Ausgabe 
2.9.1927
 
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Naunheim in Marburg; und Alsfeld und Leun in Alsfeld. 3n Wehlar muh der Aus­gang offen bleiben, in Marburg dürfte Naun­heim der voraussichtliche Sieger werden, und in Alsfeld wird der einheimische Verein die Punkte behalten.

II. Klaffe, I. Mannschaften.

Hier stehen drei Spiele in dem Programm, deren Ausgang nicht ohne weiteres angegeben werden kann. Grohen-Lindenl hat Rod- heiml als Gast. Bei dem spannenden Spiel sollte man Groden-Linden einen knappen Sieg zutrauen, zumal aus eigenem Platz. "9 an­bei n g e n I und Öeunl werden sich in Dau- bringen ein.cn zähen Kampf liefern, in dem die Dicgesaussich e i geteilt sind. Burkhards- f e l b e n 1 wird gegen Fronhausenl kaum aufkcmmru, und len Gästen wohl oder übel die unk.e überlassen.fen.

Die Jugendklasse.

Einen zähen Kampf werden sich Wetzlar und ©icijcn'in Wetzlar liefern. De Entschei- , u.lg wird wohl Gierens körper.iche Lieberlegen- Helt bringen. Klein-Linden wird sich 'ehr an Ire igen müs en, wenn sie gegen Naun­heim nicht gar so hoch verlieren wollen. üb Wieseck in Heuchelheim der Sieg ge­lingt, ist sehr fraglich, denn die Heuchelheimer Jugend ist sehr flink und talentiert; wer sie nie. erringen will, muh sich sehr anstrengen. Lollar fährt zum Spitze,ifü^rer der Gruppe Ost, Hachborn, dec ^ich wohl kaum von seiner Stel­lung verdrängen lassen wird. Fronhausen sollte sich eigentlich in Steinbach die Punkte holen, wenn dies auch nicht ganz so leicht werden wird. Offen muh die Frage nach dem Sieger zwischen Oppenrod und Alten-Buseck bleiben. Strengt sich Alten-Buseck an, sollte der Sieg gelingen.

Die Schülerklasse.

In den beiden Spielen treffen jedesmal Mannschaften aufeinander, die sich so ziemlich die Wage hallen. Wetzlar und Gießen ist jecenfalls das bessere Paar, das sich einen inter­essanten Kampf bei völlig offenem Ausgang liefern wird. Ebenso unbestimmbar ist das Spiel zwischen Saubringen und Lollar.

Tennis.

D.'i dem großen internationalen Jubiiäums- Tennis-Turn'.er Ende August in Bad Homburg vor der Höhe, an welchem sich auch einige Herren des Gießener Tennis-Clubs beteiligten, errang Herr Schühler den 1.Preis im Herren- Doppelspiel Kl. C na.'.dem er in der Schluß­runde mit seinem Partner S t e in, Frankfurt, das gut eingespielte Paar Dr. Gri esbach- Nosenberg mit 0: 6, 6: 2, 6:1 geschlagen hatte. Ringen, Stemmen und Boxen.

Am kommenden Sonntag veranstaltet der 1. Kraft- und Sportklub 1893 Gießen auf der Liebigshöhe Kämpfe im Ringen, Stemmen und Boxen. Der Beranstalter verfügt zur Zeit über erstklassige Kräfte in der Schwerathletik; gelang es doch dem Klub in der Saison 1926/27 zum ersten Male nach dem Kriege wieder verschie­dene Kreis- und Gaumeistertitel an sich zu reihen. Da es sich bei den Kämpfen um Austragung der Detourkämpse im Stemmen und Ningen Fried­berg gegen Gießen handelt (öle Borkämpse fanden im Mai in Friedberg statt und endeten unentschieden), sind äußerst intsre sante und span­nende Kämpfe zu erwarten. Die (Siebener Mann­schaften treten in stärkster Besetzung an und dürf­ten im Stemmen und Ringen Sieger werden.

Vierkötters Sieg beim Marathonschwimmen.

Die genaue Zeit, in der Bierkötter, wie gestern bereits kurz gemeldet, in dem über 21 Meilen führenden Maratbonschwimmen im On­tariosee überlegen siegte, beträgt 11 Stunden 4 2 Minuten 12 Sekunden. Er hat dtrrch seinen Sieg von den Preisen in Höhe von 50 000 Dollar 30 000 Dollar gewonnen. Die ungeheure Zuschauerin enge begrüßte den deutschen Schwim­mer begeistert, als er mit einem Borsprung von zwei Meilen vor dem Franzosen Michel durchs Ziel ging. Vierkötter wachte einen verhältnis­mäßig frischen Einbruch Als er durchs Ziel ging, hob er in einer Geste des Triumphes die Hände hoch aus dem Wasser, während Hunderte

Roman von Liesbet Dill.

Copyright bei Morawe & Scheffelt Verlag, Berlin.

5. Fortsetzung. Nachdruck verboten.

Die neue Welt, dachte er ... Er empfand sie als etwas Hassenswertes, diese ihm innerlich so fremden neuen Gesichter, denen er jetzt überall begegnete, im Kurhaus, den Theaterlogen, den Spielsälen, dem Konzertsaal. Er hatte bisher geglaubt, mit diesen neuen Menschen nichts zu tun zu haben, als daß er ihnen mit seinem Orchester Konzerte oorspielte und cs ihnen überlieh, ob sie ihnen gefielen -.

Und Melitta ... die für ihn so hoch über diesen neuen Frauen stand, Melitta, zu der er aufgesehen hatte wie zu einer Göttin ... sie war eine Frau, wie *ie anderen dort in dem rauchigen Kaffee, die jeden Nachmittag tanzen gingen ...

Er ging im Nebel weiter. Immer weiter. Er suchte die Dunkelheit wie ein Mensch, der sich schämt .. Heraus aus der Stadt ... auf die Hohe ... Er befand sich in einer dunklen Allee. Niemand begeg- icte ihm. Er atmete keuchend, der Ncbel legte sich ihm wie eine dicke Schicht Watte auf die Brust ... r horte sein Blut pochen, er sah immer dieses schä- ige Zimmer vor sich, den Arm Melittas und den brutalen Rücken des jungen Mannes, die beiden Rollstühle in dem stillen Flur mit den erfrorenen Begonien und die listig lächelnde Flora mit ihrem unben Hut ... Die halte wahrscheinlich schon man= hes mit angesehen in diesem Hause ..

La RosiLre ... La Rosiöre ... Wem mochte die Pension gehören? Schwindel kamen und löschten die Gedanken aus ... eine entsetzliche Atemnot packte ihn ... das Herz arbeitete in Stößen ...

Ich werde alles erfahren, alles. Ruhig, mein Herz, ganz still ...

Er blieb schwer atmend unter einem Baume stehen, während -er einem vorüberfahrenden Wagen nachschaute, der langsam etwas Grauoerhülltes roeb texfuhr ... Kohlköpfe ober einen Sarg, und der mit seinem schwankenden Laternchen im Nebel ver­schwand. Er sann dem Unbegreiflichen nach, das ihn überfallen hatte, wie ein Mörder, der aus dem Sun-

von Booten ihre Pfeifen und Sirenen ertönen ließen. Die Menschchrmenge drängte sich an das Llser, um den Sieger zu sehen.

Oberhessen.

Landkreis Gtctzen

2$. Grohen-Linden, 1. Sept. Die Mäd­chenklassen der hiesigen Fortbildungs­schule unternahmen heute unter Führung ihres Lehrers, Landwirtschaftsassessors Dr. Lutz, einen Lehrausflug nach Friedberg und Bad-Nauheim. In Friedberg wurden die Obstbauschule und ihre Anlagen, das reichhaltige Wetterauer Museum, die altehrwürdige Stadt­kirche sowie die Burg und der Burggarten einer eingehenden Besichtigung unterzogen. Aus dem Wege nach Bad-Nauheim hatte man Gelegen­heit, die Gradierwerke kennenzulernen. Ferner gab es eine lehrreiche Führung durch den Be­trieb der Saline. Auch lU staatliche Wa chanstalt, der Fernheizkanal, die unterirdischen Sprudel-' kammem und ein Dadehaus im Betrieb boten den jungen Mädchen viel Sehenswertes. Die Teilnehmerinnen, deren Gesichtskreis durch den Ausflug wesentlich erweitert wurde, nahmen eine Fülle von wertvollen Kenntnissen mit nach Hause.

X Lang-Göns, 1. Sept. Gestern wurde hier ein junger Bursche von auswärts ver­haftet, der in verschiedenen Wirtschaften Zech- Prellerei verübte.

* Hungen, 2. Sept. Das Preisschie­ßen des hie.igen Schützenvereins unter Leitung des Vorsitzenden Wilhelm Wieder ft ein hatte folgendes Ergebnis: Schützenkönig wurde mit 102 Ringen Holzhändlcr Karl Tropp. Es folgten Heinrich Jockel 100 Ringe, R. Hüb - n e r 92 Ringe, Wilhelm Hagemann 90 Ringe, Lokomotivführer K ü ch 87 Ringe, Wilhelm Wie­de r st e i n 85 Ringe, Karl Heßler 85 Ringe, Otto Becker 79 Ringe, Richard Schäfer 73 Ringe, Dergrat K i r ch h ö f e r 72 Ringe, Bau­inspektor Glitsch 69 Ringe. Es wurde auf 20er Ringscheibe geschossen in 150 Meter Ent­fernung, zwei Serien zu drei Schuß.

C Steinheim, 1. Sept. Bei der gestern hier abgehaltenen Grummetgrasversteige- r u n g in den Gemeindewiesen wurden sehr mäßige Preise erzielt. Obwohl infolge günstigen Wachswet- ters das Futter der Gut« und auch der Menge nach als gut bezeichnet werden muß, kam der kleine Mor­gen (2000 Quadratmeter) auf 5 bis 17 Mk. Gering­wertige Stücke wurden mit 0,80 bis 4 Mk. befahlt. Die geringe Nachfrage hat ihren Grund in der über­aus reichen Futtermittelernte, sowohl an Grün- als auch an Rauhfutter. Demzufolge sind auch die Preise für Stroh weit unter Friedenspreis gesun­ken. Die Händler bieten für den Zentner 0,80 bis 1 Mk. Die Imker haben nach der völligen Miß­ernte im Borjahre heuer wieder eine F e h l e r n t e zu verzeichnen. Obwohl die Bienenvölker zu Beginn der Haupttracht allgemein auf der Höhe waren, haben nur vereinzelte Bienenzüchter zu schleudern brauchen. Destomehr fielen bie Schwärme, die bei der kühlen Witterung Ende Juli noch gefüttert wer­den mußten. Auch Klagen über Weisellosigkeit der Völker nehmen $u. Die Nachfrage nach echtem Schleuderhonig hält an. Der Prfs beträgt für das Pfund 1,80 Mk.

Kreis Büdingen

rl. Stockheim, 1. Sept. Bei der heutigen Versammlung der Lehrer des Kreises Büdingen hielt Dr. P o p p e r t vom Berufs­amt Frankfurt a. M. zwei Vorträge, die von prak­tischer Durcharbeitung des Stoffes zeugten und sehr anreg. wirkten. Im ersten Vortrag behandelte er die Praxis der Beobachtung seelischer Anlagen der Schulkinder, Es handelt sich dabei nicht darum, über jedes Schulkind eine psychologische Analyse anzu- fteUen und deren Ergebnisse einzutragen, sondern den seelischen Gründen vorhandener Fehler der ein­zelnen Schiller nachzugehen und aus ihrer rechten Erkenntnis heraus das Kind zu fördern. Im zweiten Vortrag führte der Redner in die Technik der syste­matischen Beobachtung der einzelnen Schüler ein. Diese Arbeit kommt natürlich in erster Linie der Entwickelung der geistigen und sittlichen Anlagen des Kindes zugute und wird außerdem mit bewuß­ter Einstellung auf die auf dem Lande noch viel zu wenig begehrte Berufsberatung getan. In Zukunft werden die Schülerlisten im Kreise nach den Ergeb­nissen der systematischen Beobachtungen geführt wer­den. Am Mittwoch, 7. September, findet hier noch ein weiterer Vortrag über diese Sache statt.

fei auf uns zuschlägt mit der Keule ...Er war noch wie betäubt ...

Was habe ich denn eigentlich gesehen? dachte er. Aber der Brief, der Brief, was sollte dieser Brief? ... Und wer verbarg sich hinter der Maschinen­schrift? Er war zu den Kollegen hilfsbereit und ge­fällig und unterstützte verarmte Musiker, trat für sie ein, entlieh sie niemals brüsk, er kam gut mit seinen Leuten aus. Die andere Gesellschaft stand ihm fern. Er war ein einsamer Mensch. Immer gewesen. Nur seiner Arbeit, der Musik lebend ... Er war auf die­sem Boden nur ein Fremder ... Er liebte das Rheinland wie man eine schöne Landschaft liebt, aber er fühlte sich nie darin heimisch. Diese Luft war ihm zu weich, die Winter zu regnerisch, zu grau, zu trifte, es war zuviel Nebel hier, das schwüle Treibhausklima vertrug er nicht. Die je immer hei­teren, lebensstischcn, vor Tatkraft sprühenden Men­schen waren ihm unheimlich. Er hatte sich nicht mit- aezogen gefühlt in dem bunten Trubel. In der Ferne glitzerten, weit unten in der Rheinebene die Lichter der alten Festung. Die lange Lichterbrücke, die von diesem Ufer zum anderen lief, glich einer Brücke, die ins Feenland führt, lieber diese Brücke war er vor 7Jahren gegangen, angelockt von einerAn- zeige, die in der Zeitung gestanden hatte, um einen Bechsteinflügel zu kaufen ... An diesem denkwür­digen Morgen im Januar hatte er sie zum ersten- mal gesehen. Die Straßen waren weiß von kaltem Schnee, die Luft blau, Möven flatterten über den Rhein. Er suchte das Haus des Kammerherrn von Wegemar. Durch enge, mittelalterliche Gaffen führte fein We^ an dem herrlichen Dome vorbei, der da- ftanb wie ein ewiges Denkmal ungeheurer Kraft, am Ufer elegante Renaissancebauten der einst hier regierenden Kurfürsten, stolze Schlösser und behäbige Bürgerhäuser mit Madonnen in Nischen und dem Rebstock über der Tür.

Die Villa lag in einem hochgelegenen alten Gar­ten, dessen Tor weit offen stand, wie um einen Wagen herauszulassen ... Die Haustür stand eben­falls weit offen, als habe man sie zu schließen ver­gessen, auf den teppichbelegten Treppen lagen Lor­beerzweige und Efeublätter verstreut und von den Wänden der Diele schauten stahlgepanzerte Männer und gepuderte, hochmütige Damen mit schwarzen Halskrausen und blauen Perlen im Haar auf den Eindringling herab. Die Türe zu dem ersten Zim-

Ib. Aus dem oberen Niddatal e, 1. Sept. Die Grummeternte hat bei pracht­vollem Wetter begonnen. Die ersten Grummet- grasver st eigerungen brachen sehr nied­rige Preise. Der Morgen wurde mit 8 bis 10 Mk. bezahlt, obgleich die Wiesen in diesem Jahre reiche Erträge liefern. Preisdrückend wirk len der gute Ausfall der Heuernte, die durch Hagelschlag und Nässe teilweise verdorbene Fruchternte und Platzmangel.

Kreis Schotten.

Schotten, 1. Sept. Heute fanden hier erstmalig die R e i ch s j u g e n d w e t t k ä m p f e statt. Von 106 Teilnehmern aus den Orlen Schot- ten, Rudingshain, Cinartshuusen. Rrr.ncod, Eichelsdorf. Eicheliachsen und Wingershausen vr- reich en 56 die Mindeftzahl von 40 Pulken. Die 10 besten Turner erhalten die Ehrenurkunde des Reichspräsiden, en; 8 Urkunden kommen nach Schotten, 2 nach Eichelsdorf. In der Oberstufe siegte W. Repp, Scholien, mit 61 Puniten, in der Unterstufe Adolf Löifler, Gichelsdvrs, mit 75 Punkten. Letzterer erhält für die beite L.istung des Tages einen von KreiSschulrat Kinkel, Schotten, gestif.e en Sonderpreis.

)( Ruppertsburg, 1. Sept. Bei den Reichsjugendwettkämpfen des Bezirks Laubach, die dieser Tage in Freienseen stattsanden, errangen im Vierkampf die folgenden Schiller un­serer Volksschule in der Oberstufe Preise: Adolf Schad (58 P.), Ad. Fleischhauer (55 P.); Bernhard M ö l 1 (54 P.); in der Unterstufe: Ernst Willa (72 P.); W. Marx (64 P.); Otto Parr (64 P.) und Otto Willa (60 P.).

Starkenburg.

' Darmstadt, 1. Sept. In eine p e i n l i ck> e Situation gerieten gestern zwer Damen beim Baden im Woog, Da ihnen die Kleider ge­stohlen wurden. Es gelang aber, die Diebin zu ermitteln und ihr die Kleider wieder abzu­nehmen.

Lpd. Offenbach a. M., 1. Sept. Als gestern nachmittag ein Bote einer Offenbacher Lederwarenfirma sein Fahrrad in einem Hause unterstellen tvollte, verbat sich dies der Haus­wirt und verlangte, daß er das Rad entferne. Als der junge Mann der Aufforderung nicht sofort nachkam, schlug der Hauswirt ihm m i t einer Bratwurst ins Gesicht, worauf der Bote mit einer Anzeige drohte. Dies brachte den Hauswirt derart in Wut, daß er dem Boten den Selbstbinder und die Weste vom Leibe riß und ihm die Nase abbeihen wollte. Nur dem Eingreifen der Frau des Hauswirtes war es zu verdanken, daß dieser von seinem Vor­haben abließ, immerhin brachte er dem Boten vier Bisse in die Nase bei, so daß sich der junge Mann in ärztliche Behandlung begeben mußte. Der Fall wurde zur Anze'g: g b acht.

Lod. Rüsselsheim, 1. Sept. Ein Arbeiter aus Walldorf geriet beim Arbeiten an der Dresch­maschine mit dem linken Bein in bas Getriebe, wobei ihm der Fuß vollständig abgeris- s e n wurde. Der Schwerverletzte kam sofort ins Krankenhaus nach Mainz, wo ihm das Bein bis oberhalb des Knies abgenommen wer­den mußte.

Preußen.

Dillkreis.

Lpd. Dillenburg, 1. Sept. Als Auf­takt zum 3 6. Deutschen Wandertag, der vom 1. bis 6. September in Herborn stattfindet, ist am Donnerstag nachmittag die künstlerisch hochstehende WesterwälderHeimatkunst- ausstellung eröffnet worden, deren Auf­bau Prof. Burmester von der Kunstakademie in Kassel durchgeführt hat. Dem Eroffnungsakt wohnte u. a. auch der erste Vorsitzende des Ver­bandes der deutschen Gebirgs- und Wander­vereine, Oberstudiendirektor Dr. Kissinger aus Darmstadt, bei, der im Namen des Deutschen Wandertages den Dank an die Ausstellungs­leitung und die ausstellenden Künstler über­mittelte. Die Stadt Herborn steht bereits im üppigsten Flaggen- und Guirlandenschmuck.

Lpd. Herborn, 1. Sept. Der 21 Jahre alte Maurer Peter aus Ueberntal, der bekanntlich unter dem Verdacht, die Paula Pfeiffer er­mordet zu haben, in Haft genommen worden ist, war dem Untersuchungsrichter zur längeren Ver­nehmung vorgeführt. Peter leugnet hart­näckig die Tat, kann aber die gegen ihn oorge-

mer links war angelehnt, er stieß sie auf und befand sich einem Toten gegenüber, der hier aufgebahrt lag. Kerzen flimmerten neben seinem weißen Haupt, eine Luft nach Lorbeer und Tod umwehte ihn. Er wollte gehen, aber in diesem Augenblick kam eine schwarzgekleidete, blonde schlanke Frau die Treppe herunter, die ein Kissen mit Orden in den Händen trug. Es war Melitta. Wie eine Erscheinung aus einer anderen Welt tarn sie ihm vor. Fremd und von einer so rührenden Schönheit. Ihre großen, klaren, blaugrauen Augen schauten ihn an ... Nein, es war kein Irrtum, der Flügel stand im Neben­zimmer, ihr Vater wurde morgen beerdigt. Sie mußte das Haus räumen, gleich nach der Beerdi­gung begann die Versteigerung ... Sie bat ihn, ein andermal zu kommen und den Flügel zu er- vroben und reichte ihm eine sehr weiße, ringge­schmückte, zarte Hand. Er ging wie benommen aus diesem Hause fort und nahm den Eindruck in seine Wohnung mit. Als er nach drei Tagen wiederkam, fand er das Haus bereits in Auflösung. Es gingen fremde Menschen darin herum, die die seidenen Möbelbezüge prüften, Auktionatoren betrachteten die eingelegten Boullekommoden, einzelne Stücke waren schon mit Nummern befiehl ... Melitta empfing ihn. Der Bechstein stand einsam in dem großen Speisezimmer zwischen zusammengeschobenen wap­pengeschmückten Ledersesseln, einem Kamin, in dem falte Asche lag. In dieses Haus war das Unglück emgezogen ... Melittas Mutter, eine Italienerin, Sängerin von Beruf, die sich ihr Vater aus Rom mitgebracht, hatte das Klima des Landes nicht ver­tragen, ihre Lungen waren schwach, sie starb kurz nach Melittas Geburt .., Melitta war mit einem älteren Bruder hier ausgewachsen, in der alten Kaiserstadt, dieser Festung am Rhein, der Garnison am Brückenkopf. Verwöhnt wie eine kleine Prin­zessin, bewundert, geliebt von den Männern, die in ihrem Hause verkehrten. Eine heimliche Neigung verband sie mit dem Prinzen Oskar, einem Kaval­lerieleutnant der benachbarten Residenz, der fast täg­lich herüberkam, um mit ihr auszureiten, mit dem sic musizierte. Er begleitete sie zu ihrem Gesang, sie hatte eine wunderbare Stimme geerbt das einzige, was ihre arme Mutter ihr hinterlassen hatte. Der Krieg hatte allem ein Ende gemacht ... Ihr Bruder fiel bei Ppern beim Nachtangriff, in demselben Jahr verunglückte der Vetter des Prin-

brachten schweren Verdachtsmomente nicht entkräften. Im Heimatsort des Peter hält man ihn allgemein für den Mörder

»reis Marvurg.

sch. Marburg, 1. Sept. Zu dem heutigen Schweine- und Schaf markt waren unge­fähr 244 Ferkel, 5 Schweine und 314 Schafe un­gefähren. Es kosteten sechs Wochen alte Ferkel 15 Mk., sechs bis acht Wochen alte 15 bis 20 Mk., acht bis zehn Wochen alte 20 bis 28 Mark und zehn bis zwölf Wochen alte 28 bis 35 Mark. Läufer kosteten je nach Qualität 35 bis 50 Mark. Schafe wurden mit 25 bis 35 Mark bezahlt; Hammel mit 40 Mark und Lämmer mit 20 bis 24 Mark. Der Handel war auf beiden Märkten flott.

Maingau.

WSN. Frankfurt a. TI., 1. Sept. Der 19sährige Handlungsgehilfe Heinrich Nieder­hüfner fiel gestern abend gegen 9 Uhr auf dem Juxplatz an der Weseler Werft, angeblich infolge eines SchwindelanfaUs, aus einer S d) i f f 3 f d) a u- k e l. Er mußte mit einer schweren Kopfver­letzung dem Krankenhaus zugeführt werden.

Kunst und Wissenschaft.

§o bsrratfanHag« gegen Johannes R. Decher.

Der Ocerreichsanwatt hat, wie eine Berliner KorresponDe.iz meidet, Die Anklage gegen Den 6J,ri|tfteLer Johannes R. Decher « hoben. Sie lau.et auf Vorbereitung zum Hoch­verrat und Teilnahme an einer staatSfeind- lia.en Verbindung, Beschimpfung der republika­nischen Staats,onn und Gotteslästerung. Ihre Grundlage bilect Der RomanLevisite oder der einzig gerechte Krieg", die GedichtsammlungDer Leicynam auf dem Thron" und schließlich ein GedichtAn Hindenburg". Becher richtete vor kurzem durch k«,i Schutzverband Deutscher Schrist- stel er und durch seine Verteidiger die öffentliche Aufforderung an den Reichsanwalt, ihm durch Erhebung der Anklage Gelegenheit zu geben, für sein Werk persönlich vor Gericht einzustehen.

Amtsgericht Gießen.

Gießen, 31. August.

Zwei Eisenbahnbeamte, die im Juli d. I., früh morgens durch die Bahnhofstraße zum Dienst gin­gen, wurden von angetrunkenen Burschen ange­fallen, bedroht und beschimpft. Der eine erhielt Schläge auf den Kopf. Ein dritter Beamter, der zur Hilse eilte, erhielt gleichfalls einen heftigen Schlag auf den Kopf. Dem zweiten wurde ein Finger aus­gerenkt, so daß er mehrere Wochen in der Klinik in Behandlung war. Die Verletzten sind z. T. schon ergraute Männer. Von den drei angeklagten Tätern ist der eine unbekannten Aufenthaltes. Die beiden anderen, die Arbeiter K. K. und K. B. aus Gießen wurden wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung, bzw. Beleidigung und Bedrohung mit 21, bzw. 2 Monaten Gefängnis bestraft. Eine Geldstrafe kam nicht in Frage, da beide Angeklagte schon mit Frei­heitsstrafe vorbestraft sind, und ehrbare, arbeitsame Männer gegen derartige (Elemente geschützt werden müssen.

Das Bild einer zerrütteten Ehe bot die Ver­handlung gegen den Kaufmann W. D., jetzt in B., früher in A. wohnhaft. Er war beschuldigt, seine Stieftochter geschlagen und bedroht zu haben. Diese und ihre Mutter waren die einzigen Tatzeugen. Sie konnten nicht beeidigt werden. Beide Telle schil­derten eine Reihe von Angriffen, bei denen Eimer voll Wasser, Stöcke und Beschimpfungen eine Rolle spielten. Die Ehe ist inzwischen geschieden. Es war nicht möglich, von den Vorgängen, die unter Anklage standen, ein klares Bild zu erlangen. Der Ange­klagte behauptete unwiderlegt Notwehr und bestritt einen Teil der Anklagebehauptungen. Deshalb mußte er mangels Beweisen freigesprochen werden.

Hinter verschlossenen Türen wurde gegen einen hiesigen Einwohner verhandelt, der am offenen Fenster sich in anstößiger Weise gezeigt hatte, offen» sichtlich, um von weiblichen Bewohnern der Nach­barschaft gesehen zu werden. Das nach Wiedssrher- fteUung der Öffentlichkeit verkündet« Urteil lautete wegen Erregung öffentlichen Aergernisses auf dreißig Mark (8 e ( b ft r a f e. Strafmildernd kam in Betracht, daß der Angeklagte sich sonst eines guten Rufes erfreut, die Tat auch schon zwei Jahr, zurückliegt, und der Angeklagte feit dieser Zeit sich nichts mehr hat zuschulden kommen lassen.

xen Oskar, und diese Linie sollte den Thron be­steigen. Eines Tages erschien ein Hofmarschall bei dem Kammerherrn und überbrachte einen Brief des regierenden Fürsten. Das Märchen war aus ... Der Prinz heiratete eine (Ebenbürtige, eine ver­wandte Prinzessin ... Melitta gab ihn frei ... An diesem nebligen Novemberabend war sie stundenlang am Mein entlang geirrt in der Absicht, sich zu er­tränken. Nur der Gedanke an ihren einsamen, alten Vater hielt sie davon zurück. Plötzlich hörte sie ein Glöckchen läuten, das dringlich mahnend durch die grauneblige Nooemberstimmung bimmelte und sie zu rufen schien. Es kam aus der alten Kapelle neben dem Dom, die matt erleuchtet war. Sie ging dem Läuten nach. (Eine Messe fand dort statt. Eine Orgel spielte, auf der Empore fang ein Knabenchor einen Choral ... In dem halbdunklen Kreuzgang lag das Grab des Minnesängers Frauenlob, der hier beerdigt war. Die Frauen der Stabt hatten ihn selbst zu Grabe getragen. Er hatte sie zeitlebens besungen, es war ihr Dank ... Ihr« Tränen waren auf das kalte, steinerne Grabmal gefallen ... Hier hatte sie ihre Liebe begraben ... an dieser Stätte, während der Nebel vom Rhein die alte Stabt mit ihrem Dom in ein graues Leichentuch hüllte ...

Die Wegemars hatten einst zu bem wohlhaden- ben Abel bes ßanbes gehört, nach bem Krieg waren sie zu dem verarmten beutfdjen Mittelstand herab» gesunken, der sich, wenn er überhaupt leben wollte, nur mühsam über Wasser hielt. Das Vermögen war zerbröckelt, die Festung wurde geschleift und von den Feinden besetzt, Straßen und Kasernen waren überschwemmt von fremdem Plilitcir. Schwarze tarnen ins Haus, Marokkaner, die in ihren Betten schliefen, an ihrem Tisch aßen. In ihren Gesell­schaftsräumen hatte man ein Ofsizierskasino einge­richtet, in ihrem Garten spazierten französische Damen umher, in ihrer Küche wirtschafteten fremde, weißbemützte Köche. Den Besitzern hatte man einige falte Mansarden angewiesen, die im Winter kaum zu erwärmen waren ... Ihr Vater ertrug es nicht. Eines Abends war er fortgegangen und zu Füßen des Denkmals der Germania am Rheinufer hatte er sich erschossen ...

Melitta stand allein ... Ihr Vater war tot, das Haus verkästen von dem Fremden, das Kasino hatte sich kurz vorher aufgelöst.

(Fortsetzung folgt)