Mittwoch, 31. März 1926
Nr. 76 Drittes Blatt
Gießener Anzeiger (General-Anzeiger für Oberhefieni
eh
Aus dem Reiche der Frau.
Karfreitag und Ostern als Weltanschauung.
Don Dr. Augusta von Oertzen.
„$)e£ Karfreitags Minne nehmt zum Ziel", rät der graue, sanfte Ritter dem verbitterten und verzweifelt Herumirrenden Parsifal. Dieser Tag der arohen Duste wird für den „Weltdurch- streifer" der Wendepunkt seines ziellosen Daseins: er gibt das Streben nach weltlicher, irdischer £hxft aus, und findet in den himmlischen Gütern die ersehnte Ruhe. Wundervoll beschreibt Wolfram von Escherrbach in seinem „Parsifal" den Frühlingsmorgen, an dem der prunkende Ritter mit betrübter Seele durch den Wald reitet, unbewußt dessen, daß heute der Sterbetag des Herrn zur Duste ruft, überall begegnen ihm Wallfahrer in Düherhemden, die seine schimmernde. Rüstung vorwurfsvoll 'betrachten.
Dor dem milden Blick des grauen Rittes, der mit seiner ganzen Familie in demütiger Einfalt Ainn Gotteshause pilgert, wird der traurige Parsifal aus seiner düsteren Lethargie geweckt. „Mir ist mein männlich Herz so wund" klagt er dem teilnehmenden Freunde.
Er, der seit vier Jahren die Welt durchstreift, dem immer wieder „die Weite zu eng, und die Dreite zu schmal" wurde, kommt durch das Karfreitagswunder endlich zum Frieden der Seele. Die „Treue Gottes", der für seine Sünden gestorben ist, verpflichtet ihn zum Dienst des Höchsten: ihm wird Ritter- und Gottesdienst dasselbe, beides geleistet in dem Glauben an das höchste Ideal der Germanen, an die Treue!
Denselben Typ des Herumirrenden, ewig Unbefriedigten, dem Wolfram von Eschenbach ums Iahr 1200 dichterisch gestaltet hat, er erscheint wieder in Goethes „Faust". Auch in seine verstörte Seele klingen tröstend und beruhigend die hehren Stimmen der Geisterwelt. als er verzweifelnd dem Leben entfliehen will. Deim Klange der Osterglocken stellt er die Giftphiole zurück. „O, tönet fort, ihr süsten Himmelslieder, die Träne quillt, die Erde hat mich wieder!" Aber es folgt gleich eine Einschränkung: „Die Dotschast hör ich Wohl, allein mir fehlt der Glaube."
Während Parsifal frei wird von irdischem Begehren, beginnt Faust noch einmal di? Jagd um die Welt! Ihn hat nicht der Himmel, sondern die Erde hat ihn wieder! Parsifal und Faust, diese beiden Repräsentanten deutschen Wesens, dieses ewigen Suchens imd unbefriedigten De- gehrens, sind von unseren größten Dichtern mit Karfreitag und Ostern in Beziehung gesetzt worden.
Der eine dieser „Wirklichkeitssucher" findet in der Todesstimmung des Karfreitags, der andere in der Auferstehungsfreude der Osterglocken Erlösung von der rastlosen Qual des unbefriedigten Daseins.
Karfreitag und Ostern, sie sind eigentlich Symbolik für die beiden entscheidenden Weltanschauungen: Verneinung und Bejahung des irdischen Lebens!
Die Gntwickilung des Kindes vor der Schulzeit.
Don O. D i h a l h, Berlin.
Triebe und Anlagen find dein Kinde von vornherein gegeben. Sie entwickeln sich mit und ohne Zutun der Menschen. Cs handelt sich nicht darum, nicht Dorhandenes zu zeugen, sondern darum das Bestehende auszubauen und vorsätzlich xit leiten. Alle angeborenen Eigenschaften des Kindes entwickeln sich gleichzeitig, was nach dem Gesichtspunkt unserer Moral in Gut und Böse geteilt wird: und die Aufgabe der Erziehung liegt nun darin, das Gute aus Kosten des Schlechten zu fördern. Fröbet sagt: „Erziehung ist Beispiel, und Liebe, sonst nichts." Ist das so? Alle Erziehung ist im Grunde Suggestion. Sie ist das Verpflanzen von Begriffen und Wertnormen in ein werdendes Wesen, dessen Kriterium noch nicht geweckt und das also selbst noch nicht frei entscheiden und beurteilen kann. Reift aber das Kind zum selbständig denkenden Menschen heran., so ist sein gesamtes Weltbild eine Zusammenfassung eingepflanzter Moral, auf deren Entstehung es selbst am wenigsten eingewirkt hat. Oftmals stehen diese Rormen der Weltbetrachtung in vollkommenem Gegensatz zu /einer innersten Art und es entspinnt sich ein «m-, <jnr^rT,-.7j nm«:
Der moderne Osterhase.
Von Elisabeth Behaghel, Gießen.
Heute, im Zeitalter der Technik, weigert sich sogar der Osterhase, die Eier höchstselbst zu legen. Er könnte auch garnicht aGen Ansprüchen genügen, werden doch heutzutage-zu Ostern nicht nur Eier aller Arten verlangt, sondern auch Tafelschokoladen, feine Pralinen in vornehmster Aufmachung und noch sonst allerlei Gutes und Schönes. Da hat sich denn der Osterhase entschlossen. zum Fabrikbetrieb überzugehen, und do ich süc Schokolade nicht unempfindlich bin, richtete ich schleunigst an seine österliche Hoheit ein Gesuch, den Ofterbetrieb besichtigen zu dürfen. Das wurde in Gnaden bewilligt, und der Osterhase selbst führte mich überall herum. Da sah ich zunächst die großen Säcke mit den Kakaobohnen aus Südamerika, sah, wie die Bohnen in einer Maschine gereinigt, in einer anderen ge- lühlt wurden. In einer dritten Maschine wurden die Bohnen gebrochen, in drei Größen geschieden und die leeren Schalen weggeblasen. In der „Drillingsmühle" wurden die Bohnen dann zermahlen und entölt, in der „Universal- maschine" mit Zucker, Milch usw. geknetet, mit kalten Walzen fein zerrieben, mit Granitwaltzen geschliffen und zuletzt in einer warmen Maschine gerührt und geschlagen, bis die Schokolademasse sormfertig war. Diese fertige Masse schaffte man dann in großen Mulden in ein anderes Wert und stellte sie dort zunächst in großen Oefen ivarm bis zur Verarbeitung. Was gab es dann olles zu sehen! Hier wurde die Schokolademasse in Maschinen gegossen, die in darunter herlaufende Tafelformen je hundert Gramm spendete. Die gefüllten Formen werden durch
Kampf in ihm, um die Plattform seiner Individualität zu finden.
Diese Erkenntnis müßte verwertet werden. Erziehung heißt nicht das Ilebetragen des eigenen fertigen „Ich" in ein neues werdendes, sondern das neue „Ich" sich entfalten lassen, die störenden Hemmungen aus dem Wege räumen und die krankhaften Instinkte eindämmen und heilen. Sicherlich ist die beste Pädagogik der Anschauungsunterricht des Beispiels der Erzieher. Richt Zwang, Strafe oder gar körperliche Züchtigung sind der Weg zur Ertötung negativer Keime, im Gegenteil, mit der einfachen aber schwer erfüllbaren Tat der immer gleich bleibenden Liebe erreicht man dieses Ziel.
Die Beschäftigung des Kindes vor seiner zwangsmähigen Schulpflicht ist ein wichtiges Kapitel in seiner Entwicklungsgeschichte. Gerade so unorganisch es wäre, an irgendeinem Tage zu sagen: Ietzt ist das Kind für die Schule reif, gerade so unrichtig und so unlogisch ist der Zwang der Kinder, alle ohne älnterscheidung ihrer Anlagen und ihrer Auffassungsmöglichkeiten nach einem kollektiven Schema anzutreiben, das Durchschnittsquantum an Schulwissen zu bewältigen.
Beginnt das Kind gerade an diesem Tage zu lernen? Im Gegenteil. Es lernt immer und immer von den ersten Tagen seiner Auffassungsfähigkeit an mit allen Sinnen voll Lebensneugier unD Freude. Von dem Tage des Schulbeginns an aber wird das Wollen zur Pflicht, und die Pflicht zum System. Es ist nicht die Sache dieses Artikels, die Mängel der Schulen aufzudecken, doch ist es wichtig, sich mit dem ersten Ziel des Kindes zu befassen, das es nach dem Start ins Leben erreicht. Tlnd dieses Ziel ist ohne Zweifel die Schule. Das Programm der Montessori-Schulen aus Ermangelung einer Staatsaktion. welche die Schulen in sozialistischem Sinne reorganisiert, wäre zeitweilig das beste Programm für Mütter, Erzieher und Kinder, und an der richtigen Linie des Programms wäre auch die Enttbicklung des Kindes vor der Schulzeit die geeignetste. Frei nach dem spontanen Wunsche ihrer Freude mögen die ÄinDer am besten ohne besondere Erziehung erzogen werden. Lernen mögen sie, aber nur im Spiel. Das Interesse für das Anschauungsmaterial ist groß. An Bildern und Leben belehrt sich selbsttätig das für alle Eindrücke empfängliche Kind, doch soll seine Aufmerksamkeit nicht erzwungen werden. Der Rachahmungstrieb des Kindes wird sein natürlicher Lehrer und frei und unbehindert in Bewegung und Denken entwickelt sich das Kind am besten.
Dies alles sind natürlich wohl mehr oder weniger psychologische Konstatierungen, welche mehr praktisch, aber von bestimmten Voraussetzungen erfüllt sind. Denn der wichtigste Faktor in der Entwicklung des Kindes ist das soziale und ökonomische Milieu seiner Llmgebung. — So wie in vergangenen Epochen jeder Stand, Adel, Klerus, Bürger und Dauer, für sich ein besonders geschriebenes Recht besah, so gelten auch heute noch, wenn auch ungeschrieben, die verschiedensten Gesetze für die verschiedenen Klassen der Gesellschaft auf allen sozialen Gebieten. In den bürgerlichen Kreisen bedeutet die Familie Heiligtum und Mittelpunkt, und auch die Erziehung steht im Zeichen einer konservativen abstrakten Ideologie, immer aber um den Quell von Schönheit und Weihe der Familie sich bewegend.
So wäre bei den meisten Kindern, bei denen der Arbeitermassen, eine solche Erziehung paradox. Denn ihr Heim ist elend und ungesund, schmutzig und somit ungeliebt. Die Mutter kann sich nicht die Aufopferung — nach der Ideologie der bürgerlichen Gesellschaft — in der höchsten der Pflichten, des vollständigen Aufgehens in der leitenden Erziehung der Kinder, gestatten. Denn sie muß tagsüber Brot verdienen, und abends die Lücken im Reservoir ihrer Kraft neuerdings ausgleichen. Hier ist es natürlich nicht möglich, daß die Kinder vor ihrer Schulpflicht sich im trauten Heim, im Garten oder im Hose tummeln, sondern für sie bleibt Verwahrlosung und Straße, oder aber die unzulängliche Fürsorge von Krippen und Kindergärten.
Trotz alledem, so wenig es angebracht wäre von einem praktischen Vorteil der Eltern zu sprechen, ist ideell eine Erziehung in Kindergärten eine wichtigere.
Die staatliche und gesellschaftliche Fürsorge müßte auf Grund praktischer Ersahrungen allen einen Transportstreifen auf eine Schüttelbahn befördert, die die Masse gleichmäßig in den Formen verteilte, von da in eine Kühlbahn geleitet und — sieh da — auf der anderen Seit« kam die fertige Schokolade herausgeglilten, wurde herausgeklopft und wanderte in einen anderen Saal weiter, wo eine Maschine sie fix und fertig verpackte. Eremeschokoladen wurden hergestellt, Trüffel-, Milch- und Mokkaschokoladen, die köstlichsten Ostereier aller Art, herrliche Pralinen, die teilweise mit der Hand gespritzt wurden, zum anderen Teil in Maschinen entstanden. Die letzte Weihe empfingen sie stets im Kühlofen. Es scheint, daß solch ein Praline rascher ge/- qessen ist, als angefertigt: Vier bis fünf Mal muß solch ein kleines Ding mit ausgesuchtester Füllung gekühlt werden und immer wieder eine neue liebliche Masse darauf gespritzt werden. Aber dann ist auch ein Kunstwerk entstanden, das es verdient, mit zarter Liebe in ein buntes Staniolpapier. häufig auch noch in ausgefranstes Wachspapier gehüllt zu werden. Zum Schluß bekommt jedes Praline noch ein kleines Rest, und das Verpacken in die geschmackvollen Schachteln kann beginnen. Iede Arbeiterin füllt eine bestimmte Packung (wie überhaupt strenge Arbeitsteilung herrscht), und macht Tag für Tag die selben Handgriffe: daher geht die Arbeit den sauberen Mädchen in den weißen Häubchen so flink von der Hand, daß man kaum folgen kann. „Tausend Tafeln in Der Stunde liefern die Maschinen," vertraute mir der Osterhase an, „so rasch konnte ich's freilich nicht, als ich noch allein arbeitete.“
Rach dem ich noch in der Drageabteilung zugesehen hatte, wie die kleinen Liköreier entstehen, verabschiedete ich mich mit herzlichem Dank von dem freundlichen Hasen. Was glaubt ihr, was das geschah? Der gute Osterhase über»
Kindern gleichmäßig gerecht ihren Schutz angedeihen lassen, kollektiv in der Wertung und individuell in der Behandlung von Tüchtigkeit und Befähigung anstelle Der aus noch so großer Liebe erwachsenden Fürsorge Der Einzelinitiative, die immerhin ein Risiko, Die Entwicklung Des Individuums, bedeutet.
Die diesjährige Zrühjahrsmode.
Von Leni W ü st.
Mit immer prägnanterer Deutlichkeit wächst die neue Modekontur aus der bisherigen Form auf. Die zuerst als Modetrumpf angekündete Glocke hat ihre Rolle auf dem Theater der Moden bereits wieder ausgespielt und tritt ab. An ihrer Stelle treten Falten und Plissees, die dem Zwecke der Erweiterung dienen, aber den Rock eleganter als die Glocke beleben. Vereinzelt trifft man bei Abendkleidern 1 weite Glocken ober eingesetzte Spitzen-Godets, die J jeweilig im Farbton des Kleides eingefärbt von j großer, dekorativer Wirkung sind. Die dieses Frühjahr sehr bevorzugten Manteltleidchen bestehen aus einem glatt gearbeiteten Oberteil mit Kragengarnie- rung und einem in Falten- ober Plisseeteilen angeschnittenen Rock: der Aermel ist schlank gehalten und trägt höchstens Stulpenverzierung. Die schon im Herbst sehr beliebte Jumperform in ihrer immer jugendlich wirkenden Kleidsamkeit tritt dieses Frühjahr wiederum stark in Erscheinung.
Ein neuer Modeliebling ist der Gürtel: fein Sitz ist noch ziemlich tief, er ist die glückliche Bindung zwischen Oberteil und Rock und wird vielfach auf Mantelkleidern getragen. Auch bei dem Gürtel bevorzugt man den Zusammenklang mit der Kleiderfarbe. Pastelltöne sind Trumpf, man liebt das Zarte, Lichte, überträgt es auf die Frühjahrsmäntel und die Komplets. Es ist, als ob die neue Frühjahrs- mobe die unbedingt Sehnsucht habe, all das Dunkle und Griesgrämige des Winters schon rein äußerlich mit freudigen Farbtönen zu überwinden. Die am meisten verarbeiteten Stoffe sind Iaquard-Mou- line, Jaquard-Rips und selbverständlich Crepe de Chine, Georgette, Maroquain: neuerdings ist in der Textilbranche eine starke Nachfrage nach Taffet, man spricht von Taffetkleidern und -Mänteln. Paris will die bisher ungerechterweise etwas von den fließenden Seidengeweben verdrängte Taffetseide zum Modestoff erheben.
Das Allerneueste ist die „Bordüre". Man wird in der kommenden Saison einer Menge von Bordürenkleidern begegnen, * jede elegante Frau wird ihre modischen Ehrgeiz in Bordüren auswirken lassen. Die Textilbranche bringt wollene, baumwollene und seidene Bordürenstoffe auf den Markt. Im Sommer wird man allenthalben das leichte, bequeme Waschseidenkleidchen mit breiter Bordürenverzierung tragen. Auch bei dem Complet allerletzten Stiles spielt die Bordüre als Garnierung eine geschmacklich wichtige Rolle.
Neuerdings macht sich in der Konfektion ein stärkeres Hervortreten des Jackenkleides bemerkbar, trotzdem ist man aber allgemein der Ansicht, daß das Complet aus diesem Wettstreit zwischen Mantel-Kleid und Rock-Jacke als Sieger hervorgehen wird. In den neuen, von Paris aus lancierten Capekleidern wird allerdings dem Complet eine scharfe Konkurrenz erwachsen. Diese Kleider werden in ihrer Ausführung mit dem kurzen Capekragen für die wärmeren Tage sehr zweckmäßig und gleichzeitig elegant erscheinen. Cape und Rock sind durchschnittlich in Kristallplisseeausarbeitung gestalten. Den durch reiche Faltengarnierung ober Plissee entstandenen Stoffverbrauch spart die praktische Mode wieder bei der Kürze der Röcke heraus; auch das Frühjahr steht im Zeichen der fuß- unb kniefreien Röcke. Wenn es so weiter geht, wirb der Ballettrock zum „demier cri" auf der Straße.
Zur Frühjahrstoilette gehört der neue Frühjahrshut wie der Punkt aufs I! Seine Form ist durchweg klein, der Kopf ziemlich hoch und gekniffen. Man bevorzugt neben allen Hellen Farben „Rosenholz" und „verstaubten Bordaux"; sehr apart und leicht sind die aus Liskaborde genähten Hütchen, sowie die kleinen Jaquardformchen. Man kann jetzt mit ziemlicher Sicherheit feststellen, was diesen Frühling eine elegante Frau an- und aufhaben muß, und die neue Mode hat zwei große Vorzüge, sie ist voll geschmacklicher Vornehmheit und die Konfektion arbeitet der wirtschaftlichen Lage angemessen zu wirklich erschwinglichen Preisen, so daß es den breitesten Bürgerkreisen ermöglicht wird, modern und geschmacklich wie qualitativ gut । angezogen zu gehen.
reichte mir hvchsteigenpfotig eine Kostprobe seiner Erzeugnisse, Die ganz köstlich gemundet hat.
Für die Küche.
Seine Speisen für Ostern.
Burgunder Eier. Aus frischen, mit Fleischbrühe. Butter und Salz vermischten Eiern wird ein lockeres Rührei bereitet. Dann mengt man zerschnittenen Spargel darunter, füllt die Masse in Muscheln, bestreut sie mit geriebenem Parmesankäse und Semmel, träufelt Butter darüber und bräunt alles mit glühender Schaufel. Kurz vor Dem Aufträgen legt man noch eine Trüffelscheibe Darauf.
Eier auf französische Art. In fetter Fleischbrühe weichgekochte, weiße Artischockenböden werden zugestutzt, abgetrocknet und auf einer runden Schüssel angerichtet. Dann befüllt man sie hoch mit einem Rührei mit Trüffeln gewürzt, gibt eine dicke Dechamelsauce darüber und bräunt sie mit glühender Schaufel.
Verlorene (pochierte) Eier. Man setzt eine große, flache Kasserolle aufs Feuer, deren schwach gesalzenes und mit etwas Essig versetztes Wasser zu lebhaftem Kochen gebracht wird. In dieses schlägt man behutsam die nötige Anzahl frische Eier, läßt sie Darin, bis das Weiße sich zusammengezogen, nimmt sie dann mit Dem Schaumlöffel heraus.
Italienischer Pfannkuchen. Drei Pfannkuchen werden in Der Gröhe einer Krustenoder Auflaufform gebacken, in die gebutterte Form abwechselnd mit einem Ragout gefüllt, das wie folgt bereitet wird: Eine Kalbsmilch
Von Prof. H. Kleinschmidt, Direktor der Tlniversitätskinderklunk in Hamburg.
Heber die körperliche Ertüchtigung unserer Iugend ist in den letzten Iahren viel geschrieben und gesprochen worden, und wir sehen in dieser Hinsicht mancherlei Verbesserung gegenüber früheren Zeiten. Man hat sogar endlich eingeseben, daß auch im vorschulpflichtigen Alter ein gewißer Turnunterricht sthr nützlich ist. Bezüglich der Erziehung des Kindes steht Die Schule und Die Schulreform ganz im Vordergründe des Interesses. Von Der häuslichen Erziehung, und zwar in den für die Erziehung maßgeblichen Iahren, den ersten Kinderjahren, ist jedoch nicht viel die Rede.
Der gegebene Berater der Eltern in Cr- ziehungsfrciqen, besonders in Den ersten Kinder- jcchren, ist der Arzt. Manche Eltern zwar kommen heute noch nicht auf Den Gedanken, ihre Erziehungssorgen dem Arzte mitzuteilen, andere lehnen den Arzt, Der ihnen Ratschläge auf diesem Gebiete gibt, ab, sie stehen auf dem Standpunkt, daß hier der Arzt seine Kompetenzen überschr.-.i'' tet, und nicht über größere Kenntnis und Erfahrung verfügt als sie selber oder irgendwelche ältere Verwandten, Die das Kind miterziehen. Auch manche Pädagogen lehnen den Arzt ab. Sie alle wissen nicht, wie eng verknüpft Kinderkrankheit und Kindererziehung sind, sie wissen nicht, wie ausgezeichnet gerade der Arzt Gelegenheit hat, den Einfluß verschiedenartiger Erziehung zu sehen, und wie oft er versuchen muß, wenn er einen Erfolg erzielen will, auf die Erziehung einzuwirken. Wenn das Kind nicht recht essen will oder nicht schlafen Eamrn, wenn das Kind an Stuhlverstopfung oder Erbrechen leidet, wenn es das Bett einnäht, um nur einige alltägliche Dinge zu nennen, immer wieder stößt man auf Erziehungsfehler und Erzichungsschwä- chen, ohne deren Beseitigung das Kind nicht „gesund" werden kann. Viele Eltern hören es, tote gesagt, nicht gern, wenn der Arzt sie hierüber aufklärt. Cs ist ja selbstverständlich, da man Fehler nicht gern einsieht und zugibt.
Die Erziehung des Kindes muß am ersten Lebenstage beginnen. Dieser Satz ist wörtlich zu nehmen und die vielfach verbreitete Vorstellung, man könne von einem Kinde erst ei was fordern, wenn es den Willen des Erwachsenen verstehen gelernt habe, ist irrig. Der Säugling merkt sehr bald, ob ihm nachgegeben wird ober ob er nachgeben muh. Man kann mit der Erziehung zur Unterordnung nicht warten, bis man dem Kinde die Rotwendig- keit dieser Unterordnung verstandesmäßig flar machen kann. Denn es ist unendlich schwer, ein Kind, das in dieser Beziehung von vornherein nicht richtig gewöhnt ist, wieder umzustellen. Die Erziehung zur Unterordnung wird schon im frühen Säuglingsalter erreicht durch die Gewöhnung an vierstündige Rahrungspausen und acht- stündige Rachtruhe, durch das unbesorgte Schreien- lassen des Säuglings, wenn Lin besonderer Grund für die cklnruhe ausfindig zu machen ist.
Gehorsam ist die Dorausfehung für Selbstbeherrschung, eine Eigenschaft, die wir auch noch später in ausgedehntestem Maße Dem Kinde anzuerziehen haben, indem wir verhindern, daß es sich überallhin frei bewegt, wohin es will, und dabei alles anfaht und an sich reiht, was es sieht. Ich erwähne hier beispielsweise die leidige Sitte, etwa einjährige Kinder an den Frühstückstisch der Erwachsenen zu nehmen und ihnen hier zuzustecken, was ihnen gerade beliebt. Dste Erziehung zur Selbstbeherrschung müssen wir Aerzte schon allein deshalb verlangen, weil sie zur Beherrschung gewisser körperlicher Funktionen (z. B. Erziehung zur Sauberkeit) notwendig ist, sie ist aber überhaupt die Grundlage für alle weiteren Erziehungsmaßnahmen. Ein Kind, das nicht gehorcht, ist, wie Heller sagt, nicht sozial zu erziehen, und dahes der Verwahrlosung preisgegeben. Wollen wir eine im Kampf ums Dasein leistungsfähige Iugend heranwachsen sehen, so müssen wir weiter schon sehr früh das Kind zur Selbständigkeit und zum Pflichtbewußtsein erziehen, zur Ausdauer bei feinen Spielen, zur Kameradschaftlichkeit im Verkehr mit anderen Kindern, die eine Milderung des angeborenen Egoismus, Verständnis für Die Bedürfnisse anderer sowie Erweckung von Mitleid und Rächsten- liebe bedeutet.
wird gebrüht und Der Abfall entfernt. Auf gleiche Weise wird ein Kalbshirn vorbereitet und beides gewiegt. Frische oder eingemachte Champignons werden feinblättrig geschnitten. Ein Löffel Mehl wird in Butter hellgelb geröstet, mit Fleischbrühe aufgefüllt, etwas gewürzt, ein wenig Weißwein und zwei feingewiegte Sardellen nebst der gewiegten Fleischmasse Daran gegeben und alles aufkochen lassen. Ein Pfannkuchen soll Den Schluß bilden. Derselbe wird mit geriebenem Parmesankäse und Semmelkrume bestreut, mit saurem Rahm beträufelt und Die Speise je nach Der Hitze des Brcttosens etwa eine halbe bis Dreiviertel Stunde gebacken.
Süße Ostereier. Vier Eier werden getrennt, das Weiße Der vier Eier wird mit vier Eßlöffeln Zucker und vier Eßlöffeln dicker Preihelbeermarmelade zu einer steifen Masse geschlagen. Vier Blatt Gelatine werden in kaltem Wasser eingeweicht, Dann in wenig heißem Wasser aufgelöst. Die vier Eidotter werden mit 150 Gramm Zucker kurz gerührt, Dann mit einem halben Liter Milch aufgegossen. Von dieser Milch werden vorher einige Löffel weggenommen und mit 40 Gramm Mondamin zu einem glatten Teig verrührt. Run kommen Die Eier, Die Milch, das angerührte Mondamin und eine halbe aufgeschlihte Vanillestange aufs Feuer und werden solange gerührt, bis die Creme am Rande zu kochen beginnt. Dann wird sie vorn Feuer genommen, Die aufgelöste Gelatine Darunter gerührt und kalt gestellt. Sobald die Creme-Masse erstarrt ist, toerDen ovale Stückchen davon abgestochen und diesen die Form von Ostereiern gegeben. Von der steifen Preitzel- beermasse werden ebenfalls ovale Stückchen gebildet und diese abwechselnd mit den gelben Creme-Eiern auf einer Platte angerichtet,


