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M. 180 Erstes Blatt

177. Jahrgang

Donnerstag. 4. August (927

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhessen

Druck und Verlag: Brühl'sche Universitäts-Buch und Steindruckerei N. Lange in Siehen. Schriftleitung und Geschäftsstelle: Zchulstratze 7.

noch nicht vor. Jedoch fchter« düngen derAssociated Preß' | der hiesigen Auffassung n i ch I keit zu einem positiven Erge

über den Inhalt nach

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Inflation^- und Krisenzeit erfreu« > rneuten Aufstieg nehmen. Man ter in den handwerklichen Waren- zusam-mengeschlossenen Handwerker

, , v ,, -t die ersehnte Möglich­keit zu einem positiven Ergebnis der Konferenz zu

be- Ge-

iftückschlaa i--r licherwrise schätzt die Zahi genossen schäften

(Erfd)etnt täglich,außer Sonntags und Feiertags.

Beilagen:

Gießener Familienblätter Heimat im Bild Die Scholle.

monats=Bejng$prei$:

2 Reichsmark und 20 Reichspsennig für Träger­lohn, auch bei Nichter­scheinen einzelnerNummern infolge höherer Gewalt. Fernsprechanschlüsse: 51, 54 und 112.

Anschrift für Drahtnach­richten: Anzeiger Gietzen. Postscheckkonto:

Frankfurt am Main 11686.

auf 200000 Ebenso groß wird die Zahl der selb- stiändigen Handwerker sein, die Mitglieder einer dem Rutschen Genossenschaftsverband angeschlossenen Wrsditgenossenschaft sind, so daß von den etwa

Annahme von Anzeigen für die Tagesnummer bis zum Nachmittag vorher.

Preis für 1 mm höhe für Anzeigen von 27 mm Breite örtlich 8, auswärts 10 Reichspsennig; für Re­klameanzeigen von 70 mm Breite 35 Reichspfennig, Platzvorschrift 20n, mehr.

Chefredakteur.

Dr. Friedr. Wilh. Lange. Derantwortlich für Politik Dr. Fr. Wilh. Lange; für Feuilleton Dr. H.THyriot; für den übrigen Ted Ernst Dlumschein; für den An­zeigenteil Kurt Hillmann, sämtlich in Gietzen.

1 200 000 Hairdwerksbetrieben doch schon eine keächtliche Anzahl den fördernden Gedanken des nossenschaftswesens erkannt haben.

So wird eine umfangreiche und Achtung bietende Erziehung unseres Handwerkers

Washington, 3. Aug. (Wolft.) Im Staats­departement lag der japanische Komvromißoorschlag noch nicht vor. Jedoch schienen die bisherigen Mel»

Berlin, 3. Aug. (WB.) Der Versuch von Berlin, in direkten radiotelefonischen Verkehr m i t Buenos-Aires zu treten, ist heute abend vom Fox-Haus unternommen worden und glän­zend gelungen. Mit Hilfe des Kurzwellensenders und der sonstigen technischen Einrichtungen der Transradiogesellschaft ist die 12 500 Kilometer betragende Entfernung überbrückt worden und die sämtlichen elf Redner, die nach Buenos-Aires sprachen, sind, wie die nach wenigen Minuten eingehenden drahtlosen Telegramme meldeten, ausgezeichnet verstanden worden. Als erster sprach namens des Reichspostministeriums Staatssekretär Dr. Feyerabend. Seine An­sprache lautete:

Meine sehr geehrten Herren I Am heutigen Tage haben sich in Berlin und zu gleicher Zeit in der argentinischen Hauptstadt Vertreter der Behörden, Gesellschaft uni> der Presse versammelt, um einem Versuche beizuwohnen, welche die Deutsche Telesunlen-Gesellschaft schon seit einiger Zeit regelmäßig ausführt, um zwischen Berlin und Buenos-Aires eine drahtlose Verbindung zu schaffen. Die Deutsche Reichspost als Ver­mittlerin des elektrischen Rachrichtenverkehrs be­gleitet diese Versuche mit dem größten Interesse; sie ist auf Grund der bisher er­zielten günstigen Ergebnisse überzeugt, daß es der drahtlosen Technik in naher Zeit gelingen wird, einen regelmäßigen Fernsprech­verkehr zwischen Deutschland und Argentinien einzurichten. In dieser Erwar­tung ist es mir als dem Leiter des deutschen Telephonie- und Femsprech-Telegraphen und des Fewrsprechwesens eine besondere Freude, Sie meine Herren, die Sie auf der südlichen Hälfte unseres Balles meinen Worten zuhören, aufs herzlichste begrüßen zu können. Mein Gruß gilt aber nicht nur Ihnen, die meine Worte hören, er gilt auch Dem schönen Lande, in dem die Deut­schen stets gastliche Ausnahme gesunden haben und wo sie sich wohl fühlen. Ich bitte Sie, Ihrer hohen Regierung und der uns befreundeten argentinischen Post- und Telegraphenverwaltung unsere aufrichtigen Grüße und unsere besten Wünsche für eine baldige Eröffnung eines regel­mäßigen Fernsprechverkehrs zwischen Berlin und Buenos-Aires zu übermitteln."

Als Zweiter sprach der argentinische ßegations- rat Dr. Edouardo Racedo im Namen des Ge­sandten Onuntana seine hohe Befriedigung und hohe Freude aus über die erstaunlichen technischen Fortschritte, die diesen unmittelbaren Verkehr zwi­schen den beiden befreundeten Ländern ermöglichen. Sodann sprach der Reichsprüfungskommissar, Staatssekretär a. D. Dr. Bredow. Die Grüße des Auswärtiaen Amtes übermittelte der stellvertretende Reichspressechef, Geheimrat Dr. o. Baligand, mit folgenden Worten:Das Auswärtige Amt be­grüßt den heutigen Versuch als ein bedeutsames Glied in der Kette der Bestrebungen, den Fortschritt der Technik in den Dienst der Verständigung der

Völker zu stellen. Es ist besonders erfreulich, daß es den Deutschen künftig möglich sein wird, ihren alten Sympathien für die argentinische Ration über die Meere mündlichen Ausdruck zu geben. Herr Reichsaußenminister Dr. S t r e f e in a n n läßt Sie grüßen."

Es folgten Vertreter des WTD. und der übrigen Rachrichtenagenturen, Herr. H. Grün- feld als Vertreter der Internationalen Han­delskammer, Graf Arco, der mit ergreifen­den Worten an die vor 30 Jahren unternom­menen ersten bescheidenen Versuche auf dem Gebiete der Ausnutzung der elektrischen Dellen erinnerte, Exzellenz Dr. v. d. Bussche-Had- denhausen als Vertreter des deutsch-argen­tinischen Zentralverbandes und zum Schluß vom Reichspostministerium Ministerialrat Arendt, der auch die Einführung der einzelnen Redner und dve Verdolmetschung der deutschen Reden übernommen hatte. Die Antwvrttele» g r a m m e waren recht humorvoll und bezeug­ten die Begeisterung, die auch in BuenoS-Aires bei den dorr versammelten Vertretern der Trans- radio Argentina, -der argrnttnischen Regierung, der deutschen Gesandtschaft und der deutschen Kolonie über die gelungenen Versuche geherrscht hat. Die somit durch drahtlose Telephonie ver­bundene Strecke beträgt 12 500 Kilometer. Es besteht zwar schon zwischen London und Aeu- hork eine telephonische Funkverbindung von 5500 Kilometer. Die deutsche Firma Teles unken hat für ihre weit größere Strecke zunächst nur in Berlin bzw. durch gewöhnlichen Fernsprechver­kehr in Rauen den Sender, während der Emp­fänger bei Buenos-Aires in Vrllia Elisa steht, der di« Sprechschwingungen durch Draht nach Buenos-Aires weiterleitet. Die Telefunkengesell» schäft stellt jedoch an die Sprechenden weniger große Anforderungen als sie in der Funkver­bindung LondonReu ho rf benötigt werden. Die deutsche Verbindung gckht durch kurze Wel­len, während die englisch-amerikanische durch lange Wellen geht.

Zu Beginn Ser Veranstaltung hatte Staatssekre­tär S a u t1 e r namens des Reichspostministers die Gäste, insbesondere die argentinischen Herren, aufs herzlichste begrüßt und den Wunsch ausgesprochen, daß das neue Verkehrsmittel der Annäherung der Völker dienen werde. Bei dem sich anschließenden Imbiß wurde die Absendung eines Begrüßungstele- gramms an Reichspostminister Dr. Schätz! be­schlossen. öegationsrat Racedo verlas ein Tele­gramm des argentinischen Marineministers, der höchste Befriedigung über die glänzend gelungene Veranstaltung aussprach und dem Präsidenten des Deutschen Reiches die Grüße des ebenfalls aufs höchste befriebiaten Präsidenten der argentinischen Republik zu übermitteln bat. Staatssekretär Dr. Bredow feierte in bewegten Worten die Der- dienste des Reichspostministeriums, der Telefunken- gesellschost und des Grafen Arco um technische Er- rungensckxaften, die heute den .,W e l t r u n d f u n k" in unmittelbare Röhe rücken.

Sie Ächulprüfungen in Ost-Oberschlesien.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 4. Aug. Die Schulprüsuagen in Ost-Oberschlesien, die auf Grund der Genfer Vereinbarungen von dem Schweizer Schulfach­mann Maurer trorgenommen werden, sind ent­gegen vielfach ausgestreuter Rachrichten, die wahrscheinlich in besonderer Färbung aus der polnischen Presse genommen worden sind, ganz im Sinne unserer Erwartungen aus­gefallen. Dies fit um so mehr zu begrüßen, als auch die oberschlesische Schulfrage Anlaß gab, die deutsch-polnischen Handelsvertrags» Verhandlungen erst dann weiter fortzu- führen, wenn die einschlägigen politischen Fragen einwandfrei geregelt wären. Selbstverständlich läßt sich zur Zeit das Resultat der Schulprüfu.ngen noch nicht im einzelnen überblicken. Die veröffent­lichten Zghlen, die vielfach in verschiedenen Blät­tern auftauchten, sttmmen jedoch, tote wir er­fahren, auf keinen Fall. Wir glauben ober zu wissen, daß das diesbezügliche Material zur Zeit bei den zuständigen Stellen vorliegt und dort im einzelnen gesichtet wird. Eine Frage verbleibt allerdings noch zu klären, und das ist, ob üic damalige Genfer Regelung nur für dieses Schuljahr zu gelten hat, dahin geh! jeden­falls unsere Auffassung, oder ob die Abmachung für alle Fälle Geltung haben soll. Ob des­halb der Völkerbund sich noch einmal mit D?r Frage zu beschäftigen hat, steht, noch dahin. Es müßte jedoch dann erst ein dahingehender An­trag von feiten der polnischen Regierung oder des Präsidenten der gemischten Kommission Ea- londer an den Völkerbund gerichtet werdm

vor dem Abbruch in Genf.

Das Schicksal

des japanischen Kompromitzvorschlags.

Lo n d o n, 4. Aug. (ZDB. Funkspruch.) Arn frühen Rachmittag des Mittwoch wurde in aller Eile eine Sifoung des Kabinetts einberufen, die sich, wie ver­lautet, mit dem Vermittlungsvorschlag der japanischen Delegation in Gens be­faßte. Es heißt, daß ein Telegramm mit Instruk­tionen nach Genf abgesandt wurde, das weder eine endgültige Annahme, noch eine Ablehnung desjapanischen Vorschlags enthalt. Gestern abend wurde in gut unterrichteten Kreisen erklärt, daß die britischen Delegierten die Anweisungen wegen des japanischen Vorschlags er­halten haben. Die Tatsache, daß eine neue Son­dersitzung des Kabinetts für heute mittag einberufen worden ist, deutet darauf hin, daß die britischen Hauptvertreter in Genf nicht in der Lage sein werden, heule der Konferenz die An- sichten der britischen Regierung vorzulegen. Reu­ter meldet aus Genf von 0.30 Uhr früh: Es ist un- möglich, gegenwärtig das Ergebnis der privaten Zu­sammenkunft der drei Delegationsführer festzu­stellen. Die Zusammenkunft begann um 10 Uhr abends und dauerte bis Mitternacht. Ls verlautet, daß die hauptdelegierten das Programm der heutigen Plenarsitzung erörterten. Ge­rüchtweise verlautet, daß die heutige Konferenz mit einem Mißerfolg enden wird.

Die Auffassung Amerikas.

Keine Hoffnung

auf ein Gelingen der Konferenz.

Das neue Handwerk.

Don Reichswirtschaftsminister Dr. C u r t i u s.

Das Handwerk hat feine spezifischen Produktions« gebiete erhalten und hat selbst in den bestrittenen Gebieten sich durchzusetzen gewußt aber dieses Handwerk ist nicht mehr das alte historische Hand­werk mit einer durch Jahrhunderte vererbten .Ar­beitsweise. Sein« Betriebsformen haben sich mit der fortschreitenden technischen Entwicklung um­gebildet, jeweils verschieden bei seinen einzelnen Zweigen und Bedarfsgebieten. Es ist ein gewaltiger llmwandlungsprozeß, der sich innerhalb des Hand­werks vollzieht. Rur auf dem flachen Lande, wo noch am ehesten das Handwerk sich durch einen natürlichen Schutz des geschlossenen Bedarfsgebietes der Kon- lurrenz erwehren konnte, finden wir noch die alte, »an den Vätern ererbte Betriebsweise. Schmied und Stellmacher, Schuhmacher und Schneider haben hier noch ihren ursprünglichen Charakter erhalten. Auch in der Stadt gehen noch einzelne Berufe, wie Schornsteinfeger und Töpfer, in gleicher Weise wie früher ihrer Arbeit nach. Aber im großen und ganzen ist das .Handwerk in den größeren Ver­brauchsbezirken an!'-dverfchieden von der früheren Zeit. Um den :rrenzkampf mit den Massen­artikeln auszunehmen, das heißt um mit den Prei­sen des Fabrikbetriebes konkurrieren zu können, hat cs die Maschine und den Kleinmotor in die 'Werkstatt hereingeholt und damit seinen bisherigen ifeind, den technischen Fortschritt, sich zum Verbün­deten gemacht. So wurde z. B. in den Bäckereibetrie­ben fest gestellt, daß von den 94 000 Betrieben 43 000 rrcrschinelle Einrichtungen besitzen, und daß in 90 000 ^beifchereibetrteben 216 000 PS motorische Kräfte tätig sind.

Da aber die kapitalistische Unternehmung oftmals weniger durch die Maschine als durch die Kapital- i vermacht überlegen ift, hat das Handwerk weiter­hin versucht, durch Bildung von Kreditgenossenschaf- km wohlfeite Betriebsmittel zu erhalten, um f»wohl die gesamte Betriebsweise zu modernisieren, f eine Lagerhaltung zu vergrößern wie auch den handwerklichen Betrieb selbst durch Ausdehnung und durch Einrichtung einer aewissen aber immer noch handwerklichen Arbeitsteilung verbreitern zu können. Um die Konkurrenz der Fllialbetriebe zu tref­fen, hat es weiterhin die Ausstattung feiner Der- 'cnfsräume verbessert und alle Formen moderner Konkurrenz, der Kundenwerbung von dem Re­klamewesen bis zu den Messeschauen in seinen Bereich übernommen. Vor allem aber hat es seine Einstellung zur kaufmännischen Seite der Be- lriebsführang zu wandeln versucht. Erst die kauf- mänische Betriebsführung zeigt ihm, in welcher Weise die Kosten des Betriebs durch technische oder organisatorische Neuerungen zu vermindern, die Hawdlungskosten herabzudrücken sind, um hierdurch irn Preiskampf besser zu bestehen. Auch der Hand- Derker gewöhnt sich, selbst im Rahmen der Kunden­produktion für die Anschaffung seiner Rohstofsläger sehr wohl an den konjunkturell günstigen Einkauf, (»weit dies die Betriebsmittel ermög>lichen. Eine Er­leichterung gewähren ihm hierbei die Waren- xe n o s se n s ch a f t e n , die sich vorzüglich im Bäckereigewerbe ausgebreitet haben und nach dem

Rationalisierung unter Anleitung des In­stituts für rationelle Betriebsführung im Hand- loert in Karlsruhe und zwar nicht nur an den Heranwachsenden Gehilfenstand, sondern auch allerdings oft mit größten Schwierigkeiten an fan altenPraktikern". Wertvolle Beispiele dieser Arbeit zeigt uns die Mün«chener Ausstellung. Sie gjbt vor allem eine ansehnliche Darstellung der Modernisierung und Rationalisierung handtoerk- licher Betriebsweise, die zweckmäßige Form der Verwendung von Maschinen, der Lagerung der Rohstoffe, der den geringsten Aufwand an Zett u-itb Kräften zeitlichen und örtlichen Anordnung tnß Arbeitsprozesses, aber führt uns auch gleich- teitig eindringlich und plastisch die beste Art der kaufmännischen Buchführung vor.

Es ist also nicht mehr der altebiedere Hand­werker" mit seiner durch Absatzregelung gesicherten Jtibrung, den wir im modernen Handwerk vor uns heben, es hat in ihm sich die innere Einstellung zum ,Derk der Hand , auch zum ganzen Betriebe ge- ärbert. Mit diesen Wandlungen müssen wir auch un- e ren Begriff vom Handwerker umbilden. Es ijt für den Begriff des Handwerksbetriebes nicht urchr allein maßgebend, ob der Meister selbst noch h-cnd anlegt in der Werkstatt; es ist nicht mehr ent- sHeidend die Größe des Betriebes, die Zahl der Ge­hilfen, die Art ihrer Arbeitsteilung, die Verwendung nort Maschinen. Wesentlich bleibt nur, daß der Mei- [ter auf Grund seiner handwerklichen Ausbildung mit Hilfe von handwerklich geschulten Gehilfen sein Okmerbe ausführt. Dies ist das Handwerkertum, das oi!(h aus dem schärfsten Konkurrenzkampf aus Nie­derlagen und Rückschlägen herauskam, das der neuen Zeit eine neue Selbstbehauptung und den Er- mtigenschaften auf technischem, kaufmännischem und organisatorischem Gebiet den ersten Willen zur An- paffung entgegenbringt. Das deutsche Handwerk ist jlfo nicht untergegangen. Aber sein Wesen hat sich lux 3uge der Zeit gewandelt, so daß das Dichterwort Stirb und werde" als Leitsatz über seiner jüngsten Entwicklungsgeschichte stehen kann.

bilden. Es wird im Staatsdepartement darauf hin- gewiesen, daß England 387 000 Tonnen Kreuzer fertig oder im Bau habe, und daß es weitere 680 000 Tonnen bewilligte. England würbe im Jahre 1931 eine ©ejarnttonnage von 450 000 Tonnen haben. Das sei erheblich mehr, als Amerika zu bauen beabsichtige. Es wird betont, daß Amerika jede Zahl über 300 000 Tonnen für übertrieben halte. Es sei zwar bereit, bis 400 000 Tonnen zuzugeben, wenn andere Bedingungen in bezug auf Schiffs- alter und Kaliber erfüllt würden Amerika müsse aber gegenüber den jetzigen Vorschlägen, sich auf 300 000 Tonnen als das Höchstmaß zurückziehen, besonders da Englands Berechnung des Schiffsalters ganz unannehmbar sei.

Kellog berief sofort nach Empfang der Genfer Meldung derAssociated Preß" den bnttschen Bot­schafter und setzte ihm den Standpunkt der Regie­rung auseinander. Der neue Vorschlag Japans müsse in Genf zwar formell besprochen wenden, aber man glaubt hier nicht, daß die Vollsitzung am Donnerstag stattfinden kann. Gegenüber den täglich sich wieder­holenden Forderungen derNeuyork World" und anderer Blätter, daß Coolidge vermitteln und mit Baldwin in Buffalo sprechen solle, erfährt Philadelphia Public Ledger" aus Rapid City, daß der Präsident nicht die Absicht habe, mit Baldwin die Marinekonferenz zu besprechen, schon mit Rücksicht auf Japan, das eine solche Besprechung als Zurück­setzung empfinden könnte.

Da die demokratischeBaltimore Sun" in den letzten Tagen behauptete, daß die neuen englischen Vorschläge niedriger wären, wurde heute im Staatsdepartement ausgeführt, daß die arnettkani- schen Vorschläge für Kreuzer, Zerstörer und Unter­seeboote 640 000 Tonnen vorsahen, während Eng­land 737 500 Tonnen fordere. Dazu käme die Ver­ringerung des Schifssalters von 20 auf 18 Jahre für große und auf 16 für kleine Kreuzer. England ver­lange also etwa 100 000 Tonnen mehr als Amerika. Don diesen 737 000 Tonnen sind 426 000 für Kreuzer vorgesehen. Da aber England Freiheit innerhalb der Gesamtton­nage verlangt, könnte es sogar mehr als 426 000 Tonnen Kreuzer bauen, ein Plan, dem Amerika niemals zustnnmen wird. 300 000 Tonnen werden hier als hinreichend, jede Zahl über 400000 Tonnen als unöistutierbar ange­sehen.

Das deutsche Eigentum in Amerika.

Die Ausfichten der Freigabebill.

Eigene Drahtmeldung desGießener Anzeigers".

Berlin, 4. August. Nachdem am 4. März d. I. sich der cnnerckanische Senat vertagte, o.-ne die Freigabebill erledigt zu haben, sind die Mo­nate nunmehr dahingegangen, und es scheint säst so. als wäre das allgemeine Interesse an dem weiteren Schicksal der Bill verlorengegangen. Dem ist aber mcht so. Auf jeden Fall dürfte es, wenig­stens gehen die Ansichten der amerikanischen Kreise in dieser Richtung, m der außerordent­lichen Session des Senats im Dezember doch noch zu einer Erledigung der Frfteabeb.Il komn.en.

Diese Hoffnungen srnd um so begründeter, als namentlich von feiten der amerika na­schen Gläubiger energisch darauf gedrungen wird, daß es doch nun bald zu einer Regelung der amerikanischen Forderuirgen an Deutschland und formt also auch der deutschen Forde­rungen an Anrerika kommen müsse. Dies findet fernen wesentlichen Grund in der außer­ordentlichen Rotlage, in der sich eine große An­zahl der amerikanischen Gläubiger befindet. Wir nahmen deshalb Beranlassung, uns einmal in bestunterrichteten amerikanischen Äre r?n über die augenblickliche Situation zu erkundigen, und fan­den dabei das Vorherrschen eines ^^.i.:n'.s.nus, der immerhin überraschenb war. Jedenfalls nimmt man in diesen Kreisen auf das bestimmteste an, daß es auf feinen Fall zu einer weiteren Ver­schleppung der Dill kommen wird.

Es war dabei interessant zu hören, in welchem Umfange sich die amerikanischen For­derungen an Deutschland bewegen. Von ni.,t weniger als 12 500 vorgebracknen Forderungen sind von der Prüfungskommission in Amelia 9500 einfach abgelehnt worden. Darunter be­fanden sich allerdings auch Forderungen, deren Begründung mehr als seltsam war. Stellten also sonnt die einfach aufs Geratewohl eingebrachten: 12 500 Forderungen eine Summe von 1,5 Billio­nen Dollar dar, so haben sie sich nach der außerordentlich scharfen Prüfung auf 185 Millio­nen Privatforderungen und 60 Millionen Dollar Regierungsforde.un^en ermäßigt, sie machen also zusammen rund 250 Millionen Dollar aus.

Die deutschen Forderungen an Amerika be­laufen sich ungefähr auf 300 Millionen Dollar und befinden sich im Besitz des Aliens Properth Custodian. Rach dem ursprünglichen Gnitourf der Freigabebill sollen 80 Prozent dieser Vermögen freigegeben werden. 100 Mil­lionen Dollars waren dabei ursprünglich fiür die Forderungen der Reedereien und den Er­sah für Radioanlagen, Patente usw. angestellt. Das Finanzkomttee machte bekannt­lich seinerzeit den Versuch, die Freigabe auf 50 Prozent herabzudrücken, wodurch es eben zu der bekannten Verschleppung über die Tagung des Kongresses im März hinauskam. Welcher Prozentsatz numnehr durchkommen wird, steht allerdings noch dahin. Die allgemeinen Ansich­ten liegen jedvch in der Richtting, daß man 80 Prozent wiederum als möglich ansieht. Die erforderlichen Kapitalmittel liegen, wie ja be­kannt, schon seit langem bereit.

So ist die augenblickliche Situation. Daß selbst­verständlich auch technische Gründe seinerzeit bei der Verschleppung mitspielten, liegt im Wesen der amerikanischen Gesetzesarbeit begründet. Denn nicht weniger als 11 000 ..Gesetze" werden durchschnittlick während einer Session erledigt, wobei man jedoch unter Gesetz zumeist auch Privatklagen gewöhnlich­ster Art verstehen muß. Die außerordentliche Session dürfte allerdings nicht so belastet fein. Es ist also anzunehmen, daß diese Frage enögtitig aus der Welt geschafft wird.

Aus dem Wege zum weitrundsunt.

Das erste Ferngespräch von Berlin nach Buenc s Aires.