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scheu Gesandten. Heute nachmittag wurde Stingl dom Bundespräsidenten Hainisch empfangen. Darauf machte der Aeichspost- minister dem Bundeskanzler S e i p e t einen län­geren Besuch. Abends fand nach der Vorstellung in der S aatsoper. der Stingl und seine Beamten als Gäste der österreichischen Regierung beiwohn­ten, ein Empfang beim Grafen Lerchenfeld statt.

Die Memelfraae.

Ter Bericht Woldemaras.

Kowno. 3. Ian. (T^l.) Ministerpräsident Woldemaras ersta.t?.e der litauischen Regie­rung einen um.cf enden Bericht über die Mcmel- frage, aus dem hervorgeht, das; die liiauische Regierung keinerlei Aenderungen in der Politik gegenüber Memel beabsich- ti J. Ei' e Li auisierung des Meinelgeb etes liegt nach den Erk ä ungen Voldemaras nicht in den Absichten der litauiichen Regierung. Die Aus­weisung der deutschen Rrdcuteure wird nunmehr vfsi.iell nicht als solche bezeichnet. Es wirb be-- hauplet, das) es sich lediglich darum handele, daß der Mi.i^ärlvmmandant von Kowno sich ge- Wcirert habe, die Aufenthaltsgenehmi- gung für die Redalteure zu verlängern. Voraussichtlich wird der diesbezügliche Beschluß des Kommandanten jedoch aufgehoben wer­den. Die deu.sch-I taui chen Handelsvertragsvcr- handlungen fo*Ien demnächst aufgehoben werden. EmeBelgraderTaktlosigkeit

Propaganda

für dieunterdrückten" Wenden.

Berlin, 4. Jan. (Wolff.) Unter der Heber» schriftEine Belgrader Taktlosigkeit" berichtet dosT>. 2." aus Belgrad, daß am 2. Januar in der Belgrader Universität eine große poli­tische Kundgebung für die Lausitzer Wenden stattfand, zu der man sich mehrere Lausitzer, darunter zwei Spreewälde­rinnen in Volkstracht, verschrieben hatte. Hniversi'.ätsprofessor Rowak verlas eine lange Rede über den Hrsprung und die Schicksale der Lausitzer .Sorben, die jahrhundertelang den blutigen Metzeleien durch das deutsche Volk und der ^wangsgermanisierung ausgesetzt" gewesen seien. Auch die heutige Zeit sehe einen Der- zweifelten Kamps diesesHeinen serbischen Brudervolkes". Dann verlas eine der Lausitzer Wendinnen ein Gedicht des Lausitzer Politikers Skala, das nach dem Bericht desB. T." erst ins Serbische überseht werden mußte, damit es überhaupt der Versammlung verständlich wurde. Wie es in der Meldung des Blattes weiter heißt, bringen dir Belgrader Zei­tungen Bilder der beiden Lausitzerinnen, die sogar in die Schulen geführt wurden. Die als offiziös bezeichneteSomouprava" bringt einen besonders scharf gehaltenen Artikel, in dem den Deickschen Hnterdrückung der natio­nalen Minderheiten vorgeworsen wird. DasB. T." erklärt, es wolle annehmen, baß auf den Propogandaunfug gewisser ganz kleiner Kreide der wendischen Bevölkerung in Deutschland die politischen Kreise Südslawiens hereingesallen seien. Der gw schensall in Wörsdorf,

Wiesbaden, 3. Ian. (TH.) Vor dem englischen Militärgericht fand heute die Vor- Verhandlung der Wörsdorfer Angelegenheit statt. Sn Wörsdorf hatte bekanntlich am Wechnachts- lcbenb eine Schlägerei zwischen engli­schen Soldaten und einigen jungen Leuten stattgesunden, die deshalb in Haft '.g eno mm en worden waren. Der Verteidiger der Angrschuldigten verlangte die Freilas­sung der vier Inhaftierten unter Hinweis dar­aus, daß es sich um angesehene Gemeinde- nd glichet handele, denen die besten Zeugnisse zur Verfügung ständen. Der Zwischenfall sei durch das herausfordernde Beneh­men der Sol baten hervorgerufen worden. Dbr Antrag des Verteidigers wurde vorn Staats­anwalt abgelebnt. Die Hauptverhandlung rrirb in kürzester Zeit stattsinden.

Kommunistenausstand in Sumatra.

schwere Kämpfe mit den Aufständischen.

p ada n a (Westsumatro), 3. Jan. (ÖB.) Aast der ganze Distrikt Siloengkong befindet sich In Hellem Aufruhr. Ein holländischer Skrecken- ousseher sowie vier eingeborene Lehrer sind von den 5:ommun,sken ermordet worden. Eine Auto­kolonne, auf der sich eine militärisä)e Abteilung nach dem Aufsiandsgebiet begab, wurde von Kommu- nisten überfallen. Die Angreifer wurden unter schwe­ren Verlusten zurückgeschlagcn und batten etwa 30 Tote. Eine Anzahl von Aufständischen wurde ge­fangen genommen. Auf holländischer Seite siel ein Leutnant; mehrere Soldaten wurden verwundet. 3n Dadang hat eine kommuniskiscke Bande den Bahnhof überfallen, um sich In den Besitz der Slalionckasse zu sehen. Das Eisenbahnpersonal konnte sich durch schnelle Flucht in Sicherheit brin­gen. Das Eingeborenenoberhaupt wurde von den Kommunisten gefangen genommen und e r in o rdct. Die Eisenbahnlinie und die nach Solok führenden Telegraphendrohte wurden von den Kommunisten Isilweise zerstört. Die Ortschaften Batötabal und S'.ngkarah erbaten militärische Hilfe. Die weiter aus demselben Gebiel gemeldet wird, wurden in der cer- cönGetien Rächt bei einem Gefecht zwischen einer Militärpatrouille und kommunistischen Aufständi­schen ein holländischer Offizier ge t ö t e t und zwei eingeborene Soldaten schwer verwundet.

Die holländischen Abendblätter enthalten aus­führliche Meldungen über die Vorgänge in Wefl- Su natra. hiernach handelt es sich bei den kommu­nistischer' Unruhen um einen wohlvorbereiteten, über den gröhlen Teil der Padangschen Oberlande auegebreiteten Ausstand, in dessen Verlaus es bereits zu regelrechten Gefechten zwischen der Polizei und Truppenabteilungen und den Aufständischen ge- kom neu ist, die für beide Teile, besonders aber für die Aufständischen, stark Verluste zur Folge hatten. Anscheinend erstreckt sich die Avfstandsvewe- c-.ing bis in die pblldjen Teile der Insel Sumatra, da auch aus Palembang die Aufdeckung eines kommunistischen Ausstandsoersuches gemeldet wird.

Kunst und Wissenschaft

Professor Dr. Perthes (Tübingen) f.

Wie aus Tübingen geneidet wird, it der Dorstand der Universitätsklinik, Dr. Perthes, in Llrosa, wo er zur Erholung weilte, in der 9ladn zum Montag an einem Kerzschlag gestorben

Aus aller Welt.

A. v. Simson f*

An den Folgen einer Grippe ist im Alter von fast 90 Iahren der Senior der Ber­liner Rechtsanwälte, Geheimer Iustizrat August v. Simson, gestorben. Er war der Sohn Eluard von S.msons, des Präfidenten der Frank- furtcr Rationalversammlung, des ersten Reichs­tags des Rorddeutschen Bundes, wie des Zoll­parlaments und des ersten Deichsgerichtspräsi­denten. Diele Iahre war der Verstorbene Vor- sitzenber derBeniner Anwaltskammer. Ferner führte er den Dorsch des Aufsichtsrats des Amsterdamer Hauses der Firma Mendelssohn und war Mitglied des Auslichtsrats der Krupp A. G. in Essen und der I- G. Farbenindustrie.

Das Lawinenunglück in Vorarlberg.

Ein Augenzeuge der Lawinenkataftrophe am Arlberg stellt in derInnsbrucker Reuestcn Zei­tung" fest, daß das schwere Tlnglück darauf zu­rückzuführen sei, daß sich durch den dauernden Nordwind auf dem Gipfel des Paziel-Gletschers eine große Lawine loslöste und bei ihrem Sturz die auf dem Felsen liegenden Schneemassen mitriß. Es seien gleichzeitig drei Lawinen abgegangen, von denen sich zwei vereinigt haben. Unter diesen wurden die Skifahrer begraben. Die Schneemassen erreichten zeitweise eine Tiefe von 5 Metern. Als die beiden verunglückten Sk.fahrer-Partien gerade im Zick-Zack-Aus st eg waren, wurden sie tm Derg- kessel von den Schneemassen ersaßt. Fest steht es, daß bei dem Unglück acht Personen den Tod gefunden haben. Von den beiden Geborgenen, zu denen der Bruder des verun­glückten Oberregierungsrates Dr. Lehr der Marburger Kun st Historiker Dr. Lehr gehört, war die Engländerin Ws. Moore dem Ersticken nahe, als sie gerettet wurde. Sie hat eine schwere Gehirnerschütterung erlitten.

Treue Dienstboten.

Die beiden Schwestern Philippine und Ka­tharine He.m au-3 dem Dorfe Riederbrom -- bach bei Oderstein standen am 1. Ianuar 63 bzw. 62 Iahre ununterbrochen bei einer Herr­schaft in Diensten. Den beiden trauen D'.enst-- boten wurde eine vom Reichspräsiden­ten von Hindenburg persönlich. unterzeich- ncte Ehrenurkunde für treue Dienste überreicht.

Ein Dynomitdepot in die Lust geflogen.

In Grängesberg in Schweden flog dasDevot- haus der Dynamitfabrik, in dem 1200 Kilo Dynamit lagerten, in die Luft. Alle umliegenden Gebäude wurden zerstört. Sämtliche Fensterschei­ben in der Umgebung wurden zertrümmert. Die ganze Stadt und Umgebung bebte unter der ge­waltigen Detonation. Wegen der Arbeitsruhe an den Feiertagen sind Menschenleben nicht zu beklagen. Die Ursache dürfte Selbstentzündung sein. Erst im Mai vorigen Iahres hatte eine ähnliche Explosion stattgefunden und die jetzt zer­störten Häuser waren erst vor kurzem wieder fertiggestellt worden.

Aeberfall auf eine Bahnhofskafse

Ein schwerer Raubüberfall wurde auf die Fahrkartennachlösetasse des Bahnhofs Karnap verübt. Angeblich um nachzuzahlen erschienen vier Personen an der Kasse, die dann plötzlich auf den allein anwesenden Eisenbahnsekretär eintaangen und die Kasse zu plündern versuchten. Es kam zu einem Handgemenge, bei dem einer der Räu­ber von dem Beamten durch einen Schlag am Kopf verletzt wurde. Die Burschen ergriffen die Flucht, konnten aber von der Polizei gestellt und verhaftet werden.

Beim Abspringen vom fahrenden Zug verunglückt.

Als auf dem Bahnhof Lichterfeld e-Ost ein Reisender während der Fahrt von einem Personenzug abspringen wollte, stürzte er so un­glücklich, daß er zwischen die Tritt­bretter eingeklemmt, einige Meter mit' geschleift wurde, ehe der Zug zum Halten gebracht werden konnte. Der Unglückliche konnte durch die Feuerwehr nur a l s Leiche geborgen werden.

Rätselhafter Mord an einem Chauffeur.

Der Chauffeur eines von auswärts kommenden Autos entdeckte in der letzten Nacht auf der Chaussee unweit Hannover-Linden eine Auto­droschke, dessen Führer in schwerverletztem Zustande an seinem Steuer saß. Er hatte einen Schuß in den H i n t e r k o p f erhalten vnb starb auf dem Transport. Es handelt sich offenbar ~um einen Raubüberfall, bei dem jedoch die Täter früh­zeitig gestört wurden, da ein größerer Geldbetrag bei dem Verletzten noch gefunden wurde. Die Er­mittlungen sind im Gange.

Schweres Automobilunglück.

Infolge Reifenschadens überschlug sich gestern nachmittag auf der Chaussee Wolfenbüttel Braunschweig ein mit zwei jungen Leuten besetztes Auto. Die beiden Insassen gerieten unter den Wagen und wurden schwer vrrletzt. Einer von den Verletzten starb noch im Laufe deS gestrigen Tages.

Erfroren.

In Kaiserslautern wurde der Hausierer Hager, der feit der strengen Kälte an den Weih- nachtStagen vermißt wurde, in der Rähe des Waldschlößchens erfroren aufgefunden.

Schwere Bluttat eines Wahnsinnigen.

In Ribadeo (Spanien) ermordete ein im Asyl ausgenommener Greis, der plötzlich wahn­sinnig wurde, drei andere Alylisten in der schreck­lichsten Weise.

Rauchvergiftung.

Bei einem in der großen Markthalle in München durch unvorsichtiges Hantieren mit einer Azetylen- Laterne in einem Kühlraum entstandenen Brand, der sich rasch ausbreitete, erlitten durch Rauchent­wicklung acht Feuerwehrleute eine Rauch­vergiftung. Sie mußten ins Krankenhaus einaelie- fert werden. Das Feuer konnte nach dreistündiger Tätigkeit gelöscht werden.

Wettervoraussage.

Kälter, zunächst leichter Nachtfrost, nördliche bis westliche Winde, stellenweifc Niederfcklagsfchauer (Schnees.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 4 Grad Celsius, Minimum: 0 Grad Celsius. Niederschläge: 0,1 Millimeter. Heutige Morgentemperatur' 0,9 (Brat Celsius.

Aus der Provinzialhauptstadt.

Gießen, den 4. Ianuar 1927.

Prof. Dr. Koeppe.

Wie gestern im Gieße ner Anzeiger be­reits berichtet, begeht unser Gießener Kinder­kliniker Pros. Dr. K o e p p e heute seinen 6 0. Geburtstag.

Eine abschließende Würdigung der wissen­schaftlichen Arbeiten Prof. Koeppes aus diesem Anlaß zu schreiben, ist noch nicht möglich, da er noch mitten in ihnen steht. Verdankt doch noch in der letzten Zeit sein Lieblingsgebiet, die physitaiische Chemie, der er sich als einer der ersten Mediziner schon früh zuwenöete, ihm in­teressante und bedeuturegsvoile Tlntersuchungen. Aber über Kveppes wissenschaftliche Bedeutung sei hier nicht gesprochen, es sei vielmehr daraus hingewiesen, was er als Arzt für Hessen und besonders für Gießen gewesen ist. Do er schon früh die Wichtigleit einer rationellen Säug­lingspflege erkannte, so widmete er sich ihr mit Feuereifer. Das Aufziehen kränklicher Kinder ist ja lein Aniämpfen gegen das Ausleseprinzip der Ratur. Richt nur die Tüchtigsten über­leben. sondern blindwaltend rassen Krankheiten auch sie hinweg. Wer mit der Geschichte der sozialen Einrichtungen unserer Stadt vertraut ist. weiß, was das Sauuglingsheim und die Milchküche Pros. Koeppe verdankt. Seiner auf­opfernden Tätigkeit in der Großh. Zentrale für Mutter- und Säuglingsfürsorge ist cs zu Der- danken, daß durch Sammlungen das Geld zum Bau der jetzigen Kinderklinik aufgebracht wurde. Erst in einem, mit allen Einrichtungen der Reu- zoii eingerichteten Hause konnte den Kindern die rechte Pflege gegeben werdeWenr dir Kinder- sterblichleit langsam aber stetig sinkt, so ist auch dies mit ein Verdienst des IubilacS. der durch Belehrung und Beis i l in der Klinik und in medizinischen Gesellschaften die Grundzüge der Säuglings- und Kinderbehandlung klarlegte.

Auf die Lehrtätigkeit Prof. Koeppes sei noch besonders hingewiesen, weil sie mehr als jede andere direlt sich an das Volk, an die Mütter wendet und deshalb große Wirkung haben kann. Unermüdlich widmet er sich der Ausbildung der Säuglings- und Kinderpflegerinnen. Iede dieser Schwestern geht hinaus, übt das Gelernte und wird so eine Keimzelle, van der sachgemäße Kin­derpflege und Gesundheit im Volk verbreitet wird. Der unverdrossene Lehrer, der den großen Wissensstoff den Lernenden im-ner wieder in an­derer Form nahezubringen weiß, ist andererseits auch wieder ein m Iber Examinator, der nicht auf wissenschaftlichen Steckenpferden herumreitet, son­dern der immer das praktisch Wichtige hervor- zukehren weih. Gerade diese Eigenschast bewährte sich im Kriege, an dem er trotz seines Alters aus Pflichtgefühl gegen sein Vaterland teilnahrn. Als Truppenarzt sorgte er für die Vedürfnisse seiner Leute nicht nur dadurch, daß er Kranke und Ver­wunde c betreut3. sondern besonders dadurch, daß er oft unter Den schwierigsten Verhältnissen alles herbeizuschasfen wuß»«-. was zur Erhaltung der Gesundheit und Der Spannkraft der Truppe not­wendig war. Ec sah fein Hauptargenwerk in der Prophylaxe und in der Hygiene des Körpers.

Aber alle diese Dinge machen allein noch nicht den tüchtigen Arzt. Dazu gehört noch eine Eigenschast. die sich nicht erlernen läßt, die an­geboren im Menschen liegt. Sie läßt sich schwer in Worte fassen, aber man braucht nur Die strah­lenden Augen der kleinen Patienten zu sehen, wenn .Onkel Koeppe" an ihr Bett tritt, um zu wissen, daß die Kinder sie verstehen. Zwischen ihnen ist sofort das geistige Band geknüpft. Wie gut weiß er sich in den Geist der Kleinen zu versetzen, wie kann er mit wenig Worten sie auf­muntern und die eben noch aus vollem Halse Schreienden beruhigen. Hier zeigt es sich, daß der Iubilar ein guter Arzt, nicht nur ein Mediziner ist. Als ärztlicher Freund lebt er daher im Ge­dächtnis feiner Patienten und deren Eltern.

Hochbetrieb bei derGiehenerPost

Der Iahreswechsel 1926/27 hat auch den Gießener Postämtern einen Hoch­betrieb gebracht, Der weit über den Umfang ihrer vorjährigen Betriebsleistung hinausging. Die glatte und pünktliche Bewältigung der starken Verkehrssteigerung durch unsere Postbeamten­schaft vermag nur Der recht zu würdigen, der sich hineinversehen kann in das Denlen und Füh­len der Postbeamten, die auch an hohen Feier­tagen, wenn so viele andere Erwerbstätige eine vollständige Ruhepause genießen, mit Hingabe ihrer Pflicht genügen, die Tausende von Mit­bürgern in den Besitz ihrer Postsachen zu bringen. Diesen wackeren Beamten hier ein Wort der warmen Anerkennung für ihre vorbildliche Pflicht- .erfüllung zu sogen, erscheint uns sehr angebracht.

Lind nun wollen wir einige Zahlen aus dem Gießener Postbetrieb im Vergleich zum vorher­gehenden Iahre sprechen lassen.

3 n Gießen zur Beförderung auf- geliefert wurden zu Reujahr 1925/26 (30. und 31. Dezember 1925) an Briefen rund 6 8000 Stück, zu Reujahr 1926'27 (30. und 31. Dezember 1926) erhöhte sich diese Zahl auf rund 92000 Stück. An den beiden letztge­nannten Togen wurden im Durchgangsbe­trieb. d. h. ausschließlich Gießener Aufliefe­rung, noch rund 180 000 Briefe festgestcllt, so daß also

zu Neujahr 1926 27 rund 270 000 bis 280 000 Briefe in Gießen postalisch behandelt wurden.

In dieser gewaltigen Ziffer ist ein? Sonder- auslieferung eines hiesigen Geschäftsmannes von rund 36 000 Sendungen nicht eingerechnet.

Die von auswärts für Gießen ein­gegangenen Briefe bezifferten fich am 31. Dezember und 1. Ianuar: zu Reujahr 1925 26 auf 41 400 Stück, zu Reuiahr 1926 27 auf runD 66 000 Stück.

Selbstverständlich konnten Diese gewaltigen Vriesmengen nicht im einzelnen gezählt werden, denn zu einem solchen Zählgeschäft find die Beamtenlräfte hier nicht vorhanden. Die zahlenmäßigen Ermittlungen beruhen auf Schät­zungen. die nach einem ost bewährten System vorgenommen werden und dem tatsächlichen Aus­maß bisher noch immer recht nahegeiommen sind.

Die Feststellung des Pokelverkehrs.

ist im Gegensatz zum Briefverkehr auf genauer Grundlage an Hand der Kon- trollbücher möglich. Hiernach eig.bt sich für Den Paketverkehr in Gießen während der Weihnachtszeit (18. bis 24. Dezember) fol­gendes Bild:

in ©leben auf gegebene Paket«, im Iahre 1925 insgesamt 11 615 Stück, im Iahre 1926 Dagegen 12872 Stücks

in Gießen angekommene Pakete: im Iahre 1925 insgesamt 11 207 Stück, im Iahre 1926 Dagegen 12957 Stück.

In diesen Zahlen offenbart sich eine 2Iuf- wär sentwicklunz. Die n ch: nur für Die Wirtschaft­lichkeit des Postbctr'.ebs b.'Deutungsvoll ist. son­dern die auch für unsere Stadt nach mancherlei Richtung hin sehr bemerkenswert erscheint.

Steuerfälligfceiten im Januar.

Im Monat Ianuar werden folgende Steuern und Abgaben fällig:

5. Ianuar: Steuerabzug vom Arbeitslohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 21. biS 31. De­zember 1926 einschl. Der für di? Zeit vom 1. biS 10. Dezember 1926 bzw. 11. bis 20. Dezember 1926 einbehaltenen, noch nicht abg?führeen De- träge, ohne Rücksicht auf deren Höhr und unter gleichzeitiger Abgabe der Lohnbefcheinigung.

10. Ianuar: Tlmfatzsteuervorauszahlung der Monatszahler und der Vierteljahrszahler.

Proz. der Umfätje für Monat Dezember bzw. für Oktober bis D.zember 1926 unter gleichzeitiger Abgabe der Voranmeldungen: Einlommensteuer-- rate It Steuerbescheid für 1925.

15. Ianuar: Steuerabzug vom Arbeits lohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 1. bis 10. Ja­nuar, sofern Der Gesamtbetrag mehr als 100 Ml. beträgt.

2 5. Ianuar: Steuerabzug vom Arbeits­lohn (Lohnsteuer) für die Zeit vom 11. bis 20. Ia­nuar, sofern Der Gesamtbetrag für genannte Zeit oder mit Dem für Die Zeit vom 1. bis 10. Ianuar einbehaltenen und noch nicht abg-führten Betrag zusammen mehr als 103 Mk. beträgt.

Bei verspäteter Zahlung sind 10 Proz. IabrcSzinsen vom Tag? Der Fällig! it ab zu zahlen. Die bisherige S ch o n f r i st von 7 Tagen ist ab 1. Dezember 1926 in Fortfall gc- kommen.

Unzuläsfige Briefumschläge.

Nur wenige Briefschreiber machen sich wohl be der Ausfüllung der Vorderseite von Briefumschlägen Gcdan'cn darüber, wie außerordentlich wichtig für die Postbesörderung eine klare, deutliche An­schrift, sowie eine übersichtliche Anordnung aller übrigen, in der Regel auf der Vorderseite der Brief- Umschläge sichenden Angaben (Absenderbezeichmm" gen, Reklamen, Geschäftsobzeichen usw.) ist. Durch die Beachtung dieses Hinweises und der nnchstehen den Ausführungen können die Briefversender ganz welcntlich dazu beitragen, daß sich der P o ft v e r kehr flüssiger gestaltet und Briesfendungen in­folge glatter Abwicklung des Briefbeförderungs Dienstes ohne Verzögerung und unliebsame Weite rungen in die Hände der Empfänger gelangen.

Die ungeheuren Massen der bei der Post zur De förberung eingelieferten Briefsendungen erfordert­es, daß in immer weiterem Umfang die Maschi n e n <t c m p e l u n g angewandt wird. Dadurch wir? die Abfertigung wesentlich beschleunigi. Leider wirt die volle Ausnutzung der Stempelmaschine dadurch erschwen, daß bei einem sehr großen Teil der Bries sendungen am ganzen oberen Rand de. Umschläge entlang Name und Wohnung des Ab senders und sonstige Angaben (Reklame, Waren Zeichen und dgl.) aufgedruckt sind, so daß für der Stcmpelaufdruck und für die Freimarken an der hierfür vorgesehenen Stelle (obere rechte Ecke) teil Platz mehr freibleibt. Geht ein solcher Brief hure die Stempelmaschine, so werden die Absenderan gaben usw. überdruckt und mehr oder weniger un leserlich gemacht. Auch der Stempeldruck wird un deutlich. Die nicht in der oberen rechten Ecke ober dem oberen Rand entlang aufgeflebten Freimarken bleiben meist ungestempelt. Sendungen mit solchen Freimarken müssen dann bei der Abfertigung aus- -' gesondert und mit einem Abdruck des Handstempesir versehen werden, was die Weiterleitung der Sendnn gen verzögern kann.

Aus diesen Mißständen erhellt ohne weiteres, daß es weder im Interesse der Post noch des Absender liegt, wenn die Vorderseite der Briefumschläge roal)l los ober nach Der jeweiligen Geschmacksrichtung br: Versenbers bedruckt oder 'befdjrieben wird. Die Poft Ordnung schreibt daher in 9 2 vor, daß auf Brief­umschlägen die rechten Zwei Drittel der Vorderseite, bei Postkarten und Drucksachen in Kartenform mindestens die rechte Halste de' Aufschriftseite frei sein müssen von allen sich nicht auf die Beförderung beziehenden Angaben. Als solche sind Absenderbezeichnunaen, Reklamen, Wa­renzeichen u. dgl. anzusehen. Diese sollen auf das iinke Drittel der Vorderseite und die Rückseite der Briefumschläge usw. beschränkt bleiben. Um den vielfach durchgehenden Maschinen­stempel deutlich ausdrucken und die Freimarken an der vorgeschriebenen Stelle aufkleben zu können, fällte auf der Vorderseite der Briefum­schläge der ganze obere Rand tn einer Breite von drei Zentimeter von allen Angaben ganz frei bleiben. Auf der Rückseite ist ein mindestens 2,5 Zentimeter breiter freier Streifen zur Anbringung der poftdienstlichen Vermerke erfor­derlich. Für den Aufbrouch der vorhandenen ^Be­stände an Briefumschlägen, die über dos zulässige Maß mit Angaben versehen sind, ist zwar eine Fristbis zum 1. Oktober 1 927 gewährt, für den Postbetrieb ist es aber erwünscht, daß die den Vorschriften nicht aenügenben Briefumschläge mög- > jch st halb aufgebraucht unb neue berartige Umschläge nicht hergestellt werden. Die Deutsche Neichspost richtet daher an die Postbenutzer die Bitte, nur Briefe mit Aufschriften zu verschicken, die den postalischen Vorschriften entsprechen, und beton- ders bei der Bestellung von Firmenumschlägen mit aufgebrudter Absender- ujro. Angabe auf die ge neue Beachtung der vorsteyend angeführten Bestim­mungen zum eigenen Vorteil der Versender 311 achten.

Gießener Wochcnmarktpreisc.

Es kosteten auf dem heutigen Wochenmarkt: Das Pfund Butter 130 bis 140 Pfennig. Matte 30 bis 35. Käse (10 Stück) 60 bis 150, Wirsing 8 bis 15, Weißkraut 8 bis 10. Rotkraut 10 bis 15, gelbe Rüben 10. rote Rüben 10. Spinat 30. llnterkohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20, Rosenkohl 45 bis 50. Feldsalat 150 bis 200, Tomaten 100. Zwiebeln 10, Meerrettich 35 bis 80. Schwarz­wurzeln 40 bis 50. Kartoffeln 6, Aepfel 15 bis 30. Birnen 10 bis 25. Dörrobst 30. Honig 50. junge Hahnen 100, Suppenhühner 100 bis 110. Gün'e 90: dos Stück Eier 17 bis 19, Blumenkohl 80 bis 150 Endivien 10 bis 20, Lauch 5 bis 15. Rettich 10 bis 15. Sellerie 20 brs 40 Pfennig.

Bornotizcn.

Tageskalender für DienStog. Sradttheatcr 7.30 Llhr .Leonie". (Ende gegen 10 ilfjt.) Elsaß-Lothringer: 8.15 llhr, Hotel Köhler. Monatsocrsammlung. A. V. 1877 1927: 6 Ühe. Restaurant Hindenburg, erste Vcrsamv.- luna Deiitlcbnat'onaler Handlungsgehilfen-