Rheinisch-Westfälischen Elektrizitätswerke ein geschlossenes, den größten Tei. Preußens umfassendes Versor- gungsgebiet für die Rohstoffe, d. h. für Braunkohlen vor allem, und zugleich ein ebenso geschlossenes Lieferungsnetz für elektrischen Strom unter der Leitung des Staates und damit unter Voranstellung gemeinwirtschaftlicher Interessen zu schaffen. Inwieweit das Gesetz und die nunmehr zu gründende Aktiengesellschaft der preußischen Elektrizitätswerke, die ihren Sitz in Berlin haben wird, diesen Erwartungen entsprechen kann, hängt zum grüßen Teil von dem Geiste ab, der die Leiter der Gesellschaft und die aufsichtsratsführenden Organe des Staates und des Parlaments beseelt. Es wird dabei einer sehr geschickten Hand bedürfen. Denn einerseits soll natürlich eine möglichst billige Stromlieferung gewährleiste: werden, und der ‘Betrieb des Staates, der nunmehr über alle Rationalisierungsmöglichkeiten verfügt, so eingerichtet werden, daß die möglichen Verbilligungen dem Konsumenten in erster Linie zugute kommen. Auf der andern Seite stehen diesem größten Stromlieferanten Deutschlands nicht nur der nunmehr durch ein freundnachbarliches Verhältnis an die Preußengesellschaft gebundene westdeutsche Konkurrent, sondern auch zahlreiche kleinere Elek- trizitätslieferungs-Llnternehmungen gegenüber. Da diese ihrerseits als Steuerzahler und als Arbeitgeber für umfangreiche Arbeitermassen im eigenen und in ihren Lieferantenbetrieben eine gewisse Schonung mit Recht beanspruchen, so darf auf der andern Seite die Möglichkeit der Preisverbilligung nicht in die Lahmlegung bisher selbständiger Betriebe durch für sie ruinöse Preisgestaltung ausarten. Das sind zwei schwer zu vereinbarende Aufgaben.
Erfreulich ist jedenfalls, daß in allen Kreisen der Bevölkerung, wie sie im preußischen Parlament repräsentiert sind, Vertrauen zum Fiskus herrscht, eine solche Aufgabe zu lösen, gegen die man noch vor wenigen Iahren den prinzipiellen Einwand erhoben haben würde, daß sie ein Stück Sozialisierung bedeute. Aber sie liegt auf der nunmehr festgelegten Linie, die gemeinnützigen Elemente der Wirtschaft durch Einflußnahme des Staats der Allgemeinheit soweit als möglich sicher zu stellen.
Die vertagte Tariferhöhung der Reichspost.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 1. Iuli. Wenn es auch nicht möglich war, den Herrn Reichspostminister dazu zu bewegen, überhaupt von einer Erhöhung der Postgebühren abzusehen, so ist doch immerhin, wie wir erfahren, entgegen der Meldung, die wissen will, daß der Reichspostminister dem Arbeitsausschuß des Verwaltungsrats Mitte der nächsten Woche erneut die Vorlage betreffs Erhöhung der Postgebühren vvrlegen wird, erreicht, daß wir die Sommermonate und die Erholungszeit ohne erhöhte Postgebühren verbringen können. Zwar sitzt man im Reichspvstministerium während der hochsommerlichen Hitze zusammen und übersinnt die augenblickliche Situation, oder wie es technisch heißt, die zuständigen Resiorts sind damit beauftragt worden, eine Vorlage zur Erhöhung der Gebühren bei der Post aufneuerGrund- lage auszuarbeiten. Es steht aber noch keineswegs fest, in welcher Form diese neue Vorlage herauskommen wird, sie befindet sich vielmehr noch vollkommen im Stadium nascendi. Immerhin darf man annehmen, daß nicht a l l - zudiele Aenderungen vorgenommen werden, daß es vielmehr im wesentlichen bei der alten Vorlage verbleibt und nur zu einer andersgearteten Abstufung der Erhöhung kommen wird. Andererseits wird man versucht fein, eine allgemein verständlichere De-, gründung auszuarbeiten, um die Gebühren-' erhöhung schmackhafter zu machen. Es steht noch nicht fest, wann sich der Arbeitsausschuß und der Verwaltungsrat der Reichspvst, auf dessen Wunsch der neue Entwurf ausgearbeitet wird, damit befassen kann. Man darf somit annehmen, daß auch noch der Herbst herankommen wird, ehe hieb» Vorlage zur Tatsache geworden ist. Das ist immerhin ein erfreuliches Zeichen.
Aus dem Finanzausschutz des Hessischen Landtags.
Darmstadt, 30. Juni. Der Finanzausschuß beschäftigte sich mit der Regierungsvorlage über das Arbeitsgerichtsgesetz und erörterte die Kostenfrage, sodann mit einer Vorlage über die Entwässerung der Grundwiesen und mit Wasserbauarbeiten am Schwarzbach, ferner mit einer Regierungsvorlage über die Unterstützung der Krcftwagenlinien in Hessen und mit einem Gesetzentwurf über die Grundsteuer der Gemeinden und Gemeindeverbände. Eine Reihe von Eingaben, die mit Besoldungsfragen im Zusammenhang stehen, wurden der Regierung als Material überwiesen; darunter war ein Antrag Dingeldey über die Besoldungs- Verhältnisse der Hauswarte und Amtsgehilfen, eine Eingabe des Divlom-Handelslehrervereins, des hessischen Reallehrervereins.
„Verdreifachung der Reichswehr".
Phantasien der „Roten Fahne".
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Berlin, 1. Iuli. Die „Rote Fahne" widmete gestern morgen die ganze erste Seite der Wiedergabe einer Korrespondenzmeldung, wonach in Genf unter den Mächten eine Abänderung der Dien st dauer bei der Reichswehr beschlossen worden sei. Danach soll die Dienstzeit nur noch 3 I ah re währen, so daß auf diese Weife die dreifache Anzahl voll ausgebildeter Militärmannschaften erzielt wird. Die „Rote Fahne" sieht in diesen Genfer Abmachungen, denen sie selbstverständlich unbedingt Glauben schenkt, eine neue Ve r - schwörungsaktivn gegen Svwjetruß- l a n d. Es braucht Wohl nicht erst betont zu werden, daß es sich bei der Rachricht um eine rette Ente handelt. Wie wahrscheinlich die Rachricht ist, geht daraus hervor, daß England und besonders Frankreich auf die buchstäbliche Durchführung der Versailler Bestimmungen über die Entwaffnung Deutschlands bestehen, und daß z. B. monatelang allein um die Zerstörung von ein paar Unter; ständen an der deutschen Ostgrenze verhandelt wurde. Und da sollen diese Mächte mit Deutsch
land ein Uebereinkommen geschlossen haben, wodurch die ganze Entwaffnung Deutschlands wieder rückgängig gemacht werden würde? Die Angstpsychose, von der die Kommunisten wegen eines geplanten Kreuzzuges gegen Sowjet- ruhland ergriffen sind, nimmt, wie die „Rote Fahne" zeigt, immer groteskere Formen an.
Ein neues Todesurteil in Rutzlond vollstreckt.
Moskau, 30. Iuni. (Telegraphenagentur der Sowjetunion.) Die Polin Helene Wischnew s k a j a , die sich mit militärischer und wirtschaftlicher Spionage befaßt und eine systematische Beförderung gegenrevolutionärer Emigranten nach Polen unter Mitwirkung der polnischen Grenzbehörden organisiert hat, wurde vom Charkower Bezirksgericht in außerordentlicher Sitzung zum Tode durch Erschießen verurteilt. Das Urteil wurde vollstreckt.
Neuer Deutschenterror in Rumänien?
Unbestätigte Meldungen von Verhaftungen deutscher Führer im Banat.
Eigene Drahtmeldung des „Gießener Anzeigers".
Verl in, 1. Juli. Die Abendblätter verzeichnen eine Nachricht aus Bukarest, wonach die Führer der Banater Schwaben, Dr. Muth und Prälat Vlaskowitsch, bei der ersten Wahlversammlung in Binger verhaftet worden frien, wobei gegen die deutschen Wähler schwere ferro- ristische Ausschreitungen begangen worden seien. Bisher war es nicht möglich, eine Bestätigung der Meldung zu erhalten. Es wäre zu hoffen, auch im Interesse Rumäniens, daß fick die Nachricht nicht bewahrheitet, da ein Wiederaufleben der antideutschen Anterdrückungspolittk in Rumänien den n a ch t e i l i g st e n Einfluß auf die sich in der Schwebe befindenden deutsch-rumänischen Wirtschaftsverhandlungen ausüben würde. Bereits seinerzeit, als die Rumänen die ersten versuche machten, wieder in wirtschaftlichen Kontakt mit Deutschland zu treten, war darauf hingewiesen worden, daß als erste Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Handelsbeziehungen zu Rumänien eine Minderheitspolitik sein müßte, die den in Rumänien ansässigen Deutschen ihre v o l i t i - schen und kulturellen Rechte voll gewährleiste.
MassenKündigungen in Ostoberschlefien.
Beuthen, 30. Iuni. (WTB.) Wie aus Kattvwih gemeldet wird, wird 88 Beamten und Angestellten der Vereinigte Königs- und Laura- Hütte morgen die Kündigung ihres bisherigen Dienstverhältnisses zugehen. Unter den von dieser Maßnahme Betroffenen befind^ sich auch der Werkverwalter der Gräsin-Laura-Grube, der deutscher Sejm-Abgeordneter ist. Weitere Entlassungen stehen bevor. Die zur Entlassung kommenden Beamten und Angestellten sind durchschnittlich längere Zeit im Dienste, eurige bis zu 30 Iahren.
Vie SeeabrSstungskonferenz.
Die Rivalität zwischen den angelsächsischen Mächten.
London, 30. Iuni. (WB.) Der Erste Seelord der Admiralität, Bridgeman, erklärte zur Seeabrüstungskonferenz einem Sonderberichterstatter des Reuterbureaus in Gens u. a., er sei überrascht, daß man in Amerika die englischen Vorschläge als einen Versuch zur Erlangung der Vorherrschaft anfehe. In den Berichten der britischen Delegation und in den britischen Vorschlägen sei nichts enthalten, was eine solche Auffassung rechtfertige. Die in Washington vereinbarte Parität von Schlachtschiffen sei von England bisher nicht in Frage gestellt worden und wenn die englischen Vorschläge angenommen würden, so könne durch eine leicht zu erzielende Vereinbarung und durch eine Regelung der Ersrtzrmgs- tabelle der Grundsatz der Parität verwirklicht werden. England habe auf dieser Konferenz den Grundsatz aufgestellt, daß jede Ration besondere Bedürfnisse in verschiedenen Schiffklassen habe. Es habe niemals irgendeinen An- sprrich der Vereinigten Staaten in Abrede gestellt, die gleiche Anzahl Schifte zu bauen, falls sie es für notwendig erachten.
Die chinesischen wirren.
Schanghai, 30. Iuni. (WTB.) Ein Funkspruch aus Hankau besagt, daß auf das Llltima- tum Tschiangkaischecks und Fengjuhsiangs alle Angehörigen der Sowjetunion, soweit sie nicht beim sowjetrussischen Konsul beschäftigt sind, das Land innerhalb 24 Stunden verlassen werden. Die Abreise Borodins, des sowjetrussischen Beraters der Hankauregierung, wurde für gestern abend erwartet. Weitere Rachrichten melden, daß General Fengh die Truppen Tschangtsolins an der Bahnlinie Peking—Hankau zurückgeworfen hat. Zu gleicher Zeit marschiert General Teian an der Bahnlinie Tientsin—Pukau entlang a u f P e k i n g. In Schanghai herrscht vollkommen Ruhe. Es besteht eine starke Mißstimmung wegen der von dem Vertreter der nationalistischen Regierung vorgenommenen Erpressung in Form von Zwangs- a n l e i h e n und ungesetzlichen Steuern, denen sich auch die in dem Konzessionsgebiel wohnenden Chinesen nicht entziehen können. Das Verhältnis zwischen Fengjuhsiang und Tschiangkai- scheck ist trotz des Bündnisses urcklar, ebenso die Haltung der Schangtung-Armee.
Rach Reuter-Meldungen aus Tsinansu rücken die R a t i o n a l i st e n in der Provinz Schan- tung vor, während sich die Rvrdarmee entlang der Bahnlinie Tsientsin—Pukau auf Ien- tschau zurückzieht und alle Anstrengungen macht, an den Ufern des Tschaihv, südlich von Ientschau, feste Stellung zu beziehen und die Vorhut Dschiangkaischecks zu umzingeln, dessen Truppen sich ihnen bereits wieder auf 25 Kilometer genähert haben und beim großen Kanal ausgetaucht sind. Die Südarmee rückt trotz großer Schwierigkeiten vorwärts. Sie besetzt die Bahnlinien und zerstört die Bahnhofe. Beide Parteien erleiden schwere Verluste. Die dritte und vierte Armee der Rordtruppen haben ihre Front vom gelben Fluh In der Richtung auf Tschangtschu, 60 Meilen südlich von Tientsin, verlegt. Sie
wollen zwischen Tschangtschu und Paudingfu eine starke Verteidigungslinie errichten.
Eine zweite Mystifikation in Paris?
Paris, 30. Iuni. (Wolff.) Rach dem „Echo de Paris" sollte am Samstag auch Kriegsminister P a i n l e v 6 das Opfer einer durch das Telephon versuchten Mystifikation werden, und zwar dadurch, daß man dem diensttuenden Offizier den Befehl diktierte, einen Teil der Soldaten der Iahsresklasse 1 925 so- fort zu entlassen. Der betreffende Offizier verfaßte ein Rundtelegramm und als er dieses im Kabinett Pcrinleve vorlegte, um die Genehmigung zur Absendung zu erhalten, wurde die Sache ruchbar. Dis jetzt sucht man erfolglos nach den Urhebern des schlechten Scherzes.
Aus -aller Welt.
Byrd an der normannischen Küste ins Meer gefallen.
Paris, 1. Juli. (WTB. Funkspruch.) Am 5.30 Ahr früh lagen bei havas über den Jlug der „America" nach keine zuverläfsigen Nachrichten vor. Einige kleinere Radiostationen wollten bis 3 Ahr 8-0-8-Ruse von der „Anrerica" vernommen haben. Am 3.15 Uhr erklärte man. nicht behaupten zu können. daß 8-0-8-Ruse seitens der „America" gegeben worden sind. Um 3.20 Uhr versuchte die Radiostation Le Bourget mit dem Flugzeug in Verbindung zu treten, erhielt aber keine Antwort. Wegen des andauernden Regens verliehen cjgen 4 Uhr die offiziellen Persönlichkeiten sowie das Publikum das Flugfeld. Einige Blätter weisen aus das starke Aufgebot von Polizei hin. dem auch 300 Mann der Republikanischen Garde zugcteilt worden seien, um die Sicherheit durckzusühren. Wegen des Regens konnte auch kein Flugzeug aufsteigen, um nach der „America" zu suchen. Gegen 10 Uhr vormittags wird folgender Funkspruch verbreitet: Aus dem Flugplatz Le Bourget ist bei der Hafendirektton ein offizielles Telegramm eingetroffen, nach der die „America" heute vormittag 5.45 Uhr etwa 2 0 0 Me- er von der fiüftc vor Bayrut im Departement Calvados ins Meer gefallen ist. nachdem sie gegen 3 Uhr Paris überflogen hatte. Byrd und seine Mannschaften find gerettet. Das Departement Calvados nimmt den mittleren Teil der Normandie ein an der Seine- buchl.
Reichstagung der Bankbeamten.
Unter zahlreicher Beteiligung wurde in Köln die ordentliche Hauptversammlung des Deutschen Bankbeamtenvereins abgehalten. Den Bericht über die verflossene Geschäftsperiode e-stattete der Vorsitzende Jürstenberg, der die innere Kraft des Bankgewerbes und seine durch, aus günstige Entwicklung in den letzten beiden Jahren schilderte und davon ausgehend die Tätigkeit des D. B. V. in der Tarifbewegung beleuchtete; er erörterte auch eine Anzahl anderer sozialer Fragen, mit denen sich die Organisation beschäftigt hat. Trotzdem in der Berichtsperiode ein weiterer Abbau von fast 25 000 (meist kaufmännischen) Angestellten erfolgte, blieb der Verein infolge sehr erheblichen Zuwachses mit rund 32 000 Mitgliedern die weitaus stärftte Arbeitnehmerorganisation im Bank- gewerbe. N?H einem Vortrag von Dr. Da- m a s ch k e über das Heimstättenwesen und dessen Bedeutung für die gesamte Volkswirtschaft und nach Erledigung der Regularien wurden verschiedene Entschließungen angenommen. In diesen wurde u.a. eine bessere Ausgestaltung des R'eichstarifes in arbeitsrechtlicher und gehaltlicher Beziehung, eine erhöhte Sicherung der älteren Angestellten, die Einbringung des Gesetzes über die Bildung von Heimstätten und ein stärkerer Schutz für Betriebsratsmitglieder gefordert. Gegen jede Lockerung der Mieterschutzgesetzgebung wurde lebhaft protestiert. Die nächste Hauptversammlung wird 1929 in Hamburg stattfinden.
Schiedsspruch im Kölner Metallarbeiterkonslikt.
Der Schiedsspruch im Kölner Metallarbeiterstreit sieht vor: Die regelmäßige wöchentliche Arbeitszeit beträgt 48 Stunden. Die Unternehmer können eine Verlängerung der gesetzlichen Arbeitszeit anordnen, und zwar bis zum-1. November 1927 bis zu 52 Stunden, und vom 1. November 1927 ab bis zu 51 Stunden die Woche. Darüber hinaus können Ueberftunben nur mit Zustimmung der gesetzlichen Detriebsvertretung vereinbart werden. Für die 49. bis 52. Mehrarbeitsstund^ wird ein Zuschlag von 20 Prozent gezahlt. Diese Regelung gilt vom 25. Juni 1927 bis 1. Februar 1928 und kann von da ab mit einmonatiger Kündigungsfrist jeweils zum Monatsschluh gekündigt werden. Die Erklärungsfrist läuft bis Samstag, 2. Juli.
Dr. Lckener auf der Fahri nach Südamerika.
Dr. Eckener hat in Begleitung des Ka- pitänleutnants Flemming mit dem Dampfer „Cap Polonio" die Reise nach Südamerika an» getreten, um Verhandlungen über die geplante Luftschiffahrtslinie Sevilla — Buenos-Aires zu pflegen.
Berlins größter Einbruch aufgeklärt.
Wohl der größte Einbruch, der jemals in Berlin verübt worden ist. die Plünderung des Iuwelengeschäfts vvn Romenthal & S o h n in der Friedrichstraße am 22. Iuli 1923 ist jetzt von der Kriminalpolizei aufgeklärt worden. Einer der Täter, der nach einem Einbruch in den Räumen der Diamantenregie in der Friedrichstraße verhaftet werden konnte, der Pole Moszak Mesz, hat das Geständnis abgelegt, gemeinsam mit zwei Komplizen, die sich augenblicklich in Rordafrika aufhalt n sollen, den Einbruch begangen zu haben. Der Hehler .und An- stftter des Raubzuges, der Berliner Iuwelier Schaffer, geriet in Erprefterhände und hat durch Selbstmord oder Verbrechen geendet.
41 000 Mark Geldstrafe wegen Zollhinterziehung.
Das Schöffengericht D e u t h e n oerurteilM den Kaufmann Leiczy aus Königshütte wegen Zollhinterziehung zu 41 000 Maü Geldstrafe. Der Angeklagte hatte in den Monaten April bis Oktober vorigen Iahres 25 Waggons Kartoffel und Heu nach Deutschland eingeführt unter der falschen Deklaration, daß es sich um ostoberschlesische Ware handle, deren Einfuhr nach öeni Genfer Abkommen frei fei, während es sich tatsächlich um Kartoffeln und Heu aus Galizien und Polen handelte.
Geheimnisvoller Tod eines britischen Millionärs.
In Finanzkreisen der City von London herrscht über den geheimnisvollen Tod des Millionärs und Finanzmarmes Iames White, der tot in feinem Landhause aufgefunden wurde,
große Erregung. Rach dem ärztlichen Befund ist der Tod durch eine zu große Dosis eines Schlaftrunkes herbeigeftihrt worden. White hatte außerordentlich weitverzweigte Geschäftsinteressen, besonders im Oelhandel. Er war u. a. auch an der British Controlled Company interessiert, und es wird angegeben, daß ihm eine Haussespekulation in Anteilen dieser Gesellschaft mißlungen fei. Die Anteile dieser Gesellschaft wurden heute zu Beginn der Effektenbörse niedriger notiert.
Die Ehefrau ins Zuchthaus gebracht.
Wegen Ansttstung und Verleitung zum Meineid wurde die 59jährige Ehefrau M e i ck e in Berlin zu einem Iahre sieben Monaten Zuchthaus und der von ihr zu einer falschen Aussage verleitete Kutscher Kranert zu einem Iahr drei Monaten Zuchthaus verurteilt. Der 17jährige Stiefsohn der An- geflagten hatte eine Frau angef ahnen und verletzt. Frau Meicke hatte, um den Stiefsohn vor den Gewcllttätigkeiten ihres Ehemannes zu schützen, den Kutscher Kranert veranlaßt, bei dem gegen den Stiefsohn eingeleiteten Verfahren wegen Körperverletzung unter Eid eine entlastende Aussage abzugeben, obwohl er dem Vorfall gar nicht beigewvhnt hatte. Der Meineid ist jetzt von dem Ehemann der Angeklagten angezeigt worden, als sie ihn wegen eines Anfalls ins Irrenhaus bringen wollte.
Das Erdbeben auf der Seim.
Am Sonntag mittag wurden in Sebastopel und anderen Städten der Krim starke Erdstöße von fünf Sekunden Dauer wahrgenommen, die von starkem unterirdischen Getöse begleitet waren. An vielen Gebäuden zeigten sich Risse. An mehreren Stellen ereigneten sich Bergstürze. Das Erdbeben, das anscheinend die ganze Halbinsel in Mitleidenschaft gezogen hat, wird auf vulkanische Veränderungen des Bodens des Schwarzen Meeres zurückgeführt.
Rach weiteren ergänzenden Meldungen war das Erdbeben am stärksten in der südlichen Krim, wo die Schwankungen ein Ausmaß bis zu 20 Millimeter pro Sekunde erreichten. Gin so starkes Erdbeben wurde in der Krim zuletzt vor 30 Iahren verzeichnet. In einer Reihe von Städten sind tiefe Risse an den Gebäuden zu beobachten. Es erfolgten verschiedene Bergstürze. Der Mönchsselsen stürzte ins Meer. Das frühere Livadia-Palais bei Ialta hat nicht gelitten, dagegen wurde das Khan-Pa- la'is in Dachftchissarai stark beschädigt. Meldungen über Verluste an Menschenleben sind nicht eingelaufen.
Großer Waldbrand.
In Weyer (Kreis St. Goarshausen) bemerkte man in der vergangenen Rächt plötzlich von Wellmich aus einen-großen Waldbrand, der sich bis nach Rochern zu ausdehnte. Da vor einiger Zeit große Hiebe vorgenommen worden waren, lag das gefällte Holz zum Abtransport bereit und bot den Flammen reiche Rahrung. ■ Trotz der großen Rässtr des Bodens greift das Feuer immer weiter um sich Weithin sichtbar steigen die Rauchschwaden gegen Himmel. Die Feuerwehren der benachbarten Gemeinden stehen dem Riesenfeuer machtlos gegenüber. Man hofft jedoch, durch Anlegung von Gräben rings um das Flammenmeer den Brandherd einzudämmen- Bei dem dichten Hochwald ist die Gefahr des Heberfbringend fdjr groß.
Kunst und Wissenschaft-
Rubens-Ausstellung In Siegen.
Aus Anlaß der 350. Wiederkehr des Geburtstages von Peter Paul Rubens oeranftaltete die Stadt Siegen eine Feier, die mit einer Ausstellung Rubensschr Gemälde tu dem neu hergerichteten Siegerländer Heimatmuseum verbunden ist. Die Ga- ferien in Kassel und Berlin (Kaiser-Friedrich-Mu- smn), di« staatliche Akademie in Düsseldorf und private Sammler haben Gemälde zur Verfügung gestellt. Mit einem Festakt im Rathaussaale wurde die Gr Öffnung der Ausstellung eingeleitet. Galeriedirektor Professor Dr. Luthmer-Kassel würdigte das Schaffen und die Bedeutung von Pekr Paul Rubens als Maler. Studienrat Dr. Kruse, der Leiter des Heimatmuseums, gab einen geschichtlichen Ueberblick über den Aufenthalt der Familie Rubens in Siegen, worauf Museumsdirektor Gall die Ausstellung eröffnete.
Liebermann Ehrenbürger von Berlin.
Die Stadtverordnetensitzung stimmte der dringlichen Magistratsvorlage auf Verleihung der Ehrenbürgerrechte an Professor Max Liebermann unb der Schvsftmg einer Max - Lieber mann- s Stiftung in der Akademie der Künste km Betrage von 10 000 Mark anläßlich des 80. Geburtstages des Künstlers zu.
Professor Vanzer (Heidelberg) nach Bettie berufen. ,
Der Rettor der Heidelberger Hninerfttat, Geheimer Rat Prof. Dr. Panzer, hat einen Rus an die Universität Berlin als Rachfolger R o e t h e s auf den Lehrstuhl für alte deutsche Philologie erhalten.
Eine Nationalkasse für Literatur, Kunst und Wissenschaft in Frankreich.
älnterrichtsminister Herrivt hat den Entwurf eines Gesetzes über die Schaffung einer Rationallasse für Literatur, Kunst und Wissen- schast in der Kammer eingebracht. Diese Kasse hat den Zweck, durch Geldzuwendungen, Reise- ftipendien, Ankauf von Werken und auf andere Weise die Arbeiten von Schriftstellern, Gelehrten und Künstlern zu unterstützen, literarische, wissenschaftliche und künstlerische -Unternehmungen zu fördern sowie allem Unterstützung zu leihen, was zur Hebung der französischen Kultur im In - und Ausland beitragen kann. Die Mittel der Kasse sollen dadurch aufgebracht werden, daß zwischen dem 50. und dem 100. Iahre nach dem Tode des Autors eines wissenschaftlichen, künstlerischen ober literarischen Werkes eine Abgabe entrichtet wird, deren Höhe sich nach der Bruttoeinnahme richten soll.
Wettervoraussage.
Zeitweise wechselnd wolkig, auch aufheiternd, Temperaturen etwas zurückgehend, strichweise leichte Riederschläge.
Gestrige Tagcstemperaturen: Maximum: 26,4 Grad Celsius: Minimum: 14,3 Grad Celsius: Sonnenscheindauer: 6,45 Stunden: Riederschläge: 1,0 Millimeter: heutige Morgentemperatur: 19,5 Grad Celsius.
Witterungsaussichten für Sonntag:
Bei zeitweiser Aufheiterung in der Hauptsache trocken


