Turnen, Sport und Spiel.
Rekorde.
Bon Universitäts-Professor D. Klemm, Leipzig.
In der Geschichte der Rekorde verschlingen sich mancherlei Motive. Es gibt ein Rekordbegehren, das nach Sensation hascbt und sich in der bloßen Steigerung einer in Zahlen ausdrückbaren Leistung befriedigt. Es gibt aber auch ein tief im Wesen des Menschen beschlossenes Streben nach Höchstleistungen. Die Freude an körperlichen Höchstleistungen ist auch ein Teil jenes nie erlöscyenden Reizes, den der Mensch jedesmal dann erlebt, wenn er an die Grenzen menschlicher Leistungsfähigkeit rührt. Die Hand des geübten Virtuosen am Klavier vermochte bis zu 740 Tasten in 35 Sekunden zu drücken, d. h. 21 je Sekunde. Die Anzahl der Bewegungen, die im Höchstfälle unsere Sprachwerkzeuge beim Sprechen hervorzubringen vermögen, ist auf 1800 in einer Minute geschätzt worden, also auf 30 je Sekunde. Sind das nicht erstaunliche Zahlen für die Uebungs- fähigkeit unserer Organe? Bewundern wir nicht auch die Geschicklichkeit des Billardspielers, der den Weltrekord einer ununterbrochenen Folge von 400 Balten zustande brachte, während diese vor dem Kriege wch weit unter 100 lag? Für solche reine Geschick ichkeitsleistungen gibt es, streng genommen, über: )aupt keine Grenze. Auch hier kann der Zufall ukl tärter mitspielen als bei anderen Höchstleistungen.
Wesentlich anderen Schlages sind jene Rekorde n denen sich die Grundformen körperlicher Betau jung zu ihrer Höchstleistung steigern. Die Vercind. rungen der Rekorde heben sich besonders rein an’ solchen Leistungen heraus, die nicht eines technisch-' Hilfsmittels irgendwelcher Art bedürfen, sondern in denen der Mensch mit dem reinen Spiel seiner Gliedmaßen den Raum und die Schwerkraft be- | zwingt. Laufen, Springen, Schwimmen, sind solche Grundformen, die zwar nicht ganz von technischen Hilfsmitteln unabhängig, aber doch viel freier und 1 selbständiger sind, als Radfahren, oder eine spott liche Betätigung am Gerät.
Da ist es nun im Grunde genommen eine höchst merkwürdige Tatsache, daß die Rekorde in einer äufroärtsbemegung begriffen sind, die zwar durch Schwankungen unterbrochen wird, aber doch deutlich als allmähliche Annäherung an einen Grenzwert vor uns steht. Wir find alle davon überzeugt, daß es einen solchen Grenzwert gibt. Es gibt eine endliche Zahl für die höchste Geschwindigkeit, mit der ein Mensch auf Grund des in ihm vorhandenen Kraftvorrates eine Strecke von 100 Metern durch- : eilen kann. Ebenso gibt es schlechthin eine Grenze 1 für die höchste Absprungsgeschwindigkeit gegen die Schwerkraft, die über die Größe eines Hochsprungcs entscheidet. Die einzelnen Rekorde sind die Stufen der Annäherung an diesen Grenzwert. Jedesmal, wenn ein Rekord gebrochen ist, fühlt man, ohne viel darüber nachzudenken, daß man diesem Grenzwert nähergerückt ist. Aber die gebrochenen Rekorde lehren noch mehr als dies. Wenn man die Geschichte der Rekorde einmal über die Spanne einer Generation, also um etwa 30 Jahre zurückverfolgt, so enchüllt sich unter Umständen eine sehr auffallende Regelmäßigkeit in den Vorsprüngen, die jedesmal der neue Rekord über den alten gewinnt. Ich greife als Beispiel die Rekordzeiten für das Laufen über 1500 Meter heraus. Hier ergibt sich für die Jahre 1896, 1901, 1912, 1924, 1925 die folgende Reihe von Rekordzeiten, ausgedrückt in ganzen Sekunden: 273, 246, 237, 233, 231. Die Stufen, in denen sich jedesmal diese Rekordzeit verkürzt, sind also: 27, 9, 4 und 2 Sekunden.
Diese Reihe zeigt aber deutlich, daß der neue Rekord sich jedesmal um einen Bruchteil des früheren Gewinns über feinen Vorläufer erhebt. Man darf also erwarten, daß der jetzige Weltrekord von rund 231 Sekunden das nächste Mal nur noch um Bruchteile von Sekunden überwunden werden kann. Der tatsächlich erreichte Rekord stünde also der absoluten Höchstleistung, die dieser Generation von Menschen zugänglich ist, bereits auf dem Bruchteil von einer Sekunde nahe. Dieses Zahlenbeispiel dient natürlich nur als Anhalt. Es steckt aber das allgemeinere Gesetz in ihm, daß die Stufen, in denen sich die Annäherung an die absolute Höchstleistung vollzieht, sich immer enger zusammenziehen. Aus einer hinreichend langen, und von den zufälligen Schwankungen befreiten Reihe von Rekorden
I ließe sich dann die absolute Grenze der Rekorde geradezu oorausberechnen. So ist die Zeit für die
I berühmte 100-Meter-Strecke in Deutschland von 1898 an bis jetzt von 12,2 auf 10,4 Sekunden verbessert worden, während amerikanische Läufer diese Grenze noch um Zehntelsekunden verschoben haben sollen. Auch hier wird der größere Teil des Gesamtgewinns von 1,8 Sekunden in den früheren Jahren dieser Zeitspanne von 28 Jahren erobert, während die letzten Jahre das stumme Ringen um die Zehntelsekunden bringen.
Daß es sich hier um allgemeine, menschliche Gesetzmäßigkeit handelt, geht auch aus dem Vergleiche hervor, in welchem Verhältnisse die einzelnen Höchstleistungen auf verschiedenen Gebieten gestiegen sind. So ist innerhalb der Liste der deutschen Rekorde die Steigerung für die einzelnen Strecken, von 100 Meter angefangen, bis hinauf zum Dauerlauf über viele Kilometer ziemlich gleichmäßig um etwa 10 Prozent gestiegen. Auch für das Springen, Hoch- sorung wie Weitsprung, ergab sich von 1906 an (Hochsprung 1,69—1,90 Meter, Weitsprung 6,23 Meter bis 7,30 Meter) eine mittlere Steigerung von 15 Prozent.
Dieselbe Gesetzmäßigkeit zeigt sich bei der Einfettung solcher Einzelleistungen in Gesamtleistungen. Der schnellste Läufer bewältigt die 100-Meter-Strecke mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 9,6 Meter je Stunde, eingehalten werde, so bringt dies chnittsgeschwindigkeit von der Hälfte, also von 4,3 Meter je Sekunde eingehalten werde, so bringt dies der schnellste Läufer auf einer Strecke — und das ist <ine erstaunliche Zahl — von 30 Kilometer zustande. Wachst die zu überwindende Strecke über 100 Meter hinaus, so nimmt die Geschwindigkeit zunächst schnell, dann immer langsamer ab. So gilt zwischen den vorgenannten Geschwindigkeiten die mittlere, also 1,1' Meter je Sekunde, nicht etwa für die Mitte zwischen 100 Meter und 30 Kilometer, also für 15 Kilometer, sondern auf sie wird der beste Läufer bereits bei etwa 600 Meter herabgedrückt.
Hier zeigt sich ein Gefetz der Relativität, zu dem es in der Psychologie bei seelischen Leistungen zahlreiche Analogien gibt. Die Steigerung der Rekorde selbst ist ja nur zum kleinsten Teile eine Steigerung der rein körperlich bedingten Leistungsfähigkeit. Im Durchschnitt sind die Menschen innerhalb einer solchen Spanne von einer Generation kaum stärker geworden. Die Steigerung rührt vielmehr aus einem Vorgang der Einteilung her. Die bloße Tatsache, daß ein Rekord einmal erreicht worden ist, erleichtert cs jedem späteren, ihn zu erreichen. Die Einstellung richtet sich darauf, ihn zu überbieten. So spiegelt sich der Kampf um die Rekorde in der Tragfähigkeit derartiger Einstellungsformen, und die Geschichte der Rekorde ist somit die Geschichte der menschlichen Willensstärke.
Faustballspiele in Metzen.
Wie alljährlich, finden auch in diesem Jahr als Abschluß der Sommers piekzett die Wanderpreisspiele in Faustball statt. Nach den bis heute eingelaufenen Meldungen, vier Mannschaften in der Meisterklasse und drei in der ^-Klasse, zu urteilen, sind recht spannende Spiele zu erwarten. In der Meisterkbasse kommt der vom Turnverein Herborn zu verteidigende Pokal zum Austrag: der Sieger in der ^-Klasse erhält Kranz und Diplom. Die Spiele finden am Sonntag in Gießen statt.
D. f. B.
Am kommenden Sonntag fährt die Ligw- mannschaft zum Verbandsspiel nach Marburg. Gegner ist der Dezirksliganeuling „Germania", der ebenfalls sein zweites Punktspiel austrägt. Am vergangenen Sonntag verloren die Germanen gegen „Tura" Kassel nur knapp mit 2:3. V. f. D. und Germania haben sich in den letzten Jahren eine große Anzahl Verbands- und Gesellschaftsspiele geliefert, wobei Gießen nicht wenige Male der Unterlegene war. Besonders hart waren die Punktkämpse in der vorletzten Saison, in der beide Gegner noch der Lahnkreisliga an» gehörten. Damals war es „Germania" Marburg, die V. f. D. drei Punkte (die einzigen Verlust- Punkte der Spielserie), abnahm und ihm fast auch die Kreismeisterschaft abgenommen hätte, um sie aber dann im folgenden Jahr von der
Meersburg am Bodensee.
Von Anton Schnack.
Der Abend kam über den See; ich, der ich hier einen ganzen Nachmittag herumstiefelte, in Romantik, Verzückung und Betrachtung, fuhr mit dem letzten Dampfer nach Konstanz ab. Verdammt, [agte mein Blut, denn ich wollte noch bleiben, einsam und für mich.
In der Dämmerung und bann im Dunkel wollte ich noch einmal durch die Gassen gehen, Treppen hinauf und Treppen hinunter. Ich sah eine alte Bank voll eingeschmtzter Herzen und verschlungener Namen hinter einem verwahrlosten und wildwuchernden Fliederbusch. Hier zu sitzen hatte ich mir gedacht, das Gesicht ein bißchen melancholisch in die Nacht hängend, später sollte ein Mädchen dabei jein, bas sich mittags in ber Sonne an einem Fenster seine Haare wusch. Bis gegen die Mitternacht hin wollten wir hier sitzen, süß und allein, nur wenig sprechend, aber in luftiger und guter Zärtlichkeit zueinander.
Davor stieg ein Wasserpfeil. Wenn ihn der Mond mit Licht bewarf. Teufel, welche Silber- fmaragbe mußte da ber Brunnen glitzernd und funkelnd in die Blätter und bas Willdwuchsgesträuch niederregnen.
Durch die Burgschlucht lief ein gluckerndes Wasser und plätscherte immerfort von Stein zu Stein, Die Treppen gingen hinauf, hinein in ein verschluckendes Dunkel, vorbei an Geländern, rieseln- ien und bröckelnden Mauern und kleinen ver- schrumpelten Gucklöchern eines Häuschens, bas legen ben Burghügel sich stemmt.
So dachte ich mir es aus: wenn sich der Mond <us dem Himmel rollt, vielleicht aus dem Schwa- «ischen her, wollten wir von ber Kaimauer los- -ubern. Mit bem Boot wären wir zehnmal das Ifer hinauf und herunter gefahren: die Giebel vor ms, die alten Wirtshäuser vor uns, die Terrassen m breiten Mondlicht vor uns, die Weinberge in zinem grünen SUberbuft vor uns. Die helle Nacht nit dem großen, ruhigen und glänzenden See hinter uns. Aber vor allem anderen, vor Schloten, Ahornwipfeln und Birnenwipfeln aus den Gärten, vor Wirtshäusern mit einem funkelnden Zunst- gerät in der Lust, wollten wir die gezackte, glimmernde und seltsame Silhouette der Burg vor unserem Blick haben.
Mittags, unter knisternder Sonnenglut, hatte ich mich in das phantastische Gemäuer eingegraben,
ein dunkles und niederhängendes Gewerk und Ge- würg von Gängen, Winkeln, Toren, gedrückten Türen, hohlen Gewölben und aufHaffenben Toren durchquerte ich, stolperte durch Kemenaten, roch an altem Holz und beklopfte rostiges Blech und braun« gewordenes Eisen.
Tritt man ein, springt ein schwarzes Teufelstier am Torgemäuer, eine erbärmliche und schmökert ge Malerei, ins Gesicht. Unter den Gewölben gähnend, vom Schritt rollend, schluckt mich bas Tor. Ich verachte die Ansichtskarten, die kategorischen Anschläge der Schloßdejitzerin, ich streife kaum die aufgereihten Kartaunen und Feldschlangen, die Hellebarden und die aufgefrischden Ritterbilder, ich verachte die Turniereisen und die Schnüre der Feuereimer, die Gips« und Klotzköpfe in den Winkeln. Hinter' einem Führer schwemmt sich eine töl- vernde, guckende und komische Schar voll Neugier, Unbeholfenheit und Historieneifer durch die Gänge und Rotunden. Ein paar liftige Schritte zurück, ich bin weg, für mich allein und beklopfe die Pfote von ein paar uralten klotzigen und witzigen Sandsteinfratzen, die an der Mauer zwischen Brennnesseln und tauben Wicken hocken.
Ich bin allein. Mit mir allein durchschreite ich Gang für Gang und bücke mich durch Tür für Tür. Mitten drin, plötzlich im Gemäuer unter Gewölben, springt eine Quelle aus dem Bauch des Schlosses, grün, voll Kühlung, frech und frisch und bildet einen klaren und tiefen Kessel...
Vor den Fenstern ber Zimmer, die den Seespiegel sehen, wehen hoch die Wipfel. Als die königliche unb leibenschaftliche Drofte lebte, waren sie noch nicht so hoch. Jetzt decken sie die Fenster mit ihrem Blattwerk und die Zimmer mit grünem wogenden Dämmerschein.
Als die Droste lebte... Hindurch gelärmt durch ihre drei Zimmer, vorbei an Dingen unb Möbeln, die ihr Atem umwehte und ihre Hand berührte, ist die Schar, die meinen Haß an ben Fersen hat. Irgendwo in einem Rittersaal staunen sie Pokale unb Hirschgeweihe an. Mein Herz mochte fast entzweibrechen.
Laßt mich hier eine Nacht lang sein, eine phantastische, eine verworrene, eine raunende Nacht. Vielleicht schickt Gott über ben See ein Gewitter. Eine tolle, prasselnde Nacht, bic sich schwer und breit herüberpeitscht. Eine zerfetzte grüne Feuernacht. Eine Nacht mit tollen fegenden Stuvm- reitern, die durch klatschende Regenböen weiße
Gießener Spielvereinigung zu erkämpfen. Im Kimmenden Treffen stehen sich also die beiden Kreismeister der letzten zwei Jahre als die beiden einzigen Vertreter der ersten Bezirksliga, im Lahnkreis gegenüber. Marburg hat den Vorteil des eigenen Platzes, der durch seine geringen Ausmaße besonders gefürchtet ist. Die an ihr großes Spielfeld gewöhnte V. f. D.-Elf sollte sich deshalb doppelt vorsehen, wenn sie keine Enttäuschung erleben will. Unter keinen Hmständen sollte sie das Spiel von der leichten Seite nehmen und es etwa schon als gewonnen ansehen; der außerordentlich schnelle Sturm der Ger- manen konnte sie sonst mit einem einzigen Durchbruch eines Besseren lehren. Ein einmaliges Zuweitaufrücken der Verteidigung kann unter Hmständen zum Verlust des Spiels und der Punkte führen. Aach der Papiersorm sollte V. f. D. gewinnen, jedoch nur, wenn die Mannschaft mit demselben Eifer unb der gleichen Energie kämpft bis zum Schluß wie am vergangenen Sonntag.
Sämtliche übrigen Mannschaften sind spielfrei.
Spielvereinigung 1900 Greben.
o. Infolge des Ausbleibens der Terminhefte ist es den Vereinen unbekannt, mit welchen Gegnern am kommenden Sonntag Meisterschaftsspiele angeseht waren; daher sind auch alle aktiven Mannschaften der Spielvereinigung 1900 spie'srei, da man den Abschluß von Gesellschaftsspielen unterlassen hat in Anbetracht der auf dem eigenen Sportplatz an der Liebigshohe zum Austrag kommenden leichtathletischen Vereinswettkämpfen und Meisterschaften.
Aur die Jugend- und Schülermannschaften treten erstmals zu den Diplomspielen der Saison 1927/28 an. Die 1. Jugendmannschaft empfängt auf eigenem Feld die 1. Jugendelf vom Sportklub Wehlar-Aiedergirmes und müßte erwartungsgemäß Sieger bleiben, wenn auch ziemlich Ersatz eingestellt werden muh.
Eine weit schwerere Ausgabe ist der 2. Jugendelf gestellt, die in Leun der 1. Jugend der dortigen Turngemeinde entgegentritt. Die 1900er werden hier an einer Aiederlage nicht vorbei- kommen, denn bei allem technischen Können reicht die körperliche Beschaffenheit nicht an die des Gegners heran. Das Spiel der 3. Jugendelf wird wohl nicht zustande .ammen.
Die 1. Schülerelf tritt vormittags in Gießen den Schülern vom Sportverein Heuchelheim entgegen. Ein Hnentschieden wird wohl dem beiderseitigen Können am ehesten gerecht werden.
Leichtathletik der Sp.-Bgg. 1900.
ö. Am kommenden Sonntag veranstaltet die Spielvereinigung 1900 als Abschluß ber biesjährigen Leichtathletiksaison ihre Vereinsmeisterschaften. Bei bem guten Durchschnitt, über ben bie 1900er verfügen, wirb es überall scharfe Kämpfe geben. Die 100-Meter liegen in Abwesenheit Elbrachers zwischen G e i st unb Seipp, währenb über 200-Meter kaum eine Voraussage möglich ist. Die 400-Meter werben wohl Becker vor Gilbert in Front sehen, bie 1500-Meter Peters. Das Hürbenlaufen bringt Seipp unb Hopfenmüller zusammen, ber erstere bürste bank seiner größeren Schnelligkeit aewinnen. Wiederholt Lan glotz-im Speerwerfen seinen 47-Meter-Wurf, ist er sicherer Sieger. Hier wirb ber Kampf um die Plätze besonders hart werden. — Noch schärfer werden bie Jugendmeijter- schaften umstritten sein. Einzelrennen, Würfe, Sprünge, Hürbenlaufen unb Staffeln sorgen hier für bie nötige Abwechslung. Die aussichtsreichsten Leute sind in ber 8-Jugend H. Müller, Noll, Balser, in der L-Jugend Gräf, Betz, Gutharb t, in ber v-Klasse Schmibt unb A. Botz. Die Kleinsten messen ihre Kräfte in einem Gvm- thana-Wettbewerb. — Den Abschluß der Veranstaltung bildet eine Riesenstaffel, die für Gießen eine Neuheit ist. Läufer, Reiter, Radfahrer Motorradfahrer unb Automobile werden iyre Kräfte messen. Die Staffel wird auf der Laufbahn ausgetragen, so daß sie vom Start bis ins Ziel zu verfolgen sein wird. Alles in allem verspricht bie Veranstaltung einige genußreiche Stunden, die sich fein Freund der Leichtathletik entgehen lassen sollte.
Lldracher in Hannover.
Am Sonntag stattet der vorzügliche Sprinter ber S. V. 1900 (Hör ad) er auf bem größten internationalen Fest, bas dieses Jahr in Deutschland ausgetragen wird, in Hannover, über 100» unb 200-Meter. Er trifft hier auf bie gesamte europäische Sprintertlafle einschließlich der besten deut- schon Kurzstreckler. L»ßerbem laufen hier die beiden glänzenden Amerikaner Jackson Scholz und Cummings über 100- unb 200-Meter. Man darf auf Elbrachers Abschneiden gespannt sein.
Heuchelheim.
d. Spottverein 1920 I. spielt kommenden Sonntag auf dem Heuchelheimer Platz gegen die „Erste" vom B. C. 1920 Gießen. B. C. hat nach seiner im vergangenen Jahre glücklich überstandenen Krise eine Mannschaft, welche in den letzten Gesellschaftsspielen gute Resultate erzielte. Die Mannschaft trägt ihr erstes Verbandssviel aus und hofft es hoch zu gewinnen. Heuchelheim hat am vergangenen Sonntag eine sehr gute Figur gemocht. Leider tritt die Mannschaft wiederum mit Ersatz an. Will sie das Spiel gewinnen, so darf sie nicht die Nerven verlieren und muh alles aus sich herausgeben.
Die „Zweite" von Heuchelheim fährt zum Derbandsspiel nach Lich. Ob sie dort gewinnt, ist eine große Frage.
Die Verbandsspiele im Arbetter-Turn- und Sportbund.
L Am kommenden Sonntag beginnen für die Vereine des 3. Bezitts die Spiele der Herbst- runde um die Dezirksmeisterschaften in allen Klassen und damit ein lebhafter Betrieb auf den Sportplätzen. Die Spiele der höheren Kreisklasse nehmen am nachfolgenden Sonntag ihren Anfang, so daß dann alle Mannschaften in Tätigkeit sind. Bei den ersten Mannschaften der ersten Bezirksklasse handelt es sich nicht allein darum, den Bezirksmeister zu ermitteln, sondern es gilt auch fefizustellen, wer als solcher in die Kreisllasse auf* rückt, während diese ihren Abstieg-Kandidaten feststellt. Damit treten die Spiele In ein ernsthafteres Stadium, das ihnen einen höheren Reiz verleiht und größere Anstrengungen von den Mannschaften verlangt. Für den kommenden Sonntag sind folgende Spiele vorgesehen:
I. Klasse, I. Mannschaften.
Gießen lb fährt nach Wetzlar. Allem Anschein nach hat Wetzlar seine alte Spiel- stärke behalten. Damit ist dos Schicksal der Gießener von vornherein besiegelt, die in dem Kampf wenig Aussicht auf Erfolg haben. Ob das Resultat hoch wird, hängt von der Schußfreudigkeit des Wetzlarer Sturms ab, und davon, ob die Hintermannschaft GießenS alles aus sich herausholt.
Marburgl hat Raunheiml als Gast. Auch hier läßt sich die Frage nach dem Sieger leicht beantworten, denn Raunheim, das in der Tabelle die Spitze hält, hat nicht allein einen sehr energischen und produktiv arbeitenden Sturm, sondern auch in den beiden Verteidigern und vor allem in dem ganz hervorragenden Tormann eine sichere Stütze, die die Mannschaft vor eventuellen Heberraschungen schützt. Marburg wird sich sehr anstrengen müssen, wenn die Schlutz- zisfer nicht zu hoch werden soll.
Lollar! und W i e s e ck l werden sich ein Spiel liefern, dessen Ausgang nicht ohne weiteres vorausbestimmt werden kann. Rach Abwägung aller Chancen sollte man der ßollarer Mannschaft die meisten Aussichten geben, zumal das Spiel auf deren eigenen Platz stattfindet. Die Gegner sind sich alte Bekannte, die stets mit wechselndem Glück gekämpft haben, im Dorrundespiel blieb Lollar einwandfreier Sieger. Diese Riederlage wird Wieseck wohl wettmachen wollen, wozu es aber besonderer Anstrengungen und guter Rerven bedarf. Ein hohes Resultat dürfte kaum herauskommen.
Die zweiten Mannschaften der ersten Klasse tragen folgende Spiele aus: Wetzlar und Gießen in Wetzlar; Marburg und
Striche von Hagel schmeißt. Eine Nacht, die Steine aus ber Burgmauer reißt unb sie bumpf unb furchtbar in bie ©arten wirst.
Ober lieber eine Nacht aus Engelsamt und entzündetem Lichtgrün. Ein bißchen ins Blaue, Schwere unb Schwarze verzückt. Den rundesten, herrlichsten Monb dazu. Einen Seespiegel vor bem Auge gleich Perlmutter. Ein paar Flötentöne aus einem Giebelfenster. Dazu bie schwingenben unb pfeif end en Flugspiralen einer Eule um die zerstückle n unb schwammigen Turmhauben. Das Gesicht aus ben Fenstern hängend, unten brodeln die Gärten in Duft und Erdvermoderung, unten füllen sich ein paar späte Fenster mit Licht. Unten geht noch ein Schritt in bie schwermütige Gassenruhe. Ist es bein Schritt, Mädchen, auf gejagt aus ber Liebes- Kibe, kommst bu her aus Geißblattlaube unb geridjrain, gehst bu hinüber, heimwärts, über die ausgetretenen Sandsteintrepoen hinauf mit einem klopfenden unb jubelnden Liebesherzen?
Id; sehe hinunter, in ber ungeheueren Mondnacht glänzt her See, eine Handvoll Wind hebt sich von der Schweiz her, ein Segel kommt wie ein sagenhafter Vogel, halb weiß, halb golden, mit einer Feuerfurche hinter sich, mitten aus bem Mund ber goldenen Nacht...
Äenn ich bie Zimmer der Dichterin durchgehe, eines neben bem anderen, drei an ber Zahl, darunter bas rote Gemach mit dem beselig enden Blick wie aus einem Himmelsfenster heraus, wenn ich vor den alten vergilbten Bildern siehe, bie an ben Wänden hängen, Jahrzehnte schon, wenn ich über bem alten schonen grünen Kachelofen eine blinzelnde Kerze anzimde, daß ich halb in Nackt und halb in Schein stehe, der die Konturen ber yerumstehenden Dinge und Stücke zu grotesten Ungeheuern macht, wenn ich alles dieses tue, so habe ich nur eine Ahnung von ber romantischen unb phantastischen Welt unb Atmosphäre, in ber die Drofte gelebt, gedichtet, sich das Blut und das Herz mit großartiger Natur unb dramatischer Schönheit gefüllt hat.
Ich möchte vor diesem loten bett, bas niedrig, fast wie ein Ruhelager, grau unb zerbissen burch Staub, eine Innenwand entlang steht, die Kniee als öffenlliche und sichtbare Huldigung beugen. Aber ich tue es nur mit bem Herzen ...
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Id) springe noch schnell über bie hohe schwebende Brücke, überquere einen alten idyllischen Biebermeierplatz, den Linden und Kastanien beschatten.
Unter ihnen steht bie Huldigung ber Welt. Als ich vorübergehe, allein, fein Mensch in ber Sonntagsruhe, fliegen Finken pärchen über bas Denkmal hinweg, lärmend und sich im Liebesspiel jagend unb suchend. Id) weiß nicht, wer ben Kopf gegossen, leidenschaftlich und stark: komme zu keinem anberen Eindruck.
Ich komme, durch bas neue Schloß eilend, auf eine Terrasse. Ich siche mitten in ber Sonne. Unter mir liegt eine fürstliche Wett, im hohen Mittag, im größten Licht ber See, drüben bie Schweiz mit blauen Berglinien, einen Steinwurf von mir, innig und eng in ber Tiefe, bie alte Stabt. Mir wintt aus einem Giebelfenster, von Geranien unb Levkojen umblüht, eine Hand. Ich winke wieder, während neben mir in einem Garten ein Trompeter für ein abziehendes Schiff melancholisch zu blasen anfängt...
Vögel und Münznamen.
Wenn Peter Hebel in einer feiner Erzählungen von den „ gelben Vögeln" dcr Reichen spricht, so tonnte man Dar bem Kriege die Erklärung dafür in den Goldstücken finden, die heute wie so vieles andere für uns fort geflogen sind. Schwieriger ist es, den schlesischen Ausdruck „a paar Schätscher" für ein paar Groschen zu erläutern; man denkt an den Dittenzeisig, der auch Schätscher heißt, und dessen bunte Färbung vielleicht die Heber* tragung des Ramens auf Münzen veranlaßt hat. Roch weniger klar ist es, was die Studenten bestimmt hat, gemünztes Geld als Schnepfen zu bezeichnen. In der Schweiz nennt man bekanntlich ben Centime Rappen. Dieser Rame bedeutet nicht ein schwarzes Roh, sondern einen Raben, der mundartlich auch Rappe heißt. Einen Dabenkopf zeigt das Freiburger Wappen, und der Rappen war die Münzeinheit des so* genaimten Wappenmünzbundes der Städte Freiburg i. Br., Kolmar und Basel. Ob der Wappenrabe ursprünglich ein Adler war, bleibe dahingestellt, jedenfalls gab es auch Rabenheller, -Pfennige, -batzen, -vierer, und wir müßten un8 eigentlich solchen Rabengeldes bedienen, wenn wir berappen. Der Adler auf Münzen kam schon in alter Zeit nicht immer richttg heraus, man h.elt ihn mancherorts für eine Fledermaus, einen Wiedehopf (den polnischen Dudek), einen Mäusebussard, eine Blaumeise und nannte die Münzen danach.


