Nr. 28 Erstes Blatt
177. Jahrgang
Vovnerrtag, 3. Zedruar 1927
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Dr. ftrwbr Dill» Lange, verannoortiich für Politik Dr Fr Will) Lange: für Feuilleton Dr H Thyriot; 5r den übrigen leil Ernst lnmfchein: für den An- zeigenteil i. Derer H. Derk, sämtlich in Bietzen.
Kontrollende und Rheinlandräumung.
Lieber die Pariser Abmachungen, die nun endlich zum Abschluß deS Kapitels der MilitLr- f dpi rolle geführt haben, wird noch mancherlei au sagen sein. Die Sachverständige^ der Wirt- schasr und deS Militärs werden das Wort ergreifen und auf die Bedenken Hinweisen, die auf beiden Gebieten gegen die gefundene Lösung bestehen. Auch der Reichstag wird sich darüber auSsprechen, es ist also noch Gelegenheit genug vorhanden, sich au den Einzelheiten kritisch zu äußern. Dan- allgemein ist zedensallS zu sagen, daß der Kompromiß für uns nicht sonder- ti ch günstig ist. Das war aber auch nicht au erwarten, da wir auch diesmal wieder a m kürzen: en Arm deS Hebels sahen. Wir muffen schon froh fein, daß er nicht noch un- Öer geworden ist: denn wenn die berufenen täten des Rcichswehrministeriums anerkennen. daß bei bicftr Lösung wenigstens die Derteid^gungSmögltchkeiten unserer Ostgrenze gegen Polen gesichert sind, dann ist d a s M i n v» m u m dessen, was wir erreichen mußten, gesichert. Ob das auch bei einer LIeberweifung des ganzen Problems an den Völkerbund möglich war, ist zum mindesten zweifelhaft. Die juristische Lage war für uns nicht vielversprechend, und da das Haager Schiedsgericht kaum anders gekonnt hätte, als nach der streng juristischen Auslegung sein Gutachten abzugeben, bestand die Gefahr, daß wir dann noch sehr viel schlechter abgeschnitten hätten alS jetzt.
Zugegeben also, daß wir einen hohen Preis bezahlt haben, mir haben wenigstens das eine erreicht, Don die Militärkontrolle mit all ihren Folgeerschei- -nimgcii aus Deutschland verschwindet. Einen Grund zum Bleiben hatte sie eigentlich schon längst nicht mehr. Wenn man einmal vergleicht, was von unserer Seite alles geschehen ist, und was schließlich noch von uns verlangt wurde, bann liegt bas Artz Verhältnis zwilchen dem Erfüllen und dem (9c- forderten so offensichtlich zutage, daß der Beweis des bösen Willens der Gegenseite eigentlich nicht mehr erbracht zu werden braucht. Mehr als «in halbes .ßtmbertlaufenb Geschütze haben wir abgriiefert; fast 40 Millionen Schutz Munition, über 100 000 Maschinengewehre, 15 000 Flugzeuge, dazu noch an die 30 000 Flugzeugmotoren. Wir haben Milliardcn- werte an Anegegerät. auch soweit sie nur mittelbar in Frage tarnen, zerstört, und nun stritt man sich schließlich darum, ob im Rahmen des Versailler Vertrages 88 Detonuntrrstänbe zulässig wären, die im .Höchstfälle vielleicht 1000 Mann Unterkunsts- Möglichkeiten bieten.
Diese Gegenüberstellung verbunden mit dev Tat'ache. daß rund um uns Frankreich, Polen und die Tkchcchoslovakei kn Waffen starren, daß Millivne.iheere um uns Stehen, daß auf allen unseren Flanken die Kriegsrüstuna heute viel stärker ist als im Frieden, spricht Dände: wenn der ehrliche Wille zur Verständigung auf der Gegenseite vorhanden war, dann brauchte man wegen der kümmerlichen Destfvrderungen nicht monatelang mit uns zu hadern. Wir wollen auch keine Geschichtskiittcrung treiben, wir wollen nicht daS Spiel mitmachen, daS jetzt der abzie enden Mi itärkon.roillommission nachträglich noch Freundlichkeiten mit auf den Weg gibt uvd den Ossizieren bescheinigt, sie hätten durch Nebenswürdiqkcit unD persönliches Entgegenkommen die Formen der Verhandlungen versöhnlich gestaltet und sich selbst in ihrer Raue gar nicht wohl gefühlt. Das mag für einzelne Aus, ahmen stimmen, für die Konirollkornrnilsion als Ganzes aber muß doch fest gehalten werden, daß sie als Vertreter einer Zwangsherrschaft in Deutschland ausgetreten ist, daß sie mit Spionen und S p i tze l n gearbeitet, die deutsche Dollsmoral untergraben und nach Kräften daran mitgewirkt hat, den Haß gegen die Vrula.i:ät eines übermütigen Siegers in Deutschland groß zu ziehen.
Wir haben das alles getragen und tragen müssen, weil wir wehrlos waren. Aber die Erinnerung an diese Zeit wird im deutschen Volke nicht erlöschen. Denn die ganze Kontrollkommission war eine bewußte, noch dazu überflüssige Demütigung. Daß sie jetzt verschwindet, bleibt trotz allem ein politischer Erfolg. Denn schließlich, wenn unsere Diplomatie nicht den Voden bereitet hätte, die Militärs hatten immer noch Ausreden genug gefunden, um wegen irgenD- welcher Belanglosigkeiten ihr Kontrollsystem zu verewigen. Gerade aber, wenn wir politisch unseren Vcfreiungskamps fortführcn wollten, brauch!en wir die Quittung, die uns jetzt mit dem Abmarsch der Kontrollkommission gegeben ist: damit wird uns offiziell bestätigt, daß wir die im Versailler Vertrage vorgesehene Cnttoafi.rung restlos durchgeführt und damit sogar die unmöglichen Bestimmungen dieses Schandvertrages erfüllt haben. Damit sind jetzt Die Voraussetzungen des § 431 gegeben, da ja mit dem Dawesplan die toirt- Mftllchen und finandkllen Verpflichtungen eben- fälls abgegolten sind.
Die selbstverständliche Folge wäre also, daß die ©ntentcfloaten fo’ort ihre Truppen vom D h e i n zurückzich en. Ebenso selosttarständ- lich aber ist es. daß sie diese Folgerung nicht ziehen worden. Immerhin, wir können jetzt in der Welt unsere Propaganda darauf einstellen, daß die 80 003 Mann auf deutschem Boden zu Unrecht stehen und daß ihre weitere De- kassung nicht nur ei$e ilngeredjiigleit, sondern auch eine Gefährdung des europäischen Friedens bedeute. Herr Driand ist klug genug gewesen, das
rechtzeitig einzusehen. Er hat in Thoiry versucht, für das Unverm eidliche sich noch einen hohen Preis zahlen zu lassen. Das ist mißglück^ er wird jetzt die französische Oefsentlichktt datzauf vorbereiten müssen, daß die Besetzung nicht mehr ^u halten ist, daß Deutschland jiber dafür fein Geld mehr zahlt, weil mit jedem Tage ja ohnehin unsere Position stärker wirb. 3n drei Jahren wird so wie so dje zweite Zone frei. Solange aber will und kann Deutschland nicht warten. Die Aufgabe der deutschen Politik wird es jetzt sein müssen, zu erreichen, daß n o ch i m Lause dieses Jahres der letzt«; feindliche Soldat vom deutschen Rhein verschwkndet.
Die Aufgabe desneuenReichskabmetts
Berlin, 2. Febr. (211.) Während nach langwierigen Verhandlungen durch die große Nachgiebigkeit Deutschlands endlich eine Einigung über die Anerkennung der endgültigen Entwaffnung Deutschlands AustandegeLommen ist, eine Vntwasfnung, die Deutschland zwischen was- senstarrenden Rachbam restlos enttoaffnen läßt, hat der Heeresausschuß der französischen Kammer einen Verteidigungsplan chidgearbeitet, dessen Programm die französischen Ostgoenzen von der Aordsee biS zum Mittelvieer in eine einheitliche Festungsanlage umwandeln und die tem französischen (Staate nicht weniger als eine Milliarde Goldmark kostet. Rechnet man zu dieser Tatsache die anhaltende D e - (.etzung deutscher Gebiete, so kann beim besten Willen von einer Gteichberechiigung Deutschlands auch trotz des Abzuges der 3MKK. in der Internationalen Politik leine Rede fein. Artikel 431 des Versailler Vertrages si^»t vor, daß die BesahungStruppen sosort zurückge- zogen werden müssen, wenn Deutschland vor Ablauf von 15 Zähren allen ihm aus dem Versailler Vertrag erwachsenen Verpflichtungen Genüge geleistet hat. Da dieser Zustand beute tatsächlich erreicht ist, wäre anzuneymen, daß die Rückwirkungen von Looarno. d. h. vor allem die Räumung des Rheinlandes, nun endlich in Kraft treten könnten. Aber schon fehlt es nicht an Pariser Stimmen, die darauf Hinweisen, baß die Bestätigung über die Erfüllung der Abrü- ftungßbebmgungen durch die deutsche Regierung so lange in der Schwebe bleiben müßten, bis die alliierten Militärattaches m Berlin als Kon- trollkommisfton ihrer Regierung Darüber berichtet hätten, daß Die von Deutschland übernommenen Verpflichtungen durchgesührt seien. 3n diplomatischem Kreisen Berlins rechnet man
trotz allem damit, daß daS neue Kabinett die Frage der Rheinlandräumung mit aller Energie in Angriff nehmen wird. Daß bis zur Herstellung des Gleichgewichtes, wie ihn der Zriedensvertrag vorsieht, der eine allgemeine Abrüstung vorschreibt. noch ein langer Weg für uns zurückzulegen ist. ist nicht zu verhehlen. Aufgabe der neuen Regierung wird es fein müßen, mit aller Deutlichkeit auf die Gntwalfnungsbestimmungen des Friedens- Vertrages hinzudeuten und auf ihre Durchführung zu bringen. Zu den gestern zu- standegekonnnenen Vereinbarungen über Die Rest- punktverhanDlungen toirD Driand heute dem deutschen Dotschaster in Paris eine Rote überreichen.
Frankreichs Ostgrenze.
Das Märchen von der „deutschen Gefahr".
Pari s, 2. Febr. (WTD.) Zur Regelung der letzten noch strittigen Enttvannungssraacn schreibt Jacques DainviUe in der „LibertS, so große Sorge man auch Dafür verwenden müsse, die Be- fetzung nicht in das Abkommen über die Oft- befeftigungen hineinzuziehen, fo sei es doch wohl nicht mehr wahrscheinlich, daß Frankreich noch 1935 in Mainz bleibe, wenn überhaupt bis 1935. Es fei daher notwendig, für die Sicherheit Frankreichs wirkliche Garantien, die bis jetzt fehlten, vorzusehen. Welcher Art würden diese ®a- rantien sein? Es bleibe nichts anderes übrig, als die Grenzen zu besestigen, die der Der- failler Vertrag gezogen habe, und diese seien, das könne man nicht oft genug wiederholen, fcheußliche Grenzen. Es fei nämlich die Grenzlinie, die die Verbündeten nach der Sckzlacht von Waterloo Frankreich aufgezwungen hätten, um noch ihrem Belieben Einfälle nach Frankreich unternehmen zu können. Es fei die Grenzlinie, die die preußischen Heere 1870 überschritten hätten. Das Loch im Offen müsse zugestopft werden.
Abschließender NoLenausrausch.
Berlin, 2.Febr. (IBB.) Amtlich. Nachdem in der (Enlnmffnungefrage bie sachliche Einigung über alle Punkte erfolgt ist, sieht nunmehr auch bie formelle Erledigung durch Notenaus- tausch zwischen der Lotschaftcrkonserenz und der deutschen Botschaft in Paris unmittelbar vor dem Abschluß. So tff am 31. Januar über die Frage des Luftsahrlgerätes sowie über die sachlich bereits In den Pariser Verhandlungen Anfang Dezember geregelten Fragen, die die Verbände und die ungesetzliche Einftellung in die Reichswehr betreten, der abschließende Notenauelausch erfolgt. Der Notenwechsel über die 0 jt f e ff u n q e n und das Kriegsmaterial ist in den nächsten Tage zu erwarten.
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Im die Seezsllvewaltung in China.
Die neue Phase im britisch-chinesischen Konflikt.
Von unserem W. v. K.-Mitarbeiter.
(Nachdruck, auch mit Quellenangabe, verboten.)
London, 1. Febr. 1927.
Die Entlassung DeS Generalinspck.ors Der chinesischen Scezollv.rwaltung. Sir Francis Aglen, Durch Die chinesische Regierung ist ein Ereignis. Dessen Bedeutung in der Geschichte der englisch-chinesischen Beziehungen in Deutschland kaum verstanden werden wird, zumal die bisher vorliegenden Nachrichten eine ganze Reche von sachlichen 3rrtümem enthalten. Mit der Entlassung des Generalinspektors, '3 er nach einer englisch-chinesischen Sondcrabmachung solange e i n Engländer sein muh. wie der englische HanAl in China an erster Stelle steht, ist der englisch- chinesische Konflikt auf seinen Höhepunkt getreten. sofern diese Entlassung nicht etwas ganz anderes darstellt, als sie, von Europa aas ge- sehen, zu sein scheint. ,
Aber wir wollen zunächst zweckmähigeriveise das Gegenwärtige außer Betracht lassen und einen Blick auf. Das Berganaene Wersen, um Die BeDeutung Dieses Augenblickes richttg zu verstehen. Die chinesische Seezollverwaltung ist nicht Das, was ihr Rarne zu sein vorgibt. Sie ist ein Organ Der inneren chinesischen Verwaltung d.ssen Chef, we getagt^ ein (SnglänDer fein muh und Dessen Personal sich auS Staatsangehörigen s ä m t l i ch e r Vertragsmächte rekrutiert, wobei natürlich Das englische Element überwiegt. Da Der Engländer in Gestalt Des obersten Beamten eine schlechthin Diktatorische Stellung innerhalb Der Verwaltung einnimmt, well nur er Der chinesischem Regierung persönlich verantwortlich ist. so han- Delt es sich hier um eine kosmopolitische 3nfti- tution, Die aber, politisch betrachtet, rein englisch ist.
Die Seezollverwaltung stellt das Rückgrat der chinesischen Staatsfinanzen Dar unD Da sie eine englische 3nftitut:on ift, fo ergibt sich aus Dieser Feststellung. Dafi EnglanD bisher eine geradezu beherrschende 6td- hmg in Chinas innerer Verwaltung eingenommen hat. die von der übrigen Welt meist über- sehen ober unterlchäyt worden ist. Der chinesische Staatshaushalt balancierte, soweit von einer geregelten Wirtschast gesprochen werden
kann, vor einigen 3ahren mit einem Betrage von etwa einer Milliarde Mark. Aber dieser Staatshaushalt steht praktisch auf dem Papier: denn die Provinzen denken nicht daran, ifjre Einnahmen nach Peking abzuliefern oder sie gar für internationale Zinsen und Obligationen zur Verfügung zu stellen. Die Haupteinnabme- quelle Der chinesischen Zentralregierung beftanD in Den Einnahmen Der Seezollverwaltung. Da Diese Einnahmen toieDerum in englische Banken eingezahlt wurDcn, so ergab sich, Dafi Chinas Zentralregierung nicht nur von der englisch geleiteten Zollverwaltung, sondern gleichzeitig von den englischen Danken abhängig geworden ist.
Die Entlassung des Generalinspektors der Seezellverwaltung bedeutet daher den schwersten Schlag, den die wirllichen englischen 3n- teressen in China bisher erlitten haben. Die Seezollverwaltung war ein Staat im Staate. UcbcraU, wo sich Europäer vertragsmähig nie- verlassen durften, bestand ein Seezollamt, gleichgültig ob es sich um Land- oder Seegrenzen, um Fluhläufe oder Seen handelte. Gleichzeitig war der Verwaltung der größere Teil des Schiffsverkehrs im Küstcnhandcl, d. h. im inneren Verkehr. und die Zollerhebung an den Eisenbahnlinien unterficlü. Die Postverwaltung ist von dieser Dehörde gegründet worden und die chinesische Salzmonopolverwaltung auch aus ihr her- Dorgcgangen. Hasenpolizei. Küstenbefeuerung (im Kriege Paßkontrolle!) und in' einigen Fällen sogar die Verwaltung von RegierungSgeldem unterstand der gleichen Dehörde. Dies dürfte zur Kennzeichnung dcr Sachlage genügen.
Nun fragt es sich aber, ob die Entlassung des bisherigen Generalzollinspektors tatsächlich so aurzufassen ist, wie es nach den bisherigen Berichten erscheint: denn der Generalzollinspektor war nicht nur ein Beamter der chinesischen Zentralregie, rung, er war gleichzeitig Der Vertrauensmann des diplomatischen Korps und der internationalen Geldgeber. Es muß hinzugefctzt werden, daß die Aufgabe der SeewUuermaltung nicht etwa nur darin bestand, die Instruktionen der chinesischen Regierung auszuführen, sondern gleich, zeitig auf die Einhaltung der abgeschlossenen Verträge durch die chinesischen Behörden zu achten. Daher nämlich die 2lblehnung der Er
hebung der Zuschlagszölle durch den Generalinspek- tot! Auch handelt es sich bei der (Ernennung des Nachfolgers, eines Herrn Edwardes, nicht etwa um den Prioatsekretär, fondern um den Stellvertreter des Generaizollinspektors, und zwar um den befirtjigften Beamten der ganzen Verwaltuizg. Es ist daher möglich, daß dieser scheinbare 21 ffront nur eine Umste11ung darstellt.
GineS aber ist gewiß: Die blitzartige De- lcuchtung. welche diese, dem normalen Clsina- lenner zwar bekannte, aber dennoch in ihrer Bedeutung mißverstandene Behörde plötzlich erfahren hat, ist ein Ereignis, das für die englische Politik eine Schicksalsfrage darstellt. China war, praktisch genommen, eine englische Kolonie. Die Direktoren oder Kommissare Der SccAoIüxrtoaltimg waren die gleichberechtigten Kollegen Der Provinzialgvuverneure oDer Rc- gierungSpräsiDenten. Da sie mit Der lieber- wachung Der Einhaltung Der Verträge beauftragt waren, besahen sie vielfach größere Vollmachten, als Die Provinzregierungen selbst. Dah Diese Funktion zusammen mit Dem Konsular- bzw. Diplomatischen Korps auSgeübt wurDe, änDert an Der Funktion nichts Wesentliches.
Englands politisches Ziel in China besteht offensichtlich Darin, sich Diese Stellung in Der Verwattung zu erhalten, ja, wenn es angeht, Diese (Institution Der Seezollverwaltung mit allem, was Damit zusammenhängt, Der neuen chinesischen Staatsregierung als ein Mittel zur Sicherung ihrer internationalen ÄrcDitfäbiflteit anzuempfehlen. Auf Diese Fragen können wir Die Antwort zur Zeit noch nicht geben. Es ist alles im Fluh. Heute tarn es nur Daraus an, Die wesentlichsten Zuge in Dieser neuesten Phase Der Entwicklung Der englisch-chinesischen Beziehungen hervorzuheben. Es gebt, wie man sieht, um entscheiDende Dinge. Solange Die Seezollverwaltung unangetastet bli«>, war nichts $u befürchten, Denn Die englische Machtstellung in Der Seezollverwaltung bedeutete mehr als alle Konzessionen und Privilegien zusamniengenom- men. Sie bedeutete u. a. für den englischen Kaufmann, wie Den europäischen natürlich im allgemeinen auch, dah er in seinem Verkehr mit chinesischen Zollämtern stets seinen heimischen Gewohnheiten entsprechend behandelt wurde, und nicht nur daS: Die Beamten, Denen er geacn- übedtat, waren großenteils EnglänDer. AlleS Das ist heute beDroht. Damit gewinnt aber Die AusDruckSweise Sir Austen C h a m b e r l a i.n s, Der von Den .,H a n D e l s i n t e re s s e n" Eng- lanDs in China sprach, eine ganz andere Bedeutung. Auch die Talsache Der Verwaltung Der Zölle ist ein handelspolitischer Faktor, wenn man will.
Wir wollen uns vor zu weit gehenden Folgerungen heute hüten. Die deutsche össent- liche Meinung hat ohnehin die Aeigung. den Konflikt in China viel zu sehr gefühlLmähig zu betrachten. Hier sei nur sestgestellt, daß Deutsche an dem Aufbau dieser Verwaltung ein bedeutendes Verdienst besitzen. Der vor einigen Wochen verstorbene bekannte Sinologe Georg Hirth ist der Schöpfer des statistischen Amtes der Seezollverwaltung, die im übrigen fast daS gesamte statistische Material über das chinesische Wirtschastsleben herauSgibt.
Die britischen Vorschläge.
H ankau, 2. Febr. (WD.) Die Rote des Auhenministers der Kantonregierung, Tschen, erhebt Einspruch gegen bie Ansammlung britischer Streitkräste in Schanghai und weist darauf hin, dah von japaiiiichec wie amerikanischer Seite derartige Truppenkonzen- trierungen nicht vorgenommen wurden. Am 29. 3anuar hatte Tschen bie Ansicht vertreten, die Rationalisten könnten die britischen Vorschläge nicht als zusriedenstelkend betrachten. Sie feien aber bereit, diese Vorschläge als Grundlage sür Erörterungen zu nehmen, die zu einer umfassenden und durchdachten Regelung Der zur Zeit brstehenDen englisch-chinesischen Schwierigkeiten führen könnten. Voraussetzung Dafür fei, Dah Die Verhandlungen in einer von (Sin- schüchterungsversuchen völlig freien Atmosphäre sich vollziehen könnten, 3eDoch mache es Die fortschreitenDe Zusammenziehung britischer Streitkäste sowohl wie Die Rachrichten über Die britischen Kriegspläne der Kanton- regicrung unmöglich, die britische Truppen- konzentrierung ander- auszusassen als eine gegen Den chinesischen Rationalismus sich richtende Z w a n g s m a h r e g e l. So sei die natio« nalistische Regierung durch die Umstände gezwungen. zunächst die Beendigung dieser EinlchüchtcrungSversuche abKuwarten, bevor sie Der Unterzeichnung Des Abkommens zusttmme. Das Die staatsrechtlichen Verhältnisse der britischen Konzession in Haickau zu regeln bestimmt sei.
3n maßgebenden Kreisen London- wird er» klärt, es sei zwar die Unterzeichnung des Abkommens über die britische Konzessionen in Kiu- kiang und Hankau einstweilen verschoben worden, jedoch sei von einem Abbruch der Verhandlungen nicht die Rede. Sie würden vielmehr aus der Grundlage der britischen Verschlüge für die Beziehungen zu China fortgesetzt. Der amtliche britische Funkspruch DeröffenÜ. heute diese Vorschläge, die am 27. Januar Den chinesischen Regierungen in Peking unD Hankau


