lung
Nachdruck verboten.
21. Fortsetzung.
keine wdürren Fragen
.Wirklich."
.Und besteht sie noch?
,3a."
.Hier in Christiania?
,3a."
Roman von Sven Elve st ad. Copyright bei Georg Müller, München.
„Noch eine Frage", erklärte der Detektiv. „Die Gefahr, gegen die diese beiden Gauner Sie beschützen wollten, war sie Ungebildet oder wirklich?"
— Der Amerika-Großfilm der Ham- burg-2lmerika-Linie, der nur morgen nachmittag und abend in den Palast-Lichtspielen vorgesührt wird, zeigt — so schreibt man uns — als Filmergebnisse einer 17 000 Kilometer langen Reise, die sich über fast sämtliche Teile Amerikas erstreckte, die Großtaten der amerikanischen Technik und des Verkehrs, die Wunder der Natur, die Errungenschaften der Landwirtschaft und das gigantische Ausmaß ihrer Arbeit. Man erkennt den ungeheuren Reichtum Amerikas an Bodenschätzen, an Kapitalien, die zu ihrer Ausnutzung herangezogen werden. 3n glänzenden Aufnahmen bekommt man einen Einblick in die Lebens- und Schaffensart des amerikanischen Volkes. Zu der Vorführung wird ein Vortrag gehalten. Man beachte die heutige Anzeige.
— Allgemeiner Deutscher Beamt e n- b u n d. Morgen, Samstag, abend 8.30 Uhr, im Saalbau Sauer öffentliche Kundgebung über „Die Bcsoldungsbewegiing für Reichs-, Staats-, Gemeinde- und Reichsbahnbeamten". (Siehe heutige Anzeige.)
Der Amerikaner zog sich zurück, begleitet von seinem Sekretär. Krag hatte das Gefühl, daß er nicht zum letztenmal an diesem Tage mit Gould gespro-
Die Ereignisse in China beschäftigen heute die ganze Welt. Besonderes Interesse d'üriie deshalb der im Inseratenteil der vorliegenden Nummer zum Abdruck gebrachte Bericht über die jetzigen Ereignisse in (£Jina sindem Diese Berichte werden von Woche au Woche spannender werden und sind deshalb der besonderen ticadjiun* der geschätzten Leser empfohlen._____________66691)
die „Dlattzett" beginnt. Degen Ende des Monats springt der Dock auf das Blatt, eine Jagdart, die vor allem gegenüber dem alten, starken, aber heimlichen Bock, der aller Mühe, aller Ansitze und Pürschgänge seither spottete, häufig zum Erfolg,führt. Auch ohne Benutzung des Blattes bietet um jene Zeit der Aufenthalt im Walde zu allen Tageszeiten die Aussicht auf Weidmannsheil, da die Böcke viel auf der Suche nach Geißen umherziehen. Es ist wünschenswert, wenn mit der Blattjagd nicht vor Ende des Monats begonnen wird, damit der gute Bock sich vorher noch verbergen kann. Um unangenehme Tleberraschungen und noch unangenehmere Folgen zu vermeiden, sei der Anfänger darauf hingewiesen, daß auch Bicken auf das Blatt springen! Also Augen auf! — Im übrigen sind Ricke und Kitz auch weiterhin vor Raubzeug aller Art zu schützen. Wichtig ist jetzt besonders auch eine Heberwachung von Erntearbeitern, Pilz- und Deerensammlern. 3n dem Zusammenhang sei die Jägerwelt auf eine Mode- entgleisung hingewiesen, gegen die sie schärfstens mit allen Mitteln ankämpfen muh, wie es bereits seitens der Haicptorganisattonen geschehen ist: Verarbeitung von Rehkihdeckenl! Ein Gegenstück zur Kalbfellmode!! Wenn hiergegen nicht alles, was ein Jägerherz hat und was sich dem Raturschutzgedanken verschrieben hat, mobil gemacht wird, dann drohen unseren Wildbahnen nette Zustände.
Auf Dirk- und Auerwild, die Junge führen, ruht die Jagd.
Die Fuchsgehecke sind meist ausgelaufen und stecken mit Vorliebe im Getreide. Lleberall im Walde trifft man auf Stellen, wo der Dachs gestochen hat. Dei reicher Äsung setzt er schon gut Feist an.
Der Hase denkt weiter an die Erhaltung seiner Sippe. Auch die Sungen aus dem ersten Sah im zeitigen Frühjahr rammeln noch in diesem Jahre. Wenn das Getreide von den Feldern verschwindet, setzt die Häsin vor allem in Kartoffeln und Rüben, wo Füchse, Katzen, Hunde und Krähen ihren Rachwuchs bedrohen. Gegen die Krähe geschieht viel zu wenig. So wurde erst dieser Tage höchstens eine bis zwei Stunden nach Hellwerden ein Rabenkräheirpaar beobachtet, das einen noch warmer Junghasen von vielleicht 14 Tagen kröpfte. Hoffentlich erkennen die Jäger auch hei uns bald, welcher Feind ihrer Rieder- jagd in der ständigen Zunahme der „Schwarzen" erwächst und helfen mit beim Kampf, wenn er im nächsten Frühjahr, wie geplant, allenthalben ausgenommen werden soll.
Auch die Rebhühner führen Junge. Für ihren Schuh gilt das vorher Gesagte.
In Preußen beginnt mit dem 1. Juli, in Hessen mit dem 16. Juli die Entenjagd. Damit beginnt eine Jagd, die sehr viel Freude und Abwechslung zu bereiten vermag und auch willkommene Gelegenheit gibt, den Hund zu arbeiten. Für uns dürfte nach unseren Wasserverhältnissen dabei im allgemeinen nur die Jagd auf schon flugbare Enten in Frage kommen, während in Revieren mit großen Teichen und Schilfbeständen auch die noch nicht flugfähigen Enten auf Schneisen im Schilf abgeschossen werden, eine Jagdart, die nicht nach jedermanns Geschmack ist. Gegen Ende des Monats setzt auch der Entenzug ein. Cs ist dann mitunter der Anstand an frisch gemähten Gersten- und Haferäckern aussichtsreicher als am Wasser selbst.
Hubertus.
Boruotizen.
— Tageskalender für Freitag. V. f.D.: 8.30 Uhr, Restaurant Germania", außer- ordentliche Generalversamlung. — Reichsbund der Zivildienstberechtigten: 8.30 Uhr, „Stadt Lich", Versammlung. — Lichtspielhaus (Bahnhofstraße): „Der Soldat der Marie". — Astoria-Lichtspiele: „Die 3ndianerschlacht von Santa F6".
— Die Deutsche DemokratischePar- i e i, Kreisverein Gießen, hält Sonntag, 3. 3uli, vormittags 10 Uhr, im „Aquarium" (Walltorstr. 5), ihre Hauptversammlung ab, in der der Vorsitzende der Landespartei, Landtagsabg. Oberamtsrichter Schreiber, Vilbel, und der neue General- fetrclär der hessischen Partei, Dr. Kunze, Darmstadt, sprechen werden. Sie lädt die Mitglieder des Ortsvereins zu dieser Versammlung ein. (Siehe Anzeige!)
— Der Ev. Arbeiterverein veranstaltet am Sonntag im Philosophenwald ein Sommerfest
| mit reichhaltigem Programm. (Siehe Anzeige.
** Die Reinhaltung der Straßen Das Polizeiamt schreibt uns: Rach § 3 des Lokalreglements über die Reinhaltung und Wegsamkeit der Straßen und Plätze auf Aufforderung der Polizeibehörde, die Bürgersteige täglich zweimal, morgens zwischen 6 und 8 Uhr und mittags zwischen 12 und 2 Ähr, mit reinem Wasser zu begießen. Wir machen die Interessenten darauf aufmerksam, die Besprengung der Bürgersteige bei heißer und trockener Weiterung vorzunehmen, da Zuwiderhandlungen der im Reichsstrafgesehbuch, bezw. im Polizelstrafgesehbuch angedrohten Strafe unterliegen.
•* Eine Eingabe der Tierschuhvereine an den Reichstag befindet sich gegenwärtig auf Veranlassung des hiesigen Tierschuhvereins in unserer Stadt zwecks Sammlung von Änterschriften im Umlauf. Es handelt sich darum, beim Reichstag um schärfere Strafbestimmungen für Tierquälerei im neuen Strafgesetzbuch zu Bitten, da die jetzt geltenden und die in dem neuen Entwurf vorgesehenen Strafen für Roheiten gegen die wehrlosen Tiere viel zu gering sind. Daß diese Eingabe der Tierschuhvereine die Unterstützung aller Volkskreise verdient, bedarf Wohl keiner besonderen Betonung. Hoffentlich findet die Liste auch in unserer Stadt die Unterschrift von Tausenden von Mitbürgern.
** Das Bureau des Verkehrsvereins wurde auch im Juni vom Publikum sehr rege in Anspruch genommen. Es erteilte 192 Reiseauskünste, gab 135 Bäderprospekte aus, hatte 165 Anfragen in Gießener Angelegenheiten zu erledigen und beantwortete 257 verschiedene Anfragen. Die öffentliche Fernsprechstelle im Der- kehrsbureau wurde 81mal benutzt, das Reichsadreßbuch 45mal eingesehen. AuZ diesen Ziffern ist erneut ersichtlich, welch große Bedeutung dieses Bureau für die Allgemeinheit unserer Stadt und- für den Fremdenverkehr hat. Im Hinblick darauf sollte dieser Einrichtung des Verkehrsvercins allgemeine Förderung zuteil werden.
** 25 Jahre im Polizei dien st. Am heutigen 1. Julr kann Polizeiverwaltungsober- assistent Georg Klös auf eine 25-jährige Tätigkeit im Polizeidienst zurückblicken. Rachdem er bis zum Jahre 1920 als Polizeiwachtmeister im Außendienst tätig gewesen war, wurde er als Polizeiverwaltungsoberassistent in den innerens Dienst übernommen. Polizeiverwaltungsoberassi--» stent K l ö s hat sich in seiner langen Polizeidienstzeit und insbesondere auch seit der Zeit seiner Tätigkeit auf dem Meldeamt des Polizeiamtes durch feine Kenntnisse, sein Zuvorkommendes Wesen und seine Pflichttreue das Vertrauen seiner Vorgesetzten sowie des Publikums erworben
** 25 3ahre städtischer Feldschütz. Heute kann der Feldschütz Karl Schön, Seltersweg Nr. 68 wohnhaft, auf eine 25jährige Tätigkeit als Feldschütz der Stadt Gießen zurückblicken. Dem noch sehr rüstigen Feldschutzbeamten dürste wohl noch manches 3ahr seiner Tätigkeit zum Schutze unserer Gemarkung beschieden sein.
** V om Botanischen Garten. In den nächsten Tagen wird im Warmhaus i des Botanischen Gartens voraussichtlich die „Königin der Rächt" (Cereus grandiflorus) ihre ersten diesjährigen Blüten entfalten. Die schützen großen Blüten ^schließen sich erst in den vorgeschrittenen Abendstunden und gehen vor Anbruch des nächsten Tages wieder zugrunde. Um sie den Freunden des Gartens zugänglich zu machen.
Aus der Provinzialhauptstadt.
Gießen, den 1. Juli 1927.
Der Haushaltsvoranschlag des Kreises Metzen für 1927
Die Kreisverwaltung fjat soeben den Mitgliedern des Kreistages dssn Voranschlag des Kreises Gießen für das Rechnungsjahr 1 927 zugestellt. Durch den Ue- bergang der Kreisstraßenunterhaltung auf die Provinz hat der Kreisvoranschlag für das neue Wirtschaftsjahr eine erhebliche Senkung der Aufwendungen gegenüber Dem Vorjahre erfahren. Der neue Voranschlag schließt in den Endziffern für das Jahr 1927 mit 646 407 Mk., gegenüber 966 374 Mk. im Vorjahre, ab. Den stärksten Ausgabeposten stellt nunmehr die soziale Fürsorge dar, für die bei 264 431 Mk. Einnahmen insoefamt 451 055 Mk. Ausgaben notwendig sind. (3m Vorjahre 243 792 Mk. Einnahme und 416 712 Mark Ausgabe.) Die Kosten der allgemeinen Verwaltung beziffern sich im neuen Jahre auf 57 816 Mk. (im Vorjahre 130 277 Mk.): die starke Ermäßigung ist darauf zurückzuführen, daß mit dem Niedergang der Kreisstraßen auf die Provinz auch die Straßenbauverwaltung von der Provinz mit übernommen werden mußte. Für den öffentlichen Arbeitsnachweis sind bei 4725 Mk. Einnahmen (wie im Vorjahre) im Jahre 1927 insgesamt 26 900 Mk. (60 902 Mk. im Vorjahre) aufzubringen. Landwirtschaft, Gewerbe und Verkehr sollen bei 2318 Mk. Einnahme (im Vorjahre 2750 Mk.) jetzt mit 18 770 Mk. (im Vorjahre 17 920 Mk.) gefördert werden. Dem Reservefonds will man in diesem Jahre 16 276 Mark zuführen, gegen 40 618 Mk. im Vorjahre. Auf der Einnahmeseite ist das Aufkommen an Kreisumlagen im neuen Jahre mit 270 568 Mk. (im Vorjahre 341 000 Mk.) eingesetzt. Als Anteil an Reichssteuern werden 81 165 Mark gegen 115 500 Mk. im Vorjahre erwartet. Sonstige Kreissteuern sind wie im Vorjahre mit 1800 Mk. eingesetzt. Dem Ausgleichsfond sollen 2000 Mk. entnommen werden gegen 56 000 Mk. im Vorjahr. Als Kapitalzinsen werden 3030 Mk. gegen 2000 Mark int Vorjahr erwartet.
Der Kreistag ist zu seiner diesjährigen ordentlichen Tagung auf Samstag, 9. Juli einberufen worden. Er wird zunächst die Kreiskassenrechnung und den Verwaltungsbericht für 1925 entgegennehmen, sodann den oben in den Hauptzügen skizzierten Voranschlag für 1927 verabschieden, hierauf die Tätigkeitsberichte der Dezirksfürsorgestelle und des Kreisjugendamtes, sowie den Bericht des Kreisschularztes hören. Weiter soll er die Erhebung einer Wertzuwachssteuer in den selbständigen Gemarkungen des Kreises beschließen und den Erlaß einer Kreissatzung über die Fürsorgepflicht im Kreise Gießen gutheißen. Zum Schluß soll er die Wahl der Körkommission vornehmen.
Die Jagd im Juli.
Im Juli beginnt der Rothirsch zu fegen. Er hat in Preußen noch Schonzeit, während er in Hessen überall und zu allen Zeiten dem Gesetz nach Schuhzett hat, toernt er nicht in Revieren echter Weidmänner seine Fährte zieht. Der Abschuß sollte nicht vor Eintritt der Feiste, d. h. ab Mitte August erfolgen. Die Jagd auf den Feisthirsch gilt als die gerechteste Jagd. Alttier und Kälber sind vor Beunruhigung durch Mensch und Raubzeug zu schützen, wobei vor allem an den wildernden Hund zu denken ist. Damwild tritt bereits Ende des Monats in die Feistzeit. .
DaS Schwarzwild hat gute Zett. In Hafer- und Kartoffelschlügen findet es Aesung in Fülle. Besonders der reifende Hafer läßt die Schwarzkittel häufig früher als sonst aus- treten, ja auch mitunter darin den Tagesstand nehmen. Bei Trockenheit werden Suhlen gern angenommen.
Das Rehwild steht zunächst noch viel im Getreide, besonders wenn die Insektenplage im Walde sehr stark ist. Wenn jedoch die Ernte einsetzt, die Unruhe auf den Feldern wächst und die Deckung mit jedem Tag geringer wird, wechsett es in den Wald und in die Feldhölzer zurück. Ilm es an das Revier zu fesseln, ist gerade jetzt die Säuberung und Auffrischung der Salzlecken von großer Bedeutung. Im Laufe des Monats tritt das Rehwild in die Brunft,
„Danke, bann habe ich keine wszieren , an Sie. Die fünf Minuten sind verstrichen."
chen hatte.
Nun kam die Reihe an die beiden Schwindler, eie sollten zum Verhör nach dem Polizeibureau ge- 'racht werden.
' rotz der Menge Menschen, die zusammengerufen •■.lorb^n waren, Kriminalbeamten, Gästen, Portier, .eUnern, hatte sich der Auftritt doch verhältnismäßig in Ruhe abgespielt.
Das lag in erster Linie an den Verhafteten selbst. Asbjörn Krag mußte vor sich selbst zugeben, daß ihm etwas sonderbar zumute war, gegenüber der friedlichen, fast lächelnden Ruhe dieser Menschen. Sie hatten nicht einmal den geringsten Versuch gemacht, zu entkommen. Sie waren überrumpelt worden und hatten sich in ihr Schicksal gefunden, als mären sie unschuldig wie neugeborene Kinder — und doch hatten sie ruhig und vertrauensvoll ihre Verbrechen eingestanden. Fühtten sie etwas im Schilde?"
Bevor Krag das Zeichen zum Abmarsch gab, musterte er die Anwesenden. Der reiche Amerikaner hatte inzwischen das Hotelzimmer verlassen. Zurückgeblieben waren außer Krag und dem Polizeichef die beiden Verbrecher, die beiden Kriminalbeamten, die Kellner und der Portter. Wahrhaftig eine imoo- sante Versammlung; der kleine Salon war fast gefüllt.
wird an den Dlütentagen (die durch Plakat gekennzeichnet werden sollen) die KakteenauSstel- lung ausnahmsweise auch abends 8 bis 9 Uhr (Eingang nur Senck.enbergftraße) geöffnet fein.
° Zwei Unglücksfälle ereigneten sich heute in den frühen Vormittagsstunden. Gegen halb acht Uhr geriet in der Fittingsfabrik von Bänninger der Arbeiter Karl Schmidt aus Rödgen mit der linken Hand in eine Maschine, die ihm die Hand in starker Weise quetschte. Kurz nach acht Uhr kam der Arbeiter Johann Tychi in Odenhausen a. d. Lda. in den Main-Weser-Basaltwerkcn zwischen zwei Wagen der Kleinbahn und trug dabei einen schweren komplizierten Unterschenkelbruch davon. Dr. Hill von Londorf leistete hier die erste Hilfe. 3n beiden Fällen wurde die Freiwillige Sanitätskolonne vom Roten Kreuz herbeigerufen, die mit ihrem Sanitätsauto die Verunglückten nach der Chirurgischen Klinik überführte.
'* ^M ilitärlonzert. Gestern abend fand auf der „Lieöigshöhe" das 2. Abonncmentskon^ert unserer Reichswehrkapelle statt, das bei dem guten Wetter einen sehr starken Besuch aufwies, — war es doch endlich einmal möglich, auch im Freien zu sitzen. Der Hauptteil der Besucher hatte es allerdings vorgezogen, im Saale Platz "zu nehmen, um im Falle eines möglichen gewitterhaften Regens im Trocknen zu sein. Das Konzert nahm bei Abwicklung eines sehr abwechselungsreich zusammengestellten Programms einen ausgezeichneten Verlauf. Die vorzüglichen Darbietungen der Kapelle wurden überaus beifällig ausgenommen, so daß nach jedem Musikstück Einlagen gegeben wurden. Besonders starken Anklang fanden u. a. die große Fantasie aus der Oper „Cavalleria rusticana", die Melodien aus Gounods Oper „Faust" (Violinsolo Herr Waniheck), die große Santafte aus der Oper „Der fliegende Holländer" und die Ungarische Rhapsodie Rr. 2, L-Mvll von Liszt.
** Zur Richtig stellung. 3n dem Bericht über das Turnier des Reit- und Jahrklubs Gießen am vorigen Sonntag („Gieß. Anz." vom 29.3uni, 3. Blatt) muß es beim Reitwettbewerb für Zugendliche unter 16 3ahren richtig heißen: Anneliese Kurz. 3m EruPpenspringen ist der erste Sieger auf „Hella" Dr. Walter Klingspor, ebenfalls ist erster Sieger auf „Erbprinz" Wilhelm Klingspor. _________
Rundfunk-Programm.
Samstag, 2. Juli.
15.30 bis 16 Uhr: Die Stunde der 3ugend. — 16.30 bis 17.45 Uhr: Konzert des Hausorchesters. — 17.45 bis 18.05 Uhr: Die Lesestunde. — 18.15 bis 18.45 Uhr: Der Briefkasten. — 18.45 bis 19.15 Uhr: Gegenwart und Zukunst der Wiener Musik, Vortrag mit Beispielen von Dr. Paul Stefan (Wien). — 19.20 bis 19.45 Uhr: Stenographischer Fortbildungskursus für Anfänger und Fortgeschrittene (Diktat von 80 Silben aufwärts). — 19.45 bis 20.15 Uhr: Die Erweckung des Naturgefühls durch die Dichtung, Vortrag von Dr. K. Kerber. — 20.15 Uhr: Mein Leopold. Volksstück in drei Akten von Adolf L'Arronge, Musik von R. Bial und E. Jonas. — Anschließend bis 0.30 Uhr: Rundfunk-3azzband.
Berliner Börse.
Effelten-Frühverkehr.
Berlin, 1. Juli. (WTD. Funkspruch.) Der erste Tag im neuen Monat zeigt schon im Frrch- verkehr eine sehr feste Stimmung. Die Umsätze sind zwar nicht groß, man hört aber rm Gegensatz zu den letzten Wochen schon relativ viel gesprochene Kurse, die 1 bis 3 Prozent über gestern liegen. Farben 293 Prozent, Gelsenkirchen 180, Harpener 214, Mannesmann 200, Phönix 130, Vereinigte Stahl 146. Wie man steht, sind es in erster Linie Montan- und besonders Ersen- werte, für die Interesse vorhanden zu sein scheint. Am Devisenmarkt nennt man Paris 124.01, Mailand 88,05, Madrid 28,33 und da« Pfund mit 4,8555 bis 4,8560.
Gästen war nichts Auffälliges darin, daß vier Herren zusammen das Hotel verließen.
Asbjörn K.ag führte den Polizeichef eine Etage höher und wandte sich von neuem an den Millionär im Zimmer 26. Gould war gerade damit beschästtgt, seinem Sekretär einen Brief zu diktteren. Doch als er hörte, wer gekommen war, empfing er die beiden Herren sofort.
„3ch habe vermutet, daß Sie kommen würden," sagte er freundlich und reichte ihnen die Hand. „Bei der Sache ist ja noch ein Punkt, über den Sie noch nicht vollständig unterrichtet sind. Sie wissen nicht, warum ich mich mit den beiden Betrügern eingelassen habe, die jetzt hoffentlich jetzt schon hinter Schloß und Riegel sitzen."
„Weil die beiden sich als Polizeibeamte ausgaben", erwiderte Krag. „Sonst hätten Sie wohl kein so großes Vertrauen zu ihnen gehabt."
„Das genügt nicht zur Erklärung der Sache. Wie j erwähnt, hatte ich einen Brief von den Gaunern be- ; kommen. Nun gut. 3n diesem Briefe machten sie ge- ; wisse Andeutungen, die ich nicht unbeachtet lassen j konnte. 3ch bin ganz einfach aus Furcht auf das ; Polizeibureau gegangen. — Sie mögen mir glauben oder nicht."
Asbjörn Krag betrachtete die riesenhafte, von s Gesundheit strotzende Gestalt und schüttelte lächelnd den Kopf. „Furcht?" sagte er. „Das klingt unglaublich!"
„Nicht so unglaublich, wenn Sie erfahren, daß ich ein zum Tode verurteilter Mann bin."
„Don wem sind Sie verurteilt?"
„Von einer Mörderbande."
„So. Und aus welchem Grunde?"
„Es ist nicht so leicht, Ihnen das zu erklären. 3n Amerika geschieht manches, was einem Europäer vollkommen fremdartig und unglaublich erscheint. Wir haben zum Beispiel eine Art von Erpressern, wie Sie sie diesseits des Ozeans nicht kennen. Es fängt so an: Ein reicher Mann erhält ein Schreiben, worin er ersucht wird, eine gewisse Summe bis zu einem bestimmten Zeitpunkt einzuzahlen. Sonst werde seine Sommervilla angezündet werden. Entweder man kümmert sich überhaupt nicht um das Schreiben, oder man Überläßt es der Polizei, oder
Krag wandte sich den Verbrechern zu. „Sie^ha- den wohl nichts dagegen," erklärte er, „daß wir uns gegen alle Möglichkeiten sichern?"
„Wie meinen Sie das?", fragte der Italiener.
„Wir sehen uns genötigt, Sie an den Händen zu fesseln!" *
Eine Grimasse des Unbehagens ging über das Gesicht des Betrügers. „Sie begleiten uns also nicht ins Gefängnis?"
„Nein," erwiderte Krag, „ich habe eben jetzt etwas anderes zu besorgen."
„Und statt dessen schicken Sie Handfesseln mit. 3hr Herz ist nicht besonders romantisch. Da Sie in mir den Haupträdelsführer, den gefährlichen und geschickten Leiter der Bande sehen," — hier lächelte der Italiener — „muß ich mich darin finden, wie ein Straßenränder behandelt zu werden. Aber ich kann 3hnen versichern, mein Begleiter hier ist ein wirklich alter Mann."
Der „alte Mann", der den Namen Raspail führte, war zuletzt vollkommen geistesabwesend und still gewesen. Er schien nicht einmal gehört zu haben, was gesagt wurde. Krag sah ihn an; die mageren weißen Hande fielen ihm auf, worin sich die Windungen feiner blauer Adern deutlich abzeichneten. Er glaubte nicht so sehr an das ältliche Aussehen seines Gesichtes, aber diese Hände konnten ihn nicht betrügen. Er hatte wirklich einen alten Mann vor sich. Eins von den schwachen Werkzeugen des 3ta- lieners. Dieser Mensch folgte seinem Führer schlotternd auf den Fersen und entfaltete selbst nicht die geringste Initiative. Darum entschied,Krag, daß dem Alten keine Handfesseln angelegt werden sollten. Der Mann selbst begriff offenbar gamidjt, was nm ihn vorging — er machte jetzt einen vollkommen abgestumpften Eindruck. Dagegen ging von den Augen des Jüngeren ein Schimmer von Anerkennung aus. Er war den Kriminalbeamten selber behilflich, als sie seine Hände in das Eisen einschlossen. Die Fessel wurde im Aermel des Rockes versteckt.
V.
Asbjörn Krag blieb mit dem Polizeichef im Hotel zurück, während die Kriminalbeamten sich mit den beiden Verbrechern entfernten. Die Verhaftung erregte kein Aufsehen. Die Handfesseln konnte man nicht sehen, und m dem unaufhörlichen Strom von
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für das Feuilleton: i. V. Dr. Fr. W. L a n g e.
man glaubt an die Drohung und sucht sich gegen den Angriff zu schützen. Dann endet die Sache trotzdem damit, daß die Villa angezündet wird — falls man eben nicht bezahlt.
Das ist meistens der Anfang. Ein verhältnismä- * ßig unschuldiger Anfang. Das nächftemal kommt ein außerordentlich kostbares Kunstwerk an die Reihe, eine Luftjacht ober etwas Aehnliches. Und wenn man nicht bezahlt, so nimmt die Sache den gleichen Verlauf wie in dem ersten Fall. Bezahlt man aber, so wird man die Erpresser nicht los, sondern sie lassen dem Opfer nur eine längere Frist, bis sie von neuem von sich hören lassen. Eines Tages kommt aber die entsetzliche Mitteilung: Das Leben 3hrer Frau ist in Gefahr.
Das ist gewöhnlich das erste Signal zu einer fürchterlichen Verfolgung. Meist sind, wie gesagt, mehrere von den erwähnten Fällen vorhergegangen. Die Schurken arbeiten nach einem sorgfältig entworfenen Plan. Sie zeigen, daß sie sich vor nichts fürchten und zu allem imstande sind. Man mag so mächtig und einflußreich, so selbstbewußt sein, wie man will, es ist doch ganz unmöglich, eine folclje Drohung nicht zu berücksichtigen. Viele reiche Leute in Amerika leugnen es ab, daß sie bezahlen, aber fy lügen. An ihrem offenen, furchtlosen Verhalten inerte ich immer, daß sie bezahlt und gewissermaßen ihr Leben versichert Haden. Der Mann, der es wagt, sich gegen die mystischen, geheimnisvollen Tyrannen aufzulehnen, wird schlimmer gejagt als em wildes Tier. Er ist ftiedlos. Sein Leden spielt sich im Verborgenen ab. Er ist auf allen Seiten umgeben von Detektivs, die gut achtgeben, und doch beschäf- ttgt ihn unaufhörlich der entsetzliche Gedanke, daß diese Leute ihm ttotzdem an irgendeiner Stelle teinen Schutz gewähren. Denn bann weiß er, daß der Schlag ihn dort ebenso sicher treffen wird wie die früheren. Kann man sich denn darüber wundern, daß ein reicher Mann sich lieber in der Stille de- i nötigt und seinen Tribut bezahlt? Trotzt man ber Drohung, so führt man ein Hundeleben in ewiger Angst. Die Gesundheit wird untergraben, bas Ge- schäft leidet Schaden, und nicht alle können sich auf einer Festung mitten auf einer öden Insel em» mauern wie Rockefeller.
(Fortsetzung folgt.)


