19. Juni in Düsseldorf ausgestellte Leistung 1:12 durch den Deutschen Schwimmoerband anerkannt worden.
LeichathleLiK.
El-racher bei den Westdeutschen Meisterschaften.
6. Die Spielvereinigu ng 1 900 wird bei den diesjährigen Westdeutschen Meisterschaften im Kölner Stadion durch ihren guten Sprinter E l d r a ch e r vertreten sein. Bekanntlich starten am gleichen Tage die Krefelder Preußen mit Ho u b en und Schüller bei den Englischen Meisterschaften, so daß diesmal die Meisterschaft durchaus offen ist. E l d r a ch e r , der als Bezirksmeister die beste Zeit erreichte, gilt über 100 Meter neben Dreibholz, Essen und D o n g a r tz , Krefeld, als Favorit. Im Augenblick halten wir den Gießener jedoch für schneller als die beiden Vorgenannten, lieber 200 Meter sind die stärksten Gegner Most, Essen und Otto, Duisburg, sowie Sauter, Köln und M ö l l e. Falls Most am Start ist, steht der 1900er vor einer fast unlösbaren Aufgabe und muß sich riesig strecken, wenn er Meisterehren ernten will.
Die Spielvereinigung bei den Gauweisterschasicn in Wetzlar.
ö. Das Wetzlarer Stadion in der Spil- burg ist am Sonntag der Schauplatz der diesjährigen Gaumeisterschaften im Bezirk Gießen- Wetzlar. Es hat den Anschein, als würde endlich auch in unserem Gau etwas mehr für die Leichtathletik getan, denn die überragende Stellung der i hiesigen Spielvereinigung ist nicht mehr so stark wie früher. Im V.f.L. Wetzlar, sowie im jetzigen Wetzlarer Spv. sind ihr zwei ernste Gegner erstanden. Da die- Gießener in diesem Jahre auch noch mit einer sehr geschwächten Mannschaft antreien, müssen sie schon hart kämpfen, wenn sie die Spitze behaupten wollen. Man glaubt aber doch, daß die guten Mehrkämpfer, die in der Mannschaft stecken, den Dlauweihen den Sieg bringen werden. Besonders interessant wird die 4 mal 100-Meter- staffel werden, da hier zwei gleich starke Mannschaften um den Sieg kämpfen. Die Wetzlarer laufen ohne Paulus, die hiesigen ohne E l d r a ch e r , wobei sich das Kräfteverhältnis noch zugunsten Wetzlars verschiebt. Favoriten sind die 1900er dagegen in der Olympischen Staffel über 1500 Meter, sowie im Kugelstoßen, Hochsprung und Diskuswerfen.
(Lietzener Erfolge bei der Deutschen Jugendkraft.
= Bei dem am Sonntag in Butzbach statt- gefurtbeiten Sportfest des Bezirks Ober- Hessen der Deutschen Iugendkraft waren auch Mitglieder der Gießener Jugend kraft erfolgreich. Den 400-Meter-Lauf gewann I. Bernd in 1,11 Min. 3m 100-Meier- Lauf wurde S. Krämer mit 13 Sek. Erster. Er gewann auch den Dreikampf der Jugend-6-Klasse mit 69y2 Punkten. 3n der Jugend--^-Klasse kam Kurt K ö h n e im Dreikampf an die zweite Stelle, ebenso im 100-Metev-Lauf, während er den 400- Meter-Lauf in 1 09 Min. gewann. 3m Dreikampf für Anfänger plazierte sich Karl Schäfer mit 65 P. als Erster. Den 800-Meter-Laus gewann H. Gantenberg als Bezirksmeister in 2,18 Minuten. Bei der viermal 100-Meter-Staffel kam Gießen an die 3. Stelle. 3m Dreikampf der Schüler wurde 3. Bernd erster Sieger mit 59 P., H. Brück mann zweites F. Schäfer sechster Sieger.
Eine neue D. T.-Höchstleistung stellte der Breslauer S t o s ch e k anläßlich der schlesischen Kreismeisterfchaften in Görlitz im beidarmigen Speerwerfen mit 89,24 Meter auf.
Der Platz des 33. Mittel- rheinischen Kreisturnsestes.
Der Festplatz, etwa 2 Minuten vom Haupt- bahnhof Darmstadt entfernt, ist den meisten Mittelvheinern wohl noch als früherer Exerzierplatz in guter Erinnerung. Mit einem Flächeninhalt von rund 250 000 Quadratmeter bietet er genügend Raum zur Abhaltung eines Kreisturnfestes.
Born Hauptbahnhof Darmstadt aus gelangt man in etwa 2 Minuten in die Rheinstraße, und gleich eröffnet sich der Blick über den Fest- Platz. Die Gebäulichkeiten sind niedrig gehalten, so daß im Hintergrund die Bergstraße und die Ludwigshöhe, der sagenumwobene Frankenstein und der Melibokus das Festgelände umschließen. Die je 10 Meter breiten Feststraßen, die zu beiden Seiten und in der Mitte mir gärtnerischen
wollen. Betrüblicher ist es, wenn die reifen und überreifen Damen meinen, daß sie ihre 3ugend in dem Maß verlängern, wie sie Rock unb Aermel verkürzen, und die Halsfreiheit so weit ausdehnen, daß die Beschauer erröten.
Unter den jungen Maskendirndln findet sich ab und zu der Typ des Mutz- Dirndls. Das ist ein ernsthaftes, blutjunges Mädchen, dem der Reichtum Papas einen Brotberuf erspart, ja verwehrt, und dem der Konservativismus Mamas befiehlt, zu fein, wie andere junge Mädchen — vor zwanzig Jahren waren. Närn- lich genau nach der Schablone, ohne eigene Meinung, ohne Wunsch nach Einsamkeit und Sammlung, ohne anderes Ziel als baldigste Verheiratung. Heute ist im Gebirge die sommerliche Schablone für „junge Damen aus Familie" Dirndlmaskerade mit demgemäßen Benehmen, und das ernsthafte Fräulein mutz sich fügen, denn Mama sagt:
„Was sollen die ßeute von dir denken, wenn du dich von allem ausschließest-und anders bist als die anderen?"
Das Mutzdirndl hat zuweilen ein unbändiges Verlangen, die Maskerade abffureihen, ihr ftäbti- iches Hauskleid anzuziehen und weit hineinzulaufen In den Wald, ganz weit hinein, wo die maskierten Dirndl und ihre maskierten Begleiter nie hinkommen. Da ganz allein fein, sich aus den moosbewachsenen Boden lang ausstrecken, ein rotes Marienkäferchen den Arm entlang krabbeln lassen, horchen, wie ein Specht mit hartem Schnabelschlag einen Baumstamm bearbeitet, oder einem Eichkätzchen zusehen, das wie ein pfiffiger Clown von einem Ast zum anderen seht... Ja, das wäre fein! Oder auch da, ganz in der Stille, ein Buch lesen, das man nicht ganz versteht, und das gerade darum wunderschön ist... Mer man ist ein „Mädchen aus Familie" und muß darum immer noch sein wie die Tagesmode es verlangt. Bei Tag Maskendimdl, abends elegante Reuniontänzerin mit dazugehörigem Flirt. Wenn die Mama Erfolg und Glück hat, reist die Tochter als Braut heim. —
Anlagen umgeben sind, und an deren Anfang sich zwei fäulengetragene Bauten mit 10 Meier hohen Pilonen befinden, führen von Fahnen- und Licht- masten flankievt in etwa 170 Meter Länge zur neuerrichteten Fe st Halle. Biedere Gebäude, die die Verwaltungsräume und die Derkaufs- läden bergen, bewachsenes Gitterwerk mit Pergolen, blumengeschmückten Vasen usw. bilden einen der Feststadt würdigen Schmuck und geben dem Zugang zum Festplah ein vornehmes Gepräge.
Direkt hinter der Festhalle ist der Freiübungsplatz angeordnet. Auf ebenem Gelände gelegen, bietet er einen guten ITeberbHd.
Auf der Längsseite (nördlich) ist eine Zuschauertribüne mit Vorturnerturm errichtet, links und rechts dieser Tribüne sind Sitzplätze für die Kampfrichter angeordnet.
Der Geräteturnplatz schließt sich in seiner Längsrichtung hinter dem Freiübungs- Platz an. Er bietet genügend Raum, ist mit Garderoben, Aborten, Brausen und Wasch- gelegenheit versehen. In westlicher Richtung schließt sich der Platz für die leichtathletischen Kämpfe mit neuhergerichteter Laufbahn an.
Vier Spielfelder und weite Felder für Ballspiele, ein Podium für die Fechter und ein genügend großer Platz für die Jugendspiele sind zweckentsprechend in das Gelände eingereiht.
An der Ostseite des noch verfügbaren Geländes sind die Dergnügungsplähe mit einem besonderen Ausgang nach der Elisabethenstrahe angelegt. Von alten Alleen und Wald umgeben und doch noch Ausblick über die Stadt und die Bergstraße gewährend, ist der Platz geradezu als idealer Platz zur Abhaltung des Turnfestes geschaffen Die Turner sollen ihre Freude an der Einteilung des Platzes und den getroffenen Anordnungen unb Einrichtungen haben. Sie sollen bei ihrer Arbeit alle Annehmlichkeiten finden, die die Arbeitsfreudigkeit erhöhen und immer gerne an das 33. Mittel- rheinische Kreisturnfest in Darmstadt denken
Oberhessen.
Kreistag des Kreises Schotten.
— Schotten, 29. Juni. Im Rathaussaal fand heute unter Leitung des Kreisdirektors, Geheimer Regierungsrat B o e ck m a n n die ordentliche Sitzung des Kreistages statt. Rach einleitenden Begrüßungsworten wurden drei neu in den Kreistag eingetretene Herren verpflichtet. Der Ber - waltungsbericht des Kreisausschusses für 1925 wurde unbeanstandet entgegengenommen, ebenso die Rechnung der Kreiskasse für das Rechnungsjahr 1925 ohne Einwendungen genehmigt. Der Rechnungsrest aus diesem Rechnungsjahr ist nicht so günstig wie im voroergangenen Jahr. Dieser Umstand hat seine Rückwirkung auch auf den neuen Voranschlag für das Rechnungsjahr 1927. Ganz allgemein wurden vom Kreistag Bedenken dagegen ausgesprochen, daß die Rückwirkungen des Ueberganges der seitherigen Kreisst r a ß e n auf di« Provinz wenig spürbar sind. Es sei keine Besserung eingetreten, auch nicht zu erwarten, sondern eher eine Verschlechterung, sowohl in finanzieller Hinsicht, wie besonders auch in bezug auf die Unterhaltung der Straßen selbst. Es wurden Klagen über den Zustand der Straßen vorgebracht, die sich eher verschlechtern als verbessern. Besonders wurde über die st i e f m ü tt e r l l ch e Behandlung des Kreises Schotten bei der Anerkennung und Zuteilung der sogenannten v-Straßen (Hauptdurchganasstraßen) geklagt. Der Kreistag nahm eine Entschließung an, nach der gefordert wird, daß mindestens drei Ö-Straßen, Lauterbach — Rebgeshain — Ulrichstein—Schollen— Nidda, ferner Herbstein — Gedern — Merkenfritz — Ortenberg unb Hungen — Wellerfeld und weiter, unbedingt als v-Straßen anzusprechen und zu behandeln sind. Das Kreisamt wurde gebeten, dafür zu sorgen, daß der Vogelsberg gebührende Berücksichtigung in der Unterhaltung seiner Straßen finde, zumal ein erheblicher Teil der Provinzialumlagen vom landwirtschaftlichen Grundbesitz erhoben wird. (8t Pfg. von 100 Mk. Steuerwerk gegen 2 Pfg. in 1926.) Der Kreisooranschlag für 1927 wurde in der vom Kreisausschuß vorgelegten Höhe mit wenigen geringen Abänderungen angenommen. Die Umlagen wurden auf 90 000 Mk. festgesetzt. (1926 gleich 110 000 Mk.). Der größte Ausgabeposten ist das Kapitel „Soziale Fürsorge" über 97 000 Mk. Die Steuerausschlagsätze wurden bestimmt auf 2,5 Pfg. pro 100 Mk. Steuerwerk der Gebäude: 5,5 Pfg. für land- und forstwirtschaftliche Grundstück«: 13 Pfg. vom geroerblidxn ©teuerertrag; I
5 Pfg. vom gewerblichen Betriebs- und Anlagekapital; 15 Pfg. als Sondersteuer vom bebauten Grundbesitz. Besondere Sätze wurden für die selbständigen Gemarkungen bestimmt. Die Erhebung einer Bier st euer für den Kreis wurde einstimmig abgelebt. Die Einführung einer Wertzuwachs st euer für die selbständigen Gemarkungen wurde beschlossen. An einen Unternehmer, der sich bereit erklärt hak, eine K a - daververwertungsanstalt für den Kreis Schotten auf eigene Rechnung zu errichten und zu betreiben, wurde die Gewährung eines Darlehns von 20 000 Mk. gegen mäßigen Zinssatz und gegen Gewährung der nötigen Sicherungen beschlossen. Diese Form der Errichtung der Kadaververwertungsanstalt, die ein öffentliches Bedürfnis für den Kreis ist, wurde einem eigenen Kreisregiebetrieb vorgezogen. — Bei dem anschließenden gemeinsamen Essen fand der Kreisdirektor treffende Worte auf das Vaterland.
Landkreis Gießen.
n. G r oß en ° L i n den, 1. Juli. Der Feld- zugsteilnehmer von 1866 und 1870/71 Johannes 2 uh VII. dahier Vollendille kürzlich sein 84. Lebensjahr. Seine hier lebende Schwester Katharina ist 87 und der in Sheffield wohnende Bruder Ludwig 80 Jahre alt. Hiernach stellen die drei Geschwister zusammen die außerordentliche Zahl von 251 Lebensjahren dar, gewiß eine große Seltenheit.
z. Allendorf a. b. ßba., 30. Juni. Beim Heu einfahren würbe heute ber Arbeiter Karl Reinharb von hier von einem ernsten Unglücksfall betroffen. Beim Bremsen bes Wagens geriet er infolge Scheuens ber Kühe unter ben W a - gen, besten Räber ihm über Beine unb Hänbe gingen. Dem bebauemsroerten Manne wurde e i n Glied bes rechten Zeigefingers abgerissen, ferner erlitt er erhebliche Quetschwunden.
> Lich, 30. Juni. Unsere Stadt rüstet zum diesjährigen ©ommermarlt auf Montag, 18. Juli. In Verbindung mit dem üblichen Jugendfeiertag, der am 17. Juli stattfindct, bekommt dieser Markt ein ganz besonderes Gepräge. Der Sommermarkt ist der bedeutendste der Licher Märkte. Er ist dieses Jahr zum erstenmal mit einer Prämiierung von Simmentaler und Vogelsberger Vieh verbunden, für die namhafte Mittel bereit geftelft sind. Außerdem findet eine Versteigerung von Zuchtbullen und Schafböcken durch die Landwirtschaftskammer statt. Bei dem diesjährigen Psingstmarkt konnte lestgestellt werben, daß der Ruf der Licher Märkte, trotz der in den letzten Jahren vorgekommenen vielfachen Behinderungen durch allerlei Seuchen, nicht gelitten hat und daß sie von der näheren und weiteren Umgebung gern besucht werden, was auch bezüglich des Sommermarktes zu der Hoffnung auf ein gutes Gelingen berechtigt.
Kreis Büdingen.
-t. R i d d a , 30. Juni. Am 4. Juli kann Jean Vöhl von hier seinen 7 0. Geburtstag feiern. Nachdem er lange Jahre als Kellner tätig gewesen war, u. a. auch 15 Jahre im Palmgarten in «Frankfurt a. M, müßte er infolge eines Augenleidens diesen Beruf aufgeben. Er zog wieder in seine Heimat Ridda, aber auch hier blieb er nicht untätig. Lange Zeit ist er ein pünktlicher und treuer Wächter der Nachtpolizei; als Eichamtsverwalter, sowie als Diener des Zweigvereins vom Vogelsberger Höhenklub, als langjähriger Balgtreter der Orgel in der Stadtkirche und als Austräger des "Gießener Anzeigers" hat er stets treu und gewissenhaft seinen Dienst getan. Möge es ihm beschieden sein, in der bisherigen Frische noch lange die Grenze des biblischen Hochfllilters zu überschreiten.
)( Ortenberg, 30. 3uni. 3m hiesigen Ohmtalbasaltwerk mußten wegen Arbeitsüberhäufung Doppel schichten eingelegt werden. Täglich werden mindestens 30 Eisenbahnwagen Schotter verladen. Auch dcr neu- angelegte Bruch am Gauls berg entwickelt sich sehr gunftig. 3n Kürze kommt ein Brecher zur Aufstellung, der wegen der notwendigen Schall- dämpfung teilweise in die Erde eingebaut werden soll. Da auch der an der Rumpelsburg gelegene, von der Firma Wix & Weglehner betriebene Bruch vollbeschäftigt ist, so herrscht natürlich an unserer Bahnstation Hochbetrieb, zu dessen Bewältigung täglich eine besondere Rangier- maschine von Stockheim entsandt werden muß. Die Anlagen an unserem Bahnhof erweisen sich mehr und mehr als zu klein.
)( Stockheim, 30. Juni. Hier fand unter dem Vorsitz von Dekan Schäfer (Büdingen) eine Konferenz ber G e i st l i ch e n bes Deka-
Das ernsthafte kleine Fräulein seufzt und begreift nicht recht, warum die anderen Masken- dirndln gar so laut juhuen, gar so »kameradschaftlich" mit den maskierten Brüdern maskierter Freundinnen verkehren und immerfort finden, daß der Sommer so wunderschön ist. —
Hascherl.
Vierzehn Tage hat sie Urlaub. Man denke, vierzehn ganze Tage. Vierzehn Tage, an denen sie nichts tun soll, als ihrer Gesundheit leben, essen, schlafen, Milch trinken, spazieren gehen. Vierzehn Tage ausschließlich für sich leben, wenn man gewohnt ist, dreihundert einundfünfzig Tage des Jahres nur für andre zu leben: für den Ehef, für die Kontobücher, für die Kundschaft... Die ersten Tage kann sie's gar nicht begreifen. Sie langweilt sich und weih gar nicht, was sie mit ihrer Zeit anfangen soll. Dabei ist sie immer seltsam erregt, so als ob sie ein wenig über den Durst getrunken hätte, und wenn fte spazieren geht, kommt sie sich hilflos vor. Richt als ob sie Furcht empfände, aber sie ist der Ratur gegenüber schüchtern, befangen, wie ein scheues Mädchen, das zum erstenmal mit dem Liebsten allein ist... Sie gewöhnen sich aber schnell zusammen, sie und die Ratur. Wenn der Urlaub zu Ende geht, dann meint man wohl, weint sie? O nein, sie lacht, denn sie hat volle Wangen bekommen, hat wahrhaftig etliche Pfund zugenommen und empfindet ein innerliches Froh- gefühl, so daß sie sich auf alles daheim freut: auf den Chef, auf die Kontobücher, sogar auf die Kundschaft... Und nächstes Jahr kommt sie wieder, aber nicht mehr wie ein scheues Mädchen, sondern wie ein ungeduldig-verliebtes Dinch das in Wald und Berge hineinruft: „Da bin ich wiederl Ich habe solche Sehnsucht nach euch gehabt I Den ganzen Winter über habe ich an euch gedacht und wie das schön sein wird, wenn ich wieder da bin,"
8«ri«k zur Raiur.
In ihrem städtischen PekarmteiÄreis gUt sie af« hochpoettsch, weil sie für das Land schWrntt
und am liebsten schon früh im Jahr hinaus-- fährt, noch ehe der große Schwarm kommt. Vielleicht hat sie draußen eine Villa, lieber noch einen Bauernhof, denn sie mag keine geschniegelte Sommerfrische, sondern liebt das Land der derben Knödel, der gacfemben Hühner, der Düngerhaufen und — der knalledernen Bauern- burschen. Ganz anders als die maskierten Dirndln trägt sie die echte, ländliche Tracht unb macht sich „g’moa“. „Seltsam!" sagen die städtischen Bekannten, und begreifen nicht, was die feine, hochpoetische Frau an dieser Bauernbevölkerung finden kann. Sie würden es besser begreifen, wenn sie die seine hochpoetische Frau nur ein einziges Mal tanzen sähen, an einem Samstagabend, wenn die Holzfäller aus dem Wald -um „Schuhplattler" kommen... Hui, wie fliegt sie da von Arm zu Arm. Wie blitzen ihre Äugen, wie werden ihre Wangen heiß, wenn die genagelten Schuhe der Tänzer mit ohrenzerreißen- dem Getrampel um sie her „plätteln" und sie von braunen Armen hoch in die Höhe gehoben und hin unb hergeschwenkt wird, wie ein Glockenklöppel. .. Oder auch schwatzt es sich gut mit diesen klotzigen Gesellen, draußen in Gottes freier Natur, in verschwiegener Waldeinsamkeit, wo man sich ohne viele Worte verständigt und die Unterschiede ber Stände und Kulturen fallen... Gerade wenn man den ganzen Winter über sein und hochpoetisch sein muß, tut es gut. im Sommer zur unverfälschten Natur zurückzukehren.
Hochschulnachrichten.
Der Freiburger Anatomieprofefsor Dr. Eugen Fischer hat den Ruf auf den durch den Rücktritt des Geh. Rajs F. von Luschan ertebigten Lehrstuhl ber Anatomie an der Universität Berlin angenommen. Prof. Fischer übernimmt im Herbst 1927 die Leitung des neu- errichteten Kaiser-Wilhelm-Jnstituts für Erblich- keitslehre und GugenÜ in Berlin-Dahlem. Der durch seine Berufung erledigte Lehrstuhl der Anatom^ an der Universität Freiburg ist
nats Büdingen statt. Ein Vertreter des Hessi. schen Landesvereins für Innere Mssion (Darmstadt) berichtete über die „Evangelische Sterbevor- sorge in Hessen", die es den Gemeindegliedern ermöglicht, für einen geringen Monatsbeitrag für sich und ihre Familienglieder vorzusorgen und ein würdiges Begräbnis sicherzustellen. Missionar Lauck (Frankfurt) sprach dann in interessantem Vortrag über „Die Mission in der Gegenwart". Eine Entscheidungsstunde ohnegleichen sei für die Mission angebrochen, möge sie von der evangelischen Christenheit Deutschlands voll und ganz begriffen und ergriffen werden. Im Anschluß an den Vortrag wurde beschlossen, auch in den Dckanats- gemeinden, die zur Förderung der Mission bestehenden Einrichtungen tatkräftig weiter auszubauen. Am 4. September soll auf der Ronneburg ein größeres Missionsfest gefeiert werden.
/ Merkenfrih, 30. Juni. In voriger Woche wurden bie Q u e l l e n, die bas Wasser für das Wasserwerk Riddertal liefern, eingehend besichtigt. Um ben bisherigen unhaltbaren Zustanb zu beseitigen unb bie Quellen vor weiterer Verunreinigung zu schützen, würbe die Einzäunung bes Quellengebietes beschlossen. Um bie Klagen, bie mit Recht aus manchen Gemeinden über Wassermangel laut werben, zu beseitigen, sollen in allen Genuin- ben, die an das Gruppenwerk angeschlossen sinh. Wassermesser an ben Einzelleitungen angebracht werden. Das Kulturbauamt Friedberg, dessen Vertreter ber Besichtigung beiwohnte, würbe mit der Einleitung ber weiteren Schritte zur Beschaffung der Messer usw. beauftragt.
-/- Aus dem Niddertal, 30.Juni. Durch das ungünstige Wetter hat die Heuernte eine wesentliche Verspätung erfahren. Die Ernte fällt verschieden aus; während die Bergwiesen im allgemeinen einen guten Ertrag abwerfen, läßt er in vielen Grundwiesen zu wünschen übrig. Im allgemeinen kann man jedoch von einer guten Mittelernte sprechen. Die Preise für Heu sind gedrückt. Bei den öffentlichen Versteigerungen wurden gegen voriges Jahr oft nur die halben Preise gelöst, so daß Gemeinden und andere Verpächter großen Einnahmeausfall hatten. Getreide äcker weisen einen sehr günstigen Stand auf, nur macht sich auch in solchen Gemarkungen, die bisher verschollt waren, hier und da eine Weiterverbreitung des Hedderich bemerkbar. Die Hackfrüchte haben sich infolge des feuchten Wellers gut entwickelt, während die Entwickelung der Gartenkulturen infolge der Kälte und Nässe zurückgeblieben ist. Sehr gut sind durchweg die Aussichten für eine gute Ob st- ernte. Die Aepfelbäume zeigen zum Teil einen überreichen Behang, auch die Birnbäume haben, obwohl sie erst in vorigem Jahre gut trugen, wiederum reich angesetzt, so daß also, wenn keine Schäden mehr durch Unwetter ober dergleichen eintreten, in diesem Jahre nach langer Pause endlich wieder einmal mit einer durchschnittlich guten Ernte gerechnet werden darf. Heber die Stein- ob ft ernte läßt sich kein einheitliches Urteil abgeben. Die Kirschenernte ist in vollem Gang, fällt jedoch gänzlich verschieden je nach Gemarkung und Sötte aus. Aehnliches kann auch von den anderen Steinobstarten gesagt werden; nach dem Blütenstand durfte man auch bei Mirabellen, Pflaumen, Zwetschen unb anberen Arten mit einer Vollernte rechnen, doch haben hier die Nachtfröste unb bas Ungeziefer mancherlei Schaden angerichtet; immerhin dürfte aber auch hier im allgemeinen bie Ernte befriedigen. Wie wir hören, entwickelt sich die neu- gegründete O b st g e n o s s e n s ch a f t in Bübingen in zufriedenstellender Weise. Ein tüchtiger Leiter ist gewonnen worden, Aufträge liegen schon jetzt in großer Zahl vor, so daß also auch bei einer Rekordernte an Obst mit einem befriedigenden Absatz in unserem Gebiet gerechnet werden kann.
Kreis Schotten.
Rainrod, 30. Juni. Zu ben bereits bestehenben Gesangvereine n, ber Gesangsabteilung bes Turnvereins unb bem „Mannergesangverein", ist jetzt ein weiterer hinzugetreten. ber ben Namen „German ia" führt. Somit ist ber Beweis erbracht, baß auch in einem verhältnismäßig kleinen Dorfe es an Stimmbegabten nicht gebricht. wenn ber Wille zum Singen vorhanden ist.
Starkenburg.
* Darm st a b t, 30. Juni. Das Hv t e l „Zur Traube", bas im vergangenen Jahre von ber Stabt angekauft wurde, ist jetzt wieber eröffnet worben. Die Außenfront ist unverändert geblieben, aber bas Innere ist gänzlich umgebaut unb mit einer modernen Innenausstattung versehen worben. DaS Hotel
Pros. Dr. Wilhelm von Moellenborff, Direktor des anatomischen Jnstttuts in K ie l. angeboten worden. Von Moellenborff, dessen Arbeiten besonders auf bem Gebiete ber Embryologie unb Histologie liegen, wurde 1913 Projektor am Greisswalber anatomischen Institut. Ostern 1921 Jam er als erster Prosektor an bas anatz- tomische Institut in Freiburg i. B. 1922 wurde v. Moellenborff Ordinarius in Hamburg, von wo er ein Jahr später nach Kiel übersiedelte. — Der Geheime Medizinalrat Professor Dr. Erich Le x e r, Direktor ber chirurgischen Klinik in Freiburg i. D., hat den Ruf nach Bonn abgelehnt. — Rektor unb Senat ber Technischen Hochschule Hannover haben bem DorstandS- mitgliebe des Laboratoriums für Tonindustrie Berlin, Eduard Cramer unb ferner bem Direktor ber Friedrich Krupp QI.-©., Friedrich-Alfreb- Hütte, Oswald Erlinghagen in Rheinhausen, bie Würde „Doktor-Ingenieur Ehrenhalber" verliehen. — Zum Leiter des von der Provinz Hannover neu erttchteten Lanbesinstituts für Bienenforschung unb bienenwirtschaftliche Betriebslehre in Celle wurde einstimmig ber bisherige Leiter ber Versuchs- und Lehranstalt für Bienenzucht in Münster i. W.. Professor Dr. Koch, gewählt. — Zum neuen Rektor ber Wiener Universität wurde ber Ghnägologe Professor Dr. Heinrich Peham gewählt. — Qln ber Universität Graz ist für bas kommende Studienjahr der Professor für Kirchenrecht Dr. Nrnold P ö s ch l, als Rektor ber Grazer Technischen Hochschule ber Professor für Drückenbau Dr.-Jng. h. c. Georg Kap sch gewählt worden. —- Ernannt wurden: Der außerordentliche Professor für alte Geschichte Hofrat Dr. Josef Keil in Wien zum ordentlichen Professor in ber philosophischen Fakultät ber Universität Greifswalb; der nichtbeamtete außervrdent- liche Professor für Kinderheilkunde in ber medizinischen Fakultät ber Universität Königsberg Dr. Hans Beumer zum ordentlichen Professor in ber medizinischen Fakultät 6er Universität Göttingen.


