Ausgabe 
31.3.1926
 
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aber die Zeit der lärmenden Wahlfeldzüge nicht ver­gessen solle. Der Erlaß hebt die Altersgrenze für die Präsidentschaft der Republik auf, die seither auf 53 Jahre festgesetzt war.

Die Freigabe des deutschen Eigentums in Amerika.

N n o r t, 30. März. (Wolff.) Gestern wurde im Repräsentantenhaus von dem republikanischen Abgeordneten Ogden Mills ein Gesetzentwurf über die Freigabe des deutschen Privateigentums ein- gebracht, der die ausgesprochene Unterstützung der amerikanischen Regierung hat und im wesentlichen dem sogenannten Mellon-Plan folgt. Die Ab­weichungen ändern diesen Plan nicht zu Ungunsten der deutschen Beteiligten. Die wesentliche Neuerung setzt an die Stelle der geplanten Ausgabe fünfpro­zentiger Schuldverschreibungen mit der Garantie der Vereinigten Staaten allenthalben die Barzah­lung. Die durch Urteil der gemissten Kommission festgesetzten und festzusetzenden Beträge sollen, soweit sie amerikanischen Staatsangehörigen zukommen, in bar vom Schatzamt der Vereinigten Staaten ausbezahlt werden, und zwar mit Zinsen bis zum Tage der Zahlung, wogegen der dem Urteil zugrunde liegende Anspruch auf die Ver­einigten Staaten übergeht. Der Treuhänder für das ehemals feindliche Vermögen soll das beschlagnahmte deutsche Privateigentum auf Antrag in dem Zustand herausgeben, wie es sich im Laufe der Jahre durch Veränderungen im Bestände von Veräuße­rungen, Liquidationen und Verwaltungsmaßnahmen aller Art gestaltet hat. Antra^sberechtigt ist grund­sätzlich nur der ehemalige Eigentümer. Die Vorlage sieht eine angemessene Geldentschädi­gung für die Fortnahme von Schiffen durch die Vereinigten Staaten während des Krieges vor. Der Entschädigung für die Fortnahme von Funkstationen soll der Wert vom 2. Juli 1921, der Tage der ameri­kanischen Friedensproklamation, zugrunde gelegt werden. Eine Entschädigung soll für die im deutschen Eigentum stehenden Patente gewährt werden, die vom Treuhänder an die Vereinigten Staaten in irgendeiner Form übertragen sind, ober die durch die Vereinigten Staaten außer in der Kriegszeit benutzt worden sind. Falls die Be­lastung der Vereinigten Staaten aus den Ersatz­ansprüchen für Schiffe, Funkstationen und Patente insgesamt 100 Millionen Dollar übersteigt, tritt eine prozentuale Herabsetzung aller Entschä­digungssummen ein.

Handelsvertrag mit Spanien.

Berlin, 30. März. (WTB.) Heute nachmittag empfing der Reichskanzler in Gegenwart des Reichsministers des Auswärtigen, des Reichsmini­sters der Finanzen, des Reichswirtschaftsministers und des Reichsministers für Ernährung und Land­wirt ckaft Vertreter von Industrie, Handel, Land­wirt cyaft, Weinbau und Gewerkschaften zu einer Aus prache über den Abschluß eines Han­delsvertrages mit Spanien. Nach ein­gehenden grundsätzlichen Darlegungen wurde auf Vorschlag des Reichskanzlers ein Ausschuß aus den beteiligten Wirtschaffsgruppen gebildet, der mit der Regierung zusammen das gesamte einschlägige Material überprüfen wird.

Bundeskanzler Ramek in Prag.

Prag, 30. Marz. (WTB.) Der österreichische t Bundeskanzler Dr. Ramek Ist von Berlin aus .zum Besuch des tschechischen Staatspräsidenten * Masaryk in Prag eingetroffen. Auf demBahn- , Hof wurde er vom Außenminister Benesch ' empfangen, der ihn zur Burg geleitete, wo zu Ehren des österreichischen Bundeskanzlers ein Galadiner stattfand, zu dem u. a. die Chefs aller diplomatischen Missionen in Prag mit ihren Damen erschienen waren. Zum Schluß des Diners wurden zwischen Minister Dr. Benesch und Bun- desianzler Dr. Ramek Trinkspruche ge­wechselt. Dr. Benesch verwies in seinem Trink- spruch auf den freundschaftlichen Charakter der Beziehungen der beiden Länder und trank auf eine freundschaftliche, dauernde Zusammenarbeit, auf das Aufblühen der österreichischen Republik, auf die Gesundheit des Bundespräsidenten und des Bundeskanzlers. In seiner Erwiderung wünschte Dr. Ramek der tschechoslowakischen Re­publik weitere kräftige Entwicklung und eine glück­liche und friedliche Zukunft. Um 12.30 Ahr traten die Wiener Gäste die Rückreise an.

Bundeskanzler Dr. Ramek hat an Reichs­kanzler D r. Luther folgendes Telegramm gesandt:Beim Verlassen des deutschen Reichs­gebiets sende ich den deutschen Volksgenossen im Reich meine brüderlichen Abschieds- g r ü ß e. Ihnen aber, Herr Reichskanzler, und dem Herrn Außenminister sage ich aufrichtigsten Dank für die unvergeßlichen Berliner Tage."

Raults Ende.

Am 1. April vollzieht sich im 0aar­ge b i c t nun endlich ein Szenenwechsel, der hof­fentlich der ganzen Saarpolitik eine andere Grundlage gibt: Herr Raul 1, der als ein moderner Geßlec an die Saar geschickt worden war, um mit allen Mitteln des Terrors den Saardeutschen den (Glauben an die höhere fran­zösische Kultur beizubringen, muh von seinem Posten weichen und macht dem Kanadier Ste­phens Platz, dem man nach seiner bisherigen Amtsführung nachsagen kann, daß er für deutsche Mentalität und Gerechtigkeit größeres Verständ­nis hat, als Herr Aault. Wäre der Völker­bund von Anfang an wirklich das gewesen, was er fein sollte, bann hätte diese französische Schreckensherrschaft nicht acht Jahre lang sich behaupten können. Im Ramen des Völker­bundes geschah hier schwerstes Anrecht. Der Gedanke des Völkerbundes wurde kompromit­tiert durch Methoden, die Frankreich nicht ein­mal in Marokko durchzuführen wagte.

Als Herr Rault an die Saar ging, da glaubte er, da glaubte man in Frankreich, daß es ein Leichtes fein würde, die Bevölkerung für Frankreich einzufangen, so daß nach fünfzehn Jahren bei der dann fälligen Volksabstimmung so gut wie gar keine Stimme mehr für Deutschland abgegeben würde. Die Aussichten dazu waren nicht einmal schlecht: Frankreich bekam als Morgengabe die ©aargruben, ehemals preußisches fiskalisches Eigentum, geschenkt und hatte damit Zehntausende von deutschen Arbeitern in der Hand. Gleichzeitig wurde ein überstarker Druck auf die deutsche Industrie ausgeübt, mit dem Ergebnis, daß französische Jndustriegesellschasten sich in die warm bereiteten Betten legen konnten und den deut­schen Kapitalisten den größten Teil ihres Eigentums abjagten.

Anstatt aber diese Chancen zu nützen, hat Herr Rault nicht den leisesten Versuch gemacht, die Bevölkerung durch Entgegenkommen zu ge­winnen. Er hat im Widerspruch zu dem Ver­sailler Vertrag französisches Militär ins Land geholt, das dort mit der Knute regierte und auch heute noch am Platze ist, obwohl fein Abtransport jetzt für den Sommer sichergestellt ist. Ein System von Spitzeln und Spionen wurde ins Leben gerufen, das den Saarländern das Leben zur Hölle machte und ihnen das Recht der freien Meinung untergraben wollte: aber nur mit dem Ergebnis, daß deutscher Trotz und deutsche Zähigkeit sich nun gerade durchsetzte. Heute sieht Herr Rault auf ein Trümmerfeld zurück: er und mit ihm ganz Frankreich haben jede Hoffnung fahren lassen, auch nur einen be­scheidenen Bruchteil der Stimmen bei der Volks­abstimmung für Frankreich zu bekommen. Frank­reich hat die Schlacht an der Saar ver­loren und wenn es klug ist, verzichtet cs frei­willig auf die Abstimmung, die nur ein neuer Beweis dafür wäre, mit welcher Angerechtigkeit der Versailler Vertrag gegen Deutschland zu­rechtgezimmert worden ist.

Dem Rachfolger Raults fällt die undankbare Aufgabe zu, die Wunden zu heilen, die das fran­zösische System schlug. Die Saarindustrie ist am Zusammenbrechen. Ihr wirtschaftliches Gesicht ist nun einmal nach dem Westen gerichtet, und wenn es sich noch halten konnte, so verdankt sie das lediglich der deutschen Regierung, die ihr durch Zollstundungen den Atem erhielt. Das französische Kapital aber ist am Abbauen und wird dem deutschen wieder das Feld räumen. Wenn der neue Saarpräsident die Erwartungen erfüllt, die auf ihn gesetzt werden, wenn er sich neutral hält und die bescheidenen For­derungen der Deutschen bewilligt, dann wird jetzt auch an der Saar eine Zeit der Ruhe und Erholung kommen.

Dom Völkerbundsamt für geistige Zusammenarbeit.

Paris, 30. März. (WB.) Heute hat eine Kommissionssitzung im Völkerbundsamt für gei­stige Zusammenarbeit stattgefunden, an der u. a. Professor Hans Driesch teilnam. Man be­schäftigte sich mit Fragen, die die Beziehungen, die der Verband der intellektuellen Vereinigungen mit dem Völkerbundsamt für geistige Zusammen­arbeit unterhalten müsse, betreffen. Der ständige Ausschuß hat übrigens beschlossen, den nächsten Kongreß des Verbandes der intellektuellen Ver­einigungen im Oktober in Wien unter dem Vor­sitz von Hugo v. Hoffmannsthal abzuhal­ten. Der Kongreß dürfte nur rein organisatorische Fragen und die Rotte des Intellektuellen bei dem allmählichen Wiederaufbau Europas zu studieren haben.

Ein islamitischer Weltkongreß.

P a ri s, 30. März. (TA.) Rach Meldungen aus Kairo ist eine islamitische Konferenz für den Monat Mai nach Kairo einberufen worden, die sich mit der Wahl eines Kalifen wie mit der Schaffung eines mohammedani­schen Völkerbundes beschäftigen soll. Der mohammedanische Völkerbund solle seinen Sitz in

Mekka erhalten. Das Kalifat soll eine Ein­richtung werden, die gemeinsam mit einer Ver­sammlung von Vertretern aller mohammedani­schen Rationen die Angelegenheiten der gesam­ten mohammedanischen Welt regelt.

Japan in Mexiko.

London. 30. März. (TA.) Rach einer Meldung aus Tokio dementiert die japa­nische Regierung, daß Japan große Landes- konzessionen an der Magdalenabai in Mexiko ge­macht worden seien. Wenn die mexikanische Re­gierung Japanern Ländereien zur Verfügung gestellt habe, so handele es sich offenbar um Privatpersonen, die aus der feind­lichen Atmosphäre Kaliforniens nach Mexiko geflohen seien und mit denen Mexiko Privatverträge geschlossen habe.

Parlamentarisches aus Hessen.

Darmstadt. 30. März. Dem Hessischen Landtag ist eine Regierungsvorlage zur Verminderung von planmäßigen und nichtplanmäßigen Stellen zugegangen. Cs wird darin beantragt:

1. Die Inhaber aufgehobener, nicht plan­mäßiger Stellen über den 1. April 1926 hinaus bis zu dem Zeitpunkt weiter zu bezahlen, zu dein die Entlassung mit Rücksicht auf das dienst­liche Interesse tatsächlich möglich wird.

2. Planmäßige Stellen, die gestrichen sind, solange für den derzeitigen Inhaber als be­willigt zu behandeln, bis die Ruhestandsver- setzung oder die Versetzung des Beamten in ein anderes Amt gesetzlich zulässig oder nach den dienstlichen Interessen möglich ist.

3. Falls Stellen ohne nähere Bezeichnung auf den Inhaber bewilligt sind, zufällig frei- werdende Stellen derselben Art, deren Beseiti­gung jedoch nicht möglich ist, zunächst weiter verwalten zu lassen.

Weiter ist dem Landtag eine Regierungs­vorlage über den Gesetzentwurf zur Ausführung der Reichsverordnung über die Fürsorge­pflicht vom 13. Februar 1924 zugegangen so­wie eine Vorlage über die Verlegung der Gefängnisabteilung beim Arbeitsamt Dieburg nach Butzbach, wodurch 45 066M1. erspart werden.

Zu unserem Bericht über die letzte Plenarsitzung des Landtags ist noch nachzutragen,' daß der Antrag Birnbaum (D.V.) auf Gewährung eines Z u - fch u s f c s von 10 000 Mark für das Gießener Stadttheater mit den Stimmen der Koalitionspar­teien a b g e l e h n t wurde.

Kleine politische Nachrichten.

Der Reichskanzler ist aus Freiburg wieder in Berlin eingetroffen. Ofterpläne hat Dr. Luther noch nicht gefaßt. Wahrscheinlich dürfte er während der Osterfeiertage in Berlin bleiben und nur Aus­flüge in die Umgegend unternehmen. Auch Dr. Stresemann hat sich noch nicht entschlossen, wie und wo er die Osterfeiertage verbringen wird, da die Geschäftslage des Auswärtigen Amts einen so früh­zeitigen Entschluß nicht gestattet.

Reichswehr Minister Dr. G e ß l e r. der vor kurzem auf eine sechsjährige Ministertätigkeit zurückblicken konnte, tritt demnächst einen zweimona­tigen Erholungsurlaub an. Er wird jedoch am 7. April noch an der Feier des 6 0. Soldaten- jubiläums des Reichspräsidenten teil- nehmen.

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Die Eisenbahnergewerkschaften haben beschlossen, in dem Prozeß' gegen die Reichsbahngesellschaft auf Anerkennung des Schiedsspruchs des Reichsarbeitsrninisters, der in erster Instanz vom Landgericht! I in Berlin zu Gunsten der Reichsbahn entschieden worden war. nunmehr das Kammergericht anzu­rufen. Der Prozeß hat bisher bereits 50 000 Mark Kosten verursacht, und da beide Parteien ohne Zweifel auch noch das Reichsgericht um eine endgültige Entscheidung angehen werden, dürften die Kosten dieses Streitfalles mehrere 100 000 Marck ausmachen.

In der letzten Zeit sind verschiedentlich in der Presse Mitteilungen erschienen, daß ander Tiroler österreichischen Grenze die ital ienischen Garnisonen verstärkt worden sind. Wie hierzu von unterrichteter Seite mitgeteilt wird, liegen bisher keine Anhalts­punkte dafür vor, daß die italienische Regierung derartige Maßnahmen in Aussicht genommen habe. Auch die Meldung über bevorstehende Manöver an der Tiroler Grenze seien völlig unzutreffend.

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Von gestern abend 10 Ahr bis heute früh 1 '26 Ahr tagte unter dem Vorsitz Mussolinis der Große Faszistische Rat. Rach Erledi­gung verschiedener Fragen ernannte der Rat als

Rachfolger.Farina.ccis zum Generalsekre­tär der Faszistischen Partei den Abgeordneten Augusto T u r a t L Ihm werden vier Vize­sekretäre zur Seite stehen.

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Das britische Anterhaus lehnte bei der Fortsetzung der Debatte über die Elektri -- zitätsvorlage den Antrag der Arbeiter­partei auf Verwerfung der Vorlage mit 325 gegen 127 Stimmen ab und nahm die Vorlage in zweiter Lesung an.

Der durch seine Tätigkeit für die Sowjet- regierung bekannte französische Rechtsanwalt S a- boul wird sich demnächst nach Beirut begeben, um die Verteidigung von drei syrischen Rotabeln und von drei Direktoren radikaler und sozia­listischer Zeitungen von Damaskus und Beirut zu übernehmen. Seine Klienten stehen unter der Anklage, gegen die Regierung des Libanon einen Aufstand in Syrien angezettelt zu haben.

Kunst und Wissenschaft.

Line deutsche Akademie für Literatur.

Wie dieVossische Zeitung" hört, soll der alte Plan, der Berliner Akademie für Künste eine Sektion für Dichtkunst an­zugliedern, nunmehr verwirllicht werden. Das preußische Kultusministerium werde binnen kurzer Zeit mit einem Plan an die Oefsentlichkeit treten, der die Literatur in den Wirkungskreis der Aka­demie einschließt.

hochschulnachrichten.

Der österreichische Bundespräsident ernannte den ordentlichen Professor an der Aniversität München, Dr. Leopold Wenger, zum ordent­lichen Professor der Rechts- und Staatswissen­schaften an der Aniversität Wien.

Lin Offenbach-Fund.

Dem Privatdozenten für Musikgeschichte an der Wiener Aniversität Dr. Robert Haas ist es geglückt, in der Musiksammlung der dortigen Rationalbibliothek zwei vollständige Parttturen von der eigenen Hand Jacques Offenbachs auf­zufinden. Sie betreffen die OperetteDie Wild­diebe" (Les Braconniers") und das Märchen- spielDie Reise in den Mond" (2a Lune"),

Aus aller Welt.

Tragödie im Schnellzuge.

In dem V-Zug Budape stTemeS- var war auf einer Station ein Reisender ein* gestiegen, der ein schweres Maschinen­teil indas Gepäcknetz legte. Ein ungarischer Offizier, der mit seiner Gattin, die einen Säugling in den Armen hielt, im gleichen Abteil sah, machte den Reisenden darauf auf­merksam, daß das schwere Eisenstück berunte-r- fallen und Anheil anrichten könne. Der Passa­gier weigerte sich jedoch, das Eisenstück her- unterzunehmen. In einer Kurve fiel dann tat­sächlich das Stück herunter, zerschmetterte dem Säugling den Kopf und der Frau den Arm. Der Offizier sprang auf, zog eine Pistole und schoß den Reisenden nieder. Cs entftanb im Zuge eine Panik, und der Wagen, in dem sich die Tragödie abgespielt hatte, wurde auf der nächsten Station abgehängt und die Augenzeugen des Vorfalles sofort verhört. Der Offizier weigerte sich, von der Seite seiner ver­letzten Frau und seines toten Kindes zu weichen.

Fünf Todesopfer eines Aulounglücks.

In der Rähe von Rouen (Frankreich) fuhr ein Automobil gegen ein Haus. Es wurde durch den Anprall vollständig zertrümmert. Die Insassen, ein Ehepaar mit zwei Kindern und der Chauffeur, wurden auf der Stelle getötet.

Reue Erdstöße in Italien.

Aus der Umgebung von Florenz werden er­neut Erdstöße gemeldet, die zwar wenig Material­schaden angerichtet haben, aber in Verbindung mit Meldungen aus Triest und Belgrad über weitere Erdbeben auf dem Balkan nach Ansicht der Fach­gelehrten auf größere telurische Störungen, beson­ders in Dalmatien und Mittelitalien, schließen lassen.

Schwerer Tornado in Texas.

In Beaumont in Texas ist ein schwerer Tornado niedergegangen, dem auch Menschen­leben zum Opfer fielen. Der Tornado richtete in Beaumont und der Amgegend schwersten Schaden an. Einzelheiten fehlen, da die tele­graphischen Verbindungen unterbrochen sind. Es wurde bisher nur fest gestellt, daß viele Häu­ser niebetgeriffen sind. ,

Wettervoraussage.

Heiter bis wolkig, westllche Winde, milder, vorwiegend trocken.

Gestrige Tagestemperaturen: Maximum 17, Minimum 0,6 Grad CelsiuS. Riederschlüge: 0,4 Millimeter. Heutige Morgentemperatur: 2,3 Grad Celsius.

Haaß-Berkow -Festspiele.

In diesen Tagen werden die Haaß-Berkow-Spiele nach längerer Zeitspanne wieder in den Mauern unserer Stadt zu einem Gastspiel Einkehr halten. Der Rus, den die Spiele überall in den deutschen Landen sich im Laufe der Jahre errungen haben, verlohnt es, einige Worte über das künstlerische Wesen und Streben der Spiele zu sagen.

Von der Kunst erwartet man allgemein, daß sie dem Menschen das gibt, was ihm das übrige Leben versagt, daß sie ihn über sich selbst hinaus erhebt in die Regionen, in denen er seine geistige Heimat hat. Vielleicht ist keine andere Kunst dazu mehr ge­eignet, als die dramatische Kunst, wo der Mensch unmittelbar zum Menschen spricht. Aber unter allen Künsten ist sie auch die vielgestaltigste und vieldeutigste, sie ist unter allen die Kunst, welche am schwersten sich rein äußert und rein erhält. Schauspielkunst ist Menschengestal- tung: Der große göttliche Gestalter, dem der Mensch sich tätig als Material im künstlerischen Prozeß hin­gibt, ist das Wort. Dieses schöpferische llrwort ist die in sich bewegte und alles bewegende Urkraft der Sprache, die imstande ist, nicht nur das einzelne ge­sprochene Wort zu bilden, sondern auch den ganzen Menschen zu ergreifen und zu bewegen. Das Wort bedient sich des Menschen mit allen seinen künstle­rischen Äusdrucksmitteln, mit Mimik, Gebärde und Bewegung, mit allen Bühnenausdrucksmitteln, um sich durch ihn zur Darstellung, zur Wirkung zu bringen. Eine Pflege des Wortes, der Sprache, und eine ihr Wesen erfassende und zum Ausdruck brin­gende Sprachgestaltung müssen daher vor allem dem Schauspieler am Herzen liegen. Der Pflege des Wor­tes muß er alle Begeisterungsfähigkeit entgegenbrin­

gen. Das Wott belebt den Schauspieler und setzt ihn innerlich in Bewegung, und indem es mit Macht den seinem jeweiligen Wesensinhalt entsprechen­den Ausdruck sucht, ergreift es als gestaltendes Element nicht nur die Stimme, sondern auch die Ge­bärde, die Mimik, ja den ganzen Menschen. Die rechte Hingabe an das Wort ist für den darstellen­den Künstler eine Hilfe, um den richtigen Sprachstil für ein dramatisches Kunstwerk zu finden, die Aus­druckskraft des Wortes und der Sprache an sich weisen ihm den Weg zu einem, dem Kunstwerk selbst abgelauschten Darstellungsstil. Der Schauspieler sieht also hiermit eine weitere Aufgabe vor sich: der Aus­wirkung des Wortes vor allem dadurch den Weg zu bereiten, daß er sich körperlich und seelisch fähig macht, der inneren Bewegung, die im Worte lebt, durch die Gestaltung seiner eigenen Seelenbewegun­gen und seiner körperlichen Bewegungen im wei­testen Sinne zu ihrem gleichartigen Ausdruck zu ver­helfen. Das erst macht den Rezitator zum Schau­spieler, daß er dieses hinzunimmt, um dann mit Hilfe der Raumgestaltung und der Gestaltung seiner direk­ten äußeren Umgebung, der Bühne mit Dekoration, Kostüm und Beleuchtung, das dramatische Kunst­werk abgerundet zur Darstellung zu bringen. All dieses wird dazu dienen, ein Bühnenwerk einheitlich und stilvoll zu gestalten, der Bühnenkunst als Gan­zes Reinheit und Stil zu verleihen.

Schwieriger als diese theoretischen Erwägungen über Ziele und Aufgaben innerhalb der dramatischen Kunst ist nun die Frage, wie kann die schauspiele­rische Betätigung zu einem solchen reinen Stil ge­langen? Diese hohe und ernste Aufgabe der freu­digen Verkündigung des Wortes in seiner lebendigen Auswirkung durch die dramatische Kunst, lag von Anfang an allem zugrunde, was von den Haaß-

Berkow-Spielen ausging. Die Spiele begannen mit den mittelalterlichen Volksspielen, weil diese sich als nächstliegende Aufgabe zuerst boten, und weil ge­rade sie am unmittelbarsten zum Menschen sprechen. Wenn die Spiele im Verlauf ihrer Entwicklung und im Verfolg der sich gesteckten Ziele auch zu anderen Arten von Bühnenwerken übergegangen sind, so liegt doch gerade in den Mysterienspielen die Urkraft ihrer Kunst.

Aus dem Kreis dieser mittelalterlichen Spiele wird neben demParadeisspiel", das die Erschaf­fung der Erde und den ersten Sündenfall darstellt, derTotentanz" zur Aufführung kommen. Der in­nere Kern des Totentanzes ist geboren aus der Zeit, als der Tod im Weltkriege tagtäglich feine Opfer forderte, die äußere Form des Bühnenwerkes ist angelehnt an die malerische Gestaltung mittelalter­licher Toderlebnisse, an den Basler Totentanz von Holbein und an den Totentanz in der Lübecker Ma­rienkirche. DasOsterspiel" schildert die Auferstehung und Höllenfahrt Christi.

Diese weihevolle alte deutsche Volkskunst in ihrer ganzen Schlichtheit und menschlichen Symbolik ist am Vorabend des heiligen Osterfestes ein würdiges und edles Geschenk. Dr. Hg.

Modehunde.

Der Schmetterlingshund". den man so wegen seiner Schmetterlingsflügeln ähnlichen Ohren nennt, ist die neueste Mode in dem Bereich der Hundezucht. Besonders die eleganten Damen in England und in den Vereinigten Staaten müssen diese winzigen wunderlichen Tierchen als Schoß- Hündchen haben. DerPapillon" oder Schmet­terlingshund stellt keine neue Zucht dar, sondern er ist eine alte Rasse, die sich schon auf den Por­

träts der großen Meister der Vergangenheit fin­det: so ist z. D. Maria von Medict im Louvre von Rubens mit einem solchen Hündchen dar- gestellt, und ebenfalls zeigen Bilder der Madame de Pompadour in ihrem Schoß ein solches Hünd­chen. Man glaubt, daß dieser Hund ursprünglich aus dem spanischen Amerika nach Europa tarn; er ist durch viele Jahre nur noch in Frankreich und Belgien gezüchtet worden, bis er jetzt als Weltberühmtheit in den verschiedensten Ländern eifrige Züchter findet. Wie bei anderen solchen Spielzeughunden sind die kleinsten Exemplare die kostbarsten. Das Durchschntttsgewicht schwankt zwischen 5 und 6 Pfund und die Größe zwischen 8 und 10 Zoll: aber cs gibt noch viel 'winzigere Tierchen, so z. B. den vielfach preisgekrönten Piccolo von Flandern", der nur 21/^ Pfund wiegt und den Champion Mignon, der 4 Pfund schwer ist. Die Tierchen, deren "seidige Felle bald roc und weiß, bald schwarz und weiß ge­zeichnet sind, haben ein sehr liebenswürdiges und verträgliches Raturell. Für ein erwachsenes Tier werden mindestens 800 Mark gezahlt: der Preis für junge Tiere schwankt je nach der Schönheit zwischen 300 und 1000 Mark. Ein anderer Mode­hund, der jetzt immer mehr in Aufnahme kommt, ist der Brüsseler Terrier oderGriffon Druxelois". Dieses seltsame Tierchen ist ein rauh- haariger Miniatur-Terrier, dessen sanfte Ratur hinter einem furchtbar wilden Aussehen ver­steckt ist. Man hat diesen Gesichtsausdruck des Griffons als eineMischung zwischen den Zügen eines zornigen Affen und denen eines bärtigen russischen Dauern" bezeichnet: jedenfalls ist es richtig, daß kein anderer Hund der Wett sv aussiehL