mit
Paul Da-
Einige Gedichte, die Rilke In französischer
Sprache versaht und 1925 in einer
französischen
er
luftes zu begreifen und zu überschauen.
Svnnette der Louise Labs" (1918), lert), Gedichte" (1925).
Rainer Maria Rilke f.
Montreux, 29. Dez. (WTB.) Der hier zur Kur weilende Dichter Rainer Maria Rilke ist nach mehrwöchiger Krankheit gestorben.
Revue erscheinen lieh, waren Anlaß zu heftigen Angriffen von f.'ten des ^Türmer" und einiger deutsch-böhmischen Zeitungen auf die deutsche Gesinnung des Künstlers.
Ein paar beographische Rotizen vom Leben und Schaffen des Heimgegangenen: Rainer Maria Rilke wurde am 4. Dezember 1875 in Prag geboren als Sproh eines alten Kärntner Adels- geschlechts. Sein Tater war Offizier, und getreu der militärischen äleberlieferung seiner Familie kam der zehnjährige Knabe zur Erziehung in eine Kadettenanstalt. Rach Absolvierung des
Gymnasiums lebte der junge Rilke in Prag, München, Berlin, teils zu Studienzweclen, teils um eine ihm eingeborene Wanderlust zu befriedigen. In Ruhland wurde er stark durch slawisches Wesen, dem er sich durch Geburt verwandt fühlte, beeinfluht. Rachdem er sich 1901 in Worpswede längere Zeit aufgehalten, lieh er sich 1902 in Meudon bei Paris nieder. Durch seine Frau, die als Bildhauerin bei Rodin arbeitete, wurde Rilke in den Bannkreis dieses Künstlers gezogen, wovon sein im Inselverlag 1905 erschienenes Werk Auguste Rodin" beredtes Zeugnis ablegt. Auch Andrß Gide und Maurice du Gard, dem Herausgeber der „Nou- velles l.teraires“, ist der Dichter freundschaftlich nahegetreten, und dies Freundschaftsverhältnis wurde auch durch den Krieg, der Rilke schließlich den Aufenthalt in Paris unmöglich machte, nicht getrübt.
Rilke zählt zu den stärksten deutschen Lyrikern der Gegenwart. Er bezwingt vor allem durch die Beseeltheit und die Musik seiner Sprache, durch eine besonders in seinen ersten Gedichten oft ergreifende Schlichtheit des Ausdrucks und eine große Innerlichkeit. Schon mit 19 Jahren, 1894, veröffentlichte er seine ersten Gedichte unter dem Titel „Leben und Lieder". In rascher Folge erschienen weitere Dichtungen: „Larenopfer" (1895), „Traumgekront" (1897), „Zwei Prager Geschichten" (1899), das Drama „Das tägliche Leben" (1902) und das „Buch der Bilder".
Rilkes erste größere zusammenhängende Dichtung „Das Stundcnbuch", erschien in drei Büchern 1899, 1902 und 1903. Ein mystisches Sich» versenlen in Gott, ähnlich dem des Angelus Si- lesius im „Cherubinischen Wandersmann", jedoch dem durchaus antheistischen Gottesgefühl Rilkes entsprechend, erfüllt diese Lyrik.
Als Frucht seines Worpsweder Aufenthalts erscheinen 1905 die „Worpsweder Künstlermono- gra'ohien", im gleichen Jahr „Augusts Rodin", 190b „Die Weise von Liede und Tod des Cor- nets Christoph Rilke" wohl die bekannteste unter den Rilkeschen Dichtungen, von der 1924 das
Aus aller Welt.
Schwere Ueberschwemmungen in hinterindien.
Infolge des anhaltenden Regens am Weih- nachtstage führen die Flüsse der malayischen Staaten Hochwasser. Die dadurch verursachten Lleberschwemmungen sind die schlimmsten, die seit langen Jahren beobachtet wurden. Der Eisenbahnverkehr ist unterbrochen. Der Postverkehr hat schwer zu leiden. Der Schaden ist überall groß. Einige Städte sind vollkommen abgeschnitten. Das Geschäft stockt. Man vermutet zahlreiche Tote. In ganz Perak hat die Ausbeutung der Gummibäume und die Arbeit in den Bergwerken aufgehört.
An der Ostküste von Sumatra sind auch infolge starker Regengüsse große Lkeberschwem- mungen eingetreten. Die Eisenbahnlinien sind an zahlreichen Stellen unterbrochen und viele Eisenbahnbrücken dem Einsturz nahe. Man fürchtet eine vollkommene Einstellung des Berlehrs. Der Ort B e l a w a n ist vollkommen vom Ber- kehr abgeschnitten.
Witkerungsumschlag in Frankreich.
Paris, 30. Dez. (WTB. Funlspruch.) Die Witterung ist in Frankreich fast allgemein um* geschlagen. Die große Kälte hat bis auf wenige Bezirke, besonders in Südfrankreich, nachgelassen. Trotzdem sind gestern noch fünf Todesfälle infolge Erfrierens zu verzeichnen gewesen. 3m übrigen ist in Paris heute nacht die Temperatur auf 6 Grad über Rull gestiegen.
Lawinengefahr in den österrreichischen Alpen.
Aus den österreichischen Alpenländern wird b e i starkem Steigen der Temperaturen große Lawinengefahr gemeldet. Die alpinen Der-
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Wettervoraussage.
Bedeckt, zeitweise wolkig, keine wesentliche Aendcrui'.g der Temperaturen, mit stellenweisen Rieder chlägen muß gerechnet werden, westliche Win'
G ege Tagestemperaturen: Maximum 5,8 ©tcj > eljius, Minimum 3,9 Grad Celsius. Rie- derfchläge 0,8 Millirncter. Heutige Morgentem- peratur 2,4 Grad Celsius.
Bericht über die Wetterlage auf dem hoherodskopf
vom 30. Dezember morgens 8 D.hr:
Windrichtung: Rord.
Windstärke: stark.
Temperatur: minus 2 Grad Celsius.
Höchsttemperatur in den letzten 24 Stunden: minus 1 Grad Celsius.
Gesamtschneehöhe: 40 bis 50 Zentimeter.
Höhe des in den letzten 24 Stunden gefallenen Reuschnees: 5 Zentimeter.
Sportmöglichkeit: gut.
Rilke ist tot! Völlig überrascht und tief ergriffen steht man vor dieser Nachricht, die das Jahr 1926 noch mit einem so schmerzlichen Verlust belastet. Rilke hat sich bei Lebzeiten so sehr vor der Welt in sich verschlossen, daß man nicht eher von ihm wußte und hörte, als wenn ein neues Buch von ihm erschienen war. Nur zweimal noch drang spärliche Kunde von diesem in tiefster Seele adligen Menschen in die Oeffentlichkeit. Dor wenigen Wochen hatte man ihm einen selbstverständlichen Ehrenplatz in der deutschen Dichterakademie angetragen. Weil man nicht wagen dürfte, ihn zu übergehen, und wohl obgleich man wissen mußte, daß er diese Ehrung nicht annehmen würde. Rilke hat abgelehnt, wie zu erwarten stand, wie er es immer getan hat, wie es feinem innersten Wesen gemäß war. Und bann noch einmal, jetzt, heute, diese paar dürftigen Zeilen ans der Schweiz: Er ist tot. „Nach mehrwöchiger Krankheit.^ Wer hat gewußt, daß er leidend war, wohin er sich zurückgezogen hatte? Die meisten, die ihn liebten — und wie viele in Deutschland haben diesen Dichter geliebt und brennenden Herzens gelesen! — wußten ja nichts von seinem äußeren Leben,
Das britische
China-Memorandum.
London. 29. Dez. (Reuter.) Die britische Regierung hat von den Mächten noch keine amtliche Antwort auf das Memorandum betreffend China erhalten. Man glaubt aber zu wissen, daß die Rote allgemein eine gute Aufnahme gefunden hat, obwohl Frankreich weiter Zurückhaltung zeigt und Japan zur Kritik geneigt scheint. Man glaubt, daß die Borschläge von beiden Parteien in China angenommen werden, insbesondere die Vorschläge betreffend die sofortige Anwendung der im Washingtoner Vertrag vorgesehenen Zuschlag s z 5 l l e.
Die Entsetzung von Siamfu.
London. 29. Dez. (WTB.) Einer Reuter- meldung aus Schanghai zufolge spielten sich erschütternde Szenen ab, als die Streitmacht Fengyusiangs das von einem der Generale Wupeifus seit sieben Monaten belagerte Siamfu, die Hauptstadt der Provinz Sensi, entsetzte. Tausende von Menschen nahmen an den Toren der Stadt unter Freudentränen Karrenladungen mit Lebensmitteln entgegen. Seit mehr als einem Monat starben täglich mehr als 500 Menschen an Hunger und Kälte. Die Todesfälle während der Belagerung werden auf 15 bis 20 000 geschätzt. Außerdem mußten die Kaufleute und die übrigen Einwohner den Militärbehörden noch über 2 Millionen Dollar ab- liefern.
Kanton erhöht die Jollzuschläge.
Han kau, 29. Dez. (WB.) Das Kantoner Finanzministerium hat durch Verordnung vom 27. d. M. die Zollzuschläge um 21/» bzw. 5 Proz. für den ganzen Herrschaftsbereich der Kuomintang erhöht. Die Verordnung tritt am 1. Januar 1927 in Kraft.
Die Erwerbslosigkeit.
Berlin, 29.Dez. (WB.) Die Zahl der Hauptunterstühungsempsänger In der Erwerbs- wsensürsorge hat auch in ber ersten Dezember- Hälfte eine weitere Zunahme erfahren. In der Zeit vom 1. bis 15. Dezember 1926 ist die Gesamtzahl der Hauptunterstühungsempsänger von 1 369 000 auf 1 464 000 gestiegen. Die Ge- famtzunahme beträgt rund 95 000 oder 6,9 Proz. Frankreichs Lhinapolitik.
Keine Einmischung in den Bürgerkrieg.
Paris, 29. Dez. (Havas.) Briand hat von dem I)eutigcn Ministerrat die Haltung billigen l lassen, die die französische Regierung bei ihren Beziehungen zu China einzunehmen gedenkt. Nachmit- k" tags wurden vom Ministerrat Instruktionen an die französischen diplomatischen Vertreter abge« ' sandt. Gleichzeitig empfing der Generalsekretär des Quai d'Orsay, B e r t h e l o t, den chinesischen Gesandten in Paris. Die französische Regierung will nichtausihrer abwartenden Haltung h e r a u s t r e t e n , die sie seit Anfang des Konflikts in China eingenommen hat. Dadurch, daß das yoreign Office das englische Memorandum gleichzeitig mit bei; UebermiUelung an die interessierten Machte auch durch die Presse verbreiten
Stillsten und Stetigsten und vielleicht am tiefsten und innerlichsten vom Dämon künstlerischen Gestaltens Entzündeten, dem, der am frühesten scheiden mußte, nach Rilke.
Hm die Umwälzung, die sein Schaffen für die deutsche Lyrik bedeutet, zu begreifen, muß man sehr weit zurückdenlen und die in manch?m ähnliche, in vielem grundandere Gestalt Heines sich ins Gedächtnis rufen. Ein so Rcues, so Anderes, so noch nie Erlebtes war in den Gedachten des jungen Pragers mit einem Male da, ein so vielfältig Reucs, daß es langer Sammlung bedurfte, um nur die vielfältigen und anfangs kaum wahrnehmbaren, feinen Linien zu erlernten, die die Kunst Rilkes anderen dichterischen Elementen. Einflüssen und Eindrücken von innen und außen her verbinden. (Drei große Kreise, drei geistige Welten seien wenigstens im Dorübergehen an- gebcutet: Frankreich, Skandinavien und Rußland.)
Rllke ist — man sträubt sich fast gegen das Wort — in unserer Lyrik ein Revolutionär gewesen, wie der gleichaltrige Thomas Mann für den Roman. Wie mit dessen ,Buddenbrooks" (1901) stand man mit Rilkes ersten und frühen Gedichten staunend vor einer großen Wende. Eine ganze neue Sprache schien plötzlich laut geworden in einem Einzigen, eine Musik des Wortes von unendlicher Melodie, bezaubernder rhythmischer Rundung, eine inbrünstige, mönchisch-mystische Hingabe an Gott und seine im Gewaltigsten, im Felsblockwerk Michelangelos, wie im Kleinsten, in den unscheinbaren „Dingen" des täglichen Lebens angebetete Welt. Die frühen Prager Liedstrophen, die innigen „Geschichten vom lieben Gott" und die in ein paar begnadeten Stunden in schlackenloser Reinheit vollendete „Weise von Liebe und Tod" sind uns vielleicht ein leidenschaftlicher geliebtes Vermächtnis des großen Toten, als jene Bücher einer höchst gepflegten, gesteigerten, unendlich verfeinerten Kunst des Wortes und der Form, die man wohl am ehesten beschwören wird, wenn man in Deutschland darangeht, die Totenllage um den Dichter Rainer Maria Rilke zu erheben. —y—
Aus der provinzialhauptstadt.
Gießen, den 30. Dezember 1926.
gur Berufswahl.
Obwohl es noch etwa drei Monate dauert bis zu den Schulentlassungen an Ostern, so ist doch jetzt schon die Zeit, in der sich die jungen Leute überlegen müssen, welchen Beruf sie ergreifen wollen. Im Handwerk ist es üblich, mit dem Jahreswechsel die Lehrlinge anzunehmen, die um Ostern eingestellt werden sollen.
Das Städtische Berussamt in Darmstadt hat nun eine Neuerung getroffen, die in weiten Kreisen der Bevölkerung viel Beifall gesunden hat, nämlich berufskundliche Vorträge. Diese waren für die Elternschaft und die Jugendlichen zugleich bestimmt und wurden von Vertretern einzelner Berufe oder Berufsgruppen gehalten. Cs wurden in diesen Vorträgen die Vorbedingungen für einen Beruf dar- gelegt, die erforderliche Schulbildung, die materiellen, die körperlichen und die geistigen Voraussetzungen. Daran schloß sich die Schilderung des Lehr- oder Studienganges an, und schließlich wurden die Kosten der Ausbildung, sowie die Aussichten eines Berufes besprochen. Die Vorträge fanden fast allabendlich statt und erstreckten sich über den Zeitraum eines Monats. An einem Abend waren durchschnittlich drei Dorträge. Am stärksten waren, sowohl von den Eltern wie von der Jugend, die Dorträge über die akademischen Berufe besucht. An die Vortrüge schloß sich eine Aussprache an, in der oft recht ausgiebig aus der Zuhörerschaft heraus Fragen gestellt wurden.
Die kn den Vorträgen behandelten Themen lauteten u. a.: Land- und Forstwirtschaft, Gärtnerei, Obst- und Weinbau, Metallgewerbe, Holzgewerbe, Baugewerbe, Papierverarbeitung (Buch- Pinder und Kartonagenarbeiter), Dervielsälti- gungsgewerbe (Schrifllctzer, Buchdrucker usw.), Sattler, Kürschner, Schuhmacher, Schneider und Mützenmacher, Müller, Bäcker, Konditor, Metzger, Friseur, Masseur, Handlungsgehilse, Bankangestellter, mittlere Beamtenlausbahn, gewerbliche Frauenberufe, soziale Frauenberufe, Volks- schullehrer, Studienratslaufbahn, mekizinisches Studium, tierärztlicher Beruf, Chemie, Pharmazie, Maschinenbau, Elektrotechnik, Bauingenieurwesen, Architektur, Jurisprudenz, höhere Handelslaufbahn, neusprachliche und altsprachliche Philologie und Theologie.
Das Gesamtbild, das sich ergab, war, daß die handwerklichen Berufe Wohl diele Bewerber haben, daß jedoch die Zahl der Lehrstellen verhältnismäßig gering ist, denn deren Zahl ist gesetzlich festgelegt. Es muh also ei“*? gewisse Auslese stattfinden. Die meisten Knabei suchen in der Automobilindustrie oder sonst in Dr-
Rilkes Rame bezeichnet In der Geschichte des deutschen Schrifttums einen markanten Wendepunkt. mit ihm und jenen andern beiden groyen Gestaltern seiner G.neration, George und Hofmannsthal, mit denen man, bei aller Verschiedenheit der inneren Struktur Rilke oft genug zusammengestellt hat und immer w'edrr auch in einem Atem nennen wird, war em neues künstlerisches Geschlecht in Deutschland erstanden. Aber während George schon seit Jahren verstummt ist, während, was man von Hofmannsthal inzwischen hörte, nicht mehr die Süße und Reife seiner früheren Kunst an sich tragt, hat Rilke, sehr verborgen zwar, aber innerlich wachsend, seinen Weg zur Vollendung still verfolgt, und es kann sein — heut wird eS noch niemand wissen —. daß man in späteren Jahren den Kreis dieser wahrhaft jungen Dichter nach dem einen nennen wird, bem
lieh, verzichtet die englische Regierung selbst daraus, ihren Plan einer kollektiven Er klar u n g auszuführen. Bis zum Ausgang des Konflikts will sich die französische Regierung jeder Ein- mijchung in die chinesische Jnnenpolitik ent' halten. Die französische Regierung ist der Ansicht, daß es inopportun sei, über den Kopf der einander entqeqenftepenben chinesischen Regierungen hinweg die Rechte der Ausländer zur Debatte zu stellen. Nach ihrer Ansicht ist es vielmehr kluger, die Krise sich noch entwickeln zu lassen, bis zu dem Tage, an dem Verhandlungen mit den Behörden eingeleitet werden können, die wirklich die chinesische Regierung vertreten. In diesem Augenblick wird sich Frankreich dafür einsetzen, die Beziehungen Chinas den ausländischen Nationen zu bessern.
trieben fttt Metalltcchnik unterzukommen, ober sie bezeichnen als Ziel ihres Wunsches, Elektrotechniker zu werden. Gemeint ist von ihnen damit zumeist der Installateur elektrischer Leitungen: sie haben nicht die Ausbildung als Techniker hn Auge, die nur auf einem Technikum erworben werden farm. Dor diesen Berufen wurde im allgemeinen sehr gewarnt, well sie stark überfüllt sind. Selbstverständlich wurde von den Rednern auch über die akademischen Berufe erklärt, daß diese zur Zeit wenig günstige Aussichten bieten. Die Ingenieure sind in den nächsten Jahren zweifellos nicht alle In Deutschland unterzubringen: ihnen wurde empfohlen, sich für einige Jahre ins Ausland zu begeben, namentlich nach Amerika, und bann, besonders auch an Welt- unb Menschenkenntnis bereichert, nach Deutsch- land zurückzukehren, wo sie bann zumeist geeignete Stellungen finden. Bei fast allen akademischen Berufen wurde von den Redner r er- klärt, daß im Zusammenhang mit den wirtschaftlichen Verhältnissen die Aussichten sehr wenig aussichtsreich wären, aber cs wurde betont, man solle sich dadurch keineswegs von einem Studium abschrecken lasten, wenn man sich dazu berufen fühle. Es sei ja unmöglich heute zu sagen, wie die Verhältnisse in etwa fünf Jahren beim Abschluß des Studiums wären: eS könnte da manches anders geworden fein.
Einen Einblick in die Aufgaben ber Berufsberatung gewährte besonders ein Vortrag, den Schuldirektor a. D. Munch Vorstand des Beruf Samtes Dürnberg, gehalten hat. Der Redner erklärte u. a„ eine fastchr Berufs- einschätzung habe zu einem Andrang ou bett akademischen Berufen und zu einer Unterschätzung des Handwerks und ber Landwirtschaft geführt. Die Berufszählung habe 16 000 verschiedene Berufe ergeben. Die Berufsberatung könne zur Auffindung ber richtigen Stelle dienen. Die „Bewirtschaftung des Menschen" sei heute eine Wissenschaft geworden: cs müsse erreicht werden, daß ein Mensch möglichst viel und möglichst Wertvolles leistet. Die Berufsberatung wolle, daß mehr Schüler höherer Lehranstalten praktischen Berufen zugeführt werden: am meisten brauchten Schüler, die von den unteren Klassen aus eine höhere Lehranstalt verlassen, eine solche Beratung. Auch die körperlich und geistig Erwerbsbeschränkten, die etwa 10 Prozent der Schulentlassenen ausmachm, konnten durch die Berufsberatung geeigneten Stellen zugeführt werden, so daß sie der Volksgemeinschaft nützen. Für die Eltern bestehe die Pflicht, die körperliche und geistige Eignung für den zu erwählenden Beruf zu prüfen und den Rat ber Berufsberatungsstelle einzuholen, denn die Wirtschaft werde immer vielseitiger, verwickelter, und ber einzelne könne die Berufe und die Berufsaussichten nicht mehr überleben.
Es wurde dringend empfohlen, vor ber Berufswahl den jugendlichen Bewerber oder die Bewerberin der pshchotechnischen Eignungsprüfung zuzuführen: diese wird von einem Institut der Technischen Hochschule in Darmstadt vorgenommen. Die Eltern brauchen sich nur an das Berussamt zu wenden, das bann die Prüfung ber jungen ßeute kostenlos vornehmen läßt. Es wird festgestellt, ob sie bie von einem bestimmten Beruf verlangte Eignung besitzen.
Dieses System der Berufsberatung, das bereits in vielen Städten besteht, kann sicher manches Gute stiften: es will ja zunächst nur die Berufsberatung im allgemeinen: die spezielle Beratung ist dadurch keineswegs überslüsfig geworden. Diese wird von Fachleuten ii^ persönlicher Aussprache mit den Ratsuchenden erfolgen.
295. Tausend aufgelegt wurde. Es folgten 1907 „Reue Gedichte", 1909 „Requiem", 1910 „Aufzeichnungen des Malte Laurids Drigge" (ins Französische übersetzt), 1913 „Das Marienleben".
Der Krieg und feine lähmende Wirkung ließen auch in Rilkes Schaffen eine lange Pause eintreten. Aber reifer und lebenbejahender trat der Dichter 1923 mit seinem Band „öonnette an Orpheus" vor die Oeffentlichkeit, denen er im gleichen Jahre die „Duineser Elegien" folgen ließ.
Als öleberseher hat sich Rilke um die äleber- tragung folgender Dichtungen ins Deutsche verdient gemacht: „Sonnette der Elisabeth Barrett- Browning nach dem Portugiesiscben (1903)“, »Kentaur" von Maurice de Guerin (1914), »Portugiesische Briefe" (1913), Andre Gide: »Die Rückkehr des verlorenen Sohnes" (1914), „24
hatten kaum je ein Bild von ihm gesehen. Und nun ist er tot. Kurz nach feinem 51. Geburtstag ist gestorben. Welch ein Alter für einen Unsterblichen! Es ist fast unmöglich, sich in ein paar drängenden Minuten zu sammeln und die Bedeutung dieses Ver-
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ein unbedingtes Hindernis für eine wahre Befriedung ist und stets bleiben wirb. Dabei ist es nicht einmal erforberlich, daß unser Dersöhnungs- wille derart mit Keulen niedergeschlagen wird, wie es vor wenigen Tagen durch ein völlig unverständliches mil i t är g er i ch t lich es Urteil in der benachbarten Pfalz geschehen rst, bas zu unserer Genugtuung bei den maßgebenden Stellen der betreffenden Besatzungsmacht Anklang nicht gesunden hat. Was wir wollen, das rst aber nicht Gnade, sonder n R e ch t. das Recht, wenn nicht schon auf völlige Srerheit, bann doch wenigstens auf ausreichenden Sch u h aller friedlichen Bürger des unfreien Gebietes.
Rach der Eröffnungsrede wurde Oberbürgermeister Dr. Jarres, Duisburg, wieder zum Dorsihenden gewählt. Im Anschluß daran beschäftigte sich Landeshauptmann Dr. Horion eingehend mit dem geplanten Bau einer Autostraße Köln—Düsseldorf. Eine entsprechende Dorlage wurde den Fachausschüssen überwiesen. Hierauf brachten die Sozialdemokraten einen Antrag ein, der vom Reich und Staat größere Hilfe für das notleidende Volk am Rhein fordert. Die nächste Sitzung des Provinziallandtages findet Donnerstag statt. Auf ber Tagesordnung steht eine Entschließung zu dem Landauer Urteil.
Der Kampf um die deutsche Schule in Oberschlesien.
Calonder gegen die polnischen Ncbergriffc.
Berlin, 29. Dez. (WTB.) Präsident Calonder von der gemischten Dölkerbundskom- mission für Oberschlesien hat die Beschwerde des Deutschen Vollsbundes in Kattvwitz über bie Streichung von 7114 von 8560 Anmeldungen zur deutschen Minderheitsschule in feiner am 24. Dezember 1926 veröffentlichten „Stellungnahme" a l s berechtigt anerkannt. Diese erklärt die polnischerseits erfolgte behördliche Rachprüfung der Zugehörigkeit zur sprachlichen Minderheit und die darauf gestützte Streichung für zu unrecht erfolgt und ordnet an, daß bie Kinder unverzüglich den Minderheitsschulen zu überweisen seien. Die polnischen Behörden werden gleichzeitig ersucht, Strafmandate wegen ber bisherigen Schulversäumnisse zu unterlassen bzw. zurückzuziehen. Die Stellungnahme erblickt in der Vorladung und protokollarischen Vernehmung der Eltern eine Verletzung des Genfer Abkommens und eine unzulässige Einwirkung auf die Erziehungsberechtigten. Der Wortlaut der fraglichen Bestimmungen über bie freie Selbstbestimmung ber Erziehungsberechtigten sei im übrigen bei den Genfer Verhandlungen von ber polnischen Delegation vorgeschlagen, unb Polen habe selbst in anderen Verträgen, z. D. mit Danzig unb ber Tschechoslowakei, auf derselben Lösung bestanden. Für den Fall, daß die polnischen Behörden seine „Stellungnahme" nicht annehmen sollten, erklärt eS der Präsident für dringend notwendig, den Völkerbundsrat zu bitten, den ganzen Rechtsstreit In seiner nächsten Session zu entscheiden.
einigungen warnen vor Skitouren, besonders im Hochgebirge.
Aulounsall des Oberpräsidenten Roste.
Oberpräsident Roske hat im Harz auf einer Dienstreise in seinem Auto einen Unfall erlitten und sich dabei einen einfachen Rippenbruch zugezogen. Der Oberpräsident hat das Sanatorium Barna in Braunlage aufgesucht, wird aber bald nach Hannover zurückkehren.
Ein Automobil vom Schnellzug zermalmt.
Ain Bahnübergang von Eaeskirke bei Dix. muiden fuhr ein mit vier Damen besetztes Auiomo- bllirn Nebel auf einen S ch n e l l z u a , wobei das Auto völlig zerstört und die vier Fahr- gäste getötet wurden. Der Chauffeur erlitt lebensgefährliche Verletzungen.
3m Auto vom Zuge überfahren.
Arn Bahnübergang der Kottbus—Peitzer Chaussee durchfuhr ein Kraftwagen auf der vereisten Straße die Bahnschranken und blieb auf den (Bleien stehen. In diesem Augenblick kam von Frank- urt a. d. O. ein Güterzug heran und erfaßte mit )cn Puffern der Maschine das Auto, das etwa 20 Meter weit geschleift unb bann bie Böschung hinabgeschleubert würbe. Während der Kraftfahrer unverletzt blieb, erlitt der Fahrgast, Pastor Riese, ber von einer Beerbigung zurück- kam, so schwere Verletzungen, baß er bald barauf im Kottbuser Krankenhaus verschied.
Ein weiblicher Gerbermeister.
In Grieskirchen (Oesterreich) hat sich ein Fräulein G r o ß r u ck, das vor einigen Tagen in Linz seine Meisterprüfung mit bestem Erfolg abgelegt hat, als erster weiblicher Gerbermeister von Oesterreich niedergelassen.


