauptsache danach, ob Familienzu- schläge gezahlt werden, wieviel Wochen der Unter- stützte innerhalb der letzten 12 Monate vor Ein­tritt in die Erwerbslosigkeit gearbeitet hat, wann! der Tag der Aufnahme in die Erwerbslosenfür­sorge und der Tag der erstmaligen Aufnahme in die Krisenfürsorge gewesen ist: welches der! Beruf des Unterstützten ist, uni) wodurch die Unterbringung in eine freie Arbeitsstelle er­schwert oder verhindert wird. Ferner sucht die Erhebung feftzusteften, ob und wie weit der Unter­stützte Empfänger von Renten ist.

* Auftrieb auf dem heutigen Frank­furter Schlachtviehmarkt: 1092 Kälber, 240 Schafe, 703 Schweine.

Berliner Börse.

Effekten-Frühverkehr.

Berlin, 4. Aug. (WTB. Funksprüch) D>e freundliche Grundstimmung der gestrigen Abendbörse hat sich auch im heutigen Frühoerkehr erhalten. Das Geschäft beschränkt sich auf Spezialwerte, wobei Frei­gabe-Papiere bevorzugt zu fein scheinen. Hapag und Nordlloyd nennt man mit 151,5; Farben 318,5/319. Am Devisenmarkt hört man Paris mit 124,03; Mai­land 89,30; Madrid 28,55 und das Pfund mit 4,8580.

Rundsunk-Progrm im

des Frankfurter Senders»

(Aus der .Radiv-Llmschcm".)

Freitag, 5. August:

13 bis 14 Uhr: Reue Schallplatten. 16.30 bis 17.45 Uhr:Wie machen wir unsere Kinder kräftig und widerstandsfähig?" Vortrag von Anna Edinger. 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. 18.15 bis 18.30 Uhr.Auffrischen von Eommergarderobe", Vottrag von Mathilde Meisel (nachgeholt!). 18.30 bis 19 Uhr: Funkhochfchule:Giovanni Gentile und die italienische Philosophie der Gegenwart", Vor­trag von Privatdozent Dr. Heinemann. 19 bis 19.25 Uhr:Die Universität Tübingen", Vortrag zu ihrem 450jährigen Jubiläum von Theodor Eschenburg. 19.25 bis 19.30 Uhr: Wirtschaftsmeldungen. 19.30 bis 19.50 Uhr: Zwanzig Minuten Fortschritte in Wissenschaft und Technik. 19.50 bis 20 Uhr: Film- Wochenschau. 20 bis 20.30 Uhr: Uebertragung aus dem Bandhaus ift Heidelberg:Der deutsche'Fest­spielgedanke", Vortrag von Dr. Goldschmidt. 20.30 Uhr: Uebertragung aus dem Bandhaus in Heidel­berg: Heidelberger FestspieleMacbeth" von Shake­speare. Leitung: Intendant Gustav Hartung. Ende gegen 23.30 Uhr. Anschließend: Uebertragung von Kassel: Heiterer literarischer Abend.

Sprechstunden der Redaktion.

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