Ausgabe 
1.3.1927
 
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Kammer auf Umtoegen tmb mit fanffer De­Walt zur 2tatifi)ienmg des Washingtoner Ab- kommenS zu beirren. In diesem Falle mühte man zugeben. dah er einen aeschictten Schach- zug getan hat, der ihm zugleich den guten Wil­len der Amerikaner sichert. Jedenfalls hat Poincars inzwischen die Allmacht der ameri­kanischen Finanzwelt begriffen, und er läßt sich jetzt keine Mühe mehr verdrießen, sie au be­friedigen, da er ohne sie das immer noch nicht volleichete Werk der Stabilisierung der französischen Währung durchzufuhren nicht im­stande sein wird. Diese Erkenntnis nun auch der Kammer einzuimpfen, ist offenbar der Ziel­punkt seiner Finanzpolitik im jetzigen Augen­blick.

Die Aktenpublikation des Auswärtigen Amts.

B e r l i n , 28. Febr. (WB.) Heute nachmittag fand im Hause des Staatssekretärs von Schubert anläßlich des Abschlusses der Akten­publikation des Auswärtigen Amtes zu Ehren der Herausgeber Dr. T h i m m e und Professor Mendelssohn-Bartholdy eine Festlich­keit statt, zu der u a. Staatssekretär Meißner, die Direktoren des Auswärtigen Amtes, der Lei­ter des Schulreferats Dr. Stiebe, Exz. Ro­sen, Gouverneur Schnee, Prof. Hans Del - b r ü ck und Graf Max Montaelas erschienen waren. Staatssekretär v. Schubert dankte den Herausgebern in einer längeren Ansprache im ♦Samen des Ministers des Auswärtigen, Dr. S t r e s e m a n n . für die von ihnen geleistete Arbeit. Er führte u. a. aus. wie sie in rückhalts­loser Offenheit die Schleier von unseren tiefsten politischen Geheimnissen gezogen hätten, um je­dem, der die Wahrheit wirklich sucht, die Mög­lichkeit zu geben, sie zu finden. Die Dollstrecker dieses Beschlusses, die Herausgeber der Akten­publikation, haben sich um uns alle in hohem Grade verdient gemacht. Ihr Werk ist ein Senf - mal für die jüngste deutsche Vergangenheit und zugleich ein überaus wertvolles Vermächtnis an kommende Geschlechter. Im Anschluß daran über­reichte Staatssekretär v. Schubert den Herren Dr. Thimme und Prof. Mendelssohn je ein Dankschreiben des Herrn Reichsprä­sidenten. Außerdem erhielt Dr. Thimme als besonderes Zeichen dankbarer Anerkennung eine Bronzeplakette. In dem Handschreiben des Herrn Reichspräsidenten heißt es u. a.: Die Enthül­lung auch der letzten Geheimnisse unserer diplo­matischen Ziele und Handlungen ist die r ü ck - haltslos offenherzige Antwort auf die gegen Deutschland gerichteten Anklagen hinsichtlich der Verantwortung für den Welt­krieg. In sechs Iahren angestrengtester Arbeit haben Sie mit unermüdlichem Fleiß, mit Um- >icht und mit selbstloser Hingabe an die Ihnen gestellte Ausgabe eine Leistung vollbracht, die uneingeschränkte Anerkennung finden muß.

Neue Tendenzen im deutschen Partelleben. Die Arbeitsgemeinschaft zwischen Zentrum und Bayrischer Volkspartei.

Berlin. 1. März. (Priv.-Lel. des D. A.) Das Berliner Zentrumsblatt, bie® e r m a n i a, kündigt an, daß die Verhandlungen zur Schaffung einer Arbeitsgemeinschaft zwischen Zentrum und Bayerischer Vollspartei sich dem Abschluß nähern, und das Blatt gibt ihr gleich die richtige parteipolittsche Bedeutung, indem es diese Gemeinschaft als den Anfang zur poli­tischen Einigung des deutschen Ka­tholizismus. als eine Antithese zu dem wiederaufkommenden" Liberalismus an­spricht.

In der Tat ist der Doraang, der sich hier zu vollziehen scheint, ein politisch und parlamen­tarisch bedeutungsvoller, denn er verschiebt das Gleichgewichtsverhältnis im Reichstag und im Landtag mindestens für bestimmte Fragen ganz außerordentlich. Das Zentrum, nach 1870 mit den föderalistischen Gruppen Hannovers und anderer Leilgebiete bereinigt, hat bis zum Kriege als Stühe Der föderalistischen Bestre­bungen gegolten. Rach dem Kriege ist es unter dem Einfluß Erzbergers, der besonders auf dem Gebiet der Finanzen eine betont uni» taristische Politik betrieb, von dieser an­gestammten Richtlinie abgewichen und hat sich darüber mit seiner bayeris che n Zweigfrak­tion entzweit, die in der föderalistischen Be­wegung schon seit Iahrzehnten führend war.

Diese schied im Januar 1920 aus und bildete die selbständige Bayeri sche Dolkspartei, die bei den Reichstagswahlen von 1920 20 Man­date, Mai 1924 16 und Dezember 1924 19 er­hielt, nachdem ursprünglich 18 bayerische Zen­trumsmänner die Fraktton gebildet hatten. Die Bayerische BolkSpartei ist also, ebenso wie das Zentrum selbst, eine sehr stabile Gruppe im deutschen politischen Geben; seit Rovember 1923 gehört sie ununterbrochen der Reichsregie­rung an, zuerst durch den Reichsjustizminister C m mi nger , unter Marx, dann unter Luther durch den Reichspostminister S t i n g l und im jüngsten Kabinett Marx durch den Rachfolger Stingls, S ch a e tz e l.

Aber in manchen Fragen, in denen gerade der Gegensatz zwischen der mehr söderalistischen Bayerischen Volkspartei und dem mehrzentralisti­schen Zentrum die Betonung der Selbständigkeit beider Parteien ersorderte, stand geraume Zeit hindurch die eine Fraktion gegen die andere, so in Fragen des Finanzaus­gleichs, in Fragen der Justizhoheit und der Exekutive des Reiches u. a. m. Da­durch wurden die Zentrumsstimmen mitunter pa­ralysiert. Denn wenn man von 68 Zentrums- stimmen 19 entgegenstehende Bayerische Volks­parteiler abzieht, so bleiben nur 49.

Durch die Arbeitsgemeinschaft wird dieses Verhältnis in sein Gegenteil verkehrt; die parla­mentarische Stoßkraft des Zentrums erhöht sich von 68 auf 87 Stimmen und wird damit in manchen Fällen, wo sie bisher durch die ent­gegenstehende Tendenz der DaverischenVolkspartei gehemmt war. neuerdings entscheidend. Der Preis dürfte freilich auf dem Gebiete weit ergehender Konzessionen des Zentrums an die föde­ralistischen 'Neigungen der Bayern sein. Da­mit wird es ihm aber weiter ermöglicht, die sechs Welfen an sich zu ziehen, die bisher noch in der heterogen Aufammengcfetjten Wirtschaftspartei Unterstand gefunden haben. Die Macht des Zen­trums wächst bann nahe an die der Deutschnatio- nalen heran.

die Unterdrückung

Es erregte schon vor einiger Zett lebhaftes Befremden, als die litauische Regierung des Prä­sidenten WoldemaraS durch den von ihr ein­gesetzten Milttärgouvcrneur für daS Memelland erst den Zusammentritt des Landtages für das Memelland verhinderte, dann den Land­tag auflöste, die Wahlen auf den verfassungs­mäßig letzten Termin des 4. März ansehte und sich gleichzeitig weigerte, den Kriegszustand für die WahHett aufzuheben. Zweck dieses Dor- gehens konnte nur die Absicht fein, die Wahl eines Landtages herbeizuführen, der nicht mehr eine so überwiegend deutsche Zusammensetzung haben sollte, wie der aufgelöste. DaS feste Zu­sammenhalten der deutschen Bevölkerung des Memellandes hat durch diese Rechnung einen Strich gemacht, und es bestand kein Zweifel darüber, daß t r o h der Handhabung des Kriegs­rechts der Wahlausgang für die Deutschen min­destens ebenso befriedigend fein würde, wie bis­her. Da hat sich die litauische Regierung zu einem neuen Gewalt st reich entschlossen, indem sie kurzerhand den Wahltermin vom 4. März auf den 8. April, also um fünf Wochen, verschoben hat. Ebenso merkwürdig, wie die Maßnahme selbst, ist die dafür angegebene Begründung. Aach der Erklärung der litauischen Regierung sind die Stimmlisten noch nicht fertig aufgestellt, toeil sich viele Unklarheiten darüber ergeben haben, wer im Memelland wahlberechtigt ist.

Es ist richttg. daß ein eigentliches Wahl­gesetz für das Memelland noch nicht be­steht. Schuld an diesem Mangel träat die li­tauische Regierung, die bisher das Zustandekom­men eines solchen Gesetzes verhindert hat. Wenn wir als Milderungsgrund die inneren Wirren Litauens gelten lassen wollen, so durste die

des Memellandes.

litauische Regierung das jedoch nicht als Vor­wand Dafür nehmen, das Zustandekommen einer Wahl überhaupt zu verhindern. Maßgebend ist unter solchen älmstanden selbstverständlich das vom Völkerbund genehmigte Statut für das Wemelland. das die Einrichtung besonderer Bürger des Memellandes getroffen hat. ES können also stir die Dahlausübung nur solche Personen als berechttgt in Frage kommen, die bei der Wahl des ersten Landtages mitgestimmt haben oder wahlberechtigt waren. Ihrer Ge­waltpolitik hat jedoch die litauische Regierung dadurch die Krone aufaesetzt, daß sie verfügt hat, im Memelland sei jeder Litauer wahlberechtigt, der sich am Wahltage dort aufhalte. Es würde unter solchen Umstän­den den lttauischen Gegnern der deutschen Be» bölferung ein Leichtes sein, zum Wahltag ge­nügend litauisches Stimmvi^ nach dem Memel­land zu schasten. um den Wahlausgang zu Un- gunften der eingeborenen und allein bered)tig- ten Bevölkerung zu beeinflussen.

Zweifellos wird eine Beschwerde des Memellandes über eine solche Behandlung an den Völkerbund gehen, der dann darüber zu entscheiden haben wird. Wahrscheinlich denken bie Litauer, daß dann die Ratstagung deS März schon vorüber ist unb daß sich bis zur nächsten Tagung im September manches ereignen kann, was diese Vorgänge in den Schatten stellt. Ob diese Rechnung sttmmt, wissen wir nicht. Wohl aber wissen wir, daß ein solches Ver­halten der lttauischen Regierung sich nicht ver­trägt mit den von ihr eingegangenen Verpflich­tungen und daß durch eine solche Politik daS Verhältnis LttauenS zu Deutschland nicht günstig beeinflußt werden kann.

Die ganze Entwicklung zeigt ein Wieder­erwachen der parteipolitischen Kräfte der Vorkriegszeit; Fragen wie Konkordat und Schulgesetz werden dadurch zu solchen ersten Ranges und der liberale Gedanke sieht sich in einer Defensive, die ihn gleichfalls zu Bemühun­gen um die Zusammenziehung seiner Kräfte zwingen wird.

Der Stand der Arbeitslosigkeit.

Berlin. 28. Febr. (WTB.) Die Zahl der Hauptunterstüh'-ingscmpsänger in der Erwerbs- losensürsorge zeigt in der ersten Februar- Hälfte einen weiteren Rückgang um rund 66 000 gleich 3.2 Proz. Die Zahl der Zuschlags- empfanget verringerte sich von 2 090 000 auf 2 034 000. Vom 15. Ianuar bis 15. Februar ist die Gesamtzahl der Haup'unterstützungsempfanger um rund 79 000 zurückgeganyen. In dem gleichen Zeitraum ist die Zahl der tn der Krisen­fürsorge Unterstützten von 138 000 am 15. Januar auf 192 000 am 15. Februar gestiegen. Das Ge­samtergebnis für die Zeit vom 15. Januar bis 15. Februar ist eine Verminderung in der Zahl der Arbeitslosen um rund 25 000.

Frankreichs Handel mit Deutschland.

Paris. 28. Febr. Eine offizielle Statistik über den Außenhandel Frankreichs ergibt, daß Frankreich im Januar 1927 Waren im Werte von 380 642 300 Franken aus Deutschland ein» geführt hat gegen 245 903000 Franken im Januar 1926. Die Ausfuhr französischer Waren nach Deutschland belief sich im Januar 1927 auf 395 439 000 Franken gegen 208 762 300 Franken im Januar 1926. Zur Beur­teilung der Einfuhrziffer aus Deutschland ist es notwendig, in Rechnung zu stellen, dah der über­aus größte Teil in Reparationen, d. h. in Sachlieferungen, besteht.

SchUeffenlag des Generalstabs.

Berlin, 1. März. (Wolff.) Der Verein der Angehörigen des ehemaligen Gene­ra l st a b e s (Vereinigung Graf Schliessen) hielt, wie üblich, am 28. Februar, dem Geburtstag des verewigten Generalfeldmarschalls, in den Sälen des Rheingold" zu Berlin seine Jahresversammlung ab. Nachdem der geschäftliche Teil der Tagung unter dem Vorsitz des Generalseidmarschalls v. M a ck e n - s e n erledigt war, folgte ein gemeinsames Essen der über 400 erschienenen Mitglieder, an dem der Ehrenvorsitzende des Vereins, Reichspräsident Generalfeldmarschall o. Hindenburg, der Chef der Heeresleitung, General Heye, sowie viele be­kannte Armeeführer aus dem Weltkriege teilnahmen.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichspräsident empfing den deut­schen Gesandten in Warschau Rauscher.

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Im Auftrage des Reichskanzlers hat der Präsi­dent des Landesfinanzamts Karlruhe, Stamer, am Grabe des Reichspräsidenten Ebert anläßlich der Wiederkehr seines Todestages namens der Reichsregicrung einen Kranz mit schwarzrotgoldener Schleife niedergelegt.

Das Befinden des Reichstagsoräsidenten Lobe war Montag ausgezeichnet. Das Fieber ist fast voll­ständig verschwunden, die Temperatur vollkmnmen normal. Auch die Herztätigkeit ist nicht gestört. Der Patient befindet sich in guter Stimmung. Auch die Heilung der Operationswunden nimmt einen durch­aus befriedigenden Verlauf.

Ministerialdirektor Posse ist mit der deut­schen Wirtschaftsdelegation in Paris ein­getroffen. Dienstagvonnittag findet die erste Sitzung mit der französischen Handelsvertrags- Delegation in Anwesenheit des französischen Handelsministers B o k a n o w s k i statt.

In der paritätischen Kommission der Arbeitgeber- und Bauarbeiter Organisationen ist eine Eini­gung über sämtliche bisher besprochenen Punkte erzielt worden. Da die Lohnabkommen für das Bau­gewerbe am 28. Februar ablaufen, sind sie. um die Beratungen nicht zu stören, überall bis zum 31. März verlängert worden.

Der am 22. Februar zur Schlichtung der Ar­beitszeitstreitigkeiten im oberschlesischen Bergbau im Reichsarbeitsministerium gefällte Schiedsspruch ist von allen Tarifparteien a n - genommen worden Die Arbeitszeit ist damit bis zum 31. März 1928 tarifvertraglich geregelt.

Kunst und Wissenschaft.

Ludwig von Zumbusch f

München, 28. Jebr. (IDIB.) Am Montag- ! nachmittag ist hier der Maler Professor Ludwig ! Ritter v. Zumbusch im Alter von 65 Jahren g e - Horben.

Zumbusch ist am 17. August 1861 als Sohn des DllbhauerS Prof. Caspar v. Z. geboren. Er erhielt seine erste Ausbildung auf den Akade­mien von München und Wien, arbeitete ein Jahr lang tn Paris unter Bougereau und Fleury, später wieder in München unter Lindenschrnit. Ausgedehnte Reisen führten chn nach Abschluß seiner akademischen Studien nach Italien, Grie­chenland und bis in die Türkei; sicherlich sind auch diese Lehr- und Wanderjahre nicht ohne Einfluß auf den jungen Künstler geblieben. Das Beste aber, was er zu geben hatte, schuf er aus Eigenem; man mag Zumbusch dieser oder jener Schule oder Richtung zuweisen, wesentlich bleibt doch die ganz persönllche Haltung, da- Unver­wechselbare aller seiner Bilder, von denen jedes einzelne sofort aus hundert andern herauszufin­den ist. Der ausgesprochene Eharakter der Ma­lerei, die eigentümlich weiche Tongebung, die ohne Beispiel kaum näher zu umschreibende typische Zusammensetzung der Palette sind es vor allem, die dem Werk des Verstorbenen bleibenden Wert sichern. Von Zumbuschs bekannteren Arbeiten seien hier nur genannt:Die Hochnothpehnlichen". »Die Hexe", »Kind mit Ball",Susanna" unb ein vielverbreiteter Kinderveigen.

Ein Regerfesl In Jronffurt

Die Max-Regergeiellschaft und die Stadt Frankfurt veranstalten gemeinsam das fünfte Reger-Fest vom 26. bis zum 30. April. Unter Leitung von Professor Clemens Krauß werden an fünf Abenden folgende Kompositionen auf» geführt werden: öinfonietta. Symphonischer Pro­log, Mozartvariativnen, der 100. Psalm, zwei Streichquartette. Klavierquartett A-QRoIl, op. 133, das nachgelassene Klavierquintett, Lieder. Motet­ten und Orgelwerke.

Aus aller Welt.

Rosenmontag am Rhein.

In Köln waren schon drei Stunden vor Be­ginn der Kappenfahrt sämtliche Straßen der Dorn­stadt, durch die der Zug führte, von einer dichtge- drängten Menschenmenge umsäumt. Kein Fenster war leer und die Jugend hatte sich Dächer und Bäume zum Beobachten des Treibens ausgesucht. Die Zahl der Zuschauer wird auf über eine Million beziffert. Zur Absperrung war die ge­samte Schutzpolizei Kölns aufgeboten, der es oft unmöglich war, die begeisterten Menschen zurück­zuhalten. Unter den Klängen der neuesten kölni­schen Karnevalsschlager zogen die Reiterkorps in ihren historischen Trachten vorüber. Es folgten die Gruppen und Wagen, die überall mit stürmischem Jubel begrüßt wurden, der sich zum Höhepunkt steigert, als der Wagen des Prinzen Kar­neval erscheint, von dem Blumen und Bonbons an die Menge verteilt wurden. Der unter dem MottoReue Zeit" stehende Festzug war der erste feit 13 Jahren, lieber den Mainzer Faschingsrummel haben wir im provinziellen Teil berichtet.

Ein Römerkastell an der Lahn.

Bei größeren ßr bar beiten fand man auf her Lahnhöhe, in der Rähc der Lahnmündung in den Rhein, ein umfangreiches Römerkastell, das wohl, wie Vie weiter betriebenen Forschungen andeuten, einen bedeutenden Umfang hatte und wissenschaftliche Erforschungen ermöglichen wird.

von einer Schneelawine begraben.

In der Rühe von Turin wurden in der Aachi vom Sonntag auf Rlontag Skiläufer zwei Herren und zwei Damen die einen Berg- ramm überschreiten wollten, von einer Schnee­lawine überrascht und begraben. Einer der Herren konnte sich nach zweistündiger Arbeit frei machen und in der Schutzhütte dort anwesende S.i.äuser benachrichtigen. Rach mehrstündigen Anstrengun­gen tonnten die übrigen Mitglieder der Partie aufgefunden, aber nur a!8 Leichen gebor­gen werden.

3n den Bergen vermißt.

Seit über zehn Tagen werden drei Zü­richer Alpini st en vermißt, die von dem Glacier Tacul aus eine Mont Dlane-Be- ft e i g u n g unternahmen Don Zürich ist eine Rettungstolonne in Chamonix eingetroffen. Man vermutet, daß die Verschollenen durch das äußerst schlechte Wetter der letzten Tage i n einer Berghütte zurückgehalten wurden Bis zur Stunde war jede Rachfvr-

schung unmöglich. Der M Gens stationierte Flie­ger der Ad Astra-Fluggesellschaft will ver­suchen. das Gebiet abzusuchen und eventuell Proviant abzuwerfen.

Vom Zuge überfahren.

Ein von Hürnbcrg kommender Persvnenzug überfuhr bei dem Bahnübergang zwischen Ellrichshausen und Erailsheim ein Fuhrwerk. Die beiden Begleiter des Fuhrwerkes unb die Pferde wurden getötet.

Der Uebersall bei Mühlhausen fingiert

Der Raubüberfall auf einen Post­wagen bei Mühlhausen (Thüringen) war fingiert Die polizeilichen Feststellungen haben ergeben, daß der Führer des Wagens sich die Verletzungen selbst beigebracht und den Betrag von 1000 Mk. unter­schlagen hat. Der ungetreue Beamte wurde ver­haftet

Verhaftung einer internationalen Hochstaplerin.

In Berlin ist die 36jähritzc Frau Marie Lustig aus Graz verhaftet worden, vie hat feit vier Iah- ren abwechselnd in Berlin, Wien und Prag in den Bureaus großer Unternehmungen Bettage von durchschnittlich 400 bis 500 Mk. erschwindelt, indem sie sich als Gattin eines Direktors ober Aufsichtsrots- Mitgliedes von großen Firmen ausaab, der auf der Reife ihr Gepäck gestohlen worden fer~

Wettervoraussage.

Wechselnd bewölkt, milde, Dornriegenb trocken, höchstens vereinzelte Niederschlagsschauer.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum: 12 ®r. Celsius. Minimum: 8,5 Grad Celsius. Niederschläge: 0,9 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 8 Grad Celsius.

Aus der Provinzialhaupiftadt.

Dießen, den 1. März 1927.

Mei' Meinung.

Wer. wie ich, fei Lewenslicht in der Zozzelz» gah' erblickt Hot, die Gödehschul besucht Hot, bie dünn emo ls noch gor net so großordig uffrifierfc wor, unn wo s dodemols nach middelalderllche Grundsäh noch geheerig B^rnb gewwe Hot, wenn armer von uns Gießer Buwwe in der Eheografie die Wollegah mit der Löwegah verwechsett ge- hot Hot. wo doch der Ahldrneisder Peßdalotzi in feine lowenswerte Grundsatz das Haage uffs Hinnerdell vo de Kinner ausdricklich verbotte hot. wovont awwer mei Meisder biß uff de heudige Dag noch nix versteht, also, teer wie ich e Zobels» gäbet Bub iS. der wowas geheeriaes gelernt Hot, braucht net mit dem Duden" dorch unser ei'heimisch Schdätche ze geh. fonnem der lind sich aach schon aller drinn ze räächt unn ver- wexelt aach kei' Kaplansgaß nett mit der Ka- derinegah. Häi bei uns in Gieße, wa s mer aach groad so gud »Gaiste" schreiwe berft, weil's im Lewe net bläßlich en Konnerad Duden, fonnem aach en guftaf nagel gewwe Hot, wo jeder fei' Berechtigung Hot, braucht mer kein Duden net unn sinn sich aach s o zerecht. Awwer uff Fassenacht jo alles erlaubt unn mein' s iw We­gescheiter odrvgrafischer Kolleg, der so schee mit dem .Duden" bescheid weih, soll sich mir emol «'schließe unn dann dappe mir zwaa emol zu- famme häi e bißche in unßerm ah Id Rest erimm, wo er jo offefichllich sehr gut Bescheid weiß, unn gucke uns emol weidet um, wos mer da noch scheenes filme duhn. »Dgdn unn Kallche". .in Kombanie", heiße mer dann die Firma. Mer leimte jo bann getrennt marschiern unn vereint haage. Ans will ich mei'm linftige Kornrnbanjo schont heut soage: Es heißt net Giessen und heißt net Gießen unn heißt aach net Giehsen, fonnem mei Badderschdadt schreibt sich ewe so a'sach wie richdig ,Gäiße", unn dann wisse auch die Wissiger unn die Heuchelhamer unn die Cier» unn Käsweiwercher aus unsteter scheene Um» gegenb, wos sor e Weltplatz eigendlich gemaant is. Denn mer muß mit de' Mensche deutsch red de unn so, unn so, wie en der Schnawwel gewachst is. Wann Gäiste awwer emol werllich Drost- schdadt, wie s unsterm Teeaderditekdot grob basse kennt, wie er owwer sehr richdig aach ohne Fernseher voraußgeseh hol. dann kenne se all» mitenauner ir schee Mudderschbrvach an de Hagel hänge, wies die Rochborn in Frankfort aach ge- dahn hawwe, wo wer aach net mehr unncr» schade kann, ob aner vo Sachsehauhe stammt oddet aus der Babbegeigah.

»Gäiße wird Grohschdadt," dem Schicksal gehts unweigerlich entgege, unn bann gehtö unh nachher, wie s am Sunndagowend im Schdadt- teeaber ze seh' woar. wo unser ei heimisch Mudderschbroach not noch der Schuldiener zu redde verschdanne Hot, der, wo daS hunnerd- bausigst Gäister Kind kriegt Hot unn noch ans dezu, unn wo doch wahrhaftig laa' elf BezirkS- schule sor soen Kinnersege ausreiche dähde duhn. Zu bete Äinnerfegefrag berf sich awwer en Lehrling, unn wenn er sogar e Schusderlehrling iS, net so äußern, wie er gern mecht. Mei moderner Meisder Hot nämlich laa Älnner net, boberfier hawwe se awwer besdo mehr Krach im Haus unn alle Par Aageblick feggt fei' Fraa zum: ,Moch'. daß de Widder in bclihle Grund" lirnmst." Dos sagt fe nämlich oft zum Masder. Am Sunndagoweb woar'n se nu ganz anig im Teeader. Mondagmorgend awwer ging's mit der ahld Leier doch Widder vo vorn aa. So um die richdig Friehschbicksmeifderzeib er um. wo so e Lehrbub emol richdig Luft schnappe kann, läßt mei' Meisder uff emol Absäh Abfäh fei', unn will sich hamlich bride. Beim Guhd' gab'» nämlich frische Solwerknechelcher. llnster Ahld Hot awwer de' Schnuppe mit ihrer spitze Roas scho getoche unn Hot dem Masder de Weg ver­trete unn Hot gesagt: .Gesterd owend im Teeader unn heut morgend zum Friehschobbe? Mecht met's so innere Grohschdabt? Glaabst de, es toärn noch die ahle Zeibe?"6i. du verdammt Rörgelmeiem. Hot der Masder gefagbl Mei' Arweid is meines Lohnes wert, koch bei' Kar- doffelsupp unn geb häi dem Kallche net so e schlächd Beispiel vo' Wibersehlichleitl Ich sein der Herr im Haust!" _6i 'sei st be beim ganz verrickt? Glaubst de bann weil heut Fasfenacht is. lennst be der erlaawe. die povr Trumbel. die be verdienst, dem Fensder enaus zu schmeiße? Obber mit Ameriganerinne zu bussiern, die dich ahle Esel an deiner dumm Äoas erimm fiefirn? .Schwei schdill, Rörgermeiem. halt die Dusch, dumm Schinnoos wos be beft! Mit dem 3ebbe­im biste uff be Schifseberg aefloge als ob be net bist uff be hohe Rodswpp hätt'st Weiber fliege könne. bann hätt'st be doch bei unh in der Rochbarsschaft net fo die Gemieblichkeid ge­stört Ich mach Direckder Schb^'göbders ezend