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rat Beilegung be- britisch-chinesischen Konfliktes überreicht worden sind.

Die britische Regierung erklärt sich darin bereit, ihre in China lebenden Staatsbürger einer modern eingerichteten chinesischen Aivilgerichtsbarkeit zu unterstellen und aus die Prozeßtellnahme britischer Juristen zu verzichten. Ferner ist sie bereit, ein modernes einheitliches Zivil- und Handels- recht für ganz China auch bei den britischen Gerichtshöfen in China in Anwendung zu brin­gen. Die in China lebenden Briten sollen auch zur Zahlung aller gefehlichen chinesischen Steu­ern verpflichtet werden. Die Anwendung eines reoidierien chineflschen S t r a f r e ch t s soll ebenfalls von den britischen Gerichtshöfen in Erwägung gezogen werden. Aus Grund ört­licher Abkommen sollen die britischen Konzes­sionen den aufgelösten, seht unter chinesischer Kontrolle stehenden Konzessionen gleichgestellt werden. Die christlichen Chinesen sollen sich in Zukunft ebenfalls vor den chinesischen Gerichten verantworten.

Der britische Unterhändler in hankau hat dem kantonesischen Außenminister bei der Uedergabe dieser Vorschläge erklärt, daß sie, wenn der bis­herige Zustand in den britischen Aon,Zessionen chine- fischerseits nicht gewaltsam geändert wird, als­bald verwirklicht werden könnte. Ein diplo­matischer Mitarbeiter derWestminster Gazette" fpriffjt von der Möglichkeit, daß die britische Regie­rung die Verteidigungstruvpen nichtinSchang- h a i landen werde, falls die Kantonesen das britische Angebot annehmen und Garantie für Leben, Eigen­tum und die anderen Rechte der Engländer geben. Auch die radikaleDaily News" deutel eine solche Möglichkeit an, wenn sie sie auch nicht für wahr­scheinlich hält.Daily Expreß" erwähnt eine un­bestätigte amerikanische Meldung, daß die englischen Truppen vielleicht in Hongkong und bei Weihaiwei statt in Schanghai gelandet würden.

Zunehmende Spannung zwischen England und Ruhland.

London. 3. Febr. (WTB. Funkspruch) Der politische Berichterstatter derDaily Retos" schreibt, die Erbitterung innerhalb der Konservativen Partei über die Propa- oandatätigkeit Moskaus gegen England auf in- dustriellem und politischem Gebiet nimmt derart zu, daß sie wahrscheinlich der Regierung ernste Declegenheit bereiten wird. Ehamberlein hat in der Vergangenheit der Forderung nach einem endgültigen Bruch mit Rußland, die von einem Bruchteil der Konservativen und den Ka­binettsmitgliedern erhoben wurde, Widerstands ge­leistet, aber die Forderung wird jetzt in breiteren Kreisen erhoben und sie wird sicher in den par­lamentarischen Erörterungen der nächsten Woche zum Ausdruck kommen.

ßLVerkschasten und Zaszismus.

Rom, 2. Febr. (Stefan!.) Ein Organisations­ausschuß der Gewerkschaften, die früher die Füh­rung des aufgelösten allgemeinen Gewerkschaftsbun­des hatten, trat in Mailand zusammen und faßte dort wichtige Entschließungen, in denen es u. a. heißt:Wir würden uns mit uns selbst in Wider­spruch setzen, wenn wir uns gegen den korpora­tiven Staat und gegen Die Arbeitsoer­fassung ouflechnen würden, die das faszistische Regime ins Leben zu rufen beabsichtigt, und haben dir '"Nicht, zu einem Gelingen dieser Versuche bt. .../agen. Wir werden unsere Tatkraft durch Schaffung einer Verbandszentrale und durch kulturelle Unterstützung in den Dienst der nationalen Gemeinschaft stellen. Diese Entschlie­ßung ist unterzeichnet von sieben Gewerkschaftlern, die die Mailänder Tagung einberiefen, die Urheber der Bewegung des Anschlusses an das- faszistische Regime sind und sämtlich noch gestern der offi­ziellen sozialistischen Partei ange- hörten. Darunter befindet sich D a r a g o n a , der an rlannlc Führer des früheren allgemeinen Gc- werijchastsbundes, der außerdem Abgeordneter und Führer der sozialistischen Partei war.

Daragona hat in Mailand ein ausführliches Memorandum veröffentlicht, in dem es heißt, das faszistische Regime fei eine Realität, die Berücksichtigung finden müsse. In dem alten liberalen Staat habe der sozialistische Shndi- kalismus aus wirtschaftlichen Klasseninteressen einen Druck auf den Staat ausgeübt, den er seiner politischen Ideologie nach eigentlich hätte ne­gieren müssen. Man habe aus dieser wider- spruchsvollen Stellung heraustreten müssen, denn eine Regierung des Staates a priori cha­rakterisiere den Kindheitszustand der Arbeiter­bewegung. Die Organisation verleugne den So­zialismus nicht, sie gebe nur theoretische Vorurteile auf. Das Problem der Ar­beiterklassen sei zull^ch auch das Problem der nationalen Verantwortlichkeit. Den Eintritt des liberalen Staates in die Wirtschaft hätte die sozialistische Gewerkschaftsvereinigung stets abgelehnt und töte es auch noch heute trotz aller Vorbehalte gegen die Staatshorm. Die Sozialisten würden die Entwicklung des faszistischen Staates mit größter Aufn^rkiamteit verfolgen.

Minister Schiele aus der Landbundtagung.

Berlin. 2. Hebr. (SIL) Wie noch cte gäuzcnd gemeldet wird, sprach auf der Tagung des Reichslandbundes auch der neue Reichs« Minister für Ernährung uni) Landwiriichast, schiele. Er dankte dem Präsidenten für feine freundlichen Worte und gab der Hoffnung Aus­druck, daß sie nicht nur dem Landwirtschafts- Minister, sondern auch dem langjährigen Freunde und Mitstreiter des Rcichslaichhunbes gegolten hätten. Ich habe die hohe Ehre, so fuhr dec Mi­nister fort, Ihnen die besten Wünsche und Grüße des Herrn Reichspräsidenten zu über­mitteln, unseres hochverehrten Generalfeldmar­schalls von Hindenburg. Er hat m.ch be- auf tragt, zu versichern, daß er mit seinem ganzen Herzen bei der deutschen Landwirtschaft ist, ins­besondere gelte seine Aufmerksamkeit seiner Hei­matprovinz Ostpreußen. Weiter überbrachte Minister schiele die Grüße des Reichskanz­lers und der gesamten Reichsregierung. Es wird in dem schweren Amt, so führte t.r Minister weiter aus, meine vornehmste Ausgabe

fein, dafür zu sorgen, daß sich die Anerkennung der Bedeutung der Landwirtschaft für die deut­sche Gesamtwirtschaft auch in der gesamten Politik durchsetzt. Denn letzten Endes ist alle Wirtschaft: Sozial-, Steuer- und Finanzpolitik, und schließ­lich auch die Außenpolitik in ihren Wirkungen abhängig von einer starken Landwirt­schaft, auf die sie sich stützen kann. Unerläßliche Voraussetzung für eine solche Stärkung des hei­mischen Wirtschaftslebens ist die Wiederherstel­lung und Sicherung des für die Aufrcch.er Hal­tung der Betriebe notwendigen Ertrages in allen Zweigen der Land- und Forstwirtschaft und des Gartenbaues. Hier allein liegt der Weg zur Lleberwindung der schweren Agrarkrise, die noch immer auf dem deutschen Landvolke lastet. Einer großen und vermeidbaven nach Milliarden zählenden RahrungSmitteleinfuhr steht seit Jahr und Tag in Deutschland der Leer­lauf von Millionen von Arbeits­kräften gegenüber. Die Lösung dieses inneren Widerspruches bedeutet zugleich die Lösung des deutschen Bevölkerungsproblems. Aber das Werk der älmschichtung unserer Bevölke­rung bedarf der aufopfernden Mithilfe der gesamten Landwirtschaft. Minister Schiele wies dann auf die kulturellen Ziele hin, daß es gelte, den Willen im deutschen Volke zu wecken, daß die deutsche Zukunft abzustellen sei auf eine höhere Bewertung der ländlichen Arbeit und des bäuerlichen Wesens. Das letzte Ziel sei, inuen- und außenpolitisch, Wirtschafts- und sozialpoli­tisch. beoöllerungs- und staatspolitisch und schließlich auch kulturpolitisch den Weg wieder zu finden zu einer grundlegenden Sicherung unserer nationalen Freiheit.

Vor der Regierungserklärung.

Berlin, 3. Febr. (Wolff.) lieber das Pro­gramm der neuen Regierung, das heute im Reichstage vom Reichskanzler Dr. Marr vor- aetragen werden wird, will dieTägliche Rund- schau'^ wissen, daß das Programm nicht nur ausführlicher als die sogenannten Richtlinien für die Kabinettsbildung fein werde, sondern auch Punkte umfassen werde, die in die Richtlinien nicht aufgenommen worden sind, weil sie grund­sätzlich mcht strittig waren. Man könne an- nefjmen, daß auf dem Gebiete der Außen­politik auch auf Fragen Bezug genommen wird, mit bcuen man sich in den letzten Tagen so lebhaft beschäftigt hat: Abschluß der Ent­waffnungsverhandlungen und Abzug der Kon- trolltommission. ES könne ferner angenommen wecken, daß über das Schulgesetz und über die sozialpolitischen Vorlagen der nächsten Zeit eingehendere Mitteilungen gemacht werden. Daneben würden auch Wirtschafts­und Finanzpolitik, die in den Richtlinien nicht erwähnt sind, zu ihrem Recht kommen. Die Frage des takttschen Verhaltens der Re­gierungsparteien wird erst im Laufe des heu­tigen Tages entschieden werden.

Amtsübernahme im Justizministerium.

Berlin, 2. Febr. (Wolff.) Der Aeichs- justizminister Hexgt übernahm heute sein Amt. Rach der Begrüßungsansprache des Staatssekre­tärs Joel wandte er sich in längerer Rede an die Beamtenschaft des Ministeriums. Die Rechtspflege solle und müsse unpolitisch fein und unbe­schadet sachlicher Kritik vom öffentlichen Mei­nungsstreit unberührt bleiben. Indessen fei es leider eine Tatsache, daß Rechtsprechung und Dichterstand in zunehmendem Maße ungerecht­fertigten und übertriebenen Angriffen und Kritik ausgesetzt seien. Der Reichsjustizminister habe hier eine politische Aufgabe allerersten Ranges, näm­lich die 11 n a b h ä n g i g k e i t der I u st i z, zu schützen, das Vertrauen zu ihr im Volke zu stärken und das Ansehen des Richter- st a n d e s zu sichern, eine Aufgabe, der er sich mit allen Kräften widmen tpolle. Der Geist der Gerechtigkeit werde für ihn bei seiner Amts­führung das oberste Gesetz bilden, Gerechtigkeit und Unparteilichkeit auch im Verhältnis zur Be­amtenschaft des Ressorts selbst, mit der er um so lieber zusammenarbeiten werde, als ihre inuster- gültigen Leistungen allerseits anerkannt seien.

Gegen die Lockerung der Wohnungszwangswirtschast.

Berlin, 2. Febr. (WB.) Die Vertreter zahlreicher Spihenverbände des Handwerks, des Handels und Gewerbes nahmen mit den Ver­tretern des Landesverbandes Preußen im Bund deutscher Mie.ervereine E. V. (eegr. 1900), erneut zu der Verordnung des preußischen Wohlsahrts- ministers über die Kündigungsfreiheit der Mieter von Arbeits- und Ge­schäftsräumen Stellung. Es wurde be­schlossen, eine besondere Kommission zu weite­ren Verhandlungen mit der Siaatsregierung und den politischen Parteien zu beauftragen und eine Entschließung an sämtliche öffentliche Stel­len zu leiten, in der es u. a. heißt: Die Ver­treter von 51 Wirtschaftsverbänden des Hand­werk, Handels und Gewerbes weisen die Staats­regierung und die politischen Parteien erneut darauf hin, daß die Auswirkung dieser Ver­ordnung zu den schlimmsten Störungen im Wirt­schaftsleben geführt habe. Durch Massenkündi­gungen und untragbare Mietzinsforderung'n dro­hen unzählige Extstenzvernichtun^en und Perfo- nalentlassungen. Diese Entwicklung ist geeig­net, den Wirtichaftsfrieden und die Staatsord­nung auf das schlimmste zu gefährden. Die Ent« schlie,.ung erhebt dann die Forderung, die un­ter Vorbeha.t jederzeiiige.i Widerrufes erlassene Verordnung des Wotzlfahrtsministers hinsichtlich der Geschäftsräume sosorl mit rückwirkender Kraft aufzuheben und wendet sich gegen jede weitere Lockerung des Mieterschutzes.

Regierungskrisis inMecklenburg

Schwerin, 2. Febr. (TU.) 3m Hauptaus­schuß des mecklenburgischen Landtag wurde der Gesetzentwurf über den zweiten Aachtrag zum Haushaltsplan 19 2 6 mit allen Stimmen aller bürgerlichen Parteien mit Einschluß der Wirtschaftspakte'!, bei Stimmenthaltung der Kom­munisten gegen die Summen der Linken ab« gelehnt. Rach Ausführungen des Minister­präsidenten gab der deutschnationale Fraktions- fübrer die Erklärung ab. daß die Ablehnung ces Planes gezeigt habe, daß dis gegenwärtige so- zialistisch-demokraiische Regierungnichtdas Vertrauendas Landtages besitze. Pflicht der Regierung sei cs. hieraus durch ibun R ü ck- I tritt bie Folgerungen zu ziehen. Auf Verlangen

der Mehrheit der Fraktionen wirb der Landtag bereit- auf Freitag dieser Woche einberufen.

Verkauf der D. 2l. g.

Berlin. 3. Febr. (Wolff.) Die »Deutsche Rllgei». Ztg." teilt mit: Die bisher im De- sitze Der ReichSregierung befindlichen Akiien unterer Gesell chaft sind mit dem heu­tigen Tage von einer Gruppe erworben worden, die sich aus Industrie, Handel und Schiffahrt zusanmvenjetzt. Damit hat jede mittelbare oder unmittelbare Beteiligung deS Reiches oder ahberer amtlicher Stellen aufgehört. Dasberliner Tageblatt" weih mitzuteilen. daß die Kächergruppe in der Hauptsache die Dar m- städter Dank und der rheinische Großindu- ftrielle £>tto Wolff angehören. Der Kaufpreis soll P/t Millionen Mark betragen.

Aus aller Welt.

Der Breslauer Mordfall Rosen.

Zn ber Mordsache Rosen mürbe der geständige Mittäter Hahn der Frau Reumann gegen- übergeftelft. Er wiederholte vor chr fein völliges Geständnis und hielt ihr alle Einzecheiten der Tat einjchließlych einer genauen Beschreibung der Derb lichtesten des Inneren des Hauses vor. Frau Reu­mann beschränkte sich darauf, alles für unrichtig au erklären, eie habe acht Monate lang im Unter­suchungsgefängnis gesessen und ihre Unschuld beteuert Sie werde das auch weiterhin tun. Jahn hielt daran fest, daß sein Komplize Strauß derjenige chnr, der den Schuß abgegeben habe, und daß er selbst nur in derNotwehr" den Schuh- machenneister Stock erschlagen habe.

XaubäberfaQ am Hellen Tage.

Am 31. Januar 2>/z Uhr nachmittags ist auf der Lanhstraße zwischen Calden und Münchehof (Reg.-Bez. Kassel) ein in Ober­meiser wohtnender Landwirt von einem bewaff­neten, masulerten Räuber überfallen und seiner Brieftasche Xnit Inhalt beraubt worden. Ein mit Kraftwagen hinzukommender Ingenieur, der von dem Ueberstalkenen um Hilfe gebeten wurde, wurde von acm Täter mit Erschießen bedroht. Der Täter konnte noch nicht ermittelt werden.

Mt 70 Jahren ins Zuchthaus.

Das SchwurgericA in Glogau verurteilte den 70 Jahve alten Handweber Brauniger aus Ziebern (KrSis Sagan) wegen Brandstif­tung in drei Fällen zu insgesamt zwei Jahren Zuchthaus und zum Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte auf drei Jahre. Der Angeklagte hatte nach t^m Geständnis seines unmündigen Enkels diesem dreimal zur Brandstiftung a n g e ft i f t e t In einem Fall ist eine ganKr Bauernwirttchpft mit sämtlichen Wohn-, Stall­und Scheunemräumen ein Raub der Flammen geworden.

(Eitw Falschmünzerwerkstatt.

Dec Altonaer Kriminalpolizei ist es gelungen, eine FalschmimHLrwerkstatt auszuheben. All« Werk­zeuge, von der (Gießkelle bis zum Galvanifierungs- apparat, die zur Fabrikation von Falschstücken dienten, wurden- beschlagnahmt. Außerdem wurden einige hundert ßertige Zweimarkstücke und fast 500 halbfertige vorgvfunden. Die Hauptbeteiligten sind zwei Altonaer Hundler, jedoch soll noch gegen eine größere Anzahl von Personen, die die Falschstücke in den Verkehr brachten, das Verfahren eingeleitet werden.

Verurteilung eines früheren Regiebeamten.

3n Marseille hat das Kriegsgericht den ehe­maligen Hilfsbecmiten der französisch - belgischen Eisenbahnregie io Ludwigshafen, Julius Stein­berger, roegeit Veruntreuung von Geldern in Höhe von 20 0i)0 Franken drei Jahren Gefäng­nis verurteilt. Steinberger war bereits in Abwesen­heit vom Kriegsgericht in Landau zu 3000 Franken Geldstrafe verurteilt worden, hatte sich aber der Be­strafung durch die Flucht entzogen. Er wurde in einem Marseiller' Gefängnis ausfindig gemacht, wo er dsr Verurteilung wegen einer Reihe von Dieb­stählen entgegensah.

Salifätee statt Branntwein.

In E schwere hat eine verhängnisvolle Verwechslung einem Arbeiter fast das Leben ge­kostet. Er sollte für einen Bekannten Feldarbei­ten verrichten unt> wurde von diesem aufgefor­dert, sich ein FMchchen Branntwein mitzuneh- men. Er kam der Aufforderung nach, griff jedoch statt zu der Brannj'weinflasche zu einer daneben­stehenden Flasche mit Salzsäure und bemerkte den Irrtum erst, nachdem er einen kräftigen Schluck genommen hatte. Dank seiner robusten Ratur dürfte er jckdoch mit dem Leben davon­kommen.

Auf einen Hund gtzielt und dar Dienstmädchen erschossen.

Als ein fremder Hund im Garten der Frau P. in Livpspringe den Hühnern nachstellte, ließ sich die Frau das Jagdgewehr geben und schoß auf den Hund. Die Kugel traf jedoch das Dienstmädchen, das nach kurzer Zeit starb.

Panik in einer Schafherde.

Als Hirten nachts mit einer Herde von 500 Schafen, die nach der Pfalz getrieben werden sollten, in der Rähe von Schweich lagerten, drangen fremde Hunde in die Hürde ein. Die Schafe brachen aus und liefen zum Tell in die nahe Mosel. 40 bis 50 Schafe er­tranken. eine toeitere* Anzahl mußte ge­schlachtet werden, da sie in dem Gedränge und auf der Flucht Beinbrüche und sonstige schwere Verletzungen erlitten hatten.

Grohfeuer in einer leerfabrik.

In der TcerverwertUngssobrik Rutgers in Duisbucg-Wahnheimerort brach durch das Platzen einer 50 Tonnen fafjentden Tcerblase Großfeuer aus. Pie Löfcharbeiten der Feuerwehr, die mit drei Löschzügen und acht Schlauchleitungen das Feuer bekämpften, gestalteten sich sehr schwierig, da man sich darauf beschränken mußte, von weitem das aus- laufende Teer zu kühlen.

'Wettervoraussage.

Wolkig mit Aufklaren, nochis leichter Frost, tags­über etwas wärmer als am Vortage, trocken.

Gestrige Tagestemperatttren: Maximum 6 Grad Celsius, Minimum 1,1 Grad Celsius/ Heutige Mor gentempxratur minus 0,3 Arad Celsius.

Wetterlage au, dem hoherodskopf vom 3. Februar, voanittags 8 Uhr.

Windrichtung Rord, Windstärke mittel, Tempera­tur minus 3 Grad Celsius, Gesamtfchneehöhe 60 Zentimeter. Höhe des in den legren 24 Stunden ge­fallenen Neuschnees 25 Zcnlmetcr^ Befchaffcichcil der Schneedecke etwas verweht. Sportnröglichkeit sehr gut.

2lu$ der Provinzialhauptjtadt.

Gießen, den 3. Februar 1927.

Warenverschleuderung bei Versteigerungen.

Wer Zwcm^ Versteigerung en bcigewoßitt hat, dem ist es sicher ausgefallen, daß vielfach die gut Versteigerung gekommenen Waren schon bei außerordentlich niedrigen Geboten dem Dieter zugeschlagen wurden. Wenn es natürlich auch im Interesse des Käufers liegt, möglichst billig zu laufen, so kann darin ja nicht der Zweck einer Zwangsversteigerung gefunden wer! en. Bei ihr handelt es sich doch darum, daß der die Ver­steigerung betreibende Gläubiger zu seinem Gelbe kommt und das natürlich unter möglichster Rück­sichtnahme auf den Schuldner. 3n beider In­teresse liegt der Zuschlag bei geringem Gebot natürlich nicht und so sind die Klagen, die des­halb aus diesen Kreisen kommen, mir zu häufig Dem versteigernden Gerichtsvollzieher kann selbst­verständlich fein Vorwurf gemacht werden, denn er tann die Gebote natüruch nicht in die Höhe treiben, wenn keine oder nicht genügend Äauf- intereffenten da sind. Die Folge ist aber, daß zur Befriedigung des GlaubigerL imverhältnis- mäßig hohe Werte zur Versteigerung kommen müssen und daß andererseits der Schuldner be- träcytlichen Schaden durch den Verlust dieser Werte erleidet, die ifjm nur zu dem geringen Dietungspreihr gutgeschrieben werden. Ott recht dann der CrwS nicht einmal aus, um die For­derungen deS Gläubigers zu decken, der Schuld­ner hat weitere pfändbare Werte nicht im Be­sitz und so sind Gläubiger wie Schuldner ge­schädigt.

Wie kann diesem Hebelftanöe abgeholfen werkten? Unsere Zivilprozeßordnung läßt eine ganze Reche von Auswegen zu, die aber meist den Parteien nicht bekannt sind und die daher fetten zur Anwendung kommen.

In einzelnen Fällen wird die zur Verstei­gerung gelangende Ware wohl dadur^» in ihrem Wert gemindert, daß sie nach gesetzlcher Vor­schrift erst eine Woche nach der Pfändu»g zur Versteigerung gelangen t-arf. Auch die Lager­kosten während dieser cinwöchigen Warte.rist kön­nen u. II. so hohe sein, daß sie eine außer­ordentliche Belastung des Schuldners bedeuten und sogar die Befriedigung des Gläubigers aus dem erzielten Versteigerungserlös in Frage stel­len. In solchen Fällen werden sich Gläubiger und Schuldner leicht über einen früheren Der- steigerungstermin einigen, der sich ja zu beider Ruhen auswirkt und für diesen Fall gesetzlich zugelassen ist.

In einer Reihe von andern Fällen, in denen von den allgemeinen gesetzlichen Dor fchriften über die Durchführung der Zwangs­vollstreckung abgewichen werden soll, ist ein dem­entsprechender Antrag von dem Gläubiger oder Schuldner an das Vollstreckungsgericht zu rich­ten. Das hat den Antrag zu prüfen und die dementsprechenden Anordnungen au treffen. Ho kann die Verwertung der gepfändeten Sache in anderer Weise als der der Dersteiaeruny statt- finden. Die Ware kann z. B. freihändig ver­kauft werden und wird dann oft einen höheren Erlös abwerfen. Auch ein Berkaus zum Schätzungswert der Ware, den ein geeigneter Sachverständiger im Einverständnis von Gläu­biger und Schuldner zu ermitteln hat ist zu­lässig. Ja, es ist foejar angängig, daß die Par­teien sich dahin einigen, daß der Gläubiger die Ware zu diesem Schätzungswert selbst über­nimmt.

Aus Antrag kann das Vollstreckungsgericht auch anordnen, daß die Versteigerung an einem anderen als dem Psändunzsorte stattsindet. ES liegt klar auf der Hand, daß z. B. für ein ge­pfändetes Kunstwerk in einer Großstadt oder z. B. für Rauchwaren in der Pclzstadi Leipzig höhere Preise erzielt werden können als in einer kleinen Provinzstadt, in der der Kreis der Interessenten oder Liebhaber natürlich ver­schwindend klein ist.

Von der zulässigen Ausnahme, daß die Ver­steigerung durch eine andere Person als den Gerichtsvollzieher vorzunehmen sei, werden die Parteien im allgemeinen weniger Gebrauch ma­chen, denn dieser Wechsel der Person wird in den meisten Fällen nicht dazu angetan sein, die Bieter zur Abgabe höherer Gebote anzuregen.

Dr. B.

Gieszencr Wochenmarktpreise.

Cs kosteten auf dem heutigen Wcchenmarkt^ Butter 140 bis 160, Matte 30 bis 35, Wirsing 15 bis 20, Weißkraut 10 bis 15, Rotkraut 12 bis 20, gelbe Rüben 10, rote Rüben 10, Spinat 25 bis 30, ttlnter-Kohlrabi 8 bis 10, Grünkohl 20 bis 25, Rosenkohl 40 bis 45, Feldsalat 100 bis 150. Zwiebeln 10 bis 20, Meerrettich 30 bis 60, Schwarzwurzeln 30 bis 50, Kartoffeln 6. Aepfel 15 bis 30, B rnen 15 bis 25, Rüsfe c0. Honig 50, junge Hahnen 100 bis 120, Suppen­hühner 100 bis 120 Pf. das Pfund: Käse 10 Stück 60 bis 140 Pf.; Eier 16 bis 17, Blumenkohl 60 bis 140, Salat 35, Endivien 85 bis 90, Lauch 5 bis 15, Rettich 10 bis 15, Sellerie 20 bis 40 Pf. das Stück.

Boruotizen.

Tageskalender für Donnerstag. Stadttheater: 6 Uhr,Die Macht des Schicksals" (Ende nach 9 Uhr). Deutscher Bund für christlich, evangelische Erziehung in Hous und Schule: 8 Uhr, Johaunesiaal, Familienabend mit Vortrag. D. f. B.: Jugendausfchuh, 7i Uhr, Universitäts- Cafe Hauptversammlung. Nordost-verein: 8 Uhr Dorstandsiiiiung bei Mitglied Henkel. Lichtspiel. haus Bahnhofstraße:Schatz, mach Kasse." Asto- ria-Lichtfpicle:Was ist los im Zirkus BeelD?^

Aus dem Etadtlheaterburenu wird uns geschrieben: Unter den modernen Ope- rettenlomponisten steht Emmerich Kalmau durch seineEzardasfürstin", feine ..Gräfm Waritza^ zweifellos mit an erster Stell«. Sein neuestes WerkDie Z i r k u s p r i n z e s s i n". das am Sonntag hier zur Erstausführung gelangt, erweist sich wiederum als Schlager ersten Range- und steht zur Zeit im Spielplan wohl sämtlicher Bühnen, die überhaupt Operette geben, so z. B. auch in Frankfurt und Mainz. Da sich lebhaftes Jnterefse für diese Aufführung zeigt, werden Jnterefsenten gut tun sich durch Vorbestellung Plätze zu sichern.

Vom Konzert -Verein wird uns geschrieben: Aus Wunsch seiner vielen Dntehorr kehrt der beliebte Baritonift Helge Lind­berg auch in diesem Winter bei uns ein. Er wird am Sonntag, 6. Februar, in der neuen Univcriiläls'Aula einen Liederabend (als 1. Kon-