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OJerbanb: 8.30 Uhr. Kaufmännisches Vereins- Sis. Plauder-Vortrag. Lichtspielhaus Bahn- straße: .An der scyonen blauen Donau". oria-LichtsPiele: .In Sachen Rorini".

Palast-Lichtspiele: 4 Uhr. Kindervorstellung .Dornröschen".

Di e Regelung des faufmdnni- * *en Lehrlingswesens. Das Kreisamt Gie- steo bringt im Amtsverkündigungsblatt die Derord- nung vom 2. Juni 1926 über die Beschränkung der Zahl der kaufmännischen Lehrlinge in Erinnerung. Es wird dabei darauf hingewiesen, daß in Betrieben, die z. Z. mehr Lehrl.nge l-alt-n, als die Lerordnung zuläßt, neue Lch.lingc nicht eingestellt werden dürfen. In der Verordnung selbst wird u. a. be stimmt: Im Interesse einer ordnungsmäßigen Aus­bildung der kausmännischcn Lehrlinge darf die Zahl der kaufmännischen Lehrlinge in den einzelnen Be­lieben die nachstehenden Grenzen nicht über­schreiten: a) in Betrieben ohne Angestellte darf nur 1 Lehrling gehalten werden; b) in Betrieben mit 110 Angestellten darf in jedem Jahr nur 1 Lehr- lina bis zur Höchstz-Hi von 3 Lehrlingen, darüber l-iniUG für je 5 Angestellte ein weiterer Lehrling ein- . -stellt werden. Als Angestellte im Sinne des Abs. 1 ählen nur solche Personen, die eine ordnungs- ; ästige kaufmännische Lehrzeit durchgemacht haben > -r mindestens vier Jahre kaufmännisch tätig ge- , . n sind. Solche Angestellte, die in der Regel h.'O. als den vierten Teil ihrer Tätigkeit von dem Betriebe abwesend sind, dürfen nicht hinzugerechnet werden. Kaufmännische Betriebe, die ihre Geschäfte nicht im Sinne des § 38 des Handelsgesetzbuches führen sogenannte Minderkaufleute sind nicht berechtigt, kaufmännische Lehrlinge auszubilden. Be­triebe, die bei Inkrafttreten dieser Verordnung mehr Lehrlinge halten, als in Artikel 1 gestattet ist, sind berechtigt, diese bis zum Ablaus der Lehrzeit weiter in der ßdjre zu behalten.

Nacheichung der Maße und Ge- Wichte. Die in zwestähriger Wiederkehr gesetzlich vorgeschriebene Nacheichung der im eichpflichtigen Verkehr befindlichen Meßgeräte (Längen- und Ftüs- sigkeitsmaße, Meßwerkzeuge für Flüssigkeiten, Hohl­maße, Gewichte und transportable Handelswagcn bis ausschließlich 3000 Kg.) findet in der Stadt Gießen, wie wir zur Richtigstellung einer frühe­ren Notiz noch einmal bemerken, in diesem Monat wie folgt statt: Bom 3. bis 8. Januar: Kreuz- platz, Seltersweg, Maigasse, Plockstraße, Teufelslust- oärtchen, Johannesstraße und Diezstrah«. Vom 10. b i b 1 5. I o n u a r: Marktplatz, Mäusburg, Linden­platz, Kirchenplatz, Schulstraße, Schloßaasse, Kapla- neigasie, Wagcngasse, Wettergasse, Kirchstraße, Burg­graben, Auf der Bach, Drechäufergasse. Vom 17. bis 2 2. Januar: Marktstrabe, Rittergasse, Neu­stadt, Löbershof, Mühlstraße, Kleine Mühlgasse, Kornblumengassc, Westanlage, Nordanlage, Oswalds- garten, Hammstraße, Lahnstraße, Rodheimer Straße, Krofdorser Straße, Schützenstraße, Hardt. Es sei be­sonders darauf hingewiesen, daß die Neigungs- mögen am Standort der Wage geeicht werden. Diese Eichung ist besonders zu beantragen. Welkere Eichungen finden im Februar und März statt.

Bekämpfung der Schnakenplage. Das Polizeiamt Gießen erinnert an die Befolgung der Polizeioerordnung vom 28. November 1911 betr. die Bekämpfung der Schnakenplage, wonach jeder (Grundstückseigentümer verpflichtet ist, die Keller und andere 'Räume, in denen erfahrungsgemäß Schnaken zu überwintern pflegen, in den Monaten Dezember bis Februar mindestens einmal im Monat gründlich auszubrennen oder auszuräuchern.

' Die Lichtreklame, die man bisher nur in den Großstädten in den vielfältigsten . r rmen und buntesten Farben schauen konnte, ge- innt jetzt in den Mittel- und Kleinstädten immer :hr Eingang. 3n den letzten Monaten ist sie auch in unserer Stadt in der verschiedenartigsten Gestalt in Erscheinung getreten. Wir haben nun die sog. wandernde Lichtschrift, originelle Fnrben- gcbilde mit Hilfe des elektrischen Glühfadens, ja sogar eine beleuchtete Uhr. die unserer Stabt bisher sehr gefehlt hat und für deren Vor- handensein eigentlich die Stadtverwaltung schon früher hätte sorgen müssen, da bislang keine unserer öffentlichen Uhren abends beleuchtet war. Seit einigen Tagen hat jetzt ein bekanntes hie­siges Geschäftshaus die Lichtreklame als Glüh­birnenschnüre in Gestalt von Pfeilen und eines Rechtecks zur Anwendung gebracht und damit unstreitig einen wirksamen Eindruck erzielt. Ein abendlicher Gang durch unsere Straßen wird dem aufmerksamen Beobachter mancherlei inter­essante Lichteffekte zeigen, die bartun, baß auch unsere Geschäftswelt gewillt ist. mit dem Zuge 6er Zeit gleichen Schritt zu halten.

* Ein Streit mit tragischem Aus­gang ereignete sich in der letzten Rächt zwischen 12 und 1 Uhr in der hiesigen Heil- und Pflege­anstalt. Dort befand sich ein Patient im Be- dürfnisraum, als ein anderer Patient hinzutrat und der erstere jedenfalls in einem Anfalle krank­hafter Täuschung glaubte, von dem letzteren be­droht zu sein. Ersterer schlug auf den Hinzu- gekommenen ein, dieser schlug zurück, und im Ru war eine Schlägerei zwischen den beiden Patenten im Gange, die sich so rasch entwickelte, daß die diensthabenden Wärter k:ine Möglichkeit mehr hatten, die beiden Leute an dem Handgemenge zu verhindern. Dem Eingreifen der Aufsichtsbeamten Ö es schließlich, die Kämpfenden auseinan- ringen, jedoch verstarb der eine Patient kurz nach dem Vorfall. Ob der Tod dieses Mannes auf die Aufregung zurückzuführen ist. oder auf innere Kopfverletzungen (der Kopf des Toten weist Blutspuren auf, die auf Schläge hindeuten) muh die gerichtsärztliche Alnterfudjung erst noch er­geben. Die Sektion der Leiche findet heute nach» inittag statt. Der Tote, der den Streit begonnen hatte, stammt auä unserer Stadt und hatte schon wiederholt Anfälle von krankhaften Täuschungen, die ihn zu Gewalttätigkeiten hinrissen.

"Ein vorzeitiger Frühlingsbote in Gestalt eines Schmetterlings wurde uns heute von Geh. Justizrat Hellwig. Goethestr. 27, überbracht. Wir nahmen von der Existenz des kühnen Fliegers, der in unseren Zimmern sofort Flugversuche unternahm, gebührend Rotiz.

" Der Ski-Kub Gießen beabsichtigt, cm nächsten Sonntag auf dem Hoherodskopf ein ''i-Rennen abzuhalten. Räheres im heutigen Anzeigenteil. Ferner hat sich der Ski-Klub für den Vogelsberg ilm zur Verfügung gestellt.

" Der Verein ehemaliger 116er Gießen veranstaltete unter großer Beteiligung seine diesjährige Weihnachtsfeier in der Turn­halle am Oswaldsgartcn. Rach den flotten Klän­gen des Alexandermarsches begrüßte der 1. Vor­sitzende des Vereins die Gäste und Äo;-eraben. wobei er einen Rückblick auf das verflossene Jahr gab und die Kameraden aufforderte, auch im noiten Jahre in Kameradschaft und Treue zum

Verein zu stehen. Im Mittelpunkt des Abends land die Aufführung eines von Kam. Fritz Dunkel mit viel Liebe und Eifer einstudierten Volksstückes mit Gesang, bei der die C h o r Ver­einigung .Arminiu«" unter ihrem Diri- Senten Kam. W. Krengel mitwirkte. Die Dar- ictung wurde recht flott herausgebracht und sand den vollen Beifall der Besucher. Bei den schneidigen Klängen der Kapelle, fein zum Dor- frag gebrachten Solls, einer Verlosung und Tanz verlebte man im übrigen einige schöne gesellige Stunden, die den Teilnehmern in bester Erinne­rung bleiben werden.

* Die Maul- und Klauenseuche ist neuerdings in Petterweil und Ockstadt (Kreis Fried­berg) ausgebrochen. In Annerod, Hungen, Oppen­rod (Kreis Gießen), Ober-Erlenbach und Ober-Flor­stadt (Kreis Friedberg), Reibertenrod (Kreis Als­feld), Holzhausen, Blasbach, Edingen, Greifenstein und auf dem Hofgut Büblingshausen (Kreis Wetzlar) ist die Seuche erloschen.

Tragisches Neujahrsschiehen.

Zu dem tragischen Vorfall in Müschen» beim, wo in der Silvesternacht wenige Minuten nach 12 Uhr die 33jährige Ehefrau des Satt- lermeisters Häuser beim Reujahrsschießen er­schossen wurde, ist noch zu berichten, daß die Frau mit ihren beiden Kindern im Aller von 4 und 11 Jahren an das Fenster getreten war, um bem Läuten der Kirchenglocken zuzuhören und den Betrieb auf der Straße zu beobachten. Plötzlich brach die Frau, von einem Schuh in d i e Schläfe getroffen, bewußtlos zusammen, und gegen 10 Uhr vormittags verschied sie, ohne das Bewußtsein wiedererlangt zu haben. Der alsbald von Lich herbeigerufene Gendarmerieoberwachtmeister Weber nahm sofort die Ermittlungen nach dem Täter auf. der im Dunlel der Rächt unerkannt geblieben war. Der Beamte durchsuchte verschiedene Häuser, be­schlagnahmte dort Pistolen, Gewehre und Re­volver und verhaftete drei Personen, wobei er den Täter mitgefaht hatte. Als solcher wurde der 24 Jahre alte, bei seiner Mutter wohnende Wagner und Landwirt Wilhelm L ö s ch h o r n festgestellt, der den verhängnisvollen Schuß ohne Tötungsabsicht abgegeben hatte. Löschhorn wurde zunächst nach Lich in Haft ver­bracht und dann dem Untersuchungs­gefängnis in Gießen zugeführt. Gestern nachmittag fand die Beerdigung der Er­schossenen unter großer Anteilnahme der Ge­meinde statt. Die Frau hinterläßt außer den beiden obenerwähnten Kindern noch den Gatten, mit dem sie in glücklicher Ehe lebte, und ihre hochbetagte Mutter.

Der Unglücksfall in Lumda, wo ebenfalls das N e u j a h r s s chi e ß e n für einige junge Leute einen schlimmen Ausgang nahm, ist auf eine Handlung zurückzuführen, die man als Unfug gröbster Art seitens der beteiligten Burschen bezeichnen muß. Der dabei ums Leben gekommene 18jährige Sohn des Obersteigers Sekt und der Maurer Ernst Theiß, Schlosser Heinrich Seng und Landwirt Otto Stark hantierten an einem Wasserleitungsrohr herum, das an beiden Enden zugeschweißt, vorher aber mit Pulver gefüllt worden war. Aehnlich waren noch einige weitere Rohre hergerichtet worden, mit denen man das neue Jahr anschießen wollte; diese Rohre sind bei dem Vorfall glücklicherweise nicht explodiert, sie befinden sich jetzt in behördlicher Verwahrung. Als die jungen Leute an dem Unglücksrohr hantierten, erfolgte auf bisher noch unaufgeklärte Weise die Explosion, die eine furchtbare Wirkung auslöste. Sekt wurde, wie gemeldet, auf der Stelle getötet; ihm war ein Arm und eine Hand zerrissen, ferner hatte er sehr schwere Verletzungen an der linken Körperseite, am Knie und am Hals davongetragen. Der Maurer Ernst Theiß erlitt Verletzungen an der Hand, die drei Finger in Mitleidenschaft zogen, ferner einen Unterarmbruch; der junge Mensch wurde in die Gießener Klinik verbrach!, wo sein Befinden heute den Umständen entsprechend gut ist. Der Schlosser Heinrich Seng kam mit Fleisch- wunden am Arm davon, der Landwirt Otto Stark mit leichten Brandwunden im Gesicht. Der Vorfall dürfte jedenfalls noch ein Nachspiel für die leicht­fertigen jungen Leute haben. Die von auswärtigen Blättern verbreitete Meldung über drei Tote bei diesem Unglücksfall ist völlig unbegründet.

Die Spielstunde in unseren Volksschulen.

Don Dr. Balser, Daubnngen.

Wie bei so vielem, hat der Krieg auch in der körperlichen Ertüchtigung unserer Jugend eine Wandlung mit sich gebracht. Sah man früher im Turnen und in der militärischen Ausbildung die Hauptwege der Körperausblldung, so stehen jetzt weite Kreise dem leichtathletischen Sport und Spiel sl)mpathischer gegenüber. Wie ip dem modernen Tanz eine gewisse Emanzipation und Jndividuali- sicrung gegenüber den starren Formen des ehrwür­digen Walzers eingetreten ist, so sucht auch unsere Jugend in Sport und Spiel eine mehr freiheit­lichere, selbständigere körperliche Betätigung. Daß unsere Turnstunden in der Schule den modernen Anforderungen der Körperausbildung nicht mehr ge­nügten, erkannte man auch bald seitens der ober­sten Schulbehörde, und wenn man auch nicht der Forderung der täglichen Turnstunde Raum gab, eher das Zehnminukenturnen wie in Preußen ein- führte, so suchte man ihnen in der Einführung der Spielstunde einigermaßen gerecht zu werden.

Welches soll das Ziel dieser Spielstunde fein, und wie ist sie zu gestalten, daß sie das gesetzte Ziel auch erreicht?

Die Einführung der Spielstunden geschah wohl, wie oben gesagt, um der körperlichen Ertüchtigung zu dienen. Wer sich aber im Spiel selbst stark be­tätigt hat und die Wirkungen des Spieles im Hei­matland des Sports und Spiels darf die Charakter­bildung beobachtet hat, wird das erziehliche Ziel, das man ihm stecken muß, mindestens eben so hoch, wenn nicht höher darin erblicken. Ein wirklicher Sportsmann" sollte, wie bei unseren Vettern überm Kanal, auch bei unseren jungen Leuten das er­strebenswerte Ideal sein. Sportsmann ist man aber noch nicht, wenn man alle Fußballgrößen mit Na­men weiß, sondern unterSportsman" versteht der Engländer den durch den Sport herauskristallisier- ten Typ des ErziehungsidealsGentleman". Groß­zügigkeit und Selbstbeherrschung sind seine wesent­lichen Merkmale. Nicht der einzelne ist im Spiele die Hauptsache, sondern die Partei. Das Handeln des einzelnen geschieht mit und für die Spielgruppe. Das Zuspielen ist der Kernpunkt der meisten Spiele. Wie könnte also schon früher das soziale Hanseln: Einer für alle, alle für einen', geweckt und geübt werden, als beim Spiele. Nicht den eigenen Trie­ben, die im Spiele sehr stark, manchmal überstark

Schach-Ecke.

Dea,bettet von W. Orbach.

Alle für die Redaktion bestimmten Mittei­lungen, Lösungen usw. sind zu richten an die Schachredaktton deSGießener Anzeigers".

Problem Nr. 94.

Von W. 21. Shinkman.

ö

6

5

4

3

2

W

8

h

8

6

5

4

3

2

Schwarz.

=3- a b c d e

Weiß.

Weih zieht und setzt in drei Zügen matt.

Weih 3 Steine Kb3; Dc2; Tal.

Schwarz: 2 Steine Kb6; Ba7.

Endspiel Nr. 27 Don H. Caro. Schwarz.

a b c d e t e h

a b c d e r g h Weiß.

Schwarz am Zuge gewinnt.

8

8

6

6

5

5

Weiß: 5 Steine Kd3; Tg5; Lf3: Bg2, h3.

Schwarz: 7 Sterne: Kd5;Tf4; Ld4; Bc3, e3, f5, h4

Durch eine elegante Opseioxrv i iGtion erzwingt Schwarz den Sieg.

Lösung des Problem) Nr. 93.

Don 21. Arsig.

1. Df5-g4!, Sf6xg4 2. Tg6-d6 matt.

1. ..., Kd5-c6 2. Dg4xe4matt.

1. . . ., e4 -e3 2. Dg4 - c4 matt.

1. . bei. anders. 2 Dg4-dl matt.

Lösung des CnbfrhM Nr. 26.

Don A. Trcitzkh.

1. Sc5-d34-, c4>-d3 2. Td5-e5+, Kel-H 3. Te5-f5+, Kfl-gl 4.-a5, d3-d2 5. Ta5xa2. d2-dlD ö. Ta2-g2-f-, Kßl-fl 7. Tg2-ßl+ Kfl xgl patt. (Auf 1. . .. Kel-dl oder d2 gewinnt Weih mit 2 Sd3-b4+, auf !...., Kel-fl ober ez mit 2. Sd3-c!(4-).

Richtige Lösungen zum Problem Rr. 92 er hielten wir von den Herren: Lehrer Breidecker, hier; D. O., Schm. Endspiel Rr. 26 wurde richtig gelöst von Herrn D. £>., Schm.

Aus der Schachwclt.

Vorige Woche begann in München ein Schach­turnier. Cs nahmen an demselben teil: E. D. Bo- goljubow, Spielmann. Przepiorka, Sämisch, sowie die beiden Münchener Schmitt und Gebhardt.

Die Narrenkappe.

Splitter und Sparren vom RedakttonStifch.

Gemüt.

Der Doktor B. hat sich soeben zur Ruhe begeben, als das Telephon ihn mit schrillem Klingeln aus dem ersten Schlafe weckt. Er stürzt zum Apparat. Eine aufgeregte Frauen- stimme erklärt ihm, der kleine dreijährige Sohn habe ein Markstück verschluckt, der Doktor möge doch schleunigst kommen. Seufzend kleidet der Arzt sich wieder an und macht sich auf der. Weg. Die Mutter des kleinen Missetäters öff­net ihm, ohne besondere Erregung an den Tag zu legen, und sagt auf Befragen:

Sie hätten gar nicht zu kommen brauchen. Herr Doktor. Es war bloß ein Groschen. Wir haben die Mark unter dem Sofa gefunden."

Du Dois-Reymond'Anekdotcn.

Der Berliner Physiologe Du Bois - Rey mond liebte es, wenn die Stilblüten seine» Vorlesungen im Examen wörtlich wiederholt wer­den konnten. Zu diesen Stilblüten gehörte auch. Frech kreuzt das schwache Stinktier den Weg des reißenden Jaguars!" Sämtliche (Stil­blüten waren von einem früheren Hörer in einem Heftchen zusamMengestellt und mit Anmerkungen versehen. Btt obigem Sah stand: .Wenn er gut gelaunt ist", d. h. er sollte nur zitiert werden, wenn Du Bois im Examen guter Laune wäre. Einem unglücklichen Kandidaten, der das Thema Schutzvorrichtungen bet Tieren" gezogen hotte entfuhr aber der ganze Satz:

Frech kreuzt das schwache Stinktier den Weg des reibenöcn Jaguars, wenn er gut ge launt ist!", worauf Du Bois geantwortet ha­ben soll:

Wen meinen Sie damit, Herr Kandidat, das Stinktier, den Jaguar, oder gar etwa mich selbst?"

Mangelhafte Antworten im Examen konnten Du Bois-Reymond recht verstimmen. Als ein Prüfling von den Harnniederscklägen nur die sargdeckelförmigen Kristalle von phe-sphorsaurer Ammoniak-Magnesia fhxfenb erwähnte, brach er in die Worte aus:3a, die Sargdeckel­kri st a 11 e, die wenigstens merken sich die Herren fast immer; wahrscheinlich denken sie dabei an den Sarg, in den sie später ihre Pa­tienten legen wolle n.

zum Ausdruck kommen, ist zu folgen, sondern es gilt, im höchsten Drang Zügel anzulegen und im Rahmen der gegebenen Spielregeln zu handeln; es heißt, um der gemeinfamen Sache wegen den eige­nen Starrsinn brechen, sich in die Spielregeln ein- ordnen, sich beherrschen. Das Beispiel der Mutigsten feuert die Zaghaften an, hilft ihre Aengstlichkeil und Zaghaftigkeit überwinden, gibt ihnen allmähliches Selbstvertrauen, macht sie zu ganzen selbstsicheren Menschen.

Um aber gerade diese erziehlichen Eigensdiaften beim Spiele ausbilden und kontrollieren zu können, ist es von zwingender Notwendigkeit, daß der Spiel­leiter, hier der Lehrer, selbst mitfpielt. Seine Auf­gabe darf sich nicht darauf beschränken, Spielregeln 3u lehren und Aussicht zu führen, die Jungen müssen fühlen, daß er einer von ihnen fein will. Erst als Spieler selbst kann er Regeln kontrollieren und die Leidenschaften und ihre Beherrschung miterteben. Welche yreube löst es unter den Schülern aus, wenn der Herr Lehrer" einmal nicht Respektsperson sein will, sondern sich als einer von ihnen den Spiel­regeln fügt, und feine Spielbegeisterung wird sich hypnotisch auch auf den Lässigsten übertragen. Da­her sollte man aber auch die Spielstunde nur solchen Lehrern übertragen, die mit Sport und Spiel ver­traut und noch körperlich in der Lage sind, selbst mitfpielenb tätig zu sein.

Welche Aussicht hat nun die Spielstunde zur Zeit in unseren Volksschulen? Gemäß den letzten Verfügungen über Sparmaßnahmen in den Fort­bildungsschulen hat man in manchen Kreisen Hes­sens die Spielstunden ganz von dem Stundenplan der Volksschulen gestrichen, damit die Fortbildungs- schulstunden innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Stundenzahl gehalten werden können, und somit eine besondere Vergütung dafür eingefpart werden kann. Unter keinen Umständen dürste aber die Er­tüchtigung unserer Jugend, die ja auch der Reichs­kanzler in feiner Weihnachtsbotschaft an das deutsche Volk wieder von neuem verkündigt hat, auf Kosten der Fortbildungsschule vernachlässigt werden. Statt eines Abbaues sollte uns das neue Jahr einen Ausbau guf diesem Gebiet bringen. Schulbehörden, Turn- und Sportoerbände und nicht zuletzt unsere Abgeordneten sollten den hohen erziehlichen Wert der Spielstunde in der Dolkschule nicht unter­schätzen, und Sorge tragen, daß unserer Jugend das geistige Rüstzeug in einem gesunden Körper mitgegeben wird, der sich in strammer Selbstsucht frühzeitig geübt, und bei dem Selbstbeherrschung und Achtung vor dem Gegner zu besttmmenden Eharaktereigenschaften geworden sind. Erziehen wir, und nicht zuletzt mit Hilfe der Spielstunde, ein sol­ches Geschlecht, so werden sich auch die späteren Le­benskämpfe immer in Formen bewegen, die allen Kämpfenden zur Ehre gereichen werden.

®erid)t5faal.

Streng bestrafter Fahrradmarder.

WSR. Frankfurt o. M.. 3. Jan. Wegen Rückfalldiebslahls verurteilte das Kleine Schöf­

fengericht den Arbeiter Georg Dotter­weich zu 14 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust. Ebenso wurde Polizei­aufsicht für zulässig erklärt. Der Angeklagte hatte einem Arbeitskollegen im Osthasen ein Fahrrad gestohlen, doch wurde er auf der Flucht feftgenommen. Mildernde Umstände wurden dem Angeklagten, trotzdem der Geschä­digte sein Rad zurückbekam, nicht zugebilligt weil D. erheblich vorbestraft ist und sich aufs Leugnen verlegte.

Buntes Allerlei.

Jeder hak seinen Vogel.

In diesen V. / tswochen, in denen sich alles in den Geschäften drängt, nimmt auch die Zahl der Ladendiebstähle wieder zu, und es zeigt sich bei so manchen Erwischten, daß sic aus einemunwiderstehlichen Drange" gehandelt haben, nicht eigentlich aus dem Wunsche, sich zu bereichern. Die Kleptomanie ist nur eine der zahlreichen nervösen Zwangserscheinungen. denen besonders der Großstädter unterliegt. Cs gibt unzählige andere Formen, in denen sich solche nervösen Störungen äußern, und man kann Wohl sagen, daß kaum ein Großstädter ganz frei ist von solchen unnormalen Erscheinungen. Deshalb ist es nicht uberechtigt. wenn ein englischer Psy­chologe behauptet:Jeder hat seinen Vogel!" Es müssen ja nicht immer so schwere Forrnen von Zwangs- und Angstvorstellungen sein, wie etwa die Platzangst, bei der man bestimmte Plätze oder Straßen nicht überschreiten kann, oder die Angst, sich und andere zu töten, wobei der Befallene alle spitzen Gegenstände nicht mehr anrührt. Es gibt auch eine Menge harmloserer nervöser Ticks" wie z. 2. dasLampenfieber" bei Schauspielern und Vortragenden, der Zählzwang, den Rapoleon 1. und Zola halten und bei dem man Laternenpsähle. Pflastersteine u. a. zählt. Sehr merkwürdig ist dieTelephon-Manie", die der englische Gelehrte beschreibt.Durch die bloße Handlung des Telephonierens verlieren die Betreffenden das Gefühl für Verantwor­tung", schreibt er.Sie versprechen alles mög­liche, das sie nicht halten können, und verstricken sich in die unnötigsten Konflikte. Bei manchen wird derVogel" durch das Wetter hervor- gerufen. So kenne ich eine sehr sensible Dama. die bet trübem oder gar nebligem Wetter nichts eintaufen darf. Sie leidet dann an dem un­widerstehlichen Drang. Dinge zu kaufen, für die sie nicht die geringste Verwendung hat. Wenn sich jeder die Frage vorlegte, ob er nicht einmal von einem solchenQ3ogef besessen getee'en ist, würde tM)I keiner diese Frage ganz verneine.' können Das Eigentümliche dabei ist daß der Befallene wie in einer Art Traumzustand han­delt un dnicht imstande ist, sich von den Berne- gründen seiner Handlung genau Rechenschaft geben '