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*ed de« Äßn^ert-Terein«) »eranstatten. ßinbbern* Jtünftlcmil;m luib feine fiMpachische Ifetfönlicb- leit beszerr'chen jetzt bi« Ä ordert läle unb machen eS verständlich, daß derartig mel Anträge vor. tilgen, daß et alle Länder Europa« beetilen muh, um sich hören zu lassen. Bei solcher Ja^n'pruch- nahme blieb dem Äon^ert-Sercin feine Möglich, feit, das Datum von sich aus festzusegen. Trotzdem ba«Brahm«'fche Requiem laum oerllunnen ist. muh der Liederabend schon wenige Tage später, nämlich, wie schon oben gefugt, am 6 o n n t a g daraus folgen. Die an gestrebt« Berfegur.g auf ein späteres Datum war bedauerlicherweise nicht au erreichen. 3u de« .Künstlers Lobe etwas zu faaen, erübrigt sich, weil Lindberg hier und allenthalben hinlänglick besannt und geschäht ist. 3n dem von ihm selbst zusammen gestellt en Programm acht er von Bachfchen wundervollen tief- emften Arien über Händel in die heiteren Regionen Dolsscher und Schumannscher Lieder, bringt u. a. dessen .Beide örenQbiere" und schließlich auS Mozarts Don-Juan die Serenade und die Leporello-Aric. Die Begleitung am Flügel liegt in den Händen bei hier ebenfalls bekannten Herrn Paul Meyer aus Frankfurt. (Siehe heute An^eige.)
~ Die Bortrags-Bereinigung hat für kommenden Montag den Privatdozenten der Musikwilsenichaft Dr. Leopold Hirlchvcrg au« Berlin zu einem Vortrag mit Erläuterungen am Flügel unb durch Gesang über da- Thema .ßoetecis Legenden" eingeladen Die BortragS« Bereinigung glaubt, so schreibt man und, mit ber Ausnahme eine« solchen musikwissenschaftlichen Vortrag« einem allgemeinen Wunsche ihr« Besucher nuchzulommen. Dr. Hirschberg wird seine Zuhör« mit einem Dargrabenen Schau Lvewe- sch« Mufif bekanntmachen, der im allgemeinen nur wenig bekannt ist. Der Vortragende wird bei seinem Vortrag zunächst ausgehen von einet kurzen Charakterisierung derLegendc alSSchwester- kuchtutrg b« Ballade Aach dieser, theoretischen Ausführungen wird er durch Gesang und Spiel daS Gesagte an der Hand einer Reihe köstlicher, schlichter Legenden LoeweS erläutern wird ein genußreicher Abend ,yu erwarten sein. (Siehe heutige Anzeige.)
Deutscher 2 ep u b l i ka n i s ch e r Lehrerbund. Samstag, 5. Februar, nachm. 9 ? Uhr, im Saale des Gymnasiums Vortrag der Studienrätin Dr. Gertrud Klausner- Berlin. Nähere« in der heutigen Anzeige.
" ®ie oberhessische Lust i st noch gesünder! 3n unserer Ar. 25 vom 31. Januar berichteten wir, dah in dem etwa 2000 Einwohner zählenden i)rtc Snlirch an der Mosel gegenwärtig 19 Männer und Frauen leben, die über 80 Jahre alt sind. Diese« Patriarch endorf ist jetzt um seinen Auhm gclonv» men. In Sroben-Vuseck. das ebenfalls etwa 2000 Einwohner hat, lind nämlich 31 Personen ün Aller von 80 bis 90 Jahren noch vorhanden unb zwar 13 Frauen unb 16 Blamier Also nicht nur der Moselwein, sondern, auch die gute oberhessische Lust etmöglia-en ein lange« Geben, wenn man es nur zu leben versteht.
** Anträge auf Erstattung von Lohnsteuer. Da« ReichSfinanzmimsterium weist auf folgende« hin: Arbeitnehmer, die wegen VerdienstauSfallv oder wegen besonderer wirtschaftlicher Verhältnisse einen Antrag auf Erstattung von Lohnsteuer stellen können, müssen die» bis 8 um 31 März 1 92 7 bei dem «Finanzamt, in dessen Bezirk sie am 31. Dezember 1926 ihren Wohnsitz gehabt haben, tun. Frist- Versäumnis hat Ablehnung de« Erstattung«- antrag« zur Folge. Die Einzelheiten ergeben sich au« einem Merkblatt, das ebenso wie Dor- brurkc zu drfiattuii(;«aitträgen, die aus Verdienst- auvfall aestutzl werden, bei den Finanzämtern unentgeltlich erhältlich ist.
—Ernennungen bei der Reichsbahn. Die Eisenbahn-Assistenten Wilhelm L u h und Ltifuft Steger II.. beide in stlein-Linben wahnhaft, wurden von bei Reichsbahndirektion Jranksun mit Wirkung vom l. Januar 1927 nb zu Eisenbohnsekretären ernannt. Beide Beamte sind seit über 23 Jahren auf dem Bahnhof Gießen bedienstet.
ADV. D e p ä ck t r ü g e r d i e n s,. Es ist gelegentlich beobachtet worden, dah bei stärkerem Verkehr, besonder« wenn mehrere Zuge zu gleicher Zeit ankommen, die Zahl der Gepäckträger auf manchen Vahnhösen nicht immer ousreicht, um den Aeisenden bei der Besorgung bei Handgepäcks behilflich zu fei t Die Deutsche Aeichibahn-Ge'ellfchast hat nunmehr Mastnahmen getroffen, um in derartigen Fällen den Anforderungen der Aeisenden Genüge zu leisten. Im Zusammenhang hiermit wird darauf aufmerksam Seinacht. dast die Gepäckträger nicht nach der iahl der Gepäckstücke, sondern nach dem Gewicht des Gepäcks zu bezahlen sind. Jeder Gepäckträger führt den amtlich festgesetzten Tarif bei sich und ist verpslichtet, ihn auf Verlangen vorzuzciaen.
"Bus dem Diehener Standesamt « r e gi st e r. E« verstarben in der Zeit t>om 15. bii 31. Januar- 16. Januar: Georg Appel. Spenglermeister. 62 Jahre. SelterSweg 56. 17. Karl Konrad Hengst. Reisender. 36 Jahre. Ederstraste 30. 18.. Johonnette Hottmann. geb. Schwan. 76 Jahre. Aeue Baue 6. 22.: Elfriede Erna Seibel. 2 Monate. Steinstrahe 66; Katha- rine Babel, ohne Bern'. 54 Jahre, Licker Str. 74 24.: Dr. Richard Eduard Oltmann. Oberlehrer i. R., 65 Jahre. Dleichstrahe 11. 26.: Anna Marie Appel, 1 Woche, ßinbengaffe 2. 27.: Isaak Marr. Rentner, 72 Jahre. Bahnhofstraste 39; Johanna Zufall. Schneider n. 43 Jahre. Onautbftrafie 14. 23.: Georg S icksel. cchne Beruk. 53 Jahre, L.cher 6.raste 74; Emilie Henkel, geb. Schoninger. 72 Jcchre, Sonnenstr. 14; Eduard Krombach. Ober- behngffistcnl i. R.. 71 Jahre. Bruchstraste 18; Elisabeth Rolfs, geb. Korell, W.twe. 62 Jahre. 6!ephanstrahe 25. 29.: Christine Lich. geb. Becker. 3Mttoe. 71 Jahre. Landgraf-Phttipp-Play 9. 30.: Henriette We sendach. ohne Beruf. 66 Jahre. Kleine Mühlgasfe 8; Lu.fe Sänger, geb. Bill, Witwe. 76 Jahre. Licher Straße 74. 31.: Frieda Schmidt, geb. Schnecko. 41 Jahre, Bahnhofstraße 48; Werner Oestreich, 5 Jahre, Jhering- straße 7.
•• D i e Altervereinigung 1876 — 1 9 2 6 beging am Samstag im Saal bau Sauer Ihre Schlustfoier. Der ge'chäf:liche Teil der Sitzung ergab die Wiederwahl des bisherigen Vorstands durch Zuruf. Sie anschließende Geselligkeit zeitigte allerlei deklamatorische, musikalische und rednerische Genüsse, d e dem Charakter der Feier angepaht waren. Eine zwölfseitige Festschrift mit Ernst und Scherz in bunter Reihenfolge wurde al« Erinnerungsblall an das Jubiläumsjahr 1926 auSgegeben und fand ob ihrer Reichhaltigkeit
und Originalität allgemeinen Anklang Der Geist, schwebte, läßt auch für die Zukunft das beste der über dem ganzen Verlaus der Veranstalrung erhoffen.
” Demokratische Partei und Reichsregierusg. In einer sehr gut besuchten Versammlung der Deutscher. Demokratischen Partei sprach gestern abend der Rtich«- tagsabgeordnete ®farrec Morell in der Turnhalle am OswaldSganen über da« Zustandekommen der neuen Reich«rcgierung Der Ber- sammlungSlellrr. KreiSschülrat Fischer, betonte in feinen einführenden Dorten daß es vom demokratischen Standpunkt aus peinlich sei, da« neue Kabinett unter der Leitung des Reichskanzlers Dr. Warx zu sehe». Abg Pfarrer Korelt sagte in feiner Kritik, der Hintergrund für das Zustandekommen der gegenwärtigen Rechtsregierung fei die Abneigung breiter Te- völkerungSschichten gegen einen Aufstieg der werl- tätig schaffenden VollSkretle; diese« Deutschland wolle die Vertretung der Arbeiterschaft nicht mit zu lassen zur Leitung des Staate« Der Redner kritisierte dann in längeren Ausführungen die Reichswehr Für Scheidemann» Dezemberrcte im Reichstag machte er Deßler unb Mart verantwortlich wenn diese beiden Minister früher schon in der Rnchtwehr bur<tgegriffen hätten, dann wäre Scheidemann» Vorstoß vielleicht nicht in fv fcharser Weife erfolgt. Die Linksparteien wollten die Reichswehr keineswegs politisieren, sie möchten diese vielmehr entpolitisieren, indem sie Einflüsse au« der Reichswehr auifdxütcn wollten, die jetzt dort in repualikfriichttchem ®eiüe wirksam feien. Der Redner bedauerte, daß da« alte Offizierkorp« namentlich in den höheren (5bargen, in die Reichswehr übernommen worden fei. Geßler» Austritt aus der Demokratischen Partei begrüßte der Vortragende ubi eine Klärung der Situation durch die der Kamps der Demokraten gegen Deßler erleichtert werde. Der Redner be-cichnelc Gehler al« den künftigen Präfidentschastskandidaten. Weiter fritifiertc Korett da» Verhallen de« Reichspräsidenten von Hindenburg während der Aegierungskrile. Er bedauerte und verurteilte da« Eingreifen des Reichspräsidenten in diese Krise, und behauptete. Hinderwurg sei dadurch parteipolitisch hervorgeirelen. Da« Kabinett Marx sei nichts andere« al» ein Kabinett Hindenburg, und deshalb seien die Angriffe gegen da» Kabinett Marx zugleich auch gegen Hindenburg gerichtet. Marx' Llebernahme des Kanileramtes bezeichnete der Redner al« ein Opfer im Dienste ber Zenlrumspartei; Marx' Entschluß fei nicht als Ausfluß persönlichen Ehrgeizes anzusehen. Daß das Zentrum diese starke Schwenkung vor- genommen habe, sei nicht verwunderlich, denn da« Zentrum sei eben niemals eine republikanisch orientierte Partei gewesen, sondern immer nur eine Rechtspartei; nachdem der linke Flügel des Zentrum« bisher da» Steuer nach tinkS geführt habe, fei jetzt gewissermaßen als natürliche« Gesetz de« Ausgleiches der rechte Flügel an die Führung gdommen. Aunmehr sollten die Deutfchnationalen beweisen, bah mit ihrer Unterstützung außen- und innenpolitisch fruchtbare Arbeit geleistet werden könne. Die demokratische Partei werde mitaroeilcn. soweit es sich um Aufgaben zum Wohle deS Volkes unb bc« Vater- lanbe« handele. Die Demokraten hätten jetzt aber auch bestimmte Forderungen zu stellen, und zwar 1. Herabsetzung der Pensionen für die Generäle und Minister 2. Umwandlung der bisherigen Rentner-Unterstützung in eine angemessene Rente, 3. Rcvidieruug des Aufwertungsgesetzes zwecks Erhöhung der Aufwertung soweit wie mögllch. da c« sich gezeigt, daß für die Aufwertung mehr getan werden könne, al« man seinerzeit angenommen habe. Mit ber Aufforderung an feine Parteifreunde. auch künftighin ber demokratischen Politik Vertrauen zu schenken, schloß der Redner seine knapp eüiftünbige Ansprache. Eine Aussprache wurde nicht beliebt.
•• Auftrieb auf dem heutigen Frankfurter Schlachtvieh markt: 273 Rinder, 694 Silber, 370 Schafe. 176 Schweine.
Schöffengericht Gießen.
* Gießen. 2. Febr. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit wurde gegen 2 Strafgefangene au« Butzbach wegen widernatürlicher Unzucht verhandelt. Sie wurden zu Gefängnisstrafen von 6 und 3 Monaten verurteilt.
Unter großem Andrang der Bevölkerung fand die VerhanSlung gegen die Eheleute Philipp Röhrig von Rödgen statt. Der Ehemann Röhrig hatte Ende vorigen Jahre« versucht, in einen in der Rahe bc« Triebs gelegenen Aeubau einzubrechen, und war dabei von dem Hausbesitzer angeschvfsen worden. Die Untersuchung förderte ein ganze« Warenlager in feinem Hause zutage. Wegen 7 einfacher und 3 schwerer Diebstähle, eines versuchten schweren Diebstahl« und unbefugten Besitze« eine« Karabiner« wurde er zu 3 Jahren Gefängnis Der- urteilt. Seine wegen Hehlerei angeklagte Frau wurde mangel« Beweises freigesprochen.
Zweimal zum Tode verurteilt.
Frankfurt o. M., 2. Febr. (WSN.) In dem Mordpcozeß Hermann wurde gestern bas 3 e u • genoerhor fortgesetzt. Die tiut^agen der Zeugen gingen zu in Teil datzin, daß Hermann nicht ganz ernst zu nehmen sei; er sei ein Mensch, der „spinne" und „etwas an dec Erbse gehabt" hatte. In nichtöffent- licher Sitzung wurden sodann die Zeugen über Dinge gehört, die sich der öffentlichen Wiedergabe entziehen. Die Auslagen der ärztlichen S a ch - verständigen lassen sich dahin zusammenfassen, daß Herinann wohl als Psychopath zu bezeichnen sei. indessen könne von Geisteskrankheit nicht gesprochen werden; erbliche Belastung sei ebenfalls zu verneinen. Es fei nicht anzu- nehmen, daß er die grausige Tat in einem Zustand begangen habe, bei dem der freie Wille ausgc schloiien gewesen sei. Die Voraussetzungen des § 51 «tGB. seien zu verneinen.
Heute vormittag begannen die Plädoyers. Staatsanwalt Dr. W i f s e r hält den Fall bezüglich seiner Beweggründe für den unverständlichsten der ^chwurgerichlsperiode. Hermann habe sich unter einer Maske der Kunigunde Hufnagel ge- näher:, der es fernleg. auf Abenteuer auszugehen. Beionbers charakteristisch für die Einstellung des Angeklagien fei es, daß er sich noch an dem toten Mädchen sexuell zu vergreisen versuchie. Die ganze Tat sei mit kalter Berechnung durchgesühn worden, und die S-lbstmordoersuche de» Teters seien nichis weiter als Theakralik. Die Tat sei wohl überlegt ausgeführt worden. Der Staatsanwalt sieht in ihr einen zweifachen Mord, einen Mordversuch und außerdem den Versuch, sich durch einen Schuß seiner
Verteilter zu ewtfebiaen 6» fei enmefen. Sah er oordtznck gehandelt hadc Die Tat lei vvstenveter Mord und versuchter Mord, ber Schutz auf die Der- ftiger Totschlagsoersuch. Hier dürfe es kein Milleid, lanbern Gerechtigkeit geben. Die Strafe sei im Gc- [til feftgelegt, jyür den doppelten Mord zweimal den Tod, für den Mordvenuch acht Jahre Zuchthaus für den Totschlagsoersuch drei Jahre Jucht- haue, jufammengrjogen 10 Jahre Zuchlhau», außerdem bauember Ehrverlust unb Einziehung der Taste
Der Ben«diger, Dr. Loewenthal, betonte. daß die Motive doch nicht so klar lägen wie sie der Staatsanwalt bar gelegt habe. Der Angeklagte sei eine Wert hernatur. ES gäbe kaum einen lehrreicheren Fall der Affekthandlung alben vorliegenden. Der Angeklagte, der eher in« Irren- al« in« Zuchthaus gehöre, fei nur wegen Totschlag unb Tottchlag-oerfuch zu bestrafen.
Rach einer Replik de« Staatsanwalts erhielt der Angeklagte bas Schlußwort, in bem er betonte. daß er nur durch da« Da-wischenkommen der alten Frau Hufnagel zu ber Tat gekommen fei, und daß er ernstlich oorgehadt habe, sich da« Leben zu nehmen. Mit Ucberlegung habe er nicht gehandelt.
Hm 2 Hhr zog sich da« Gericht zur Beratung zurück. DaS Urteil lautete:
Der Angeklagte Hermann wird wegen Morde« in zwei Fällen zweimal zum Tode, wegen Mordversuch« und Totschlag-versuch- je in einem Falle zu einer Gefamt-uchthau«- strafe von 10 Jahren verurteilt. Die bürgerlichen Ehrenrechte werden ihm auf Lebensdauer aberkannt. Die Waffe unb die Munition werden eingezogen.
Der Angeklagte hatte sich während der Urteilsverkündung völlig ruhig verhalten. Als der Vorsitzende ihn auf die Möglichkeit hui wie«, daß er Revision einlegen könne, fragte Hermann mit ruhiger Stimme: Äann i ch gleich Revision ein! ege nF* Dies bejahte der Vor- fitzende, und der Angeklagte gab feine Unterschrift zurRevifion. Somit schloß die Verhandlung
Klingelbach, Flughafen und GSnsewiese.
Bon Dr. Kilbinger, Gießen
Gießen ist aus einem Sumpfneft entstanden und auf dem besten Wege, wieder in diesen Urzustand zurückzusinken, zwar nicht in bezug auf seine Entwicklung als Stadt, wohl aber in Beziehung auf feine nähere Umgebung.
Selbst dem uninteressiertesten Spaziergänger wird es aufgefallen fein, wie sich rechts unb links des Schreiberweges am Klingelbach ein (Inhalten ber Äerfumpfungsprozeß vollzieht. Diese Wiesen, die vor Jahren noch gut im Stande waren, sind heute zum größten Teile so versauert, daß es sich nicht mehr lohnt, das wertlose, saure Gras, da» dort wächst, zu ernten, unb man sieht auch eine ganze Reihe von Flack-en, bie noch die Grasnarbe des vorigen Jahres tragen. Hier und ba sieht man wohl, daß einzelne Besitzer durch Anlage von Entwässe- rungsgrobben einen verzweifelten Versuch machen, ihre Wiesen zu entwässern, unb an einer Stelle sind auch jetzt bie oorhanbenen Entwässerungsgräben ge- säubert worden, auf ganz andere Weise suchte auch einer seiner Wiese glaubhaft zu machen, daß sie wieder in Ordnung kommen müsse, wenn er eine Obstplantage dort anlegte. Es ist traurig, zu sehen, wie diese armen Bäumchen auf dem sauren, nassen Loden vegetieren unb kaum größer geworden sind, als zur Zeit, in der sie gesetzt wurden. Viele Hektar wertvollsten Wiesenlandes sind auf diese Weise wertlos geworden, und der Rest wird es in einigen Jahren werden. Mit Heinen Mitteln ist diesem großen Uebdftanbc nicht abzuhetfen. Hier kann nur durch eine Senkung des Grundwasserspiegels durch Tieferlegung ber Gra - bensohle bcs Klingelbaches und durch Beseitigung ber Staue r^cheinungen an ber Einmündung des Baches in den Kanal geholfen werden. Es wäre vielleicht auch möglich, den Klingelbach am westlichen Rande der Wiesen entlang zu leiten, so daß der vorhandene jetzige Bach- lüuf nur zur Entwässerung bienen würde Doch diese Fragen Hai der Wiesenbautechniker zu entscheiden. Die jetzigen Sumpfstellen könnten bann durch ein wohldurchdachtes Grabensystem entwässert werben. Dieses Grabensystem müßte man natürlich in Orb- nung halten. Wahrscheinlich müßten auch bie schlech. testen Stellen vollkommen umgebrochen unb mit Reueinsaat versehen werben. Der einzelne kann freilich solche Arbeiten nicht zur Durchführung bringen, wohl aber hat bie Stobt ein Interesse daran, baß Sümpfe in nächster Röhe der Stadt nicht entstehen.
Auch auf bem Gießener Flughasenge- tänbe ist in bezug aus Entwässerung noch manche Arbeit zu leisten. Wenn es hier auch nicht darauf ankommt, eine erfttiaffige Wiescnnarbe herzustellen, so ist ei doch von größter Wichtigkeit, daß das Ke- lande in allen Teilen des Platzes trocken ist. Da Gießen ab 1. April 1927 in den internationalen Flugplan mit aufgenommen wird, so ist wohl damit zu rechnen, daß auch in den Herbst- und Wintcr- monaten hier Flugzeuge landen unb starten werben, unb baß insbesondere Großflugzeuge überall auf dem Platz festen Grund vorfindcn müfjen. Heute liegen die Derhällnifse leider noch so, daß ein Teil des Platzes nach längeren Regcnperivden naß und l'umpfiq wird, weil bas Wasser hier keinen genügenden Abstuh findet. In früheren Zeiten waren diese Wiesen durch ein gutes System von Entwässerungs- präben in bestem Zustande. Nachdem zur Schaffung ebenen Geländes diese Gräben verschwinden mußten unb Drainagen verlegt würben, gehen diese Wiesen zum Teil einer allmählichen Versumpfung entgegen, der nur durch Verbesserung des Drainage- systems Einhalt geboten werden kann. Wie schnell eine derartige Vcrjumpfung zur Tatsache wirb, .zeigt uns das Beispiel ber Klingelbachwiesen. Die Vorboten ber Serfympfung. Sauregräscr, Binsen unb Moose, Jinb schon in reichlicher Menge Vorhände,'.. Zunächst mag diese Gefahr noch nicht groß erscheinen, aber cs gilt auch, in die zukünftige Entwicklung des Flughafens vorauszufchaucn, unb diese 'st abhängig von der guten Beschaffenheit des Flug, bafengtiänbts. Bei der Rcuausgestaltung des Flug. Hofens, die jetzt in Angriff genommen werden soll, dürfte es sich febr empfehlen, auch auf eine voll» kommene Trockenlegung des Platzes Wert zu legen.
Sehr schöne ertragsreiche Wiesenflächen sind bis jeßt noch die Sansewiesen hinter den Gerichts- gebäuben, aber auch hier kann man beobachten, daß die Ansätze zur Derfumpfung vorhanden sind. Das Grobensystem, bas der Entwässerung bienen soll, ist schon so verwachsen, bah ein Wasserabfluß kaum noch möglich ist. Damit ist bie Grundlage ber Versumpfung gefdiaffen. Die Wiesenflächen brauchen
nur noch wenige Jahre in diesem Zustande zu oei karren, um genau so versumpft au werben mit bir KUngelbachwiesen. Es genügt, wenn die vorhandenen Graben wieder instandgesegt und bann auch inftanbatbahen werden, um die Diesen in einem guten Hu staube iu erhalten. Eine ÄaUbunguna unb eine Volldungung konnte den Ertrag bu|er Wiesen nur heben unb damit die städtischen Einnahmen bei den verfie:gerungen wesentlich erhöhen, wenn aber nichts geschieht, dann wird diese beachtliche Einnahmequelle wohl bald versiegen.
E» wirb so oiel von produktiver Gr merb»lofenfür,orgc geredet. Hier sind Ar beiten in Hüll« und Fülle, bei denen wirklich pro duttive Arbeit geleistet werben kann. Wenn man im Westerwald unb Vogelsberg In mühevoller Ar beit dem steinigen OrNanb grotze Flbcken für Weiden unb Diesen obringt, dann ist es doch wirklich verwunderlich, wenn man sieht, wie in der nächsten Nähe der Stadt wertvolles Wicsenland einer sicheren Versumpfung anheimfällt.
Buntes Allerlei.
Die größte Sonnenuhr.
Daß die alten Mayavölker bereit» eine genaue Zeitrechnung kannten, ist durch den amerikanischen morscher Dr Thomas (Bann nachgewieien worben der vor kurzem eine archäologische Studienreise durch Mittelamerika unternommen hat. Bei Copan. einer der äiteften Städte de» alten Mayarciche», ba» non etwa 1OO oor Christus bi» ungefähr 500 nach Christus blühte, würben zwei ziemlich gut erhaltene, fast vier Meilen voneinander entfernte Steinpf eile, iiefunben, die in ihrer Zusammenwirkung eine rie- enhaftc Sonnenuhr gebildet haben Beide Pfeiler inb auf Hügeln errichtet, zwischen denen die Stadt Copan lag, heute ein ausgedehnte» Ruinenfeld. Don dem öftlidim Pfeller aus visierte man die Sonne, wenn sie hinter bem westlichen Pfeiler stand, unb baute auf den fo gemachten Beobaastungen die Zeit rcdjnung auf. Das Datum, an dem die Sonne, vom Ostpseiler aus gesehen, genau hinter dem westlichen unterging, galt den Mayas als Beginn ihres Jahres, das ebenfalls bereits 365 Tage zählte. Jedoch kannten sie kein Schaltjahr; dafür korrigierten sie ihre Rechnung insofern, als sie zeitweise zwischen zwei Jahre einen besonderen Reujahrstag ein schoben. Interessant ist die Feststellung, dog beide Pfeiler dieser merkwürdigen Sonnenuhr genau auf der gleichen Meereshöhe errichtet waren, auf diesen steinernen „Uhrzeigern" selbst sind noch Einkerbungen und hieroglyphenartige Zeichen zu erkennen» mit denen die Jayre, Monate usw registriert wurden.
wann man im Kino am besten sicht.
Wenn man beim Ansehen eine« Film« 2hi- genbeschwerden bekommt, so ist dies saft Immer auf schlechte Bedingungen im Kino zurückzuführen. Ein amerikanischer Augenspezialist Guy A. Henry, hat die besten Bedingungen für den Genuß eines Filmwerkc« untersucht und in der Chicagoer Zeitschrift „CJlnical Medicinc" angegeben . Emen Film ansehen bedeutet ein Sehen auf weitere Entfernung und ist von dem gewöhnlichen in die Ferne Sehen nur durch bie länaete aufmerksame Betrachtung unterschieden", schreibt er „Die besten Verhältnisse für da« Auge im Kino find die folgenden: 1. Der Film muß neu und ohne alle Riffe, Brüche und Löcher fein. Alte Filme, in denen e« „regnet", sind dem Augc schädlich. 2. Wenn bie Bilder mit einer feststehenden Kamera ausgenommen find und mit einer guten Maschine reproduziert Werdern. Dann gibt es fein Zittern und Flackern de« Bildes. Jede Bewegung bc« Bilde« außer der natürlichen Bewegung innerhalb der Handlung verursacht Augenschmerzen. 3. Der Dorführenbe muß geübt fein, fn daß die Bilder stets in scharfem, gleichmäßigem Licht erscheinen und bas grelle Licht des Projektors niemals die leere Leinwand trifft. Eine Flut grellen Lichte« blendet da« Auge. 4. Der Betrachter darf nicht näher al« 20 Fuß vor der Leinwand setzen, die Augen nicht näher at« 35 Grad über die wagcrcchte Linie erheben und nicht mehr al« 25 Grad nach ber einen oder anderen Seite drehen. 5. Da» Theater soll nicht ganz dunkel fein; alle Quellen blendenden oder reflektierenden L.chtcs müssen von den Mauern und Dekorationen entfernt, alle Lichter sorgfältig beschattet fein. Jeder plötzliche Wechsel de« Lichte« ist schädlich."
Rundfunk-Programm
deS frankfurter Senders.
(2lud der.Radio-Umschau-.)
Freitag, 4. Februar.
3.30 bis 4 Uhr: Die Stunde der Jugend. 4.30 die 5.45: Hausfrauen-Rachmitlag, veranstaltet von bem Frankfurter Hausfraucnocrcin. 5.4s bis 6.05 Uhr Die Lesestunde. 6.15 bis 6,45 Uhr. „Die Tätigkeit der Freiwilligen Sanitätshauptkolonne vorn Roten Kreuz in Mainz bei bem Unglück in dem Mainzer Eisenbahntunnel am 1. Oktober 1924", Vortrag von Armin Koch Erster Schriftführer ber Kolonne. 6.45 bis 7.15: Funkhochschule: „Tolstoi", Vortrag von Professor Dr. Schulz. 7.15 bis 7.45 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger unb Fortgeschrittene (Diktat von 8Ö Silben aufwärts).
8.15 Uhr: Bunter Abend.
Eingesandt.
(Für Form und dnyail aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel ub-mimm: die Redaktion dem Publikum gegenüb > anfwortunQ )
Soll die verlängerte Schottstraße ohne Slraßen- beleuchtung bleiben?
Die man kürzlich dem „Gießener Anzeiger" entnehmen konnte, sollen jetzt verschiedene Straßen noch mit Licht versehen werden. Bei den vorgesehe. nen Straßen fehlt aber die verlängerte Schottltraße, die schon jahrelang seit dem Verschwinden der ®a=. beleuchtung im Dunkeln liegt. Früher hatte die verlängerte Schottstraße zwei Gaslampen aufzuweisen, und man hoffte von Jahr zu Jahr, dah für di« oer- jchwundenen (Badampen elektrische Beleuchtung kommen werde. Vergebens! Deshalb richten die Anwohner der verlängerten Schottstraße hiermit an bie Stadtverwaltung bie Bitte, diesen Teil der Straße baldigst auch mit Bele.'chtung versehen zu wollen. ei
Sprechstunden der Redaktion.
12 bis I Uhr mittags, 5 bis 7 Uhr nachmittags.
Samstag nachmittag geschlossen
Für unoerlangi eingesandte Manuskripte ohne beigesügles Rückporto wird feine Gewehr übernommen.
Anzeigenausträge find lediglich an die Geschäftsstelle ja richten.


