Die tolle Herzogin.
Roman von E r n st Klein.
Copyright by Carl Duncker. Verlag, Berlin.
30. Fortsetzung Nachdruck verboten.
(ÄtiQ lag Gloria. Das Fieber brannte auf ihren Wangen, in ihren Augen. Röchelnd klang ihre Stimme, als sie sprach:
„Was macht der Vater?"
„0 — er ist in der besten Laune. Schon seit langem habe ich ihn nicht so aufgeräumt gesehen. Er fragte mich, was du und ich denn so Dringendes in der'Stadt zu tun hätten, worauf ich ihm sagte, du seiest auf einmal von noblen Passionen gepackt morden und wolltest deine Wintergarderobe in London bestellen. Und mich hättest du telephonisch zum Sukkurs beordert! Ich — ich mußte doch scherzen, nicht wahr? Gott weiß, wie viel näher ich dem Weinen war! Der Vater lachte mit und sagte, du solltest nur recht viel einkaufen, und alles ginge auf seine Rechnung! Er liebt dich so — Gloria! Und dadurch, daß du ihm das Dokument wieder- brachtest, hast du dir seine unauslöschliche Dankbarkeit erworben!"
Gloria schloß die Augen. Bei dem Gedanken an den Vater überkam sie erneut grenzenlose Mutlosigkeit. Grace, so erfüllt sie von ihren eigenen Sorgen war, wagte es nicht, zu fragen. Scheu griff sie nach der Hand der Schwester — —wie heiß, wie trocken die war! In dieser Stunde lernte die oberflächliche, selbstsüchtige Grace noch ein anderes, ihr bis dahin fremdes Gefühl kennen. Gestern — am Weiher--hatte sie sich selbst erkannt. Hatte
auch den aanzen Tag über nicht den Versuch gewagt, Entschuldigungen und Milderungen für sich zu finden. Die Angst, die Selbstoorwürfe ließen sie nicht zur Ruhe kommen. Doch Selbsterkenntnis ist noch nicht gleichbedeutend mit Reue. In dieser Stunde aber lernte sie auch kennen, was das heißt: Bereuen! Sie glitt neben dem Bette nieder und begann zu meinen. Leise, aus der Tiefe der Seele herauf.
Gloria, die kranke, mit dem Fieber kämpfende, zeigte sich jetzt wieder als die Stärkere. Der Weinenden legte sie die Hand auf den Kopf, streichelte sie zärttich. Sie verstand, was sich in der Schwester vollzog. Das Mitleid überwand ihrefi Groll. Es ist doch so unendlich schwer, unter dem Druck der eigenen Schuld zu leiden--!
Mühsam begann sie zu erzählen. Und je weiter sie kam, desto mehr schwand die Farbe aus dem Gesicht der Zuhörerin. Das Dokument verschwunden! Und die Briefe--! Die Briefe!
„Wollte er sie dir nicht geben?" stammelte sie.
„Ich habe ihn erschossen!^
„Ah!"
Grace taumelte auf. Starrte auf die Schwester.
„Er — er--schossen?"
„Ich verlor meine Ruhe. Den Revolver hatte ich mitgenommen, um ihn eventuell mit der Waffe in der Hand zu zwingen. Aber dann — dann--
Grace! Dann mußte ich sie gebrauchen, um meine Ehre zu verteidigen!"
Totensttll wurde es im Zimmer. Jede der beiden Frauen hörte das Schlagen des eigenen Herzens.
„Grace," fuhr Gloria fort, „ich bin noch nicht zu Ende. Was mit deinen Briefen geschehen wird, weiß ich nicht, voraussichtlich sind sie jetzt bereits in den Händen der Polizei. Doch das ist nicht das Schlimmste! Als ich Las Valdas getötet hatte und noch mit dem Revolver in der Hand dastand, kam ein Mann ins Zimmer und half mir, zu flüchten. Dieser Mann — war Harald!"
Keinen Laut brachte Grace hervor. Sie konnte das Furchtbare, das sich in wenigen Stunden über ihr zusammengedrängt hatte, nicht erfassen. Stein auf Stein häufte das Schicksal auf sie--! Und
warum? Weil sie vier kleine Briefe geschrieben hatte--?
„Harald ist in London", hörte sie wie aus einem Nebel heraus die trockene, kraftlose Stimme. „Er kam gerade vor unserem Hause an, als ich den Weg zu Las Valdas antrat. Dein Regenmantel — er hielt mich für dich, folgte mir--und glaubt
jetzt, ich — ich sei es, die mit Las Valdas--"
Grace war noch immer nicht fähig zu sprechen. Irgendwo in ihrem durcheinander gerüttelten Kopfe regte sich ein Gedanke. Harald in London! Harald hielt Gloria für die Schuldige--
„Ich habe die ganze Nacht darüber nachgedacht", sprach die Kranke weiter. „Es gibt nichts anderes, als daß du sofort zu ihm gehst und ihm die ganze Wahrheit sagst — die ganze, Grace! Horst du? Er muß uns vor allem helfen, die Abschrift zu finden! Sollte denn das alles umsonst geschehen sein? Denke doch daran, wenn der Vater doch noch die Wahrheit erfährt! Denn erfahren wird er sie müssen!"
„Ich — ich — — zu Harald — —" ächzte Grace. „Gloria, du verlangst Unmögliches!"
Da richtete sich Gloria aus. Jetzt glühten ihre Augen nicht nur im Fieber, sondern auch im neu aufflammenden Zorn!
„Ich verlange Unmögliches?" keuchte sie in übernatürlicher Anstrengung. „Ich habe gemordet — für wen? Für dich! Für deine Schuld! Und nun jammerst du noch, ich verlange Unmögliches, weil
du hingehen und meine Frauenehre rechtfertigen sollst. Meinst du. meine Schwesterliebe ginge so weit, daß ich es zuließe, daß ein Mann wie Harald Neville mich für ein Weid wie--für die Ge
liebte eines Las Valdas hält? Unmögliches! Das ist wohl das Geringste, was ich von dir verlangen kann! Und es ist schmachvoll genug, daß ich es erst verlangen muß, daß du es nicht von selbst tust!"
„Ich gehe!" erwiderte Grace.
In zwanzig Minuten war sie zurück. Aschgrau war ihr Gesicht. Ihre Zahne klapperten wie im Frost--
„Gloria — Gloria!" schrie sie. „Harald ist heute morgen verhaftet worden!"
2 0. Kapitel.
General Sir Arthur Ryce ließ sich selbst Lord Neville vorführen. Er und der Vater des Lords hatten Seite an Seite in Ladysmith gefochten--
„Das ist ja ein lieblicher Salat, in den Sie sich da gesetzt haben, Harald", begrüßte er den Verhafteten.
Der zuckte die Achseln und erwiderte gleichmütig:
„Sir Arthur — wir sind alle Sklaven unserer Bestimmung."
„Blödsinn", rief Seine Exzellenz. „Hätte nie geglaubt, Harald, daß Sie einer Frau wegen den Kopf verlieren würden — selbst wenn diese Frau Ihre eigene ist."
„Lady Neville hat mit dieser Angelegenheit nichts zu tun, Sir Arthur."
„Dann um so schlimmer für Sie, mein Junge."
Sir Walter und Inspektor Gernot waren anwesend, und der erstere übernahm es jetzt, die Fra» gen zu stellen. Er und Harald Neville hatten zusammen in Eton die Schulbank gedrückt. Auch später waren sie Freunde geblieben, obwohl ihre Wege in verschiedenen Richtungen gingen. Harald Neville lebte das Leben eines englischen Grandseigneurs, hatte solide Neigungen und heiratete, sobald er die für ihn passende Frau gefunden zu haben glaubte. Daß er sich dabei irrte, sei seinem Herzen angekreidet, das es ihm unmöglich machte, auf die Warnungen seines Verstandes zu hören. Walter Rnce wurde des britischen Geheimdienstes bester Agent, machte Schulden, die sein Onkel bezahlte, und allen hübschen Frauen den Hof, die bereits verheiratet waren und daher keine Attentate auf seine Freiheit ausüben konnten.
.Harald, alter Knabe," begann er jetzt, „meine persönliche Freundschaft und Achtung für dich sind unverändert. Wenn ich in diesem hochheiligen Amtszimmer meines gestrengen Herrn Onkels eine private
Ansicht äußern darf, so tut man nur ein gottgefäfa liges Werk, wenn man einen solchen Burschen wie Las Valdas das Lebenslicht auspuftet. Pardon — Sir Arthur--wie ich eingangs zu bemerken mich
erkühnte — nur eine höchst private Meinung von mir. Leider, lieber Harald, hast du diese Geschichte so ungeschickt angefangen, daß Scotland Yard jetzt seine ganzen Fähigkeiten anstrengen muß, um dich herauszureiten. Erlaube mir noch hinzuzufügen, daß es mir verdammt schwer geworden ist, dich heute früh in deinem Bau auszuheben. Aber ich hielt es für besser, dir diesen Liebesdienst persönlich zu erweisen. um unliebsames Aussehen zu vermeiden. Das ist ja bis jetzt gelungen. Zur Stunde hat noch nicht einmal der gerissenste Reporter Londons Wind von deiner Verhasttmg. Und was wir weiter tun werden können, wird geschehen. Verlaß dich daraus!"
„Ich danke dir, Walter", erwiderte Harald. „Aber ich habe meine Verhaftung erwartet. Es wäre mir ein Leichtes gewesen, aus London zu oerschwin- den. Aber ich bin keiner von denen, die vor ihrer Tat davonlaufen."
„Du gibst also zu, den Grafen Las Vatdss er- schossen zu haben?"
„Jawohl."
„Der Konstabler O'Neill gibt an, er hätte gesehen, daß du eine Frau zu dem Hause des Portugiesen verfolgtest! Daß du nach ihr gewaltsam in das Haus embrangeft! Wer war diese Frau?"
„Das kann ich nicht sagen. Wohl aber kann ich sagen und beschwören, wer sie nicht war. Lady Neville war. es nicht."
„Wie kommt es, daß du ihr bann gefolgt bist?" „Ich--ich--"
„Du verwechseltest sie mit Lady Neville?" Widerwillig gab Harald dies zu.
„Wo hast du diese Frau getroffen?"
„Ich kam mit meinem Auto gerade von der Bahn--"
„Wo wolltest du hin?"
„Nach — zu mir nach Hause."
„So? Und wo, sagst du, hast du diese Frcnt getroffen? "
„Ich erinnere mich nicht, das gejagt zu haben, und ich möchte gleich hinzufügen, daß ich auch nicht die Absicht habe, es zu sagen."
„Dagegen läßt sich nichts tun, Harald. Ich vermute, du willst uns ebensowenig darüber ausklären, wie es kam, daß du jene Frau mit Lady Neville verwechseln konntest."
„Das ist in der Dunkelheit leicht möglich." (Fortsekuna folgt.)
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M WMelgrang vom 29. d. Mts. ist genehmigt. Ausgabe der Abfuhrscheine bei den zuständigen Kassenstellen, Holzüberweisung und 1. Abfuhrtag, Montag, den 12. April. Ablauf der Zahlungsfrist am 20. April 1926. 29290
Gießen, den 30. März 1926. Hess. Forstamt Schiffenberg.
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Bekanntmachung.
Die Gemeinde Lollar beabsichttgt auf dem Wege schriftlichen Angebots einen jungen Simmentaler Zuchtbullen zu verlaufen. 29320
Angebote auf pro Zentner Lebendgewicht sind bis zum Mittwoch, den 7. April 1926 nachmittags um 6 Ähr bei der unterzeichneten Bürgermeisterei einzureichen, woselbst auch die Bedingungen bekannt gegeben werden.
guschlagsrist 3 Tage.
Lollar, den 29. März 1926.
Hessische Bürgermeisterei Lollar.
______________Schmidt______________
Werkholzversteigerung
im Stadtwald Bad-Aauheim.
Donnerstag, den 8. April 1926, vormittags 81/., Ahr. Zusammenkunft an der Waldwirtschaft. Versteigert werden im Forstort Sumpf, Zwergheege und Baud: Eichenstämme: 5 1. Kl. 5,43 Fstm., 10
2. Kl. 14,12 Fstm., 11 3. Kl. 11,30 Fstm.,
7 4. Kl 4,22 Fstm., 11 5. Kl. 2,78 Fstm., 78 6. Kl. 10,65 Fstm.
Sschenstämme: 1 4. Kl. 0,17 Fstm., 3 6. Kl. 0,49 Fstm.
Kirschenstämme: 2 4. Kl. 0,89 Fstm.,
1 5. Kl. 0,21 Fstm., 1 6. Kl. 0,15 Fstm. Buchenstämme: 1 5. Kl. 0,26 Fstm. Birkenstämme: 2 5. Kl. 0,59 Fstm.,
3 6. Kl. 0,48 Fstm.
Erlenstämme: 1 5. Kl. 0,30 Fstm.
Fichtenstämme: 2 5. Kl. 0,16 Fstm.
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Weihtannen-Derbstangen: 84 Stuck
1,54 Fstm.
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Bad-Aauheim, den 29. März 1926.
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