Ausgabe 
1.3.1927
 
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m. 50 Erster Blatt

177. Jahrgang

Dienstag, März 1927

Gietzener Anzeiger

General-Anzeiger für Oberhesten

.cftoRlo:

Sranntirt, i mai l 116M. TW mtb T>cHcq t veLhl'sche UktversilLtr.vvch. mtö Steinbrnderet R. Lange in Gießen. $dfrtftldteng und SefchästrfteSe: 5chn!Nraße 7.

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Dr Friedr Wild Lange. DeranNvorllich fürPohtili Dr Fr Wilh Lange, für FeulUelon Dr H Tbynot; für den übrigen Teil Ernst ylumfdifin; für den An« zeigentril i. Derlr 6. Deck, sämtlich m Gieren

Erschein» täglich,avtzer Sounlag» und Fererlag»

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Anschrift für Drohlnach» richten Anzeiger Gietze«.

Der Kamps um Asien

Britische Halbheiten

Deutschland

und der englisch-russische Konflikt

unzulässiger Wahlen für zu haben.

die deutsche Seite Partei ergriffen

Schanghai

in dem sie beschuldigt werden, in Weise gelegentlich der Gemeinde-

behörde beschlagnahmt worden sei. Die 3ciiung teilt ferner mit, daß gegen die für den AuShang verantwortlichen Direktoren der Henckel- fchen Werke ein Strafverfahren eingeleitel worden fei, in dem sie beschuldigt toerSen, m

Der Ausweisungsbefehl war erfolgt, weil auf den gräflich Henckel schen Werken Anschläge erschienen waren, daß die fälligen Löhne der Arbeiter nicht auSgezahlt werden könnten, weil das hierfür bestimmte Geld von der Steuer-

Daß eine solche Lösung ebenfalls nur eine un­beholfene Halbheit wäre, die keine entschei­dende Aenderung der KonfllttSlage bringen würde, ist einleuchtend. E. M u k d e n.

Die russische Antwortnote.

Meine neue Aktion Englands.

London. 28. Jebr. (Keuler.) Ucber die And wart der Sorojctrcgicrung auf die britische Jloie wird vom Kabinett in feiner nächsten Sitzung be­raten werden. Ls besieht feine Neigung in maß- gebendcn Kreisen in London, den Inhalt der Ant­wort )u kommentieren, von gutunterrichteter Seite wird jedoch die Ansicht vertreten, dah die Sowjet­note aus die britische Jlote feine Antwort gebe und die von der britischen Regierung erhobenen Bc* fchuidigungen ju umgehen versuche. (Einige Mi­nister sind für einen sofortigen Bruch und fühlen ihre Stellung durch die Antwort Litwinows gestärkt. Cv wird jedoch angenommen, dah sich das Kabinett mit dem Protest begnügen wird, und dah vorläufig feine weitere Aktion unternom­men wird.

Man begegnet sehr häufig der Meinung, bah der Gegensatz zwischen England und bei Sowjet- Anion. wie er sich durch die lehren Jahre hin- zieht, nicht» andere» sei. al» die Sortierung Der alten Rivalität zwischen Albion und dem Zarenreich, nur, eben gemäß dem gewandel­ten politischen Charakter Rußlands, nicht mehr eine mit den Mitteln aller 'Diplomatie verkappte, sondern Immer offener zutage tretende Rivalität. Wer. fich auf diesen Standpunkt, der den Schein äußerer Richtigkeit für sich hat, stellen wollte, würde den wahren Stern deS anglo-russischen Gegensatzes vollkommen übersehen. R.emals hätte e» zwischen dem alten russischen Reich und Eng­land zu einer derartigen Stonffiltlagc, wie hc ßeute namentlich in der China-Frage besteht, kommen können, au» dem etnsachen Grunde, weil beide Großmächte zwar Rivalen, doch beide An­hänger eine» und demselben austenpolirischen, näm­lich imperialistischen Prinzips waren. Ganz ander- England und die heutige Sowjet- Union. Bereits in den Uranfängen der sowjeti­schen Orient-Politik, in demBriefe Droht iS an den persischen Gesandten in Petersburg vom 29. Januar 1918, kommt der wesentliche Unterschied der zaristischen und der sowjetischen Asienpolitik zum Ausdrucks nämlich der Wille dieser letzteren, aus olle herrschaftliche Position in den Orientlän­dern und die sich daraus ergebenden Dorteile zu verzichten. WaS m dem Briefe Trotzkis da­mals erst alS Absicht angckündigt worden war, wurde später in den Verträgen mit Persien, mit der Türkei, mit China verankert Selbstverständ­lich bedeutete ober diese Politik keineswegs ein Desinteressement an den Orient ländern; ganz tm Gegenteil daS Epochemachende an ihr war ein Sich-Solidartf ieren her Sowjetmacht mit die­sen Ländern.

Daß hierin eine teil» versteckte, teils übrigens schon damals offen zugegebene Spitze gegen die englische Kolonialmacht log, leuchtet ein. Es war aber nicht mehr eine einfache Rivalität, wie in der Vorkriegszeit: eS war. eben hrfotge der neuen Methode, ein innerer, grund­sätzlicher Ä am pf. Dieser älnterschied entging freilich England nicht. daS in dem Handelsabkom­men mit Sowjetruhland vom Jahre 1921 ganz offen den Rachdruck auf die Einstellung der antienglischen Propaganda legte. Diese Vertragsklausel war natürrid) eine Rai- vität. Gewiß, man vertraute englischerseits auf die Allmacht des Kommerz: hierfür ist schon die Aufnahme dieser hochpolitischen Verpflich­tung in das Handelsabkommen kennzeichnend man hatte ja für den Fall, daß die Sowjets von der Propaganda doch nicht ablassen sollten, die Drohung De» Abbruches der Handelsbezie­hungen in Bereitschaft und hoffte, angesichts der mißlichen Wirtschaftslage SvwjetrußlcmdS, auf die Wirksamkeit dieses Damoklesschwertes, das zwar nicht aus Stahl, wohl aber was den Engländern noch besser erschien aus Pfund­noten erschossen war. (Wie stark übrigens auch jetzt noch dieses kommerz.elle Motiv ist, erfleht man aus der am Schlüsse dieses Artikels wieder­gegebenen neueren Reuter-Meldung.) Allein eS war von Anfang an ein falscher Kalkül ge­wesen wie jetzt England sehr empfindlich zu spüren beformnt. Dic Psychologie Rußlands, ganz besonders die der Sowjet-Leute, ist nicht die Psy­chologie ©nglanM Das Prestige und die Ideo­logie deS Befreiers Asiens gingen Moskau sogar über die konnnerziellen Interessen. Aber je weiter die Zeit sortschritt. desto mehr wurde der Kamps gegen England auch zu einer Frage der ver­änderten weltpolitischen Taktik der Sowjets. Diese Veränderung wurde durch das Schwinden der Aussichten auf eine soziale Revo­lution in Europa bedingt. Statt sich in der Echü- rung von Einzelaufständen in verschiedenen euro­päischen Ländern zu verzetteln, erschien es da richtiger, die ganze Äraft auf den Kamps gcaen den mächtigsten Träger deS Kapitalismus ~ in der Welt gegen England zu konzentrieren. Sehr deutlich tritt diese veränderte Takttk in Trotzkis bekanntem, auch in» Deutsche übersetzte Buch.Wohin treibt England?" hervor. Und erst vor kurzem, in einer Liebersicht über die inter­nationale Stellung der Sowjet-Union im Beginn deS Jahres 1927. konstatierte das Volkskommissa­riat des Auswärtigen vollkommen richtig, daß die 'Politik der Union in Europa passiv geworden ist. daß ihre Beziehungen zu den europäischen liächien im ganzen schiedlich-sriedlich imD. daß hingegen die Aktivität der Sowjets sich nach Bsien verschoben hat unb eben darum von allen europäischen Mächten die gespanntesten Be­ziehungen mit England herrschen.

Außer der Bekämpfung Englands als Ko­lonialmacht in der weiten Welt draußen wurde aber in die Strategie der Sorpjets ein neues Mittel ausgenommen, das gleichfalls in jenem Buche von Trotzki klar und scharf herauSgearbeitet ist: England auch im Innern zu bekämpfen, und zwar durch Stärkung und Radikalisierung feiner Arbeiterbewegung. Der britische 5t o b - lenstreik bot eine willkommene Handhabe, diese Theorie in die Praxis umzusetzcn. Mit loclchem destruktivem Erfolg für Englands Wirt­schaft ist allbekannt. Der Kahlen streik, der so tief in die englische Wirtschaft eingriff, bilder« zweifellos jene Grundlage, er schuf jene Anno- Iphäre. die die Voraussetzung der scharfen Wen­dung in der heutigen Krmsliklslage bildet, toerm

Nur ein Teil der Londoner Morgenblätter nimmt zu der rufsischen Antwortnote truifd) Stel­lung. DieMorningpoft" glaubt in der rustlscyen Ant- wort einen weiteren Beweis für die Frucht- losigkeit der Notenubermittlung an Rußland zu letjeii. Litwinow, der die Aniwort ennoorjen habe und der als ein äußerst geschickter Wortklauber bekannt sei, habe die Gelegenheit benutzt, zwei Fliegen mit einem Schlage zu treffen, indem er nämlich ein diplomatisches Do- tunient mit politischer Propaganda gemacht habe. Die liberaleDai 1 y Chronicle" stellt fest, daß die russische Regierung in ihrer Antwort um den Kern der jrage herum ge gangen sei. Plastau verteidige die Reden und Artitel, über die in der bri­tischen Rote Klage geführt worden war, nut der Bc- gründutzg, daß sic nichtamtliche Aeußerungen oon Russen in Rußland feien und daß sich Moskau London gegenüber niemals verpflichtet habe, die Freiheit der Rede innerhalb der russischen Grenze zu beschränken.

England und Polen.

Bcfchwichligungsvcrsuchc desDaily Telegraph".

London, 28. Febr. (WTB.) Der diploma­tische Korrespondent desDaily Telegraph" schreibt: Die Besorgnis der deutschen öffentlichen 'JJteinung über die gegenwärtige Spannung der englisch-russi- schen Beziehungen wird, wie ich höre, von der deutschen Regierung geteilt. Sttesemann selbst soll sehr beunruhigt sein und die Möglichkeit feiner Rückkehr nach Berlin vor Zusammentritt des Bölkerbundsrales, auf dessen Sitzung er den Borsitz führen wird, erwägen. Inzwischen Hal er Lord d'Abernon einen Besuch abgestattet, der in der Lage gewesen sein dürfte, den deutschen Minister bc- züglich irgendwelcher grundsätzlicher Mißverstand- nis,e zu b e r u h i g e n , die in Berlin hinsichtlich der Grundsätze der britischen Politik entstanden sind. Der Korrespondent erklärte für unrichtig, daß die in Demsd-land und Europa verbreiteten Rachrich- ten", daß Großbritannien Polen eine A n - leihe von 10 Millionen Pfund Sterling verspro­chen habe, wofür Polen englisches, statt, wie bisher, französisches Kriegsmaterial kaufen werde, zweitens, daß Großbritannien, welches Polen als Sturmbock gegen Rußland zu gebrauchen wünsche, versprochen habe, keine Revision der deutsch-polnischen Gren­zen während einer Periode oon 15 bis 25 Jahren zuzulassen, und drittens, daß das Fehlen einer Be­zugnahme auf die Rheinlandräumung auf der Tagung des Völkerbundes auf polnischen Druck zu:vickzuführen sei.

Der Berichterstatter fährt fort, es fei kaum nötig, darauf hin-unreifen, daß Anleihen, die Polen mög- llcherweije in London suchen werde, nur für kom­merzielle Zwecke verwendet würden. Sir Austen Chamberlain habe immer wieder die Absicht, Polen oder die Randstaaten zu militärischen Aben- tcuem ju ermutigen, öffentlich in Abrede ge­lt e 111. Die britische öffentliche Meinung würde nie 3j irgendeiner Garantie der zweifelhaften Ost grenzen Europas ihre Zustimmung geben, obwohl einige der Randstaaten eine derartige Ga rantic zu erhalten wünschten. Ueberdies sei Dr Strefemann sich bewußt, daß das Anschneiden der Rheinlandfrage im kommenden Monat infolge der Haltung Poincarss lediglich die Wiederbe- lebung der sicheren deutsch - französischen Kontroverse bedeuten würde.

Ein korrigierter Ausweisungsbefehl.

Kattowitz, 1. März. DiePolonia" mel­det. daß der hn Rovember vorigen Jahres er­lassene Ausweisungsbefehl gegen denGeneral- direktor der Verwaltung der Graf Henckel Donnersmarllchen Werke, Schultz, berichtigt worden ist. Generaldirektor Schultz behält fei­nen Wohnsitz in Ost-Oberschlesien ned) ein halbes Jahr bei und erhält dann die Genehmigung, so oft er will, nach Ostvberschlefien zu fahren und dort sein Amt auszuüben.

Das ftanzösisch-amerilanische Zchuldenregelungsablommen.

Paris, 28. Jebr. (IDIB.) Die haoasagenlur iteUt fest, daß die französisch-amerikanischen Ver­handlungen über den Abschluß eines provisorischen Sdjulöenregeltmgsabtommens zwar einen günstigen D.-rlaus nee,men, aber noch nicht a b g es ch l o f - r n seien. 3n unterrichteten Kreisen habe man heule vormittag angekündigt, daß die Unterzeichnung des Abkommens noch oon der Richtigstellung einiger kleiner Einzelbestimmungen abhänge.

Daß Präsident Eoolibge den Vorschlag Porncares, die erste Rate der nach dem Washingtoner Abkommen fälligen Schulden- ^hlung Frankreichs zu leisten, ohne damit die Verpachtung zur Ratif izierung des Ab- kommens selbst zu übernehmen, begrüßt hat, nicht weiter überraschend. "Wenn auch keine rechtliche Verpflichtung Frankreichs vor Ratzsi- zrerung de» Abkommens vorhanden ist. so liegt in der Abzahlung der ersten Rate doch eut 1Eingeständnis der fron-» roflschnr Regierung, wie es sich Washrngton nicht besser wünschen kann. Die Vereinigten damit ein nicht zu unterschätzendes Druckmittel oranrreich gegenüber in die Hand oekvmmem Vielleicht war gerade das auch die Absicht Poincar6». um so seine widerspenstige

auch der äußere Anlaß zu dieser Die Schwierig­keiten England» in Lhina sind.

3m Rahmen des China-Problem» aber ist es. abgesehen von der nationalen Schädigung der englischen 3nt er offen im Reiche der Mitte, vor allem das Schicksal deS englischen Me­morandum», das zu jener Wendung beitrug. 3n diesem Schicksal offenbarte sich ja die völlige Isolierung und die ganze Unbeholfenheit Englands in der Chinafrage. Die bekannten Ar­tikel Garvins im .Observer" sind ja nichts wie ein verzweifelter Klageruf auS dieser prekären Lage heraus. Und wenn auch Garvins Klane sich vor allem gegen die andere angelsächsische Macht, dieBereinigten Staaten, richtet, denen zuliebe England fein Bündnis mit Japan geopfert hat. die aber in dem ganzen Chinaelend England sich selbst überlassen, so war eS doch charakteristisch, daß er in diesem Zusammenhänge auch die Sowjet-Union nennen und be­tonen mußte. Daß ein anglo-amerikanisches Bünd­nis Die Wühlarbeit der Sowjets abgeschwächt hätte.

3n der Tat ist aber das britische Memoran­dum nicht nur an der Uneinigkeit der in China interessierten Mächte zerschellt, sondern auch an der Taktik KantonS. da» sich weigerte, mit einer Gemeinschaft von Großmächten (also auch wenn diese doch irgendwie zustandegekommen wäre!) zu verhandeln, sondern sich höchstens zu Separatverhandlungen mit jeder ein­zelnen Großmacht bereit erklärte. Run, wer würde hier nicht eine verblüffende Analogie mit der Taktik Der Sowjet» erkennen. Die sich immer wieder, bei Den Pakt Verhandlungen mit Den Randstaaten, in der Frage des Beitritts zum Völkerbunde usw. weigern, sich an einen gemein­samen Tisch mit allen Kontrahenten zu sehen, sondern nur Seperatv er Handlungen anerkennen? Hnb so hat auch Kanton daS Prinzip divide ct impera befolgt, nur diesmal nicht von den im­perialistischen Mächten, sondern gegen sie an­gewandt. Allein eS war mehr als eine Analogie. Lind in England wußte man es. Hinter der Weigerung des Außenministers Kantons T sch en sah man abermals einen Russen Borodin.

Freilich, in der ganzen Art Englands, die ..Schuld" für die Ereignifle in China auf die Sowjet-Union abzuwälzen. äußert sich, wie heute selbst von antibolschewistischen russischen Presse­organen offen zugegeben wird. aoermatö die gegenwärtige Unbeholfenheit Englands. Sofern hat Litwinow in seiner soeben veröffentlichten Antwort auf die englische Rote durch­aus recht, wenn er es als Diefixe Idee" Eng­lands bezeichnet. DaßSowjet-Agenten als Ur­heber sämtlicher Schwierigkeiten Des Br'ttisckxm Reichs in allen Winkeln Der Welt hingestellt werden". Englands Prestige in China aber ist so sehr erschüttert, die Sackgasse, in die es sich Dort verrannt hat. so eng. Daß es entweder Die großen im Hintergrund wirkenden Besrei- ungslrätte des chinesischen Dolles selbst über­sieht oder aber, wenn es sie jetzt einsieht, doch bestrebt ist. einen Sündenbock wo anders zu sinden, um Die britische öffentliche Meinung einigermaßen zu tröffen.

Mit Der soeben angeschnittenen Frage be­rühren wir freilich auch Die zweiDeutige Lage Der Sowjets selbst in China. Es ist nachgerade zur Binsenwahrheit geworden, daß die chinesische Bewegung keine soziale oder sagen wir genauer, nur zu einem Teil eine soziale, in erster Linie aber eine nationale Revolution ist. Und schon jetzt erheben sch Stimmen, die prophezeien. Daß das siegreiche China Moskau abschütteln werde. Den­noch ob China siegen, oder ob eS zunächst -noch unterliegen werde: Die Sowjets haben in China ihre Arbeit vollbracht: Die Aera des Im­perialismus ist dort unweigerlich dahin.

Diese in jiDem Fall überlegene Position Der Sowjets, die eben in ihrer anfangs betonten, materiellen Uninteressiertheit wurzelt, bildet aber Die Crux der englischen Polttik gegenüber Der Sowjetunion. Bei allen Drohungen. Die in der jüngsten britischen 'Rote enthalten sind, vermag sich EnglanD Denn doch nicht zu einem Bruch mit der Union zu entschließen. Erst am 16. dieses Monats rechtfertigte der größte britische Gegner Der Union. Winston Churchill. Diese Halbheit durch Rücksichten auf den Weltfrieden. Sein Antipode Maedonald aber rechtfertigte sie. durch Die Möglichkeit, bei Aufrechterhal.ung Der Diplomatischen Beziehungen mit Der Union, we­nigstens bis zu einem gewißen Grade. Die Pro- paganda-Tättgke t Der Sowjets zu überwachen. Denn man weiß es sehr wohl in England, behält man Die Sowjet-Vertreter in London, so treiben Die Sowjets dennoch antibrittsche Propaganda. Hierin wurzelt Die ganze Verlegenheit Englands der Sowjet-Union gegenüber. Es ist ein gor­discher Knoten. Der nut mit Dem Schwerte Durchhauen werden kann. Sofern hat Churchill ganz richtig die emsige Konsequenz Der britischen Einstellung angebeutet; zugleich aber auch Die ganze Schwierigkeit, diese Konsequenzzuz i e h e n. zum Ausdruck gebracht. Daß ferner auch Die soeben von Reuter gemeldete Möglichkeit als Antwort auf Die .unverschämte Erwiberungs- note" Litwinows zwar das Handelsabkommen mit der Sowjet-Union zu annullieren. Die diplo­matischen Beziehungen aber aufrechtzuerhalten,

im Verteidigungszustand.

Schanghai, 28. Febr. (Reuter.) Die Ge­neräle der Rordarmee Suntschuanfang und Tschangsuntschang sind von S u n g t i a n g, wo die Truppen bei der Befestigung Der Ver­teidigungsstellungen beschäftigt sind, hierher zu­rückgekehrt. Die Befestigungen beficbtigicn Die Generäle nicht: Suntschangfang hielt aber an Die 4000 Mann. Die am Bahnhof ausgestellt waren, eine Ansprache, in Der er erklärte, sie seien jetzt Bundesgenossen Der Dchantung- truppen geworden. um Den Bolschewismus zu bekämpfen. Die Bemühungen Des allge­meinen Gewerkschaftsbundes, einen einstündigen Streik als Protest gegen die Landung Der bri­tischen Truppen auszurufen, sind bisher ge­scheitert. Rach einem Funkspruch aus Hankau ist Dort alle« ruhig. Da« TransportschiffMin­nesota" mit tausend Marinesoldaten ist in Schang­hai eingetroffen.

3n Schanghai treffen Schangtungtruppen in großer Zahl ein, nur wenige jedoch begeben sich nach Sungkiang. Anscheinend beabsichtigt General Tschangsuntschang in Schanghai, in Er­wartung Der Ereignisse in Sungkiang eine große Truppenmacht in Reserve zu halten. Die RorD- tnippen bilden bereits eine Art von Ver­teidigungslinie in einer Entfernung von vier bis fünf Meilen jenseits Der britischen Stellung unD westlich Der internationalen RieDer- lassung. Die taufenD Mann britische Ma­rinetruppen, Die heute in Schanghai ein- getroffen sind, werden nicht vor Mittwoch ge­landet.

Die Neutralität der Konzessionsgebiete.

Eine Warnung der Mächte.

Peking, 28. Febr. (Agentur 3nDo Pacisik.) Die diplomatischen Vertreter Der interessierten Länder veröffentlichen durch Die chinesische Presse eine Erklärung, in Der es heißt, Die Schang - Haier Konzessionszonen seien auf ©runD regelrechter Abkommen mit Der chinesischen Regie­rung geschaffen worDen, um es Den Ausländern 3U ermöglichen, Dort Wohnsitz zu nehmen und Handel zu treiben. 3m Verlause Der Partei­kämpfe, Die in Der Gegend von Schanghai statt- gefunDen hätten, hätten Die BehörDen Der auS- länDischen Konzessionszonen sich gewissenhaft Da­vor gehütet, irgendeine Der chinesischen Par­teien zu begünstigen. Trotz Der Schwierig­keiten Der Lage hätten sie Die durch Den Charak­ter Der Riederlassungen gebotene Neutrali­tät aufrecht erhalten. Sie seien allo berechtigt seitens Der chinesischen Parteien die Deobach­tun g D e r gleichen Regeln zu erwarten und zählten Darauf, Daß Die einander bclämp- senden Armeeführer sämtlich« Maßnahmen tref­fen würden, um Zwischenfälle zu ver­meiden , durch Die Die auSIänDiföen Behörden SU Gegenmaßnahmen für Den Schutz ihrer Angehörigen gezwungen sein würden.